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Full text of "Handbuch der allgemeinen und speciellen Arzneiverordnungslehre : auf Grundlage der Pharmacopoea Germanica ed. altera"

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Medical Library 



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HANDB UCH 



der 



allgemeinen und speciellen 



Arzneiverordnungslehre. 






Auf Grundlage 
der 

Pharmacopoea Grermanica ed. altera 



4 

bearbeitet von 



Dr. €. A. Ewald, und Apoth. E. Lüdecke 

Professor an der Kgl. Universität in Berlin. (Simon's Apotheke) in Berlin. 



Zehnte 



neu umgearbeitete und vermehrte -Auflage. 



Berlin 1883. 
Verlag vom August Hirsch wald. 



N.W, Tutor den Linddii 68, 






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Alle Rechte vorbehalten. 



Vorrede zur zehnten Auflage. 



Uie mit dem 1. Januar d. J. zur Ausgabe gelangte Pharmacopoca 
Germanica editio altera hätte naturgemäss, auch wenn dieselbe nicht 
ohnedies benöthigt gewesen wäre, eine erneute Umarbeitung des vorlie- 
genden Werkes zur Folge haben müssen. Prof. Waidenburg Avar mit 
den Vorbereitungen hierzu beschäftigt, als ihn sein früher Tod aus dieser 
wie aus so vielen anderen Arbeiten herausriss und seinem fleissigen 
Schaffen ein Ziel setzte. Ihm ist in diesem Jahre auch Herr Dr. C. 
Simon gefolgt. Herr E. Lud ecke ist wie in der Ue bernahme der 
Apotheke so auch hier an seine Stelle getreten. 

Nicht nur der hierdurch eingetretene Wechsel der Persönlichkeiten, 
auch die Berücksichtigung der neuen Pharmacopoe sowie die grosse 
Rührigkeit, welche das therapeutische Gebiet in den letzten Jahren be- 
lebte, hat eine Reihe von Aenderungen, welche ebensowohl in Kürzungen 
und (wenigen) Streichungen, als in vielfachen Erweiterungen und Ein- 
schic bungcn bestehen, veranlasst. 

Ueber die Grundsätze, welche uns bei der Pierausgabe der neuen 
Auflage leiteten, hat sich der Eine von uns schon in einem ,> Arznei- 
verordnung und Pharmacopoe« betitelten Aufsatz (Berl. klin. Wochen- 
schrift. 1883. No. 1.) ausgesprochen. Sic bestehen in möglichster Con- 
servirung dos gegebenen Bestandes, aber in der Ausmerzung vieles 
überflüssigen Ballastes, welcher einer nicht geringen Anzahl der aufge- 
führten Arzneikörper angehängt war. 

Denn bei einer genaueren Prüfung der vorigen Auflage konnten wir 
uns nicht verhehlen, dass sehr Vieles darin mit Beharrlichkeit von einer 
derselben in die andere übertragen worden war — wesentlich wohl aus 
Rücksicht auf eine mehr vermuthete wie wirklich vorhandene und jeden- 
falls nichl not h wendige Liebhaberei mancher Practiker — , was einer 
strengeren Kritik nicht Stich halfen konnte. Vieles stammte aus einer 
Zeit, die ihre Freude und Befriedigung darin fand, »nach unendlichon 



IV Vorrede zur zehnten Auflage. 



o 



Kecepien das Widrige zusammenzugiessen«, den Erfolg ihrer Therapie 
mit grosser Kritiklosigkeit zu beurtheilen und demzufolge Indicationen- 
aufzustellen, welche den Anforderungen einer vorgeschrittenen und strenger 
richtenden Gegenwart durchaus nicht mehr entsprechen. Auf der anderen 
Seite tauchen, seitdem sich die Therapie das Feld der organischen Ver- 
bindungen mehr wie bisher erschlossen, seitdem die genauere therapeu- 
tische Durchforschung der transatlantischen Länder und der gesteigerte 
Verkehr mit ihnen uns auch ihre therapeutischen Schätze in gesteigertem 
Masse zugeführt hat, man kann wohl sagen fast täglich neue Heilmittel 
auf, wie es überdies an neuen Indicationen für ältere Präparate nicht 
gebricht. Viele von ihnen führen nur ein Eintagsleben. Nach ober- 
flächlichen und unzureichenden Beobachtungen angepriesen, fallen sie 
ebenso schnell der Vergessenheit anlieim, als sie mit grossem Aufwand 
von Reclame aufgetaucht sind, und über Vieles, was vor und in diesen 
letzten 7 Jahren als eine gewichtige therapeutische Errungenschaft galt, 
ist jetzt schon wieder der Stab gebrochen. Hierzu kommt, dass die 
Tendenz der gegenwärtigen Medicin mehr und mehr darauf ausgeht, be- 
stimmten prägnanten Indicationen durch eine möglichst einfache Arznei- 
verordnung, deren Tragweite möglichst genau zu übersehen ist, gerecht 
zu werden, nicht aber nach dem Grundsatze, »wer Vieles bringt, wird 
Manchem Etwas bringen" die verschiedenartigsten Stoffe zusammenzu- 
häufen. Auch haben wir gelernt, durch die Vereinfachung der Appli- 
cationsmethoden (Capsules, Compression von Arzneimitteln, Inhalationen, 
subcutane Injection, Clysmata etc.) eine Menge von Zusätzen, Geschmacks- 
corrigentien, Deckungsmitteln u. s. w. der älteren Pharmacie überflüssig 
zu machen. Wir suchen mehr und mehr das wirksame Princip der 
einzelnen Droguen zu isoliren, bestimmte, wohlcharakterisirte chemische 
Complexe zu verwenden, deren Zusammensetzung uns schon a priori 
bestimmte Rückschlüsse auf ihre arzneiliche Wirkung gestattet. 

Man denke nur an die umschriebene Wirkung einzelner Alkaloide, 
ihren Zahl sich täglich mehrt, an die Theorie der Chloral-, der Formamid- 
Quecksilberwirkung, an die synthetisch dargestellten Körper, wie das 
Ilomatropin und jüngstens das Kairin, an die grosse stets wachsende 
Gruppe von Präparaten der organischen Verbindungen, wie die Benzole, 
Aldehyde etc. 

So hai sich die Arzneiverordnung in den letzten Jahren sehr ver- 
einfacht, wird sich in Zukunft noch mehr vereinfachen und die langen 
Recepte eines van Swieten, Heim, Rademacher, Hufeland, Rust, 



Vorrede zur zehnten Auflage. 



D' 



Oesterlen u. s. f. werden mehr und mehr der Vergessenheit anheim- 
fallen. Dies ist denn auch der Ort, wo wir am meisten reinigend und 
streichend vorgegangen sind. Indessen haben wir auch hier mit grosser 
Selbstbeschränkung verfahren und nur das ausgemerzt, was unumgänglich 
nothwendig war. Auch so bleiben noch eine grosse Zahl von Recept- 
formeln übrig, für welche wir keine Verantwortung übernehmen möchten. 
Aber wie wir schon an der angeführten Stelle bemerkt haben, handelt 
es sich bei einer Arzneiverordnungslehre im Wesentlichen um die Bei- 
bringung des vorhandenen Materials, während die Begutachtung desselben 
in den Hintergrund tritt, so dass die Herausgeber nur zwanglos, wo es 
ausdrücklich bemerkt ist, für die Güte und Brauchbarkeit desselben 
eintreten. 

In dem allgemeinen Theil sind des Nachschlagens wegen sämmtliche 
Arzneiformen — auch die heutzutage kaum noch in Frage kommenden, 
wie z. B. die Rotulae — beibehalten worden. Die Fortschritte der 
neueren Technik und die Specialwissenschaften, bei letzteren unter gütiger 
Beihilfe bewährter Fachgenossen, sind überall berücksichtigt. 

Von einer Kritik der neuen Pharmacopoe haben wir uns, mit ganz 
wenigen Ausnahmen, fern gehalten. Bekanntlich wird dieselbe augen- 
blicklich in der pharmaceutischen Presse einer z. Th. wenig günstigen 
Besprechung unterzogen. Wir hielten es für richtig an dieser Stelle nicht 
darauf einzugehen. 

Zum Schluss noch einige auf die Anordnung des Stoffs bezügliche 
Bemerkungen: 

1) Die der Pharm. Germ. cd. II. angehörigen Mittel sind durch 
einen * hervorgehoben, die in den früheren Ausgaben üblichen Bezeich- 
nungen n (neu) f (selten) haben wir als verwirrend bei Seite gelassen. 
Bei selteneren oder neueren nicht in der Pharmacopoe enthaltenen Mitteln 
rathen wir, dass sich der Arzt erst mit dem Apotheker ins Einver- 
nehmen setzt. 

2) Die lateinischen und deutschen Benennungen der Pharmacopoe 
sind gesperrt gedruckt. 

3) Die Charakteristik der Rohpräparate (Droguen, Salze etc.) ist 
überall insoweit angegeben — wo möglich mit den Worten der Phar- 
macopoe — als sie für den Arzt von Interesse ist. Lediglich pharma- 
ceutische Daten haben wir fortgelassen. 

4) Der immer mehr zunehmende internationale Verkehr macht es 
nothwendig, wo immer möglich, die englischen und französischen Be- 



VI Vorrede zur zehnten Auflage 



© 



Zeichnungen beizufügen, sie sind nur da fortgelassen, wo die betreffenden 
Droguen in den Pharmacopöen nicht aufzufinden waren oder ganz gleich- 
lautend mit der bei uns üblichen Bezeichnung sind. 

5) Seltenere Gifte resp. ihre Alkaloide, wie Muscarin, Delphinin etc., 
sowie die Antidote sind nicht berücksichtigt, ebenso die Geheimmittel. 
Für Beides sind die Specialwerke zu consultiren. Betreffs der volumetri- 
schen Bestimmungen muss auf die Pharm. Germ. ed. IL verwiesen 
werden. 

6) Bei den in der neuen Pharmacopoe gestrichenen, in der alten 
mit Maximaldosen versehenen Mitteln sind dieselben nach der alten 
Pharmacopoe hinzugefügt. 

7) Mehrfache Zuschriften machten uns auf die Ulizuverlässigkeit der 
den Recepten beigefügten Preise aufmerksam, Avir haben dieselben um 
so lieber fortgelassen, als es uns, abgesehen von dem angeführten, aus 
der wechselnden Taxe hervorgehenden Uebelstande überhaupt nicht recht 
würdig erscheinen wollte, diese in der übergrossen Mehrzahl der Fälle 
nur um 25 Pf. differirenden Preisbestimmungen, die überdies die Ueber- 
sichtlichkeit hindern, beizufügen. Die Preise der einzelnen Mittel sind 
ja nach der Taxe angegeben — von dem Worte Cucumeris ab nach der 
mit dem 1. Januar 1883 erschienenen Medicinaltaxc — und so kann 
sich Jeder, dem es darauf ankommt, den Preis eines lleceptes im con- 
creten Falle ungefähr berechnen. 

8) Aus dem therapeutischen Theil des Inhaltsverzeichnisses sind die 
Namen der Autoren hinter den Zahlen als ohne Belang fortgelassen. 
An ihre Stelle sind die sicii auf die Zahlen beziehenden Mittel und 
Präparate getreten, eine bei der Benutzung desselben zur schnellen 
Orientirung sehr nützliche Massnahme. 

Kür die sorgfältige Abfassung des Registers sind wir Herrn 
Dr. J. Boas zu Dank verpflichtet. 

Berlin, im März L883. 

C. A. Ewald. II. Lüdecke. 



Inhalt. 



Erster Tlieil. 

Allgemeine Arzneiverordnungslehre Seite 

Einleitende Bemerkungen 3 

Gewichts- und Masskunde 6 

a) Gewichte (5 

b) Raum- und Hohlmasse 10 

c) Flächen- und Längenmasse 12 

Die Arzneiverordnungsformen 14 

I. Arzneiformen, welche dem Magen einverleibt werden (innere 

Mittel im engeren Sinne) 14 

1. Trockene Formen 14 

a) Species . 14 

b) Pulver, Paloeres 15 

c) Pillen, Pilulae 19 

d) Bissen, Bali 24 

e) Gelatinekapseln, Capsulae gelatinosae 25 

f) Gallerttafeln, Gelatinae medicatae in lamellis .... 25 
g) Pastillen, Plätzchen, Tabletten, Trochisci, PastllU . . 26 
h) Zeltchen, Tabernacala 28 

i) Zuckerkügelchen, Rotulae 28 

k) Morsellen, Morsuli 28 

1) Ueberzuckerungen, Confectiones 29 

m) Stäbchen, Stängelchen, Bacilli 29 

2. Halbüüssige Formen 29 

. a) Latwerge, Electuarium 29 

b) Kräuterzucker, Conserva 31 

c) Gallerte, Gelatine 31 

3. Flüssige Formen 33 

a) Tropfen, Guttae 33 

b) Mischung, Mixtara . 3G 

c) Saturation 38 

d) Emulsion 40 

e) Schüttelmixtur, Mixtara agitanda 42 

f) Lecksaft, Lindas 43 

g) Extractionsformen 44 

a) Macerations-Aufguss, In/usüm Jrigidc paratum . . 44 

ß) Digestions-Aufguss 46 

y) Aufguss, In/usüm 46 

d) Abkochung, Decoctum 48 

h) Molken, Serum Lactiv 51 

i) Kräutersaft, Saccus herbarum 53 

11. Arzneiformen zur Application auf die äussere Haut 54 

1. Trockene Formen 54 

a) Aetzstifte 54 

b) Streupulver, Fulris adspersoriua 55 

c) Trockene Umschläge, Fomenta sicca 55 



VIII Inhalt. 

Seite 

2. Weiche und halbflüssige Formen 56 

a) Pflaster, Emplastrum 56 

b) Salbe, Unguentum 59 

c) Flüssige Salbe, Linimentum 63 

d) Breiumschlag, Cataplasma 64 

e) Pasten . 65 

3. Flüssige Formen 66 

a) Nasse Umschläge, Bähungen, Fomentationes, Epithemata 66 

b) Waschungen, Loüones 67 

c) Bäder, Balnea 69 

4. Elastisch -flüssige Formen 74 

a) Dampfbäder, Balnea vaporis 74 

b) Gasbäder , 75 

c) Räucherungen, Fumigationes 76 

III. Application auf die tieferen Hautschichten, das sub- 
cutane Bindegewebe und die unmittelbar darunter 
gelegenen Theile 77 

1. Endermatische Methode 77 

2. Subcutane Injection 80 

IV. Application auf die Schleimhäute 84 

1. Application auf die Schleimhaut der Augen 85 

2. Application auf die Schleimhaut der Nase 88 

3. Application auf den äusseren Gehörgang uni das Mittelohr 90 

4. Application auf die Schleimhaut der Mund- und Schlundhöhle 92 

5. Application von Medicamenten auf die Athmungsorgane . . 97 

6. Application auf die Schleimhaut der Harnorgane 103 

7. Application auf die Schleimhaut der weiblichen Sexualorgane 106 

8. Application auf die Schleimhaut des Mastdarms 109 

V. Injectionen von Arzneimitteln in die Venen 114 

VI. Injectionen von Arzneimitteln in seröse Höhlen und Cysten 115 

Zweiter Tlieil. 

Specielle Arznei verordnungs lehre 117 

Erklärung der Zeichen 118 

Alphabetisches Verzeichniss sämmtl icher gebräuchlichen Arzneimittel . . 119 

Register der Mittel und Präparate 702 

Register der Autoren 772 

Therapeutisches Register 798 



Allgemeine Arzneivcrordmingslehre. 



IC wähl und Simon. A !/.:;••! vr ronlii u n^sl.-li ir. In. Aull. 



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JAN 2 8 1922 



Einleitende Bemerkungen. 



D 



ie in Krankheitsfällen ertheilten therapeutischen Verordnungen werden, so- 
weit sie Arzneistoffe betreffen, entweder mündlich oder schriftlich gegeben. 
Mündliche Verordnungen sind nur bei indifferenten Stoffen statthaft; wo sie 
erfolgen, muss die Anweisung die genaue Bezeichnung des Arzneimittels und 
seiner Gebrauchsweise enthalten; darf man dem Gedächtniss der Kranken 
nicht vollkommen trauen, so ist es noth wendig, der Arzneiverordnung eine 
schriftliche Notiz beizugeben, die aber, da sie eben nur die volksthümliche 
Benennung eines Mittels und seine Gebrauchsweise enthält, keineswegs als 
eine schriftliche Arzneiverordnung im strengeren Sinne des Wortes bezeichnet 
werden kann. 

Für die mündliche Verordnung eignen sich namentlich solche Mittel und 
Präparate, welche auch ohne ärztliche Anweisung oft in Gebrauch gezogen 
werden, und deren Wirkungsweise eine gewisse volksthümliche Bekanntschaft 
erworben hat, so z. B. Leberthran, Wiener Trank, Kurella'sches Brustpulver, 
Brustthee, Hoffmanns-Tropfen u. s. w. — Als eine nicht unwesentliche Rück- 
sicht für die mündliche Arzneiverordnung darf die bezeichnet werden, dass 
die in Folge dieser Verordnung mittelst Handverkaufs aus der Apotheke ent- 
nommenen Mittel in der Regel bedeutend billiger zu stehen kommen, als bei 
der Verabfolgimg auf ein geschriebenes Recept (da die betreffenden Gefässe in 
der Regel mitgebracht werden, die Verabreichung ohne Signatur erfolgt u. s. w.). 

Auf Stoffe von nur einigermassen differenter Wirkung oder Präparate, die 
solche Stoffe enthalten, darf die mündliche Verordnung sich nicht erstrecken. 

Oft ist die Arzneiverordnung insofern eine gemischte, als man die be- 
treffenden Arzneistoffe aus der Apotheke auf ein schriftliches Recept verab- 
folgen lässt, aber für ihre weitere Vorbereitung zum Gebrauch den Kranken 
oder dessen Umgebung mit mündlichen Instructionen versieht. So verordnet 
man z. B. Macerations-Species. aus welchen mittelst domestiker Bereitung ein 
Macerations-Infusum hergestellt wird u. s. w. Diese Verordnungsweise, welche 
allerdings manche Ökonomischen Vortheile darbietet, ist jedoch nur da statt- 
haft, wo die für die schKessliche Herstellung der Arzneiverordnung nothwen- 
digen Manipulationen keine besondere Geschicklichkeit und Aufmerksamkeit 
erfordern, und wo man liberzeugl sein darf, dass der Zweck der Verordnung 
auch bei minder exaeter Ausführung doch nicht beeinträchtigt werde. 

Die schriftliche Arznei Verordnung , das Recept, Praescriptio medica, 
besteht V) aus der Benennung der zur Verwendung kommenden Arzneistoffe 
und Bezeichnung ihrer Quantität, 2) der Anweisung für den Pharmaceuten, 
in welches Verhältniss oder in welche Form jene Arzneistoffe zu bringen seien, 
und 3) uns der Anweisung für den Kranken über den Gebrauch der Arznei. 
Ist eine solche Verordnung bereits von dev Pharmakopoe gegeben, so dass 
nur der Name derselben, nicht aber ihr Combinations - Verhältniss auf 

1* 



Einleitende Bemerkungen. 



dem Recepte angeführt wird, so bezeichnet man sie als Formula officinalis im 
Gegensatze zur Formula magistralis, welche erst vom Arzte selbst zusammen- 
gestellt wird. 

Als formelle Einleitung zu dem Recepte wird demselben die Ueberschrift, 
welche Ort und Datum der Vorschrift enthält, sowie das Wort Recipe (ge- 
wöhnlich in der Abkürzung ly oder Rec.) vorangeschickt. Die zu verabrei- 
chenden Arzneistoffe werden in gesonderten Reihen aufgeführt und hinter jedem 
einzelnen Namen die Gewichte oder Masse angegeben. Sind diese für mehrere 
der verordneten Arzneistoffe dieselben, so wird die Gewichts- und Massbe- 
zeichnung nur bei dem letzten, mit der vorangängigen Bemerkung ana (in 
Abkürzung äa) aufgeführt. 

Die einzelnen Bestandteile der Arzneiverordnimg haben eine für den 
Zweck derselben verschiedene Dignität; dasjenige Mittel, welches den eigent- 
lichen Träger der therapeutischen Intention bildet, bezeichnet man als Basis, 
Hauptmittel, während dasjenige, welches man ihm etwa beigesellt, um diese 
Intention sicherer zu erreichen, das Unterstützungsmittel, Adjuvans, bildet. 
Setzt man noch einen Stoff hinzu, welcher der Arznei eine für die Sinnes- 
wahrnehmung angenehme Beschaffenheit geben soll, so bezeichnet man diesen 
als Corrigens, während derjenige Stoff, durch welchen die Arzneiverordnung 
ihre Form erhält, das Constituens oder Excipiens abgiebt. Diese verschiedenen 
Kategorien von Bestandteilen finden sich aber keineswegs in jedem Recepte 
vor, vielmehr strebt eine rationelle Arzneiverordnung danach, so einfach als 
möglich componirt zu sein, mithin die Basis so passend auszuwählen und in 
so ausreichender Dosis zu geben, dass sie keines Adjuvans bedarf und, wo es 
sein kann, das Excipiens gleichzeitig mit den Eigenschaften eines Corrigens 
auszustatten. 

Die Reihenfolge, in welcher die einzelnen Mittel im Recepte aufzuführen 
sind, wird durch ihre Dignität bedingt. Das Hauptmittel wird zuerst genannt, 
und dann folgen ihm Adjuvans, Corrigens und Excipiens. 

Verordnet man, wie z. B. in Species, eine Reihe von Mitteln, die unter 
sich als gleichberechtigt betrachtet werden sollen, so ordnet man die Reihen- 
folge gewöhnlich der Art, dass die gleichnamigen botanischen Theile nach 
einander genannt werden und zwar meist mit den Radices beginnend und auf 
Stipites, Folia und Flores übergehend; oder man führt zuerst diejenigen In- 
gredienzien auf, welche in ansehnlicheren Gewichtsmengen gegeben werden. 

Die Bezeichnung der Arzneistoffe erfolgt, sofern sie in der Pharmakopoe 
aufgeführt sind, unter ihren officinellen Namen; Abkürzungen sind nur in 
soweit zulässig, ;ils sie; das Verständniss nicht beeinträchtigen und müssen da, 
wo sie möglicherweise zu einem Irrthume führen könnten, gänzlich vermieden 
werden. (So darf z. B. nicht Kai. chlor, verordnet werden, da dasselbe 
ebensowohl Kalium chloratum wie Kali chloricum bedeuten könnte.) Der Ge- 
brauch von Zeichen für einzelne Benennungen, wie er ehedem üblich war, ist 
gänzlich beseitigt.*) 

*) Zum \ « - 1 si ;i n< 1 1» i >s der auf Reccptcn älterer Aerzte noch zuweilen vorkommen- 
den and namentlich in alten Werken häufig benutzten Zeichen theilen wir die wich- 

n derselben mit: ^Aqua; j Ferrum; £ Hydrargyrum; ' oder)) Argentum; 
© Aurum; I) Plumbum; S S.tibium; $ Cuprum; '2J- Stannum; A Sulfor; C T 3 Tar- 
tarus; Zincum; l- x H Acetum; t~ Acidnm; ü Alumen; cd Arsenicum; "0" Cera; 

Gummi; J) Nil nun; 7 Lapis; :£ oder X Magnesia; Q Sal; o°o Oleum; 
11 mel; 9 oder Saccharum; CD Sapo; Q Sebum; - r> - oder ~0~ Spiri- 

tus; // Tinctura ; //> Eferba; Poder $ oder ^y Pulvis; 4 Recipe. Selbstverständ- 
lich ist diese Zeichenschrift wie jede Greheimnisskrämerei aus der neueren Arzneivcr- 
ordnung ausnahmslos zu verbannen. 



Einleitende Bemerkungen. 



Die Bezeichnung der Quantitätsverhältnisse für die Arzneistoffe muss so 
deutlich geschehen, dass die Möglichkeit eines Missverständnisses ausgeschlossen 
bleibt. Man verordnet ausschliesslich Gewichts mengen. Bei flüssigen Arznei- 
stoffen, die in kleineren Quantitäten zur Anwendung kommen, pflegte man 
früher das Mengenverhältniss fast. ausschliesslich nach Tropfen und bei solchen, 
die in sehr grossen Quantitäten gebraucht werden, zuweilen nach Massen 
zu bezeichnen. Die neue Pharmacopoea Germanica verbietet jedoch ausdrück- 
lich diese Massbestimmungen, und dies mit vollkommenem Rechte im Interesse 
einer exaeteren Dosirung. Man thut deshalb gut, sich keine Ausnahme von 
dieser Vorschrift zu gestatten ; besonders achte man darauf, die gewohnte und 
deshalb lieb gewordene Verordnung nach Tropfen durch Gewichtsbestimmungen 
zu ersetzen, da gerade die Grösse der Tropfen, je nach der Mündung des 
Tropfgefässes und je nach der grösseren oder geringeren Schnelligkeit, mit 
welcher getropft wird, erheblich variirt. 

Zur Bezeichnung der Gewichtsmenge bedient man sich des Decimalsystems ; 
die zu Grunde liegende Einheit ist 1 Gramm. Eine Hinzufügung des Wortes 
Gramm kann zwar geschehen, ist aber überflüssig. Man bemühe sich, die Zahlen 
möglichst wenig complicirt und dem Decimalsystem angemessen zu gestalten, 
wobei hauptsächlich die durch 5 theilbaren Zahlen zu berücksichtigen sind.*) 

Bei dem früher üblichen Medicinalgewicht waren gewisse Zeichen in Ge- 
brauch (g = Uncia; 3 =Drachma; 9 = Scrupulus; ß = 7 2 )> c ^ e jetzt nur 
noch zum Verständniss älterer Verordnungen oder der Receptur anderer Länder, 
in welchen das frühere Gewicht noch in Anwendung ist, Beachtung verdienen.**) 

Wo man die Gewichtsmenge eines als Menstruum oder Excipiens dienen- 
den Stoffes nicht genau bestimmen kann, drückt man dies durch die Angabe: 
q. s. (quantum suffleit oder quantum satis) aus. 

Die Anweisungen für die pharmaceutischen Manipulationen, welche mit 
den Arzneistoffen vorzunehmen sind, werden denselben, und zwar in geson- 
derten Reihen, beigefügt (z. B. solve in, coque cum u. s. w.). Das Recept 
schliesst mit den Buchstaben M. D. S. (Misce, Da, Signa) ; wo die .Manipula- 
tion (solve, coque u. s. w.) bereits ausführlich erwähnt ist, oder wo nur ein 
Arzneistoff verordnet wird, fällt das M. selbstverständlich weg. 

Wo für die Verabreichung der Arznei noch eine besondere Anweisung 
nothwendig ist, wird diese dem D. hinzugefügt (z. B. D. in vitro nigro). Ist 
die Form der Arzneiverordnung erst noch näher zu bestimmen, so geschieht 
dies durch die Formel: f. (fiat) Emulsio, Pulvis, fiant Pilulae u. s. w., welche 
hinter dem M. folgt, und welcher man dann noch die nähere Anweisung über 
die Verabreichungsart hinzufügt (z. B. M. f. Pilul. Nr. X; consp. Lycopod., 
d. in scatula, oder M. f. pulv., dispensentur tales doses No. X, d(entur) in 
Charta cerata u. s. w.). 

Ein wichtiger Theil des Receptes ist die durch den eben erwähnten 
Buchstaben S. eingeleitete Signatur, welche die Anweisung enthält, wie die 
Arznei genommen werden solle. Je grösser die Genauigkeit ist, mit welcher 
die Anweisung ertheilt wird, um so entschiedener ist man gegen Missver- 
ständnisse gesichert; die oft aus Bequemlichkeit gemissbrauchte Formel: 
..Nach Verordnung" oder „Laut Bericht 1 ' ist nur da anzuwenden, wo es sich 



*) Bei zusammengesetzten ßecepten suche man dir licwichtsmcngc eines jeden 
einzelnen Mittels in möglichsl abgerundeten Zahlen zu bestimmen, ohne auf die Ab- 
rundung des Gesammtgewichts einen wesentlichen Werth zu Legen Nur in der Armen- 
praxis verdient auch die Gesammtquantität insofern eine Berücksichtigung, als der 
Preis «Irr Arzneiflaschen nach ihrem Inhalt in Abstufungen von je 100 Gramm sich 
berechnet, also beispielsweise eine Mixtur von zusammen 200 Gramm schon des Gc- 
fässes wegen billiger ist als eine solche von 205 Gramm. 

'*'*) Siehe die Zusammenstellung der verschiedenen Zeichen und Massbestiramun- 
gen p. 6. 



Gewichts- und Masskunck 



um nicht sehr differente Arzneistoffe handelt, und wo man auf die Intelligenz 
oder das Gedächtniss des Kranken und seiner Umgebung' sich verlassen kann. 
Die Sitte mancher Aerzte, die Signatur in lateinischer Sprache abzufassen 
und ihre Uebersetzung dem Apotheker zu überlassen, ist eine durchaus unge- 
rechtfertigte. 

Den Schluss des Receptes bildet (in gesonderten Reihen) der Name dessen, 
für den die Arznei bestimmt ist, und die Unterschrift des behandelnden Arztes. 

Soll eine schon früher gemachte Arznei, wenn dieselbe heftig wirkende 
Stoffe, wie z. B. Narcotica, enthält, auf dasselbe Recept noch einmal ange- 
fertigt werden, so muss letzteres vom Arzte mit einem desfallsigen Vermerke 
versehen werden. Derselbe besteht in der Bezeichnung „Reiteretur" nebst 
Datum und Namen des Arztes. Ohne eine solche Anweisung ist die Reite- 
rirung von derartigen Arzneien gesetzlich unzulässig. 

Die Recepte werden nach usueller und zweckmässiger Form auf Octav- 
blättern geschrieben, die breit genug sein müssen, um neben der Arzneiver- 
ordnung noch Raum für die Taxirung der Arznei und Bemerkungen des Apo- 
thekers (über die verabreichten Gefässe u. s. w.) zu lassen. 

Sind auf einem und demselben Recepte mehrere Arzneiverordnungen 
vorhanden, so wird zwischen jede ein trennendes Zeichen (Strich oder Doppel- 
kreuz oder ein wiederholtes ly) eingeschoben. Werden beide Seiten des Recept- 
blattes beschrieben, so ist dies auf jeder Seite durch ein Verte zu bemerken. 

Die Handschrift auf den Recepten muss leserlich sein, und die Unsitte 
mancher Aerzte, Hieroglyphen auf das Papier zu werfen, an denen die Divi- 
nationsgabe des Apothekers scheitert, ist sorgfältig zu meiden. Deutlichkeit 
und volle Verständlichkeit der Arzneiverordnung auch für den pharmaceutischen 
Novizen ist unumgänglich nothwendig, wenn nicht der Arzt sich zum Mitschul- 
digen von oft verderblichen Missgriffen machen will. 

Es ist möglichst zu vermeiden, Recepte mit Bleistift und ähnlich verlösch- 
baren Materialien zu schreiben. Wo dies dennoch aus irgend einem Grunde 
geschehen muss, hat nach ausdrücklicher Ministerialverfügung das Recept nur 
eine Gültigkeit von höchstens acht Tagen. 

Eine speciellere Belehrung über die bei den Arzneiverordnungen vorkom- 
menden Aeusserlichkeiten und Technicismen bietet die Beispielsammlung, welche 
wir bei der Besprechung jeder einzelnen Arzneiform geben werden. 



Gewichts- und Masslumde, 

a. Gewichte. 

Seit dem 1. Januar 1868 ist als Medicinalgewicht für den Norddeutschen 
Bund 1111*1 später für das gesammte Deutsche Reich das G-rammsystem einge- 
führt worden. 

Dasselbe ist ferner gültig in Frankreich, Italien, Belgien, Oesterreich. 
1 Gramm ist das Gewichl eines Kubikcentimeters destillirten Wassers 
bei 4° C. 

I Kilogramm . . . . = lOOo Gramm, 
1 Hectogramm . . . — 100 
1 Dekagramm . . . = 10 



I Decigramm ....== 0,1 
1 Centigramm . . . = 0,oi 
l Milligramm ... — 0,003 



Gewichts- und Massiv im de. 



Bei der Receptur ist es am einfachsten, die Gewichtsmengen nur nach 
Grammen zu bestimmen, wobei man die Bezeichnung Gramm nicht hinzuzu- 
setzen braucht. Z. B. verschreibe man statt 1 Kilogramm 1000,0; statt 

2 Hectogramm: 200,0; statt 5 Dekagramm: 50,0; statt 6 Gramm: 6,0; statt 

3 Decigramm: 0,3; statt 25 Centigramm: 0,25; statt 6 Milligramm: 0,006. 

Seit dem 1, Januar 1872 ist das Grammsystem auch für das Civilgewicht 
obligatorisch. Das Medicinalgewicht stimmt demnach gegenwärtig mit dem 
Civilgewicht vollkommen überein, mit dem unwesentlichen Unterschiede, dass 
in dem letzteren das Dekagramm auch die Bezeichnung Neuloth erhält. 

1 Kilogramm = 2 Pfund = 100 Dekagramm oder Neuloth = 1000 Gramm. 
1 - = 50 - - = 500 

1 - - = .10 

Das frühere Zollgewicht verhielt sich zum gegenwärtigen Granimgewicht folgen- 
dermassen : 

1 früheres Zollpfund = 500,0 Gramm 

1 - Loth = Vso Pfund . . . . = 16,(16... (IG 2 /,) Gr. 
1 - Quentchen = Vio Loth. . = 1,66... (l 2 / 3 ) - 
1 _ Zent = V 10 Quentchen. . = 0,166 ..( l / 6 ) - 

1 - Korn == %„ Zent = 0,016...(V 60 ) - 

Die Umrechnung des Grammgewichts in das frühere Zollgewicht ergiebt: 
1 Kilogramm = 2 Zollpfund 
1 Hektogramm = 0,2 - =6 Loth 

1 Dekagramm = 0,02 - =0,6 =6 Quentchen 

1 Gramm = 0,002 - = 0,06 = 0,6 - = 6 Zent 

1 Decigramm = 0,0002 - = 0,006 = 0,06 - =0,6 - = 6 Korn 
1 Centigramm = 0,00002 - = 0,0006 = 0,006 - = 0,06 - = 0,6 - 
1 Milligramm = 0,000002- = 0,00006 = 0,0006 - = 0,006- = 0,06 - 

Bis zum 1. Januar 1868 war in allen Staaten Deutschlands, bis zum 
1. October 1869 in Oesterreich, und auch gegenwärtig ist noch in England, 
Spanien, Portugal, Russland u. a., auch in den meisten Staaten Amerika's das 
Unzengewicht als Medicinalgewicht gebräuchlich: 

1 Medicinalpfund (Libra) = 12 Unzen 
1 Unze (3) = 8 Drachmen 

1 Drachme (5) = 3 Scrupel 

1 Scrupel (9) = 20 Gran. 

Das gegenwärtige Grammgewicht verhält sich zum früheren Medicinal- 
gewicht genau in folgender Weise: 

1 Gramm = 16,42038 Gran des früheren preuss. Medicinalgewichts. 

1 Decigramm = 1,64204 - 
1 Centigramm = 0,16420 - 
1 Milligramm = 0,01642 - 



1 Dekagramm (Neuloth — = 164,2038 Gran = 2 Drachm. 2 Scrup. 4,20 Gran 
1 Hectogramm = 1642,038 - = 3 Unzen 3 Drachm. 1 Scrup. 

2,04 Gran. 
1 Kilogramm = 16420,38 - = 2 Libr. 10 Unz. 1 Dr. 2 Scrup. 

0,38 Gran. 
1 Pfund des gegenwärtigen Mcdicinal- und Zollgewichts = 1 Libra B Unzen 
2 Scrupel 10,19 Gran = ca. 17'/ 10 Unzen des früheren preussischen Me- 
dicinalgewichts. 

Die Reductiou des früheren Gewichts in das neuere, ergiebt genau fol- 
gende Zahlen: 

1 Gran = 0,0609 Gramm 
1 Scrupel =1,218 
1 Drachme — 3,66 1 
I Unze = 29,23 



Gewichts- und Masskunde. 



Bei der praktischen Verwendung zur Receptur jedoch kann man ohne 
erhebliche Fehler die obigen Zahlen sich abrunden und 1 Gran = 0,06, 
9j = 1,2, 5j = 3,6 (wofür bei nicht differenten Stoffen 3,75 oder 4 Gramm 
gesetzt werden darf), Sj = 30,0 annehmen. 

Folgende Tabelle enthält die genaue und die annähernde Reduction des früheren 
Gewichts in das Grammsystem: 



Altes Gewicht 



Gramm genau 



Gramm annähernd, 
resp. abgerundet 

Die mit + bezeichneten Zahlen 
entsprechen der laut Minister.- 
Verf. vom 29. Aug 1867 den 
Apothekern vorgeschriebenen 
Umrechnung. 



Gramm. 

Eventuelle Verord- 
nung zur vollständigen 
Abrundung nach dem 
Decimalsystem. 



7 120 Gran 

/ioo 

/8(» " 

/60 " 

/50 

/40 

/30 " 

1/ 
/20 

r : 

/12 

%• - 

v. - 

'/. - 

1 



74 - 

Vi - 

V. - 

i - 

VI 

2 - 

• > - 

4 - 

5 - 

6 - 

7 - 

8 - 

9 - 

io - 

12 - 

16 - 

1 Scrupel 

1 ' 2 - (£ Drachme) 

2 - 

2%- 

1 Drachme 

4 Scrupel 

l ' 2 Drachme 

2 

•• 

1 (\ In/,) 

5 - 

6 - 

7 - 

1 Unze 



0,0005 

0,0006 

0,00075 

0,001 

0,0012 

0,0015 

0,002 

0,003 

0,004 

0,005 

0,006 

0,0075 

0,010 

0,012 

0,015 

0,020 

0,030 

0,061 

0,091 

0,122 

0,183 

0,244 

0,305 

0,365 

0,4-26 

0,487 

0,548 

0,609 

0,7:'. 1 

0,974 

1,218 

1,827 

2,436 

3,045 

3,654 

4,872 

5,48 

7,31 
10,96 
l 1,62 
18,27 
21,92 
25.5X 
29,23 



0,0005 


. 


0,0006 


1 


0,0008 


j 


0,001 


ff 


0,0012 


I 


0,0015 


\ 


0,002 


1 


0,003 


1 


0,004 


l 


0,005 


1 


0,006 


1 


0,008 


/ 


f0,01 


} 


0,012 


-j-0,015 




f0,02 




f0,03 




f0,06 




0,09 


} 


0,12 


0,18 




0,25 




0,3 




0,35 


} 


0,4 


0,5 


} 


0,55 


0,6 




0,75 




fi,o 


} 


tl,25 


t2,0 . 




1*2,5 




3,0 




1-3,75 




-h'»,0 
1-5,5 


} 


1-7,5 




tl 1,0 




tl5,0 




1 18,75 


} 


122,5 


25,0 




30,0 





Diese kleinsten Quan- 
titäten werden nur 
äusserst selten in 
Einzeldosen verord- 
net, kommen somit 
nur ausnahmsweise 
zur Receptur. Wo 
dies dennoch ge- 
schieht, ist eine Ab- 
rundung meist in- 
opportun. 

0,01 

0,015 

0,02 

0,03 

0,05 (= 5 / 6 Gran) 

0,1 (= 1,64 Gran) 

0,2 

0,25 

0,3 

0,4 

0,5 

0,6 
0,75 

1,0 

2,0 

2,5 

3,0 

4,0; bei indifferenten 

[Mitteln 5,0.] 
&,U 

7,5 oder 10 
10,0 oder 12,0 
15,0 

20,0 

2*5,0 

30,0 oder bei indiffe- 
renten Mitteln 25,0 



Gewichts- und Masskunde. 



Altes Gewicht. 



Gramm genau. 



Gramm annähernd, 
resp. abgerundet. 

Die mit -j- bezeichneten Zahlen 
entsprechen der laut Minister.- 
Yerf. vom 29. Aug. 1867 den 
Apothekern vorgeschriebenen 
Umrechnung. 



Gramm. 

Eventuelle Verord- 
nung zur vollständigen 
Abrundung nach dem 
Decimalsystcm. 



1 l / z Unzen 

2 

3 

3 V, 

4 

5 

6 

7 
8 

10 
1 Libra . 

IV. - • 

2 

3 



43,85 

58,5 

87,7 

102,3 

116,9 

146,1 

175,4 

204,6 

233,8 

292,3 

350,8 

526,0 

702,0 

1052,0 



45,0 
f60,0 
f 90,0 \ 
100,0/ 
120,0 
f 150,0 
f 180,0 






200 

230,0 

300,0 

f360,0 
500,0 
700,0 

1000,0 



50,0 

60,0 oder 50,0 

100,0 

120,0 oder 125,0 
150,0 

200,0 

250,0 
300,0 

300,0 oder 400,0 
500,0 
750,0 
1000,0 



Das Unzengewiclit in denjenigen Ländern, in denen es noch besteht oder 
bis vor kurzem bestanden hat, ist nicht tiberall gleichwertig ; nur die Ein- 
theilung desselben ist überall fast die gleiche. Eine Ausnahme in dieser letz- 
teren Beziehung bilden nur Portugal und Spanien (früher auch Frankreich 
sowie die italienischen Staaten) insofern, als daselbst 1 Scrupel nicht = 20, 
sondern = 24 Gran ist. Allein in Deutschland gab es ein verschiedenes 
Preussisches, Nürnberger, Baierisches, Hessisches, Badisches, Oesterreichisches 
Medicinalgewicht. Das frühere Preussische verhielt sich zum Nürnberger un- 
gefähr wie 50 : 51, zum Baierischen ungefähr wie 40 : 41, zum Oesterreichischen 
wie 50 : 60. 

Das englische Medicinalgewicht hat mit dem früheren Preussischen die 
Benennungen der Theil-Gewichte gemein: 1 Pound = 12 Ounces, 1 Ounce 
— - 8 Drains, 1 Dram = 3 Scruples, 1 Scrupel — 20 Grains. 

In Frankreich wird ausser dem Grammsystem zuweilen noch ein anderes, 
altes Medicinal-Gewicht gebraucht, welches als Poids de Livre metrique be- 
zeichnet wird. 1 Livre (Pfund) enthält 4 Quarterons, 1 Quarteron 4 Onces 



(Uncen), 1 Once 8 Gros (Drachmen), 
pule 24 Grains*). 

1 

1 

1 

1 

1 

1 



1 Gros 3 Scrupules oder Deniers, 1 Scru- 



Livre . . . = 

Quarteron = 

Once . . . = 

Gros . . . = 

Scrupule . = 

Grain . . . = 



Das noch bestehende oder früher 



500,0 Grammes, 
125,0 
31,25 

3,90 

1,30 

0,054 

gebräuchliche Unzengewicht der ver- 



ergiebl 



folgendes 



Bchiedenen Länder, mit dem Grammgewicht verglichen, 
Verhältnis*: 

1) 1 Gramm = 13,71 Gran des früheres Oesterreichischen Medicinal 

Gewichts, 



::: ) 1 Gran französischen Medicinal-Gewichts entspricht genau 54 Milligramm, wird 
aber, der Bequemlichkeit in der Eteceptur wegen, zu 50 Milligramm angenommen, so 
dass das Pfund nicht 9216, sondern 10,000 Grau enthält. 



10 Gewichts- und Masskunde. 



2) 1 Gramm 


= 15,36 


3) 
4) 


= 15,43 
= 16,00 


5) 


= 16,10 


6) 


== 16,12 


7) 


= 16,16 


8) 


= 16,42 


9) 


= 18,43 


10) 

12) '- 
13) 


== 20,05 
= 20,08 
■r-= 20,37 
= 22,30 



15,36 Gran Holländisches, früher Belgisches, Ba- 
disches und Schweizer M.-G., 

- Englisches M.-G., 

- Baierisches M.-G., 
Nürnberger und Russisches M.-G., 
Hessisches (und Dänisches) M.-G., 
Schwedisches M.-G., 
früheres Preussisches M.-G., 
Französisches Livres-G., 
Spanisches M.-G., 
Portugiesisches M.-G., 
Römisches M.-G., 
früheres Italienisches M.-G., 

Da in esterreich das frühere Gran- und Unzengewicht einen anderen Werth 
hatte wie in Preussen, so ist auch die Umrechnung in das Grammgewicht von der 
unseren verschieden. 

1 Gran des früheren österreichischen Medicinalgewichts = 0,0729 Gramm. 

1 Scrupel - = 1,458 

1 Drachme - - = 4,375 

1 Unze • = 35,0 

1 Libra ... = 420,0 

Für die Umrechnung aus dem früheren Gewicht in das neue metrische wird der 
österreichische Arzt die obigen Zahlen bequem in folgender Weise abkürzen können: 
1 Gran = 0,07; 1 Scrupel —1,5; 1 Drachme = 4,0 oder 4,5; 1 Unze = 35,0; 
1 Libra = 420,0 oder ca. 400,0. 

Das in Russland zu Recht bestehende Gewicht ist mit dem früheren Nürn- 
berger, welches in Süddeutschland verbreitet war, identisch. Dasselbe weicht nicht 
wesentlich von dem früheren preussischen ab, und man wird keinen nennenswerthen 
Fehler machen, wenn man die oben für das frühere preussische Gewicht angegebene 
Tabelle benutzt Genau ist das Verhältniss des früheren Nürnberger, jetzt noch in 
Russland herrschenden Medicinalgewichts zu dem Grammgewicht das folgende: 

1 Gran russischen Medicinalgewichts = 0,0621 Gramm. 

1 Scrupel - - = 1,242 

1 Drachme - = 3,726 

1 Unze - - = 29,808 

1 Libra - - = 357,7 

Zur Abrundung wird man setzen 1 Gran = 0,06; 1 Scrupel = 1,25; 1 Drachme 
= 3,75 oder 4,0; 1 Unze = 30,0; 1 Libra = 360,0. 

Will man, umgekehrt unser metrisches Gewicht in das russische Mcdicinalgcwicht 
übertragen, so hat man einfach 1 Gramm = 16 Gran (genau 16,1) zu setzen, und 
die weitere Umrechnung ist leicht. Man wird hierbei ohne Bedenken grösstenteils 
30 Gramm = 1 Unze; 10 Gramm = 3 Drachmen; 5 Gramm = l l /a Drachmen; 
1 bis 1,5 Gramm = 1 Scrupel; 1 Decigramm = 1 */ 2 Gran; 1 Centigramin = '/e Gran 
annehmen dürfen. 



1). Raum- oder Hohlmasse. 

Die Pharmacopoea Germanica schreibt ausdrücklich vor, sich niemals der 
Masse, sondern stets der Gewichte zur Bestimmung der Quantität der ver- 
ordneten Medicamente zu bedienen. Eine solche Vorschrift ist namentlich un- 
bestimmten Massen gegenüber nothwendig. Ein solches anbestimmtes Mass 
bilden gegenwärtig nur noch die Tropfen, da sie ihrer Grösse nach sein- diffe- 
riren, wogegen die im bürgerlichen Leben gesetzlichen Bohlmasse jetzt in 
präciser Weise geregell sind. Die früher üblichen Masse schwankten in sehr 
erheblichen Grenzen: selbst das verhältnissmässig genaueste und gangbarste 



Mass- und Gewichtskunde. 11 



Hohlmass , das Quart (Mensura) *) , war in den einzelnen deutschen Land- 
strichen erheblich verschieden ; noch unbestimmter und deshalb völlig unbrauch- 
bar waren die übrigen deutschen Masse, wie Kanne, Nösel, Seidel u. a. 

Seit dem 1. Januar 1872 ist an Stelle all dieser unbestimmten Masse 
das dem Grammgewicht entsprechende Raummass in Deutschland in Kraft 
getreten : 

1 Liter (oder Kanne = 1 Kubikdecimeter .= V l000 Kubikmeter 

= 1000 Kubikcentimeter 

1 Schoppen = V 2 Liter = 500 Kubikcentimeter 

1 Kubikcentimeter = V^oo Liter. 



1 Liter enthält genau 1 Kilogramm oder 2 Pfund destillirten Wassers 
bei 4" Cels. 

1 Kubikcentimeter enthält genau 1 Gramm destillirten Wassers bei 4" C. 

Durch die Einführung dieses Masses wurde nicht nur eine Uebereinstim- 
mung desselben mit dem in Frankreich, Belgien, Italien üblichen hergestellt, 
sondern es gewinnt das Raummass dadurch auch jene für wissenschaftliche 
Zwecke nothwendige Correctheit, die ihm bisher gemangelt hat. — Für münd- 
liche Arzneiverordnungen kann man sich desselben bedienen. 

Die für die Signatur gebräuchlichen Masse sind: 

1) Tropfen. Von fetten und specifisch schweren ätherischen Oelen 
(Oleum Caryophyll. und Oleum Amygd. amar.), von wässerigen Flüssigkeiten 
und Tincturen wird 1 Gramm = 20 Tropfen, also ein Tropfen = 0,05; von 
den übrigen ätherischen Oelen und Tincturen, Chloroform, Essigäther und 
Spir. aether. 1 Gramm = 25 Tropfen, also 1 Tropfen = 0,04; von Aether 
1 Gramm -~- 50 Tropfen, d. h. 1 Tropfen = 0,02 berechnet. 

Diese Verhältnisse sind jetzt in den preussischen Officinen nach den 
ministeriellen Bestimmungen zur Arzneitaxe durchweg massgebend und machen 
die früheren, sehr complicirten Angaben überflüssig. 

2) Theelöffel. Ein Theelöffel, dessen Grösse im übrigen sehr variirt, 
fasst, ganz gefüllt, im Durchschnitt 5 Gramm Flüssigkeit; knapp gefüllt — wie 
im allgemeinen bei Verordnungen gerechnet werden kann — ungefähr 4 Gramm. 
Ein Theelöffel Pulver variirt in Bezug auf sein Gewicht, je nach der Natur 
des Pulvers, sehr beträchtlich. Ein Theelöffel Magnesia usta wiegt etwa 
0,5 Gramm, ein Theelöffel Kräuterpulver etwa 1,5, ein Theelöffel Salz von 
gewöhnlicher Schwere, Zucker, Schwefel etwa 2,5 bis 3,5, ein Theelöffel Me- 
talloxyde und Schwefelmetalle 3,0 — 5,0. Im allgemeinen jedoch werden die 
Pulver in der Weise gemischt, dass das Durchschnittsgewicht der Mischung 
sich auf etwa 3,0 belaufen dürfte. — Eine Messerspitze, das ungenaueste 
aller Masse, kommt etwa l / 2 — l / A Theelöffel gleich. 

*) Das preussische Quart fasste genau 1143 Gramm = 39 l / 9 Unzen des früheren 
Mcdicinal- Gewichts destillirten Wassers bei 19° C. Man hatte sich aber daran ge- 
wöhnt, in den Apotheken auf das Quart stets 3ß Unzen (1052 Gramm) zu berechnen, 
welche gewogen, nicht, wie man voraussetzen sollte, in eiu 36 Unzen haltendes Gefass 
gemessen winden. Nach der bisherigen Ph. mil. entspricht: 

1 Berliner Quart Wasser = 1170 Gramm. 

Spir. Vini rectificatiss. . . = 9G0 

- Spir. Vini crudi = 1020 

Oleum Olivarum = 1U50 

Das österreichische Mass (Mensura austriaca) wurde zu 40 Unzen destillirten 
Wassers berechnet, und da, wie oben angegeben, sich das frühere österreichische Ge- 
wicht zum preussischen wie 5:6 verhielt, so mass ein österreichisches Quari Wasser 
48 Unzen = 14<U Gramm preussischen Äfedicinal-Gewichts. Bei Spiritus Viiii recti* 
ficatiss. wurde das österreichische Quart zu 32 i uzen bereohnet 



12 Mass- und Gewiehtskunde. 



3) Kinder löf fei. Ein Kinderlöffel wird = 2 Theelöffeln = l / 2 Ess- 
löffel berechnet. 

4) Esslöffel. Auch die Esslöffel variiren sehr in ihrer Grösse. Man 
berechnet im allgemeinen 1 Esslöffel zu 15 Gramm Flüssigkeit. Dieses Mass 
ist aber nur für kleine Esslöffel annähernd richtig, oder für grössere nur dann, 
wenn sie, wie es in der Regel bei der Darreichung von Arzneien geschieht, 
knapp gefüllt sind. Grössere Esslöffel, wie sie im Haushalte meist vorkommen, 
ganz gefüllt, messen 20 — 25 Gramm Flüssigkeit. — Ein Esslöffel Speeies kann 
durchschnittlich auf 10,0 berechnet werden. 

5) Ein Weinglas oder Tassenkopf wird meist zu 100,0 Gramm be- 
rechnet, ist aber ebenfalls, gemäss der sehr wechselnden Grösse dieser Gefässe, 
eine äusserst schwankende Massbestimmung. 

Das in Frankreich gebräuchliche Mass entspricht genau unserem gegen- 
wärtigen; nur hat dasselbe folgende Eintheilung: 

1 Litre = 10 Decilitres = 100 Centilitres = 1000 Millilitres. 

1 Litre Wasser entspricht genau an Gewicht 1 Kilogramme. 

1 Decilitre - - 1 Hectogramme. 

1 Centilitre - - 1 Decagramme. 

1 Millilitre - -'--..- 1 Gramme. 

Aeltere Mass -Bezeichnungen sind: 1 Pinte = ca. 9 /io Eitre, 1 Chopine 
oder Setier = l / 2 Pinte, 1 Poisson = '/* Chopine. 

In Grossbritannien sind folgende Masse gebräuchlich: 

1 Gallon (Congius) = 8 Pinten = ca. 4 Liter. 

1 Pint (Octarius) = 16 Fluidounces = ca. '/ 2 Liter. 

1 Fluidounce (Fluidouncia) = 8 Fluiddrams; entspricht dem Gewicht 
einer Unze (ca. 30,0). 

1 Fluiddram (Fluiddrachma) = 3 Fluidscruples. 

1 Fluidscruples =. 20 Minims. 

1 Minim entspricht dem Gewicht eines Grans oder ca. 0,06 Gramm. 



c. Flächen- und Längenmasse. 

Die Flächen- und Längenmasse kommen fast nur bei der Verordnung von 
Pflastern in Betracht. 

Das frühere Längenmas» war: 

1 Fuss (1') = 12 Zoll; 1 Zoll (1") == 12 Linien (12"'). 
Dem entsprechend war das Flächenmass : 

1 Quadratfuss ([""]') = 144 Quadratzoll; 

1 Quadratzoll (□") = 144 Quadratlinien (□"')• 

Zu wissenschaftlichen Zwecken hatte man sich seit lange des französi- 
schen Deeimalmasses bedient, welches nun auch bei uns seit dem 1. Januar 
L872 allgemeine und alleinige Gültigkeit erlangt hat. 

Die Einheit bildet das Meter oder der Stab (französisch Metre) = 
:>' 2" 3.H'" unseres früheren Masses. 

1 Millimeter (oder Strich) . = 0,001 Meter (= 0,46'" unseres frü- 
heren Masses). 
1 Centimeter 'oder Neuzoll) = 0,01 - (= 4,6"*). 

1 Decimeter =1,1 - (=3" 10'"). 

l'm das alte Längenmass in das neue unizurechnen genügen folgende 
Daten: 

1 Linie — 2,17 Millimeter. 

1 Zoll = 26 - = 2,6 Centimeter. 

1 Fuss =313 - = 31,3 - = 3,13 Decimeter. 



Gewichts- und Masskunde. 13 



Dem entspricht das Flächenmass, welches nach Quadratcentimetern zu 
berechnen ist: 

1 Quadratcentimeter = 0,0001 Quadratmeter = 100 Quadratmillimeter. 

1 Quadratcentimeter ist ungefähr = 0,15 []" = 21 \^\'" des früheren Maasses. 

1 Quadratzoll = 676 Quadratmillimeter = 6,76 Quadratcentimeter. 

Bei der Receptur von aufgestrichenen Pflastern verordnet man entweder 
das Flächenmass nach Quadratcentimetern, oder was vorzuziehen ist, das 
Längenmass der Länge (longitudo) und der Breite (latitudo) gesondert nach 
Centimetern. 

Diese präcise Massangabe ist den oft sehr ungenauen Massbestim- 
mungen, wie sie meist üblich sind (z. B. Thalergrösse , Grösse der Hand- 
fläche u. s. w.) bei weitem vorzuziehen. (Das Nähere weiter unten bei den 
Pflastern.) 



Die Arzneiverordnun^s-Formen. 



JJie Arzneiverordnungen zerfallen, je nach den Organen, durch welche sie 
dem Körper zugeführt werden, in folgende Formen: 

I. Arzneiformen, welche dem Magen einverleibt werden 
(innere Mittel im engeren Sinne). 

1. Trockene Formen, 
a. Species. 

Die Species bestehen in gröblich zerkleinerten Drogen, deren weitere 
Präparation für den Gebrauch im Hause des Kranken durch Maceration, Di- 
gestion, Aufguss oder Abkochung u. s. w. bewirkt wird; gewöhnlich werden 
Species zum Aufguss oder zur Abkochung verordnet (Species ad Infusum thei- 
forme). Die meisten zu Species verordneten Substanzen sind Theile von Ve- 
getabilien (Wurzeln, Hölzer, Stengel, Blüthen); in nicht seltenen Fällen werden 
Salze, entweder für sich in Speciesform, meistens aber mit Kräutern vermengt, 
als Species verordnet. 

Die in der Apotheke vorgenommene Zerkleinerung der rohen Drogen zu 
Species wird entweder durch Zerschneiden (Concision) oder Zerquetschen (Con- 
tnsion) bewirkt. Das Zerschneiden geschieht in Stampfkästen von starkem 
Holze, in denen mit Messern versehene Stampfer auf- und niedergestossen 
werden, oder in der' Art, dass zunächst die Drogen durch Schneidemaschinen 
in Scheiben zerschnitten und diese demnächst in Stampfkästen zerkleinert wer- 
den. Die Contnsion wird in metallenen oder steinernen Mörsern oder zwischen 
eben solchen Walzen bewirkt. Nach der Zerkleinerung werden die Species 
zuerst auf einem gröberen Siebe von den noch nicht genug zerkleinerten Stücken, 
später auf einem feineren Siebe von dem beigemengten Pulver befreit. 

Für die Verordnung in Species eignen sich nur solche Mittel, bei deren 
Dosirung es nicht auf Genauigkeit ankommt, und für deren weitere Bereitung 
es keiner besonderen Geschicklichkeit bedarf. 

Wie bei *\cv Mehrzahl der Arzneiverordnungen, bat man auch bei den 
Species darauf zu sehen, dieselben dem Geschmacke des Kranken möglichst, 

zugänglich zu machen; die für diese Form meistens gewühlten Corrigentien 
Bind entweder zuckerhaltig (Rad. Liquiritiae, weniger zweckmässig: Caricae, 
Passulae, Manna. S.icchannn in frustulig, welches letztere man füglich im 
Hause billiger beschaffen kann) oder aromatisch (Fol. Menth., Cort. Pruct. 
Aurant., Cort. Cinnamom. Cassiae). Sogenannte Verechönerungs- Corrigentien, 
wie Zusätze von Flor. Etosar. , Flor. Cyani, sind für die zu innerlichem Ge- 
brauche bestimmten Species vollkommen obsolet. 



Sp 



ecies. 



- Pulv 



er. 



15 



Das Verschreiben der Species geschieht entweder der Art, dass die gleich- 
namigen botanischen Tlieile, von der Wurzel beginnend, untereinander geordnet 
werden, oder dass die vorzugsweise wirksamen Bestandtheile (Bases) zuerst 
und demnächst die secundär wirksamen (Adjuvantia) und schliesslich die Ver- 
besserungs-Zusätze (Corrigentia) genannt werden. 

Man verordnet die Species in einer Gesammtquantität und weist den Kran- 
ken an, wieviel derselben er für den jedesmaligen Gebrauch zu verwenden 
hat, oder man lässt in der Apotheke die zur jedesmaligen Anwendung kom- 
mende Menge besonders dispensiren; letztere Methode vertheuert die Verordnung 
unnützer Weise, da es sich hier durchgängig um indifferentere Medicamente 
handelt, bei denen es auf eine genaue Dosirung nicht ankommt. 

Die Signatur der Species giebt ihre weitere Bereitungsweise entweder in 
allgemeiner (zum Theeaufguss) oder in genauerer Bezeichnung der Dosis und 
Manipulation an; letzteres ist insofern zweckmässiger, als bei der häuslichen 
Bereitung meistens auf den Unterschied zwischen Infusion und Abkochung 
wenig Gewicht gelegt wird. 

Beispiele. 



I. T^ 

Rhiz. Graminis 50,0 
Rad. Liquiritiae 10,0 
Herb. Millefol. 25,0 
Fol. Menth, pip. 
Fruct. Foenic. ana 5,0. 
C(oncisa) (Contusa). M. f. spec. D. S. 
Einen Esslöffel voll mit zwei Tassen 
kochenden Wassers aufzugiessen. 
[Infusions-Species ] 



II. 



Iy 



Rad Sarsaparill. 25,0 
Cort. Frangul. 10,0 

Fruct. Aurant. 5,0 
Fol Senn. 10,0. 
C. M. f. spec. D. S. Einen kleinen Ess- 
löffel voll mit zwei Tassen Wasser auf 
eine einzukochen. 

[Decoct-Species.] 



III. ty 

Rad. Valerian. min. 50,0 
Fol. Meliss. 25,0. 
C. M. f. spec. D. S. Einen halben Ess- 
löffel mit einer Tasse kalten Wassers 
zu übergiessen und mehrere Stunden 
stehen zu lassen. 

[Macerations-Species ] 



IV. 



R 



Rad. Gentian. 20,0 

Rhiz. Galangae 

Fol. Menth, pip. 

Cort. Cinnam. Cass. ana 10,0 
C. M. F. spec. D. S. Mit einer Flasche 
Rothwein zu übergiessen und 24 Stun- 
den lang an erwärmtem Orte stehen zu 



lassen. 



[Digestions-Species.] 



b. Pulver, Pulveres. 

Je nach dem Grade der Feinkörnigkeit, welche ein Pulver besitzt, be- 
zeichnet man dasselbe als ein gröbliches (Pulvis grossus s. grossiusculus) oder 
feines (Pulvis subtüis); der früherhin als ausnahmsweise bezeichnete Grad der 
Feinkörnigkeit, welchen man Pulvis subtilissimus oder alcoholisatus benannte, 
ist jetzt, bei dem zweckmassigeren Zustande der Zerkleinerungs-Apparate, jedem 
leinen Pulver eigen. 

Die zum Pulvern dienenden pharinaccutischen Operationen bestehen darin, 
dass die betreffenden Substanzen entweder im eisernen oder steinernen Mörser 
zerstossen oder in Mahlgängen zermahlen und durch ein feines Siel» geschlagen 
werden. Die namentlich bei einigen Metallsalzen von hohem speeilisehem Ge- 
wicht und einigen Kalksalzen anzuwendende Zerkleinenings-Methodo besteht 
im Schlemmen (Elutriatio), wobei die betreffenden Substanzen unter Wasser 

zerrieben werden, was mittelst eines Sehlemm- Apparates geschieht. 

Zur Verordnung in Pulverform eignen sieh diejenigen Substanzen, welche 
an Und für sieh in diese Form gebrnelit werden können, also Yegetabilien, 



16 Pulver. 

trockene Harze, trockene Extracte, nicht zerfliessliche Salze; es können jedoch 
auch halb- oder ganzflüssige Substanzen (flüssige Extracte, ätherische Oele, 
Tincturen, Balsame), wenn dieselben nicht in zu grosser Quantität dargereicht 
werden sollen, durch Vermengung mit einem als Excipiens dienenden Pulver 
in die in Rede stehende Form gebracht werden. Man sei jedoch darauf be- 
dacht, immer nur verhältnissmässig geringe Quantitäten der halb- oder ganz- 
flüssigen Substanz der Pulvergrundlage beizumengen ; durchschnittlich darf man 
als Regel annehmen, dass zu 1 Gramm der Pulvergrundlage höchstens etwa 
0,3 einer halb-, oder 0,1 — 0,15 einer ganz flüssigen Substanz beigemengt 
werden dürfen. (Beispiel IV— VII.) 

Als Constituentia dienen hauptsächlich: Saccharum, Saccharum Lactis, 
Gummi Arabicum, Pulvis Radicis Liquiritiae. Des Zuckers bedient man sich 
meistens zur Aufnahme trockener Substanzen und der ätherischen Oele, wäh- 
rend Milchzucker am zweckmässigsten für die Anwendung von Tincturen und 
geringen Mengen unlöslicher Salze, Gummi Arabicum für die Verreibimg mit 
weichen Harzen, Balsamen und Seifen, und Rad. Liquiritiae für die Verreibung 
von flüssigen oder weicheren Extracten gebraucht wird. 

Zur Geschmacks-Correction der Pulver dienen theilweise die eben ange- 
gebenen Constituentia , ferner Gewürze (Cort. Cinnamomi Cass. , Cort. Fruct. 
Aurant., Rhiz. Zingiberis u. s.w.), Elaeosacchara. Bei solchen Mitteln, welche 
leicht Nausea erregen und deren Wirkung dadurch häufig nicht zur vollen 
Geltung kommt, ist Pulvis aerophorus ein sehr vorteilhaftes Geschmacks- 
Corrigens, welches auch in den meisten Fällen den beabsichtigten Heilzweck 
wesentlich unterstützt (vergl. Beispiel IX). 

Von der Pulverform auszuschliessen sind solche Mittel, welche einen sehr 
scharfen Geschmack haben und durch das Constituens nur unvollkommen ver- 
deckt werden können, oder deren reizende oder corrosive Einwirkung auf die 
Schleimhaut bei dem längeren Verweilen des Pulvers im Munde zu fürchten ist. 

Man verordnet die Pulver entweder in abgetheilten Dosen, oder in der 
Gesammtquantität, in welchem letzteren Falle dem Kranken das Maass der 
Einzelgaben vorgeschrieben wird. Die erstere Verordnungsweise muss überall 
da Platz greifen, wo es sich um nur einigermassen ditFerente Mittel handelt, 
da bei der durch den Kranken selbst bewirkten Eintheilung kaum ein an- 
aäherndes Innehalten der vorgeschriebenen Dosis erwartet werden darf. Man 
triebt bei dieser Verordnungsform entweder die Dosis für je ein Pulver an 
und bedient sich dann in der Subscription der Formel: Dispensentur oder 
dentur tales doses . . ., oder man bestimmt die Summe der einzelnen Dosen 
imkI weist dann den Apotheker an: Divide in partes aequales No. . . . Erstere 
Form der Verordnung, welche eine grössere Sicherheit für die stricte Inne- 
haltung des bestimmten Gewichtes des Arzneistoffes in jedem einzelnen Pulver 
darbietet, ist überall da anzuwenden, wo es sich um differente Mittel, z. Bf. 
Morphin, Apomorphin, arsenige Säure n. s. w., handelt. 

Die mittlere (irösse i\^<, einzelnen Pulvers darf auf 0,5 — 1,0 Gramm an- 
genommen werden: stärker wiegende Pulver zu verschreiben, wird nur da 
DÖthig sein, wo durch eine grössere Quantität eines hall»- oder ganzflttssigen 
Zusatzes eine grössere Menge dos Excipiens bedingt wird, üeber 1,5 geht 
man jedoch bei der Verordnung der (Jrösse des einzelnen Pulvers selten hin- 
aus, während andererseits <>.*_! als das Minimum desselben anzusehen ist; diese 
letztere Grösse hat jedoch insofern ihr Bedenkliches, als Leicht beim Ausschütten 

jedes Pulvers eine Quantität desselben an der Kapsel bangen bleibt, somit bei 

sehr kleinen Pulvern die dargereichte Arzneidosis wesentlich verkürzt werden 
kann. Dieser Uebelstand wird übrigens jetzt dadurch vermieden, dass in den 
meisten Apotheken nur satinirtes, ganz glattes Papier zu Pulverkapseln ver- 
wendet wird (Charta laevigata s. dentata). 

Die abgetheilten Pulver werden in Papierkapseln dispensirt (Dentur in 



Pulver. 17 

cliarta); bei Pulvern, welche ätherische Oele, stark riechende und leicht 
Feuchtigkeit anziehende Substanzen (namentlich Extracte) enthalten, wird 
Wachspapier (Charta cerata) angewendet. 

Am Schlüsse der Verordnung abgetheilter Pulver ist jedesmal zu erwähnen, 
in welchem Vehikel dieselben zu nehmen sind, wenn nicht dem Kranken darüber 
mündliche Anweisung ertheilt worden ist. 

Bei lang fortgesetztem Gebrauch eines Pulvers, zumal in der Armenpraxis, 
ist es bei weniger differenten Substanzen, z. B. Bromkalium, vielfach Sitte, die 
einzelnen Pulver in der doppelten, selbst dreifachen Quantität der jedesmaligen 
Einzeldose dispensiren zu lassen und den Kranken anzuweisen, pro dosi nur die 
Hälfte oder den dritten Theil eines solchen Pulvers zu nehmen. 

Bei der Verordnung .der Pulver in Gesammtquantität (gewöhnlich Schachtel- 
pulver genannt) wird der Kranke angewiesen, die jedesmal zu nehmende Dosis 
selbst abzutheilen; die beiden dabei in Anwendung kommenden Quantitäts- 
Bestimmungen sind: eine Messerspitze oder ein Theelöffel voll; die erstere ist 
eine durchaus ungenaue, da sie durch die variirenden Formen der Messer und 
die nicht festzustellende Ausdehnung, in welcher das Pulver die Messerspitze 
bedeckt, oder bis zu welcher Höhe es aufgeschichtet wird, wesentlichen 
Schwankungen unterworfen wird. Im allgemeinen will man die Gabe einer 
Messerspitze etwa der eines halben Theelöifels gleich rechnen, tlmt also viel 
besser daran, bei diesem, doch wenigstens annähernd zu fixirenden Maasse 
stehen zu bleiben. 

Der gestrichene Theelöffel mittlerer Grösse enthält von einem Pflanzen- 
pulver durchschnittlich 2,5 Gramm; etwas grössere Gewichtsverhältnisse, ca. 3,0 
haben Pulver, deren quantitativ grösster Bestandtheil Zucker ist; ein zum 
grossen Theil aus Salzen bestehendes Pulver wiegt 3,0 — 4,0, selbst bis 5,0; 
ein Pulver, welches den zehnten Theil Magnesia und darüber enthält wird so 
leicht, dass der gestrichene Theelöffel nur etwa 1,5 — 2,0 wiegt. Von der 
Magnesia usta für sich allein wiegt ein Theelöffel voll etwa 0,5. — Ein ge- 
häufter Theelöffel beträgt etwa die Hälfte mehr als ein gestrichener. 

Die in Rede stehende Form wird selten in Papierdüten , meistens in 
Schachteln (D. in scatula), in der Armenpraxis zweckmässig in Kruken (1). in 
olla grisea), welche bei der Reiteratur wieder benutzt und schliesslich dem 
Apotheker wieder zurückgegeben werden können, verordnet. Enthält das 
Pulver stark riechende oder leicht Feuchtigkeit anziehende Substanzen, so dis- 
pensirt man es in Gläsern mit weitem Halse, die entweder mit einem Kork, 
der an einem übergreifenden Holzdeckel befestigt ist, oder mit einem einge- 
schliffenen Glasstöpsel bedeckt werden (D. in vitro operculo ligneo s. epistomate 
vitreo clauso). 

Die Methode, die Pulver trocken nehmen zu lassen, erscheint, selbst ab- 
geseheu von dem Widerwillen, den die meisten Patienten dagegen haben, un- 
geeignet, da beim Schlucken leicht Pul\ erpartikeln in den Kehlkopf kommen 
und heftigen Hustenreiz erregen. Nur bei ganz kleinen und leicht löslichen 
Pulvern ist es rathsam, dieselben auf die Zunge zn legen und mit einem Schluck 
Wasser hinunterspülen zu Lassen. 

Das Vehikel, welches meist für das Einnehmen der Pulver verordnet wird, 
ist Wasser; bei solchen Pulvern, welche schwere Metallsalze enthalten, nament- 
lich Hydrarg. chlorat. mite, ist Zuckerwasser oder Haferschleim vorzuziehen, 
um (Ins rasche Niederschlagen des Salzes einigermassen zu behindern. Kaffee 
oder Fleischbrühe als Vehikel dev Pulver zu verordnen, hat insofern seine 

Bedenken, als leicht dein Kranken dadurch ein Widerwille gegen diese (Jetränke 

eingeflössl wird. Rothwein wird zuweilen als Vehikel verordnet, um die Wirk- 
samkeit <I<t dargereichten Mittel zu unterstützen. 

Sehr übel schmeckende Pulver werden in Oblate gehüllt, oder, wenn sie 

Ewald und Simon, Arziicivcrurdiuiugalchrc. 10. Autl. .> 



18 



Pulver. 



nicht mehr als etwa 0,5 wiegen, in Deckelkapseln ans Gelatine, Capsulae 
op ercn latae, gegeben (Beispiel X). 

In neuester Zeit sind Oblatenkapseln, Capsulae amylaceae, in Ge- 
brauch gekommen (Limousin), welche eine sehr zweckmässige Umhüllung 
schlecht schmeckender Pulver bilden und meist mit Leichtigkeit genommen 
werden. Dieselben sind in dreierlei Grössen vorräthig und besitzen eine flach 
linsenförmige Gestalt. Das abgetheilte Pulver wird vom Apotheker in eine 
halbe Kapsel eingefüllt, sodann wird eine zweite gleich grosse halbe Kapsel 
am Rand angefeuchtet umgekehrt genau darauf gelegt und sodann der Rand 
beider Hälften mittelst einer kleinen Presse zusammengedrückt. Die Dispen- 
sation mittelst dieser Kapseln ist nicht viel theurer als mittelst Papierhülsen, 
und sie gewährt ausser anderen naheliegenden Vortheilen auch noch den, dass 
vom Pulver beim Einnehmen nichts verloren geht. Vor dem Einnehmen taucht 
man die Kapsel einen Moment in Wasser, legt sie sodann auf die Zunge und 
spült sie sodann durch einen Schluck Wasser oder Thee hinunter (Beispiel XI). 
Dadurch dass man das Corrigens ganz weglassen kann, vermag man die Kapsel 
relativ klein zu wählen. 



Beispiele. 
A. Abgetheilte Pulver. 



I. I* 

Hydrargyri chlorat. mit. 0,1 
Sacch. lactis 0,5. 
M. F. pulvis. Dispensentur tal. dos. No. 4. 
D. S. Viertelstündlich ein Pulver mit 
etwas Wasser oder Haferschleim zu 
nehmen. 



II Bf 

Magnesiae ustae 
Pulv. Tub. Jalapae 
Sacchari albi ana 0,25. 
M. f. pulv. dent. tal. dos. No. 6. 
stündlich ein Pulver. 



S. Zwei- 



III. 



$ 



M 



Stibii sulfurati aurantlaci 
Pulv. Rad. Ipecacuanh. ana 0,25 
Elaeosacch. Foenicul. 0,5. 
. f. pulv., div. in part. aequal. No. 8. 
Dent. in chart. cerat. S. Zweistündlich 
ein Pulver in Wasser zu nehmen. 



IV. !:• 

Tinct, Belladonn. 0,15 

tere c. 
Sacch. Lact. 1,0. 
I'iat. pulv. disp. tal. dos No. 4. S. Mor- 
i und Alirnds ein Pulver inWasser 
zu nehmen. 



V. \{- 

Ol. Crotonis 0,05 
Sacch. alh. 0,4. 
M. f. pulv. Divid. in dos. aequal. No 4. 
I). S \ i' i i ündlich ein Pulver in Ila- 
chleim zu nehmen. 



VI. Bf 

Extr. Cannab. ind. 0,5 
Pulv. Gummi Arab. 5,0. 
M. f. pulv. div. in part. aequal. No. 10. 
D S. Zwei- bis dreistündlich ein Pulver. 



VII. Bf 

Extr. Hyoscyami 0,05 
Rad. Liquir. pulv. 1,0. 
F. pulv. disp. tal. dos. No. 5. 
stündlich ein Pulver. 



S. Zwei- 



VIII. Bf 

Camphor. trit. 0,1 
Pulv. Gummi Arab. 1,0. 
F. pulv. disp tal. dos. No. 10. d. in chart. 
cerat. S. Zweistündlich ein Pulver. 



IX. ty 

Morphini hydrochlor. 0,1 
Pulv. aeroph. 10,0. 
M. pulv. div. in octo part. aequal. S. 
Abends ein Pulver mit Wasser während 
des Aufbrausens zu nehmen. 



X. Bf 

Chinini sulfurici 0,1 

Saochar. Lact. 0,3. 
F. pulv disp. tal dos. No. 6. d. in capsulis 
operculatis. S. In der fieberfreien Zeit 
viertelstündlich eine Kapsel, mit Pulver 
ZU nehmen. 

XI. ly. 

Secalis cornuii pulv. 0,5. 
Dispens, tal. dos. No. 10. D. in capsulis 
amylaeeis. S. Stündlich ein .Stück leicht 
angefeuchtet zu nehmen. 



Pulver. — Pillen. 



19 



B. Schachtelpulver. 



XII. ]* 

Tartari depur. 
Sulfur. depurat. 
Sacchari ana 10,0. 
M. f. pulv. d. in scatul. S. Morgens und 
Abends einen Theelöffel voll in Wasser 
zu nehmen. 



XIII. R 

Natr. bicarbon. 10,0 

Pulv. Rad. Rhei 

Elaeosacch. Menth, ana 5,0 

Sacch. alb. 25,0. 
M. f. pulv. d. in vitro benc clauso. S. 
Morgens und Abends einen Theelöffel 
voll in Wasser zu nehmen. 



XIV. R 

Pulv. Cort. Chin. fusc. 10,0 
„ Rhizom. Zingib. 1 ,0 



Elaeosacch. Macid. 5,0 

Sacch. alb. 20,0. 
M. f. pulv. d. in vitro bene obturato. S. 
Vormittags einen Theelöffel voll in einem 
Weinglase Rothwein zu nehmen. 



XV. 



Pulv. Rad. 



Valerian. 

„ Rhei 

Magnesiae carb. ana 

Sacch. alb. 10,0. 

F. pulv. d. in olla. S. Morgens und Abends 

einen Theelöffel voll in Wasser zu nehmen. 



5,0 



XVI. Bf 

Cubeb. 50,0 
Tub. Jalap. 5,0. 
F. pulv. d. in scatula. S. Zweimal täglich 
einen gehäuften Theelöffel in Oblate zu 
nehmen. 



C. 



Pillen, Pilulae. 



Sehr schlecht schmeckende oder die Mundschleimhaut reizende oder ätzende 
Substanzen, welche von der Verordnung in Pulverform ausgeschlossen sind, 
werden mit Vortheil in Pillenform dargereicht*), ebenso eignet sich diese Form 
für die nicht geringe Zahl von Patienten, welche gegen die Einnahme von 
Pulvern oder Solutionen einen entschiedenen Widerwillen haben. Dagegen ist 
zu bemerken, dass es andererseits auch viele Individuen giebt, welchen es 
unmöglich ist, Pillen zu verschlucken, weshalb namentlich in der Kinderpraxis 
von dieser Arzneiform ganz abzusehen ist. Bei Verordnung von Medicamenten 
auf längere Zeit gewährt die Pillenform insofern Vortheile, als sie ein geringeres 
Volumen erfordert und bei troekner Aufbewahrung das Verderben der Medi- 
camente verhütet. 

Die normale Consistenz einer Pillenmasse muss derart sein, dass dieselbe 
sich leicht kneten, ausrollen und in einzelne Kugeln zerschneiden lässt, ohne 
dabei zu zerbröckeln oder durch Zerflicssen selbständig die Form zu verändern. 

Die eben bezeichnete Consistenz ist nach der Pharm. Germ, keinem phar- 
maceutiselien Präparate, wenn wir nicht etwa Cera (und Mica panis) ausnehmen 
wollen, mehr' zuzusprechen; es wird also diese Consistenz immer nur durch 
Mischungen herzustellen sein, indem man denjenigen Substanzen, welche einen 
grösseren Grad von Weichheit besitzen, Pulver zumischt und härtere Sub- 
stanzen durch Zusatz von Flüssigkeiten oder weichen Extracten auf dvn er- 
forderlichen Consistenzgrad bringt. 



*) Wir möchten noch auf eine bisher selten geübte Verwendung von Pillen auf- 
merksam machen, die wir für gewisse Fälle ganz besonders empfehlen. Sie besteht 
darin, dass man die Pille nichi ganz hinunterschlucken, sondern — nach Art der 
Hypoglottides der Alten, ähnlich wie mit unseren Bonbons — im Mund halten und 
langsam zergehen lässt. Diese Methode ist ganz besonders zur Erzielung einer lokalen 
Wirkung in der Mund- und Rachenhöhle zu empfehlen. Bier sind sohlecht schmeckende 
Medicamente zu vermeiden (Beispie] WM.)- 



20 Pillen. 

Würde es bei weichen Extracten darauf ankommen, dieselben ohne weiteren 
Pulverzusatz zur Pillenconsistenz zu bringen, so könnte man dies durch Ab- 
dampfen bewirken; es ist dies Verfahren jedoch deshalb nicht zu empfehlen, 
weil es zeitraubend ist, in manchen Fällen die Qualität des Medicaments beein- 
trächtigen könnte, und weil schliesslich solche Pillen leicht Feuchtigkeit aus 
der Luft anziehen und zerfliessen. 

Die Mischungsverhältnisse zur Herstellung einer Pillenmasse sind folgende : 

1) Extracte. Die Extracte des ersten Consistenzgrades (Consistenz des 
frischen Honigs) lassen sich mit der doppelten Quantität Pllauzenpulver zur 
Pillenmasse formen (Beispiel L). Extracte des zweiten Consistenzgrades 
(dickere Extract-Consistenz, Mus- oder Latwergen-Consistenz) bedürfen 2 / s bis 
1 2 eines vegetabilischen Pulvers (Beispiel IL und III.), Extracte der dritten 
Consistenz (trockne Consistenz) etwas Mucilago Gummi Arabici oder einer ge- 
ringen Quantität Spiritus zur Pillenmasse (Beispiel IV.)*). 

2) Trockne Harze (Resina Jalapae, Resina Gruajae.) und ihnen ähnliche 
Körper (wie Opium, Kino, Katechu) verhalten sich in Bezug auf ihr Eingehen 
zur Pillenmasse wie Pflanzenpulver und bedürfen zur Erzeugung einer solchen 
die sub 1. angeführten Quantitäten von Extracten. Verordnet man solche Sub- 
stanzen nur in kleinen Dosen, so können sie jeder guten Pillenmasse ohne 
weiteres hinzugefügt werden. 

3) Gummiharze (Asa foetida, Galbanum, Ammoniacum, Gutti) erfordern 
zur Bildung einer Pillenmasse von Extracten ersten Consistenzgrades etwa den 
achten bis zehnten Theil ihres Gewichtes, von Extracten zweiten Consistenz- 
grades den vierten bis sechsten Theil, von Extracten dritten Consistenzgrades 
etwa die Hälfte. Gegen Spiritus und Mucilago Gummi Arabici verhalten sich 
die in Rede stehenden Substanzen wie die Extracte dritten Consistenzgrades 
(Beisp. V. und VI.). 

4) Compouirt man eine Pillenmasse mit Seife, so wird dadurch der Be- 
darf der Masse an weichen Bestandteilen wesentlich vermindert und genügen 
dann wenige Tropfen Gummi-Schleim oder Spiritus, um die normale Consistenz 
hervorzurufen. 

5) Balsame und ätherische Extracte (Extr. Cubeb., Filicis und Cinae) 
können nur zur Pillenmasse gebraucht werden, wenn vorher weisses Wachs 
(die Hälfte oder der dritte Theil) damit gemischt worden ist; die so erhaltene 
Mischung verhält sich etwa wie ein Extraet des zweiten Consistenzgrades 
(Beisp. VIII.). 

Balsamum Copaivae geht auch mit der Hälfte Magnesiae ustae eine Ver- 
bindung ein, welche mit gleichem Theile Pulver eine Pillenmasse giebt. 

6 Aetherische Oele können in kleinen Quantitäten (etwa 1 Tropfen auf 
I 3 Gramm) jeder Pillenmasse ohne Weiteres zugesetzt werden. Will man 
grössere Quantitäten verordnen, so setzt man gleiche Theile weisses Wachs 
hinzu und erhält dann eine Verbindung, weicht 1 sieh mit jeder nicht ZU weichen 
Pillenmasse vereinigen lüsst (Beisp. IX. und X.). 

7) Mineralische Pulver verhalten sich zu den vegetabilischen in Bezug auf 
ihr Eingehen in Pillenmassen (vergl. oben sub 1.) durchschnittlich wie 3:2; 
bei Bpecifisch sehr schweren metallischen Substanzen (Stib. sulf. nigr., Hydrarg. 



*) Der ersten Consistenzgrad haben: K\lr. Cinae, Extr. Cubebar., Extr. Dauci, 

. Filic., Extr. Gramm. Liquid., Extr. Mezerei, Extr. Taraxaoi liquid., Succus Juni- 

peri inspissatus, Siel und Fei Tauri recens. Den dritten Consistenzgrad haben: Extr. 

Aioes, Extr Aloes aeid. sulf. correct., Extr. Catechu, Extr. Chinae fusc., Extr. Colo- 

eynthidis, Extr. Colocynthid. comp., Extr Colombo, Extr. [pecac., Extr. Ligni Campechiani, 

Monesiae, Extr. Myrrhae, Extr. Opii, Extr. Ratanhae, Extr. Rhei compos., Extr. 

br. Strychn. aquos und spirituos., Succus Liquirit. crudus und Fei Tauri 

siecum. Sämmtliche übrigen Extracte, so wie Succus Liquiritiae depuratus und Fei 

Tauri inspissalum liabcn den zweiten Consistenzgrad. 



Pillen. 21 

sulf. nigr.) stellt sich das Verhältniss wie 2:1. Im allgemeinen eignen sich 
mineralische Pulver in grösseren Mengen weniger für die Verordnung in Pillen- 
substanz; namentlich gilt dies von den löslichen Salzen, welche, wenn man 
ihnen nicht ein Pflanzenpulver zufügt, leicht durch ihre hygroskopische Eigen- 
schaft ein Zerfliessen der Pillen herbeiführen (Beisp. XL und XII.). Kleinere 
Gaben differenter mineralischer Mittel (Hydrarg. chlor, mite, Tartar. stib. u. s. w.) 
werden von jeder guten Pillenmasse aufgenommen. 

8) Viele vegetabilische Pulver, wie namentlich Pulv. Rad. Phei, Pulv. 
Rad. Liquir. , geben mit Zusatz von einer geringen Quantität Wasser eine 
brauchbare Pillenmasse (Beisp. XIII.). Die viel gebrauchte Combination von 
Rad. Alth. mit Wasser giebt nur unter Zusatz von etwa der Hälfte Zucker 
eine gute Pillenmasse (Beisp. XIV.) 

9) Bei der Verordnung leicht zersetzlicher Metallsalze (Argent. nitric. 
u. s. w.), bei denen man den Contact mit organischen Substanzen vermeiden 
will, bedient man sich statt aller eben genannten Pillenmassen der Argilla, 
welche unter Zusatz weniger Tropfen destillirten Wassers eine sehr gute 
Pillenmasse giebt, die der Resorption des Medicaments im Magen kein Hinder- 
niss entgegenstellt (Beisp. XV.). 

Die Ingredienzien, welche zur Pillenmasse verschrieben sind, werden in 
einem (meist eisernen) Mörser mit (eisernem) Pistill gemischt, gehörig durch- 
geknetet, zu Stangen ausgerollt und durch die Pillenmaschine in die vorge- 
schriebene Anzahl von unvollkommenen Kugeln geschnitten, welche durch Be- 
handlung mit dem Rollbrett ihre volle Rundung erhalten. Die Pillenmaschine 
besteht aus einem Holzbrett, auf welchem eine eiserne oder Holzplatte mit 
(meistens 30) Halbröhren eingelassen ist, und einer zweiten mit genau ent- 
sprechenden Halbröhren versehenen ähnlichen Platte. 

Die Verordnung von Pillen geschieht meistens in der Art, dass man die 
Gesammtquantität des zu verabreichenden Mittels nennt und die Einzelndose 
aus der Division der Gesammtquantität hervorgehen lässt; seltener verordnet 
man die Composition der einzelnen Pillen und bestimmt die Gesammtquantität 
durch Multiplication. 

Zunächst werden beim Verschreiben der Pillen die wirksamen Bestandteile 
in ihrer Gesammtquantität angegeben, dann die Constituentia der Pillenmassen 
hinzugefügt und diese selbst nun in so viele Theile zertheilt, dass jeder der- 
selben die gewünschte Dosis enthält. — Namentlich beim Verschreiben diffe- 
renter Mittel ist es nothwendig, dass man sich vorher die Grösse der Einzel- 
dose und die Zahl der zu verabreichenden Gaben genau bestimmt und aus 
der Multiplication beider Factoren die Grösse der Gesammtquantität feststellt. 

Hält die Verordnung annähernd die oben angeführten Verhältnisse zwi- 
schen trocknen und weichen Bestandteilen inne, so wird man in der Anwei- 
sung für den Apotheker sich auf die einfache Formel: F(iant) pil. beschränken 
können, alle anderen Anweisungen in Bezug auf die Reihenfolge der vorzu- 
nehmenden Mischungen, die Art der Manipulationen sind überflüssig und wer- 
den am besten der Praxis des Apothekers überlassen, dem überhaupt bei der 
Anfertigung von Pillen eine gewisse Selbständigkeit in vielen Fällen nicht ab- 
zusprechen sein wird; diese 1 darf sich jedoch natürlich niemals darauf erstrecken, 
nach seinem Belieben durch Hinzufügung anderer als <1<t vorgeschriebenen 
Constituentia die Gestaltung der Pillenmasse herbeizuführen, sondern nur 
darauf, entweder durch Mimmalquantitäten indifferenter Zusätze (Pulv. Alth., 
Mucilago, Cera) oder zuweilen durch Austrocknen mittelst vorsichtiger Erwär- 
mung der Arzneiverordnung die Ausftthrbarkeil zu sichern. Nur diese Be- 
deutung darf es haben, wenn das Recepl den Apotheker anweist, lege artis 
zu verfahren, wohingegen es anzulässig ist . die Formel so weil auszudehnen, 
<1mss dem Apotheker selbst die Wahl der Constituentien anheimgegeben wird. 
Diese müssen, sofern sie nicht ganz indifferent sind, immer mit dem Zwecke 



22 Pillen. 

der Arzneiverordnung übereinstimmen, und es hängt demnach die Wahl des 
Constituens meist von therapeutischen Massregeln ab, welche nur der Arzt 
und nicht der Apotheker zu bestimmen hat. 

Bei der Eintheilung der Pillenmasse ist die Zahl der daraus resultirenden 
Pillen der stets im Auge zu behaltende Gesichtspunkt, da nur aus ihr die Be- 
stimmung der Einzelndosis hervorgehen kann. Die von manchen Aerzten noch 
befolgte Gewohnheit, ein Gewichtsverhältniss der einzelnen Pillen anzugeben, 
würde nur dann zulässig sein, wenn die mit Gewichtsbestimmung verordneten 
Bestandteile genau eine Pillenmasse ergeben. Ist dies nicht der Fall, enthält 
vielleicht gar die Verordnung einen Bestandtheil mit der Bezeichnung q. s., 
so ist dem Arzte die Controle über den Gehalt der einzelnen Pille vollkommen 
entzogen. — 'Verordnet man eine bestimmte Anzahl von Pillen mit gleich- 
zeitiger Angabe des Gewichtes jeder einzelnen Pille, so muss man dem Apo- 
theker durch Zusatz von q. s. bei dem Constituens oder durch die Ermächti- 
gimg 1. a. in der Subscription die Möglichkeit geben, die Verordnung sicher 
auszuführen. — Im allgemeinen suche man durch die Berechnung der ein- 
zelnen Quantitäten annähernd das Verhältniss zu erreichen, dass die einzelne 
Pille 0,1 — 0,15 wiegt, da kleinere Pillen leicht im Schlünde stecken bleiben, 
grössere, namentlich von ungeübten Patienten, schwer verschluckt werden*). 

Theils um das Aneinanderkleben der Pillen zu verhüten, theils um den 
Geschmack derselben zu verdecken, werden sie entweder mit einem Streu- 
pulver bestreut oder mit einem Ueberzuge versehen. Zum Bestreuen (Con- 
spergiren) sind hauptsächlich folgende Pulver in Gebrauch: Lycopodium, Pulv. 
Gort. Cinnamomi Cass. , Pulv. Rhiz. Iridis, Pulv. Rad. Liquiritiae, Amylum, 
Saccharum alb. , Magnesia usta und carbonica. Von diesen Pulvern sollen 
Pulv. Cort. Cinnamomi Cass. und Pulv. Rad. Liquir. als Geschmacks-, und 
Pulv. Rhiz. Iridis als Geruchs-Corrigens dienen; wo eine derartige Correction 
nothwendig, da ist dieselbe durch die weiterhin zu erwähnenden Verfahrungs- 
weisen sicherer zu erzielen. Ein sonstiger Vorzug des einen Streumittels vor 
dem andern ist nicht motivirt und somit die Wahl desselben ziemlich gleich- 
giltig. Wird in der Verordnung kein solches bestimmt angegeben, so geschieht 
das Bestreuen immer mit Lycopodium. — Das Ueberziehen (Obducation) wird 
entweder mit Metallfolie (Silber und Gold — Beisp. IX. und X.) oder mit 
Gelatine vollzogen. Der Ueberzug mit Metallfolie gewährt zwar den Pillen 
ein sehr elegantes Aussehen, verdeckt aber den Geruch nicht im mindesten 
und ist deshalb bei übelriechenden Mitteln nicht zu wählen. Viel zweckmäs- 
siger ist in letzterer Beziehung das Gelatiniren (Beisp. V.), welche Procedur 
-•ilier wegen des niithigen Trocknens der Pillen etwa 12 Stunden in Anspruch 

*) Bei der Verordnung richte man es so ein, dass ungefähr folgende Verhältnisse 
Platz greifen: 

Anzahl der zu Gcsammtquan- Anzahl der zu Gesammtquan- 

Y'Tschreibendcn tität der Pillen- verschreibenden tität der Pillen- 

Pillen, n lasse. 

60 Pillen = 7,5 oder 8,0 

80 - = 10,0 

100 - = 12,0 

120 - = 15,0 

150 - = 18,0 

200 - 25.0 

Eine andere Anzahl von Pillen, als in dieser Tabelle aufgeführt, zu verordnen, 
empfiehll sich oicht, da immer auf möglichste Gründung der Zahlen zu achten ist. — 
Um obige Ziffern im Gedächtniss zu behalten, merke man nur, dass zu der Pillcn- 
Lnzahl eine Pillenm hört, deren Gewicht in Decigrammen die nächste abgerun- 

dete Ziffer nach der Pillen-Anzahl ist: zu 15 Pillen 20 Decigramm, zu 20 Pillen 
-5 h'jcigramm, zu 25 Pillen 30 Decigramm, zu 10 Pillen 50 Decigramm u. s. w. 



Pillen. 




masse. 


15 Pillen 


= 


2,0 


2 i - 


= 


2,5 


25 - 


= 


3,0 


30 - 


= 


4,0 


40 - 


= 


5,0 


50 - 


= 


6,0 



Pillen. 



23 



nimmt und deshalb bei rasch auszuführenden Verordnungen nicht anwendbar 
ist. — Weniger vollkommen dem Zweck entsprechend als das Gelatiniren, aber 
darum um vieles schneller ausführbar, ist das sogenannte Dragiren der Pillen, 
welches in der Art bewirkt wird, dass man die Pillen erst mit Mucilago Gummi 
Mimos. befeuchtet und dann in einem Gemisch von gleichen Theilen Amylum 
und Zucker, welchem man auch etwas ätherisches Oel oder Pulv. Fruct. Va- 
nillae zusetzen kann, wälzt (Beisp. XVI.). — Noch vollkommener wird das 
Dragiren im schwingenden Kessel (der sog. spanischen Küche) bewirkt; diese 
Procedur, bei welcher die äusserste Eleganz der Pillen erreicht und jeder Ge- 
ruch des Medicamentes noch vollkommener als beim Gelatiniren verdeckt wird, 
lässt sich jedoch nur bei grösseren Massen (5 — 10 Pfund) in Vollzug bringen 
und findet deshalb nur auf solche Pillen Anwendung, die vorräthig gehalten 
werden (Rhabarber-Aloe-, Asa foetida - Pillen , Pilul. Valett. , Pillen aus Bals. 
Copaiv. Cubeben u. s. w.). 

Die Pillen werden meistens in Schachteln gegeben; in der Armenpraxis 
bedient man sich auch bei dieser Arzneiform zweckmässiger der thönernen 
Kruken; stark riechende Pillen und solche, die vermöge ihrer Bestandtheile 
Neigung zum Zerfliessen haben, verordnet man (namentlich wenn eine grössere 
Quantität vorgeschrieben ist) in Gläsern mit Holz- oder Glasstöpseln (Beisp. IV., 
V., VIII. und XIV.). In neuerer Zeit werden in vielen Apotheken elegante 
Gläser mit aufzuschraubendem zinnernen Deckel verabfolgt. 

Bei der Gebrauchsanweisung der Pillen ist nur die Zahl- und die Zeitbe- 
stimmung nothwendig. Ein besonderes Vehikel für das Einnehmen der Pillen 
zu verordnen, wie dies früher zuweilen geschah (Mus, Backpflaumen u. s. w.) 
ist unnöthig; gut bereitete, nicht zu grosse und zu kleine Pillen werden von 
nicht allzu ungeschickten Patienten leicht genommen. 



I. Iy 

Extr. Cinae 1,0 
Pulv. Flor. Cinae 2,0. 
M. f. pil. No. 25. consp. Pulv. Cort. Cin- 
nam. D. S. Morgens 5 Pillen zu nehmen. 



Beispiele. 
V. 



IL ty 

Extr. Absinthii 8,0 

Pulv. Rad. Rhei 4,0. 
M. f. pil. No. 100. consp. Pulv. Rhiz. Irid. 
D. S. Morgens und Abends zwei bis drei 
Pillen. 



III. Bf 

Extr. Cascarill. 2,0 
Pulv. Rad. Colombo 1,0. 
M. f. pil. No. 25. consp. Lycopod. D. S. 
Stündlich eine Pille. 



IV. Iy 

Extr. Aloes 0,0. 

F. cum Mucilag. Gummi Mim. q. s. (s. gut- 
tis nonnullis; massa pilular. e qua for- 
meniur pil. 50 consp. Lycopod d in 
vilr. >S Morgens und Abends eine bis 
zwei Pillen zu nehmen. 



Galban. 10,0 
Extr. Valerian. 1,0. 
M. f. pil. No. 100. obducant. gelatina. D. in 
vitro. S. Morgens und Abends drei Pillen. 



VI. ty 

Asae foetid. 5,0. 
F. ope spirit. vini q. s. Massa pilul , e 
qua forment. Pilul. No. 40. Obduc. 
massa Tragacanth. D. S. Dreimal täg- 
lich zwei Pillen. 



VII. Bf 

Pulv. Rad. Rhei 2,0 
Saponis medicat. 1,0. 
F. ope Spirit. rectificat. guttis nonnullis 
Massa pilular. c qua formentur Pil. ■_'.">. 
consp. Magnes. D. S. Morgens und 
Abends eine bis zwei Pillen. 



VIII. 



lv 



Extr. Pilioia aeth. 2,0 

Cer. alb. 1,0 
Pulv. Kamalae 2,0. 

M. f. pil. No. 40. consp. Piilv. Rad. Li- 
quir. I). S. Morgens und Ibends fünf 
Pillen. 



24 



Pillen. — Bissen. 



LX. 



I* 



Ol. Carvi aeth. 0,2 
Pulv. Rad. Rhei 
Myrrliae pulv. ana 2,0 
Extr. Trifol. 4,0. 
M. f. pil. No. GO. obduc. Argent. foliat. 
D. in vitro. S. Zweistündlich eine Pille. 



X. Bf 

Ol. Sabin. 
Cer. alb. ana 2,0 
Pulv. Bulb. Scill. 6,0 
Extr. Sab. 2,0. 
M. f. pil. No. 100. obduc. Auro. fol. D. 
in vitro. S. Stündlich zwei Pillen. 



XI. Bf 

Zinci acetici 3,0 
Extr. Yalerian 1,0. 
M. f. pil. No. 30. consp. Pulv. Rad. Li- 
quir. D. in vitro. S. Dreimal täglich 
zwei Pillen. 



XII. Bf 

Kali sulfurici 
Pulv. Rad. Rhei 
Extr. Taraxaci ana 4,0. 
M. f. pil. No. 100. consp. Pulv. Rad. Li- 
quirit. D. S. Morgens und Abends fünf 
Pillen. 



XIII. Bf 

Kalii jodat. 

Pulv. Rad. Liquir. ana 3,0. 
F. c. Aq. destillat. gntt. nonnullis massa 
pilul., e qua forment. Pil. 50. consp. 



Lycop. D. S. Dreimal täglich eine bis 
zwei Pillen. 

XIV. Bf 

Hydrarg. bi chlor, corr. 0,25 

solve in 
Aq. dest. quant. suff. 
Pulv. Rad. Alth. 2,0 
Sacch. 1 ,0. 
F. mass. pil. e qua forment. Pil. No. 25. consp. 
Lycop. D. S. Zweimal tägl. eine Pille. 

XV. Bf 

Argent. nitr. 0,15 

solve in 
Aq. destill, q. s. 
Argill. 2,0. 
F. Pil. 15. consperg. Bol. alb. D. S. Drei- 
mal täglich eine Pille. 



XVI. Bf 

Castorei Canadens. 
Extr. Artemis, aeth. ana 1,5. 
F. pil. 25. obducant. Mucil. Gumm. Mim. 
et Amylo saccharato. D. in vitro. S. 
Halbstündlich eine Pille. 



XVII. 



Iy 



Ammonii. chlorat. 

Sacch. alb. ana 5,0 

Balsam. Tolutan. 0,25 

Succ. Liquir. clep. 10,0. 
M. F. Pilul. No. 100. consp. Elacosacch. 
Anisi. D. S. Nach Bedürfniss 1 — 2 
Pillen im Munde zu halten und lang- 
sam zeriliessen zu lassen. 



(1. Bissen, Boli. 

Der Bolus ist eine Pille von grossem Volumen, von 0,25—2,0 Gramm, 
und wird in runder oder oblonger Form gegeben. - - Die Miselmngsverhältnisse 
zur Darstellung eines Bolus sind die bei den Pillen bereits erwähnten. 

Diese im allgemeinen nur selten vorkommende Arzneiform ist für die- 
jenigen .Mitlei in Gebrauch, welche in ziemlich beträchtlichen Dosen genommen 
weiden sollen und in ihrer ursprünglichen Form dem Patienten zu widrig er- 
scheinen. Die (irüsse der zu verabreichenden Dosis würde bei diesen Mitteln, 
in Pillenforin gegeben, die Notwendigkeit herbeiführen, eine grössere Anzahl 
Pillen MO 20) auf einmal zu nehmen, eine Procedur, welche den meisten 
schwieriger ist, als das Verschlucken eines einzigen Bolus. 



Beispiele. 



1. 



Mal-. Copaiv. 
Cer. all». 5,0 
Cubeb. pulv 



10,0 
5.0. 



. f. M.i la e qua formont. Boli oblongi 20. 
consp. Pulv. Cort. Cinnam. Cass. D. in 
vitro. S. Viermal täglich einen Bissen 

zu nahmen. 



II. E^ 

Pulv. Flor. Kusso 20,0. 

I'. ope Mucil. Gummi Mimos. 'I- s - Boli 
oblong] '20. consp. Amylo. |). S. Inner- 
halb zweier Stunden zu verbrauchen. 



Bissen. — Gallertkapseln. — Gallerttafeln. 



25 



III. Bf 

Tartar. stibiat. 0,1 

Rad. Ipecac. 2,5. 
F. e. Mucil. Gumm. Mim. q. s. Boli rotund. 
No. 4. consp. Amylo. D. S. Viertelstünd- 
lich ein Stück. 



IV. fy 

Sulfur. depurat. 

Tartari depurat. ana 2,5 

Elect. e Senn. 5,0. 
F. Boli 25. consp. Pulv. Rad. Liquirit. 



D. 



S. Dreimal täglich ein Stück. 



e. Gelatinekapseln, Capsulae gelatinosae. 

Substanzen (meistens öliger Natur), welche von besonders widrigem Ge- 
rüche und Geschmacke sind und in grösseren Dosen dargereicht werden sollen, 
verordnet man zweckmässig in ovalen oder kugeligen Kapseln, welche aus 
Gelatine und Glycerin bereitet, dann gefüllt und verschlossen werden. Sie 
sind entweder fest oder, besonders die grösseren, in elastischer Form herge- 
stellt (Capsulae gelatinosae elasticae). Meistens sind dieselben mit bestimmter 
Füllung in der Apotheke vorräthig, und zwar in der Grösse einer Erbse bis 
zu der einer Bohne (etwa 0,25 — 1,0 Gramm) und grösser. 

Die Vortheile der Gelatinekapseln bestehen darin, dass sie den Geschmack 
und Geruch des Mittels vollständig verdecken, und dasselbe in genau abge- 
theilter Dosis dem Magen zuführen. Die Gallerte löst sich übrigens im 
Magen leicht genug auf, um der Resorption des Mittels kein Hinderniss ent- 
gegenzusetzen. 

Am meisten sind Gelatinekapseln mit Bals. Copaivae (in verschiedenen 
Verbindungen mit Eisenpräparaten, Myrrhe, Extr. Cubebarum), fetten Oelen 
(Ol. Ricini, Jecoris — selbst Kapseln von der Grösse einer Kirsche bis Nuss 
sollen sich leicht verschlucken lassen), ätherischen Oelen (Ol. Therebinthinae, 
Ol. contra Taeniam), Pix liquida u. s. w. in Gebrauch. 

Jedoch hat die Verwendung derartiger Kapselpräparate, die man in ihrer 
kleineren Form von etwa Pillengrösse auch als Gelatineperlen (Perles gela- 
tineuses) bezeichnet, wegen der Vortheile, die dieselben in genannter Be- 
ziehung bieten, sich in letzter Zeit auch auf eine Reihe anderer Präparate 
erstreckt, von denen wir nur die Aetherperlen , Chloralperlen, Valeriana- 
perlen u. a. nennen. 

Das Einnehmen der Gallertkapseln geschieht der Art, dass sie befeuchtet 
auf die Zunge gelegt und mit einem Schlucke Wasser hinabgespült werden. 



I. I* 

Capsul. gelatinosar. 
Bals. Copaiv. 

et 
Extr. Cubebar ana 0,3 
replct. No. 12. 
D. S. Dreimal täglich eine Kapsel zu 
nehmen. 



Beispiele. 
II. 



Ri 



Capsul. clastic. 

replet. cum 
Extr. filicis aether. 1,5 
dent. No. 5. 
D.S. In einer halben Stunde zu nehmen. 



f. Gallerttafeln, Gelatinae medicatae in lamellis. 

In neuester Zeil wurde der Versuch gemacht, Medicamente in Form fester 
dünner Gallerttafeln zu verabreichen (Almen in Upeala). Man mengt eine 
bestimmte Dosis Pulver in aufgelöste Gelatine und giessl diese Mischung auf 
eine Flüche, die in bestimmte Quadrate eingetheill ist. Auf diese Weise kann 



2fi Gallerttafeln. — Pastillen. 



man berechnen, wie viel Gehalt jedes einzelne Quadrat besitzt. Es wird als 
ein Vorzug dieser Bereitung' angegeben, dass die Medicamente in dieser Form 
sehr haltbar sind, sich bequem dosiren lassen, und dass das Compendiöse 
derselben es dem Arzt gestattet, eine grössere Zahl von Medicamenten stets 
bei sich zu führen, was vornehmlich für die Landpraxis und zur Mitnahme 
auf Reisen zu beachten ist. Ferner soll der Preis sich billiger stellen als bei 
anderen Arzneiverordnungsformen, und endlich sollen die Gallerttafeln von 
wählerischen Patienten und Kindern gern genommen werden. 

Es ist einleuchtend, dass für die Genauigkeit dieser Dosirung alles auf 
die Sorgfalt ankommt, mit der die Vertheilung des Medicaments innerhalb der 
Gelatinelösung erfolgt, und man immer gut thun wird, derartige Präparate nur 
aus besonders renommirten Officinen zu beziehen. 

Folgende Gelatinae werden vornehmlich von Almen empfohlen: Gelatina 
Morphii acetici, Gelatina Tartar. stibiati, Gelat. Plumbi acetici, Gelat. Extr. 
Opii, Gelat. Opii, Gelat. Hydrargyri chlorat. mit., Gelat. Pulv. Rad. Ipecac, 
Gel. Pulv. ipec. opiat., Gel. Pulv. Fol. Digit., Gel. Ferri carbon. 



g. Pastillen, Plätzchen, Tabletten. — Trochisci, Pastilli. 

Diese in neuerer Zeit vielfach verordnete Form besteht aus runden oder 
ovalen Plätzchen (etwa vom Gewichte eines Gramm) aus Zucker- oder Choco- 
laden-Masse, welche als Vehikel für das ihr innig beigemengte Medicament 
dient. Die Bereitung der Pastillen geschieht derart, dass die Arzneisubstanz 
in ihrer Gesammtquantität der Zuckermasse, welche durch Zusatz flüssiger 
Substanzen (Gummischleim, Alkohol) oder der Chocoladen-Masse, welche durch 
Wärme erweicht worden, zugesetzt, die Masse dann auf einer Marmor- oder 
Holzplatte ausgerollt und mittelst kleiner, stempelartiger Pressen in so viele 
Theile ausgestochen wird, dass jeder derselben einen bestimmten Quantitäts- 
Antheil des Medicamentes enthält. Die Plätzchen werden dann entweder bei 
gelinder Wärme getrocknet, oder (wenn sie aus Chocolade bestehen) abgekühlt. 
Die früher gebräuchliche Methode, die Gesammtquantität zu einer Pillenmasse 
zu verarbeiten, diese in grosse Pillen zu zerschneiden, welche plattgedrückt 
und getrocknet wurden, lieferte ein Erzeugniss, welches den jetzt gewöhnlichen 
Pastillen an Eleganz nachstand. 

Zur Verordnung in Trochiscen eignen sich vorzugsweise solche Sub- 



stanzen, welche entweder schwer oder gar nicht löslich und darum neben 
dem Vehikel keine oder nur schwache Geschmacks -Eindrücke hervorrufen; 
Lösliche, iibelschmeckende Substanzen verordnet man nur dann zweckmässig 
in Pastillen, wenn ihre Einzelndosis eine so geringe ist, dass die von ihr 
hervorgerufene Geschmacks -Empfindung vom Vehikel verdeckt werden kann 
(z. B. Morphium). 

Kürzlich ist auch versucht worden (J. Rosenthal, Berliner klinische 
Wochenschrift. 1882. No. 6.), Tabletten durch Compression mittelst Schrau- 
benpresse herzustellen, derart, dass jede einzelne eine relativ grosse Menge 
des Medicaments, ohne Constituens auf ein möglichst kleines Volumen zusam- 
mengedrückt, enthält. Namentlich für Flor. Kusso, von denen 1 oder 2 Gramm 
zu einer Tablette zusammengepressl werden können, ebenso für Magnesia, usta, 
Fol. .Menth, pip., Chinin, Natr. bicarb. u.a. bat dieses Verfahren den Vorzug, 
dass dadurch ein«' grössere Quantität des Mittels in bequemer Weise beizu- 
bringen isl (Beisp. VI.). 

Die Vortheile, welche die Verordnung in Pastillenform gewährt, sind fol- 
gende: Vor den Pulvern zeichnen sich die Pastillen dadurch aus, dass sie 
ohne Kapseln dargereicht werden, mithin keine Verteuerung durch das Invo- 



Pastillen. 



27 



hierum eintritt, dass ferner eine Verringerung' der Dosis durch Hängenbleiben 
von Pulvertheilen am Papiere oder am Löftel und Glase nicht möglich ist; 
den Pillen gegenüber haben die Trochisci den Vortheil, dass die Bestimmung 
der Einzelndosis nicht durch einen Rechnungsfehler compromittirt werden kann, 
und dass das Einnehmen der Pastillen im allgemeinen den Patienten bei weitem 
mehr zusagt, als das der Pillen. Für die Kinderpraxis stellen sich die Pastillen 
entschieden als die zweckmässigste Form dar. — Der zuweilen dieser Arznei- 
form gemachte Vorwurf, dass sie combinirte Verordnungen ausschliesse, wenn 
dies überhaupt als Vorwurf gelten darf, ist nicht stichhaltig, da man entweder 
durch gleichzeitiges oder kurz aufeinander folgendes Darreichen von Pastillen 
mit verschiedenem medicamentösen Gehalte die meisten Combinationen wird 
bewirken können oder auch leicht durch Verabredung mit dem Apotheker be- 
liebige Verbindungen, sofern sie den oben angegebenen Forderungen entsprechen, 
in dieser Form herstellen lassen kann (Beisp. I. und IL). Zudem sind eine 
Anzahl solcher Verbindungen, welche durch die Erfahrung bereits sanetionirt 
sind (wie z. B. Pulv. Plummeri, Morphium mit Ipecacuanha, Stibium sulfur. 
aurant. mit Extr. Hyoscyami u. s. w.) in den meisten Apotheken schon vor- 
räthig. Es muss aber darauf aufmerksam gemacht werden, dass eine grosse 
Zahl von Medicamenten sich für die Pastillenform überhaupt nicht eignen, 
nämlich die leicht löslichen und zugleich schlecht schmeckenden, wie z. B. 
Calcium chloratum, Chinium hydrochloratum, Zincum valerianicum u. a. Da- 
gegen sind unlösliche, wie Stibium sulfurat. aurant., Ferrum reduet., Magnesia 
usta, und schwer lösliche, wie Chininum sulfuricum, sehr vorzüglich für die 
Pastille. 

Bei der Verordnung von Tincturen in kleinen Gaben (1 — 3 Tropfen) oder 
ätherischen Oelen lassen sich zweckmässig Trochisci extemporiren ; man hält 
zu diesem Zwecke Pastillen aus reinem Zucker vorräthig, welche eine kleine 
Quantität Flüssigkeit aufnehmen können; diese Trochisci Sacchari s. exci- 
pientes werden mit 1 — 3 Tropfen einer Tinctur befeuchtet und dann an der 
Luft getrocknet (Beisp. IV.), oder sie werden mit dem ätherischen Oele im- 
prägnirt (Beisp. V.). 

Beispiele. 



I. I* 

Trochisc. Bism. subnitr. (0,05) No. 12. 
D. sub signo I. 

Trochisc. Morphini acetic. (0,005) 
No. 12. 
D. sub signo IL 
D. S. Stündlich eine Pastille von No. I. 
und No. IL 



IL ty 

Trochiscor. Santonini (1,0) No. 6. 
D. sub signo No. I. 

Iy 

Trochisc. Magncsiaeustac (0,1) No. 1. 
D. sub signo No. IL 
S. Abends und Morgens eine Pastille No. I. 
und drei Stunden nach der sechsten 
Pastille die Pastille No. IL 



III. Iy 

Hydrargyr. jodat. flav. 1,0 
Opii 0,1. 

M. f. c. Massa Cacao Trochisc. No. 20. 
D. S. \Jor<r<;ns und Abends eine Pastille. 



IV. Iy 

Trochisc. Sacchari No. 20. 
quor. quisque humectetur 

Tinct. Belladonn. 0,05. 
D. in vitro. S. Zweistündlich ein Plätzchen. 



V. 



^ 



Troch. Sacchari No. 25. 

humectentur 
Ol. Salviae 0,26 
Spirit. vini 1,0 
D. ad vitrum bene clausuni. S. Stündlich 
ein bis zwei Plätzchen. 



VI. Iv 

Flor. Kusso 1,0 
Compr. ut Hat tabula. 

Dispens, toi. dos. No. 20. 
D. S. Morgens innerhalb einer halben 
Stunde mit schwarzem Caffee zu nehmend 



es 



Zeltchen. — Zuckerkügelchen. 



Morseil en. 



h. Zeltchen, Tabemacula. 

Diese früher öfters angewendete Form ist jetzt nur noch hin und wieder 
für die Einhüllung von Santonin gebräuchlich. Das Vehikel besteht aus Zucker 
und zu Schaum geschlagenem Eiweiss, welche zu einem steifen Brei gemischt, 
mit Santonin versetzt, durch Trichterformen aus Papier oder Blech gedrängt 
werden und so schneckenhausförmige Massen darstellen. — Da diese Mischung 
eine sehr unvollkommene und das Gewicht der einzelnen Tabemacula ein 
sehr variirendes ist, so ist bei dieser Form eine genaue Dosirung unmöglich 



und dieselbe 
ersetzen. 



durch die stets 



ganz 



exact gearbeiteten Trochisci Santonini zu 



i. Zuckerkügelchen, Rotulae. 

Unter dieser Bezeichnung versteht man kleine Kugelscgmcnte , welche 
durch Auströpfeln zur Breiconsistenz erhitzten Zuckers bereitet werden. Diese 
Form ist zweckmässig zur Darreichung von Tincturen und ätherischen Oelen 
in kleinen Graben zu verwenden, indem man die Zuckerkügelchen in ein Glas 
schütten lässt, an dessen Wandungen früher einige Tropfen der Tinctur oder 
des Oeles möglichst vertheilt sind und nun durch mehrmaliges Schütteln des 
Glases die Aufnahme der Flüssigkeit in die Zuckerkuchen bewirkt (Bei- 
spiel I. und IL). 

Wo es darauf ankommt, die betreffende Flüssigkeit genauer zu dosiren, 
bedient man sich besser der Trochisci Sacchari (s. oben, Beisp. IV., bei den 
Pastillen). 



Beispiele. 



I. 



Rotular. Sacchari No. 20 

immitte in vitrum, antea 
Tinct. Castorei sibir. 0,1 
agitatione intus ohductum. Tunc vas bcne 
agita ut rotulae perfecte humectentur. 
D. in vitro. S. Halbstündlich ein Plätz- 
chen. 



II. 



F. 1. 



Ol. Carvi 

Ol. Menth, ana 0, r > 
Rotular. Sacchar. 10,0. 
a. Rotul. d. in vitro. S. 



Nach der 



Mahlzeit fünf Plätzchen zu nehmen. 



k. Morsellen, Morsuli. 

Unter Morsellen versteht man ein Präparat aus Zucker, welcher mit wenig 
Wasser gelöst zur fadenziehenden Consistenz gekocht wird, dem man dann 
linier Umrühren die medicamentösen Substanzen und meist auch einige Corri- 
gentien (geschnittene Mandeln, Gewürze) mehr oder weniger fein gepulvert 
zusetzt, und welcher schliesslich in angefeuchtete Holzformen gegossen und in 
oblonge Tafeln von 5 Centimeter Länge und höchstens k 2,ö Centimeter Breite 
zerschnitten wird. 

Bei der ungleichmässigen Weise, in welcher die Arzneisubstanzen sieh mit 
dem Zucker mengen, sowie bei der Unmöglichkeit, die Morsellen von genau 
gleichem Gewichte darzustellen, ist die Bestimmung der Einzelndosis unaus- 
führbar, weshalb diese Form höchstens bei Bolchen Medicamenten in Anwen- 
dung kommen darf, deren genaue Dosirung aichl erforderlich ist. Ausserdem 
ist diese Form deshalb ausser Gebrauch, weil wegen der damit verbundenen 
pharmaceutischen Manipulationen immer nur grössere Quantitäten (mindestens 
180,0 Gramm was auch die officinelle Taxe für Arbeiten und Gefässe 

annimmt) verordnel werden können, deren Anfertigung eine unnütze Ver- 
theuerung iU-v Arznei herbeiführt. Um übelschmeckende Substanzen, nament- 



Ueberzuckerungen. — Stäbchen. — Latwerge. 20 

lieh in der Kinderpraxis, in angenehme Formen zu bringen, bieten sich die 
Trochisci und Rotulae als Auskunftsmittel dar, welche diesen Zweck vollkom- 
mener erreichen, genauer in der Dosirung sind, und deren Bereitung mit ge- 
ringeren Kosten und Umständen verknüpft ist. 

Die Technik der Verordnungsweise ergiebt sich aus folgendem Beispiel: 



Pulv. Cort. Fruct. Aurant. ana 10,0 
Amygd. dulc. exeorticat. in frustul. 
concis. 20,0. 
F. 1. a. Morsuli No. 40. d. in scatul. S. 
Tätlich drei Stück zu nehmen. 



Sacch. 200,0 

coque c. Aq. dest. q. s. 

ad consistentiam tabulandi 
aclde 
Ferri puiverati 

l. Ueberzuckerungen, Confectiones. 

Diese, ebenfalls fast gänzlich ausser Gebrauch gekommene Form besteht 
in der Ueberzuckerung vegetabilischer Substanzen, deren Geruch oder Ge- 
schmack verdeckt oder gemildert, oder deren ursprünglicher Consistenzzustand 
gewahrt werden soll. Die Form, deren man sich zuweilen noch für Flor. Cinae, 
Fruct. Cubebae, Rhiz. Calami, Fruct. Aurant. u. dgl. bedient, ist der extem- 
porären Verordnung unzugänglich, da die Bereitung derselben nur in grösseren 
Quantitäten ausgeführt werden kann. 

m. Stäbchen, Stängelchen, Bacilli. 

Unter dieser Bezeichnung verstand man eine aus vegetabilischen Pulvern 
und Zucker bestehende Mischung, welcher durch Traganth-Schleim oder andere 
Klebesubstanz Pillenconsistenz verliehen ward, und die dann nur in Cylinder 
gerollt und ausgetrocknet wurde. Diese Cylinder werden zuweilen plattge- 
drückt und spiralförmig gewunden. Diese Form ist für den innerlichen Ge- 
brauch verlassen. 

Eine ähnliche Form war der Teig, Pasta, bei welcher eine derartige 
Mischung in Täfelchen geformt wurde, meist ohne nachher ausgetrocknet zu 
werden. 

2. Halbflüssige Formen. 
Latwerge, Electuarium*). 

Eine Mischung pul verförmiger Sul »stanzen mit Säften oder Extracten (oder 
den Extracten ähnlichen Präparaten: Pulpae) zu einer Masse von musartiger 
Consistenz nennt man eine Latwerge; dieselbe darf aus einem schräg gehal- 
tenen Gefässe nicht ausiliessen, muss sich aber mit einem Spatel oder Löffel 
leicht abstechen lassen. Die Unterscheidung zweier Consistenzgrade der Lat- 
werge in Electuarium spissum und molle ist in der Praxis nicht festzuhalten 
und ohne jede Bedeutung. 

Die am häufigsten zur Bildung einer Latwerge gebrauchten flüssigen oder 
halbflttssigen Substanzen sind die Mellagines, Blei, Pulpa Prunorum und Ta- 
marindomm, Syrupe; seltener werden fette Oele, Balsame und resinöse Sub- 
stanzen (z. B. Balsam. Copaiv., Terebinthina laricina) zu diesem Zwecke ver- 
wendet. Ol'i bedient man sieh der oi'licinellen oder doch in den Apotheken 
vorräthig gehaltenen Latwergen als Vehikel für andere Arzneisubstanzen, 
welche denselben in geringer Quantität uoch beigemengt werden können, ohne 
ihre Consistenz wesentlich zu verändern (Beisp. 1. . 

, ; 

:: ) In der französischen Pharmacie wird häufig diese Form als Opiat um bezeichnet, 
eine Benennung, welche leicht zu Crrungen Anlass giebt. 



30 Latwerge. 

Das durchschnittliche Mischungsverhältniss , welches erforderlich ist, um 
aus einem vegetabilischen Pulver eine Latwerge zu bilden, gestaltet sich fol- 
gendermassen: 

Auf 1 Thi. Pulver 2—5 Thl. Syrup, Mellago oder Mel. depur. 

(Beisp. II. und III.) 
- 1 - - 4— G - Pulpa (Beisp. IV.). 

Schwer lösliche Salze erfordern mindestens etwa gleiche Theile Syrup 
und zwei Theile Pulpa; metallische Pulver sind von dieser Verordnungslbrm 
möglichst auszuschliessen, da sie sich leicht aus der Mischung absetzen. 

Balsame und fette Oele geben mit gleichen Theilen vegetabilischer Pulver 
Latwergen-Consistenz (Beisp. VI. und VII.). 

Vollkommen genau zutreffende Mischungen zur Latwergen-Consistenz wer- 
den selten durch die Verordnung des Arztes angegeben; vielmehr begnügt 
man sich auch hier damit, durch die dem indifferenten Constituens beigesetzte 
Bezeichnung q. s. dem Apotheker die Herstellung der kunstgerechten Form zu 
überlassen. 

Es ist diese Verordnungsweise bei der in Rede stehenden Arzneiform um 
so mehr gerechtfertigt, als es sich hier immer um Mittel handelt, bei denen 
es auf eine genaue Dosirung der Einzelndosis nicht ankommt; eine solche ist 
bei den Latwergen nie zu erreichen, weil das Mischungsverhältniss der Be- 
standteile auch bei den besten Manipulationen kein vollkommen gleichmässiges 
wird oder bleibt, und die immer dem Kranken überlassene Abtheilung der 
einzelnen Gaben kaum annähernd gleiche Dosirung derselben bewirkt. 

Von der Verordnung in Latwergen bleiben ausser den differenten Mitteln 
und den schweren metallischen Pulvern , auch diejenigen Substanzen ausge- 
schlossen, welche leicht einer chemischen Zersetzung unterliegen (Natr. bicarb., 
Stib. sulfurat. aurant), die in der Latwergenform an und für sich durch die 
Natur der weichen, gährungsfähigen Constituentia schneller herbeigeführt wird. 
— Der letztere Umstand muss auch als Motiv dafür gelten, dass man nie 
Latwergen in grossen Quantitäten verordnet; durchschnittlich sind 50,0 — G0,0 
als das Maximum der Gesammtmenge einer Latwerge anzunehmen. — Als 
Corrigentia für den Geschmack der Latwergen bedient man sich aromatischer 
Pulver Und ätherischer Oele (Beisp. III., IV., V.). 

Die Einzelngabe des Electuarium ist in der Regel der Theelöffel; das 
Gewicht derselben ist durchschnittlich auf 5,0 — 10,0 Gramm anzunehmen. — 
Das Einnehmen geschieht in der Art, dass die Einzelngabe der Latwerge 
entweder ohne weitere Einhüllung oder in feucht gemachte Oblate gewickelt 
verschluckt wird, ohne vorher im Munde zerkleinert zu werden. Bei weicherer 
Consistenz der Latwerge setzen sich leicht die pulverigen Bestandteile der- 
selben zu Boden, und ist es deshalb rathsam, jedesmal vor dem Einnehmen 
die Latwerge mit einem Theelöffel umrühren zu lassen. 

Die Dispensation der Latwergen geschieht in thönernen und porzellanenen 
Kruken (olla grisea und olla alba); die Tectur wird meistens durch Papier- 
Verschluss oder Deekel von Holz, Porzellan oder Silber bewirkt. 

Beispiele. 



I. I'y 

Tinct. Jalapae 

'l'uli. Jalap. pulv. ana 5,0 
ituar. '•. Sinn. 50,0. 
M. f. elect. d. in olla alba. S. Morgens 

und Abends einen Tlieolöll'el voll. 



II. Bf 

Flor. Kusso 20,0 
Acid. citric. pulv. 1,0 
Ol. Citri 0,1 
Meli, depurati 50,0. 
M. f. elect. d. in olla alba. D. S. In 
drei Gaben innerhalb einer Stunde zn 
nehmen. 



Latwerge. — Kräuterzucker. — Gallerte. 



31 



III. R 

Cort. Chinae fusc. pulv. 5,0 
Pulv. Cort. Fr. Aurant. 2,5 
Cort. Cinnam. Cass. 1,0 
Syr. Aurant. Cort. 25,0. 
M. f. elect. D. S. A r or der Mahlzeit einen 
ThcelölTel voll zu nehmen. 



IV. R 

Pulv. Fol. Senn. 
Elaeosacch. Carvi ana 5,0 
Pulp. Tamarindor. dep. 25,0. 

M. f. elect. D. S. Dreimal täglich einen 
gehäuften Theelöffel. 



V. ü- 

Tartari depurati 
Sulf. depurat. ana 2,5 



Fruct. Foeniculi 1,5 
Pulp. Tamarind. dep. 25,0. 
Bf. f. elect. D. S. Morgens und Abends 
einen Theelöffel. 



VI. 



K- 



Cubeb. pulv. 20,0 

Catechu pulv. 5,0 

Bals. Copaiv. 25,0. 
M. f. elect. D. S. Drei- bis viermal täg- 
lich einen Theelöffel voll in Oblate zu 
nehmen. 



VII. Iy 

Pulv. Liquiritiae compos. 

Ol. Ricini ana 15,0. 
M. f. elect. D. S. Dreimal täglich einen 
Theelöffel voll. 



b. Kräuterzucker, Conserva. 

In Bezug auf Consistenz steht die Form der vorigen nahe; dieselbe hat 
jedoch für die Receptur insofern keine Bedeutung, als sie nur bei einigen 
wenigen in den Apotheken vorräthig gehaltenen Präparaten vorkommt. Sie 
besteht in der Mengung von Zuckerpulver mit zerstampften frischen Vege- 
tabilien und soll als Ersatzmittel für die Verordnung derselben in frischem 
Zustande dienen (Conserva Cochleariae, Nasturtii und Chelidonii). Ausserdem 
bedient man sich der Conserva Rosarum nicht selten als Constituens für Pillen 
und Electuarien. 

Beispiele. 



I. I* 

Conserv. Chelidonii 20,0 
Nasturtii 30,0. 
M. f. electuar. D. S. Morgens und Abends 
einen Theelöffel. 



II. fy 

Stib. sulfurat. laevig. 10,0 
Conserv. Rosar. 5,0. 
F. pil. No. 100. consp. Cort. Cinnam. Cass. 
D. S. Täglich drei bis vier Pillen. 



c. Gallerte, Gelatina. 

Als Gallerte bezeichnet man eine erstarrte homogene, mehr oder weniger 
durchsichtige Masse von elastischer Consistenz, welche aus einem umgekehrten 
Gefässe nicht ausfliesst, sich nicht, wie die Pillen- und Electuarien-Masse , in 
beliebige Formen drücken liisst, ohne ihre Consistenz zu verlieren, bei höheren 
Temperaturgraden schmilzt, um bei der Abkühlung wieder zu erstarren. 

Als Grundlage einer solchen Masse dienen entweder animalische, leim- 
gebende Gewebe (KalbfÜsse, Colla piscium, Cornn Cervi ras])., französische 
Gelatine) oder Vegetabilien, welche einen bedeutenden • Gehalt von Amylum, 
Gummi oder ähnlichen Substanzen (Lichenin, Bassorin) enthalten (Arrow-Root, 
Liehen islandicus, Carrageen, Tragacantha, Tubera Salep) oder frische Frucht- 
säfte (durch ihren Gehalt an Poetin). 

Die Darstellung der Gallerte geschieht meistens durch Kochen (namentlich 
bei Kalbfüssen, Colla piscium, Cornu Cervi rasp., Liehen island. und Carra- 
geen), durch Anrühren mit kaltem und darauffolgendes Uebergiessen mit heissem 
Wasser (Amylum, Arrow-Root, Salep), oder durch blosses Anrühren mit kaltem 



32 Gallerte. 

Wasser (Tragacantha), oder schliesslich durch Versetzen und Kochen mit Zucker 
(frische Fruchtsäfte). 

Zur Gallerte sind erforderlich bei 500,0 Gramm Wasser: 

von Colla piscium, Gelatina, Carrageen . . . etwa 20,0 

- Hirschhorn, Liehen Islandicus, Amylum, 

Arrow-Root - 50,0—100,0 

- Salep und Traganth - 10,0*). 

Fruchtsäfte (Succ. Rub. Idaei, Succ. Ribium) werden mit der Hälfte bis 
3 4 ihres Gewichtes an Zucker zur Gallerte gekocht. 

Die durch Kochen bereiteten Gallerten erstarren zu solchen erst, nach- 
dem sie aü • einem kühlen Orte einer niedrigen Temperatur ausgesetzt ge- 
wesen sind. 

Die von Colla piscium, Cornu Cervi, Liehen Islandicus und Carrageen ge- 
kochten Gallerten werden, bevor sie zum Gelatiniren abgekühlt werden, heiss 
colirt; sind Zusätze zu denselben zu machen, so werden dieselben unmittelbar 
vor dem Abkühlen beigefügt. 

Die Gallerten dienen entweder an und für sich als einhüllende oder er- 
weichende oder (wie die Fruchtgallerten) als kühlende Mittel, oder sie erhalten 
durch Zusätze von Wein den Charakter leichter Reizmittel. Als Nahrungs- 
mittel haben sowohl die leim- wie die stärkehaltigen Gallerten den Wertli 
eines Ersparungsmittels , indem sie einen Theil des Eiweisses vor der Zer- 
setzimg schützen (Voit) und sind erstere von Senator lebhaft für die Fieber- 
diät empfohlen worden. Die Leim enthaltende Gallerte kann man als Grund- 
lage für wirksamere Stoffe (wie z. B. stark eingekochte Fleischbrühe, Fleisch- 
extract) benutzen. 

Die den Gallerten gemachten Zusätze sind in der Regel flüssiger Natur 
(Syrupe, Wein, Tincturen, ätherische Oele). Die Quantität des zuzusetzenden 
Syrups und Weins muss in der Colaturmenge mit in Anschlag gebracht wer- 
den (will man z. B. eine versüsste und weinhaltige Gallerte von 20,0 Colla 
piscium auf 500,0 Colatur bereiten lassen, so lässt man die Colla piscium nur 
mit 300,0 Wasser kochen und setzt dann 100,0 Wein und 100,0 Syrup hinzu) ; 
von Tincturen darf man etwa nur 50,0 auf 100,0 Gelatine setzen; von äthe- 
rischen Oelen wenige Tropfen entweder in Substanz oder als Oelzucker. 
Pulverige, in Wasser unlösliche Substanzen sind als Zusätze möglichst zu 
meiden, da sie der Gallerte ein unscheinbares, oft widriges Aussehen ertheilen. 
Besonders zu warnen ist vor dem Zusätze von gerbstoffhaltigen Substanzen, 
namentlich aber Tannin selbst, zu Gallerten aus leimgebenden Stoffen, indem 
durch einen solchen Zusatz der Leim als lederartige Verbindung in Flocken 
präeipitiri wird. 

Zusätze v<m Säuren, namentlich mineralischen, sind nur in sehr geringen 
Quantitäten zu machen, da sie das Gelatmiren beeinträchtigen. 

Differente Substanzen, deren Dosirung irgend welche Aufmerksamkeil er- 
fordert, werden in dieser Form nicht gegeben, weil die Abtheilung der Ein- 
zelngabe eine sein- variirende ist. 

Bei der geringen Baltbarkeil der Gallerten verordnet man dieselben nie 
in Quantitäten, die für Länger als drei Tage ausreichen sollen. 

Als Einzelngabe der Gallerten wird in der Kegel der Thee- oder Kinder- 
Löffel, seltener <\cv Esslöffel angenommen; das Gewicht dieser Gabe ist durch- 
schnittlich 5,0 20,0. 

Dil le Quantitäten sind nur als Minima zu betrachten, ein Hinausgehen über 
dieselben, of1 selbsl bis auf das Doppelte, verdirbt die Qualität der Gallerte nicht, 
Bondera giebt nur eine steifere Consistenz; bei hoher Duft-Temperatur ist es meistens 
ii- rathsam, grossen; Quantitäten als die hier angegebener zu verordnen. 



Gallerte. 



Treu feii. 



Die Verabreichung der Gallerten geschieht in Kruken oder in weithal- 



sigen Gläsern. 



I. 



^ 



Collae piscium 15,0 

coque c. 
Aq. fönt. q. s. 
ad Col. 150,0 
cui adhuc calidae 
adde 
Vini Rhenani 150,0 
Syr. Aurant. Cort. 25,0 
Ol. Citri 0,1. 
D. in olla, repone in loco frigido ut in 
gelatinam abeat. S. Stündlich einen 
Esslöffel. 

IL ty 

Carrageen 

Liehen Island, ab amarit. liberat. 
ana 20,0 
coq. c. 
Aq. fönt. q. s. 
ad Colat. 200,0 
adde 
Tinct. Pimpinell. 10,0 
Syr. balsamici 50,0. 
D. in olla, repone in loco frigido ut f. 
gelatina. S. Bei Hustenanfällen zwei 
bis drei Theelöffel zu nehmen. 



Beispiele. 
III. 



^ 



Tub. Salep. pulv. 5,0 

tere c. 
Aq. fönt. 50,0 

adde 
Yini rubri 1000,0 
Syr. Cinnamom. 25,0 
Tinct. Zingiberis 2,5. 
D. in olla, repone in loco frigido, f. ge- 
latina. S. Stündlich ein bis zwei Thee- 
löffel. 



IV. 



3 



Collae piscium 10,0 

coque c. 
Aq. fönt. 

ad Col. 150,0 
adde 
Acid. citr. pulv. 0,5 
Syr. Rub. Idaei 50,0. 
D. in olla, repone in loco frigido, ut in 
gelatinam abeat. S. Theelöffel weise zu 
nehmen. 



Eine der Gallerte in Bezug auf ihre Consistenz nahestehende Form, welche 
in neuerer Zeit vielfach zur Anwendung kommt, ist die sogenannte Oelgallerte 
(solidificirte Fette). Dieselbe besteht aus der Zusammenschmelzung eines fetten 
Oeles oder eines Balsams mit dem vierten bis sechsten Theile Cetaceum, wo- 
durch eine Substanz erzielt wird, welche sich bequem theelöffel- oder messer- 
spitzenweise in Oblate nehmen lässt. — In Gebrauch sind Oelgallerten von 
Oleum Jecoris, Ol. Ricini und Balsam. Copaivae. 

3. Flüssige Formen. 

Bei allen in flüssiger Form dargereichten Arzneien tritt die Nothwendig- 
keit, die chemischen Eigenschaften der verordneten Substanzen zu berücksich- 
tigen, mit doppelter Schärfe hervor, da unpassende chemische Combinationen 
in Flüssigkeiten sofort Zersetzungen bedingen und abgesehen von der dadurch 
alterirten Arzneiwirkung auch mehr oder weniger auffallende Veränderungen 
in der äusseren Beschaffenheit der Arzneiform herbeiführen würden. 

Die für den inneren Gebrauch bestimmten flüssigen Arzneiformen werden 
entweder a) durch die Verordnung und Mischung an und für sieh flüssiger 
Substanzen, oder b) durch Auflösung fester Substanzen in flüssige, oder end- 
lich c) durch Extraction fester Substanzen mittelst flüssiger hergestellt. 

a. Tropfen, Ghittae*). 

Diese hauptsächlich durch die Darreichungsweise characterisirte Arznei 
form wird vorzugsweise für solche Arzneisubstanzen angewendet, welche in 



*) Dio früher gebräuchliche und jetzl noch in vieler] Handbüchern figurirende 
Benennung Mixtum concentrata ist deshalb ganz anzweckmässig, weil in den 
meisten Fällen gerade einfache Arzneisubstanzen in Tropfenform gegeben werden. 

Ewald und Simon, Arznciverordnungslehre. 10. Aufl. •> 



34 Tropfen. 

nur geringer Menge genommen werden sollen (ätherische Oele, Tincturen, 
Lösungen von Extracten, Alkaloiden, sehr differenten Salzen und stark wir- 
kenden einfachen Arzneistoffen, wie Jod, Phosphor u. s. w., destillirte Wässer, 
Säuren, seltener Säfte, Oele und Balsame). 

Die Bereitung der Tropfen, sofern solche nicht aus einer einfachen flüs- 
sigen Arzneisubstanz bestehen, geschieht durch Mischung oder Auflösung. 
Diese letztere, wenn sie sich z. B. auf Extracte in Tincturen oder destillirten 
Wässern bezieht, giebt nicht immer eine gänzlich klare, oft sogar eine so trübe 
Flüssigkeit, dass die Gleichmässigkeit der Mischung immer erst durch Um- 
schütteln wieder herzustellen ist; eine Ausgleichung dieses Missverhältnisses 
durch vorgängige Filtration ist bei den Extractmischungen nicht zulässig. 
Als Auflösim'gsmittel wendet man an: destillirte Wässer, Spiritus, Spiritus 
aethereus, Aether, seltener Säfte, Glycerin, ätherische Oele (Ol. Terebinth. 
als Menstruum für Campher und Phosphor) und fette Oele (Ol. Crotonis in 
Ol. Ricini). 

Die Geschmacks - Correction der Tropfen wird durch Zusatz ätherischer 
Oele, aromatischer Tincturen oder Syrupe bewirkt. 

Die Bestimmung der Eiuzelngabe besteht meistens in der Angabe der 
Tropfenzahl. So scheinbar genau diese Bestimmung sich darstellt, so ist sie 
in der Tliat eine überaus schwankende und von äusseren Bedingungen beein- 
flusste. Je grösser und je dicker der Rand des Gefässes ist, aus welchem 
getröpfelt wird, um desto grösser wird, vermöge des stärkeren Adhärirens 
der Flüssigkeit am Glase, die Tropfenbildung sein; dieser Unterschied kann 
so gross sein, dass der Tropfen aus dem einen Glase sich zu dem aus einem 
andern verhalten kann wie 2:1. Es ist demnach selbstverständlich, dass die 
in den meisten Lehrbüchern angegebenen Tropfenzahlen von Gewichtsmengen 
verschiedener Flüssigkeiten nur einen sehr bedingten Werth haben, da eine 
solche Bestimmung von der vorgängigen Feststellung der Dimensionen des 
Glases abhängen müsste, welches den Normaltropfen ergiebt*). Um annähernd 
ein Verhältniss zwischen Tropfenzahlen und Gewichtsmengen herzustellen, 
haben die ministeriellen Bestimmungen zur Preussischen Arzneitaxe folgende 
Scala normirt: 

fette und specifisch schwere ätherische Oele (Ol. Caryophyll. und 
Ol. amygd. amar.) und Tincturen . . 1 Gramm = k 20 Tropfen 
Chloroform, Aether acet., Spir. aeth. und 

ätherische Oele und Tincturen .... 1 - — 25 

Aether 1 - =50 

Zur Ergänzung dieser in den Preussischen Officinen überall massgebenden 
Bestimmungen dürfte noch hinzuzufügen sein, dass von Syrapen 1 Gramm 
= 15 Tropfen zu rechnen ist, und von wässrigen Flüssigkeiten und Säuren 
etwa 20 Tropfen auf ein Gramm kommen. 

Seltener wird statt Angabe der Tropfenzahl der halbe oder ganze Theolöffel 
als Bestimmung der Einzelngabe genannt. Durchschnittlich darf man annehmen: 

1 Theelöffel (knapp voll) eines Saftes — ca. 5,0 Gramm. 

1 - wässriger Flüssigkeiten, fetter und 

ätherischer Oele und Tincturen. . . . = - 4,0 

1 - ätherischer Tincturen = - 3,0 

1 - Aether = - 1,5 

*) Die französische Pharmakopoe empfiehlt sehr zweckmässig den Sal 1 er on 'sehen 
Tropfenzähler (Compte-gouttes). Derselbe besteht aus einem Fläschchen, an dessen 
Seite ein kleines Capillarröhrchen angebracht ist, welches an seinem Ende schräg ab- 
geschnitten ist. Durch dieses Röhrchen Lässt man die Arznei beraustropfen; die ein- 
zelnen Tropfen haben alle eine gleiche bestimmte Grösse und lallen langsam genug 
berab, um leicht gezählt werden zu können. 



Tropfen. 



35 



Da sich voraussetzen lässt, dass in Tropfenmischungen, welche so diluirt 
sind, dass sie theelöffelweise gegeben werden, das der Menge nach wesent- 
lichste Constituens aus einer wässrigen Flüssigkeit besteht, so lässt sich für 
solche Mischungen das Durchschnittsgewicht des Theelöffels auf 4,0 annehmen. 
Ein etwaiges, durch den Zusatz eines Saftes bedingtes Mehrgewicht wird in 
der Regel kaum in Betracht kommen. 

Bei beiden Verordnungsweisen ist somit absolute Genauigkeit in Bestim- 
mung der Einzelndosis nicht zu erreichen, weshalb die Tropfenform im allge- 
meinen für sehr differente Arzneistoffe der Verordnung in Pulvern, Pillen und 
Trochisci an Zweckmässigkeit nachsteht. 

Bei der Verordnung von Tropfen mit flüchtigen Menstruis ist noch ein 
weiterer Umstand zu berücksichtigen, welcher auf die Grösse der Einzelndosis 
wesentlich alterirend einwirkt: hat eine solche Mischung längere Zeit, nament- 
lich in hoch temperirten Krankenzimmern, gestanden, so ist ein Theil des 
Solutions-Mittels verflüchtigt und die Flüssigkeit dadurch in ihrem Arzneigehalte 
concentrirter geworden, und zwar oft in einem über alle Berechnung hinaus- 
gehenden Masse. Die zur Vermeidung dieses Uebelstandes öfters in Anwen- 
dung gebrachte Cautele, solche Mischungen in einem Glase epistomate vitreo 
clauso zu verordnen, erfüllt ihren Zweck keineswegs, da bei Glasstöpseln, 
wenn sie nicht jedesmal mit äusserster Sorgfalt eingesetzt werden, die Ver- 
noch leichter vor sich geht, als bei gut verschliessenden Korkstöpseln. 



dunstung 



Abgezählte Tropfen werden entweder auf Zucker 



oder 



(namentlich Säuren) durch irgend ein Dilutions-Mittel (Wasser, Zuckerwasser, 
Haferschleim) verdünnt (Beispiel VII.). Sehr unangenehm riechende oder 
schmeckende Tropfen können in Deckelkapseln eingenommen werden, deren 
Füllung der Patient sich vor dem Einnehmen selbst besorgt (Beisp. X.), eine 
Procedur, die jedoch nur geschickten Kranken zugemuthet werden darf. — 
Wird das Einnehmen theelöffelweise vorgeschrieben, so lasse man bei solchen 



Substanzen, welche leicht das Metall anzugreifen im Stande 
(Beisp. VI.), Säuren u. s. w. , einen porzellanenen Theelöffel 
bringen, oder den Theelöffel durch ein kleines Trinkglas, 
4,0 Wasser fasst, ersetzen. Solche Gläser, welche man zum 
Theelöffel), 8,0 (Kinderlöffel) und 15,0 (Esslöffel) anfertigt*), 



sind, z. B. Jod 
in Anwendung 
welches genau 

Inhalte von 4,0 
empfehlen sich 



überhaupt zum Einnehmen, da sie das Abtheilen in gleichmässigere Gaben 
ermöglichen, das Einnehmen bequemer machen und, namentlich bei liegenden 



Kranken, das Verschütten der Medicamente 
als bei der Darreichung in Löffeln. 



weniger leicht zu befürchten ist, 



I. T* 

Tincturac aromat. 

amar. ana 10,0. 
D. S. Vor Tisehe zwanzig Tropfen auf 
Zucker. 



Beispiele. 
III. 



II. Bf 

Tinct. Aconit, aeth. 
„ Coleb, ana 5,0 
Opii 2,5. 
M I). S. Zweistündlich fünf Tropfen. 



I* 



Ol. Carvi 0,15 

Tinct. Valerian. aether 10,0. 
D. S. Zweistündlich zwanzig Tropfen. 



IV. ty 

Extr. Belladonn. 1,0 
solve in 

\'|. A.mygdalar. amar. 10,0. 
D.S. I mgeschüttell stündlich zehn Tropfen. 



*) Vorzuziehen wäre es, wenn Gläser von 5,0, 10,0 and 20,0 Gramm Inhalt an- 
gefertigl würden, die anstelle der in ihrer Grösse sehr variirenden Thee-, Kinder- und 



Esslöffel überall in Anwendung kämen. 



36 



Tropfen. — Mixtur. 



Morph, acet. 0,2 

solve in 
Aq. amygdalar. amar. 20,0. 
Filtra. D. S. Zweistündlich zehn Tropfen. 



VI. 



D. S. 



Jodi 0,1 

Kalii jodat. 1,0 

solve in 
Aq. destill. 50,0. 
Morgens und Abends einen (por- 



zellanenen) Theelöffel voll. 



VII. ty 

Acid. phosphor. 
Syrup. simpl. ana 5,0. 
D. S. Dreimal täglich zehn Tropfen in 
Zuckerwasser zu nehmen. 



VIII. 



D. S. 



Camphor. 0,5 

solve in 
Spir. aeth. 10,0. 
Stündlich fünfzehn Tropfen. 



IX. Bf 

Ol. Crotonis 0,05 
„ Ricini 50,0. 
D. S. Stündlich (bis zur Wirkung) einen 
Theelöffel. 



X. Py 

Kreosoti 0,15 
Ol. Amygdal. 5,0. 
D. S. Dreimal täglich fünf Tropfen in 
einer Deckelkapsel zu nehmen. 



b. Mischung, Mixtum. 

Eine in grösserer Quantität (über ca. 60,0 Gramm) verordnete flüssige 
Arzneiform, welche ohne Anwendung weiterer pharmaceutischer Produktion 
lediglich durch die Mischung flüssiger Substanzen oder Auflösung von festen 
Substanzen in flüssigen hergestellt wird, wird mit dem Namen Mixtur be- 
zeichnet. (Eine Trennung der Mixtur von der Solution ist in praxi unnöthig.) 

Da die Mixtur thee- oder esslöffelweise genommen wird, so ist das Vehikel 
fast immer wässriger Natur. Man bedient sich zur Mischung (oder Lösung), 
wenn reines Wasser angewendet werden soll, regelmässig der Aqua destillata. 
Ein Preisunterschied zwischen letzterer und Aqua communis findet (nach einer 
neueren ministeriellen Verordnung) nicht mehr statt, so dass auch die früher 
noch zuweilen statthabenden ökonomischen Rücksichten für die Verordnung der 
Aqua communis in Fortfall gekommen sind. 

Bei der grösseren Quantität der Einzelngaben, in welcher die Mixtur ver- 
ordnet wird, ist die Wahl der Geschmacks - Corrigentien von wesentlicher Be- 
deutung. Diese Correction kann entweder schon durch das Menstruum bewirkt 
werden, indem man solches durch ein aromatisches Wasser wählt, oder man 
fügt der Mischung aromatische Tincturen, ätherische Flüssigkeiten, Elaeosac- 
chara oder Syrupe hinzu (Beisp. I. und IL). Die Anwendung der Elaeosacchara 
li.*it bei Lösungen immer das Unangenehme, dass sie das klare Aussehen der- 
selben beeinträchtigt; bei Längerem Stehen solcher Arzneien scheidet sich der 
geringe Gehalt an ätherischem Oele aus und schwimmt auf der Oberfläche, so 
dass, wenn dann die Arznei vor dein Einnehmen nicht gehörig umgeschüttelt 
wird, ein Löffel derselben den grössten Theil des ätherischen Oeles enthalten 
kann. Bei der Wahl der Syrupe hat man zunächst in's Auge ZU lassen, dass 
<his Corrigens in Bezug auf seine Wirkung nicht der beabsichtigten Wirkung 
der Arznei entgegenstehe, vielmehr dieselbe, wenn es angeht, als Adjuvans 
unterstütze; so sind z. B. zu beruhigenden Arzneien Syrupus Amygdalarum, 
Syrupus Papaveris u. B. W. ZU setzen (Beisp. HI.); ZU kühlenden Mixturen: 
Fruchtsäfte (Beisp. IV.); zu bitteren, tonisirenden und excitirenden: bitterliche 
und aromatische Syrupe, z. I». Syr. Aurant. Cort., Syr. Cinnamom. (Beisp. V. 
und VI.); zu abführenden: Syr. Sennae, Syr. Rhei, Syr. Rhamni cath. i Beisp. VII.); 
zu Vomitiven: Oxymel Scillae, Syr. [pecacuanhae, Syr. Violarum (Beisp. VIII.). 
Von entschiedener Bedeutung ist es, bei der Auswahl eines Syrups den idio- 
s\ ^akratischen Geschmacksrichtungen des Individuums Rechnung zu tragen, da 



Mixtur. 37 

man sonst oft durch ein Corrigens, das im allgemeinen vollkommen motivirt 
erscheint, gerade den entgegengesetzten Effect erzielen kann. 

Zur Einhüllung scharfer Arzneien reichen die Syrupe in der Regel nicht 
aus, und bedarf es hierzu eines Zusatzes von schleimigen Substanzen (Beisp. IX.). 

Um den Mixturen ein eleganteres Aussehen zu verleihen, bedient man sich 
der färbenden Syrupe; rothe Färbimg wird bewirkt durch Syr. Rubi Idaei, 
Ribium, Cerasorum, Rhoeados, Mororum ; bläuliche Färbung durch Syr. Violarum 
(doch nur in neutralen Flüssigkeiten, da er bei Zusatz von Säuren roth, bei 
Prävalenz von Alkalien grün, bei Tartarus stibiatus violett färbt) ; milchweisses 
Aussehen durch Syr. Amygdalarum; gelbes durch Syr. Croci. 

Die Aufmerksamkeit, welche man früherhin der eleganten Färbung der 
Mixturen widmete, ist jetzt im allgemeinen wesentlich in den Hintergrund ge- 
treten, und zwar um so mehr, je weniger diese wohlgemeinte Bestrebung sich 
eines gelungenen Erfolges zu erfreuen hatte, da die meisten färbenden Syrupe 
in Contact mit salinischen Substanzen oder mit nicht durchaus klar sich lösen- 
den extractiven Stoffen den Mixturen ein trübes, nichts weniger als appetit- 
liches Ansehen verleihen. 

Diejenigen Mixturen, welche Substanzen enthalten, die durch den Einfluss 
der Luft eine chemische Zersetzung erleiden (wie Argent. nitric. und Aqua 
chlorata), werden in schwarzen Flaschen verordnet (Beisp. X.); es ist zweck- 
mässig, den Patienten vorher mitzutheilen, dass das Medicament in dieser ihnen 
sonst unangenehm auffallenden Weise werde verabreicht werden. 

Alle Mixturen, welche gährungsfähige Substanzen enthalten (Extracte, 
Syrup), müssen in möglichst niedriger Temperatur (durch Einstellen in ein 
Glas mit kaltem Wasser, welches oft erneuert wird) aufbewahrt werden. 
Zweckmässig ist es, solche Mixturen, namentlich in warmer Jahreszeit immer 
nur in einer für die Dauer von höchstens 24 Stunden berechneten Menge zu 
verordnen. Selbstverständlich ist es, dass Mixturen, in denen die Zeichen der 
Gährung sich bereits kundgeben (Brausen, veränderter Geruch), nicht weiter 
zur Anwendung kommen. 

Die Einzelngabe bei Mixturen ist in der Regel der Thee-, Dessert- oder 
Esslöffel, seltener der Tassenkopf oder das Weinglas. Der Theelöffel wird 
durchschnittlich auf 4,0, der Dessert- oder Kinderlöffel auf 8,0, der Esslöffel 
auf 15,0, der Tassenkopf oder das Weinglas auf 100,0 berechnet (vgl. oben 
S. 11 und 12). Zweckmässig bedient man sich auch zum Einnehmen der 
Mixturen der bei den Tropfen erwähnten mensurirten Einnehmegläser. Die 
dort angeführte Cautele in Bezug auf die Anwendung metallener Löffel gilt 
auch hier. 

Die Methode, die abgetheilten Einzelndosen der Mixtur in besonderen 
Fläschchen von etwa 15,0—120,0 Inhalt verabreichen zu lassen, kommt bei 
uns selten vor, während sie in England sehr gebräuchlich ist. Eine- solche 
abgetheilte Einzelndose führt den Namen Jlaustus (Beisp. XL). 

Eine durch elegantes Aussehen und guten Geschmack charakterisirte Mixtur 
wird als Julep bezeichnet (z. B. eine Mischung von Phosphorsäure Wasser 
und Syr. Rub. Idaei oder Beisp. IV.). 



Beispiele 

Liquor Kali acet. 15,0 
Tinct. Rhei aquos. 25,0 
.Vth. acet. 2,5 
\<|. Menth, pip. 100,0 
Syr. Aumnl. Cort. 25,0 



IL IV 

Natr. phosphor. 20,0 

solve in 
Aq. destillat. 150,0 

n<l<lr 

Elaeosacchar. Citri .'>,<> 



M. D. S. Zweistündlich einen Bsslöffel. Syr. Succ. Citri 20,0. 

I). S. I mgeschüttclt stündlich einen Bss- 
löffel. 



Mixtur. 



Saturation. 



III. 



D. S. 



IV. 



Natr. nitr. 10,0 
solve in 

Aq. destillat, 100,0 

adde 
Aq. Laurocerasi 10,0 
Syr. Amygdalar. 25,0. 

Stündlich einen Esslöffel. 



D. S. 



V. 



VI. 



Acid. tartarici 5,0 

solve in 
Aq. destillat. 125,0 

adde 
Syr. Rub. Idaei 25,0. 
Stündlich einen Esslöffel. 



I* 



Extr. Trifol. fibrini 5,0 
Aq. Menth, piper. 150,0 
Syr. Zingiberis 50,0. 
M. D. S. Dreimal täglich einen Esslöffel. 



I* 



Liquor. Ammonii acet. 25,0 
Aeth. acet. 5,0 
Aq. destillat. 200,0 
Syr. Cinnamomi 25,0. 
M. D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



VII. Bf 

Magnes. sulfur. 25 
Acid. sulf. dil. 2,5 
Aq. destillat. 100.0 
Syr. Rhamni cathart. 25.0. 
D. S. Halbstündlich einen Esslöffel bis 
zur Wirkung. 



VIII. Iv 

Tartari stibiati 0,25 

solve in 
Aq. destillat. 75,0 

adde 
Syr. Ipecac. 25,0. 
D. S. Viertelstündlich einen Esslöffel bis 
zur Wirkung;. 



IX. Bf 

Acid. nitric. 

„ hydrochlor. ana 2,5 
Mucil. Gummi Arab. 
Syr. Sacchari ana 25,0 
Aq. destillat. q. s. 
ad Mixturam 200,0. 
M. D. S. Zweistündlich einen Esslöffel. 



X. R- 

Aq. chlorat. 50,0 
Aq. destillat. 150,0. 
M. D. in vitro nigro. S. Zweistündlich 
einen Kindcrlöffel. 



XI. Bf 

Kalii jodat. 1,0 

solve in 
Aq. destillat. 20,0 
Syr. simpl. 5,0. 
JVI. Disp. tal. dos. No. 6. S. Täglich eine 
Flasche in zwei gleiche Theilc getheilt 
zu verbrauchen. 



c. Saturation. 

Unter Saturation verstellt man die Auflösung eines kohlensauren Salzes 
in einer Flüssigkeit, welche eine die Kohlensäure an Stärke übertreffende 
(meist organische) Säure enthält, woraus ein Salz resultirt, dessen Basis die 
des früheren kohlensauren Salzes und dessen Säure die hinzugesetzte ist. Die 
Kohlensäure wird dabei theilweise von dem als Menstruum dienenden Wasser 
aufgenommen, theilweise entweicht sie bei der Bereitung. Durch vorsichtige 
Manipulation bei der Anfertigung dieser Arzneimischung kann man es ermög- 
lichen, dass dns ganze Quantum der frei werdenden Kohlensäure in der Flasche 
zurückgehalten wird, und wird diese Darreichungsweise von einigen Praktikern, 
welche den Haupt werth der Wirkung in der Kohlensäure suchen, besonders 
empfohlen, jedoch mit Unrecht, indem eine so angefertigte Saturation leicht 
das Gefäss, in welchem sie enthalten ist, zersprengt, alter auch abgesehen 

davon, beim eisten Oellhen der Flasche ein grosser Theil der freien Kohlen- 
Säure explodirend anter Herausschleuderung einer nicht geringen Menge der 
Flüssigkeit entweicht, und (\w im Q-efässe verbleibende Rückstand nicht reicher 
an Kohlensäure ist, als bei gewöhnlicher Anfertigungsweise. — Wo es dem 
Arzte darauf ankommt, die Kohlensäure als wirksames Agens darzureichen, 
da genügt die Form der gewöhnlichen Saturation nicht, und ist man dann 



Saturation. 39 



gezwungen, wenn man nicht von Brausepulvern, kohlensauren Wässern u. s. w. 
Gebrauch machen will, zu der ursprünglichen Form der Potio Riveri zu- 
rückzukehren, welche darin besteht, dass man zuerst eine- starke alkalische 
Solution und unmittelbar darauf Citronensaft nehmen und so die Entwicklung 
der Kohlensäure im Magen vor sich gehen lässt (Beisp. IV. und V.). Die 
Pharmacopoea Germ. edit. II. bestimmt übrigens, abgesehen von der oben 
besprochenen Verwendung der ursprünglichen Form der Potio Riveri , „dass, 
wenn Saturatio ohne Angabe der Bestandtheile verordnet wird, Potio Riveri 
zu dispensiren ist". 

Die normalen Saturations-Verhältnisse für die zu Saturationen am häufig- 
sten verordneten Salze sind folgende: 

Acetum. Acid. citr. Acid. tart.*) 
1 Gramm Kali carb. pur. . . . 18,0 ca. 1,0 ca. 1,1 

1 - Natr-. carp. dep. cryst. 9,0 - 0,5 - 0,5 

1 - Natr. carb. siccum . . 20,0 - 1,1 - 1,2 

1 Natr. bicarb 15,0 - 0,9 - 0,9 

1 - Amnion, carbon. dep. 14,0 - 0,8 - 0,8 

Vom Liquor Kali carbonici entsprechen 3 Gramm 1,0 Kali carbon. — 
Kali bicarbon. wird nicht zu Saturationen verordnet, da der Ueberschuss des- 
selben an Kohlensäure aus der Saturation entweicht. — Natr. bicarbon. wird 
aus dem Grunde zuweilen verordnet, weil es eine constantere Qualität des 
Salzes darstellt, als dies bei dem Natr. carb. crystallisatum der Fall ist, wel- 
ches einen schwankenden Gehalt an Krystallwasser besitzt. Magnesia carbon. 
wird selten zu Saturationen verwendet, weil ihr Kohlensäuregehalt ein sehr 
geringer ist, und weil eine mit diesem Salze bereitete Saturation fast immer 
ein opalisirendes Ansehen erhält, welches den Apotheker veranlassen dürfte, 
eine Filtration vorzunehmen, durch die das letzte noch rückständige Quantum 
an Kohlensäure vollends entweichen müsste. Jedenfalls ist eine Saturation von 
Magnesia carbonica mit Acid. tart. unzulässig, da die weinsteinsaure Magnesia 
eine sehr schwer lösliche Substanz ist. 



Die am gewöhnlichsten zur Saturirung verwendeten sauren Flüssigkeiten 
sind Acetum und Succus Citri. Der letztere ist nicht immer von gleichem 
Gehalt an Citronensäure , so dass man bei der Verordnung das nothwendig 
werdende Quantum nicht vorherbestimmt, sondern quantum satis ad perfectam 
saturationem hinzusetzen lässt. Man berechnet etwa auf 5,0 Kali carb. den 
Saft von drei Citronen, dessen Flüssigkeits-Volumen durch Wasserzusatz auf 
60,0 gebracht wird. Hat man die Absicht, die Säure oder das Alkali in der 
Saturation prävaliren zu lassen (was aber in praxi selten vorkommt), so ver- 
ordne man q. s. ad saturationem acidam oder alkalinam. 

Nicht selten macht man die Saturation dadurch zur Trägerin differenter 
Arzneistoffe, dass man Aceta, welche einen medicamentösen Gehalt haben 
(Acet. Digitalis, Colchici, Scillae), zur Darstellung der Saturationen verwendet. 
Wenn auch diese Essige in Bezug auf ihr Saturations-Verhältniss dem ge- 
wöhnlichen Essige ungefähr gleich stehen, so ist es doch sicherer, bei der 
Verordnung derselben ihr Quantum fest zu bestimmen und die Menge deB 
Salzes mit dem q. s. ad perl*, saturat. zu bezeichnen (Beisp. IV.i. oder zu der 
festgesetzten Dosis des medicamentösen Essigs noch Aceti puri q. s. hinzu- 
zufügen (Beisp. VII.). 

Zur Correction der Saturationen bedient man sich meistens der aroma- 
tischen Wässer, der Klaeosaechara und der Syrupe. von welchen Letzteren 
häulig die Fruchsäfte verwendet werden. Man sei jedoch hierbei darauf vor- 
bereitet, dass ursprünglich rothe Syrupe, wenn die Saturation eine neutrale ist. 
ihre Farbe verändern und meisl ein schnlutzig-blaugraues Ansehen annehmen. 

*) Von Aci'l. citricum ist gewöhnlich eine um ein wenig kleinere Menge zur 
Sättigung erforderlich als von Acid. tartaricum, etwa im V'erhältnisa v<>n '.> ; l(). 



40 



Saturation. — Emulsion. 



welches dem eleganten Aeussern der Mixtur entschieden Abbruch thut, ohne 
jedoch die beabsichtigte Geschmacks -Verbesserung zu beeinträchtigen. 

Die Gesammtmenge einer Saturation gehe nie über 200,0 — 250,0 (von 
denen 1 — 2 stündlich ein Esslöffel genommen wird) hinaus, da bei Verordnung 
einer grösseren Quantität die Arznei zu lange stehen und der geringe Kohlen- 
säuregehalt derselben vollends entweichen würde. 



D.S. 



II. 



Kali carb. pur. 5,0 
Acet. 90,0 
Aq. destill. 
Syr. simpl. ana 25,0. 
Stündlich einen Esslöffel. 



Beispiele. 

Aq. Cinnam. 60,0. 
D. S. Halbstündlich einen Esslöffel und 
einen Theelöffel Citronensaft nachzu- 
nehmen. 



^ 



Natr. carb. pur. 3,0 

solve in 
Aq. Menth. 100,0 

adde 
Acid. tart. q. s. (1,5) 

ad perf. Satur. 
Syr. Aurant. Cort. 30,0. 
D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



III. 



I* 



Kali carb. 5,0 

Succi Citr. rec. expr. q. s. 

ad perfect. Saturat. 150,0 
Elaeos. Citri 
Sacch. alb. ana 5,0. 
D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



IV. h) 

Kali carb. pur. 2,5 
Sacch. alb. 5,0 



V. 



D. S. 



VI. 



Natr. bicarb. 

Elaeos. Menth, pip. ana 10,0 

Aq. fontan. 100,0. 

Wie bei IV. 



1^ 



Acet. Scill. 25,0 

„ Digital. 5,0 
Kali carb. pur. q. s. (1,66) 
ad perf. Saturat. 
adde 
Aq. Petroselini 100,0 
Syr. simpl. 25,0. 
D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



VII. 



^ 



Natr. carb. 5,0 
Accti aromat. 25,0 
Aceti q. s. 

ad perfect. Saturat. 200,0 
Syr. Aurant. Cort. 10,0. 
M. D. S. Zweistündlich einen Esslöffel. 



d. Emulsion. 

Unter Emulsion versteht man die Mengung von Wasser mit einem darin 
unauflöslichen Körper, welche durch Vermittlung einer dickflüssig machenden 
Substanz ermöglicht wird; entweder findet sieh der in Wasser zu suspen- 
dirende Körper (Emulgendum) und die vermittelnde Substanz (Emulgens) in 
einem und demselben Arzneistoffe vereint vor, und dann bezeichnet man die 
Men^un^ mil Wasser als eine Emulsio v er a (Samen-Emulsionen), oder beide 
Körper werden erst bei der Arzneibereitung mit einander gemengt: Emulsio 
spuri a. 

Die wahre Emulsion wird fast ausschliesslich aus Mandeln, Mohn, Hanf- 
samen dadurch bereitet, dass die betreffenden Substanzen (meist im steinernen 
Mörser) zerstossen und mit Wasser so weit angertlhri werden, dass eine ho- 
mogene, milchartige Flüssigkeit entstellt, welche durch Coliren von den an- 
hängenden Samenhüllen befreit wird. In diesen Emulsionen ist das fette <>el 
der betreffenden Samen das Emulgendum, welches durch einen dem Gummi 
ähnlichen Körper, Emulsm, der in dem Samen vorhanden ist, im Wasser 
Buspendirt wird (Beisp. I. und II. j. 

Zur Darreichung in falscher Emulsion kommen fette und zuweilen äthe- 
rische 0ele, Balsame, Harze, Gurami-Besinen , Campher, Wachs, Wallrath, 



Emulsion. 41 



auch wohl Moschus, Castoreum, Ambra, Lycopodium*). Als Emulgeudum be- 
dient man sich des Gummi Arab. , des Traganths, oder des Eigelbs, der 
ersteren beiden vorzugsweise für Oele, der letzteren mehr für harzige Sub- 
stanzen (Beisp. III. bis VIL). Als Menstrimm Emulsionis dient in der Regel 
das reine Wasser, jedoch wird zuweilen auch ein aromatisches Wasser, ein 
Infusum oder ein Decoct dazu verwendet (Beisp. VIII. und IX.). 

Im allgemeinen kann man die emulgirende Kraft von 10,0 Gramm Gummi 
Arab. gleich 1 Eidotter rechnen. (Vom Traganth, welcher seltener zu diesem 
Zwecke angewendet wird, kommt 1 Gramm ungefähr 10 Gramm Gummi Arab. 
gleich. — Mucilago Gummi Arab. zur Bereitung einer Emulsion ist deshalb 
unzweckmässig, weil die technische Ausführung dieser Verordnung die Güte 
der Emulsion gefährden würde, und deshalb vom Apotheker fast immer die 
Quantität der verordneten Mucilago auf die entsprechende Menge Gummi 
reducirt wird). 

Durchschnittlich verordnet man zur Emulsion halb so viel Gummi als 
fettes Oel oder Harz, ohne dass jedoch die Grenze für das Zustandekommen 
einer Emulsion durch diese Verhältnisse bedingt würde**). 

Bei der Bereitung der Emulsion mischt man zunächst das Emulgendum 
mit dem Emulgens in einem flachen (meist porzellanenen) Mörser und setzt 
dann vorsichtig unter stetem Umrühren das Menstruum hinzu, welches etwa 
das 6 — 12 fache des angewendeten Emulgendum, mithin das 12 — 24 fache des 
Emulgens betragen kann. — Nach der Ph. Germ, werden, wenn nicht ein 
anderes Verhältniss direct vorgeschrieben ist, die Samen-Emulsionen aus 1 Theil 
Samen zu 10 Colatur, die Oel-Emulsionen aus 2 Theilen Oel, 1 Gummi Arab., 
17 Aq. dest. bereitet. 

In der Regel verschreibt man Emulsionen (sowohl die wahren als die 
falschen) in massiger Gesammtquantität (bis höchstens 200,0 oder 250,0), da 
dieselben leicht dem Verderben ausgesetzt sind und entweder durch Alteration 
des Oeles ranzig, oder durch Zersetzung des Gummi sauer werden. 

Salze und Säuren zur Emulsion zuzusetzen, ist durchaus unzweckmässig, 
indem durch derartige Zusätze die Ausscheidung des Emulgendum in den 
meisten Fällen schnell herbeigeführt wird. Höchstens werden neutrale Salze 
(Kali nitricum) in geringen Quantitäten von den Emulsionen ertragen , und 
zwar von den wahren besser als von den falschen. Aus diesem Grunde ist 
die in manchen Lehrbüchern angeführte Form der Saturations-Emulsion eine 
vollkommen irrationelle, die auch, abgesehen von ihrer technischen Unzweck- 
mässigkeit, nach keiner Seite hin irgend welche Vortheile darbietet. 

Die Correction der Emulsionen wird durch Anwendung von aromatischen 
Wässern, Zusatz von Oelzuckern (oder einigen Tropfen ätherischen Oeles, die 
bei der Bereitung mit dem Emulgendum subigirt werden) oder Syrupen (wobei 
jedoch die sauren zu vermeiden sind) bewirkt. 



Beispiele. 



1. E* 

Amygd. dulc. excortic. 25,0. 

F. c. 
Aq. destill. 100,0 

„ Flur. An ran f. 50,0 



Emulsio, 
Colat. adde 
Aq. Amygd. amar. 10,0 

Syr. simpl. 25,0. 
I». S. Stündlich einen Esslöffel. 



*) Lycopodium giebt eigentlich keine, am wenigsten, wir von einigen Lehrbüchern 
angegeben wird, eine wahre Emulsion, sondern streng genommen, nur ••inen Schüttel- 
trank, aus dem sich, bei sorgfältigster Bereitung, immer doch 'Ins Lycopodium oben 
absetzt. 

*'"'') Bei der Emulsio Ol. R-icini wird die Quantitäl des Gummi gewöhnlich niedriger 
(etwa ' , des Oeli riffen, am die abführende Wirkung der Arznei nicht zu hemmen. 



42 



Emulsion. 



Schüttelmixtur. 



II. 



M. D. 



III. 



Sem. Papaveris 25,0. 

F. c. 
Aq. destill. Emulsio 
in Colat. 150,0 
solve 
Kali nitr. 5,0 

adde 
Extr. Hyoscyami 0,5 
Syr. Amygd. 25,0. 
S. Stündlich einen Esslöffel. 



M. D. 



Ol. Ricini 30,0 
Ol. Crotonis 0,1 
Gummi Arab. 7,5 

F. c. Aq. destill. 
Emulsio 150,0 

cui adde 
Syr. Sennae 25,0. 
S. Stündlich einen Esslöffel bis zu 



mehrmaliger Wirkung. 



IV. 



3 



Bals. Copaiv. 20,0 
Gummi Arab. 10,0 
F. c. Aq. destill. 
Emulsio 150,0 
cui adde 
Tinct. aromat. 5,0 
Syr. balsamic. 25,0. 
M. D. S. Zweistündlich einen Esslöffel. 



V. ty 

Ammoniaci 20,0 
Vitelli ovi unius 

f. c. 
Aq. Menth, piper. 

Emulsio 100,0 
cui adde 
Syr. Cinnamom. 20,0. 
M. D. S. Zweistündlich einen Esslöffel 



VI. 



M. D. 



VII. 



M. D. 



VIII. 



M. D. 



IX. 



D. S. 



Resinae Guajaci 15,0 
Gummi Arab. 7,5 

F. c. 
Aq. Flor. Sambuc. 

Emulsio 150,0 

cui adde 
Extr. Aconiti 0,05 
Spir. Aetheris nitrosi 5,0 
Syr. simpl. 25,0. 
S. Stündlich einen Esslöffel. 



Camphor. tritae 1,0 
Pulv. Tragacanth. 0,5 
Liq. Ammon. anisat. 5,0 
Syr. Cinnamom. 25,0 
Aq. Cinnamom. q. s. 

ad Emulsion em 200,0 
S. Stündlich einen Esslöffel. 



Ol. Amygdal. dulc. 50,0 
Gummi Arab. 25,0 

F. cum 
Inf. Rad. Ipecac. (e 0,5) 150,0 
Emulsio 

in qua solve 
Natr. nitrici 5,0 

adde 
Tinct. Strychn. 1,0. 
Syr. Amygdalarum 25,0. 
S. Stündlich einen Esslöffel. 



Sem. Papaveris 20,0 

F. c. 
Dec. Cort. Chin. fusc. (e 10,0) 200,0 
Emulsio 
cui aclde 
Aeth. acctici 2,0 
Syr. Aurant. Cort. 25,0. 
Stündlich einen Esslöffel. 



e. Schüttelmixtur, Mixtum agitanda*). 

Unter Schüttelmixtur versteht man die Mischung eines unauflöslichen 
specifiscfa Leichten Pulvers mit so vieler Flüssigkeit, dass die daraus hervor- 
gehende Combination sich giessen lässt. Dieselbe enthält, wenn sie umge- 
schüttell ist, das Pulver in ziemlich gleichmässiger Vertheilung, die sich aber 
alsbald, wenn die Mischung einige Minuten lang ruhig gestanden hat, durch 
Ahset/.en des Pulvers wieder verliert. Im allgemeinen darf diese Arzneitonn 
;ils eine anzweckmässige bezeichnet werden, da sie, abgesehen von ihrer Un- 
appetitlichkeit, eine für die Dosirung des darzureiphenden Präparates höchst 
ungenaue ist, und viele Pulver die Eigenthtimlichkeil haben, sich am Boden 



*) Die Bezeichnung Mixtura media is1 ausser Gebrauch gekommen, weil die- 
selbe von einigen Autoren nicht auf die Qualität der Mixtur, sondern auf deren 
tfengenverhältniss, im Gegensatze zur Mixtura concentrata, bezogen wurde. 



Schüttelmixtur. — Lecksaft. 



43 



der Gefässe in Form einer festen adhärirenden Masse anzusetzen, die durch 
Schütteln nicht wieder zur Vertheilung gebracht wird. Man kann die Schüttel- 
mixtur um so mehr entbehren, als sie in den meisten Fällen leicht durch eine 
viel zweckmässigem Applicationsform (Pillen, Pulver, Electuarium) ersetzt 
werden kann. Jedenfalls vermeide man es, differente unlösliche Stoffe oder 
schwere metallische Pulver in der Schüttelmixtur zu verabreichen. 

Die Menge des der Flüssigkeit beizufügenden Pulvers darf, um die Flui- 
dität der Arznei nicht zu gefährden, gewisse Grenzen nicht übersteigen und 
bei leichten mineralischen Pulvern etwa 10,0 — 15,0 für 200,0, bei vegetabi- 
lischen, die durch die Aufnahme von Wasser quellen, nur 5,0 — 12,0 betragen. 

Ein Zusatz von Syrup zur Schüttelmixtur dient nicht blos zur Geschmacks- 
Correction derselben, sondern auch dazu, das mechanisch beigemengte Pulver 
nach dem Umschütteln etwas länger in der Flüssigkeit suspendirt zu erhalten. 

In der Signatur ist die Anweisung, dass das Medicament umzuschütteln 

niemals zu unterlassen. 

Beispiele. 
III. 



sei, 



I. I* 

Tartar. stibiat. 0,1 

Pulv. Rad. Ipecac. 2,0 

Aq. destill. 50,0 

Oxymellis Scillae 25,0. 
M. D. S. Umgeschüttelt viertelstündlich 
einen Esslöffel, bis mehrmal Erbrechen 



erfolgt ist. 



II. 



1* 



Flor. Kosso 10,0 

Aq. destill. 150,0 

Syr. Menth, piper 50,0. 
M. D. S. Umgeschüttelt in zwei Portionen 
im Zwischenraum einer halben stunde 
austrinken zu lassen. 



lv 







Pulv. Cubebarum 


10,0 








Aq. Menth, piper. 


150,0 








Vini rubri gallici 










Svr. Aurant. Cort. 


ana 25,0 




M 


D. 

Ess 

r 


S. Umgeschüttelt 
löfftl. 


stündlich 


einen 


I\ 


I* 








Magnes. carbou. 10,0 








Natr. nitr. 5,0 










Aq. Amygd. amar. 


diiut. 15< 


3,0. 


M 


D. 


S. Umgeschüttelt 


stündlich 


einen 




Esslöffel. 







f. Lecksaft, Linctus. 

Eine Arzneiform von geringem Flüssigkeitsgrade, in welcher der Syrup, 
statt wie sonst den Zusatz zu bilden, meist die Grundlage ausmacht, wird als 
Linctus bezeichnet. — Derselbe eignet sich wegen seines starken Zuckergehaltes 
vorzugsweise für die Kinderpraxis. Bei der dickflüssigen Consistenz des Linctus 
können pulverformige Substanzen in demselben etwas leichter suspendirt wer- 
den, als in den gewöhnlichen Schüttelmixturen, ohne dass jedoch eine voll- 
kommen gleichmässige und dauernde Vertheilung auch im Lecksaft stattfände, 
weshalb derselbe, wenn er einen Pulverzusatz enthält, jedesmal vor dein Ein- 
nehmen umgeschüttelt werden umss. 

Der starke Syrupgehalt des Linctus bedingt eine sehr grosse Gährungs- 
fähigkeit desselben, weshalb er, namentlich wenn er zum Vehikel leicht zer- 
setzlicher Pulver dienen soll (wie z. 15. des Stibium sulraratum aurantiacum) 
nur in geringeren Quantitäten (höchstens etwa 50,0 — 75,0) verordnet wer- 
den darf. 

Die Linctus werden theelöffelweise gegeben; das Gewicht einer solchen 
Einzelngabe stellt sich durchschnittlich auf .~>,0 — 6,0 Gramm. 

Beispiele. 



I. 



Mosch i Ü,l 
Syr balsaraic. 



50.0 



A M . Flor. Aurant. 10,0 
M. I). S. Umgeschüttelt stündlich 
Theelöffel voll. 



«in.M 



44 



Extractionsformen. — Macerations-Aufeuss. 



IL % 

Stib. sulfurat. aurant. 0,2 
Syr. Focniculi 50,0. 
D. S. Um geschüttelt zweistündlich einen 
Theelöffel. 



III. Bf 

Extr. Hyoscyami 0,1 
Syr. Alth. 50,0 

Aq. Araygdal. amar. dilut. 10,0. 
M. D. S. Zweistündlich einen Esslöffel. 



g. Extractionsformen. 

Um die löslichen Bestandteile fester Substanzen in flüssige Form über- 
zuführen, werden dieselben mit einer Flüssigkeit auf längere oder kürzere 
Zeit und unter Einwirkung mehr oder minder hoher Temperatur -Verhältnisse 
in Berührimg gebracht. Findet diese Berührung bei gewöhnlicher Temperatur 
statt, so wird dieser Prozess als Macer ation bezeichnet, während derselbe, 
wenn er unter massiger Temperatur-Erhöhung (50 — 75" C.) erfolgt, den Namen 
der Digestion trägt. Ein Extrahiren der löslichen Substanz durch kurz- 
dauernde Einwirkung der zur Kochhitze erwärmten Flüssigkeit heisst Infu- 
sion; lässt man diese Einwirkung längere Zeit stattfinden (mindestens | Stunde), 
so ist dies die Decoction. Diese vier Prozesse können untereinander in 
mehrfacher Weise combinirt werden, wenn es sich darum handelt, verschie- 
dene in einem und demselben Körper enthaltene Solubilia, von denen jedes 
einer anderen Extractionsform zugänglich ist, zu extrahiren, oder wenn man 
die eine verschiedene Behandlung erfordernden Solubilia aus verschiedenen 
Körpern gewinnen will. 

Die zur Bereitung der Extractionsform verordneten festen Substanzen 
müssen vorher in Speciesform gebracht werden; resinöse Stoffe wendet man 
als Pulvis grossiusculus an. 

Die nach Bereitung der Extractionsform vorzunehmende Trennung der 
Flüssigkeit von der verwendeten festen Substanz geschieht entweder durch 
das vorsichtige Abgiessen der Flüssigkeit, Decantiren (was aber insofern 
anzweckmässig ist, als einerseits nicht eine vollständige Befreiung der Flüs- 
sigkeit von festen Substanzen bewirkt, andererseits einen grossen Theil der 
extrahirten Flüssigkeit in den festen, nicht weiter zur Verwendung kommen- 
den Substanzen zurücklässt), oder durch Durchseihen, Coliren. Diese letztere 
Procedur wird so bewirkt, dass die Gesammtmasse der Extractionsnussigkeit 
und der festen Substanz auf ein (meist leinenes) Tuch gegossen, und der auf 
diesem verbleibende Rückstand mit der Hand oder bei grösseren Quantitäten 
mittelst einer Presse ausgepresst wird. Die colirte Flüssigkeit enthält immer 
noch feinere, von den Maschen des Colaturtuches nicht zurückgehaltene Par- 
tikel der verwendeten festen Substanz, entbehrt deshalb also in den meisten 
Fällen der vollständigen Klarheit. Wo eine solche herbeigeführt werden soll, 
ist sie nur mittelst der Filtration durch ungeleimtes Papier zu bewirken. 
Die Operation ist natürlich an eine längere Zeitdauer geknüpfl und darf des- 
halb bei rascb anzufertigenden Arzneien niemals vorgeschrieben werden. 

Zusätze, welche den in Hede stellenden Arzneiformen beigefügt werden 
sollen, werden in dr\- Regel erst gemacht, wenn die Trennung der Flüssigkeit 
von den festen Bestandteilen durch Coliren, resp. Filtriren bewirkt worden 
i-t : Ausnahmen hiervon linden nur in denjenigen Fällen statt, in welchen der 
betreffende Zusatz zur vollständigeren Durchführung des Extractionsprozesses 
mitwirken soll (z. \*>. Zusatz von Säuren zur Chinarinde vor deren Extraction). 

a. Macerations-Aufguss, [nfusum frigide parat um. 

Zur Darreichung im Macerations-Aufguss eignen sich besonders aromatische 
und bittere Stoffe, bei denen es nicht darauf ankommt, d.-iss ihr Gehalt an 
Solubilien durch die Extraction vollkommen erschöpf! werde, und wo die Aus- 
führung der Arzneiverordnung einigen Aufschub ertragen kann, 



Macerations-Aufguss. 



45 



Als Menstrunm der Maceration dient Wasser, Wein, Spiritus in verschie- 
denen Dilutionsgraden, selten Bier. In Fällen, wo es sich um die Extraction 
resinöser Substanzen handelt, wird das Menstruum immer alkoholhaltig sein 
müssen. 

Die Zeitdauer der Maceration bestimmt sich durch die grössere oder ge- 
ringere Löslichkeit der zu extrahirenden Stoffe und durch den grösseren oder 
geringeren Werth, welcher auf die vollkommene Extraction derselben gelegt 
wird. Bei aromatischen Stoffen werden in der Regel 2 — 3 Stunden zur Ma- 
ceration genügen, während man sie bei bitteren und resinösen Stoffen 12 bis 
24 Stunden andauern lässt. Eine Maceration durch mehrere Tage zu ver- 
ordnen, ist unzweckmässig, da einerseits durch eine solche längere Maceration 
nicht mehr bewirkt wird, als auch innerhalb 24 Stunden bewirkt werden kann, 
andererseits durch eine so lange Procedur der Bereitungspreis des Medica- 
mentes unnütz vertheuert wird. — Wem es darauf ankommt, eine mehrtägige 
Maceration nach traditioneller Vorschrift ausführen zu lassen, thut gewiss 
besser daran, Macerations - Species zu verordnen und dieselben im Hause des 
Patienten maceriren zu lassen. 

Die als Corrigentia der zu extrahirenden Substanz beigefügten aroma- 
tischen oder versüssenden Species werden mit derselben macerirt (Beisp. II. 



Syrupe, 
zugesetzt 

Die 



Tincturen, Aether oder ätherische Oele werden erst der Colatur 



Regel eine 



Gesammtmenge des Macerations -Aufgusses ist in der 
als die der schon erwähnten anderen flüssigen Arzneiformen und 
sich oft auf den Inhalt einer Wein- oder Quartflasche; ebenso wer- 
Einzelndosen oft grösser als gewöhnlich (bis zum Weinglase oder 
Tassenkopf) gegriffen. Bei Macerationen mit einem wässerigen Menstruum ist 
es jedoch gerathen, die Gesammtmenge nur so gross zu verordnen, dass sie 
in 3—4 Tagen verbraucht werden kann. 



grossere , 
erstreckt 
den die 



Beispiele. 



lv 



M. \). 



II. 



Rad. Valerian. concis. 10,0 

Fol. Meliss concis. 5,0. 
Macera per horas tres 
cum Aq. destillat. q. s. 

ad Golat. 150,0 
cui adde 

Acth. acct. 5,0 

Syr. Giimamom. 25,0. 

S. Zweistündlich einen Esslöffel. 



\<! 



Ligni Quassiae conc. 25,0 
'ort. Cinnam. Cass. conc. 10,0 
Caryophyllor. cont. 5,0. 

Macera per nychthemeron 

'•iini Vin. Mosel I. 500,0 
Cola et filtra. 
D. S. Morgens und A.bends ein Weinglas. 



III. 



D. S. 



IV. 



I). s. 



Cort. Chin. Calisayae conc. 20,0 
Cort. Fruct. Aurant. conc. 10,0 
Acid. hydrochlorici 2,5. 

Macera cum 
Aq. destillat. 200,0 
Spir. Vini gallic. 50,0 

per 12 horas 
Colat. filtratae 

adde 
Syr. Zingiberis 25,0 
Ol. Cinnam. Cass. 0,1. 
Dreimal täglich einen Esslöffel. 



3 

Aloes grossiuscule pulv. 10,0 

Croci 

Rad. Rhei conc. ana 1,0 

Macera cum 
Spir. Vini dilut. 
Aq. destillat. ana 100,0 

per 12 horas. 

Filtra. 
Morgens and Abends «'in Liqueur' 



gläschen voll zu nehmen, 



46 



Digestions- Aufguss. 



Aufguss. 



ß. Digestions-Aufguss. 

Die in Rede stehende Form unterscheidet sich von der vorigen nur durch 
den Umstand, dass bei ihrer Anwendung* die Solubilia aus den verwendeten 
festen Stoffen unter Einwirkung der höheren Temperatur vollständiger extra- 
hirt werden; auch diese Form wird hauptsächlich für die Darreichung aroma- 
tischer, bitterer und resinöser Stoffe gewählt. 

Die Temperatur, unter welcher die Digestion von statten geht, darf immer 
nur eine massig hohe (50 — 75° C.) sein; das Digestions-Gefäss bedarf eines 
guten Verschlusses, um die Verdunstung der Flüssigkeit zu verhüten. (In der 
Regel verbindet man das Gefäss mit einer durch einen Nadelstich durch- 
bohrten Bkise)- Um die Berührungsfläche zwischen der festen Substanz und 
der Flüssigkeit öfters zu erneuern, verordnet man gewöhnlich ein mehrfach 
wiederholtes Umschütteln. — - Für die Zeitdauer gilt das bei der Maceration 
Gesagte; es ist deshalb auch der Digestions-Aufguss bei Arzneiverordnungen, 
die eine schleunige Ausführung bedingen, nicht anzuwenden. 

In Bezug auf die Correction, die zu verordnende Gesammtmenge und die 
Bestimmung der Einzelngabe linden die beim Macerations- Aufguss gemachten 
Bemerkungen auch hier ihre Anwendung. 



Beispiele. 



I. 



I) 



S. 
voll. 



Iv 




Digere c. 


Fruct. Juniperi cont. 25,0 




Aq. fönt. 150,0 


Galbani gross, pulv. 10,0 




per horas sex 


Croci conc. 2,5 




Colaturae 


infunde 




adde 


Spir. dilut. 150,0 




Syr. Rhamni cathart. 25,0. 


Aq. fontan. 250,0 


D. S. 


Zweistündlich einen Esslöffel. 


stent in loco tepido 








in vase lege artis clauso 


III. 


Bf 


per 12 horas saepius 




Cort. Cascarill. cont. 15,0 


agitando 




Fruct. Aurant. immatur. cont. 


Colaturae filtratae 




Digere c. 


adde 




Vini gallici rubri 200,0 


Syr. x\sparagi. 50,0. 




per nychthemeron 


Dreimal täglich ein Liqucurglas 




Colaturae 



II. 



Bf 

Fol. Juglandis conc. 
„ Meliss. 5,0 



10,0 



10,0. 



adde 

Syr. Aurant. Cort. 25,0. 
D. S. Morgens und Abends ein halbes 



Weinglas voll zu nehmen. 



y. Aufguss, [nfusum (sensu strictiori). 

Die kurze Zeit (T) Minuten) dauernde Extraction Löslicher Arzneistoffe aus 
festen Substanzen durch bis zum Kochpunkte erhitztes Wasser stellt das In- 
i'usiim dar. Diese Procedur wird (nach (\vn für die deutschen Officinen gel- 
tenden Bestimmungen) dadurch bewirkt, dass man die betreffenden Species in 
einer [nfundirbttchse 'meist von Zinn, seltener Porzellan) mit kochendem Wasser 
libergiesst, einen gut Bchliessenden Deckel aufsetzt und 5 Minuten hindurch 
im Wasserbade den Dämpfen kochenden Wassers aussetzt, dann die ver- 
schlossene [nfundirbttchse durch Einstellen in kaltes Wasser abkühlt und mich 
dem Erkalten das Coliren der Flüssigkeit vornimmt. — Früher (theilweise 
auch jetzt noch in ausländischen Officinen) wurde dns [nfusum in der Art be- 
reitet, dass man kochendes \Y;is><t auf die Species goss, den Deckel auf die 
[nfundirbttchse setzte und dann während der allmäligen Abkühlung die Ex- 
traction von Statten gehen li<-ss (Beisp. 1.). 



Aufomss. 



47 



Nach der Vorschrift der Ph. Germ, gilt die Regel, dass, wenn keine Ver- 
ordnung: der Gewichtsmenge der zu infundirenden Species von Seiten des 
Arztes getroffen ist, der zehnte Theil vom Gewichte der Colatur für die Species 
berechnet wird*) (z. B. zu einem Inf. Rad. Althaeae 200,0 werden 20,0 Rad. 
Althaeae benutzt). Dasselbe ist auch für das Decoctum der Fall. — Das In- 
fusum, welches als concentratnm bezeichnet wird, enthält das l 1 /, fache an 
Species,. während das concentratissimum aus der doppelten Quantität bereitet 
wird. - - Will man andere Qnantitäts -Verhältnisse befolgt wissen, so muss dies 
in der Verordnung ausdrücklich bemerkt werden. Bei Mitteln, welche eine 
sehr heftige Wirkimg haben, wie z. B. bei Ipecacuanha, Digitalis, ist diese 
Quantitäts-Bestimmung niemals zu unterlassen (Beisp. III.). — Werden mehrere 
Species gleichzeitig zu einem Infusnm verordnet, so ist es selbstverständlich, 
dass die Quantität jeder einzelnen angegeben werde (Beisp. IV.). 

Zur Darreichung im Infusum eignen sich vorzugsweise alle ätherisches 
Oel und andere Riechstoffe enthaltenden Vegetabilien , ferner namentlich die- 
jenigen Pflanzentheile , welche ihrer zarteren Textur wegen leicht von dem 
heissen Menstruum durchdrungen und extrahirt werden (Blätter und Blüthen) ; 
sollen härtere Theile (Wurzeln) infundirt werden, so muss man sie, von der 
allgemeinen Regel abweichend, nicht in Form von Species, sondern in der 
eines gröblichen Pulvers der Infusion aussetzen (Ipecacuanha — Beisp. V.). 
Die Annahme, dass das Infusum einzelner Arzneisubstanz en mehr geeignet sein 



sollte, als deren Decoct, 



da durch 
andere 



die erstere. Procedur nur gewisse Arznei- 



Residuum verbleiben sollten, verliert bei 



stoffe extrahirt werden , 
der gegenwärtigen Bereitungsweise ihre Geltung; man kann jetzt nur statuiren, 
dass das Infusum bei schwerer zu durchdringenden Stoffen in Bezug auf die 
Menge der gedachten Bestandtheile, nicht aber auf deren Qualität vom Decoct 
abweiche. Beispielsweise dürfte ein Infusum Corticis Chinae aus 15,0 einem 
Decoct aus 10,0 ziemlich gleichkommen, und würde es sich demnach für die 
Arzneiverordnung in ökonomischer Beziehung vorteilhafter herausstellen, der 
letzteren Verordnungsweise den Vorzug zu geben. 

Als Menstruum für das Infusum darf in Rücksicht auf dessen Bereitungs- 
weise nur Wasser dienen, welchem höchstens solche Zusätze beigefügt werden 
dürfen, die nicht flüchtiger Natur und darauf berechnet sind, die Erschliess- 
barkeit der zu extrahirenden Substanz zu vermehren (Beisp. VI.). 

Anderweitige Zusätze zum Infusum werden erst nach dem Erkalten der 
Colatur beigefügt. 



D. S. 



II. 



Fol. Senn. conc. 10,0 

infunde Aq. fervid. <\. s. 

ad Colat. 100,') 
in qua solve 

Kali tartarici 10,0 

Syr. Rhamni cathart. 20,0. 

Halbstündlich einen Esslöffel. 



Beispiele. 
III. 



I). S. 



Infusi Rad. Valerianae 150,0 

adde 
Liqor. Ammom. succin. 5,0 
Aeth. acet. 2,5 
Syr. Cinnamom. 25,0. 
Zweistündlich einen Esslöffel. 



M. D. 



IV. 



Infus. Fol. Digital, (e 0,5) 

in quo solve 
Natr. nitr. 5,0 
Syr. simpl. 25,0. 
S. Stündlich einen Esslöffel 



100 



I). S. 



Fol. Menth, pip. conc 
„ Meliss. conc. ana 
F. Infus. 150,0 
0U1 adde 

Tinct. Gentian. 5,0 

Syr. Aurant. Cort. 10,0 
Stündlich einen EsslüfTcl 



10,0. 



*) Früher wurde auf 1 Unze Colatur 1 Drachme Species, also der achte Theil, 
berechnet. 



48 



Abkochung. 



V. fy 

Rad. Ipecac. gross, pulv. 0,5 
inf. 1. a. Aq. dest. q. s. 

ad Colat. 150,0 
in qua solve 
Tart. stibiat. 0,05 

adde 
Syr. simpl. 25,0. 
D. S. Zweistündlich einen Esslöffel. 



VI. 



ty 



Rad. Rhei conc. 10,0 
Kali carbon. pur. 5,0 
F. Infus. 200,0 
cui adde 
Elixir. Aurant. comp. 10,0 
Syr. Aurant. Cort. 20,0. 
M. D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



d. AbkocLung, Decoctum. 

Die längere Zeit (mindestens Vi Stunde) fortgesetzte Extraction löslicher 
Arzneistoffe aus festen Substanzen durch bis zum Kochpunkte erhitztes Wasser 
stellt die Abkochung' dar. Die Bereitungsweise derselben ist nach den für 
die deutschen Apotheken gesetzlichen Bestimmungen folgende: Die zum De- 
cocte zu verwendenden Species werden mit dem nöthigen Wasser Übergossen 
und in der zugedeckten Infundirbüchse eine halbe Stunde lang den Dämpfen 
kochenden Wassers ausgesetzt; das Coliren wird, während die Flüssigkeit 
noch heiss ist, vollzogen, die Colatur dann durch Einstellen in kaltes Wasser 
abgekühlt und nach dem Erkalten mit den noch etwa beizufügenden Zusätzen 
versehen. 

Verordnet man ein Decoct ohne nähere Quantitäts-Bestimmung der Species, 
so wird, wie beim Infusum, 10 Species auf 100 Colatur berechnet [wovon nur 
Tubera Salep eine Ausnahme bilden, von welchen 1,0 auf 100,0 verwendet 
wird*)]. Ein Decoctum concentratum wird aus 15 Species, ein De- 
coctum concentratissimum aus 20 Species ad 100 Colatur bereitet. Bei diffe- 
renten Arzneistoffen ist die Quantitäts-Bestimmung der abzukochenden Substanz 
unerlässlich. 

Eine Abweichung von dieser Bereitungsweise, wie sie zuweilen noch von 
einigen Aerzten, die ausdrücklich die Abkochung igne aperto anordnen, beliebt 
wird, ist für keine Arzneisubstanz motivirt. 

Bei der früher befolgten Procedur, im offenen Gefässe zu kochen, 
inusste man bei jeder Verordnung entweder die Zeitdauer des Kochens und 
das Quantum der Colatur, oder das Quantum des Aufgusses und die Menge, 
bis zu welcher derselbe eingekocht werden sollte, bestimmen; in der Regel 
rechnete man bei der ersten Angabe eine halbstündige Kochdauer und eine 
(Uze Colatur aus einer Drachme Species, bei der zweiten liess man 1V 2 bis 
2 Unzen auf eine Drachme aufgiessen und auf eine Unze einkochen (Bei- 
spiel II. i. 

Zur Darstellung im Decoct eignen sich Arzneistoffe, welche keine flüch- 
tigen Bestandtheile enthalten, und deren härtere Textur eine Extraction der 
löslichen Substanzen nur bei länger fortgesetzter Einwirkung des siedenden 
Wassers möglich macht. 

Die abzukochenden Stoffe werden entweder zerschnitten oder in gröb- 
lichem Pulver der Decoction zugesetzt; als Menstruum dient last ausschliess- 
lich Wasser; \<>r der Abkochung dürfen nur solche Zusätze gemacht werden, 
welche die vollständigere Lösung der zu extrahirenden Stolle vermitteln (Bei- 
spiel VIII. i. 



*) |)as Decoctum Tub. Salep. wird eigentlich mit Unrecht als ein Decoct be- 
zeichnet, da es genau genommen ein durch Aufquellen mit heissem Wasser bereiteter 
Schleim ist; zu dessen Darstellung werden die Tub. Salep. möglichst fein gepulvert, 
zuerst mit kaltem Wasser in einer Flasche umgeschüttelt und dann durch Zusatz von 
heissem Wasser aufgequollen [Beisp. VI.). 



Abkochung. — Extractions-Formen. 



49 



K- 



Beispiele. 
I V. 



Rhiz. Filicis eonc. 25,0 

coque c. 
Aq. fönt. q. s. 

ad Colat. 150,0 
cui adde 
Elaeosacehar. Tanaeeti 10,0 
Syr. Rhamni cath. 25,0. 
D. S. Im Zeitraum von zwei Stunden zu 
verbrauchen. 



IL 



Bf 



Cort. Frangol. conc. 

Ligni Guajaci rasp. ana 25,0 

coque c. 
Aq. fönt. 500,0 

ad remanentiam 250,0 
Colat. adde 
Tinct. aromat. 5,0 
Syr. Aurant. Cort. 50,0. 
D. S. Morgens und Abends ein halbes 
Weinglas zu nehmen. 



III. lv 

Dccoct. Rad. Colombo 200,0 
cui adde 

Acid. hydrochlor. 3,0 

Syr. simpl. 25,0. 
D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



D. S. 



VI. 



Decoct. concentratiss. Ligni Guajaci 

100,0 
adde 
Vini Colchici 2,5 
Succ. Sambuci insp. 10,0. 
Stündlich einen Esslöffel. 



IV. Iy 

Decoct. concentrat. Rad. Sarsa- 
parill. 250,0 
cui adde 
Syr. Cinnamom. 25,0. 
D. S. Morgens und Abends einen Esslöffel. 



D. S. 



VII. 



D. S. 



VIII. 



Tub. Salep pulv. 1,0 
f. 1. a. Decoct. 100,0 
post refrigerat. adde 

Tinct. Strychn. 1,0 

Syr. Ipecacuanh. 25,0. 

Stündlich einen Esslöffel. 



R 
Decoct. Rad. Rhei (10,0) 150,0 

in quo solve 
Mannae elect. 25,0 
Stündlich einen Esslöffel. 



D. S. 



Iy 
Decoct. Cort. Chin. 

ope Acid. hydrochl 

parati 100,0 

cui refrigerato adde 
Aeth. acetici 2,0 
Syr. Zingiberis 25,0. 
Stündlich einen Esslöffel 



1.0 



Aus den vier erörterten Formen können mannigfache Combinationen ge- 
bildet werden, je nachdem man die Extraction der löslichen Substanzen durch 
aufeinanderfolgende Einwirkung mehrerer der angeführten Proceduren bewerk- 
stelligt. In praktischer Anwendung kommen folgende Combinationsformen vor: 

1) Das Macerations-Infus und das Macerations-Decoct. Die be- 
treffenden Species werden erst mit dem Menstruum eine bestimmte Zeit hin- 
durch macerirt und dann eine Viertel- resp. halbe Stunde in der [nfundirbüchse 
der Kochhitze ausgesetzt (Beisp. IX. und X.). 

2) Das Digestions-Decoct. Die Flüssigkeit wird nach dem Ende der 
die vorgeschriebene Zeit hindurch bewerkstelligten Digestion noch eine halbe 
Stunde lang mit den Species gekochl (Beisp. IX. i. 

3) Das Decocto-Jnfusum. Diese Form wird gewählt, wenn man gleich- 
zeitig verschiedene Species verordnet, von denen die einen durch Abkochung, 
die linderen durch heisse Infusion geeigneter ZU extrahiren sind. Man bewirkt 
dies entweder dadurch, dass man zuerst die Decoet - Species abkochen lässl 

und gegen Ende ^\^> Kochens die [nfusions- Species zusetzt oder (weniger 

Zweckmässig) dadurch, dass man zuerst die letzteren mit der noch siedenden 

Decoct -Colatur mfundirl und dann mit dieser eine Viertelstunde lang den 
Dämpfen aussetzt (Beisp. XII. und XIII,). Durchaus unzweckmässig, weil zu 
complicirt ist das Verfahren, das [nfusum und »las Decoctum getrennt bereiten 

Ewald ii.d Simon, Arzneivcrordiiungslclire. LO. Aufl. i 






■^Ott ME5£ 



JAN 2 81922 




Extractions-Formen. 




zu lassen und die Colatur beider zu mischen, oder erst die Species mit der 
Hälfte der Flüssigkeit infundiren und coliren, dann den ausgepressten Rück- 
stand mit der anderen Haltte abkochen und coliren zu lassen und beide Co- 
laturen zusammenzumischen. Dieses letztere, gänzlich ausser Gebrauch ge- 
kommene Verfahren wurde als Infuso-Decoctum bezeichnet (Beisp. XIV.). 



IX. 



Iv 



Beispiele. 



XII. 



D. S. 



X. 



Rad. Caryophyllat. conc. 20,0 
Cort. Cinnam. Cass. conc. 5,0 
Macera cum 

Aq. dest. 200,0 

per horas sex 

tunc stent in balneo vaporis 

per liorae quadrantem. 

Colatur. refrigerat. adele 
Syr. Aurant. Cort. 25,0. 
Stündlich einen Esslöffel. 



I) 



S. 
glas. 



Bf 

Rarl. Sarsapar. conc. 
„ Caricis arenar. conc. ana 25,0 

Macera per 12 horas cum 
Aq. fönt. 500,0 

tunc coq. 

per hör. dimidiam 

Colat. adde 
Extr. Graminis. 25,0. 
Morgens und Abends ein Trink- 



XI. 



I). s. 



Rad Rhei conc. 20,0 
Rbiz. Zjngiber. conc. 5,0 

Digere cum 
,\<l font 200,0 

per horas quatuor 

tunc coque per horam dimidiam 

I lolatur. refrigerat adde 
Syr. Rhei 50,0. 
Stündlich einen Esslöffel. 



D. S. 



XIII. 



Rad. Senegae conc. 10,0 
coq. c. Aq. font. q. s. 
sub finem eoctionis 
adde 
Fol. Digitalis conc. 0,5. 
In Colat. 150,0 
solve 
Natr. nitr. 5,0 

adde 
Syr. Althaeae 25,0. 
Stündlich einen Esslöffel. 



D. S. 



XIV. 



Ligni Guajaci rasp. 25,0 
coq. c. Aq. font. q. s. 

ad Colat. 250,0 
quam adhuc fervidam 
infunde super 
Pruct. Carv. cont. 10,0. 
Post refrigerationem 
denuo cola et adde 
Syr. Rliamni cathart. 15,0. 
Stündlich einen Esslöffel. 



D. S. 



n- 

Cort. Chinae conc. 20,0 

infunde Aq. font. q. s. 
ad Col. 150,0. 

Residuum express. 

coq. c. Aq. font; q. s. 
ad Col. 150,0 

Colat. mixtis adde 
Syr. Aurant. Cort. 25.0 
Vini gallici rubri 50,0. 
Morgens ein Weinglas zu nehmen. 



Als eine besondere Extractionsform wird in der Regel noch die Tisane 
• •der richtiger Ptisane*) aufgeführt. Dieselbe besteht aus einer durch Ab- 
kochung oder durch combinirtes Extractionsverfahren bereiteten Flüssigkeil 
von grösserer (über 200,0 Gramm hinausgehender) Quantität, welche weinglas- 
oder tassenkopfweise genommen wird (Beisp. IK, X. und XV.). 



\\. 



i;- 



D. 



i;hi/. Graminis 25,0 
Rad. Alth. 
„ Liquirit. ana 10,0 
coque c. Aq. font. q. s. 
ad Colat. 500,0. 
im Laafe des Tages weinglasweise zu \< rbrauchen. 



*) Von -Tt<TÜ; fj . enthülste Gerste, die ursprünglich mcistcntheüs zu derartigen 



Abkochungen verwende! wind'' 



Molken. 51 



li. Molken, Serum Lactis. 

Unter Molke verstellt man (Kuh-, Ziegen-, Esel- oder Schaf-) Milch, aus 
welcher durch eine coagulationsbewirkende Substanz der Käse und die Butter 
zum bei weitem grössten Theile ausgeschieden sind, so dass die rückbleibende 
Flüssigkeit eine Auflösung des Milchzuckers und der in der Milch enthaltenen 
Salze darstellt, welcher aber meistens noch Spuren von Fett und Casein bei- 
gemengt sind. Eine gute Molke, Serum Lactis dulce, muss von süsslichem 
Geschmack und weisslich-grünem, opalisirendem Ansehen sein. Die Reaktion 
auf Lakmuspapier ist auch bei sorgfältiger Bereitung eine saure. 

Zur Darstellung der Molken bedient man sich meistens des Labs und der 
vegetabilischen Säuren, des Alauns, der Tamarinden, seltener der Mineral- 
säuren. In den Molkenanstalten, namentlich den schweizerischen, lässt man 
eine kleine Quantität Milch spontan sauer werden, und benutzt diese (Sur- 
oder Molkenessig) als Zusatz zu kochender Milch, um aus dieser das Casein 
auszuscheiden. Es hat jedoch diese Methode keinen Vorzug vor den ander- 
weitig benutzten Verfahrungsweisen , vielmehr haftet an ihr der Uebelstand, 
dass sie nur von sehr geübter Hand vollzogen werden kann und auch dann 
noch ein sehr ungleichmässiges Resultat ergiebt, da das Quantuni der gebil- 
deten Milchsäure ein, je nach den atmosphärischen Verhältnissen, sehr vari- 
irendes ist. — Viel zweckmässiger, weil in ihren Erfolgen constanter, ist die 
Bereitung der Molke durch Lab, und zwar durch solche Präparate desselben, 
welche den ursprünglichen animalischen Geruch dieses Mittels der Milch nicht 
mittheilen. Als solche Präparate sind das Pepsin und die Lab -Essenz, 
Liquor s er ipar us, zu bezeichnen. Das Pepsin, und zwar das durch Auslaugen 
und vorsichtiges Eindämpfen der Kälbermagen gewonnene, muss bei regelrechter 
Beschaffenheit im Wasser klar löslich sein und in einer Quantität von höch- 
stens 0,3 Gramm die Gerinnung von einem Liter Milch bewirken. Die Lab- 
Essenz, welche das Pepsin im aufgelösten Zustande enthält, wird durch 
Extraction der frischen Kälbermagen gewonnen; ein derselben gegebener 
Zusatz von Kochsalz und Alkohol schützt die animalische Substanz vor der 
Zersetzung. (Die officinelle Formel für die Bereitung der Lab -Essenz be- 
stimmt, dass von der abgeschabten inneren Haut des Labinagens eines Saug- 
kalbes 3 Theile mit 26 Theilen weissen Weines und 1 Theil Kochsalz drei 
Tage unter öfterem Umschütteln macerirt und dann filtrirt werden.) Die 
.Mulkenbereitung mittelst dieses Präparates geschieht in der Art, dass einem 
halben Liter der kalten Milch ein Theelöffel der Essenz zugesetzt und die 
Mischung gelinde erwärmt (bis auf 32" R.) und dann decantirt oder colirt 
wird. Nach der früher officinellen Vorschrift soll 1 Th. Liquor zu 200 Th. 
auf 35— 40 "C. erwärmter Milch gesetzt werden.) -Vor der hin und wieder 
noch empfohlenen Bereitung der Melken durch Streifen von getrocknetem 
Kälbermagen ist ausdrücklich zu warnen, (Im dieselben die Molken mit einem 
ekelhaften, cadaverösen Geruch und Geschmack Imprägniren. 

Zur Bereitung saurer Molken, Serum Lactis aeidum, wird nach der 
Hi. Germ. Weinstein benutzt und zwar wird 1 Th. Tartarus depuratus zu 
HM) Th. kochender Milch hinzugefügt und nach erfolgter Gerinnung wird 
durchgeseiht und filtrirt. Man kann saure Molken auch aus Weinsteinsäure 
und anderen vegetabilischen Säuren, namentlich Lssii: und Citronensäure, be- 
reiten; diese Bereitungsweise ist aber nicht mehr im Gebrauch und bietet 
auch keine besonderen Vortheile dar. Man rechnet etwa L,2 Acid. tartaricum, 
l.o Acid. citricum, 20,0 Succus Citri oder die gleiche Quantität Essig für 
l Liter Milch zur Molkenbereitung erforderlich. 

Einzelne zur Molkenbereitung verwendete saure oder scharte vegetabi- 



52 Molken. 

llsche Stoffe verleihen der Molke durch ihren anderweitigen Gehalt noch eine 
besondere arzneiliche Kraft; hierher gehören die Molke durch Tartarus depu- 
ratus, durch Pulpa Tamarindorum, durch Wein und durch Semen Sinapis. 
Mit Tartarus depur. bereitet man die Molke, indem man mindestens 4,0 des- 
selben zu einem Liter kochender Milch setzt. Diese Molke enthält noch einen 
kleinen Theil weinsteinsauren Kali's und dürfte dadurch auf die Secretion des 
Darmkanals gelinde anregend wirken. Von der Pharm. Germ, ed I. wird 
eine grössere Quantität Tartarus depuratus, 10,0 auf das Liter Milch vorge- 
schrieben; diese als Serum Lactis acidum s. tartarisatum bezeichnete Molke 
weicht von der gewöhnlichen durch ihren entschieden sauren Geschmack ab 
und äussert die oben erwähnte Wirkung auf den Darmkanal in stärkerem 
Masse. Aus einer solchen sauren Molke durch Neutralisirung mittelst Conchae 
praeparatae, Magnesia carbonica oder Natrum bicarbonicum wieder eine süsse 
(Serum Lactis dulcificatum) herzustellen, ist unzweckmässig, da man durch 
richtiges Innehalten der Verhältnisse alsbald eine süsse Molke erzielen kann, 
und bei dem Dulcificiren der Molke deren Salzgehalt in ganz unbestimmbarer 
Weise vermehrt wird. Will man die Molke salzhaltig machen, so thut man 
dies in viel präciserer Weise, indem man einer gut bereiteten Molke ein be- 
stimmtes Quantum von Kali tartaricum, Tartarus natronatus, Nah*, phospho- 
ricum u. s. w. zufügt. Um die abführende Beschaffenheit der Molke zu er- 
höhen, wird derselben oft Milchzucker (in beliebigen Quantitäten) zugesetzt. 

Das Serum Lactis tamarindinatum, Tamarinden- Molke, wird bereitet, 
indem man zu 100 Theilen kochender Milch 4 Pulpa Tamarindorum cruda 
setzt, colirt und filtrirt. Diese letztere Procedur reicht jedoch nicht hin, um 
der Molke eine vollständige Klarheit zu geben; soll sie vollständig weinklar 
werden, so kann man dies nur durch mehrmaliges Aufkochen mit Eiweiss 
1) (wirken. Es ist jedoch diese Beschaffenheit keinesweges eine unerlässliche, 
am wenigsten die mcdicinisehe Wirkung der Molken tangirende; man begnügt 
sich, cieselben bei der häuslichen Bereitung als eine trübe, schwach gelbliche 
Flüssigkeit darzureichen. 

Die Weinmolke, Serum Lactis vinosum, wurde durch Zusatz von Franz- 
oder Rheinwein (200,0 — 350,0 auf 1000,0) bereitet. Der schwankende Gehalt 
des Weines an Säure bedingte die Unzweckmässigkeit des Präparates, dessen 
vorausgesetzte medicinische Nebenwirkung dadurch illusorisch wird, dass das 
Aroma und der Alkohol des Weines bei seiner Erhitzung zum grossen Theile 
verloren gehen. Zweckentsprechender würde es sein, wenn man, wo die Wir- 
kung des Weines mit der der Molke vereinigt werden soll, einer fertigen, gut 
bereiteten Molke die beliebige Quantität Wein zusetzte. 

Die Alaun-Molke, Serum Lactis aluminatum, erhält man durch Znsatz 
\<»n 1 Alnmeii pulveratum auf HM) kochender Milch und nachheriges Coliren. 
Die Alaun-Molke ist von herbem Geschmack und grünlich -weissem Aussehen 
und unterscheidet sieh von der gewöhnlichen Molke durch ihre entschieden 
adstringirende Wirkung, indem sie einen Theil der schwefelsauren Thonerde 

aufgelöst enthüll. 

Die durch Zusatz von Schwefelsäure zu kochender Milch (ca. 2,0 Acid. 
Bulfur. dilutum auf I Liter) gewonnene Molke, Serum Lactis vitriolatum, 
Lässl zwar in Bezug auf Sicherheit der Bereitung nichts zu wünschen übrig, 
doch schliesst die Natur des zu verwendenden Zusatzes dieses Präparal min- 
destens von der häuslichen Bereitung vollständig aus, um so mehr, als das- 
selbe keinerlei therapeutische Vortheile vor den mit organischen Säuren be- 
reiteten Molken darbietet. 

In vielen Fällen wird die Molke als Vehikel für andere Arzneistoffe be- 
nutzt oder in ihrer Wirkung mit der anderer Arzneisubstanzen combinirt, wie 
dies auch schon hei der Tamarinden- und theilweise auch bei der Alaun- 



Molken. 



Kräutersaft. 



mölke der Fall ist. Die gebräuchlichsten Combinationen der Art sind 

Zusätze von aromatischen Tincturen, Salzen (Tartarus natronatus, Natr. 

phosphor.), Eisenpräparaten (Serum L actis martiatum), Mineralwässern, 
Kräutersäften. 

Oekonomischer Rücksichten halber wird es gerathen sein, in den meisten 
Fällen die ohne schwierige Proceduren vor sich gehende Bereitung der Molke 
im Hause des Patienten vollziehen zu lassen und sich zu dem Zwecke der in 
neuerer Zeit eingeführten Molkenbereitungs - Präparate zu bedienen. Hierher 
gehören ausser der schon erwähnten Lab -Essenz die Trochisci seripari 
simpl. (0,3 Acid. tartar. enthaltend), die Trochisci seripari tamarindi- 
nati (enthaltend die Solubilia von 7,5 Pulp. Tamarind.), die Trochisci 
seripari aluminati (1,0 Alumen) und Trochisci seripari ferruginosi 
(0,3 Acid. tartar. und 0,12 Ferr. acet. oxydatum). Sämmtliche Trochisci sind 
je zu V4 Liter Milch berechnet; der Trochiscus wird in der kochenden Milch 
unter Umständen aufgelöst. 



Die Verordnung der Molken geschieht, wenn man sie in der Apotheke 
bereiten lässt, immer nur der Art, dass man das Consuintions- Quantum für 
einen Tag vorschreibt, welches aus etwa 200,0 — 600,0 Gramm zu bestehen 
pflegt. Die Einzelngabe pflegt nach Bechern (zu 150,0 — 200,0 Inhalt) be- 
messen zu werden. Im allgemeinen darf man annehmen, dass von der ange- 
wandten Milch zwei Drittel als Molke resultiren, so dass zur Herstellung eines 
Bechers Molke l ' Liter Milch erforderlich ist. 



B ei s p i e 1 e. 



I. R. 

Lactis vaccini 500,0. 

Coq. et adde 
Acid. tartar 0,6. 
Post separationem 

Casci butyrique 
cola refrigera 

et 
admisce 
Vitellum ovi unius 
Denuo coque 
usque ad Albuminis 
coagulationem, 
refrigera et Ultra. 
In Filtrati 350,0 
solve 
Natr. phosphor. 150,0. 
F). S. Tassenweise zu verbrauchen. 



IL ty 

Seri Lactis tamarindinati 250,0 
Elix. Aurant. comp. 10,0. 
S. Morgens nüchtern zu verbrauchen. 



D 



III. Bf 

Seri Lactis dulc. 200,0. 
D. S. In zwei Theilen mit gleichen Quan- 
titäten Obersalzbrunn im Zwischenraum 
einer halben Stunde Morgens zu ver- 
brauchen. 



i. Kräutersaft, Saccus herbarum. 

Der durch Pressen gewonnene Safil frischer Kräuter wird, namentlich im 
Frühling, wo die Holzfaser der Pflanzen noch wenig, der Salz- und Albumen- 
gehall derselben desto stärker entwickelt ist, kurgemäss gebraucht. Die Be- 
reitung des Kräutersaftes geschieht durch Zerstampfen der frischen Kräuter 

mittels! eines hölzernen Pistills in einem steinernen Mörser und Auspressen 

des Saftes zwischen Leinwand. Der Kräutersafl enthält aeben den aromati- 
schen, bittern u. s. w. Stoffen di'v verwendeten Pflanzen: Zucker. Pflanzen- 
Eiweiss. Schleim, Amylum. Chlorophyll, Salze, Wasser. 

Der Kräutersafl wird rein oder mit Zusätzen von Molke, Mineralwässern, 



54 



Kräutersaft. 



Aetzstifte. 



Fleischbrühe gebraucht, und zwar in Quantitäten von 50,0 — 200,0 täglich, 
welche esslöffel- oder tassenkopfweise genommen werden. 

Zuweilen lässt man auch, um die abführende Wirkung des Kräutersaftes 
zu sichern, Salze in demselben auflösen, oder um ihn der Verdauung weniger 
beschwerlich zu machen, schwach aromatische Mittel zusetzen. 

Die Verordnung des Kräutersaftes geschieht immer nur auf einen Tag, 
da er bei längerem Aufbewahren sauer wird und verdirbt. 

Vor der häuslichen Bereitung des Kräutersaftes ist entschieden zu warnen, 
da, abgesehen von der schwierigen Manipulation, welche dieselbe erfordert, 
leicht gefährliche Verwechselungen der angewendeten Pflanzen vorkommen 
können. 

In einigen Gebirgs - Kurorten , in denen wegen der Ueppigkeit der mon- 
tanen Flora die Kräutersaft -Kuren eine wesentliche Rolle spielen, sucht man 
dieses Kurmittel dadurch haltbarer zu machen, dass man demselben (nach 
Angabe der Producenten) Milchzucker zusetzt. Es erreicht dieses Verfahren 
jedoch nur unvollkommen den beabsichtigten Zweck, indem der mit Zucker 
versetzte Kräutersaft in der Regel schon nach wenigen Tagen, zumal bei 
warmer Jahreszeit, in Gährung übergeht. 

In Deutschland kommen am häufigsten zur Verwendung : Succus Taraxaci 
Millefolii, Nasturtii, Chelidonii (dieser letztere jedoch nur als geringer Zusatz 
zu den anderen, etwa 1,0 auf 10,0). 



I. 



R 



Beispiele. 
III. 



Succ. Taraxaci 
„ Millefolii ana 50,0 
„ Chelidonii 5,0. 
D. S. Des Morgens halbstündlich zwei 
Esslöffel mit einer halben Tasse Kalb- 
fleischbrühe zu nehmen. 



IL 11' 

Succ. Taraxaci rec. expr. 100,0 

Seri Lactis 300,0. 
D.S. Nüchtern halbstündlich einen Becher 
zu nehmen 



Succ. Millefolii 

„ Nasturtii ana 50,0 
Tinct. aromat. 5,0. 
D. S. Morgens in zwei Theilen je mit 
einem Becher Friedrichshai ler Bitter- 
wasser gemischt zu nehmen. 

IV. Bf 

Succ. Taraxaci 

Millefolii ana 75,0 
in quo solve 
Tartar, natronat. 25,0. 
D. S. Halbstündlich einen Esslöffel. 



II. Arzneiformeii zur Applicaton auf die äussere Haut. 



1. Trockene Formen. 

a. Aetzstifte. 

Zum Aetzen in intensiver Form werden Längliche Stifte caustischer Sub- 
stanzen benutzt, am meisten Argentum oitricum, auch Verbindungen desselben 
mit Arg. chlorat., Kali nitricum, ferner Kali causticum rusum, Alaun, Cuprum 
siilfiirienm. Zincum chloratum, Calcaria usta n. a. Die zu benutzenden Stoffe 
werden auf verschiedene Weise amhttllt, entweder durch mit Collodium um- 
zogene Seidengaze, oder in Bleifederhülsen eingelegt. Alaun und Cuprum 
sulfuricum werden In Stiftform geschliffen und können ebenfalls in Bolzformen 
gefasst werden. 



Streupulver. — Trockene Umschläge. 55 



b. Streupulver, Pulvis adspersorius. 

In Pulverform werden Arzneimittel auf die äussere Haut angewendet, 
theils um als Deckungsmittel derselben zu dienen, theils um durch Aufsaugung 
des Hautsecretes Erosionen der Haut zu verhindern oder zu heilen ; bei Wun- 
den und Geschwüren werden Streupulver angewendet, um durch Verklebung, 
Aetzung oder Coagulation Blutungen zu stillen (Pulveres styptici), oder die 
putride Beschaffenheit von Wundsecreten zu beseitigen, oder endlich um den 
Vitalitäts- Zustand wunder Flächen in einer der Heilung förderlichen Weise 
umzustimmen. Je nach diesen verschiedenen Zwecken sind die Streupulver 
entweder möglichst indifferente Substanzen (Lyeopodium, Mehl, Amylum, Reis- 
mehl, Argilla, Magnesia, Talcum), oder solche, die durch ihre chemische Be- 
schaffenheit geeignet sind, den oben erwähnten arzneilichen Indicationen zu 
dienen, also: Gummi Arabicum, fein gepulverte Harze — Ferrum sulfuricum, 
Acidum tannicum, Acidum salicylicum - Kohle, Calcaria chlorata — China- 
rinde, Alaun, Cuprum sulfur., Argentuni nitricum, Calomel, Jodoform u. s. w. 

Die Streupulver müssen in möglichster Feinheit verabreicht werden; bei 
den indifferenten Pulvern kann man die Gesammtmas.se dispensiren und die 
jedesmal zu verbrauchende Quantität von dem Patienten aufstreuen lassen, 
bei den differenten thut man wohl, die Einzelndosis für die jedesmalige An- 
wendung gesondert zu verordnen; wo diese, lediglich aus dem verordneten 
Arzneistoffe bestehend, zu klein sein würde, um eine bequeme Manipulation 
zu gestatten, da setzt man soviel von einem indifferenten Pulver hinzu, um 
die Einzelndosis auf mindestens 0,5 Gramm greifen zu können. Weitere Be- 
stimmungen über das Volumen der Einzelndosis in ihrem Verhältnisse zur 
Applicationsfläche lassen sich auch annähernd nicht geben, da nicht blos die 
Grösse der letzteren, sondern die grössere oder geringere Menge der Secretion, 
die von dem Applicationszweck bedingte grössere oder geringere Stärke der 
aufzustreuenden Pulverschicht die mannigfachsten und a priori nicht festzu- 
stellenden Modifikationen hervorrufen. 

Die Procedur des Aufstreuens geschieht mittelst der Hand oder eines 
flachen Löffels oder Spatels. Indifferente Pulver streut man aus einem Mous- 
selinsäckchen oder aus einem mit weichen Federn oder Watte besetzten Knopfe, 
welcher vorher in der Pulvermasse gewälzt wird. 

c Trockene Umschläge, Fomenta sicca. 

Gröblich gepulverte oder fein geschnittene Arzneisubstanzen, welche mit 
der Haut in mittelbarer oder unmittelbarer Berührung erhalten werden und 
vorzugsweise durch ihre Temperatur, nebenbei durch schwächere oder stärkere 
Aromata, zuweilen durch Zufügung reizender oder epispastischer Stoffe wirken, 
werden als trockene Umschläge bezeichnet. Die Substanzen, welche am 
meisten zu trockenen Umschlägen verwendet werden, sind aromatische Kräuter 
(Flor. Chamomill., Flor. Sambuc, Species aromaticae), Kleie, Bohnenmehl. 

Die gewöhnlichste Weise, in welcher diese Arzneiförm in Anwendung ge- 
zogen wird, isl die der K rii n I e r sä c k e (Pulvinaria inedieatn s. Sacculi me- 
dicati), Säckchen in der Regel von weicher, lockerer Leinwand, welche mii 
dm species oder gröblichen Pulvern gefüllt, erwärml und .-ml* der EJaul durch 
eine leichte Bandage festgehalten werden. Ferner gehören hierher die so- 
genannten trockenen Bäder, meistens aus erwärmter Kleie bestehend) 
welcher aromatische oder schwach reizende Substanzen (Senfmehl) zugemischl 
werden. Diese Mischung wird in einen Sack geschüttet, in wehdien Bände 
oder Ftisse mehrere Stunden hindurch gesteckt werden. 



56 Pflaster. 

Zu den trockenen Umschlägen gehurt auch die Bedeckung der Kaut mit 
einem besonders schlechten Wärmeleiter, Wolle oder Watte, welche man noch 
mit verschiedenen Zusätzen imprägnirt, in der Voraussetzung, gleichzeitig eine 
reizende Einwirkung zu erzielen, so z. B. Wolle oder Watte mit Campher- 
oder Salmiak -Spiritus besprengt oder mit Campher -Pulver eingerieben; bei 
der sogenannten Fettwolle und Kammwolle dürfte das in derselben enthal- 
tene ranzige Fett die Örtlich reizende Einwirkung auf die Haut vermitteln. 
In ähnlicher Weise wirkt das unter dem Namen Wald wolle bekannte Prä- 
parat, welches aus der durch einen fäulnissartigen Process vom Zellgewebe 
getrennten weichen und wollenartig verfilzten Holzfaser der Kiefernadel be- 
steht, dem noch ein geringer Antheil von ätherischem Oele anhaftet, resp. 
wieder zugemischt wird. 

Die Substanzen zu trockenen Umschlägen werden in der Regel als Species 
verschrieben, und der Patient erhält die Anweisung über die Form, in welcher 
sie zu verwenden sind. 



2. Weiche und halbfiüssige Formen. 

a. Pflaster, Emplastrum. 

Eine für die äussere Anwendung bestimmte Arzneiform von einer Con- 
sistenz, welche der des Wachses sich nähert, wird als Pflaster bezeichnet. 
Das Pflaster wird entweder 1) nur als Mittel für chirurgisch - technische 
Zwecke (zum Vereinigen von Wund- und Geschwürsrändern, zum Festhalten 
von Verbänden und Umschlägen, zur Application von Compressiv -Verbänden) 
benutzt, oder 2) als Schutz- und Deckungsmittel der Haut, oder schliesslich 
3) als Träger von Arzneistoffen, deren Einwirkung auf die Haut beab- 
sichtigt wird. 

Für die ad 1. und 2. genannten Zwecke bedient man sich ausschliesslich 
der officinellcn Pflasterformen, nur etwa mit der Rücksicht, dass man bei all- 
gemeiner Reizbarkeit der Haut oder entzündlicher Beschaffenheit der Verband- 
steile diejenigen Pflastermassen wählt, welche frei von Harz sind, wie das 
Emplastrum Lithargyr. und saponatum, während da, wo es darauf ankommt, 
der Pfläster-Application die möglichste Festigkeit zu geben, das Emplastrum 
adhaesivum in erster Reihe steht. 

Nur für den ad 3. erwähnten Zweck kommt der Arzt zuweilen in die 
Notwendigkeit , durch die magistrale Vorschrift eine Plhisternmsse zu com- 
poniren; aber auch hier wird es sich nicht darum handeln, eine solche ab 
origine herzustellen, sondern mir darum, den betreffenden Arzneiston" in pas- 
senden Verhältnissen einer einfachen oder zusammengesetzten Pflasterform 
hinzuzufügen. 

Die für die Herstellung von zusammengesetzten Pflastern zu benutzenden 
Pflastergrundlagen theilen sieh: 

1 i in resinöse Stoffe, welche durch einen grösseren oder geringeren 
Zusatz von Fett, Oel, Wuchs oder Terpenthin Pflaster - Consistenz 
erlangen, z. B. Colophonium, Resina burgundica, Fix nigra; 
•J i in Bleiseifen, Verbindungen von Bleioxyd mit Oelsäuren; hierher 
gehören: Emplastrum Lithargyr. simpl., Empl. Cerussae, Empl. Minii 
und Empl. fuscum; ferner das Empl. saponatum, eine Verbindung 
von Blei mit einem kleinen Zusätze von Natronseife; 
3 in Verbindungen von resinösen Substanzen mit Bleiseifen; hierher 
gehören d;i> Empl. adhaesivum, Empl. Lithargyr. compositum. 
Will man solchen Pflastergrundlagen medicamentöse Stolle heimischen, 
oder medicamentöse Pflaster noch mit anderen Arzneistoffen versetzen, so sind 



Pflaster. 57 

dabei folgende Quantitäts- Bestimmungen im Auge zu behalten: von vegetabi- 
lischen Pulvern, Extraeten, Opium, Castoreum u. s. w. kann einer guten 
Pflastergrundlage bis zu einem Sechstel beigemengt werden, ohne ihre Con- 
sistenz wesentlich zu verändern; schwere Pulver (Salze, Schwefel, Jod, Metall- 
verbindungen) können bis zu einem Viertel in die Pflastergrundlage aufge- 
nommen werden : ätherische Oele und Campher bis zu einem Zwölftel, Balsame 
und fette Oele bis zu einem Achtel. Will man grössere Quantitäten, als die 
hier aufgeführten, in die Pflastergrundlage aufnehmen lassen, so muss man 
bei den pulverformigen Substanzen, durch deren Aufnahme die Pflastergrund- 
lage zäher wird, Zusätze von erweichenden Stoffen (Terpenthin, Oele oder 
Campher) hinzufügen, während die Aufnahme grösserer Quantitäten von äthe- 
rischen Oelen, Campher, Balsamen durch Zufügung festerer Substanzen (Colo- 
phonium. Wachs) vermittelt werden muss. 

Die Zusätze zu den Pflastermassen werden in folgender Weise bewerk- 
stelligt: Lösliche Salze und Extracte werden mit wenigen Tropfen Wasser; 
Opium, Castoreum mit etwas schwachem Spiritus; metallische Pulver, Campher 
mit einigen Tropfen Oel vorher angerieben, und dann mit der durch grössere 
oder geringere Wärme flüssig oder weich gemachten Pflastermasse gemischt; 
feine vegetabilische Pulver und Flüssigkeiten bedürfen vor der Zumischung 
keiner weiteren Präparation; leicht zerreibliche Substanzen, wie Schwefel und 
Jod, werden nur möglichst fein gepulvert und dann zugesetzt. Die Mischung 
aller Substanzen geschieht durch sorgfältiges Kneten im metallenen oder por- 
zellanenen Mörser (Malaxiren). 

Die Dispensirung der Pflaster geschieht in der Art, dass die Pflastermasse 
entweder in Stangenform ausgerollt (selten in Tafeln oder Kruken gegossen) 
verabreicht wird, oder dass man sie auf eine Unterlage streichen lässt; diese 
letztere besteht aus Leinen (linteum), weichem Leder (corium s. aluta), seltener 
Tafft (taffetas), Wachsleinwand (linteum ceratum), Papier (charta). Bei Pflastern 
von richtiger Konsistenz genügt es, dieselben vor dem Auflegen gelinde zu 
erwärmen, um ihr Kleben an der Haut zu bewirken: bei zu spröden oder zu 
weichen Pflastermassen ist dies nicht der Fall, und müssen solche durch über- 
gelegte Heftpflasterstreifen festgehalten werden oder dadurch, dass die be- 
treffende Pflastermasse auf Heftpflaster gestrichen wird, wobei man einen Rand 
desselben frei lässt. 

Die Pflastermasse wird in verschiedener Dicke auf die Unterlage aufge- 
tragen; die normale Dicke ist etwa die eines starken Papiers, wobei die 
Textur der Unterlage durch den Pflasterüberzug nicht mehr sichtbar ist. Soll 
das Pflaster lediglich zu Klebezwecken dienen, und jede Reizung der Haut, 
die durch dickeres Auftragen leicht bewirkt wird, vermieden werden, so 
schreibt man vor, das Pflaster dünn auszustreichen (extende tenuiter s. tenuis- 
siine .', wobei dann fast nur die Zwischenräume der Texturfasern mit Pflaster- 
masse gefüllt werden; soll ein intensiver Hautreiz ausgeübt werden, so trügt 
man die Pflastermasse etwa messerrückendick auf (extende crasse). 

Die Grössen -Bezeichnungen werden am besten durch bestimmte Masse 
ausgedrückt, wobei es am gerathensten ist, die Länge sowohl als die Breite 
des Pflasters nach Zentimetern, weniger gut das Ganze nach Quadrat - 
Centimetern zu bestimmen, lo Quadrat-Cm. erfordern ca. 1 Gramm 

Pflastermasse. Anstatt dessen kann man auch entweder eine Zeichnung 

des l'tlnsters dem Recept beifügen, oder endlich die Grösse desselben nach 
bekannten Gegenständen bemessen. Unter den von anderen Gegenständen ent- 
nommenen Bezeichnungen sind folgende die gangbarsten: Grösse eines Mark- 
stückes i Magnit. Marki i, wozu etwa I .< I erforderlich ; I Irösse eines Thalers i Magnit. 
Thaleri) ■=• etwa 1,25; Grösse eines Fünfmarkstückes (Magnit. Monet. Markör, 
quinq.) — etwa 2,0; Grösse einer Spielkarte (Magnit Chartae Lusoriae) 5,0; 



58 



Pflaster. 



HandflächengrÖsse (Magnit. Palmae s. vorne manus) — etwa 7,5; HandgrÖsse 
(Magnit. manus) = etwa 15,0. 

Die angegebenen Verhältnisse der Pflastermasse zu den Grössen - Bestim- 
mungen beziehen sich auf die mittlere Stärke; dünn aufgetragene Pflaster er- 
fordern die Hälfte, dick aufgetragene das Doppelte der genannten Quantitäten. 

Soll das Pflaster eine ganz bestimmte Form haben, z. B. etwa der Gegend 
hinter dem Ohre entsprechen (forma auricularis) , so wird dieselbe auf dem 
Eecepte bezeichnet und in der Subscription des Receptes auf diese Zeichnung 
hingewiesen, oder man schneidet, wo es sich um grössere Formen handelt, 
dieselben aus Papier und legt sie dem Recepte bei. 

Die Herren DD. Unna und Mielck in Hamburg haben mit besonderer 
Berücksichtigung des Hammeltalgs als Pflastergrundlage und der Verwendung 
von einfachem ungestärkten Mull als Unterlage und des entfetteten Mulls als 
Bedeckung desselben eine grosse Anzahl von Salben- und Pflastermullpräpa- 
raten angegeben (s. Berliner klinische Wochenschrift. 1881. No. 35 und 1882. 
No. 27.), die sich durch grosse Schmiegsamkeit, leichte und sichere Adaption 
und bedeutende Haltbarkeit auszeichnen sollen (Beisp. VI. und VII.). Dieselben 
erfordern wegen des Temperaturwechsels im Sommer eine etwas geringere 
Menge leichter schmelzenden Fettes wie im Winter, worüber das Original ein- 
zusehen ist. 



Beisp 

I. B, 

Resin. burgund. 150,0 

liquat. adde 
Sebi ovilli 5,0. 
Semirefrigerat. ext. crasse supr. eorium. 
longit 20 Centimet., latitud. 10 Centim. 
D. S. 



IL 



F. I. 



9 

Opii 0,5 
Myrrh. 1,0 

Empl. Litbargvr. 10,0. 
a. Empl. ext. supr. taffet. 



D. S. 



Morgens und Abends einen Quadratzoll 
gross auf die Schläfe zu legen. 



III. Ef 

Tartar. stibiat. 1,0 
Kmpl. adhaesiv. 5,0. 
Misce malaxando extend. supr. cor 
Chartae Lusoriae. 1). S. Reizpflaster. 



magnit. 



IV. K- 

Camphor. fcrit. 1.5 

Empl fusci 10,0. 
Bxt. tenuissime supr. chart. I). S. Zum 
auflegen auf rheumatisch afficirte Stellen. 



iele. 
V. 



ty 



Empl. Lithargyri simpl. 
Empl. saponat ana 10,0 

liquatis adde 
Ol. Macidis 0,5 
Ol. Chamom. citrat. 0,1. 
F. emplastr. extend. supr. cor. magnitud. 
manus, margine emplastr. adhaesiv. ob- 
ducto. D. S. Auf die Magengegend zu 
legen. 

VI. ty 

Hydrargvr. dep. 37,0 
Ungt. Hydrargyri Ph. G. 10,0 
Sebi bcnzoinati 40,0 
Adipis benzoinatae 13,0. 
M. f. (.'. Zur Imprägnirung von Salben- 
mull. — Quecksilbersalbenmull 40 pCt. 



VII. 



M. f. 



Rf 



85.0 



Empl. adhaesiv. Ph. (i. 
Terebinth. venet. 5,0 
Plumbi jodati 5,0. 
e. Zur Bestreichung vod Mul 



Jodblei-Pflastermull 10 pCt. 



Eine wesentlich von den vorstehenden Pflastern abweichende Art, welche 
aber durch magistrale Formeln nicht verordne! zu worden pflegt, besteh! 
darin. d;iss man Unterlagen mii Flüssigkeiten überzieht, deren Rückstand nach 
d<in Vertrocknen entweder schon an und für sich oder durch Leichte Befeuch- 
tung Klebefahigkeil besitzt. Hierher gehören namentlich das Emplastrum 
adhaesivum anglicum eine auf Seidenzeng aufgetragene Lösung vonColla 
Piscium), das Empl. Mezerei cantharid. u\u\ ähnliche, 



Salbe. 50 



b. Salbe, Unguentum. 

Die am häufigsten zur Application von Medicamenten auf die äussere 
Haut angewendete Form ist die Salbe. Dieselbe ist eine Masse von butter- 
ähnlicher Consistenz, d. h. bei gewöhnlicher Temperatur nicht zerfliessend, 
aber ohne Kraft- und Wärmeanwendung vertheilbar. Die Salbe besteht aus 
einer Grundlage (Constituens s. Excipiens), welche an und für sich die eben 
beschriebene Consistenz darbietet, und (in den meisten Fällen) aus einem 
dieser Grundlage beigemengten flüssigen oder festen (pulverförmigen) Arznei- 
stoffe. 

Als Salbengrundlagen dienen: 1) Fette, welche ohne weitere Präparation 
Salben -Consistenz darbieten; diese Bedingungen erfüllen nur Adeps suillus, 
Medulla ossium bovis, Butter, Ol. Cocois, Kaliseife. Diese Substanzen können 
ohne weiteren Zusatz zur Salbengrundlage verwendet werden; in Bezug auf 
die Butter, die übrigens ihres leichten Ranzigwerdens halber selten als Con- 
stituens gebraucht wird, ist zu bemerken, dass sie vorher durch Waschen und 



Kneten ihres Kochsalzgehaltes beraubt werden muss. — 2) Mischungen von 
festeren Fetten oder fett ahn liehen Stoffen (Wachs, Wallrath, Paraffin) 
mit weichen Fetten oder Oelen. Die festeren Fette, wie Sebum ovillum, 
Sebum cervinum, Ol. Cacao, bedürfen, um in Salbenform gebracht zu werden, 
eines Zusatzes von doppeltem Quantum weichen Fettes (vom Paraffin sogar 
des Vierfachen) oder eines gleichen Theiles oder mindestens der Hälfte eines 
flüssigen fetten Oeles oder eines kleinen Theiles (etwa l / 8 — Ve) emes äthe- 
rischen Oeles. 3) Unguentum Glycerini, welches vielfach als eine der 
passendsten Salbengrundlagen in Anwendung gebracht wird. — 4) Unguen- 
tum Par affin i, Vaselin, jetzt officinell wie das Ung. Glycerini und vor 
allen anderen Salbengrundlagen den Vorzug verdienend, weil es nicht ranzig 
wird und ein ausgezeichnetes Excipiens darstellt. 

Von den eben erwähnten Salbengrundlagen ist das einfache Schweinefett 
die am meisten gebrauchte und in ökonomischer Beziehung die zweckmässigste, 
indessen sind alle Salben, die lediglich mit Schweinefett bereitet werden, leicht 
dem Ranzigwerden ausgesetzt, ein Uebelstand, welcher sich auch beim Un- 
guentum rosatum geltend macht, in welchem durch Zusatz von Wasser die 
Neigung zur Rancidität noch erhöht ist. Haltbarer ist die aus blos vegetabi- 
lischen Fetten zusammengesetzte Wachssalbe. — Das Unguentum Glycerini 
und das Unguentum Paraffini sind in Bezug auf ihre Haltbarkeit jeden- 
falls die passendsten Salbengrundlagen, die auch in anderer Beziehung sehr 
wesentliche Vortheile bieten, ja, genau genommen, auch in ökonomischer Hin- 
sicht der einfachen Fettsalbe nicht nachstehen, insofern die mit ihnen berei- 
teten Salben nicht dem Verderben ausgesetzt sind und deshalb in grösserer 
Quantität verordnet werden dürfen. Ausserdem enthält das Unguentum Gly- 
cerini die meisten ihm beigesetzten Arzneistoffe in wirklicher Lösung, während 
bei den anderen Salben die Zusätze mehr oder weniger nur in mechanischer 
Mengung mit der Grundlage vereint sind. Schliesslich gewährt das Unguentum 
Glycerini den für die chirurgische Praxis sehr erhebliehen Vortheil, dass es 
nicht Über die Applicationsstelle durch ZerhMessen hinausgeht und sieh leicht 
wieder von dieser durch Abwaschen entfernen lässt. ohne eine starke mecha- 
nische Reizung derselben nothwendlg zu machen. Indessen gilt fast das 

Gleiche auch vom Vaselin, während dem Unguentum Glycerini der Uebelstand 
anhaftet, sehr leicht zähe, kleisterartig zu werden und einen den Patienten 
unangenehmen Druck auszuüben. Wo ;ds.> eine Zersetzung des Fettes nicht 
im therapeutischen Interesse liegt, wie dies beim Unguentum Bydrargyrura 
cinereum und bei den Jodsalben der Fall ist, für welche letztere die 



60 Salbe. 

Grlycerinsalbe auch deshalb unpassend sein würde, weil das Jod mit dem 
Stärkemehl sieh verbindet, bediene man sich des Unguentum Paraffini oder 
Glycerini. 

Die den Salben zugefügten Zusätze, Excipienda, können entweder flüs- 
siger, halbflüssiger oder fester Natur sein. Unter den flüssigen Excipiendis 
können Tinctureu und Chloroform der Salbengrandlage bis zu etwa einem 
Sechstel des Gewichts derselben zugefügt werden, ohne eine erhebliche Ver- 
änderung ihrer Consistenz zu bewirken; ätherische Oele werden nur in viel 
geringerer Quantität ertragen (bis zu einem Zehntel des Gewichts der Salben- 
grundlage) und bewirken, überschüssig zugesetzt, ein Zerfliessen der Salbe; 
flüssige Säuren (Acid. nitricum) können bis zu einem Achtel zugesetzt werden, 
kaustische •Flüssigkeiten (Liq. Amnion, caust., Liq. Kali caust.) bis zur Hälfte, 
da dieselben mit dem Fettgehalt der Salbe eine Seifenverbindung eingehen, 
welche sich der Salbenconsistenz nähert. — Dickflüssige Substanzen, wie Bal- 
same und flüssige Extracte , können höchstens zu einem Viertel des Gewichts 
einer Salbengrundlage beigemengt werden. — Bei den festen Arzneistoffen 
mächen sich folgende Verhältnisse geltend: Harze, Seifen und vegetabilische 
Pulver, trockene Extracte und denen ähnliche Körper, wie Opium, Casto- 
reum u. s. w., können bis zu einem Drittel in die Salbengrundlage eintreten, 
Extracte Y*>n Extract- Consistenz bis zu einem Viertel, lösliche Salze bis zu 
einem Viertel, mineralische Pulver bis höchstens zur Hälfte — Campher 
verhält sieh wie ein ätherisches Oel und darf deshalb nur in geringen Ge- 
wichtsmengen einer Salbengrundlage beigesetzt werden, wenn er nicht ein 
Zerfliessen derselben herbeiführen soll. 

Bei der Bereitung der Salbe werden die weichen und flüssigen Fette, aus 
denen dieselbe gebildet wird, im porzellanenen Mörser innig zusammen ver- 
rieben. Die festen Fette und fettähnlichen Stoffe werden erst bei möglichst 
gelinder Temperatur geschmolzen und dann mit den weichen Fetten verrieben. 
Zusätze von flüssigen Substanzen und Campher werden durch einfaches, im 
Mörser vorzunehmendes Mischen mit der Salbengrundlage bewirkt (Beisp. I., 
II., III., XIII.). Ist die Salbengrundlage durch Schmelzung bereitet, so ge- 
schieht diese Zumengung erst nach dem Erkalten (Beisp. IV., V.). Vegeta- 
bilische und mineralische Pulver, sofern sie nicht in Wasser löslich sind, 
werden mit der Salbengrundlage in der Weise gemischt, dass man sie zu- 
nächst mit einem geringen Theile derselben oder mit wenigen Tropfen eines 
fetten Oeles fein verreibt und diese Mischung dann mit der Totalquantität 
der Salbengrundlage mischt; ebenso Seifen und leicht zu pulvernde Harze 
(Beisp. IX.<. Lösliche Pulver und Extracte, sowie Opium und Castoreum, 
werden mit einigen Tropfen Wasser oder je nach der Natur der Substanz mit 
einer gelingen Quantität Alkohol angerieben und dann der Salbengrundlage 
zugesetzt (Beisp. Vif.) mit Ausnahme von Tartarus stibiatus, welcher als ganz 
feines trockenes Pulver zugemischt werden muss. Schwer zu pulvernde Harze 
Miesina Pini, Colophonium) werden bei möglichst gelinder Temperatur ge- 
schmolzen und mit der Salbengrundlage gemischt (Beisp. XII.). 

Die Zusätze zum Unguentum ölycerini werden in derselben Weise bewirkt, 
nur mit der Ausnahme, dass diejenigen Substanzen, ihr welche oben ein vor- 
heriges Verreiben mit <>el angegeben worden, statt dessen mit einer kleinen 

Menge Glycerin subigirt werden (Beisp. VIII.). 

Eine Greruchs-Correction der Salben wird dadurch bewirkt, dass man die- 
selben mit einer geringen Quantität ätherischer Oele, Bpirituöser Substanzen 
(Aq. Coloniensis, Tinet. Vanillae), wohlriechender fetter Oele (Ol. .lasmini) 

oder Balsame (Bals. peruvianum) versetzt. Meistens bedient man sich der 

ätherischen Oele, von denen für 5,0 der Salbe meistens 1 2 'Tropfen aus- 
reichen. Eine Correction i\c> Aussehens der Salben durch färbende Zusätze 
(Ol. Alcannae, Karmin, Rad. Curcumae, Tinet. Croci) wird selten angewendet. 



Salbe. 61 

Die Verordnung der Fett -Salben erfolgt in der Kegel so, dass die ver- 
ordnete Quantität in wenigen (im Sommer höchstens in drei) Tagen verbraucht 
werde; nur in denjenigen Fällen, in denen die Rancidität der Salben dem 
Heilzwecke eher förderlich als hinderlich ist, kann man diese Beschränkung 
umgehen; bei Verordnung der Glycerin- und Paraffinsalbe fällt dieselbe ganz 
fort, indem diese selbst bei hoher atmosphärischer Temperatur sich lange Zeit 
unverändert erhalten. Die Gesammt -Quantität der in einigen Tagen zu ver- 
brauchenden Salbe wird natürlich durch die Anwendungsweise derselben bedingt. 
Für diejenigen Salben, welche als Einreibungen benutzt werden, bestimmt 
man die Einzelndose durch annähernde Bezeichnungen, welche dem Volumen 
allgemein bekannter Gegenstände entnommen sind, z. B. Grösse eines Steck- 
nadelknopfes (ca. 0,05 — 0,1), einer Linse (ca. 0,2), einer Erbse (0,3 — 0,5), 
einer Bohne (0,5 — 1,0), einer Haselnuss (1,5 — 2,0). Bei sehr difFerenten 
Mitteln verordnet man auch oft das Ganze in Einzelndosen dispensirt (Bei- 
spiel XV.). 

Bei Verband -Salben müssen die Grösse der Applicationsstelle, die Art 
der Application und die mehr oder minder häufige Wiederholung des Ver- 
bandes zur Bestimmung der Gesammt -Quantität in's Auge gefasst werden. 
(S. a. unter ,,Pflaster u die Salbenmulle.) Diese Verhältnisse sind jedoch meist 
so variabler Natur und werden durch die Verschiedenheiten in der Manipula- 
tion beim Verbinden so sehr beeinflusst, dass man nicht im Stande ist, auch 
nur annähernd irgend welche Quantitäts- Bestimmungen zu treffen. Man thut 
deshalb wohl daran, bei kleineren Verbandstellen etwa 25,0 — 50,0, bei grös- 
seren etwa 50,0 — 100,0 zu verordnen, mit der Massgabe, dieselbe erneuern 
zu lassen, wenn sie vor vollständiger Consumtion ranzig geworden sein sollte, 
da hier, wo es sich meist um die Berührung der Salbe mit Geschwürs- oder 
Wundflächen handelt, in allen Fällen die Auftragung eines ranzigen Fettes 
als direct schädlich zu bezeichnen ist, und ebensowohl Schmerzen verursacht, 
als zur Putrescenz der Wundsecrete beiträgt und die Heilung dadurch ver- 
zögert. Namentlich in Hospitälern kann man — soweit sie überhaupt noch 
angewandt werden — die Anwendung ranziger Salben nicht stark genug 
perhorresciren, da hier die chirurgische Behandlung alles, was Putrescenz des 
Wundsecretes und damit Entwickelung von Hospitalbrand erzeugen kann, auf's 
ängstlichste zu vermeiden hat, und unter den ätiologischen Momenten dieser 
Hospital-Plage möglicherweise der geringe Werth, den man auf die Beschaffen- 
heit der Verbandsalben zu legen pflegt, eine nicht unwichtige Rolle spielt. - 
Auch in dieser Hinsicht ist wiederum auf die Vorzüge der Glycerin- und Pa- 
raffinsalben hinzuweisen; natürlich ist bei ersteren die Rücksicht massgebend, 
dass sie mit chemisch reinem Glycerin bereitet seien, da sie sonst durch ihre 
unreinen Beimischungen (ätzende Salze und ranzige Säuren) eben so schädlich 
wirken können, als ranzig gewordene Fettsalben. 

Die Darreichung der Salben geschieht fast ausschliesslich in Stein- oder 
Porzellankruken. Die ersteren, welche gewöhnlich in der Armenpraxis gewählt 
werden, sind stets porös, saugen, einmal verwendet, einen Theil des Fettes 
auf. welches dann ranzig wird, und bei Erneuerung der Salbe in demselben 
Gefasse zum Verderben derselben wesentlich beitrügt. Es wäre deshalb 
wünsch enswerth , die Steinkruken auch ans der Armen- und Hospitalpraxis 
gänzlich zu entfernen und durch die nicht erheblich theureren Porzellan- oder 
Glaskruken zu ersetzen. 

Der Verschluss dev Salbenkruken geschieht entweder durch Wachspapier, 
oder durch llol/deckel. welche al»er beide insofern unzw eekinässig sind, als 
die an ihnen haftende Salbenquantitäl leicht ranzig wird und auf das Verderben 
der Übrigen Salbe influirt. Den besten, allerdings etwas theureren Verschluss 
geben Porzellandeckel und dünne Blechkappen, welche mit einem leichten 
Silberniederschlage überzogen sind. 



62 



Salbe. 



Als besondere Formen von Salben haben wir schliesslich zu erwähnen 
das Unguentum pomatum s. pomadinum und das Ceratum. 

Das Unguentum pomatum ist eine hauptsächlich für kosmetische Zwecke, 
namentlich für das Einfetten der Haare bestimmte Salbe, die sich namentlich 
durch ihre Eleganz und besondere Rücksichtnahme auf die Geruchs-Correction 
charakterisirt. Als Salbengrundlage dient hier in der Regel die Medulla ossium, 
welche man mit Extracten (meistens tonisirenden) , scharfen Tincturen oder 
öligen Digesten scharfer Substanzen, wohlriechenden fetten und ätherischen 
Oelen versetzt (Beisp. XIIL). 

Das Ceratum ist von härterer Consistenz als die gewöhnliche Salbe, 
steht deshalb eigentlich zwischen ihr und dem Pflaster. Als Cerat-Grundlage 
bedient man sich meistens eines Gemisches aus Oel mit einem der festeren 
Fette, namentlich Wachs, Wallrath und Cacao-Butter. Das Cerat dient eben- 
falls zum Anfetten spröder oder wunder Hautstellen, auf welche man keinen 
Salbenverband auftragen kann oder will. Das Cerat wird nicht in Kruken, 
sondern in Tafeln gegossen dispensirt (Beisp. XIV.). 



Beis 



i. n 

Chloroformii 2,5 

Ol. Cocois 20,0. 

M. terendo exactissime, f. unguent. d. 



olla bene clausa. S. 

eine Bohne gross einzureiben. 



in 

Dreimal täglich 



piele. 

VI. fy 

Adip. suill. 30,0 
Sapon. dornest, pulv. 10,0 
Rhiz. Veratri pulv. 2,5. 
M. terendo f. ungt. D. S. Krätzsalbe. 



IL Bf 

Ungt. cerei 10,0 
Ol. Amygdal. amar. aeth. 0,2. 
M. f. ungt. d. in olla bene clausa. S. Zwei- 
stündlich eine Erbse gross einzureiben. 



III. ry 

Adipis suilli 20,0 
Li<|. Kali caust. 10,0. 
f. unsnient. D. S. Dreimal täglich in 



\l 



die Gelenkstellen einzureiben. 



IV. 



M. 



Cor. alb. 5,0 
Ol. Olivar. 15,0. 

Leni calore liquat. et 
Bömirefrigeratis 
ad de 
Bals. Peruv. 5,0 

Acid. carbolic. in spirit. vini q. s. 
solut. 1,0. 
f. u. D. iS. Zum Verbinden wunder 
Brustwarzen. 



V. 



[>. S. 



Ol. Cacao 

Olivar. ana 10,0 
Leni calore liquat. et 

' emirefrigerata 
misce terendo 

(•Ulli 

Catechu pulverat. 5,0. 

Auf Charpie gestrichen zum Ver- 



VII. H' 

Extr. Myrrhae 5,0 

tere c. 
Aq. dest. gutt. nonnullis 

adde 
Ungt. Glyccrini 25,0. 
D. S. Zur Bestreichung von Hämorrhoidal- 
knoten. 



VI IT. H< 

Kali bichromici 1,5 

tere c. 
Glycerini pnri gutt. nonnullis 

adde 
Ungt. Glycerini 10,0. 
D. S. Aetzsalbe. 



IX. 



^ 



llydrargyr. praeeip. alb. 2,0 
tere c. Ol. Amygdal. dulc. 
-iitt. nonnullis 
Unguent lenientis 10,0. 
F. unguent. D. S. Eint: Linse gross einzu- 
reiben. 



\. 



Iv 



handi: vn Ucrubitus-Stcllen, 



Kydrargyri chlorat. mitis 0,5 
Opii puri 0,25 

tere o. \i|. dest. gutt. nonnull. 
admisce 
Unguent. rosat. 10,0 
U. S. Dünn auf Charpie gestrichen zum 
Verbände von Schanker-Geschwüren. 



Salbe. 



Liniment. 



XI. lfc 

Carnphor. trit. 0,5 
Unguent. flavi 10,0. 
F. unguent. D. S. Eine Erbse gross drei- 
mal läiil ich einzureiben. 



XII. 



tV 



[lesin. burgundicae 
Cor. flav. ana 5,0 
leni calore liquat. 
adde 
Ol. Olivar. 10,0 
scmirefrigerata 
misce cum 
Pulv. Summit. Sabinac 5,0 

adde 
Ol. Sabinae 0,5. 
D. S. Auf Leinen gestrichen zur Be- 
deckung von Condylomen. 



XIII. R 

Extr. Chin. frig. parat. 5,0 

Mise. c. 
Medull. oss. 25,0 

adde 
Tinct Cantharid. 0,5 



D. S. 



XIV. 



Ol. Rosar. 
„ Amygd. am. 
China-Pomade. 



aeth. ana 0,1, 



Ol. Cacao 15,0 
Ol. Olivar. 5,0 

Leni calor. liquat. 



et 



semirefrigerata 

misce c. 

Carmini 0,1 

antea cum 
Tinct. Vanill. 0,5 

in pultem redact. effimde in 
capsulam papyraceam. 
D. in Charta cerata. S. Cerat. zum Be- 
streichen wunder Stellen. 



XV. B> 

Unguent. Hydrarg. einer. 1,0. 
Dispensent. tal. dos. No. 10. D. in chart 
cerat. S 
nach Vorschrift einzureiben. 



Morgens und Abends ein Stück 



c. Flüssige Salbe, Linimentum. 

Unter der Bezeichnung Liniment verstellt man eine zum Einreiben be- 
stimmte Arzneiform von dickflüssiger (der des Syrups gleichkommender) Con- 
sistenz, welche entweder dadurch hergestellt wird, dass man ein Fett durch 
Zusatz von Flüssigkeit über die Salben-Consistenz hinaus verdünnt, oder dass 
man durch Combination von Oelen mit einer caustischen Substanz eine seifen- 
artige Verbindung bewirkt, oder schliesslich Seife in wässerigen oder schwach 
alkoholischen Flüssigkeiten auflöst. 

Zur Herstellung eines Linimentes aus Fetten von Salben-Consistenz bedarf 
es eines halben bis gleichen Theiles einer Flüssigkeit. Will man aus einem 
festen Fett ein Liniment haben, so sind 1 — 3 Theile Flüssigkeit dazu erfor- 
derlich. - Bei Anfertigung eines Linimentes aus fettem Oele mit caustischen 
Substanzen (caustische Ammoniak-, Kali- und Natron-Flüssigkeit, sowie Aqua 
Calc.) variiren die Zusätze der letzteren von l / 4 — 1*)- 

Zu einer Grundlage von Liniment -Consistenz können ätherische Oele, 
Tincturen, Campher, Chloroform, fette Oele in beschränkten Quantitäten (höch- 
stens jedoch bis zu einem Drittel) zugefügt werden, ohne die Consistenz er- 
heblich zu lindern. Sollte bei einem derartigen Zusätze sieh wirklieh die Ab- 
setzung der einen oder anderen Substanz ergeben, so ist dies keinesweges als 
tin wesentlicher Uebelstand zu betrachten, da durch Umschütteln des Lini- 
mentes vor dessen Anwendung die Homogenität der Mischung leicht wieder 
herzustellen ist. 

*) Das Linimentum saponato-camphoratum (Baisamum Opodeldoc) führt eigentlich 
mit l nrechi den Namen Liniment , da es bei gewöhnlicher Temperatur nicht flüssig 
ist, and wenn es bei der Anwendung flüssig gemachl wird, nicht die Consistenz eines 
S; rups, sondern die einer Spirituosen Flüssigkeit annimmt. Ebenso weichen das Li- 
niment. Aeruginis und das Liniment, contra combustiones von den hier gegebenen 

Verhältnissen ab, indem das erstere eine Mischung v issigsaurem Kupfer mit Honig, 

das andere die Mengung einer Höllensteinlösung mit Leinöl ist. 



64 



Flüssige Salbe. 



Auch Emulsionen ans fetten Oelen mit Eigelb oder Gummi Arabicum 
können als Linimente dienen; dieselben sind namentlich in Verbindung mit 
Oleum Terebinthinae in 'Gebrauch (Beisp. VI.). 

Die Gesammt- Quantität eines zu verordnenden Linimentes ist nur dann 
durch Rücksichten beschränkt, wenn man Salben zur Herstellung desselben 
benutzt. 

Die Einzelgabe der zu Einreibungen bestimmten Linimente wird in der 
Regel zu 1 — 2 Theelöffeln und mehr abgemessen (das Gewicht des Thee- 
löffels — 4,0). Bei Verband - Linimenten lässt man eine mit dem Liniment 
befeuchtete Compresse auf die Applicationsstelle auflegen. 

Die Linimente werden in gewöhnlichen, mit Korkstöpseln verschlossenen 
Glasflaschen . verordnet. 



Beis 

I. I* 

Adipis suilli 20,0 
Chlor oformii 10,0. 
M. f. Liniment, ct. in vitro S. Dreimal 
täglich einen Theelöffel voll einzureiben. 



piele. 
IV. 



IT. U- 

Carbonei sulfnrati 10,0 
Ungt. Rosmarini comp. 20,0. 
M. f. Liniment. D. S. Zweistündlich einen 
Theelöffel voll einzureiben. 



III. Bf 

Liquoris Ammon. caust. 

Tinct. Opii crocat. 

Ungt. Hydrarg. einer, ana 

Ol Hyoscyami 15,0. 
M. f. Liniment. D. in vitro. S. 
schüttelt einzureiben. 



5,0 



Umge- 



lv' 



Tinct. Arnicae 25,0 

in qua solve 
Sapon. venet. 10,0 

cui adde 
Liq. Ammon. caust. 
Ol. Lavandul. 0,5. 
M. f. Liniment. D. in vitro. S. Theelöffel- 
weisc einzureiben. 



5,0 



V. fy 

Ol. Lini 50,0 
Aq. calcar. 25,0 
Liq. Plumbi subaect. 15,0. 
M. f. Linim. D. S. Zum Verbände. 



VI. 



Bf 



Ol. Therebinth. 
Aq. destill, ana 25,0 
Ol. Lini 10,0 
Vi teil. ov. 1. 
M. f. Linimentum. D. S. Zum Einreiben. 



Zum Auftragen von Arzneistoffen auf die äussere Haut, mit der Absiebt, 
dieselbe mit den Medicamenten in länger dauerndem Contact zu erhalten, be- 
dient man sieb in neuerer Zeit öfters des Collodium, welchem man namentlich 
ätzende oder reizende Substanzen in geringem Quantität» -Verhältnisse zusetzen 
kann (so z. I>. 2,0 — 3,0 Bydrargyr. Dichlor, corros. oder 0,5 Ol. Sinapis auf 
25,0 Collodium). - Das Traumaticin, welches in seinen sonstigen Eigenschaften 
viele Analogie mit dein Collodium darbietet und wie dieses als Deckmittel 
benutzt wird, vertrügt derartige Zusätze nicht. 



d. Breiumschlag, Cataplasma. 

Diese grösstenteils der domestikeu Bereitung anheimgegebene Arzneiform 

i>< -teilt aus einer Mischung von testen, meist gröblieh gepulverten Substanzen 
mit Flüssigkeiten zu dünnerer oder dickerer Brei-Oonsistenz. Den 'Typus einer 
solchen Mischung, der auch vorzugsweise als Cataplasma bezeichnet wird, 
bilden die Aii<|iielluiigeii amylumlialtiger Substanzen (Brotkrume, Hafergrütze, 
Roggenmehl, Leinsamen) mit lieissem Wasser oder heisser Milch. Aehnlich 
sind die Kriiiitcrmnsejiliige , welche durch das Anrühren gröblich gepulverter 
Vegetabilien (Fol. Hyoscyami, Crocus, Herb. Meliloti) mit heissem Wasser 
bereitel werden, wozu man immer nur die betreffenden Substanzen in grob 



Breiumschlag. 



65 



gepulverter Form als Species aus der Apotheke verabreichen lässt. Ferner 
gehören hierher die Pastenbildungen aus Honig mit pulverformigen Substanzen 
(früher als Unguenta mellita bezeichnet) und schliesslich der Sinapismus (teig- 
ähnliche Mischung von gestossenem Senf mit Wasser). Anderweitige Vehikel 
für die Cataplasmen, wie z. B. schwarze Seife (die früher zum Kern dl 'sehen 
Cataplasma verwendet wurde), sind ausser Gebrauch gekommen. 

Die Cataplasmen der ersten Categorie wirken im allgemeinen nur durch 
die feuchte Wärme, welche sie an ihrer Applicationsstelle entwickeln. Wo es 
daher nur auf die Anwendung der letzteren ankommt, bedient man sich in 
letzter Zeit vielfach der Cataplasmes instantanes des Dr. Lelievr e. Dieselben 
bestehen aus den in dünnen Platten gepressten und mit einer zarten Zeug- 
schicht überzogenen Blättern einer Fucus-Art, welche wenige Minuten in 
heisses Wasser gelegt zu einer Cataplasma-Consistenz aufquellen. Das Cata- 
plasma wird dann mit einer dünnen Gummitafel überdeckt, um die Wärine 
zurückzuhalten. Sie zeichnen sich durch das stete Zurhandsein, Schnelligkeit 
und Einfachheit der Bereitung und Reinlichkeit aus. Ein Fehler, der hier 
und bei den altgebräuchlichen Cataplasmen häutig in der domestiken Bereitung 
gemacht wird, besteht darin, dass die Cataplasmen viel zu klein gemacht 
werden. Ein wirksames Cataplasma muss mindestens die Grösse eines Bogen 
Schreibpapiers haben (s. auch bei „nasse Umschläge" p. 67.). 

Zuweilen werden die Cataplasmen noch mit Flüssigkeiten imprägnirt, 
welche ihre arzneiliche Wirkung modificiren sollen, so z. B. mit Spiritus cam- 
phoratus, Tinct. Opii, Liq. Plumbi subacetic. u. s. w. Derartige Zusätze werden 
entweder der Gesammttlüssigkeit, mit welcher das Cataplasma angerührt wird, 
beigegeben, oder besser in abgetheilter Dosis auf jeden einzelnen Umschlag 
applicirt. 

Die Cataplasmen werden entweder unmittelbar auf die Haut gelegt, oder 
auf eine Unterlage von weitmaschigem Gewebe (Mull, Tüll, Gaze). Die letz- 
tere Applicationsweise ist die bessere, insofern sie die Haut rein erhält, und 
nach der Wegnahme nicht Partikeln zurückbleiben. 

Die Temperatur, welche den Cataplasmen bei deren Anwendung gegeben 
wird, ist in der Mehrzahl der Fälle die lauwarme, die der Haut nur um einige 
Grad übersteigende. Ueberdeckt man das Cataplasma mit einem impermeablen 
Stoff (Wachstafret) oder mit mehrfach zusammengelegtem Seidenzeug, so hin- 
dert man die rasche Abkühlung und kann den Wechsel des Umschlages sel- 
tener eintreten lassen. 



Beispiele. 



I. 



^ 



Fol. Hyoscyami 

Herb. Conii grossiusc. pulv. ana 10,0 
Farinac Sem. Lim 150,0. 
D. S. Species /.um Ureiumschlagc. Den 
vierten Theil mit Kamillenthce zu einem 
dicken Brei anzurühren und vor jedi ■-,- 
maliger Application 'Ion Umschlag mit 
einem Theelöffel der ad l». verordneten 
Tinctur zu vermischen. 



b. 



S 



D. S. 



II 



Tinct. Opii croc. 20,0 
Zusatz znm Breiumschlag. 



Mcllis 50,0 
Croci pulv. 3,0 
Farinae Sordei <\. s. 
ut f. massa pultacea. I). in olla. Feder- 
kieldick auf Leinwand gestrichen, auf 
die Geschwulst aufgelegt. 



e. Pasten. 

Die Pasten haben die Consistenz eines leicht knetbaren Teiges. Sie 
weiden zum Aetzen in die Tiefe benutzt, und zwar werden sie entweder mit* 

Ewald und Simon, Arznei vcrorrinungglchre. 1". Aufl. - 



üß Pasteii. — Nasse Umschlage. 

kranke Hautstellen, um das Krankhafte zu zerstören und später eine gesunde 
Granulation an dessen Stelle hervorzurufen, applicirt, oder sie dienen zur 
Schorf bildung und langsamen Perforation gesunder Haut, um in der Tiefe 
liegende Abscesse bei messerscheuen Patienten, oder wo die Anwendung des 
Messers aus irgend einem Grunde unthunlich ist, allmälig zu öffnen. Sie be- 
wirken zugleich eine Irritation der Umgebung und führen Adhäsionen zwischen 
der Haut und den darunter liegenden Theilen herbei, wodurch in vielen Fällen, 
z. B. bei Abscessen im Abdomen, die Gefahr des Oeffnens vermindert oder 
beseitigt wird. 

Zu den Aetzpasten werden verwandt: Calcaria usta, Kali causticum, Zin- 
cum chloratum, Acidum arsenicosum u. s. w. (vgl. diese Mittel). Als Consti- 
tuens dient* Sapo, Argilla, Pulv. Althaeae u. a. Man kann auch die Aetzmittel 
in Pulverform verschreiben und zum Gebrauch dann mit ein wenig Wasser 
zu einem Teige anrühren lassen. (Ueber die einzelnen Aetzpasten vgl. den 
speciellen Theil.) 



3. Flüssige Formen. 

a. Nasse Umschläge, Bähungen, Fomentationes, Epithemata. 

Wenn Flüssigkeiten mit einer grösseren oder kleineren Hautfläche in 
einem längere oder kürzere Zeit dauernden Contact erhalten werden, so be- 
zeichnet man diese Procedur als Bähung, Fomentatio, und die dazu verwendete 
Flüssigkeit als Fötus, Fomentum oder Epithema. 

Man benutzt diese Form, theils um durch die Temperatur der Flüssigkeit 
selbst zu wirken (Fomentatio frigid a, tepida oder calida), oder um sie 
zur Trägerin von Arzneistoffen zu machen, aus denen die Flüssigkeit besteht, 
oder welche derselben beigemengt sind (Umschläge von Bleiwasser, aromati- 
schen Infusionen, narkotischen Abkochungen, Auflösungen von Extractivstoffeu, 
Salzen u. s. w.). 

Die Flüssigkeit wird in der Regel durch leinene Compressen, welche mit 
derselben imprägnirt sind, auf den Körper applicirt. Zuweilen bedient man 
sich auch des Bade- oder Feuerschwammes (oder der namentlich früher in 
England gebräuchlichen Spongiopiline). Handelt es sich um lauwarme 
oder warme Umschläge, so müssen die Compressen mit einem Stoffe überdeckt 
werden, welcher die rasche Abkühlung und somit auch das allzu oft wieder- 
holte Wechseln verhindert. Hierher gehören auch die oben (p. 65.) bespro- 
chenen Umschläge in fester Form (Cataplasmes instantanes) und die sogen. 
I'riessnitz 'sehen Binden, bei welchen ebenfalls die feuchte Compresse mit 
einem möglichst impermeablen Stoff (Guttapercha, Guttaperchapapier, festen 
Zeugen etc.) uniwunden bez. überdeckt wird, um die applicirte oder sich bil- 
dende Wärme möglichst lange festzuhalten. - - Sollen kalte Umschläge eine 
geringere Temperatur haben, als die des Brunnenwassers, so erreicht man 
dies cid weder dadurch, dass man Eis in Wasser schmelzen liisst, oder die 
Compresse lungere Zeit hindurch mit Eisstücken in Berührung erhält, oder, 
wo eine intensiv niedrige Temperatur erzielt werden soll, durch gestossenes 

Eis seihst, welches in eine Seliw einshlase oder einen (Jummisack gefüllt wird. 
Wo es an las gebricht, kann man gewisse wärmebindende Kalzauflösungen 
I Natr. sulfuric, Kochsalz. Salpeter, Sc h in uek e r'sche Fomentationen | zur Iler- 
Stellung einer niedrigen Temperatur benutzen. 

Wo die P entation als Trägerin von Arzneistollen dienen soll, wird ent- 
weder die betreffende Flüssigkeit als solche in i\cv Apotheke angefertigt, oder 
08 w erden nur die Stolle, aus denen sie bereitet werden soll, verschrieben 



Umschlage. 



Waschungen. 



67 



und die weitere Procedur (Infusion, Abkochung, Auflösung-) der häuslichen 
Bereitung* überlassen. 

Die von der Hydriatik viel benutzten nassen Ein Wickelungen sind 
Fomentationen mit kaltem Wasser, welche über den ganzen Körper mit Aus- 
nahme des Kopfes gemacht werden und bei kurzer Dauer eine starke Herab- 
setzung der Körper - Temperatur , bei längerer Anwendung eine bedeutende 
Reaction gegen die Haut hervorrufen. Sie werden in der Art vollzogen, dass 
der Körper in ein nasses leinenes Betttuch dicht eingeschlagen und, wenn man 
Schweiss erzielen will, mit einer Wollendecke überdeckt wird. 



Beispiele. 



300,0 



I. I* 

Natr. sulfurici crvst. 

Natrii chlor. 200,0. 
Cont. raisceant. D. S. Einen Theelöffel voll 
in einem Tassenkopf Wasser aufzulösen 
und die Compresse hinein zu tauchen. 



IL fy 

Fol. Malvac 100,0 

Herb. Conii 50,0. 
C. M. f. spec. D. S. Einen Esslöffel voll 
mit zwei Tassen heissen Wassers auf- 
zugiessen und den Aufguss lauwarm 
umzuschlagen. 



III. ty 

Inf. Flor. Chamom. 250,0 
Liq. Plumbi subacetici 20,0 
Tinct. Opii 5,0. 

M. D. S. Gelinde erwärmt zum 
schlaue. 



Um- 



IV. ^ 

Acid. tannici 1,0. 
D. tales. dos. No. 10. S. Je ein Pulver 

in einem Esslöffel Wasser gelöst zum 

Umschlage zu benutzen. 



b. Waschungen, Lotiones. 

Bei der Waschung wird die Flüssigkeit mit der Haut nur in momentane 
Berührung gebracht, so dass sie für die Einwirkung von Arzneistoffen auf den 
Körper eine bei weitem minder geeignete Form darstellt, als die Bähung und 
am häufigsten nur dazu dient, fremde Stoffe von der Haut zu entfernen (des- 
inlicirende Waschungen). In manchen Fällen wird die Waschung benutzt, um 
durch ihre Temperatur zu wirken. Wenn auch für diesen Zweck der Contact 
mit der Haut ein flüchtiger ist, so genügen die kalten Waschungen, nament- 
lich wenn sie mehrmals täglich angewendet werden, doch häufig, um eine 
antifebrile Wirkung hervorzurufen. In letzterem Falle kann man durch eine 
sehr feine tropf bar-flüssige Vertheilung der Flüssigkeit auf der Körperoberfläche 
und die dadurch hervorgerufene grössere Verdunstung eine nachhaltige und 
ziemlich ergiebige (1 — 1,5") Temperaturherabsetzung erzielen. Zu dem Zweck 
empfiehlt Flashar, die Kranken erst in der Bauch- und dann in der Rücken- 
lage aus einem Spray-Apparat mit kaltem Wasser zu bestäuben. Die Procedur 
soll den Kranken sehr wohlthuend, der Erfolg ein 1 — 2 Stunden dauernder 
sein. Auch in denjenigen Fällen, in denen eine rasch \<>rübergehende Ein- 
wirkung auf die Haut durch bestimmte Temperaturgrade oder durch gewisse 
Arzueistoffe den therapeutischen Zweck bildet, und wo man eine schnelle 
Reaction von Seiten der Hautgefässe hervorrufen will, ist die Waschung ange- 
zeigt. (Essig -Waschungen bei Miliaria, Waschungen mit verdünntem Wein oder 
warmem Wasser bei Typhus, kalte Waschungen hei fieberhafter Phthisis u. a.). 

Die Waschungen werden an Kranken am besten dadurch vollzogen, dass 

mai einen mit der Flüssigkeit imprägnirten Schwamm rasch über die Haut 

führt und die zurückgebliebene Nässe mit einem weichen, feinen Leinenstotle 



auftrocknet. In vielen Fällen liegt es jedoch 



im Zwecke der Waschung, 



den medicamentösen Stoff derselben längere Zeil mit der Haut in Berühruni 



68 



Wascliuiio'eli. 



zu lassen, so class man die Flüssigkeit entweder auf der Haut eintrocknen 
lässt, oder das Abtrocknen nur oberflächlich vollzieht. Dies gilt namentlich 
von den sogenannten kosmetischen Waschwässern, deren wirksame Bestand- 
theile: Salzlösungen, Harze, suspendirte Pulver nur dann ihren allerdings sehr 
fraglichen Effect auf die Haut geltend machen können, wenn sie mit derselben 
durch Eintrocknung in längerem Contact bleiben. 

Die Waschflüssigkeiten werden, sofern sie nicht überhaupt durch dome- 
stike Mittel herzustellen sind, entweder vollständig in der Apotheke angefertigt, 
oder man verschreibt den betreffenden Arzneikörper mit der Bemerkung, wie- 
viel davon der jedesmaligen Waschung zuzusetzen sei. 



^ 



Beispiele. 



III 



D. S. 



Kali hypermanganici 1,0 

solve in 
Aq. destill. 100,0 
Einen Theelüffel voll der Waschung 



zuzusetzen. 



IL ty 

Aq. chlorat. 200,0. 
D. S. Einen Esslöffel voll der Waschung 
zuzusetzen. 



Boracis 5,0 
solve in 
Aq. Rosaruin 200,0 

adde 
Tinct. Benzoes 20,0. 
D. S. Abends einen Esslöffel voll dem 
Waschwasser zuzusetzen und die Wa- 
schung auf dem Gesichte, eintrocknen 
zu lassen. 



Häufig werden zu Waschungen pulverförmige Substanzen verordnet (Wasch- 
pulver, Pulver es collutorii), welche in der Regel weniger einen medi- 
camentösen, als kosmetischen Zweck haben, und die namentlich da in Anwen- 
dung kommen, wo die Haut eine grosse Reizbarkeit hat und die Application 
von reiner Seife nicht erträgt. Die Waschpulver wirken vorzugsweise durch 
milde mechanische Friction reinigend auf die Haut. Als gewöhnliches Vehikel 
der Waschpulver dienen Mandelkleie oder feines Weizen- oder Reismehl, denen 
man geringe Quantitäten von Seife, wohlriechenden Gelen und Tincturen, zu- 
weilen Pulv. Rhiz. Iridis, Talcum, fein gepulverten Bimstein u. dgl. zusetzt. 



Farin. Oryzae 50,0 
Tinct. Irid. 
Spir. Jasmin, ana 5,0. 
M. leni calor. exsicca 



Beispiel. 

et adde 
Sapon. medicat. 10,0 
Talci praepar. 25,0. 
M. f. pulv. S. Waschpulver. 



Pur medicamentöse Waschungen bedient man sich häufig der in den Ofti- 
ciiicn meist vorräthig gehaltenen Combinationen von Seife mit verschiedenen 
Arzneistoffen (Sapones medicati); die gebräuchlichsten dieser Verbindungen 
sind: Jod-. Schwefel-, Tannin-, Campher-, Salicyl- und Theer-Seifen (s. unter 
8apo im speciellen Theil). 

Die Abreibungen sind Waschungen, bei denen man neben der Tem- 
peratur des angewandten Mediums atich das mechanische Moment der Friction 
zur Geltung kommen lüsst. Meistens vollzieht man dieselben in der Art, dass 
der obere Theil des Körpers mit einem in kaltes Wasser oder in eine kalte 
Kochsalzlösung getauchten Leintuche umgeben, dieses dann rasch und kräftig 
auf der Sauf hin und her frottirt und Letztere dann mit einem rauhen Band- 
tuche trocken gerieben wird. Die Abreibungen bilden einen starken mecha- 
nischen Reiz ftir die Haut, in Folge dessen die I laiitgelässe sich erweitern 
iiihI stärker mit Blut füllen. Es geschieht auf diese Weise einerseits eine Ab- 
leitung des Blutes von tieferen Theilen nach der Haut hin, wobei die letztere 



Waschungen. — Bäder. ß9 



sich mein* erwärmt, andererseits wird, wenn die Abreibung' mit immer erneutem 
kalten Wasser oder im kalten Bade geschieht, eine grössere Blutgefäss-Ober- 
fläche der abkühlenden Wirkung des kalten Mediums ausgesetzt und dadurch 
die temperaturvermindernde Wirkung desselben erhöht. 

c. Bäder, Balnea. 

Bei den Bädern ist, wie bei den übrigen flüssigen, für die äussere Haut 
berechneten Arzneiformen, entweder die Temperatur des Bades das wirksame 
Agens desselben, oder der Gehalt an Arzneistoffen, welche demselben beige- 
mengt sind. — Ferner ist beim Bade zu berücksichtigen, ob dasselbe für den 
ganzen Körper (mit Ausnahme des Kopfes) berechnet ist, oder für einen 
grösseren oder geringeren Theil desselben. — Ein den ganzen Körper umfas- 
sendes Bad, bei welchem der Wasserspiegel dem auf dem Boden der Wanne 
sitzenden Badenden bis zum Halse reicht, bezeichnet man als Ganz- oder 
Vollbad (Balneum totale s. universale). Die zu demselben erforderliche 
Wasserquantität beträgt für einen Erwachsenen etwa 20 Eimer a 10 Liter; 
Vollbäder für Kinder werden nach der wechselnden Grösse der Badegefässe 
verschiedene, kaum annähernd zu bestimmende Wasserquantitäten erfordern; 
die für Kinder im frühesten Lebensalter gebrauchten Wannen sind mit 2 bis 
3 Eimern zu füllen, während die Wannen mittlerer Grösse 6 bis 12 Eimer 
erfordern. — Ein bis an die Mitte des Leibes reichendes Bad wird als Halb- 
bad, Semicapium, bezeichnet, und erfordert etwa die Hälfte bis zwei Drittel 
der eben genannten Quantitäten. Werden nur einzelne Theile des Körpers 
dem Bade ausgesetzt, so nennt man dasselbe ein Localbad, Balneum topi- 
cum s. locale. Als solche sind am meisten in Gebrauch das Sitzbad, Insessus 
s. Encathisma, das Fussbad, Pediluvium, das Armbad, Brachiluvium, das Hand- 
bad. Maniluvium. Sitzbäder, welche in der Regel in eigens für dieselben ge- 
formten Wannen genommen werden, erfordern 2 — 3 Eimer Badeflüssigkeit; 
Fnssbäder, je nachdem sie bis zum Knöchel, zur Mitte des Schienbeines oder 
bis zum Knie genommen werden, '/ 2 — l f /, Eimer; Armbäder 4 — 6 Liter, 
Handbäder 1 — l 1 /, Liter. 

Ausser den eben genannten Bäderformen werden noch verschiedene andere, 
indess meistentheils nur als Combination mit dem Voll- oder Halbbade zur 
Anwendung gebracht. Hierher gehören: 1) die Uebergiessung (Superfnsio), 
welche in der Regel mit einem Topfe oder Eimer verschieden temperirten 
Wassers vollzogen wird, und wobei es wesentlich auf die Höhe ankommt, von 
welcher herab die Uebergiessung gemacht wird; 2) das Brause- oder Regen- 
ba (1 (Impluvium), eine Combination von mehr oder weniger feinen Wasser- 
strahlen, welche aus der Höhe herabfallen oder mittelst mechanischen Druckes 
auf den Körper geleitet werden. Ist die Wassermasse nicht in viele einzelne 
Strahlen zertheilt, sondern in einen einzigen gesammelt, so bezeichnet man 
sie ;ils Dou ehe- oder Spritz-Bad. 

Je oach der Temperatur des angewendeten Wassers theilt man die Bäder 
in kalte .bis -f 15° R. oder ea. 19° < 'eis. ), kühle (über + 15° bis -f 22° R. 
= 19° bis 27,5° C), laue (über + 22 u bis 27° R. = 27,5° bis 33,75° C), 
warme (über -f 27" bis 32° R. = 33,75° bis 40° C), heisse (über + 32° 
bis 35° R/*= 40° bis ea. I 1" C). 

Die Zeitdauer eines Bades variirl von filnf .Minuten bis zu einer hallten 
Stunde. Kalte und kühle Bäder werden für die gewöhnlichen Zwecke in der 
Regel nur sehr kurze Zeil genommen (meistens nur so lange, bis die durch 

sie beabsichtigte Reaction eingetreten ist und der vermehrte Turgor der Kör- 
peroberfläche sich bemerkbar macht); nur zur methodischen Behandlung der 



70 Bäder. 

typhösen Fieber behufs Temperaturerniedrigung (Brand, Jürgensen, Lieber- 
meister u. a.) dauern sie längere Zeit und kommen nötigenfalls mehrere 
Male an einem Tage zur Anwendung. (Die Temperatur des Kranken wird 
etwa alle 2 Stunden gemessen und das kalte Bad jedesmal wiederholt, so oft 
die Temperatur in der Achselhöhle bis zu einer gewissen Höhe, im Durch- 
schnitt 39 ", gestiegen ist. Unter Umständen ist es zweckmässig, den Kranken 
zunächst in ein lauwarmes Bad von 27" R. zu setzen, und alle 3 — 4 Minuten 
kaltes Wasser zu dem Bade hinzuzufügen, so dass es bis zu 23 — 18" R. all- 
mälig abgekühlt wird (v. Ziemssen). Der Kranke bleibt ca. l / 4 — V* Stunde 
lang im Bade, bis er eine intensive Frostempfindung äussert. Um die tempe- 
raturvermindernde Wirkung des kalten Bades zu steigern, empfiehlt es sich, 
den Körper* im Bade frottiren zu lassen, wodurch eine Erweiterung der Haut- 
gefässe eintritt und in Folge dessen die Abkühlung des Blutes von einer 
grösseren Gefässoberfläche her, demgemäss intensiver erfolgt (Winternitz). 
Das Verweilen in warmen Bädern werde für gewöhnliche Zwecke nie über 
eine halbe Stunde ausgedehnt. Für gewisse Hanterkrankungen, Verbrennun- 
gen etc. hat Hebra, für die Behandlung acuter fieberhafter Krankheiten, be- 
sonders des Typhus abdominalis, hat Biess vortreffliche Erfolge von den 
permanenten lauwarmen Vollbädern gesehen. Die Kranken verweilen 
zu diesem Zwecke Tag und Nacht in eigens dazu eingerichteten oder gewöhn- 
lichen mit einem muldenförmig zur Aufnahme des Kranken über die Wanne 
geschlagenen Leintuch versehenen Wannen, in denen die Temperatur des 
Wassers dauernd nur 1 oder 2" C. unter der Körpertemperatur gehalten wird. 
Verbrennungen bis zu 2. und 3. Grades, Decubitus, Excoriationen, gangränöse 
Geschwüre etc. heilen bei dieser Methode überraschend schnell resp. nehmen 
einen gutartigen Verlauf. In den meisten Fällen von Typhus gelingt es, die 
hohen Temperatursteigerungen ganz zu verhüten und eine annähernd normale 
oder nur von geringen Temperatursteigerungen unterbrochene Curve des Tem- 
peraturverlaufs zu erhalten. 

Für chirurgische Zwecke wurden bis vor kurzer Zeit die permanenten 
Localbäder vielfach empfohlen und mit Vortheil angewendet. Dieselben be- 
stehen darin, dass einzelne Theile des Körpers (Gliedmassen mit Splitter- 
brüchen u. s. w.) Wochen lang in einem stets gleich temperirten topischen 
Wasserbade gehalten werden, welches mit einer Vorrichtung für ununterbro- 
chenen Zu- und Abfluss des Wassers versehen ist. Das unangenehme Auf- 
quellen der Haut an den dem localen permanenten Bade ausgesetzten Gliedern 
Ilisst sich durch einen Zusatz von Kochsalz zum Bade, wodurch die Diffusion 
verringert wird, fast ganz vermeiden. Bei den permanenten Vollbädern hat 
Riess keine Aufquellung der Haut beobachtet, sondern im Gegentheil unter 
Umständen Verschwinden von Anasarka. 

Arzneiliche Zusätze zu Bädern werden entweder unmittelbar der Gesammt- 
fliissigkeit des Bades beigefügt oder vorher, namentlich wo eine vollkommene 
Extraction bewirkt werden soll, mit einer kleineren Quantität Wasser behandelt, 
die dann zu dem Bade hinzugethan wird. 

hie Formen, unter denen ^rzneistoffe als Zusätze für Bäder meistens ver- 
wendet werden, sind: Species (deren im Hanse bereitetes Decocl <n\w Infus 
dem Bade zugesetzt wird;, gröbere oder feinere Pulver (welche man in der 
Regel direct dem Bade zusetzt und durch Umrühren in dem Bade vertlieilt, 
resp. auflöst), Flüssigkeiten (spiritnöse und wässerige Extractionen z. 1>. Fich- 
tennadel- oder Malz-Extract, Säuren, Salzlösungen, Laugen), Seifen (entweder 
.ils Pulver <»der in Form von Schmierseifen). Zuweilen beabsichtigt man, erst 
in der Badeflüssigkeil durch einen chemischen Prozess die Entwickelungen 
desjenigen Stoffes vor Bich gehen zu hissen, welcher ;ils therapeutisches Agens 
wirken soll; in diesem Falle wird der eine Factor dieses Prozesses zunächst 



Bäder. 71 

der Badeflüssigkeit zugesetzt und unmittelbar vor dem Bade der andere (so 
z. B. Kalium sulfuratum und Acidum sulfuricum zur Darstellung von Schwefel- 
bädern). Aehnlich verfährt man in denjenigen Fällen, in denen man Verbin- 
dungen zur therapeutischen Geltung bringen will, welche, präformirt, sich als- 
bald zersetzen würden, und deren Zustandekommen man deshalb erst im Bade 
vor sich gehen lässt (so z. B. kieselsaure Verbindungen, wie sie in den künst- 
lichen Teplitzer Bädern erzeugt werden). 

Das Vehikel der Bäder ist fast ausschliesslich Wasser, nur in seltenen 
Fällen bedient man sich der Milch, der Molken und des Weines. — Die an 
Kurorten gebräuchlichen Moorbäder bestehen aus einer feinkörnigen Moor- 
erde, welche in der Regel längere Zeit hindurch mit Mineralwasser in einem 
die weitere Zersetzung begünstigenden Contacte gelassen wird. Die Schlamm- 
bäder haben die Consistenz eines weichen Cataplasma und combiniren in ihrer 
Wirkung den Effect der feuchten Wärme mit dem der organischen und mine- 
ralischen Substanzen, welche im Moor enthalten sind (Humussäure, Ameisen- 
säure, Schwefelwasserstoff, Eisensalze u. s. w.). 

Die Bereitung und Dosirung der arzneilichen Bäder ergiebt sich aus fol- 
gender Uebersicht der gebräuchlichsten derselben: 

Ameisen-Bäder. Infusum von 300,0 — 750,0 Formic. ruf. contus. dem 
Bade zugesetzt. 

Aromatische Bäder. Ein mehrere Liter betragender Theeaufguss von 
200,0 — 500,0 aus Spec. aromatic, Rhiz. Calam., Flor. Chamomill., Herb. Ma- 
joran., Fol. Menth, pip. dem Bade zugesetzt, oder Spir. Calami, Aq. Coloniensis, 
Spir. Serpylli (50,0—100,0). 

Bouillon - Bäder. Eigentliche Bouillon -Bäder (aus etwa 6 — 8 Pfund 
Rind- oder Kalbfleisch) werden selten verordnet; statt ihrer bedient man sich 
der fälschlich als Bouillon -Bäder bezeichneten Abkochungen aus Hammel- 
füssen (4 — 6 Stück 4 Stunden lang mit 4 Liter Wasser gekocht und dem 
Bade zugesetzt). Diese Bäder sind eigentlich nur Leimbäder mit geringem 
Fettgehalt. 

Eisen-Bäder. Ferrum sulfuricum siccum (50,0 — 200,0), Liquor Ferri 
sesquichlorati (15,0 — 60,0), Ferr. phosphor. oxydatum (etwa 10,0 — 20,0) in 
Acid. phosphor. q. s. gelöst, Tartarus ferratus s. Globuli martiales pulverat. 
(50,0 — 250,0) dem Bade zugesetzt. Um die adstringirende Wirkung der 
Eisenbäder auf die Haut zu mildern, setzt man denselben mit Vortheil Argilla 
(30,0 — 150,0) hinzu. — Vielfach in Anwendung gebracht werden in neuerer 
Zeit die kohlensauren Eisenbäder aus 1 Th. Ferr. sulfur. siccum, 2 Th. Natr. 
chlorat, und 3 Th. Natr. bicarb. bestehend, welche Substanzen in einem Glase 
schichtweise übereinander gelagert dispensirt und zusammen dem Bade zuge- 
setzt werden (pro balneo 150,0 — 200,0 dieses Gemenges). 

Beispiel. 

Ferri sulfurici sicci 

Argillae ana 100,0. 

M. f. pulv. d. fcal. 'Ins. \o. 10. S. Ein Pulver dem Bade zuzusetzen. 

Fichtennadel-Bäder. Die domestike Bereitung dieser Bäder aus den 
Fichtennadeln selbst ist, auch in den Gegenden, in denen das Material in 
Fülle vorhanden ist, kaum auszuführen, da die einfache Abkochung der Sub- 
stanz nicht genügt, um deren K\traetivstolle und ätherische Bestandteile zu 
gewinnen. Man bedient sieh (U^ in den ( Murinen oder in den KichtennadeU 
Kurorten bereiteten Fxtraetes, von dem je nach dem Ooncentrationsgrado 

desselben ' , i Pfund einem Bade zugesetzt werden muss, Wo das Extract 



72 Bäder. 

lediglich durch Abkochen und Eindampfen gewonnen worden ist, ist es nöthig, 
dem Bade noch l / 2 — 1 Theelöffel Oleum Pini sylvestris zuzusetzen. 

Gerbstoff haltige Bäder. Dieselben werden am besten durch directen 
Zusatz von Acidum tannicum bewirkt. Man löst 20,0 — 100,0 in einem Glase 
Wasser auf und setzt dieses dem Bade zu. Minder vollkommen und theils 
viel umständlicher und unsauberer ist die Bereitung der gerbstoff haltigen. Bäder 
durch Abkochung von Cortex Quercus, Salicis, Ulmi (Abkochung von 1 Pfund 
mit 2 — 3 Liter Wasser) oder von Galläpfeln ( l / 4 — 1 / 2 Pfund mit 2 Liter Wasser 
abgekocht) oder durch Zusatz von Gerberlohe. 

Jod- und Jodkalium-Bäder. Wo freies Jod im Bade einwirken soll, 
verordnet man dasselbe mit Jodkalium, Kochsalz oder Mutterlaugensalzen, und 
zwar bis höchstens 7,5 Jod mit 15,0 Jodkalium oder 1 — 3 Pfund Kochsalz 
oder Mutterlaugensalz. Diese Bäder dürfen nicht in Zink- oder Kupferwannen 
gegeben werden. Es ist bei diesen Bädern zu berücksichtigen, dass dieselben 
eine ziemlich starke Entwickelung von Joddämpfen erzeugen, vor denen der 
Patient dadurch geschützt werden kann, dass die Wanne mit einem wachs- 
leinenen Deckel überdeckt wird, in dem nur ein Ausschnitt für den Kopf frei 
bleibt. — Wo nur Jodkalium im Bade zur Geltung kommen soll, ist demselben 
eine Quantität von 50,0 — 120,0 beizusetzen. 

Kleien -Bäder. 1 — 3 Pfund Weizenkleie in einem leinenen Beutel mit 
4 — 6 Liter Wasser abgekocht und das Decoct dem Bade zugesetzt. 

Kohlensäurehaltige oder moussirende Bäder. Bäder mit Ent- 
wickelung freier Kohlensäure lassen sich in verschiedener Weise herstellen, 
am einfachsten und wohlfeilsten aus 1 — 2 Pfund roher Pottasche oder Soda 
mit gleichem Gewicht roher Salzsäure. Hiermit lassen sich zugleich Koch- 
salz-, Eisen- oder andere Bäder combiniren, derart dass man zu den bei diesen 
angegebenen Badeingredienzen noch Pottasche oder Soda mit Salzsäure hin- 
zufügt. Kohlensäurereicher aber auch wesentlich kostspieliger wird das Bad, 
wenn man an Stelle des einfach kohlensauren Kali oder Natron das doppelt- 
kohlensaure Natron benutzt. [Aus diesem letzteren Salz zu 1 Pfund (in einer 
No. 1 signirten Kruke) und 1 Pfund roher Salzsäure (Flasche No. 2) besteht 
»Ins Struve'sche einfach mussirende Bad. Das Struve'sche moussirende 
Kochsalzbad enthält neben dem Natrum bicarbonicum noch 2 Pfund Koch- 
salz; das moussirende Eisenbad ausser den Ingredienzen des einfachen 
moussirenden Bades noch (Flasche No. 3) reines Eisenvitriol, 15 Gramm, ge- 
löst in 222 Gramm Wasser mit etwas Schwefelsäure angesäuert (H. E. Rich- 
ter, Hautz).] 

Langen -Bäder. 50,0 — 250,0 Liquor Natr. caust. oder i / 4 — 1 Pfund 
Pottasche oder '/ a — 2 Pfund krystallisirte Soda im Bade gelöst, Weniger 
zweckmässig ist die Bereitung mit Asche von Buchen- oder Eichenholz, wovon 
2 — 8 Pfund mit einigen Litern Wasser abgekocht werden. 

Leim-Bäder. 1 — 2 Pfund ßolla animalis in kochendem Wasser gelöst 
und dem Bade zugesetzt. 

Malz-Bäder. 4— t; Pfand mit einigen Litern Wasser eine halbe Stunde 
lang gekocht, durchgeseiht und dem Bade zugesetzt oder */ 4 — 1 Pfund Extr. 
Malti zum Bade. 

Mineralsäure-Bäder. 50,0 — 150,0 rohe Salpeter-, Salz- oder Schwe- 
felsänre oder Königswasser zum linde. Auch bei diesen Bädern sind metallene 
Wannen zu vermeiden. 

M ii t terla ngen- Bäder vergl. Soolbäder. 

Salz-Bäder. 3 — 5 — 15 Pfand See- oder Kochsalz zum Bade (vergl. 
Soolbäder . 

Schwefel -Bäder. 50,0 200,0 Kalium Bulfaratum ad balnenm im Bade- 
wasser aufgelöst. Soll <in<' stärkere Entwickelung des Schwefelwasserstoffgases 



Bäder. 73 

erfolgen, so setzt man noch 15,0 — 25,0 Acidum sulfuriciim criiclum hinzu. 
Unter denselben Verhältnissen kann man sich des Calcium siüfuratum crudum 
und des Acidum hydrochloricum crudum bedienen. Um die reizende Einwir- 
kung der Schwefelsäure auf die Haut einigermassen zu corrigiren und um sie 
den natürlichen Schwefelbädern ähnlich zu machen, versetzt man sie oft mit 
Colla animalis ( 3 / 4 — Vi Pfund), welche dem Baregin der natürlichen Schwefel- 
thermen substituirt wird. Elegantere Schwefelbäder lassen sich nach folgender 
Formel zusammensetzen : 

Beispiel. 

Calcii sulfurati crud. 25,0 
Natrii chlorat. 7,5 
Extr. Saponar. 5,0 

F. c. Aq. fönt. q. s. 
Globulus. 

D. tal. dos. quinque. S. Je eine Kugel in einem Bade aufzulösen. 

Diejenigen Schwefelbäder, in denen nicht der Schwefelwasserstoff, sondern 
der Schwefel selbst in feinster Vertheilung als therapeutisches Element zur 
Geltung kommen soll, werden am besten in folgender Weise hergestellt: Man 
löst 50,0 — 150,0 Natrum subsulfurosum im Bade auf und setzt 25,0 — 75,0 
Essig hinzu. 

Seifen-Bäder. % / A — 7- 2 Pfund Sapo domesticus, Sapo aromat. pro balneo 
oder Sapo kalinus dem Bade zugesetzt. 

Senf-Bäder. 100,0 — 250,0 gestossenen Senf zum Bade. 

Sool-Bäder. 1 — 3 Liter Mutterlauge oder 2 — 6 Pfund Mutterlaugensalz, 
wozu noch 2 — 10 Pfund Kochsalz zuzusetzen sind. Die zu den künstlichen 
Soolbädern zuzusetzende Mutterlaugen- und Kochsalzmenge wurde bisher ge- 
wöhnlich sehr niedrig gegriffen, mindestens erheblich niedriger als an den 
natürlichen Soolquellen, bei denen die Anwendung von 15 — 30, ja selbst bis 
zu 50 Pfund Salz zu einem Bade nicht ungewöhnlich ist. Dass zu den künst- 
lichen Bädern so geringe Quantitäten Mutterlauge und Salz meist verordnet 
werden, wird zum grossen Theil durch den theuren Preis derselben verschuldet. 
In neuester Zeit hat man den erfolgreichen Versuch gemacht, das Stassfurter 
Salz als „Badesalz", welches sehr wohlfeil und den Mutterlaugensalzen ähn- 
lich zusammengesetzt ist, in die Praxis einzuführen (Siegmund). Von diesem 
kann man relativ grosse Quantitäten verordnen: 5 — 20 Pfund zu einem Bade 
(1 — 4 pCt. der Badeflüssigkeit, Siegmund). Nötzel in Colberg (Berl. klin. 
Wochenschrift. 1882. No. 31.) sagt: Ein Soolbad unter 2 pCt. verdient kaum 
den Namen eines solchen, eins von 2—4 pCt. ist ein schwaches, von 4 — 6 pCt. 
ein mittelstarkes, von 6 — 10 pCt. ein starkes zu nennen. Das Stassfurter Salz 
enthält als Hauptbestandteile: Chlormagnesium, Chlorkalium, Chlornatrium und 
schwefelsaure Magnesia. 

Sublimat-Bäder. 2,5 — 10,0 Hydrarg. bichlorat. corros. dem Bade zu- 
gesetzt. Man sei mit dieser Verordnung vorsichtig und lasse die jedem ein- 
zelnen Bade zuzusetzende Quantität, in mindestens 12 — 16 Theilen Wasser 
gelöst, gesondert dispensiren. 

Die in neuerer Zeit in Prankreich in Gebrauch gekommenen Bains ä l'hydro- 
fere bestehen aus Vorrichtungen, durch welche die Badeflüssigkeit entweder durch 
Druck einer Quecksilbersäule, oder durch die Einwirkung comprimirter Luft in einen 
dampfförmigen Nebel zerstäubt wird. Die Wirkung dieser Bäder ist noch nicht gc- 
oügend erforscht, jedenfalls isl sie von der der gewöhnlichen Bäder in vieler Beziehung 

shieden. 

Von gashaltigen Bädern werden wesentlich die kohlensäurehaltigen 
benutzt. Man kann ein solches bereiten entweder durch Einleiten von Kehlen- 



74 Bäder. 

säure in das Badewasser, wozu es aber immerhin grösserer und umständ- 
licherer Apparate bedürfte, oder durch Auflösen von doppelt -kohlensaurem 
Natron und allmäligem Zusatz einer Mineralsäure, z. B. der Schwefelsäure. 

Endlich ist noch der electrischen Bäder (farado - galvanisches Bad) 
Erwähnung zu thun, bei welchen der constante oder faradische Strom dem 
Badewasser zugeleitet und so eine Electrisation des ganzen Körpers bewirkt 
wird, indem das Badewasser als Electrode dient. Man benutzt hierzu hölzerne 
Badewannen mit doppelter Wandung, deren innere durchlöchert ist, so dass 
das Wasser zwischen beiden Wänden circuliren kann. In diesen Zwischen- 
raum, also von der Berührung mit dem Körper des Badenden ausgeschlossen, 
sind an mehreren Stellen Kupferplatten eingelassen, welche die Zuleitungs- 
drähte von • der Batterie aufnehmen. Bei Neurasthenie, nervöser Dyspepsie 
und ähnlichen allgemeinen nervösen Zuständen empfohlen. 

Die in den obigen Angaben enthaltenen Quantitäts- Bestimmungen der 
arzneilichen Zusätze sind für Vollbäder für Erwachsene berechnet und zwar 
für Wannen mittlerer Grösse von dem oben angegebenen Inhalt (ca. 200 Liter). 
Für grössere Wannen mit beträchtlicherem Flüssigkeitsinhalt, ebenso für 
kleinere Wannen ist das Mass der zuzusetzenden Medicamente demgemäss zu 
modiriciren. Namentlich bei topischen Bädern, sowie bei Bädern für Kinder 
muss dasselbe nach der hierbei erforderlichen geringeren Wassermenge redu- 
cirt werden, also bei Sitzbädern */«■ — l Ui bei Fussbädern Vi 2 — Vsj ^ei Hand- 
bädern l / 24 — V 16 . — Bei Bädern für Kinder l / 8 — 1 / 4 — V-« 

Exacter wäre es wohl bei der erheblich wechselnden Grösse der ge- 
bräuchlichen Wannen, die medicamentösen Zusätze zu den Bädern nicht so zu 
normiren, dass man die zu einem ganzen Bade nothwendige Gewichtsmenge 
des Medicaments angiebt, sondern vielmehr derart, dass man die Concentration 
der Flüssigkeit festsetzt, d. h. dass zu je 1 Liter Wasser zuzusetzende Ge- 
wichtsquantum bestimmt (Siegmund). Indess bewirkt diese letztere Verord- 
nungsweise mancherlei Unbequemlichkeiten für das Publikum und ist in vielen 
Fällen schwer durchführbar. Auch ist für die meisten medicamentösen Bäder 
eine exaete Dosirung der Concentration nicht von so grosser Bedeutung, dass 
die durch die Wannengrösse bedingten Schwankungen derselben — zumal 
wenn der Arzt auf die ungefähre Grösse und Füllung der Wanne einige 
Rücksicht nimmt — für das Heilresultat ins Gewicht fallen. Nur bei der An- 
wendung sehr differenter Medicamente ist die genaue Concentrations - Bestim- 
mung entschieden vorzuziehen. 



4. Elastisch -flüssige Formen, 
a. Dampfbäder, Balnea vaporis. 

Werden Flüssigkeiten, statt in tropfbarer Form, erst, nachdem sie in 
Dämpfe umgewandelt sind, mit der Haut in Contact gebracht, so bezeichnet 
man dies als ein Dampfbad, und zwar als ein allgemeines, wenn der ganze 
Körper der Einwirkung der Dämpfe ausgesetzt wird, als ein lokales, wenn 
nur einzelne Körpertheile mit den Dumpfen in Berührung kommen. Wie bei 
den flüssigen Bädern, stelll sieh auch bei den Dämpfen entweder die Einwir- 
kung eines gewissen Temperaturgrades als therapeutischer Zweck dar, oder 
man beabsichtigt, dir Dämpfe als Vehikel Pur Arzneistoffe zn benutzen. 

Die Entwicklung von Dämpfen für allgemeine Dampfbäder geschiehl fast 
ausschliesslich in den eigens dazu eingerichteten Anstalten, und zwar so, dass 
Dämpfe aus den Dampi'cntwicklern in die I>a<ieramne geleitel werden, eine 

Methode, welche vor der früheren primitiven, Wasser auf heiese Platten zu 



Dampfbäder. 75 



giessen, den Vorzug hat, dass man den Füllungsgrad der Baderäume besser 
bestimmen und constanter erhalten kann. — Die Vorrichtungen, welche man 
ersonnen hat, um das allgemeine Dampfbad durch domestike Surrogate zu 
ersetzen, sind sämmtlich äusserst unvollkommener Natur und nicht selten mit 
Gefahren in ihrer Anwendung verknüpft, so dass es gerathen erscheint, nur 
in ganz exceptionellen Fällen von häuslichen Dampfbädern Gebrauch zu 
machen und sie dann in der einfachsten Weise dadurch herzustellen, dass 
man den Kranken auf einem Gurtbette lagern lässt, ihn rings mit wollenen 
Decken umhängt, die durch Reifen vom Körper abgehalten werden und den 
Kopf frei lassen; unter das Bett wird eine Wanne mit heissem Wasser ge- 
stellt und die Dampfentwickelung dadurch begünstigt, dass man von Zeit zu 
Zeit glühende Bolzen oder heissgemachte Steine in das Wasser wirft. 

Lokale Dampfbäder stellt man dadurch her, dass man den betreffenden 
Körpertheil mit Decken umhängt und unter diese die Dämpfe aus einem Koch- 
geschirr mit röhrenförmigem Halse oder Trichter-Aufsatz einströmen lässt. 

Besondere Sorgfalt und Vorsicht erfordert die zuweilen in Anwendung 
kommende Procedur, den Körper der Einwirkung von Spiritus - Dämpfen aus- 
zusetzen. Die in der Regel befolgte Methode, unter dem Sitze des Kranken 
ein flaches, mit Spiritus gefülltes Gefäss zu erhitzen, hat durch Entzündung 
der Dämpfe zu wiederholten Unglücksfällen Anlass gegeben; gerathener ist 
es deshalb, die Erwärmimg des Spiritus in einer mit einem röhrenförmigen 
Ansatz versehenen Blechflasche mehrere Fuss vom Patienten entfernt vorzu- 
nehmen und die sich entwickelnden Dämpfe durch ein Kautschukrohr unter 
die den Kranken umhüllenden Decken zu leiten. 

Diejenigen Arzneistoffe, für welche Dämpfe als Vehikel dienen sollen, 
müssen flüchtiger Natur sein, also ätherische Oele, Spirituosen u. dgl. Die 
Application geschieht der Art, dass man die betreffenden Substanzen der 
Flüssigkeit zumischt und diese bis zum Kochen erwärmt, oder die Stoffe, so- 
fern es sich um Vegetabilien in Substanz handelt, mit der Flüssigkeit kocht 
und die dabei sich entwickelnden Dämpfe in der oben beschriebenen Weise 
auf den ganzen Körper, resp. auf einzelne Theile desselben einwirken lässt. 

Beispiele. 



I. R 

Flor. Chamomill. 25,0 
Rhiz. Calami 50,0. 
C. c. in. f. spec. D. S. Die Hälfte mit 
Wasser zu kochen und die sich ent- 
wickelnden Dämpfe als örtliches Dampf- 
bad zu benutzen. 



II. H' 

Mixt, oleoso-balsamic. 20,0. 

D. S. Einen Esslöffcl voll mit einem Liter 
Wasser gemischt zum Sieden zu erhitzen 
und die Dämpfe auf den betreffenden 
Körpertheil zu leiten. 



b. Gasbäder. 

Verschiedene Gasarten (Kohlensäure, schweflige Säure, seifen Schwefel- 
wasserstoff u. a.) werden therapeutisch dazu benutzt, um mit der Haut in 
einen längere oder kürzere Zeit dauernden Contact gebracht zu werden. Die 
Grasbäder werden entweder als allgemeine oder als lokale genommen. Im 
ersteren Falle mus8 die Vorrichtung so getroffen werden, dass die Athemorgane 
vor den Einströmungen <les Badegases geschützt bleiben: eine solche Vorrich- 
tung stellt der Gales'selie Räucherkasten dar, oder eine mit einem fe s tschli es- 
senden Holzdecke] und Ausschnitt für den Hals versehene Badewanne. -Die 
Benutzung von Kohlensäre zu Bädern findet meistens an Kurorten statt, deren 
Quellen mit reichlichem Gehall an diesem Grase ausströmen, es lässt sich je« 



7fi Gasbäder. — Räucherungen. 



doch auch durch künstliche Vorrichtungen die Möglichkeit von kohlensauren 
Grasbädern an allen beliebigen Orten herstellen. 

Die Benutzung der schwefeligen Säure als Badegas findet in der Regel 
im Gal es 'sehen Räucherkasten statt und wird einfach durch allmäliges Ver- 
brennen von Schwefelstücken vermittelt. 

Der Schwefelwasserstoff wird selten für sich allein oder mit atmosphäri- 
scher Luft gemengt, sondern meistens mit Dämpfen gemischt zum Baden be- 
nutzt. Vorrichtungen zu solchen Bädern finden sich in den meisten Schwefel- 
Thermen vor und bestehen in Kabinetten mit durchlöchertem Fussboden, unter 
denen das Thermalwasser hindurchströmt , so dass der Badende sich in einer 
mit Dämpfen und Quellgasen gesättigten Atmosphäre befindet. Künstlich Hesse 
sich dies durch eine Schwefelwasserstoff-Entwickelung (verdünnte Schwefelsäure 
auf Schwefeleisen gegossen) darstellen, deren frei werdendes Gas durch ein 
Gefäss mit kochendem Wasser geleitet wird. 

Auch Sauerstoff in Form von Wasserstoffsuperoxyd ist zu localen Bädern 
bei schlecht eiternden . Wunden und Geschwüren, sowie bei Gangraena senilis 
verordnet worden. 

Erwähnung verdienen bei dieser Gelegenheit die sogenannten türkischen 
oder römischen Bäder, in denen der Körper längere Zeit hindurch den 
Einwirkungen einer zu hoher Temperatur erwärmten Luft ausgesetzt wird, 
und welche mit verschiedenen Proceduren (Massiren des Körpers, Einwirkung 
von Douchen u. s. w.) combinirt sind. 

c. RäUChePUngen, Fumigationes. 

Man unterscheidet zweierlei Methoden des Räucherns : bei der einen wer- 
den die zum Räuchern verwendeten Substanzen direkt der Flamme oder dem 
Glühen ausgesetzt, so dass dieselben ihre chemische Constitution ändern, theils 
mit dem Sauerstoff der Luft Oxydationsprodukte bilden, theils sich zersetzen; 
bei der anderen sollen Stoffe in Dampfform übergehen, resp. sublimiren, ohne 
der Oxydation unterworfen zu sein. Zur ersteren Klasse gehören einerseits 
indifferente Stoffe, meist organische Substanzen, wie z. B. Harze und Zucker, 
welche bei unvollkommener Verbrennung stark riechende (empyreumatische 
oder ätherische) Oxydationsprodukte erzeugen, andererseits sehr differente 
anorganische Substanzen, wie Arsenik und Zinnober, welche in der Glühhitze 
Dämpfe und Gase entwickeln, die sehr intensiv nicht nur auf die äussere Haut 
einwirken, sondern auch resorbirt werden und eine allgemeine Wirkung ent- 
falten. — Zur zweiten Klasse gehören theils Stoffe, welche ätherische oder 
Mildere leicht verdunstende Substanzen (z. B. Jod) enthalten, die durch die 
höhere Temperatur einfach verflüchtigt werden sollen, oder Stoffe, die bei 
einem Indien Hitzgrad sublimiren, wie z. B. Schwefel. 

Die Räucherungen, aamentlich ans harzigen Substanzen und Zucker, 
werden entweder in (U'v Weise vollführt, dass man dieselben in Speciesform 
auf eine Pfanne mit glühenden Kohlen, resp. auf ein rothgltihendes Blech 
streut und den sieh entwickelnden Rauch an die darüber gehaltenen leiden- 
den Korportheile streichen liisst: oder man bereitet aus den zu verwendenden 
Medicamenten unter Zusatz einer geringen Menge Salpeter Trochiscen in 
Form von Räucherkerzchen (Candelae fumales). Diese letztere Form ist 
namentlich in den Fällen nothwendig, in denen differente Stoffe, wie Arsenik 
oilcr Zinnober, welche genau dosirl werden müssen, benutzt werden (siehe 
Beispiel i. 

Die Räucherungen mit denjenigen Substanzen, welche in Dampfform oder 
in siibliniirtein Zustande auf (hm Körper einwirken sollen (Schwefel, Jod), 



Endermatischc Methode. 77 



werden durch Erwärmimg auf einer blechernen Pfanne bewirkt, so dass eine 
Verbrennung der Substanzen und. eine Oxydation nicht stattfindet. 

Man kann nicht nur einzelne kranke Hauttheile den Räucherungen aus- 
setzen, sondern auch den ganzen Körper, gewöhnlich mit Ausnahme des 
Kopfes, so dass die Augen und die Respirationsorgane (wenn man nicht 
gerade auch durch die Inhalationen wirken will) ausserhalb der Rauchatmo- 
sphäre bleiben. Bei Räucherungen des ganzen Körpers werden die Augen 
verbunden und Decken um den Hals des entkleideten Patienten befestigt; 
unterhalb der Decken werden sodann die Dämpfe entwickelt. 

Die neuere Arzneiverordnungslehre hat die Fumigationen , welche früher, 
besonders am Anfange unseres Jahrhunderts, eine ziemliche Rolle spielten, 
mehr und mehr aufgegeben; ob mit Recht, lässt sich kaum entscheiden. Im 
Orient, zumal in Persien, sind dieselben auch jetzt noch ausserordentlich 
häufig im Gebrauch und in hohem Ansehen, und versichern selbst europäische 
Aerzte (z. B. Polak), dass sie sich von der grossen Wirksamkeit derselben in 
vielen Fällen (z. B. von den Merkurräucherungen bei allgemeiner Syphilis) 
auf's unzweideutigste überzeugt haben. 

Als Substitution der Räucherungen wird zuweilen auch die Methode be- 
folgt, dass man den Rauch ausserhalb des Krankenzimmers entwickelt, den- 
selben auf Watte leitet und mit dieser dann die krankhaften Stellen bedeckt 
oder reibt — gewiss eine sehr unvollkommene und wenig wirksame Appli- 
eat ionsweise. 

Beispiel. 

Acidi arsenicosi 0,5 
Hydrarg. sulfurat. rubri 10,0 
Rhizom. Chinae nodos. 40,0. 
M. f. Trochisc. No. VIII. S. Täglich zwei Räucherungen. 
[Persische Methode bei invetcrirter Syphilis.] 



III. Application auf die tieferen Hautschichten, das sub- 
cutane Bindegewebe und die unmittelbar darunter 

gelegenen Theile. 

1. Endermatische Methode. 

Unter endermatischer Methode versteht man die Anwendung von Arznei- 
stoffen auf die ihrer Epidermis absichtlich beraubte Haut, zu dem Zwecke, 
um von dieser Applicationsstelle aus das Eindringen der Arzneistoffe in den 
Organismus zu vermitteln. 

I )ie Procedur, mittelst welcher die Applicationsstelle vorbereitet wird, be- 
steht in der Hegel in der Anlegung eines Vesicators, Abtragung der blasen- 
förmig erhobenen Oberhaut und Offenhalten der Wundstclle (statt dieses Ver- 
fahrens fuhrt man in seltenen Fällen, namentlich wo man rasch Blasenbildung 
erzielen will, eine lokale Verbrennung durch Contact mit einem heissem Me- 
tallstücke [Hammer, Münze] herbei), welche nun regelmässig entweder mit 
einer medicamentösen Salbe verbunden oder mit einem tnedicamentösen Pulver 
bestreut wird. Das letztere Verfahren verdient um deswillen den Vorzug, weil 
<■> eine genauere Dosirung des anzuwendenden Mittels gestattet. 

Die Applicationsstelle wird, wo es sich um Beseitigung eines örtlichen 
Leidens, z. B. einer Neuralgie, handelt, dem leidenden Theile möglichst nahe 



7S Endermatische Methode. 



gelegt ; will man eine allgemeine Wirkung erzielen, so wählt man eine Stelle, 
welche den Patienten am wenigsten genirt (die Magengrube, den Ober- 
arm IL S. W.). 

Die Stoffe, welche für das endermatische Heilverfahren meistens benutzt 
werden, oder richtiger früher benutzt worden sind (da die endermatische 
Methode in letzterer Zeit durch die subcutanen Injectionen mit Recht beinah 
ganz verdrängt ist), sind solche, welche schon in kleinen Dosen eine sehr 
bedeutende Wirkung entfalten, mithin Narcotica und narcotische Alcaloide 
(namentlich Morphium und Strychnin), heftig wirkende Acria (Canthariden, 
Aloe), Nervina (Moschus, Castoreum), Metallsalze (Tartarus stibiatus, Calomel). 
Man wählt, diese Behandlungsweise in denjenigen Fällen, in welchen entweder 
der längere 'Fortgebrauch des Mittels bei innerer Darreichung die Verdauungs- 
organe in ihrer Function wesentlich beeinträchtigen würde, oder wo diese 
Organe sich schon in einem Zustande befinden, der ihren Contact mit diffe- 
renten Arzneisubstanzen ausschliesst , oder einer genügenden Resorption des 
Medicamentes hinderlich ist, oder wo ein unbesiegbarer Widerwille gegen den 
Geruch oder Geschmack eines Arzneimittels den innerlichen Gebrauch des- 
selben unmöglich macht, oder endlich, wo man local auf einen kranken Theil 
direct einwirken will. Bei temporärer Unzugänglichkeit der Verdauungsorgane 
(Anwesenheit fremder Körper in der Speiseröhre) ist die endermatische An- 
wendung brechenerregender Mittel empfohlen worden, aber deshalb unzweck- 
mässig, weil der Eintritt ihrer Wirkung entweder ganz unsicher oder an einen 
zu langen Zeitraum gebunden ist. 

Contraindicirt ist die endermatische Methode bei kranker oder bei sehr 
vulnerabler Haut, wo von der Wundstelle aus sich weitgreifende Erytheme 
auf die Nachbarpartien zu verbreiten pflegen; so ganz besonders bei gewissen 
Constitutionskrankheiten, z. 13. dem Diabetes, dessen Tendenz zu schweren 
Hautgangränen nach geringfügigen Verletzungen bekannt ist. 

Das Verbinden mit der medicamentösen Salbe oder das Einstreuen des 
Pulvers geschieht in der Regel ein bis drei Mal täglich, nachdem die Wund- 
stelle vorher sorgfältig, aber schonend, von Eiter, diphtheritischen Ablagerun- 
gen u. s. w. gereinigt worden ist. Der bleibende Contact des Mittels mit der 
Wunde ist durch einen einfachen Pflasterverband zu sichern. 

Beim Eintritte heftiger Wirkungs-Erscheinungen hat man angerathen, das 
Mittel durch Auswaschen der Wundstelle oder Application eines trockenen 
Schröpfkopfes wieder zu entfernen. Diese Massregeln können jedoch nur dann 
von Nutzen sein, wenn seit der Anwendung des Mittels nur ein sehr kurzer 
Zeitraum verflossen ist; ist aber, was ja nach der Natur der Substanz mehr 
od er minder schnell der Fall ist, schon Resorption eingetreten, so kann von 
einer Entfernung des Mittels durch so mechanische Vcrfahrungsweisen nielit 
mehr die Rede sein, und es ist dann gerathen, ohne weiteres zur Anwendung 
von Antidotis entweder auch auf endermatischem oder subcutanem Wege, oder 
per os überzugehen. 

Bei Verordnung von Salben zur endermatischen Anwendung hat man 
darauf zu sehen, dass der medicamentöse Stoff in der Salbengrundlage mög- 
lichst gleichmässig vertheiH sei. Bei löslichen Stoffen dürfte dies am voll- 
ständigsten durch die Anwendung der (llycerin- oder Vaselinsalbe ermöglicht 
werden, Dm der beim Gebrauche narkotischer Stolle häufig eintretenden Ver- 
heilung der Wundstelle entgegen zu wirken, verbindet man gewöhnliche Salben- 
grundlagen mit ünguentum irritans oder setzt dem CFnguentum Grlycerini einen 
Antlieil Tinctura cantharidum hinzu. 

Da die Applicationsstelle in der Hegel nur von geringer (Jrösse, etwa 



Endcrmatische Methode. ?9 



der eines Zwanzigpfennig- bis Einmarkstückes ist, so wird die Gesammt- 
quantität der Verbandsalbe auf 10,0 — 15,0 zu bemessen sein; die Menge des 
hinzuzufügenden medicamentösen Stoffes wird meistens so bestimmt, dass man 
für die Einzelndosis die doppelte Quantität der innerlich darzureichenden an- 
nimmt. Wollte man also beispielsweise Extr. Belladonnae zur endermatischen 
Anwendung verordnen, so würde sich die jedesmalige Dosis = 0,03 stellen; 
bei jedesmaligem Verbände würde für die Applicationsstelle von der Grösse 
eines Zehnpfennigstückes 0,3 — 0,5 (Grösse einer Erbse) erforderlich sein; 
mithin müssten zu 5,0 Gramm Salbengrundlage etwa 0,3 — 0,5 Extract beige- 
fügt werden. 

Einstreupulver zur endermatischen Anwendung müssen von möglichster 
Feinheit sein. Da die differenteren Stoffe in zu kleinen Dosen gegeben wer- 
den, um für sich ein der Manipulation zugängliches Pulver zu constituiren, 
so werden sie mit indifferenten Arzneistoffen, am besten mit Zucker verrieben. 
Wählt man diesen als Constituens, so gewährt dies den Vortheil, dass er 
sich in dem Secrete der Wundfläche vollständig löst, während er gleichzeitig 
einen gelinden Reiz auf diese ausübt und ihre Verheilung hindert. Dahin- 
gegen sind Pflanzenpulver unlöslich und ballen sich mit dem Wundsecrete 
zu kleinen, ziemlich festen Conglomeraten zusammen; Gummi, das zuweilen 
verwendet wird, hat den Nachtheil, die Wundfläche mit einem klebenden 
Ueberzuge zu bekleiden, welcher möglicherweise der Resorption der Arznei- 
substanz entgegensteht, und befördert überdies die unvollkommene Verheilung 
der Wunde. 

Die Quantität des Constituens muss möglichst gering sein, so dass die 
einzelnen Einstreupulver höchstens etwa 0,3 wiegen. Gerathen dürfte es wohl 
sein, Einstreupulver, in denen stark giftige Substanzen enthalten sind, durch 
eine auffallendere Dispensation (etwa in farbigen Papierkapseln) als für den 
äusseren Gebrauch bestimmt zu bezeichnen. 



Beispiele. 



I. I* 

Extr. Opii 1,0 

Unguenti Glycerini 10,0 

Tinct. Cantharid. 1,0. 
M. f. I nguent. D. S. Dreimal täglich 
eine Erbse gross auf Charpie gestrichen 
zum Verbände der Vesicatorstelle. 



II. ty 

Strychnini nitr. 0,05 

Sacehari albi 2,0. 
M. f. pulv. div. in octo part. aeq. d. in 
Charta coerulea. S. Zweimal täglich 
ein Pulver in die Vesicatorstelle einzu- 
streuen. 



Historische Erwähnung verdienen die zu verschiedenen Zeiten aufge- 
tauchten Vorschläge, die Arzneimittel mittelst Impfung durch Lanzettenstiche 
unter die Oberhaut zu bringen; diese von Lafargue und später von M. Lan- 
genbeck und Honigberger, welcher Impfungen mit Tinct. Quassiae als 
sicheres Präservativmitte] gegen die Cholera rühmte, empfohlene Methode hat 
bis jetzt noch wenig Anhänger gefunden und dürfte sich auch in der Folge- 
zeil schwerlich einer grösseren Verbreitung zu erfreuen haben. Das Verfahren 
ist bei <lcn kleinen Quantitäten, welche der Impl'triiger aufzunehmen vermag, 
nur für äusserst differente Arzneimittel anwendbar und in diesem Falle un- 
zweckmässig, weil es nur eine angenaue Dosirung gestattet. Bei minder 
differenten Arzneistoffen, die zur Entfaltung ihrer Wirkungen grössere (iahen 
erfordern, ist die Impfung vollends irrationell. 



SO Subcutane Injection. 



2. Subcutane Injection. 

Sowohl die endermatische Methode, als ganz besonders die letzterwähnte 
werden durch die hypodermatische Methode mehr und mehr verdrängt. 
Die Methode der hypodermatischen oder subcutanen Injectionen ist 1855 durch 
Alexander Wood in die Therapie eingeführt worden. Sie hat in der Zeit 
ihres Bestehens sich den allgemeinsten Eingang in die ärztliche Praxis aller 
Länder verschafft und sich überall so vollkommen bewährt, dass sie wohl als 
eine der bedeutendsten Errungenschaften der neueren Zeit auf dem Gebiete 
der practischen Medicin angesehen werden darf. 

Das "Verfahren besteht darin, Arzneimittel in genauer Dosirung in das 
Unterhautbiudegewebe einzuspritzen, um mittelst derselben entweder eine locale 
oder eine allgemeine Wirkung zu erzielen. Man benutzt zu diesem Zwecke 
eine kleine gläserne Injectionsspritze (meist die Pravaz'sche oder Luer'sche 
Spritze), an deren Mündung eine zu einer lanzettenförmigen Nadel zugespitzte 
feine silberne Canüle befestigt wird. Auf dem Piston der Spritze befindet 
sich eine genau graduirte Scala, auf der man die Quantität der bei dem 
jedesmaligen Pistonstande in der Spritze enthaltenen Flüssigkeit ablesen kann. 
Einfassung der Spritze und Piston sind meist aus Silber gearbeitet; in neuerer 
Zeit werden sie auch aus Hartgummi angefertigt (Leiter 'sehe Spritze). Das 
Verfahren ist derart, dass man zunächst die Spritze mit so viel der medica- 
mentösen Flüssigkeit füllt, als man dem Organismus einverleiben will; sodann 
sticht man die lanzettenförmige Endigung der Canüle unter Erhebung einer 
Hautfalte in das subcutane Gewebe ein und injicirt langsam durch Herab- 
drücken des Pistons die Flüssigkeit in das Unterhautbindegewebe. Nach Ent- 
fernung der Spritze aus der Haut wird die kleine, durchaus unbedeutende 
und gewöhnlich wenig oder gar nicht blutende Stelle zweckmässig mit einem 
Streifchen Heftpflaster verbunden. Sehr viele Anfänger und selbst Geübtere 
machen den Fehler, dass sie die Canüle der Pravaz 'sehen Spritze zu lang- 
sam und nicht tief genug einstossen. Dadurch wird einmal die kleine Pro- 
cedur etwas schmerzhafter, sodann aber entstehen bei differenteren Mitteln 
(Chinin, Sublimat u. a.) leichter Abscedirungen. Im Gegensatz zu der obigen, 
noch aus der früheren Auflage dieses Werkes hinübergenommenen Angabe, 
pflegen wir keine Hautfalte zu erheben, sondern im Gegentheil die für den 
Einstich gewählte Stelle zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand 
etwas anzuspannen und dann mit der wie eine Schreibfeder gefassten 
Spritze, ähnlich wie man in einen Abscess einstösst, mit kurzem schnellem 
Stnsse die Canüle sofort 5 — 10 Mm. einzutreiben. Besondere Aufmerksamkeit 
ist auf die peinlichste Reinhaltung der Canüle zu verwenden. Wir injiciren 
niemals, ohne Spritze und Canüle vorher mehrmals mit kochendem Carbol- 
wasser ausgespritzt zu haben. 

Sehr wichtig ist eine genaue Dosirung der zu injicirenden Flüssigkeit. 
Hierzu gehört zunächst eine Kenntniss des Rauminhalts der in Gebrauch ge- 
zogenen Spritze. Die verschiedeneu Spritzen variiren in dieser Beziehung 
innerhalb gewisser Grenzen, and es isi deshalb nothwendig, dass jeder Arzt 
den Inhalt seiner Spritze, bevor er dieselbe in Gebrauch zieht, genau abwägt. 
Indessen werden jetzt kaum andere als 1 ('ein. resp. 1 Grm. destillirtes Wasser 
fassende Spritzen, deren Piston in .">() Theile graduirt ist, verfertigt; 1 Theil- 
strieh <nt spricht also 0,02 ('cm. Flüssigkeit. Da im allgemeinen nur kleine 
Arzneidosen zur subcutanen Injection zur Verwendung kommen, so kann man 
10 Grm. Wasser -|- dein Volumen der Arzneisnbstanz = 10 Ccin. rechnen, 

also auch den Inhalt der Spritze, welche mit einer medicamentösen Lösung 

gefüllt ist. ohne weiteres = I (Vm. setzen. Selten sind die in 40 Tlie.il- 

Btriche getheilten, ganz veraltet die sog. Luör 'sehen, 0,8 0,n Grm. destillirtes 



Subcutane Injection. 8l 



Wasser fassenden und in 45 Striche getheilten, wonach übrigens auch jeder 
T heilstrich 0,02 Ccm. entspricht. 

Die subcutanen Injectionen sind indicirt: 

Um durch Resorption eine prompte Wirkung entweder auf einen localen 
Herd oder auf die Centralapparate des Körpers herbeizuführen. In dieser 
Weise werden sie vornehmlich bei spastischen und neuralgischen, oder über- 
haupt schmerzhaften Leiden und bei Schlaflosigkeit, Manie, Delirien, in 
jüngster Zeit auch als Excitantia angewandt, ferner bei Haemorrhagien , In- 
toxicationen (namentlich Curare bei Strychninvergiftung) , Intermittens , bei 
Amblyopien und Amaurosen (Nagel), Aneurysmen, Blutungen innerer Organe, 
Uteruskrankheiten (besonders Myomen und Fibromen) bei parenchymatösen 
Geschwülsten u. s. w. 

Wo es sich um die Hervorbringimg einer örtlichen Wirkung, z. B. 
Beseitigung einer Neuralgie, handelt, wählt man die Einstichstelle dem lei- 
denden Theile möglichst nahe (meistens lässt sich bei Neuralgie ein Punkt 
auffinden, der gegen Druck besondere Empfindlichkeit zeigt; dieser Point 
douloureux ist als passende Einstichstelle zu wählen). Zur Hervorrufung all- 
gemeiner Wirkungen ist die Injectionsstelle beliebig auszuwählen. Wo Wie- 
derholungen nothwendig sind, wechselt man mit der Injectionsstelle. 

Die Mittel zur subcutanen Injection lassen sich vorläufig noch nicht be- 
grenzen. Vorausgesetzt, dass eine Drogue resp. ein Präparat in genügender 
Concentration in Wasser oder Glycerin oder stark verdünntem Spiritus löslich 
und von nicht allzu heftigen örtlichen Reizerscheinungen begleitet ist, steht 
seiner Verwendung zur subcutanen Injection nichts im Wege. Daher die noch 
immer wachsende Menge in Vorschlag gebrachter Mittel. 

Die wichtigsten hierbei in Betracht kommenden Medicamente sind folgende : 

Acidum benzoicum. 1 Theil in 12 Spiritus gelöst, eine volle Spritze 

und, wenn nöthig, mehrere in kurzen Zwischenräumen hinter einander, 

als Excitans und gegen Urämie. (Lösung und Spritze muss vor dem 

Gebrauche leicht erwärmt werden, Rohde). 

Acidum carbolicum. Von einer 1 — 2 pCt. wässerigen Solution werden 

1 — 2 Spritzen injicirt, also 0,01 — 0,04 des Medicaments (zuerst von 

Hueter empfohlen). 

Aconitinum. Von einer Solution von 0,1 in 10,0 Wasser werden 0,2 bis 

0,4 (d. h. 10—20 Theile der Spritze), also 0,002—0,004 Aconitin injicirt. 

A eth er aceticus oder sulfuricus als Excitans bei schwerem Collaps 

zu 1, 2 und mehr Spritzen. Ebenso Spiritus aethereus. 
Apomorphinum hydrochloricum. Solution von 0,1 in 10,0 Aq., davon 
0,5 — 1,0 (25 Theile bis zu einer vollen Spritze), also 0,005 — 0,01 Apo- 
morphin pro dosi als Emeticum. 
Atropinum sulfuricum. Solution von 0,02 auf 10,0 Wasser, von welcher 
0,5—1,0 (demnach 10—25 Theile der Spritze), enthaltend 0,0004—0,001 
Atropin! pro dosi injicirt werden. Ebenso das Atropinum valeriani- 
cum. Die combinirte Anwendung von Atropin und Morphium im Verhält- 
niss von 1 Theil Morphium auf '/m Theil Atropin und weniger ist von 
Nussbauui und Fraignaud empfohlen. Sie sollen die toxischen Effecte 
der Einzelbestandtheile unbeschadet der Gesammtwirkung aufheben. Ge- 
latine Discs mit 0,0] Morphium und 0,0015 Atropin*). 
Camphora. J Theil in 12 Spiritus gelöst, eine volle Spritze pro dosi, 
als Excitans (Rohde). 



*) Gelatine Discs sind kleine, äussersl dünne quadratische Scheiben von Gela- 
tine, welche die entsprechende Dosis des Medicaments beigemischt enthalten und sich 
in wenig Tropfen Wasser anter Erwärmen schnell Lösen. Sie verderben selbst Dach 
jahrelanger Aufbewahrung nicht. Von Sainson vorgeschlagen and in England viel in 
Gebrauch. 

i. .i I ii und Nim ii n, Arzneiverordnuugslehre. in. Auil. G 



82 Subcutane Injection. 



Chininum sulfuricuui und hydrochloricum. 1,0 mit Hülfe einiger 
Tropfen Acid. sulfur. in 10,0 Wasser oder in 1:6 Glycerin (ohne Säure- 
zusatz) gelöst, davon 0,3 — 1,0 (d. h. i / 3 bis zu einer vollen Spritze), 
also 0,03 — 0,1 zur Injection. 

Diese Injectionen rufen häufig Reizerscheinungen, heftige Schmerzen, 
Abscesse etc. an der Einstichstelle hervor. Nach Köbner giebt Chininum 
hydrochlor. 0,15 — 0,25 mit Wasser und Glycerin ana 0,5 (also höchstens 
im Verhältniss von 1 : 4 des Menstruums) beim Erwärmen eine klare 
Lösung, welche, lauwarm eingespritzt, keine Reizsymptome hervorruft. 

Chininum bi sulfur i cum löst sich schon wie 1 : 3 in Glycerin. 

Chininum hydrobromicüm soll die sedirende Bromwirkung mit der 
Chininwirkung verbinden (Gubler). Löst sich beim Erhitzen in circa 
15 Theilen Wasser, in 4 Theilen Glycerin. 1,0 in 6 Glycerin und 4 
Wasser gelöst, so dass die Spritze 0,1 Bromchinin enthält. Von Soulez 
bei Intermittens in Dosen bis zu 0,5 — 1,0 angewendet. 

Weitere Chininsalze, wie Chin. ferro-citricum , bitartaricum , valeria- 
nicum u. s. w. sind empfohlen, aber noch mehr wie die schon genannten 
entbehrlich. 

Chloralum hydratum. 5,0 mit Aq. destill. 10,0. 1 — 5 Spritzen, die 
ungefähr 0,5 — 2,5 Chloralhydrat pro dosi enthalten. Wenig geeignet. 

Coffeinum purum und citricum. 0,1 in Spiritus und Aq. dest. ana 2,5, 
davon 0,5 — 1,0 = V 2 — 1 Spritze, also 0,01 — 0,02 Coffein und mehr 
pro dosi. Discs mit 0,03. 

Coniinum. 0,1 in Spir. dilut. und Aq. destill, ana 5,0, davon 0,1 — 0,2 
der Spritze, enthaltend 0,001—0,002 Coniin. 

Curare oder Woorara. Sehr ungleiches Präparat von sehr verschie- 
dener Löslichkeit. 0,1 in 10,0 Wasser, davon 0,2—1,0 (20—50 Theile 
der Spritze), enthaltend 0,002 — 0,01 Curare. Die Dosis ist nicht genau 
festzustellen und muss sich theils nach der Wirksamkeit des vorher 
.im Thier zu prüfenden Präparats, theils nach dem vorliegenden 
Fall richten. Bei Lyssa hat Offenberg in 4 l / 2 Stunde 0,19, Penzoldt in 
10' 4 Stunde 0,36 Curare injicirt (Berl. klin. Wochenschr. 1882. No. 3.). 

Digitalinum. 0,1 in Spiritus und Wasser ana 10,0; davon 0,2 — 0,6 
(10—30 Theilstriche). entsprechend 0,001—0,003 Digitalin. 

Emetinum. 0,1 mit etwas Acid. sulfuricum in 20 Aq. destill, gelöst; da- 
von 0,5—1,0 = 0,0025—0,005. 

Extra et um Fab. Calabaricae in glyceriniger Lösung (1:60, M. Rosen- 
thal) und in wässeriger Lösung 0,15 : 4,0 (Eschenburg bei Trismus neo- 
natorum zu 1 — 5 Tropfen). Gelatine Discs mit 0,01 Extr. Calab. 

Extractum Opii in Aq. destill, ana gelöst und filtrirt. Dosis der jedes- 
maligen Injection 0,06 — 0,15, enthaltend 0,03 — 0,075 des Medicaments 
(Lebert). 

Extractum Seealis cornuti aquosum (Ergotinum nach Bonjeau, Ergo- 
tiiiiini bis dialysatum). 2,5 mit Spiritus dilut. und Glycerin] ana 5,0, 
7, — 1 ganze Spritze zu injiciren. Mehr empfiehlt sich das Ergotinum 
dialysatum ad injeetionem (Berg), rein oder mit Wasser (1 : 4) verdünnt 
zu 0,2 0,6 (>n> dosi. Von Dragendorff ist eine Sohlt, acid. sclerotinici, 
welche das wirksame Princip des Secäle cornut. enthalten soll, in den 
Handel gebracht. 0,04—0,05 in 0,2—0,25 Wasser. 

Perrum oxydatum dialysatum, Perrum albuminatum, peptona- 
t ii in etc. Eisenpräparate empfehlen sich wegen ihrer Schwerlöslichkeit, 
ihrer localen Irritation und weil meist ein chronischer Gebrauch der- 
selben benöthigt, oichl zu subcutanen Lnjectionen. Auch das von Hu- 
guenin empfohlene Perrum pyrophosphor. c. Ammon. citrico hat sich 
uns nicht bewährt. Es ist überdies sein- leicht zersetzlich. 



Subcutane Injection. 83 



H y d r a r g yrum bichloratu m (c o r r o s i v u m). 0.25 in 25,0 Wasser gelöst, 
den Inhalt einer Spritze auf zwei Injectionsstellen vertheilt, 1 — 2 Mal 
täglich zu injiciren (Lewin). 0,25 in 15,0 Wasser gelöst; davon 0,3 — 0,6 
(0,005 — 0,01 Sublimat) pro dosi (A. Eulenburg). Empfohlen wird die 
Quecksilberalbuminatlösung nach v. Bamberger und das lproc. Hydrar- 
gyrum peptonatum. Sehr gelobt wird (Lassar) die Verbindung einer 
lproc. Sublimatlösung mit 3proc. Chlornatrium (Stern). Das wesent- 
lichste Erforderniss bei allen subcutanen Quecksilberinjectionen ist die 
peinlichste Desinfection und Sauberkeit der Spritzen und Canülen und 
ein bis durch die Fascie in die Muskelsubstanz gehender Einstich. Ge- 
latine Discs = 0,004 Sublimat. 

Hydrargyrum bijodatum gelöst in einer Solutio Kalii jodati (A. Martin). 
Etwa Hydrarg. bijod. 0,25, Kalii jodat. 2,5, Aq. destill. 25,0; davon 
eine halbe bis zu einer vollen Spritze pro dosi = ca. 0,005 — 0,009 des 
Medicaments. 

Liquor Ammonii anisati, pure, s / 4: — 1 Spritze voll, als Excitans. (In 
jede Extremität den vierten Theil injicirt. Zülzer). 

Liquor Kalii arsenicosi. Mit 2 — 3 Theilen Wasser verdünnt, in Einzel- 
dosen zu 0,15 — 0,2 der Solut. Fowleri. Sowohl zur Erzielung einer all- 
gemeinen Wirkung (Chorea, Tremor, Neurosen, Eulenburg), als auch 
zur Erzielung örtlicher Effecte bei malignen Neubildungen empfohlen. 

Morphinum aceticum oder Morphinum hydrochloricum. 0,1 in 
Aq. destill. 5,0 gelöst; davon 0,3 — 0,5 — 1,0 (also Morphinum 0,006 bis 
0,01 bis 0,03), cl. h. i / t bis zu einer vollen Spritze pro dosi. (Will man 
in Ausnahmefällen grössere Dosen verwenden, so mache man die Lösung 
concentrirter.) Wässerige Morphiumlösungen unterliegen leicht einer 
Schimmelbildung. Solche getrübte Lösungen durch Filtriren zu reinigen 
und brauchbar zu machen ist ganz zu vermeiden, weil durch das Fil- 
triren und die dabei statthabende Absorption des Filterpapiers die Do- 
sirung ungenau wird. Empfohlen wurde, statt des reinen Wassers das 
Camphorwasser zu benutzen. Wir haben dabei dieselbe Pilzbildung auf- 
treten sehen. Besser ist es, das Wasser durch Glycerin zu substituiren 
und Lösungen von 1 : 10 bei gelindem Erwärmen anzufertigen, die man 
durch Zusatz von Wasser ana verdünnen kann. R Morphii hydrochlorat. 
oder acetic. 1,0 calefiat c. Glycer. pur. 10,0; sohlt, perfect. adde aq. 
dest. 10,0. Hiervon entspricht 0,1 — 0,6 Ccm. den obigen Dosen. Ge- 
latine Discs zu 0,01 Morphium. 

Nicotinum. 0,02 in 5,0 Wasser gelöst; davon 0,25 (12% Spritzentheile) 
= 0,001 Nicotin injicirt (Erlenmeyer). 

Pilocarpinum muriaticum. 0,2 in 10,0 Wasser; davon 1 Spritze = 
0,02 Pilocarpin. 

Spiritus aethereus. 1 — -2 Spritzen, auf die vier Extremitäten vertheilt, 
als Excitans (Zülzer). 

Strvclini niiin sulfuricum oder nitricum. 0,1 in 10,0 Wasser gelöst; 
davon 0,15—0,3—0,6 (7—15—30 Thcilc der Spritze), also 0,0015 bis 
0,003 bis 0,006 Stryeliiiin, zu jeder [njection. 

Tinctura Cannabis indicae mit Wasser ana; davon 0,3 — 0,70 (15 bis 

35 Theile) pro Lnjectione (A. Eulenburg). 
Tinctura Opii. ( »."J"> -0,6 (10 — 30 Theile der Spritze) ohne weitere 

Beimischung. 
Ye rat ri n um. 0,05 in 5,0 Spir. dilut. und 5,0 Aq. destill, gelöst; davon 

0,25 0,6 (10— 30 Theilstriehe), enthaltend 0,001— 0,003 Veratrin; zur 

[njection wenig geeignet. 

6* 



S4 Subcutane Injection. — AppÜcation auf die Schleimhäute. 

Zweitens kommen die subcutanen Injectionen zur Verwendung, um local 
an irgend einer Stelle im Unterhautbindegewebe eine Reizung herbeizuführen 
und dadurch ableitend zu wirken (parenchymatöse Substitution nach 
Luton). Luton empfiehlt zu diesem Zwecke Kochsalz, Alkohol, Tinct. Jodi, 
Tinct. Cantharid., Cuprum sulfuricum, Argent. nitric. u. a. 

Drittens wird die hypodermatische Methode in neuester Zeit zur Zer- 
störung von Neubildungen benutzt. Verwandt werden hierbei folgende 
Mittel: 

Acidum aceticum. 1 Theil der Säure mit 5 Theilen Wasser verdünnt; 

davon 1 — l'/ 2 Spritzen voll (ca. 1,0 — 1,5 in die Geschwulst zu injiciren 

(Broadbent). 
Acidum carbolicum s. o. Bei Osteochondromen (Hueter), Naevi (Bradley), 

Milztumoren (Mosler). 
Arg ent um nitricum. 0,1 auf 200,0 — 300,0 Aq. destill. Mehrere Spritzen 

voll werden in die Geschwulst injicirt, und unmittelbar nachher wird 

eine gleiche Menge Solutio Natrii chlorati 0,1 ad 100,0 Aq. destill. 

nachgespritzt (Thiersch). 
Jod. 6 Tropfen bis zu einer vollen Spritze Tinct. Jodi unverdünnt bei 

Strumen und chronischen Lymphdrüsenschwelluiigen zu injiciren (Lücke). 

Statt der Jodtinctur kann auch eine Jod-Jodkaliumlösung (etwa Jodi 0,5, 

Kalii jod. 2,5, Aq. 50,0), die weniger schmerzhaft ist, injicirt werden. 

In jüngster Zeit wird auch submucöse Injection gegen Hypertrophia 

tonsillarum empfohlen, entweder Sohlt. Kalii jodati (1 : 50, Jakubowitz) 

oder Jod-Jodkaliumlösung (Jodi 0,12, Kalii jodat. 2,5, Aq. 30,0, Rumbold) 

oder Jod-Grlycerin (1 — 2 Jod ad 100 Glycerin, B. Fränkel) oder reine 

Jodtinctur (einige Tropfen). 

Auch als Jodglycerin und Jodöl verwendet. 
Pepsinum in Lösung, gleichfalls von Thiersch und Nussbaum versucht. 
Spiritus vini. l / 2 — 1 Spritze, gegen Struma (Schwalbe). 
Tartarus stibiatus. 0,4 in 10,0 Aq. destill, gelöst; einige Tropfen zur 

Injection. (Bei Balggeschwülsten der Kopfhaut, v. Kraftt-Ebing.) 
Zincum chloratum. Von dem an der Luft zerflossenen Salze werden 

1 — 5 Tropfen injicirt (Eichet). 

Die Versuche von Menzel und Perco, die subcutanen Injectionen mög- 
licherweise zur Einverleibung von Nahrungsmitteln nutzbar zu machen, 
indem Fette, Milch, Eidotter, frisches Blutserum u. a. vom subcutanen Gewebe 
aus resorbirt werden, haben sich nicht bewährt, weil die Menge des dem 
Körper auf diese Weise beizubringenden Nährstoffes viel zu gering ist, um 
den gewünschten Erfolg auf die Ernährung zu haben. 



IV. Application auf die Schleimhäute. 

Die Schleimhäute bilden ein sein- empfängliches Receptions-Org.'in für die 
Anwendung von Arzneimitteln und vermitteln deren Resorption meistens in 
sehr rascher und vollständiger Weise. Es ist deshalb im allgemeinen zu be- 
merken, dass bei dieser Applicationsweise der Begriff der „äusserlichen Medi- 
cation", sofern derselbe sieh auf ein stärkeres und sorgloseres Dosiren der 
Arzneimittel bezieht, wegfällt, vielmehr deren Gabe mit gleicher Vorsieht ab- 
zumessen ist, wie bei der inneren Darreichung, und in den meisten Fällen die 
Gabengrösse der letzteren nicht zu Überschreiten, in einigen Fällen kaum /u 
erreichen sein dürfte. Es hat dies letztere namentlich für diejenigen Schleim- 
hautstellen Geltung, von denen aus erfahrungsgemäss die Resorption mit be- 
sonderer Leichtigkeit erfolgt (Mastdarm!. 



Application auf die Schleimhaut der Augen. 85 



1. Application auf die Schleimhaut der Augen. 

Die für die Conjunctiva palpebrarum und bulbi bestimmten Arzneimittel 
werden derselben in flüssiger, seltener in Pulverform zugeführt, oder es wer- 
den dünne, mit der bestimmten Dosis des Arzneimittels — besonders Atropin, 
Duboisin und Eserin — imprägnirte Gelatineplättchen (Lamellen), die, vorher 
in Wasser getaucht, sich leicht resorbiren, auf die Innenfläche des inneren 
Augenlides eingelegt (Almen). Diese Darreichung hat den Vorzug grösserer 
Genauigkeit der Dosirung, eignet sich aber wegen der damit immerhin ver- 
bundenen Reizung mehr zum einmaligen wie zum dauernden Gebrauch. Ausser- 
dem wird die Schleimhaut der Augen nicht selten mit Aetzmitteln in Substanz 
behandelt. 

Die flüssigen Arzneimittel theilen sich in solche, welche in genau abge- 
messenen Quantitäten auf die Conjunctiva gebracht werden, und solche, welche 
in grösseren Mengen als Wasch- oder Umschlagmittel Verwendung finden, und 
von denen nur ein geringer Antheil auf die Conjunctiva selbst übergeht. 

Bei den ersteren, den Augentropf wässern (Guttae ophthalmicae , In- 
stillationes), wird entweder eine locale (ätzende oder adstringirende) Wirkung 
auf die Conjunctiva beabsichtigt, oder es soll dieselbe als Vermittelungsorgan 
für die Ueb ertragung der Arznei Wirkung auf die Pupille dienen (Mydriatica 
und Myotica). 

Die Mittel, die hierbei zur Anwendung kommen, sind sämmtlich diffe- 
renter Natur, so dass die für die Lösung berechnete Dosis eine sorgfältig 
erwogene sein muss. 

Die Anwendung geschieht in der Art, dass man entweder eine Anzahl 
von Tropfen von einem feinen Pinsel, von einem Glasstäbchen oder Glasröhr- 
chen (mit Kautschuk - Aufsatz) auf die Bindehaut des herabgezogenen unteren 
Augenlides oder in den inneren Augenwinkel fallen lässt. Soll eine bestimmte 
Stelle der Bindehaut getroffen werden, so ist es am zweckmässigsten , die 
Flüssigkeit unmittelbar mit einem Pinsel aufzutragen. 

Die Gesammtquantität eines Angentropfwassers wird bei der geringen 
Menge der jedesmal zu verbrauchenden Gabe immer nur eine sehr beschränkte 
sein und sich auf etwa 5,0 — 20,0 belaufen dürfen. Die bei jeder einzelnen 
Application verwendete Dosis beträgt 1 — 5 Tropfen; eine grössere Quantität 
zu appliciren ist unmöglich, da die Capacität der Applicationsstelle dies nicht 
zulässt. 

Augenwaschungen und Augenbähungen, gewöhnlich als Augen- 
wässer, Collyria, bezeichnet, sollen durch ihre Temperatur und ihren Ärznei- 
gehalt wirken. Bei der Anwendung von Flüssigkeiten in der eben genannten 
Form wird die Schleimhaut des Auges selbst nur von einer sehr geringen 
Menge der Flüssigkeit, die sich auf den inneren Augenwinkel oder die Con- 
junctivalränder überträgt, getroffen, so dass diese Form, wo es sich um arznei- 
liche Zwecke handelt, nicht als eine zweckmässige gelten kann, indem die zur 
Einwirkung kommende Dosis nicht vom Willen des Arztes, sondern von zu- 
fälligen Bedingungen bestimmt wird. Man dürfte deshalb die Collyrien eigent- 
lich mir als Träger bestimmter Temperaturen verwenden oder als Vehikel für 
solche Arzneimittel, welche flüchtiger Natur sind, und bei denen deshalb ein 
Eindringen in das Auge durch die Evaporation des Mittels ermöglicht wird, 
oder schliesslich :ils Vehikel für diejenigen Mittel, die nur auf die Augenränder 
zu wirken bestimmt sind. 

Augenwässer werden in Gesammtquantitäten von 100,0 -250,0 verordnet, 
mit der Massgabe, dieselben in annähernd bestimmten EiUzelndosen als 
Waschung oder Umschlag zu verwenden; in der Kegel lässt man stark mit 
dem Augenwaseer befeuchtete Compressen über dem Auge ausdrücken, resp, 



86 



Aujrenwässi r. 



auf dasselbe legen und in letzterem Falle nach dem Eintrocknen wechseln. 
Soll dem Augenwasser eine bestimmte Temperatur ertheilt werden, so ist dies 
auf der Verordnung zu bemerken. 

Nicht selten werden Augenwässer in feinem Strahle und von massiger 
Fallhöhe auf das Auge geleitet, um mit der Temperatur des Augenwassers, 
resp. seinem medicamentösen Gehalte auch die Einwirkung eines mechanisch 
erregenden Momentes zu verbinden. Solche Augendouchen werden mit 
einer feinen Injections- Spritze oder besser dadurch bewirkt, dass man aus 
einem hoch angebrachten Reservoir mittelst eines beweglichen Schlauches einen 
continuirlichen Wasserstrahl auf das Auge leitet. 

Die früher öfters verordneten Augenbäder, welche in eigens zu diesem 
Zwecke geformten kleinen Porzellanwännchen genommen wurden, sind wegen 
der mühsamen Procedur, die sie bedingen, und wegen der Unvollkommenheit, 
in der sie das Auge berühren, gänzlich ausser Gebrauch gekommen. — In 
neuester Zeit sind dagegen die Pul verisations- Apparate (s. unten) viel- 
fach zur Irrigation der Augen benutzt worden. 



Beispiele. 



I. I* 

Argent. nitr. fus. 0,02 

solve in 
Aq. destill. 10,0. 
D. in vitr. nigro. S. Dreimal täglich drei 
bis vier Tropfen ins Auge zu bringen. 



IL Bf 

Atropini sulfurici 0,05 

solve in 
Aq. destill. 10,0. 
D. S. Täglich zweimal einen Tropfen ins 
Auge zu bringen. 



III. 



Iv 



Inf. Fl. Chamomill. (c 10,0) 100,0 

in quo solve 
Plumbi acetici 0,5 

adde 
Tinct. Opii 2,5. 
D. S. Leicht erwärmt zum Umschlage auf 
das Auge. 



IV. 



Efe 



D. S 



Hydrarg. bichlor. corros. 0,2 

Aq. Foenicul. 
„ Rosar. ana 100,0. 

Compressen mit der Flüssigkeit be- 
feuchtet am inneren Augenwinkel aus- 
zudrücken. 



V. Iy 

Mixtura oleoso-balsam. 25,0. 
D. S. Einen Theelöffcl voll mit einem 

Glase Wasser gemischt zur Augen- 

douche. 



VI. Bf 

Lamellae Eserini sulfur. (Calabarin). 
l / 2s Milligr. enthaltend. 



VIL Iy 

Lamellae Atropini sulfur. 
m; 

/25 



Eine gebräuchliche Form zur Application von Medicamenten auf die 
Schleimhautflächen des Auges sind die Augensalben, Unguenta ophthal- 
mica. Als Bedingung für diese Form gilt, dass die Mischung der medicamen- 
tösen Stoffe mit der Salbengrandlage s<> sorgfältig und gleiehmässig als möglich 
vollzogen werde, dass ferner die Salbengrundlage eine tadellose Beschaffen li ei t 
habe und nichl durch ihr chemisches Verhalten Zersetzung des Medicamentes 
(»der eine unerwünschte reizende Einwirkung auf die Augenschleimhaut herbei- 
führe. .In dieser Beziehung dürfte das Unguentum G-lyeerini und das Vaselin 
mehr als irgend ein anderes Constituens allen Anforderungen entsprechen, und 
wird dasselbe deshalb von vielen Ophthalmologen auch fast ausschliesslich mIs 
Vehikel benutzt. Es gewähren die mit Ung. Grtycerini bereiteten Augensalben 
den Vortheil, dass alle in Wasser löslichen Salze, sowie alle Extracte in der 
Salbe in vollständiger Lösung, also in der gleichmässigsten Vertheilung sich 
befinden, d.-iss ferner die Salbe sich mit dem Secrete der Augenschleimhaut 

und mit den Tliränen mischl und über die ganze Oberfläche der Conjimctiva 

gleiehmässig vertheilt wird. Bei Verordnung von sehr differenten Mitteln, wie 



Augcnsalben. — Augenstreupulver. 



87 



sofern sie der Anwendung des Patienten selbst über- 

sie in Salbenform zu ver- 



bei weitem zweckmässiger, 



Verordnungs- 
ausge- 



z. B. Atropin. sulfur. , 

geben werden, ist es 

abreiclien, als in Augentropfwasser , da bei der ersteren 

weise jede gefährliche Eventualität und jeder Missbrauch des Mittels 

schlössen ist. 

Die in Augensalben verordneten Substanzen sind dieselben, welche in 
Augentropfwässern ihren Platz finden, nur dass in den Salben auch unlösliche 
Metallverbindungen, welche von den Wässern ausgeschlossen sind, untergebracht 
werden können. Die Dosis der den Augensalben einzuverleibenden Medicamente 
werde eben so vorsichtig, wie bei den Augenwässern gegriffen; rathsam ist 
es, wenn Ungt. Glycerini als Salbengrundlage gebraucht wird, nur die Hälfte 
der gewöhnlichen Dosis zu verordnen. 

Die Gesammtquantität einer Augensalbe werde, mit Rücksicht auf die 
Kleinheit der Einzelgabe und auf die Notwendigkeit , diese Salbe immer in 
frischer und tadelloser Qualität anzuwenden, immer nur auf 5,0 bis 10,0 be- 
messen. — Die Einzelgabe wird nach den bei Salben im allgemeinen er- 
wähnten Grössenbestimmungen gegriffen, meistens Stecknadelknopf-, Linsen- 
bis Erbsengrösse. 

Die Application der Augensalben geschieht am besten der Art, dass man 
die verordnete Quantität mittelst eines feinen Pinsels auf die Innenfläche des 
herabgezogenen unteren Augenlides aufträgt, dann das Auge schliessen lässt 
und durch sanftes Hin- und Herreiben der Augenlider über dem Bulbus die 
g'eichmässige Vertheilung der Salbe bewirkt. Soll die Salbe nur die Lidränder 
treffen, so wird dieselbe mittelst der Fingerspitze vom 
nach dem inneren hin eingestrichen oder sanft eingerieben, 
bezeichnet man oft als Augensalben solche, welche in der Nähe des Auges 
und in der Absicht, auf dasselbe zu wirken, eingerieben werden, so die 
Schläfen- und Stirnsalben. 



äusseren Augenwinkel 
Uneigentlich 



Beispiele. 



I I* 

Atropini sulf. 0,05 
Ungt. Glycerini 6,0. 
flisce exactissime, f. ungt. D. S. Zweimal 
täglich einen Stecknadelknopf gross auf 
die Innenfläche des unteren Augenlides 
zu bringen. 



IL H' 

Opii 0,1 

ope Aq. dcst. 

in pult, homogen, redact. adde 
Hydrarg. chlorat. mit. 0,25 
Ungt. cerei 7,5. 
M. f. ungt. D. S. Morgens und Abends 
eine Linse gross in den Lidrand einzu- 
reiben. 



Einige wenige Substauzen werden als Augenstreupulver (Pulvis insper- 
sorius ophthalmicus) in der Art benutzt, dass dieselben, aufs feinste gepulvert, 
mittelst eines trockenen Pinsels auf die innere Augenlidfläche oder auf die 
Conjunctiva bulbi aufgetragen werden; die Methode, sie aus einer Federspule 
einzublasen oder mit den Fingern einzustreuen, ist unzweckmässig, weil man 
es dann nicht in der Gewalt hat, die beabsichtigte Applicationsstelle genau zu 
treffen. Gewöhnlich lässt man nach der Application das Auge schliessen und 
später reinigen. — ■ Die für diesen Zweck verwendeten Substanzen sind meistens 
Hydrargyrum chloratum mite, Hydrargyrum oxydatum rubrum, Argentum ni- 
tricum, AI innen; in der Regel werden diese Stoffe rein oder mit einem Beisatze 
von Zucker angewendet. 

AU Aetzmittel in Substanz bedient man sich der Stifte aus Cuprum 
sulfuricum oder Argentum nitricum, welches letzlere auch in verschiedenen 
Vermischungen mil Kali aitricum zur Anwendung kommt. Zum Aetzen der 



Fhränenwege 



Argentum nitricum überzogen, 



»enutzt man feine Metallsonden oder 

lesji. getränkt sind. 



Darmsaiten, welche mit 



88 Application auf die Schleimhaut der Nase. 

Die Anwendung von Medicamenten in elastisch - flüssiger Form verdient 
schliesslich Erwähnung. Dieselbe besteht darin, dass man entweder die Dämpfe 
heisser aromatischer Theeaufgtisse an das Auge leitet, oder flüchtige Sub- 
stanzen in der Hand verreibt und nahe dem Auge verdunsten lässt. Auch die 
Anwendung von Kissen, mit aromatischen Kräutern, Campher u. dgl. gefüllt, 
dürfte hierher gehören. In einigen Kurorten sind Vorrichtungen getroffen, 
um die sich entwickelnden Gase an das Auge zu leiten. 

2. Application auf die Schleimhaut der Naee. 

Bei Krankheiten der Nasenhöhle werden Medicamente am häufigsten in 
flüssiger -Form local applicirt. Die einfachste, aber selten zweckmässige 
Methode besteht darin, dass man die medicamentöse Flüssigkeit aus der 
Handfläche oder einem flachen Gefässe einfach in die Nase hinaufziehen lässt. 
Mehr zu empfehlen ist die Injection der Flüssigkeit mittelst einer kleinen 
Spritze. Bei weitem am zweckmässigsten jedoch ist die Anwendung der 
Nasen douche (nach Weber), indem vermittelst derselben sowohl die vorderen, 
als die hinteren Nasenhöhlen von dem Medicamente durchspült und mit dem- 
selben in Berührung erhalten werden. Die Weber'sche Nasendouehe besteht 
aus einem langen Schlauche, in dessen eines Ende ein olivenförmiges Ansatz- 
stück zum Hineinstecken in die Nase eingefügt ist, und dessen anderes Ende 
an eine durchbohrte Metallscheibe befestigt ist. Letztere wird in das die 
medicamentöse Flüssigkeit enthaltende Gefäss, welches in einiger Höhe auf- 
gestellt wird, gesetzt; darauf wird die Flüssigkeit am Nasenstück angesogen 
und dieses sodann in eines der Nasenlöcher gesteckt. Da es häufig unappe- 
titlich und ekelhaft oder des in Anwendung zu ziehenden Medicamentes wegen 
unmöglich ist, die Flüssigkeit in der eben beschriebenen Weise anzusaugen, 
tlmt man besser, den Schlauch vorher durch Eingiessen oder Einlegen in die 
medicamentöse Flüssigkeit zu füllen, oben und unten mit den Fingern abzu- 
klemmen und dann in der geschilderten Weise einzuführen. Die Heberwirküng 
hat dann ebenfalls statt. Am zweckmässigsten bedient man sich aber eines 
mit der Flüssigkeit gefüllten und dem entsprechenden Ansatz versehenen Irri- 
gators. Am meisten zu empfehlen aber ist die Injection der Flüssigkeit ver- 
mittelst besonderer Apparate. Es werden verwandt Stempelspritzen, ca. 100 Gr. 
haltend, und Gummiballons mit Doppelventil, die sog. englische Spritze. Man 
injicire stets erwärmte Flüssigkeit und benutze zur Injection das engere Nasen- 
loch. Die Flüssigkeit fliesst theils durch das andere Nasenloch, theils durch 
die Choanen und die Mundhöhle ab. 

Man benutzt zu den Injectionen und zur Nasendouehe: Wasser, Infusa 
\<»n Chamillen, Flieder u. dgl., hauptsächlich aber Lösungen von Kai. chlo- 
ricum (15 — 50:1000, Michel), Kochsalz, Salmiak, Alaun, Tannin, Liquor 
Ferri sesquichlorati, Borax, Natrium carb. (letzteres ist hauptsächlich bei 
trockenen Nasenkatarrhen, sowie bei Krustenbildung in der Nase von vorzüg- 
licher Wirkung, Waidenburg), Borsäure, Salicyl- und Carbolsäure, ungefähr 
in der Dosis von l.o zu loo.O Aqua destill. (0,5—1,0—2,5 ad 100,0 Aqua), 
ferner unter Umständen Aqua Calcis (bei Diphtheritis), A.qua chlorata, Kalii 
hypermangan. u. a. Die Temperatur sei ungefähr 30 36° 0. 

Ausser den Injectionen und Domdien kommen auch El n ]> i n sc 1 u n gen 
zur Anwendung und zwar tlieils wässerige Lösungen (Alaun und Tannin 
ca. 6,0 ad 25,0 Aqua; Argent. rutric. 1,0 ad 10,0— 25,0 Aqua; Bydrarg. bichlor. 
corros. ca. 1,0 ad 25,0 50,0 Aqua; Liquor Ferri Besquichlorati, mit 1 bis 
5 Theilen Wasser verdünnt; auch pure als Aetzmittel; Plumbum acetic, Zin- 
cum sult'ur. 5,0 ad 25,0 50,0 Aqua; Zincum chlorat. L,0 ad L0,0 25,0u. a.), 
theils verschiedene Oele, theils Lösungen von Balzen in GUycerin (z. B. Borax 
5,0, Glycerin 25,0). 



Schimpf- und Niesepulver. 89 



Die Medicamente können ferner in Form trockener Pulver local anf 
die kranke Schleimhaut applicirt werden, und zwar kann man dieselben ein- 
fach schnupfen lassen (vergl. unten) oder man bläst dieselben mittelst eines 
Insufflators oder schlimmsten Falls einer gewöhnlichen Glasröhre oder eines 
Federkiels in die Nasenhöhlen ein. Der Insufflationsapparat (Rauchfuss) 
besteht aus einer Röhre aus Glas, Hartgummi oder Silber, welche an dem einen 
Ende der Krümmung der Rachenkehlkopfhöhlung entsprechend gebogen, und 
an deren anderem Ende ein Gummiballon befestigt ist; in der Nähe des 
letzteren besitzt die Röhre eine Oeffnung, welche durch einen Schieber oder 
mit dem Finger zu verschliessen ist. In diese Oeffnung wird das zu be- 
nutzende medicamentöse Pulver eingefüllt und darauf die erstere verschlossen. 
Man führt nun das Instrument unter Leitung des Kehlkopfspiegels ein und 
presst dann den Gummiball zusammen, wodurch sich das Pulver, indem die 
durch die Röhre entweichende Luft dasselbe mit fortreisst, in den Kehlkopf 
entleert. Sehr zweckmässig ist eine von B. Fraenkel angegebene Modifikation. 
Es befinden sich hier, wie an einem Spray-Apparat, zwei Gummiballons, von 
denen der eine aufgeblasen gleichsam als Windkessel dient. Der Druck an 
einem kleinen Ventil erlaubt der comprimirten Luft, durch die Röhre des In- 
sufflators zu entweichen. Am einfachsten kommt man zum Ziel, wenn man 
über das Ende der Röhre, welches nicht in den Mund, die Nase etc. eingeführt 
wird, einen Gummischlauch zieht, den der Arzt zwischen den Zähnen hält und 
durch den er im richtigen Moment das Pulver einbläst. Diese Insufflations- 
Apparate sind auch für andere Höhlen, namentlich für den Pharynx, brauchbar. 
Von Medicamenten kommen hier hauptsächlich Borsäure, Acidum tannicum, 
Alaun, Borax, Calomel, Argentum nitric, Jodoform in Betracht. In jüngster Zeit 
hat das Jodoform in seinen verschiedenartigen Applications weisen, als Pulver, 
als Salbe, als Bacillus etc. bei den mannigfaltigsten chronischen und acuten 
Schleimhauterkrankungen ausgedehnte und erfolgreiche Anwendung gefunden. 
— Ferner können aus den local zu applicirenden Mitteln Salben bereitet 
werden, die man auf die kranken Theile aufträgt. 

Endlich kann man auf die Nasenhöhlen durch Dämpfe einwirken. Man 
bedient sich der einfachen Wasserdämpfe, der Dämpfe verschiedener Infusa, 
der Essigdünste, des Ammoniaks, der Carbolsäuredämpfe u. s. w. Auch zer- 
stäubte Flüssigkeit, die verschiedensten Medicamente enthaltend, kann mit 



Hülfe des Pulverisateurs zur Anwendung .kommen. 

Im Vorstehenden haben wir die localen Behandlungsmethoden gegen die 
Krankheiten der Nasenhöhlen auseinandergesetzt. Es wird aber auch die voll- 
kommen gesunde Nasenschleimhaut häufig zur Application von Medicamenten 
benutzt, wenn man ableitend von anderen Organen, hauptsächlich aber durch 
Erregung von Reflexactionen wirken will. Die Form, deren man sich hierbei 
vorzugsweise bedient, ist das Schnupf- oder Niesepulver, Pulveres errhini 
und stenratatorii; die ersteren wirken weniger reizend auf die Schleimhaut 
ein und bedingen nur eine erhöhte Secretionsthätigkeit derselben, während die 
letzteres durch Beimischung reizender Bestandteile Niesen erregen sollen. Es 
lässl sich jedoch diese verschiedenartige Wirkungs-Intensitäl nicht vorher be- 
messen, da namentlich bei solchen Individuen, welche nicht an dvn Gebrauch 
von Schnupftabak gewöhnt sind, die Berührung der Schleimhaut mit selbst 
ganz indifferenten Pulvern Niesen hervorruft. 

Die Schnupf- und Niesepulver werden am zweckmässigsten in demjenigen 
Feinheitsgrade verordnet, welcher dem Schnupftabak eigen ist. da bei urös- 
Berer Feinheit des Pulvers leichl Partikel desselben durch den Luftstrom ans 

den unteren Tlieileu der Nase in die oberen oder in den Schlund fortgeführt 

werden und hier unerwünschte Nebenwirkungen erzeugen. Nichl selten be- 
dient man sich des Schnupftabaks, um die vom Schnupf- und Niesepulver 
vorausgesetzten Heilwirkungen zu erzeugen (es \>t dies jedoch nur bei den- 



DO Application auf den äusseren Gehörgang und das Mittelohr. 

jenigen Individuen statthaft, deren Nasenschleimhaut nicht durch den 'habituellen 
Tabakgebrauch ihre Empfindlichkeit eingebüsst hat); zuweilen wählt man den 
Schnupftabak als Vehikel und mischt demselben niesenerregende Substanzen 
bei (eine Procedur, die der domestiken Bereitung überlassen bleibt). Will man 
vom Schnupftabak gänzlich abstrahiren, so bedient man sich vegetabilischer 
Pulver mit Aromgehalt (Pulv. Rhiz. Iridis, Pulv. Herb. Meliloti, Pulv. Fabarum 
de Tonca, Pulv. Flor. Lavandulae), denen man als reizende Substanzen Zucker, 
Sapo medicatus, Pulv. Flor. Convallar., Rad. Asari, Rhiz. Veratr., oder starke 
Riechstoffe: Rad. Valerian. , Asa foetid. , Moschus, ätherische Oele, seltener 
Ammon. carbon. oder Ammonium carbonicum pyro-oleosum zusetzt. — In den 
meisten Officinen sind derartige Mischungen als Pulveres errhini oder sternu- 
tatorii vorräthig. 

Als Gesammtquantität eines Schnupfpulvers wird etwa 15,0 — 30,0 ver- 
ordnet und die Anwendung der Einzelgabe „prisenweise" bestimmt. 

In neuerer Zeit ist auch der Versuch gemacht worden, die Nasen- 
schleimhaut als Weg für die Resorption von Heilmitteln zu be- 
nutzen (Noei, Gueneau de Mussy, Rambert). Das Einzige, was aus dieser 
Empfehlung vielleicht Nachahmung verdient, ist die Application eines Morphium 
enthaltenden Schnupfpulvers bei Neuralgia supraorbitalis, temporalis, facialis 
(Morphin muriatic. 0,05, Pulv. Flor. Malv. oder Sacchari 1,0. 2 — 3 stündlich 
eine Prise. Rambert). 

In elastisch - flüssiger Form werden starkriechende und flüchtige Stoffe 
angewendet, deren Dämpfe man in die Nase einziehen lässt: ätherische Oele, 
Aether, aromatischer Spiritus, Campher, Acidum aceticum, Liq. Ammonii caust., 
Amylnitrit u. dgl. Derartige Substanzen werden entweder von einem Taschen- 
tuche oder aus einer Flasche durch die Nase aufgeathmet, oder man imprägnirt 
Baumwolle, Feuerschwamm u. dgl. mit den betreffenden Substanzen, um sie in 
trockener Form portativ zu haben, oder endlich man conservirt sie in Form 
der sogenannten Riech salze, Saliaodorata. Dieselben bestehen aus Salzen, 
welche entweder mit Riechstoffen getränkt sind (z. B. kleine Krystallstücke 
von Tartarus depuratus oder Kalium sulfuricum mit wenigen Tropfen Mixtura 
oleoso-balsamica oder Acidum aceticum aromaticum befeuchtet) oder durch ihre 
Vermischung Riechstoffe entwickeln (z. B. saures schwefelsaures Kali mit essig- 
saurem Natron, befeuchtet mit einigen Tropfen ätherischen Oeles, welches die 
Entwicklung der Essigsäure begünstigt, oder gebrannter Marmor mit Salmiak- 
pulver, ebenfalls mit einigen Tropfen ätherischen Oeles oder einer starkriechen- 
den Tinctur, etwa Tinct. Moschi, befeuchtet, wobei sich ein rein aromatisches 
Ammoniakgas bildet). Solche Riechsalze müssen in wohlverschlossenen Ge- 
wissen (Gläsern mit eingeschliffenem Glasstöpsel, die meistens noch in einem 
ledernen Futterale stecken) aufbewahrt werden. 



3. Application auf den äusseren Gehörgang und das Mittelohr. 

Die für die Haut des Gehörganges bestimmten Mittel werden demselben 
in Form fou Einspritzungen, Eintröpfelungen, Einpinselungen, Einblasungen 
von Pulvern oder durch Einleitung von Dampfes zugeführt. Im allgemeinen 
lnit man sieh bei der -rossen Reizbarkeit der Baut, sowie hei Aw Schmerz- 
baftigkeit, «reiche eine entzündliche Schwellung derselben mit sich führt, 
vor der Anwendung hoher Dosen der Arzneimittel, sowie hoher Temperatur 

zu hüten. 

Einspritzungen werden entweder zu dem Zwecke gemacht, um den 
Gehörgang von eingedrungenen fremden Körpern oder angesammelten Secre- 
tionsprodueten zu reinigen, und bestehen dann nur .-ms lauwarmem Wasser, 
( in« in leichten Theeaufguss oder milden Salzlösungen (Natr. carbon., Borax, 



Eintröp feiungen. — Einpinselungen. — Ohrensalben. Ol 

Natr. sulfiir., Natr. chlorat.), oder sie enthalten adstringirende, desinficirende, 
reizende oder ätzende Bestandteile, welche dann den eben genannten Vehikeln 
incorporirt werden (Carbolsäure, Salicylsäure, Borsäure, Tannin etc.). Injec- 
tionen der letzteren Form werden in nur wenig' stärkerer Concentration ange- 
wendet, wie Augenwässer. Am zweckmässigsten bedient man sich eines kleinen 
Gummiballs, der mit einem aus Gummi bestehenden Fortsatz versehen ist. 
Letzterer kann, ohne Nebenverletzungen befürchten zu müssen in den Gehör- 
gang selbst vorgeschoben werden (Hartmann). — Die Gesammtquantität solcher 
Injectionen wird zu 200,0 — 300,0 verordnet, und die jedesmalige Einzeldose 
beträgt etwa 7,5 — 15,0, den Gehalt einer Injections- Spritze für das Ohr. 
Häufig ist es zweckmässig, jedesmal mehrere Spritzen voll hinter einander zu 
mjieiren. 

Ei n tropfe hin gen in das Ohr haben den Zweck, den Gehörgang längere 
Zeit hindurch mit der betreifenden Flüssigkeit in Contact zu halten und so die 
erweichende, reinigende, reizende, adstringirende, ätzende oder narkotische 
Wirkung derselben zu sichern. Die Eintröpfelungen bestehen, wenn sie eine 
erweichende oder reinigende Wirkung herbeiführen sollen, aus milden Oelen 
(Mandelöl) oder Glycerin ; um reizend einzuwirken, bedient man sich ätherischer 
Oele (namentlich des Ol. Cajeputi), der Campher- Lösungen u. dgl. ; adstrin- 
girende, ätzende oder narkotische Wirkung bewirkt man durch Lösungen von 
Metallsalzen oder Alkaloiden (z. B. Argent. nitric. solut. 0,5 — 1,0 in 10,0, Spirit. 
vini rectifms. bei chronischer eitriger Mittelohrentzündung, Schwarze). — Die 
Procedur des Eintröpfeins geschieht mit einem kleinen Löffel oder Glasstabe. 
Der Tragus wird bei Seite gedrückt und die Flüssigkeit die man bei entzünd- 
lichen Affectionen zweckmässig vorher erwärmt, in der Seitenlage des Kopfes 
eingegossen. — Die Dosis der zu Eintröpfelungen bestimmten differenten 
Medicamente werde sehr niedrig, etwa wie bei den Augen - Tropfwässern, 
gegriffen. 

Ohrentropfen werden in einer Gesammtquantität von 5,0 — 20,0 verordnet 
von denen je 2 — 6 Tropfen die Einzelgabe bilden. 

Die Einpinselungen unterscheiden sich von den Eintröpfelungen eigent- 
lich nur durch die bei ihrer Anwendung vorgenommene Manipulation, ge- 
währen aber den Vortheil, dass man die Einwirkung der Flüssigkeit auf eine 
bestimmte Stelle dirigiren, resp. beschränken kann. In Bezug auf die Heil- 
zwecke der zur Verwendung kommenden Stoffe gilt das bei den Eintröpfe- 
lungen Gesagte. 

Uneigentlich versteht man unter Ohren salben solche, welche in der 
Nähe des Ohres und mit dem Zwecke, auf dieses Organ einzuwirken, applicirt 
werden. Meistens wählt man für solche Salben den Processus mastoideus als 
Applicationsstelle. Bei dieser Arzneiform, welche nicht mit der sehr resorptions- 
fähigen Haut des Gehörganges in Berührung kommt, ist die vorsichtige Dosi- 
rung, die bei den eigentlichen Ührensalben erforderlich ist, nicht inne zu halten, 
vielmehr werden hier oft die gewöhnlich bei der Application auf die äussere 
Haut obwaltenden Dosenverhältnisse beträchtlich überschritten. 

Am meisten werden neuerdings die Einblasungen von Pulvern, sowohl 
bei Affectionen des äusseren Gehörganges als auch bei solchen der Pauken- 
höhle, wenn theilweise oder völlige Zerstörung des Trommelfells vorhanden 
ist. benutzt. Die Einblasungen geschehen, ebenso wie in Nase und Larynx, 
mit dem Pulverbläser (Insufflator, s. o.). Bei chronischer eitriger Mittelohr- 
entzündung mit Perforation des Trommelfells wird nach Bezold die Einblasung 
vmi Borsäure vorgenommen, ausserdem kommt Alaun und Jodoform vielfach 
zur Anwendung. 

Cm Arzneimittel in Dampfform auf das Ohr einwirken zu lassen, bedient 

man sieh meistens der Einleitung von Dämpfen ans reinem Wasser oder aro- 
matischen Infusionen in den äusseren Gehörgang. Gewöhnlich stülpt man 



92 Application auf die Schleimhaut der Mund- und Schlundhöhle. 

einen Trichter mit dessen Basis auf die Mündung des Gefässes, in welchem 
die verdampfende Flüssigkeit enthalten ist, und lässt durch das Trichterrohr 
die Dämpfe in das Olir einströmen. Man hüte sich aber hierbei, zu heisse 
Dämpfe anzuwenden, da dieselben leicht Verbrennung oder entzündliche 
Schwellung der Schleimhaut des Gehorganges herbeiführen. — Auch auf die 
Schleimhaut der Eustachischen Röhre werden zuweilen Dämpfe applicirt, indem 
man dieselben in den zuvor durch die Nase in die Tuba eingelegten Katheter 
einströmen lässt. 

Bei den zuweilen in den äusseren Gehörgang eingelegten flüchtigen Stoffen, 
namentlich Canlpher (in Baumwolle gewickelt in Form der sogenannten Ohren- 
pillen) oder Chloroform, Aether u. dgl. auf Baumwolle getröpfelt, beabsichtigt 
man ebenfalls eine Einwirkung des Arzneimittels in elastisch -flüssiger Form, 
die sich entweder direct auf das Ohr, oder auf andere Theile, deren Nerven- 
gebiete dem Ohre nahe liegen, beziehen soll. 



4. Application auf die Schleimhaut der Mund- und 

Schlundhöhle. 

Auf die Schleimhaut des Zahnfleisches werden Arzneimittel angewendet, 
theils um dasselbe von fremden Bestandtheilen zu reinigen, theils um reizend, 
adstringirend, ätzend oder narkotisch auf dasselbe einzuwirken. Man benutzt 
zu dem erstgenannten Zwecke vorzugsweise die Zahnpulver, Pulveres denti- 
iricii, oder die Zahnseifen, Sapones dentifricii. 

Die Zahnpulver haben vorzugsweise die Bestimmung, mechanisch zu 
wirken und durch eine dem Schleifen ähnliche Procedur Ablagerungen aus 
den Mundsecreten auf das Zahnfleisch und die Zähne zu entfernen. Es eignen 
sich darum vorzugsweise indifferente feinkörnige, namentlich unlösliche und 
schwer lösliche Pulver zu diesem Zwecke, wie Conchae praeparatae, Talcum, 
Magnesia, Ossa Sepiae, Carbo vegetabilis, Lapis Pumicis, denen man ent- 
weder der Geschmacks-Correction halber, oder um gleichzeitig leicht adstrin- 
girend zu wirken, aromatische Pflanzenpulver (Pulv. Rhiz. Calami, Pulv. 
Iihiz. Iridis, Myrrha, Pulv. Gort, Chinae u. s. w.) zusetzt; nicht selten ver- 
mischt man die Zahnpulver noch mit Substanzen, welche den Reinigungs- 
prozess auf chemischem AVegc unterstützen sollen, wie z. B. Sapo medicatus, 
Arid, lacticum, Acid. phosphoricum , Acid. tartaricum, Tartarus depuratus, 
Camphor. 

Die Geschmacks-, Geruchs- und Gesichts-Correction wird bei Verordnung 
der Zahnpulver wesentlich berücksichtigt. In Bezug auf die beiden ersteren 
bedient man sich ausser den schon oben erwähnten Pflanzenpulvern auch der 
ätherischen Oele (Ol. Menth, pip., Ol. Caryophyllor. u. s. w.) und aromatischer 
Tinctnren (Tinct. W'inillaej. Ein eleganteres Aussehen ertheilt man den Zahn- 
pulvern durch direct fliehende Zusätze (Carinii), Cochenille, Lackfarben, Pulvis 
Ligni Santalini u. s. w.). Die Mischungsverhältnisse, unter denen flüssige 
Zusätze von Zahnpulvern aufgenommen werden, sind dieselben, wie bei den 
Pulvern für innerlichen Gebrauch (vergl. S. 16.). 



Talci praep. 25,0 

Pulv. Ulli/. Ind. 10,0 
Sapon. medic. - r '.'> 
Carmini 0,25. 



Beispiele. 

Tere cum »Spir. dilut. 

gutt. nonnull. 
Tust, exsiccationem 
adde 
(»I. Caryophyllor. 0,25. 
D. in scat. S. Zahnpulver. 



Zahnpulver. — Zahnseifen. — Zahnlatwergen. — Zalmtincturen. 



93 



IL Py 

Carbon, pulverat. 20,0 
Pulv. Rhiz. Calam. 10,0 
Pulv. Cort. Chin. fusc. 5,0 
Myrrh. pulv. 2,5. 
M. f. pulv. D. S. Zahnpulver. 



III. 



iv 



Tartari depurati 
Sacch. Lact, ana 10,0 
Magnes. carbon. 2,5 
Ol. Menth, pip. 0,2. 
M. f. pulv. D. S. Zahnpulver. 



Die Zahnseifen bestehen aus einer guten neutralen Natronseife, welcher 
man aromatische Pflanzenpulver oder unlösbare indifferente Pulver incorporirt 
und durch Zusatz von ätherischen Oelen und färbenden Substanzen angenehmen 
Geruch und elegantes Aussehen ertheilt. Die Quantität des von der Seife auf- 
genommenen Pulverzusatzes ist fast imbeschränkt zu nennen, indem das Drei- 
fache des Seifengewichtes zugefügt werden kann, namentlich wenn man durch 
Zusatz von Flüssigkeit (Syrup. simpl., Mucil. Gummi, Mel. depurat. u. s. w.) 
die Aufnahme des Pulvers vermittelt. Die Zahnseifen werden meistens in 
flachen Porzellanschachteln dispensirt. Bei ihrer Anwendung fährt man mit 
einer befeuchteten Zahnbürste über die Oberfläche der Seife, reibt die von 
der Bürste aufgenommene Quantität auf das Zahnfleisch und die Zähne ein 
und spült den Schaum mit Wasser ab. 

Die Zahnlatwergen, Electuaria dentifricia s. gingivalia, sind dazu be- 
stimmt, entweder reinigend auf Zahnfleisch und Zähne, oder bei kranker Be- 
schaffenheit des Zahnfleisches heilend auf dasselbe zu wirken. Die reinigenden 
Zahnlatwergen werden aus den bei den Zahnpulvern zu gleichem Zwecke 
genannten Bestandtheilen componirt, denen man Zusätze von Syrupus simplex, 
Mel depuratum oder rosatum u. dgl. in genügender Menge zur Herstellung 
der Latwergenform (s. S. 30.) macht. Um heilend auf das kranke Zahnfleisch 
zu wirken, sind in der Regel adstringirende oder reizende Substanzen, wie 
Alaun, gerbsäurehaltige oder bitterliche Stoffe (Pulv. Cort. Chinae, Pulv. Cort. 
Cascarillae, Pulv. Rhiz. Calami, Myrrha u. s. w.) indicirt, die ebenfalls mittelst 
der oben genannten Excipientia nach den Regeln der Kunst in Latwergenform 
gebracht werden. Narkotische Latwergen zur Beseitigung von Zahnschmerzen 
oder bei schmerzhafter Beschaffenheit des Zahnfleisches werden im allgemeinen 
nur selten angewendet. 

Die Zahnlatwerge wird mit der Fingerspitze oder mit einer weichen 
Bürste auf das Zahnfleisch aufgetragen, eingerieben und mit Wasser ab- 
gespült. 

Die Gesammtquantität einer Zahnlatwerge werde im allgemeinen nicht 
über 50,0 verordnet, da diese Form leicht dem Verderben ausgesetzt ist. 
Dieser letztere Umstand bedingt die allgemeine Unzweckmässigkeit der in 
ßede stehenden Arzneiform, welche vor den Zahnpulvern, resp. den Zalm- 
tincturen, gar keine Vortheile bietet und stets durch diese ersetzt wer- 
den kann. 

Zalmtincturen, Tincturae gingivales, werden fast ausschliesslich dazu 
\<i wendet, heilend auf das erkrankte Zahnfleisch zu wirken, und empfehlen 
Bich vorzugsweise zu diesem Zwecke, da sie es ermöglichen, die kranken 
Stellen genau zu treffen, und der Akt der Application nicht, wie bei den 
übrigen Zahnmitteln, mit mechanischer Reizung verbunden ist. Meistens be- 
dient ]));in sich der aromatischen und adstringirenden Stolle in Form von 
Extract-Lösungen oder Spirituosen Tincturen. Die Application geschieht in 
der Alt. dass man mit dem l'insel oder Srliwiimmelicn die Tinctur auf das 
Zahnfleisch aufträgt und. nachdem man sie eine Zeit lang mit demselben in 
Contacl gelassen, abspült. 



94 Zahntropfen. — Zahnpillen. — Mund- und Gurgelwässer. 



I. P^ 

Alumin. 5,0 

Tart. dep. 

Coccion. pulv. ana 2,5 

Aq. Menth, pip. 

Spir. Cochlear. ana 50,0. 
M. filtr. D. S. Zahntinctur. 



Beispiele. 

IL ty 

Tinct. Myrrh. 

Ratanh. sacch. ana 7,5 
Spir. dilut. 50,0 
Ol. Calami aeth. 0,5. 
M. filtr. D. S. Zahntinctur. 



Wesentlich verschieden von den Zahntincturen sind die Zahntropfen, 
besser Zahn schmerz tropfen, Guttae antodontalgicae , welche nicht sowohl 
auf das erkrankte Zahnfleisch, als in die Höhlungen schmerzhafter, cariöser 
Zähne applicirt werden. Man bedient sich vorzugsweise stark reizender oder 
narkotischer Stoffe (Oleum Caryophyllorum, Kreosot, Chloroform, Tinct. Opiiu. dgl.) 
zu diesem Zwecke, welche, auf Watte getröpfelt, mit der Pulpa des schmer- 
zenden Zahnes in Berührung gebracht werden. — Nicht selten verwendet man 
namentlich narkotische Stoffe auch in trockener Form als sogenannte Zahn- 
pillen, Pilulae odontalgicae , zu diesem Zwecke, indem man kleine, in die 
Höhlung des Zahnes passende Ktigelchen (etwa aus Opium mit Ol. Caryophyll. 
u. s. w.) in dieselbe einlegt. 

Auf die Schleimhaut des Mundes und Schlundes werden Arznei- 
mittel, sofern sie nicht in Substanz auf einzelne erkrankte Stellen gebracht 
werden, meistens in Lösungen, Aufgüssen, Abkochungen als Mund- oder 
Gurgel wässer, Collutoria, Gargarismata , angewendet. Die in dieser Form 
gegebenen Mittel können ziemlich concentrirt — etwa bis zur doppelten Con- 
centration als für die innere Verordnung üblich — angewendet werden; nur 
wenn man sich wesentlich differenter, namentlich narkotischer oder metallischer 
Mittel in dieser Form bedient, sei man mit der Dosis vorsichtig und mache 
die Patienten auf die mit dem Herunterschlucken der Flüssigkeit verbundene 
Gefahr aufmerksam; bei Kindern, welche es nicht in der Gewalt haben, 
das Eintreten des Fluidums aus dem Munde in die Speiseröhre zu verhüten, 
nehme man von der Anwendung diiferenter Mund- und Gurgelwässer voll- 
kommen Abstand. 

Die Mund- und Gurgelwässer haben den Zweck: 1) adstringirend oder 
ätzend, oder 2) einhüllend, entzündungswidrig, beruhigend, oder endlich 
3) neutralisirend , desinficirend zu wirken; es kommen demnach hier metal- 
lische und vegetabilische Adstringentien (Plumbum acet. , Cuprum sulfur., 
Alumen, verdünnte Mineralsäuren, Tannin und andere gerbsäurehaltige Mittel, 
wie China, Catechu u. s. w.), Aromatica (wie Myrrha, Cochlearia, Salvia, 
Chamomilla, Calamus), Emollientia (Rad. Althaeae, Flor. Sambuci, Fol. und 
Flor. Malvae), Narcotica (Opium, Hyoscyamus, Belladonna) in Anwendung. 
Die Neutralisation saurer Mundsecrete wird durch alkalische Lösungen (Natrium 
carbonicum und bicarbonicum, Borax) bewirkt; die Desinfection hat den Zweck, 
entweder kryptogamische Gebilde auf der Mundschleimhaut zu zerstören, oder 
foetide Exhalationen zu vertilgen oder zu verdecken (Kalium chloricum, Cuprum 
sulfuricum, Acetum pyrolignosum, Alkohol, Aqua Calcariae, Aqua chlorat., 
Auflösungen von unterchlorigsauren Salzen, Kalium hypermanganicum, Aqua 
Kreosoti, Acid. carbolic, Acid. salicylic., Lösungen von ätherischen Oelen und 
aromatischen Tincturen). 

Bei Kranken, die gegen Geschmacks-Eindrücke sehr empfindlich sind, ist 
es uothwendig, den Mundwässern ein Geschmacks -Corrigens (Syrup, aroma- 
tische Tincturen, Aetheru. s. w.) zuzusetzen, hei Gurgelwässern ist eine solche 
Correction weniger uothwendig. — Die Quantität eines Mundwassers wird auf 
200,0 500,0 verordnet, welche in Einzelngaben von etwa einem Esslöffel zur 
Anwendung kommen. 



Pinselungen. — Einspritzungen. 



95 



Soll nicht die gesammte Schleimhaut des Mundes von der Wirkung der 
Arzneimittel getroffen werden, sondern diese sich nur auf einzelne bestimmte 
Stellen beschränken, oder will man in mehr intensiver Weise, besonders auf 
die Rachenschleimhaut, einwirken, so wendet man Pinselungen mit wässerigen 
Lösungen oder mit sogenannten Pinselsäften (Litus) an. Die letzteren be- 
stehen aus einer concentrirten Lösung der betreffenden Arzneimittel, zu welcher 
in der Regel ein grösserer Zusatz von Syrup gemacht wird, um die Dickflüs- 
sigkeit und somit die Möglichkeit der circumscripten Anwendung zu erhöhen. 
Die Vehikel, deren man sich in den Litus bedient, werden gewöhnlich aus der 
Zahl der adstringirenden oder säuerlichen Syrupe (Mel rosatum, Syr. Mororum 
u. s. w.) gewählt. Besonders empfehlenswerth als Vehikel ist Glycerin. — 
Die Medicamente, welche man zu den Pinselungen verwendet, sind meistens 
ätzende, adstringirende, desinficirende, resolvirende, auch reizmildernde. Hervor- 
zuheben sind Argentum nitricum (1,0 ad Aq. destill. 50,0 — 25,0 — 15,0), Alumen 
und Acidum tannicum (5,0 ad Aq. 25,0), Zinc. chlorat. (0,5 — 1,0 ad Aq. 25,0), 
Zinc. sulfuric. (1,0 — 2,5 ad Aq. 25,0), Tinct. Jodi (bei Hypertrophia tonsill., 
besonders bei Pharyngitis follicularis — pure aufzupinseln — vorzüglich wir- 
kend), Natrium benzoieum (0,5 — 1,0 — 2,0 ad Aq. 50,0), Borax (5,0 ad Glycerini 
25,0), Kalium bromatum (5,0 ad Glycerini 25,0), Chloroform, Acid. hydrochlori- 
cum (1,0 ad 25,0 — 50,0 Syrup.), Aqua Calcis, Acid. salicylicum und Acidum 
lacticum (bei Diphtheritis) , Alkohol (desgl.) u. a. Die Flüssigkeiten werden 
mittelst eines feinhaarigen, aber im allgemeinen möglichst dicken Haarpinsels, 
oder mittelst eines an einem Stiele befestigten weichen Schwammes auf die 
kranken Schleimhautpartien aufgetragen. — Man verordnet die zum Pinseln zu 
benutzenden Arzneien meist in kleinen Quantitäten, etwa 25,0, höchstens 50,0. 

Gegen hypertrophirte Tonsillen sind von Jakubowitz und B. Fraenkel 
submueöse Einspritzungen von Jodkaliumlösung, 1 pCt., von Lugol'scher Lösung 
(Jod 0,12, Jodkali 2,5, Aq. destill. 30,0) und Jod - Glycerinlösung , 1—2 pCt., 
empfohlen (cfr. Berl. klin. Wochenschrift. 1872. No. 5.) 

Neben den Pinselungen sind bei Krankheiten der Rachenschleimhaut die 
Einathmungen zerstäubter Flüssigkeiten, sowie die Douchen mit 
zerstäubten Medicamenten am wirksamsten. (Das Nähere über diese 
Medication folgt nuten bei der localen Therapie der Athmungsorgane. Hier 
sei nur erwähnt, dass die Douche mit zerstäubter Flüssigkeit mit Hülfe des 
Waldenburg'schen oder Lister'schen Pulverisateurs bewirkt wird.) 

Unter Umständen kommen auch Einspritzungen medicamentöser Flüs- 
sigkeiten mittelst einfacher Spritzen oder besonders construirter Apparate zur 
Verwendung. Es werden hierzu ungefähr dieselben Medicamente wie zu den 
Gurgelungen verwandt, nur ist eine grössere Concentration derselben statthaft. 



I. I* 

Decoct. Ratanh. 150,0 
Aq. Menth, pip. 50,0. 
D. S. Mundwasser. 



II. 



I). S. 



Beispiele. 
III. 



D. S. 



Boracis 10,0 

BOlve m 

Decoct. Flor. Malvae 150,0 
Aq. Laurocerasi 25,0 
Oxymellis 50,0. 
Gurgelwa 



Kali chlorici 5,0 

solve in 
Inf. Fol. Salviae 200,0. 
Stündlich einen EsslölTcl voll zum 



Ausspülen des Mundes zu benutzen. 



IV. 



Ty 



Natrii bicarbonici 10,0 
Natrii chlorat. 5,0 
SOlve in 

\'|. Mrliss. 150. 

D. S. Mundwasser. 



96 Schlundpulver. — Kaumittel. — Application auf die Schleimhaut des Oesophagus. 



V. Bf 

Boracis 5,0 
solve in 
Aq. Rosar. 

Meli, rosat. ana 10,0. 
D. S. Pinselsaft. 



VI. 1^ 

Chloroformii 5,0 
Glycerini 25,0. 

D. S. Pinselsaft. 



VII. ty 

Acid. hydrochlorici 2,0 
Syr. Mororum 50,0. 
D. S. Pinselsaft. 



In fester Form werden Arzneimittel auf die Schleimhaut des Mundes 
und Schlundes entweder in Substanz, oder in feinem Pulver angewendet. Es 
handelt sich in ersterer Beziehung fast ausschliesslich um Aetzmittel (Argent. 
nitricum, Cuprum sulfur., Acidum chromicum, Kali caust., Zincum chloratum u.a.); 
nadelförmige Krystalle von Chromsäure sind von Lewin, Waidenburg, Fraenkel 
in die chronisch congestionirten Tonsillen eingestochen worden. — In Form 
feiner Pulver werden gleichfalls Aetzmittel (hauptsächlich Argentum nitri- 
cum), aber in Verbindung mit einem indifferenten oder wenigstens nicht 
caustischen Vehikel (vornehmlich Saccharum, ungefähr 5 bis 20 Theile aul 
1 Theil Argentum), benutzt, ferner Adstringentia (Alaun, Tannin, Borax u. dgl.), 
auch Hydrarg. chlorat. mite (gleichfalls in Verbindung mit mehreren Theilen 
Saccharum oder Alumen ustum) u. a. Man bedient sich zu diesem Zwecke 
eigens dazu construirter Insufflationsapparate. (s. S. 89.), oder in Er- 
mangelung derselben einfacher Glasröhren oder zweier ineinander gesteckter 
offener Federkiele und bläst dann mit dem Munde das Pulver aus diesen 
Röhren an die erkrankte Stelle. Die Dosis des Pulvers für die jedesmalige 
Insufflation ist ca. 0,1 — 0,25. 

Zuweilen verordnet man Arzneimittel in Substanz, um sie durch die Kau- 
bewegungen im Munde zerkleinern zu lassen, Kaumittel, Masticatoria; man 
hat dabei die Absicht, entweder den Speichel mit den Extractivstoffen zu 
imprägniren und so dieselben auf die Mundschleimhaut einwirken zu lassen 
(z. I». Rad. Pyrethri bei Zungenlähmung oder Zungenschmerz), oder um durch 
die aromatischen Bestandteile der Kaumittel fötide Exhalationen zu verdecken 
(Caryophylli , Cort. Cinnamom. , Siliq. Vanill.). Dem letzteren Zwecke sucht 
man auch zuweilen durch kleine Pillen oder Pastillen zu entsprechen, welche 
Riechstoffe enthalten, und die man im Munde zergehen lässt. Hierher gehören 
ferner diejenigen Pastillen, welche Medicamente enthalten, die eme Wirkung 
auf die Pharynxschleimhaut, bei Katarrh derselben, ausüben; z. B. die be- 
kannten Pastillen aus Salmiak und Succ. Liquiritiae, ferner die Emser Pa- 
stillen, auch Pastillen mit Stibium sulfuratum aurantiacum, Balsam. Tolut. u. a. 
Audi hier lässt man die Pastillen, an deren Stelle man auch Pillen setzen 
kann, gleich den Bonbons Langsam im Munde zergehen, damit die Medicamente 
eine möglichst Lange dauernde locale Wirkung entfalten. 



Aul' die Schleimhaut des Oesophagus, zumal dessen obere Partie, 
werden unter Umständen (z. B. bei Perichondritis arytaenoidea, Stricturen u.a.) 
Medicamente gleichfalls Local applicirt. Es kommen hierbei last um- Solu- 
tionen \"ii Adstringentien (hauptsächlich Tannin und Alaun), ungefähr in 
gleicher Concentration wie beim Touchiren des Pharynx, zur Verwendung. 
Man bedient sich hierzu am besten kleiner Schwämme, welche an einem ent- 
sprechend gebogenen Langen Draht befestigt sind. 



Insufflationen in den Kehlkopf'. 07 



5. Application von Medicamenten auf die Atlrniungsorgane. 

Der Larynx und zum Theil auch die obere Partie der Trachea ist 
durch die Laryngoskopie einer ausreichenden localen Behandlung zugänglich 
geworden. Man kann mit Zuhülfenahme des Kehlkopfspiegels Medicamente 
in der verschiedensten Form auf einzelne Theile der genannten Organe mit 
gleicher Sicherheit appliciren, wie auf irgend eine andere, dem Auge des 
Beobachters freiliegende Schleimhaut. 

In fester Form werden einerseits Aetzmittel in Substanz (Argentum 
nitricum, Krystalle von Chromsäure) mittelst eigens dazu construirter Aetz- 
mittelträger applicirt, andererseits bedient man sich sehr feiner Pulver, die 
man in den Larynx entweder einbläst, oder die man einathmen lässt. Zum 
Einblasen benutzt man am zweckmässigsten einen Insufflationsapparat (s. S. 89). 
Die Insufflatoren oder einfache gläserne Bohren, abgeschnittene Federkiele etc. 
benutzt man auch, um den Kranken das medicamentöse Pulver einathmen 
zu lassen. Derselbe steckt sich die Bohre über den Zungenrücken möglichst 
tief in die Schlundhöhle, schliesst den Mund und macht darauf eine tiefe In- 
spiration; hierbei entleert sich dann das Pulver in den Pharynx, den Larynx 
und selbst in die Trachea. Will man nur bestimmte circumscripte Partien 
von dem Pulver berühren lassen, so ist diese Methode natürlich nicht an- 
wendbar, und es ist dann nur die Insufflation unter Leitung des Kehlkopf- 
spiegels zu benutzen. — Von den anzuwendenden Medicamenten sind dieselben 
hervorzuheben, wie die oben bei der localen Behandlung des Pharynx er- 
wähnten, denen noch das Natr. benzoic, Jodoform und die Salicylsäure zuzu- 
fügen wären. Auch Mischung und Dosis ist im allgemeinen die nämliche, nur 
möge man, besonders am Anfang der Behandlung, in Betreff beider mit Vor- 
sicht verfahren. 

Beispiele. 



I. *t 

Hydrarg. chlor, mit. 1,0 

Sacch. alb. 5,0. 
M. F. Pulvis. D. S. Kehlkopfpulver. 



II. Bf 

Acidi tannici 
Sacch. alb. ana 2,5. 
M. F. Pulvis. D. S. Kehlkopfpulver. 



III. Bf 

Jodoformii Fab. Tone, desodor. 10,0. 
D. S. Zur Insufflation. 

Am häufigsten werden Medicamente auf die Schleimhaut des Larynx in 
flüssiger Form applicirt. Zum Touchiren des Larynx bedient man sich 
am zweckmässigsten feinhaariger Pinsel oder weicher Schwämmchen, 
welche an einem entsprechend gekrümmten Drahte befestigt sind. Von Medi- 
camenten kommen hauptsächlich Caustica und Adstringentien (vornehmlich Ar- 
gentum nitricum nnd Tannin), meistens in wässeriger Lösung zur Verwendung; 
auch können Glycerinlösungen (z. B. Borax und Kalium bromatum in Gly- 
cerin u. a.) in Gebrauch gezogen werden. Die Concentration ist ungefähr 
dieselbe wie die oben für die Application mit' die Pharynxschleimhaut ange- 
gebene; und Überhaupi kommen hier unter Umstünden auch alle diejenigen 
Medicamente zur Benutzung, welche oben bei dieser Gelegenheit aufgezählt 
Bind. Die Application geschieht mit Hülfe (\v> Kehlkopfspiegels. 

Einspritzungen in den Kehlkopf mittelst der verschiedenen zu diesem 
Zwecke construirten Spritzen empfehlen sich nur ausnahmsweise und sind 
immer nur mit dc\- grössten Vorsicht anzuwenden. Von Medicamenten werden 
hier gleichfalls fast nur Adstringentien benutz! (namentlich zu erwähnen ist 
die Aqua Oalcis hei Diphtheritis und Croup). 

Ewald miiI Simon, Arzneiverordnnngslehre. in. Auil. -, 



98 Inhalationen zerstäubter Flüssigkeit. 

Die neben den Pinselungen wirksamste Methode zur Behandlung der Kehl- 
kopfschleimhaut ist die Inhalation zerstäubter medicamentöser Flüs- 
sigkeiten. Diese Methode erstreckt ihre Wirksamkeit auf den gesammten 
Respirations-Tractus : den Pharynx, den Larynx, die Trachea, die grossen und 
die kleinen Bronchien, endlich auch auf die Lungen. Sie ist deshalb nicht 
nur bei Krankheiten derjenigen Organe (Pharynx und Larynx) anwendbar, 
welche auch anderen localen Medicationen zugänglich sind, sondern sie hat 
auch den bedeutsamen Vortheil voraus, bei Krankheiten der tieferen Theile, 
die anderen Applicationen verschlossen sind, noch Nutzen zu entfalten. 

Die Zerstäubung von Flüssigkeiten wird zwar schon seit langer Zeit in 
den Gra dir werken zu therapeutischen Zwecken nutzbar gemacht, auch giebt 
es bereits seit Jahrzenten in einzelnen Bädern, wie z. B. in Oeynhausen und 
Nenndorf, sehr zweckmässige Vorrichtungen, um die dortigen Mineralquellen 
zu zerstäuben und die mit den Bestandtheilen derselben erfüllte Luft von den 
Kranken einathmen zu lassen; aber erst im Jahre 1858 wurde durch Sales- 
Girons' Erfindung eines portativen Pulverisateurs das Verfahren verallgemeinert 
und zu einer neuen Methode der respiratorischen Therapie erhoben; 
nunmehr erst wurde es möglich an jedem beliebigen Orte jede beliebige 
medicamentöse Flüssigkeit den Athmungsorganen einzuverleiben. 

Der von Sales-Girons construirte Apparat (Pulverisateur des liquides) be- 
ruht auf dem Prinzip, dass eine durch eine Luftpumpe unter starken Druck 
gebrachte Flüssigkeit in eine feine Ausflussröhre gedrängt und der aus dieser 
tretende Strahl gegen eine Platte geschleudert wird, an welcher er in einen 
feinen Nebel zerstiebt. Die Mängel des ersten Sales-Grirons'schen Pulverisateurs 
forderten zur Construction anderer zweckmässigerer Inhalations - Apparate 
heraus. Unter denjenigen, welche gleichfalls das Princip des Anprallens eines 
unter hohem Drucke stehenden Flüssigkeitsstrahles gegen eine Platte fest- 
halten, sind als die gebräuchlichsten zu erwähnen die von Lewin, Waiden- 
burg, Schnitzler. Die zuerst von Mathieu angegebene, aber etwas compli- 
cirte Methode der Zerstäubung durch Mischung comprimirter Luft mit Flüssig- 
keit ist wesentlich vereinfacht einerseits durch die Windler'sche Modifikation, 
nach welcher die medicamentöse Flüssigkeit aus einem Becher mit feiner 
unterer Oefthung gerade über der Ausflussöffnung der comprimirten Luft ab- 
tröpfelt und von dieser mit fortgerissen und zerstäubt wird, andererseits durch 
die Bergson'sche Vorrichtung. Diese letztere besteht darin, dass ein starker 
Luftstrom durch eine von zwei Gummiballons hergestellte Art Blasebalg 
(bei dem sogenannten Rafraichisseur wird statt des Blasebalgs mit dem 
Munde Luft eingeblasen) aus einer zugespitzten Glasröhre gedrängt wird, 
deren Oefinung mit dem gleichfalls zugespitzten Ende einer anderen in die 
medicamentöse Flüssigkeit eintauchenden Glasröhre zusammentrifft. Durch den 
starken Luftstrom, welcher über der zweiten Bohre hingetrieben wird, verdünnt 
sich der Luftinhalt in derselben, die Flüssigkeit steigt in die Höhe und wird 
bei ihrem Austritte aus der Röhrenmündung von dem Luftstrome getroffen 
und zerstäubt. — P^ine Modifikation des letzteren Apparates ist der Lister'sche 
Sprayapparat. Hier ist die Röhre, in welche die Luft hineingetrieben 
wird, auch nach unten, d. li. nach der das Medicamcnt enthaltenden Flasche 
zu, durchbohrt. Die Luft drückt deshalb auf die medicamentöse Flüssigkeit 
(wie in einem Beronsball), und es verbindet sich dcingemäss mit der Aspi- 
rationswirkung <lcs einfachen Bergson'schcn Apparats Doch die Druckwirkung, 
wodurch die Zerstäubung sehr verstärk! wird. - Ein anderes und jetzt fast 
ausschliesslich verwendetes Princip ist die Zerstäubung der medicamentösen 
Stulle mittelst Wasserdampf; dasselbe wurde zuerst von Siegle in Anwen- 
dung gebracht und hat sich als (las zweckmässigste bewährt, liier wird statt 
der comprimirten Luft der Druck siedenden Wasserdampfes angewendet, 
welcher in einem Metallkessel mit entsprechendem Dampfrohre erzeugt wird. 



Inhalationen zerstäubter Flüssigkeit. 99 

Manche dieser in verschiedenen Formen hergettellten Apparate sind zur Ver- 
meidung von Unglücksfällen mit einem Sicherheitsventil versehen. Im Grossen 
ist dies Princip auch in dem sog. Lister'schen Dampfspray verwerthet. Da 
es übrigens bei allen diesen Apparaten nur darauf ankommt, in einem ge- 
schlossenen Gefäss einen gewissen Luftdruck herzustellen, so kann man — 
wo es nicht auf die Temperatur des Nebels ankommt — jede mechanische 
Kraft (Wasserleitung, Uhrwerk u. s. w.) in geeigneter Weise dazu verwenden. 
Waldenburg machte indessen besonders darauf aufmerksam, dass in vielen 
Fällen die Inhalationen kalter Flüssigkeit, nicht warmer — wie sie der 
Siegle'sche Apparat liefert — indicirt ist, und wenigstens bei manchen chro- 
nischen Affectionen die Kälte wirksamer sich erweist als die Wärme. 

Die Procedur, welche beim Inhaliren befolgt wird, ist der Art, dass der 
Kranke in geringer Entfernung von dem in Thätigkeit gesetzten Apparate, den 
Kopf etwas nach hinten gebeugt, sitzt oder steht, den Mund weit geöffnet, 
die Zunge möglichst hervorstreckt und den ausströmenden Nebel in ruhigen 
Zügen einathmet. Bei Affectionen des Pharynx und Larynx lasse man nur 
oberflächlich inspiriren; bei Affectionen der Trachea, Bronchien und Lungen 
hingegen ist eine möglichst tiefe Inspiration nothwendig, doch darf die Ath- 
mungsthätigkeit nie gewaltsam angestrengt werden. Die Zeitdauer der jedes- 
maligen Procedur ist ungefähr 5 — 15 — 30 Minuten. In chronischen Fällen 
reicht es gewöhnlich aus, dieselbe ein oder zwei Mal täglich vornehmen zu 
lassen; in gewissen acuten Krankheiten hingegen, z. B. bei Croup und Diph- 
therie, ist eine häufigere Application indicirt. 

Bei Kindern unter 3 — 4 Jahren gelingt es gewöhnlich nicht, die Inhala- 
tionsmethode in wirksamer Weise zur Anwendung zu bringen ; indess giebt es 
auch Kinder, die gelehrig genug sind, um in regelrechter Weise die Inhala- 
tionen ausführen zu können. Man möge deshalb in dringenden Fällen den 
Versuch nicht scheuen und einige Geduld aufbieten, um vielleicht doch zum 
Ziele zu gelangen. 

Durch zahlreiche Versuche ist endgiltig festgestellt — was schon physio- 
logisch a priori selbstverständlich war — , dass beim Inhaliren der zerstäubten 
medicamentösen Flüssigkeit ein Theil derselben bis in die kleinsten Bronchien 
und in die Lungen eindringt; die bei weitem grösste Masse der Flüssigkeit 
jedoch schlägt sich im Pharynx, im Larynx und in der Trachea nieder. Es 
ist aus diesem Grunde erklärlich, dass die Wirkung der Inhalationen auf die 
oberen Theile des Respirations - Tractus , mit Einschluss des Pharynx, eine 
energischere ist als auf die Endigungen desselben. 

Die wichtigsten der bisher in Inhalationsform zur Anwendung gekommenen 
Mittel sind folgende: 

Acidum carbolicum .... 0,5 — 1,0 — 5,0 auf 500,0 Aq. dest.*), 
salicylicum .... desgleichen, 

lacticum 20,0—30,0—50,0 - 500,0 - 

tannicum 1.0— 2,5—10,0 - 500,0 - 

Alumen desgleichen, 

Ammonium chloratum . . . desgleichen, 

Aqua Amygdalar. amar. . 2,5 — 5,0 — 15,0 - 500,0 - 

Calcariae pure oder mit 2 — 4 Theilen Wasser verdünnt 

- chlorata 5,0— 25,0— 50,0 auf 500,0 Aq. 

hydrostdfurata . . . 15,0— 30,0— 50,0 - 500,0 - 

- Kreosoti 5,0— 15,0— 50,0 - 500,0 - 

Lanrocerasi 2,5- 5,0— 15,0 - 600,0 - 

- Picis 20,0—100,0—500,0 zu 500,0 (selbst zu 

Aq. picis pure zu steigen 

*) Dir mittleren Dosen sind im Allgemeinen <li" am häufigsten anzuwendenden. 



100 Inhalationen zerstäubter Flüssigkeit. 

Borax 1,0 — 2,5 —10,0 auf 500,0 Aq. 

Extractum Belladonnae . . 0,05— 0,1 — 0,25 - 500,0 - 

Conii maculati . 0,25— 0,5 — 0,75 - 500.0 - 

Hyoscyami . . 0,25— 0,5 — 1,0 - 500,0 - 

Opii 0,05— 0,25— 0,5 - 500,0 - 

Stramonii . . . 0,05— 0,25— 0,5 - 500,0 - 
Flor. Sambuci, Flor. Tiliae 

n. a. Infiisum e5,0 —10,0 —25,0 - 500,0 - 

Hydrarg. bichlor. corros. . 0,1 — 0,25 — 0,5 — 1,0 auf 500,0 Aq. 

Jodum purum 0,02 — 0,05 — 1,0 zu einer Solut. Kalii jo- 

dati (s. unten) 500,0 

Kali* chloricum 1,0 — 2,5 —10,0 auf 500,0 Aq. 

hypermanganicum . . 0,5 — 1,0 — 5,0 - 500,0 - 

Kalium bromatum 1,0 — 2,5 — 10,0 - 500,0 - 

jodatum 1,0—1,5 — 2,5 - 500,0 - 

Liquor Ferri sesquichlor. . 1,0 — 5,0 — 20,0 - 500,0 - 

Kali arsenicosi . . 0,5 — 1,0 — 3,0 - 500,0 - 

- caustici. ... 2,0 —10,0 —40,0 - 500,0 - 

Natri caustici ... 2,0 —10,0 —50,0 - 500,0 - 

Lithium carbonicum .... 1,0 — 2,5 — 10,0 - 500,0 - 

Natrium benzoicum .... desgleichen, 

Natrium chloratum .... 1,0 — 2,5 —10,0 - 500,0 - 

Natrium bicarbonicum . . . 1,0 — 2,5 — 10,0 - 500,0 - 

carbonicum .... 1,0—2,0 — 5,0 - 500,0 - 

Oleum Pini 0,5—2,5 —10,0 - 500,0 - 

Terebinth 0,5 — 2,5 —10,0 - 500,0 - 

Plumbum aceticum .... 0,5 — 1,5 — 5,0 - 500,0 - 

Tinct. Cannabis indic. . . 0,5 — 1,5 — 5,0 - 500,0 - 

Conii maculat. . . . 0,5 — 1,0 — 5,0 - 500,0 - 

Opii simpl 0,25— 1,0 — 5,0 - 500,0 - 

Zincum sulfuricum 0,5 — 1,5 — 5,0 - 500,0 - 

Verschiedene Mineralwässer, wie die von Ems, Salzbrunn, Weilbach, Nenn- 
dorf u. a. pure oder mit gleichen Theilen Wasser oder Wasser mit Milch 

verdünnt. 

Obgleich die Reihe der in dieser Anwendungsfonn zu gebrauchenden 
Mittel mit vorstehender Tabelle nicht abgeschlossen ist, sondern durch passende 
Verbindungen leicht erweitert werden kann, möge man doch im allgemeinen 
die Zahl der Medicamente nicht zu weit ausdehnen und hauptsächlich nur 
solche berücksichtigen, von denen sich eine locale Wirkung auf Schleimhäute 
erwarten lässt, nicht solche, durch die man nur eine allgemeine Wirkung in 
Folge der Resorption voraussetzen darf. Die allgemeine Praxis hat sich nur 
für eine kleine Zahl der oben aufgeführten Mittel, und zwar im wesentlichen 
die Lösenden, adstringirenden und antiseptisch wirkenden entschieden. Bezüg- 
lich der Dosis ist zu bemerken, dass diese immer mit einiger Vorsicht zu 
greifen sein wird, indem eine ziemlich ausgedehnte Schleimhautfläche mit dem 
Mittel in Berührung kommt, dessen fein vertheiltor Zustand die Resorption 
wesentlich erleichtert. Auch hat sieh durch die Erfahrung herausgestellt, 
dass man durch ziemlich verdünnte Lösungen im ganzen bessere Resultate 
erzielt, ;ils durch die coiicentrirten. die von manchen Seiten empfohlen werden. 
Man wird deshalb die Dosis der in dieser Weise zur Anwendung kommenden 
Substanzen mindestens eben so vorsichtig begrenzen müssen, wie bei der 
innerlichen Darreichung. 

Die Form, in welcher die Mittel zu verordnen sind, ist selbstredend die 
der Solution, resp. Mixtur (bisweilen auch Infusa); complicirtere Arzneiformen, 



Inhalation von Dämpfen. 101 



wie z. B. die Emulsion, eignen sich deshalb nicht zur Inhalation, weil einer- 
seits ihre Resorption erschwert ist, und sie andererseits vermöge ihrer Dick- 
flüssigkeit leicht Verstopfung der feinen Röhren des Apparates herbeiführen. 

An die Inhalationen der zerstäubten Flüssigkeiten reihen sich die der 
Dämpfe, Dünste und Gase an. Zu den Dampf- und Dunstinhalationen 
sind natürlich nur solche Substanzen zu benutzen, welche entweder selbst 
flüchtig sind, oder aus welchen bei höherer Temperatur flüchtige Substanzen 
sich entwickeln. (Von manchen Seiten wurde der Missgriff begangen, Sub- 
stanzen, welche diese Eigenschaft nicht besitzen, wie z. B. Argentum nitricum, 
zur Dampf-Inhalation zu verwenden. Erhitzt man eine Höllensteinlösung zum 
Verdampfen, so entwickeln sich nur reine Wasserdämpfe, und nur zufällig 
können durch Verspritzen der Lösung während des Siedens auch kleine Quan- 
titäten der Höllenstein-Solution den Dämpfen mechanisch beigemengt werden.) 
Das einfachste zur Dampf - Inhalation benutzte Mittel ist das Wasser. Dem 
Wasser können entweder Medicamente hinzugesetzt werden, welche flüchtige 
Bestandteile enthalten, z. B. aromatische Kräuter (Flor. Chamomillae, Flor. 
Tiliae, Flor. Sambuci, Flor. Arnicae u. a.) und einzelne Narcotica (Fol. Nico- 
tianae, Herba Conü maculat., Fol. Belladonnae u. a.) oder Substanzen, welche 
in ihrer Totalität sich verflüchtigen, wie Ol. Terebinthinae , Jod, Kreosot, 
Salmiak u. a. Dieser Art der Verdampfung in Verbindung mit Wasser, welche 
man Halitus genannt hat, steht die Methode der trockenen Verdampfung 
oder Räucherung, Suffitus, gegenüber. Zu letzterer verwerthet man vor- 
nehmlich balsamische Substanzen (Olibanum, Ammoniacum, Benzoe u. a.), 
hauptsächlich auch Pix liquida, Cera alba, ferner manche Narcotica (wie 
Opium, Fol. Nicotian. Tabacum, Fol. Stramonii u. a.), sodann auch Zinnober, 
Arsenik, Salmiak, Salpeterpapier u. a. Endlich sind Substanzen, welche schon 
bei niederer Temperatur sich verflüchtigen, selbst ohne Anwendung von Wärme 
zur Dampf- oder Dunstinhalation zu verwenden ; hierher gehören die verschie- 
denen ätherischen Oele, ferner Chloroform, Aether, Kreosot, Aceton, Acid. 
acetic, Campher, Jodäther u. a. 

Die Einathmungen der Dämpfe geschehen entweder in der Art, dass man 
die Zimmerluft mit denselben imprägnirt, oder die betreffenden Dämpfe mittelst 
bestimmter Vorrichtungen direct in die Athemorgane gelangen lässt. Aether- 
und Chloroform-Dämpfe werden, wenn irgend möglich, durch besondere mas- 
kenartige, vor Mund und Nase gehaltene Hauben, die mit Flanell oder Filz 
überzogen sind und auf welche das betreffende Medicament aufgegossen wird, 
eingeathmet. Dabei ist dafür zu sorgen, dass die atmosphärische Luft neben- 
her noch Zutritt hat. Nur in Ermangelung solcher Masken kann man sich 
mit einem tutenförmig zusammengelegten und vor Mund und Nase gehaltenen 
Taschentuche behelfen. Aetherische und empyreumatische Oele lässt man 
zweckmässig in der Weise einathmen, dass man einige Tropfen des Oeles in 
einem Weinglase, welches zum dritten Theile mit Wasser gefüllt ist, mit 
demselben schüttelt und die aufsteigenden Riechstoffe inhalirt. Für eine 
grosse Menge zur Einathmung verwendeter Stoffe zieht man mit Vortheil 
die Inhalationsröhren, d. h. kleine gläserne Cylinder, oder statt ihrer 
auch einfache Fläschchen mit weitem Hals, in Gebrauch, welche mit einem 
losen Wattenpfropf gefüllt sind, auf den die zu inhalirende Substanz gebracht 
wird: der durch Enspirationsbewegungen durch die Watte gehende Luftstrom 
imprägnirt sich vollständig mit den Lnhalationsstoffen und führt dieselben in 
die Athemorgane ein. Auch kann man die Kranken einen Kespirator tragen 

l;i isen, welcher mit einem Wattepfropf oder Schwamm versehen ist. auf den 
die zu inhalirende Substanz gebracht wird fCurschmann, Berl. klin. Wochen- 
schrift. L879. No. 29.). Ebenso Dünste mancher fester Stoffe, wie Jod und 
Campher, können auf diese Weise eingeathmet werden, und bestehen die so- 
genannten Cigarettes eamphreee im wesentlichen aus Vorrichtungen dieser Art. 



102 Inhalation von Dämpfen und Gasen. 

— Für die Einathmung von reinen Wasser dämpfen, oder solchen, die mit 
medicamentösen flüchtigen Stoffen imprägnirt sind (Halitus), ist folgende sehr 
einfache Vorrichtung ausreichend: Man bringt unter einen mit Wasser und 
dem Medicament gefüllten blechernen Topf eine Spiritusflamme, setzt auf die 
Oeffnung des Topfes einen passenden Trichter mit langem im Winkel gebo- 
genen Ausflussrohr (welches dann natürlich nach oben sieht) und lässt den 
Dampf durch den Trichter entweder direct mit offenem Munde einathmen, 
oder man schaltet noch einen Gummischlauch ein, den man an dem Trichter- 
ende befestigt. Zweckmässiger ist es, einen Retorten- ähnlichen Apparat in An- 
wendung zu ziehen, der oben noch eine durch einen Stöpsel verschliessbare, 
zum Einfüllen der Flüssigkeit zu benutzende Oeffnung besitzt. Das Ende der 
Retorte wkd in ein cylindrisches Mundstück geleitet, derart, dass die atmo- 
sphärische Luft freien Zutritt hat und die Dämpfe noch genügend abkühlen 
kann; die Abkühlung kann noch durch kalte, auf den Cylinder zu legende 
Schwämme befördert werden. — Es ist zu bemerken, dass diese immerhin 
complicirte Art der Inhalation durch die neue Methode der Inhalation zer- 
stäubter Flüssigkeiten, welche einfacher herzustellen und auch wirksamer ist, 
fast vollständig entbehrlich geworden ist. 

Die trockenen Räucherungen (Suffitus) geschehen entweder ohne beson- 
deren Apparat in der Nähe des Kranken, indem derselbe die entwickelten 
Dämpfe frei mit offenem Munde einathmet, oder man bedient sich in manchen 
Fällen gleichfalls einfacher Apparate mit Mundstück, vermittelst derer der 
Kranke inhalirt. Bequem, wenn auch nicht immer zweckmässig, ist die von 
vielen Seiten gerühmte Dampf - Inhalation vermittelst medicamentöser Ci- 
garren oder mit Hülfe von Pfeifen nach der Art der Tabakspfeifen. Will 
man sich indess dieser Methode bedienen, so muss man darauf achten, dass 
der Patient in türkischer Weise raucht, d. h. derart, dass er den Dampf in 
Wirklichkeit in die Lungen einathmet, nicht einfach — wie dies gewöhnlich 
beim Rauchen geschieht — den Rauch in die Mundhöhle einzieht und dann 
wieder aus derselben herauslässt. 

Es bleiben nun noch die Inhalationen von Gasen zu erwähnen. Benutzt 
werden Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, Kohlensäure, Kohlenwasserstoff, 
Ammoniak, Schwefelwasserstoff, Stickstoffoxydulgas u. a. , alle natürlich — 
mit theilweiser Ausnahme des Sauerstoffs und Stickoxyduls — in Verbin- 
dung mit atmosphärischer Luft. Die Inhalation geschieht entweder derart, 
dass die Atmosphäre mit den betreffenden Luftarten imprägnirt, und der Pa- 
tient kürzere oder längere Zeit hindurch dem Aufenthalte in dieser Atmosphäre 
ausgesetzt wird, oder dass man Gasströme direct durch geeignete Vorrichtun- 
gen den Athmungsorganen zuführt. Meist sind derartige Applicationen an Kur- 
orten in Gebrauch, in denen die betreffenden Gasarten (C0. 2 , H 2 S, N) mit den 
Quellen ausströmen und entweder ohne weiteres über denselben eingeathmet 
werden, oder wo man das gashaltige Wasser durch feines Zerstäuben in 
Nebelform verwandelt und so in die Äthemorgane einströmen lässt. Hierher 
gehört auch der für gewisse Krankheitszustände empfohlene Aufenthalt in 
Bleichfabriken (Chlorgas), in Kuhställen, in Leuchtgas-Anstalten, die Treutler- 
Bchen Stickstoff- Inhalationen u. s. w. — Die Apparate, die zur Einathmung 
von Gasen benutzt werden, sind entweder gewöhnliche Gasometer oder grosse 
Thierblasen, oder Gummiballons, die mit einem Mundstück versehen sind. 

Den Gas-Inhalationen sind auch die pneumatischen Cabinette anzu- 
reihen, in welchen zwar gewöhnliche atmosphärische Luft, aber in eompri- 
mirtem (resp. verdünntem) Zustande zur Anwendung kommt. Der Kranke 
hüll sich längere Zeil (ca. 1 — k J Stunden) im Cabinette auf. Ein derartiges 
pneumatisches Cabinet ist zuerst von Tabarie construirt und therapeutisch 
verwerihet worden; wegen seiner Kostspieligkeit li.it es nur langsam Nach- 



Injectionen in die Blase und Harnröhre. 103 

'ahmung gefunden. Gegenwärtig 1 sind jedoch solche Apparate bereits in den 
meisten grösseren Städten und Kurorten vorhanden. 

Hieran schliesst sich die Anwendung der transportablen pneumati- 
schen Apparate, welche zur Einathmung sei es comprimirter, sei es ver- 
dünnter Luft, oder zur Ausathmung in verdünnte Luft, bei Krankheiten nicht 
nur des Respirations-, sondern auch des Circulationsapparates dienen. Die 
grösste Verbreitung derselben hat der von Waldenburg nach dem Princip 
der Gasometer construirte gefunden. Ihm schliessen sich die Apparate von 
Biedert, Fraenkel etc. an. Es würde zu weit rühren, an dieser Stelle die 
verschiedenen Constructionen eingehend zu besprechen oder über den Werth 
der sogen, pneumatischen Therapie überhaupt ein motivirtes Urtheil abgeben 
zu wollen. Ihre besten, ja vielleicht ihre einzigen Erfolge hat sie bei den 
emphysematösen (asthmatischen) und verwandten Zuständen der Lungen er- 
reicht. Wir verweisen indess in dieser Beziehung auf Waidenburg*) und 
Rossbach**), bei welch' letzterem sich eine kritische und objective Bespre- 
chung der Methode findet. 

Die Dampf-, Dunst- und Gas - Inhalationen haben entweder den Zweck, 
local auf die Schleimhaut der Respirations-Organe zu wirken oder allgemeine 
Wirkungen hervorzurufen. Für den letzteren Zweck sind vorzugsweise die 
anästhesirenden Inhalationen von Chloroform- und Aetherdämpfen in Gebrauch, 
und zwar nicht blos als Vorbereitungsmittel für Operationen, sondern auch als 
Heilmittel bei gewissen Leiden spastischer oder neuralgischer Natur, ferner 
manche narkotische Inhalationen, die Einathmung von Sauerstoff u. a. 

Ueber die Dosis der zu Einathmungen verwendeten Stoffe lassen sich 
keine allgemeinen Angaben machen, da dieselbe je nach der Art des Stoffes, 
der Nahm des zur Behandlung kommenden Leidens, sowie der Individualität 
des Kranken den vielfachsten Modifikationen unterworfen ist. Ebenso ist die 
Dauer der jedesmaligen Inhalation in denjenigen Fällen, in welchen die Dämpfe 
direct den Athemorganen zugeführt werden, nicht im allgemeinen zu bestimmen, 
weil auch diese von der inhalirten Substanz, sowie von der Art, in welcher 
die Einathmung ertragen wird, abhängt. 

Ueberhaupt kann das Specielle über die verschiedenen Inhalations- und 
Respirations -Methoden nicht in diesen kurzen Abriss aufgenommen werden, 
und muss hierüber auf die betreffenden Lehrbücher verwiesen werden. 

6. Application auf die Schleimhaut der Harnorgane. 

Die directe Einwirkung auf die Schleimhaut der Blase wird durch In- 
jection von Mitteln, welche in Wasser gelöst sind, herbeigeführt. Die hierbei 
zu befolgende Procedur besteht darin, dass man, nachdem die Blase durch 
Einlage eines Katheters entleert worden ist, die mit der Flüssigkeit gefüllte 
Injections-Spritze oder den Schlauch eines Irrigators (Fürstenheim), am ein- 
fachsten einen mit Trichter versehenen Schlauch (Hegar) in die äussere Mün- 
dung des Katheters einführt und die Einspritzung resp. Eingiessung in lang- 
samer und stetiger Weise vollzieht. Die Injectionen in die Blase werden 
entweder in der Absicht gemacht, die Flüssigkeit längere Zeit mit der Schleim- 
haut in Contact zu lassen oder sie nur momentan in einen solchen zu bringen, 
in welchem letzteren Falle man die Sonde a double courant anwendet, durch 
deren zweite Röhre die injicirte Flüssigkeit alsbald aus der Blase abfliesst. 
Handelt es sich nur um das Einbringen bestimmter Fliissigkeitsmengen in die 

*) Die pneumatische Behandlung der Respirations- und Ciroulatioftskrankheiten 
Berlin. Birscbwald. 1880. 

**) Lehrbuch der physikalischen Heilmethoden, Berlin. Birschwald, 1881. 



104 Injectionen in die Blase und Harnröhre. 

Blase, so kann man auch, namentlich bei Patienten, welche an einer exces- 
siven Reiz- und Reflexerregbarkeit der Harnblase leiden, von dem Einführen 
eines Katheters ganz Abstand nehmen. Man führt zu dem Zweck das mit 
einer kleinen Canüle armirte Ende eines Irrigatorschlauches in die obere 
Hararöhrenöffnung ein, drückt die Lippen der Harnröhre um die Canüle fest 
zusammen und hat nun nur den mit der einzubringenden Flüssigkeit gefüllten 
Irrigator hoch genug zu heben, um den Widerstand des Sphincter vesicae zu 
überwinden (Berthole). 

Der therapeutische Zweck der Blasen- Inj ectionen, abgesehen von denen, 
welche als Vorbereitungsmittel für chirurgische Operationen gemacht werden, 
kann darin bestehen, reinigend, einhüllend, narkotisch, adstringirend, ätzend, 
chemisch neutralisirend oder lösend und desinficirend resp. antiseptisch zu 
wirken. Zu reinigenden Injectionen bedient man sich des warmen Wassers, 
zu einhüllenden meistens der Milch und schleimiger Abkochungen, zu narko- 
tischen der Abkochungen von Hyoscyamus, Belladonna, der Lösungen von 
Opium - Präparaten , zu adstringirenden und ätzenden der gerbsäurehaltigen 
Stoffe, des Alaun, der Zink-, Kupfer-, Blei- und Silbersalze; zu chemisch 
neutralisirenden und lösenden wendet man, je nach der Natur des Schleimes 
und der Concretionen , Lösungen von Aq. Calcariae, von Kalium carbonicum, 
Borax, schwache Lösungen von Salz-, seltener von Phosphorsäure an. Als 
Desinficientien resp. Antiseptica dienen die Salicylsäure , Natrium benzo'icum, 
Thymol, Carbol u. s. f. 

Die Dosis, resp. Concentration der zu Injectionen in die Blase zu ver- 
wendenden Stoffe wird etwas stärker gegriffen, wie bei den übrigen auf die 
Schleimhäute applicirten flüssigen Formen. — Die Grösse jeder Injection be- 
lauft sich auf etwa 50,0 — 150,0. 

In Wasser unlösliche Substanzen, wie z. B. Jodoform, werden in Gestalt 
von Gelatine-, Cacao- etc. Stäbchen (s. u.) mit Hülfe einer Leitungssonde in 
die Blase vorgeschoben. 

Auf die Schleimhaut der Harnröhre werden die Arzneimittel sowohl in 
flüssiger, als in fester Form applicirt. Die erstere wird auf dem Wege der 
Injection der betreffenden Scbleimhaut zugeführt. Die Einspritzungen vollzieht 
man in folgender Art: Man führt die mit möglichst rund geschliffener Spitze 
versehene Spritze (am besten Zinn - Spritzen , nur für Injectionen aus Argent. 
nitric. Glasspritzen; die Spritzen ans (Jummibeuteln haben sich nicht bewährt) 
in die Harnröhre bis nahe an die Fossa navicularis ein, drückt die Lippen 
der Harnröhre fest an das Instrument, macht langsam und ♦ohne gewaltsames 
Forciren die Injection und zieht dann die Spritze so heraus, dass unmittelbar 
nach ihrer Entfernung die Labien durch den Druck des Daumens und des 
Zeigefingers ventilartig an einander schliessen, und die Injections- Flüssigkeit 
in (\cv Harnröhre zurückgehalten wird; öffnet man die Finger nach Verlauf 
von 1 — 2 Minuten, so nmss die; eingespritzte Masse, wenn die Injection richtig 
vollzogen worden ist, in Form eines kleinen Strahles von der Harnröhre aus- 
gepressl werden. 

Die [nj ectionen in die Harnröhre sind meistens adstringirender oder cau- 
stischer, selten einhüllender oder narkotischer Natur. Harzige oder balsamische 
Stoffe 'die entweder pur oder der gleichmässigen Vertheilung wegen in Emul- 
sionsform verschrieben werden). Tannin, Salicylsäure, Metallsalze (Zink, Blei, 
Kupfer, Silber, Sublimat), Rethwein sind die hier vorzugsweise zur Anwendung 
kommenden Substanzen, denen oft narkotische Zusätze (in Form von Tinct. 
Opii, Aq. Laurocerasi u. dgl.) gemacht werden. 

Die Grösse jeder Injection beträgt ca. 7,5 -15,0, und die Abmessung 
derselben wird durch das Volumen der [njections-Spritze bewirkt. Die in der 
Regel rerordnete Gesammt-Dosis beläuft sieh auf L50,0— 250,0. Beim Füllen 
der Spritze tauche man diese nicht in das Arzneiglas, wodurch immer Unrein- 



Application in die Harnröhre. 



105 



lichkeiten hineingebracht werden, sondern ziehe den Stempel aus der Spritze, 
schliesse die untere Oeffnung mit dem Daumen und giesse die Solution in 
die Spritze hinein. Dann setze man den Stempel wieder ein und drücke ihn 
zur Entfernung etwaiger Luftblasen mit nach oben gehaltener Spitze etwas 
nach abwärts. 



Beispiele. 



R 



D 



Dec. Fol. Malvae 250,0 

adde 
Aq. Laurocerasi 15,0. 
S. Den vierten Theil zu einer Ein- 
spritzung in die Blase zu nehmen. 



II. 11 

Acid. nydrochloric. 2,5 
Aq. Chamomill. 250,0 
Tinct. Opii 5,0. 
D. S. Morgens und Abends den vierten 
Theil in die Blase einzuspritzen. 

III. Bf 

Bals. Copaiv. 10,0 



Bals. Peruv. 2,5 
Gummi Arab. 5,0. 
F. c. Aq. dest. 
Emuls. 200,0. 
D. S. Drei- bis viermal täglich eine Ein- 
spritzung in die Blase zu machen. 



IV. fy 

Zinci sulfur. 
Plumb. acet. ana 0,5 

solve in 
Aq. destill. 200,0. 
D. S. Dreimal täglich eine Einspritzung 
in die Harnröhre. 



Feste Arzneiformen werden jetzt häufiger auf die Schleimhaut der 
Harnröhre applicirt. Specielle Erwähnung verdienen hierbei nur die Salben, 
die Aetzmittel in Substanz und die Kerzen. Salben werden entweder 
auf Charpie- Bäuschchen oder Leinwand - Cylindern in die Harnröhre gebracht 
und längere oder kürzere Zeit mit derselben in Berührung gelassen. Ausser 
den Quecksilber-Präparaten und dem Höllenstein dürften kaum andere Arznei- 
stoffe in dieser Form zur Anwendung kommen. — Die Aetzmittel in Sub- 
stanz werden mittelst gefensterter Porte - caustiques an die betreffende Stelle 
geführt. Sehr präeis lassen sich Caustica und Adstringentien an bestimmte 
circumscripte Stellen der Harnröhrenschleimhaut mit Hülfe des Endoskops 
(Beleuchtungsspiegel für die Harnröhre und Blase) appliciren. 

Die Kerzen, Cereoli, Baccilli medicamentosi , sind cylindrische , dem 
Lumen der Harnröhre entsprechende Körper, welche aus Darmsaiten oder 
aus Geweben, die mit Firniss getränkt sind, oder aus zusammengerollten 
Pflasterstreifen oder aus Gelatine resp. Cacaobutter bestehen und dazu dienen 
sollen, entweder mechanisch erweiternd auf die Harnröhre zu wirken, oder 
deren Lumen zu untersuchen (Cereoli dilatatorii s. exploratorii) oder Arznei- 
mittel in die Harnröhre einzuführen (Cereoli medicati s. armati); namentlich 
wendet man die Kerzen für den letzteren Zweck an, sei es um die Schleim- 
haut der Harnröhre mit Salben in Contact zu bringen, sei es um Aetzmittel oilcv 
Adstringentien (z. I>. Tannin) oder Narcotica, Jodoform etc. auf dieselbe zu 
appliciren. Derartige Bougies gelatineuses sind jetzt in den meisten Apotheken 

Ebenso lassen sie sieh ans Cacao verfertigen. 



mit bestimmtem Gehall vorräthig. 



Beispiel. 



!•'• 



Jodoform, faba Toncae desod. 2,0 
Butyri e Cacao 20,0. 
M. I' n. calor. ¥. baoill. medicamentos. Bougie No. 
[Zur Einführung in die Harnröhre l>'-i chron. Gonorrhoe, l"-i Behandlung von Strioturen, 
zur Einführung in Hie Blase bei Urin-Zersetzung and Katarrh.] 



lOfi Application auf die Schleimhaut der Vagina. 



7. Application auf die Schleimhaut der weiblichen Sexual- 

Organe. 

Um auf die Schleimhaut der weiblichen Sexual-Organe zu wirken, zieht 
man tropfbar-flüssige, elastisch-flüssige, pulverisirte und feste Arzneiformen in 
Gebrauch. 

I. Application auf die Vagina. Unter den tropfbar-flüssigen Arznei- 
formen werden zumeist die Injectionen angewendet; zur Vollziehung derselben 
bedient man sich nur noch wenig der sogenannten Mutterspritzen, welche in 
ihrem Volumen den gewöhnlichen Klystierspritzen entsprechen, sondern meist 
der Irrigatoren mit Gummischlauch und Canüle aus Glas oder Hartgummi. 
Letztere sind der Krümmung der Vagina entsprechend gebogen und endigen 
in einem kolbenförmigen, mehrfach durchbohrten Knopf, so dass die Injections- 
Flüssigkeit aus einer grösseren Anzahl feinerer Oeffmmgen an die Wandungen 
der Vagina und den Gebärmutterhals tritt. 

Die Scheiden-Einspritzungen sind dazu bestimmt, reinigend, antiseptisch, 
narkotisch, adstringirend (styptisch) oder ätzend zu wirken, und es kommen 
deshalb alle diejenigen Mittel, deren wir bei der früheren Besprechung von 
Injectionen Erwähnung gethan, auch hier in Anwendung (hauptsächlich Tannin, 
Alaun, Acetum, Acidum carbolicum, Plumbum aceticum, Zincum sulfuricum, 
Ferrum sesquichloratum , Argentum nitricum, Hydrargyr. bichloratum corros., 
Jod, Natrium chloratum, Natrum carbonicum, aromatische Infusa u. a.). Bei 
der geringeren Empfindlichkeit, welche meistens die Schleimhaut der Scheide 
darbietet, werden die Dosirungs -Verhältnisse der zu den Injectionen verwen- 
deten Arzneistoffe etwas weitgreifender zu bemessen sein. Das Volumen einer 
jedesmaligen Einspritzung beträgt etwa 50,0 bis 150,0 und die Gesammt- 
masse der zu verordnenden Flüssigkeit wird demnach mehrere Pfunde be- 
tragen müssen. 

Als eine in neuerer Zeit von namhaften Gynäkologen vielfach in Anwen- 
dung gezogene Injections- Methode ist die Uterus-Douche zu erwähnen, 
welche mittelst einer Druckpumpe oder eines nach Ermessen hoch gehängten 
Irrigationsgefässes applicirt wird und einen continuirlichen Wasserstrahl erzeugt, 
der mit grösserer Kraft an die betreffende Schleimhaut tritt. An Badeorten 
finden sich in der Regel Vorrichtungen, um derartige Injectionen unter be- 
deutendem Drucke in die Vagina treten zu lassen (Douches ascendantes). 

Wo es darauf ankommt, nur ganz beschränkte Stellen des Collum uteri 
oder der Vaginalschleimhaut namentlich mit differenten Substanzen in Berüh- 
rung zu bringen, ersetzt man die Injectionen durch Einpinselungen concentrirter 
Solutionen. Dieselben werden nach vorgängiger Einführung eines Mutterspiegels 
mittelst eines Haarpinsels oder auch eines Glasstäbchens auf die betreffende 
Stelle gebracht. Zur Anwendung in dieser Form kommen vorzugsweise So- 
lutionen von Argent. oitricum, Acid. chromicum, Acid. acet., Acid. nitricum, 
Kreosot, Zincum chloratum u. s. w. 

Will man eine medicaniontöso Flüssigkeit auf längere Zeit in Contact 
mit der Vaginalschleimhaul erhalten, s<> kann man dies dadurch bewirken, 
dass man cylindrische oder konisch geformte Schwämme, mit der betreffen- 
den Flüssigkeit imprägnirt, in die Vagina einführt und dort entweder durch 
ihr eigenes Aulquellen oder durch anderweitige mechanische llüllsmittel fest- 
hält. Viel mein- empfiehlt es sich, Tampons aus entfetteter Watte be- 
reite! und behufs Leichter Entfernung mit einem aus dem [ntroitus hervor- 
hängenden Faden umwickelt mit einer Lösung (U^ Mittels zu imprägniren 
(vorzugsweise wählt man die Lösungen in Glvcenn | und mehrere (bis 10) 
Stunden liegen zu lassen. — Ausserdem wählt man in diesem Sinne, zumal 



Vaffinallniffel n . 107 



wo es sich um die Application antiseptischer Mittel handelt, in den letzten 
Jahren gerne die Form der permanenten Irrigation. 

Waschungen der Vaginalschlei mhaut werden mittelst Schwämme voll- 
zogen, sind aber nicht Seitens der Kranken, sondern nur durch den Arzt, 
namentlich vor Operationen an der Portio vaginalis und der Scheidenwandung, 
auszuführen. 

Bäder in Form von Sitzbädern werden zwar häufig angewendet, um 
auf die Vaginalschleimhaut zu wirken, dürften jedoch, wenn sie unter gewöhn- 
lichen Bedingungen gegeben werden, schwerlich einen Contact der Badeflüssig- 
keit mit der Schleimhaut herbeiführen. Um einen solchen zu ermöglichen, 
muss man sich der eigens dazu geformten Sack'schen Sitzbadewanne bedienen, 
in welcher die Badende stark nach hinten gelehnt sitzt und die Genital-Partien 
so tief gelagert sind, dass der Eintritt des Wassers in die Vagina durch den 
Druck desselben stattfindet. Noch zweckmässiger ist der Gebrauch des ge- 
fensterten Mutterspiegels, eines Speculums von gewöhnlicher Form, dessen 
Wandungen vielfach durchbrochen sind; wird dasselbe während des Sitzbades 
eingeführt, so erweitert es den Eingang zur Vagina, gleicht deren Krümmung 
aus und gestattet der Badeflüssigkeit den vollkommen freien Eintritt in die- 
selbe. Der vom Erfinder des Badespiegels, Raciborski, gemachte Vorschlag, 
medicamentöse Substanzen in fester Form in das Speculum einzulegen und 
von der Badeflüssigkeit lösen zu lassen, gewährt keine weiteren Vortheile, 
entzieht vielmehr dem Arzte die Controle über die Intensität der zur eigent- 
lichen Wirkung kommenden Lösung. 

Als elastisch -flüssige Applicationsformen sind die Dampfbäder und die 
Gasdouchen zu erwähnen. Die Dampfbäder werden in der Regel so ge- 
macht, dass die Patientinnen sich über ein grösseres Gefäss, welches mit 
heisser Flüssigkeit gefüllt ist, setzen und die Dämpfe zu den Genitalien auf- 
steigen lassen. Auch hierbei findet schwerlich der Eintritt der dampfförmigen 
Flüssigkeit in die Vagina statt, wenn nicht die vorgängige Erweiterung und 
Wegsammachung derselben durch Einführung eines gefensterten Speculums die 
mechanischen Hindernisse für diesen Eintritt beseitigt hat. — Die für Anwen- 
dung der ärzlicherseits übrigens recht selten verordneten Dampfbäder meist 
gebräuchlichen Substanzen sind entweder heisses Wasser oder Infusionen aro- 
matischer Vegetabilien (Chamomilla, Valeriana u. s. w.), da nur bei diesen 
letzteren vorauszusetzen ist, dass die arzneilichen Stoffe, von den Dämpfen 
getragen, zur Wirksamkeit kommen. 

Die Anwendung der Gasdouche hatte vor einiger Zeit, seitdem man 
auf Simpson's Empfehlung in der Kohlensäure ein wirksames Mittel gegen 
neuralgische Beschwerden des Uterus zu sehen vermeinte, hier und da Ver- 
breitung erfahren. Man ertheilt die Gasdouche, indem man entweder aus 
einem Gasometer einen beweglichen Schlauch in die Vagina einleitet (ein .Ver- 
fahren, welches aber in den meisten Fällen für den häuslichen Gebrauch 
keine Anwendung finden dürfte), oder indem man Kautschukbeutel mit dem 
betreffenden <i;i>e füllt und dasselbe durch den Druck in die Vagina ein- 
strömen lässt. 

In Pulverform werden neuerdings mehrere Antiseptica (Acid. salieyli- 
eiun und Jodoform) verwendet und zwar vorzugsweise nach plastischen Ope- 
rationen am Damm, der Scheide und der Portio vaginalis, doch auch zur 
Beilung bestimmter Geschwürsformen, mich deren Ausschabung u. s. w. 

In Substanz wendet man fast ausschliesslich die Act/mittel an, 
welche durch geeignete Aetzmittelträger sowohl mit der Vaginalschleimhaut, 
als mit dem ( iebärmutterhalse in l>eriihrimg gebracht werden können. Eine 
andere Anwendungsform der Medicamente in Substanz oder in Species oder 
gröblichen Pulvern, welche als die der medicinischen Pessarien bezeichnet 
wurde, ist jetzt wenig in Gebrauch; sie bestand darin, leinene öäokchen, mit 



08 



Vaginalkugeln. — Mutterzäpfchen. 



Species gefüllt (z. B. Cort. Chinae, Cort. Quercus u. s. w.) in die Vagina ein- 
zuführen und daselbst längere Zeit liegen zu lassen. 

Salben werden, auf Charpiebäuschchen gestrichen, in die Vagina einge- 
führt und mittelst Pessarien darin festgehalten, eine Anwendungsform, welche, 
so lange man sich dazu der Fette bediente, nicht als zweckmässig bezeichnet 
werden konnte, da die meisten Salben - Constituentia unter dem Einflüsse des 
Vaginalschleimes in ranzige Zersetzung übergehen und irritirend auf die 
Schleimhaut wirken. 

Zweckmässiger als die Salben sind die sogenannten Vaginal kugeln, 
bestehend aus einem etwas festen Gerat (2 Th. Wachs und 1 Th. Fett oder 
2 Th. Wachs und 1 Th. Oel), welchem man ein Medicament (Narcotica, 
Adstringentia, allenfalls auch Unguent. Hydrargyr. einer.) incorporirt, es zu 
Kugeln formt und diese in die Scheide einführt. Als ganz besonders zweck- 
entsprechend dürfte sich für diese Applicationsform das Oleum Cacao em- 
pfehlen, welches unter gewöhnlicher Temperatur consistent genug ist, um sich 
leicht in die gewünschte Form bringen und einführen zu lassen, unter dem 
Einflüsse der Körperwärme aber flüssig wird, ohne alsbald in ranzige Zer- 
setzung überzugehen. In neuerer Zeit hat man Vaginalkugel - Kapseln aus 
Gelatine hergestellt, deren Höhlung etwa 3,0 Gr. Cacaobutter fast. Sie be- 
stehen aus 2 Hälften, welche sich leicht durch Berührung mit dem warmen 
Spatel zusammenkitten lassen. Das betreffende Medicament wird mit Cacao- 
butter oder Vaseline vermischt in sie hineingestrichen. Eine von Becquerel 
angegebene Form, welche der eben abgehandelten sich anschliesst, ist die der 
Tanninstifte, einer Mischung aus Tannin, Traganth und Rad. Althaeae zu 
einer weichen Masse, welche in die Vagina eingeführt wird und dort bis zum 
Schmelzen liegen bleibt. 

Den Vaginalkugeln analog und nur durch ihre mehr cylindrische oder 
konische Form von ihnen unterschieden sind die Mutter Zäpfchen, Suppo- 
sitoria vaginalia, zu deren Anfertigung man sich ebenfalls statt der früher 
gebräuchlichen Seife mit Vortheil des Oleum Cacao bedient. Da die Cacao- 
butter durch Umschmelzen leicht ranzig wird, so ist die obige Form der Va- 
ginalkugeln besonders empfehlenswerth und wird dadurch auch der lästige 
Geruch vieler Stoffe, wie Jodoform etc., vermieden. 

Das Gewicht einer Vaginalkugel beträgt etwa 3,0 — 10,0. 

Beispiele. 



I. 



Ii< 



III. fy 

Ungt. Hydrarg. einer. 
Cer. alb. ana 10,0. 
M. Divid. in part. aequal. No. 5. F. I. a. 
globuli. S. Nach Bericht. 



IV. Pv 

Acicl. tannic. 0,5 
Ol. Cacao 3,0. 
F. I. a. suppositorum. d. tal. dos. No. 10. 
S. Nach Bericht. 



Morph, acet. 0,05 
Cer. alb. 2,5 
Vlip. suill. 1,25. 
M. I. a. f. globulus, d. tal. dos. No. 5. 
S. Täglich eine Kugel einzuführen. 

IT. !:• 

Jodoform. 1,0 

fcere in "I. Amygdal. gutt. nonn. 
Ol. Cacao 4.0. 
l<!i. caL liquef. f. 1. a. globulus vaginal. 
in capsul. gelatinös. D. t. glob. No. 5. 

Zuweilen werden, hauptsächlich zur allmäligen Dilatation der Vagina, 
Bougiea in dieselbe eingeführt; seltener bedient man sieh dieser Form, um 
Arzneistoffe an die Vaginalwandungen zn bringen. Die Bougies werden, wie 
die für die Harnröhre bestimmten, aus zusammengerollten Pflasterstreifen an- 
gefertigt. In ähnlicher Weise wendet man die Pressschwämme an, welche, 
in cylinderfdrmige Stücke geschnitten, in die Scheide eingelegt werden und 
durch ihr Aufquellen die Wandungen derselben auseinander zu drängen be- 
stimm t sind. 



Application auf die Schleimhaut des Uterus. — Clysmata. 10!) 



II. Application auf die Schleimhaut des Uterus. Injectionen von 
Flüssigkeiten in die Uterushöhle wurden zwar schon seit langer Zeit häufig* 
versucht, immer aber fanden sich auch eifrige Gegner, welche dieselben mehr 
oder weniger vollständig verwarfen, indem nicht selten in deren Gefolge hef- 
tige Erscheinungen, Koliken, Ohnmächten, Peritonitis selbst mit lethalem Aus- 
gange, beobachtet wurden. Man nahm an und konnte auch in vereinzelten 
Fällen nachweisen, dass diese Zustände durch Austritt der Injectionsflüssigkeit 
in die Bauchhöhle bewirkt wurden. Die Gefahren lassen sich indessen durch 
bestimmte Cautelen vermeiden, und seitdem diese bekannt sind, haben die 
intrauterinen Injectionen und Irrigationen einen berechtigten dauernden Platz 
in der Therapie aller Gynäcologen gewonnen. Die Cautelen beruhen haupt- 
sächlich darauf, dass der Canalis cervicalis vor der Anwendung der Injectionen 
genügend erweitert werde (Sims), damit die injicirte Flüssigkeit neben dem 
eingeführten Instrumente ungehindert ablaufen könne. Ferner muss die Injec- 
tion langsam und mit geringem Drucke geschehen. Zur Ausführung derselben 
sind verschiedene Instrumente in Gebrauch, von denen wir die Braun'sche 
Spritze und Ricord's Catheter ä double courant, sowie den Uterus -Katheter 
von Bozemann-Fritsch erwähnen. Zur Ausspülung des Uterus post partum 
bedient man sich einfacher gebogener Glasröhren oder starker Zinnkatheter. 
Mannigfache Medicamente sind bereits zu den intrauterinen Injectionen benutzt 
worden; die wichtigsten sind: Liquor fern sesquichlorati, Tinctura jodi, Acidum 
tannicum , Alumen , Argentum nitricum , Acidum chromicum , Natrium chlora- 
tum u. a. Die Concentration ist je nach dem einzelnen Falle verschieden; 
ebenso die Menge der einzuspritzenden Flüssigkeit. Während bei nicht er- 
weitertem Cervicalkanal schon wenige Tropfen Flüssigkeit zuweilen die hef- 
tigsten Erscheinungen nach sich ziehen, kann bei genügend erweitertem Ca- 
nalis cervicalis und deshalb ungehindertem Abfluss, zumal unmittelbar nach der 
Entbindung und in den ersten Tagen des Wochenbetts, mehrere Hundert Gramm 
Solution ohne Schaden die Geburtshöhle passiren lassen (Riegel, F. Weber). 
Die höchste Vorsicht ist indess immer bei diesen Injectionen geboten, und dürfen 
dieselben nur von geübter Hand ausgeführt, niemals den Hebammen oder 
Wärterinnen überlassen werden. 

Die langsame Erweiterung der Canalis cervicalis geschieht mit Hülfe von 
Pressschwämmen oder mittelst Bougies aus Laminaria digitata, indem diese 
letzteren die Eigenschaft besitzen, durch Anziehen von Feuchtigkeit allmälig 
erheblich an Dicke zuzunehmen. Bei genügend durchgängigem Cervicalcanal 
ist auch die Auftragung concentrirter Lösungen auf die Gebärmutter Schleimhaut 
mittels des Haarpinsels, der Wicke oder kleiner Leinenläppchen, die durch 
einen Faden am Ende der Sonde befestigt werden, empfohlen worden. — Viel- 
fach wurden und werden auch jetzt noch bacilli uterini, namentlich anf 
E. Martins Empfehlung mittels eines von diesem Autor angegebenen Instru- 
ments (der Uteruspistole) in die KörperhÖhle emporgeführt. In dieser Form 
werden besonders styptische und adstringirende Mittel auf die Körperschlei m- 
haut applicirt. 

Auch in Substanz können Medicamente auf die Schleimhaut des Uterus 
zumal des Canalis cervicalis, applicirt werden; das Ilauptmittel ist hier Ar- 
gentum nitricum in Form der Aetzstiftes. Auch Einblasen pulverförmiger 
Medicamente mit Hülfe von LnsufflatoreD (vgl. Application auf die Schleimhaut 
der Athmungsorgane) wür(; zu versuchen. 

8. Application auf die Schleimhaut des Mastdarms. 

Die Schleimhaut des Kastdarms dient sein- häufig als Applications-Organ 

für Medicamente, sowohl i'üv solche, welche dazu bestimmt sind, Lediglich 
lokal zu wirken, als für solche, welche einen Kinlluss anf den (iesaninit- 



1 1 Clysmata. 

Organismus ausüben sollen. Am häufigsten bedient man sich der flüssigen 
Form, indem man Solutionen, Mixturen oder Emulsionen in den Mastdarm in- 
jieirt; diese Anwendungsweise bezeichnet man als Kl} r stier, Clysma, Enema. 

Die Klystiere haben entweder 1) den Zweck, die Schleimhaut des Mast- 
darms mit einem den Durchgang der Fäcalmassen erleichternden schlüpfrigen 
Ueberzuge zu versehen, sein Lumen durch Anfüllung mit Flüssigkeit zu er- 
weitern und Reflex-Bewegungen in den die Defäcation vermittelnden Muskeln 
anzuregen und durch Zusammenwirken dieser Momente Stuhlentleerung her- 
vorzurufen (entleerende Klystiere), oder 2) Arzneistoffe auf die Schleimhaut 
des Mastdarms zu appliciren, um dieselben hier zur lokalen Wirkung zu 
bringen, oder sie der Resorption zu unterwerfen (arzneiliche Klystiere), oder 
schliesslich* 8) Nahrungsstoffe dem Körper zuzuführen (nährende Klystiere). 

Die Clysmata evacuantia bestehen in ihrer einfachsten Form nur aus 
kaltem oder warmem Wasser, welches unter gewöhnlichen Bedingungen schon 
geeignet ist, sofern man es in genügender Weise injicirt, Stuhlentleerung 
hervorzurufen; um ein solches Clysma jedoch sicherer wirksam und die Wir- 
kung selbst minder beschwerlich zu machen, setzt man demselben meistens 
noch reizende Stoffe (aromatische Infusionen, Honig, Zucker, Essig, Salze, 
Ol. Terebinthinae, Ol. Ricini, Ol. Crotonis) oder Oleosa (Ol. provinciale) hinzu. 
Zusätze von Milch werden in derselben Absicht gemacht, wie die von Oel. 
Nicht selten ist es nöthig, die angesammelten und verhärteten Fäcalmassen 
zu erweichen, um deren Durchgang durch den Mastdarm möglich zu machen; 
zu diesem Zwecke bedient man sich ausser einem grossen Theile der eben 
angegebenen Substanzen der Abkochungen von Kleie, der Injectionen von 
Seifenwasser u. s. w. Um durch schnelle Hervorrufung von Entleerungen 
einen revulsivischen Reiz auszuüben, z. B. bei Intoxicationen , soporösen Zu- 
ständen, spastischen Affectionen, setzt man den Klystieren meistens Essig zu. 

Die Clysmata medicata werden sowohl dazu benutzt, arzneiliche Sub- 
stanzen, die auf eine Lokalwirkung beschränkt bleiben sollen, der Schleim- 
haut des Mastdarm zuzuführen, als auch und hauptsächlich um diese letztere 
zum Vermittelungs-Organe für eine beabsichtigte Allgemeinwirkung zu machen. 
Es ist deshalb nothwendig, die Klystiere ihrer Beschaffenheit und Quantität 
nach so zu modificiren, dass sie nicht alsbald wieder durch angeregte Reflex- 
bewegungen ausgestossen werden. Man erreicht dies einerseits durch die ge- 
ringere Menge der eingespritzten Flüssigkeit, andererseits dadurch, dass man 
sie mit einem Beisatze versieht, welcher einen deckenden Ueberzug über der 
Mastdarmschleimhaut bildet und so deren Reizempfänglichkeit vermindert. In 
der Regel bedient man sich hierzu des Amylum, welches, erst zu einem dünnen 
Kleister gekocht, dem Clysma hinzugefügt wird; ähnlich wirken Zusätze von 
Reisschleim, Mucil. Gummi Mimos. , Abkochungen von Hafergrütze u. s. w. 
Nicht selten bedient man sich solcher Klystiere, um styptische Wirkung zu 
erzielen, namentlich bei Diarrhöen, wo Amylumklystiere als eines der wesent- 
lichsten Hilfsmittel zu betrachten sind. 

Die in Form von Clysmata medicata angewendeten Arzneistoffe sind 
in» dato •)!< Narcotica und Nervina (Opium, Belladonna, Asa foctida, Valeriana), 
seltener ditlerent wirkende Salze, und zwar nur solche, welche schon in 
kleinen Dosen ihren KlVeet iihen (Argentum nitriemn, Liq. Ferri scsquichlor., 
rininhiiin aceticum n. .'i.j. 

Die Arzneiform, welche man für die Clysmata medicata wählt, ist am 
zweckmässigsten in (\cv Emulsion, da diese am ineisten dazu geeignet ist, die 
Qothwendige Herabsetzung der Reizbarkeit in der Mastdarmschleimhaut zu be- 
wirken und das längere Verweilen des Clysma im Rectum zu er m ("»glichen. 
Man verordnet diese Form entweder aus der Apotheke, oder lasst sie durch 
domestike Bereitung improvisiren, etwa in der Art, dass man das betreffende 
Medicamenl in Tropfenform verschreibt und einer Mischung aus einem dünnen 



Clysmata. 111 

Amylumkleister, dem noch eine geringe Quantität Oel zugesetzt werden kann, 
beifügt. 

Oft bedient man sich der Klystiere, um Entozoen, und zwar solche, 
welche in den Falten des Mastdarms ihren Sitz haben, aus denselben zu ent- 
fernen. Man setzt in diesen Fällen dem Clysma Mittel zu, welche direkt 
feindlich auf die Parasiten wirken (Essig, Knoblauch, Decoct. Sem. Cinae, 
Benzin, Kupfersalze). 

Die Clysmata nutrientia werden in solchen Fällen angewendet, in 
denen die Ernährung durch die Magenschleimhaut, durch Unwegsamkeit der 
Speiseröhre, Krampfzustände, Gemüthskrankheiten erschwert oder unmöglich 
ist. Man bedient sich gewöhnlich zu solchen Klystieren der Fleischbrühe und 
des Eigelbs, welchen man in der Regel noch einen Zusatz von Amylum macht, 
um die Resorption der Nährstoffe durch längeres Verweilen derselben im Mast- 
darm zu ermöglichen. In neuester Zeit ist es gelungen, die Fähigkeit durch 
Klystiere zu ernähren, in hohem Grade zu vervollkommenen (Leube), indem 
durch Beimischung von Pancreas selbst Fleisch in fein zertheiltem Zustand 
vom Rectum aus zur Resorption gebracht werden kann (vgl. Succus pancrea- 
ticus im speciellen Theile) oder aber direct peptonisirtes Fleisch, sog. Pepton- 
solution in Wasser gelöst, entweder allein, oder in Verbindung mit anderen 
leicht löslichen, zur Resorption geeigneten Stoffen (Traubenzucker (Ewald) 
zum Clysma verwendet wird. Es ist aber bei diesen sog. Ernährungs- 
klystieren nothwendig, etwa eine halbe bis eine ganze Stunde vorher ein 
Reinigungsklystier von reinem lauwarmem Wasser vorangehen zu lassen und 
die Menge der zum eigentlichen Ernährungskly stier verwendeten Flüssigkeit 
so gering zu wählen, dass sie der Kranke bei sich behalten kann. Wesentlich 
erleichtert wird letzteres, wenn das Klystier resp. die Canüle möglichst hoch 
über dem Sphincter hinaufgebracht wird. Eventuell kann man dem Clysma 
zur Beruhigung des Darms etwas Opium, am besten in Tinctur, oder Chloral 
zusetzen. Durch diese Klystiere gelingt es zuweilen, Wochen lang ohne jede 
andere Nahrungszufuhr das Leben zu fristen, jedenfalls aber über acute 
Krisen von ein- und mehrtägiger Dauer fortzuhelfen. 

Die Quantitätsverhältnisse der Clysmata dürften etwa folgendermassen zu 
normiren sein: Für entleerende Klystiere bei Erwachsenen nimmt man zwei 
kleine Tassenköpfe, etwa 200,0 — 300,0, für grössere Kinder 1 — l i / t Tassen- 
köpfe, etwa 100,0—200,0, für kleinere Kinder l / 2 — 1 Tassenkopf, 50,0 bis 
150,0, für zurückzuhaltende Klystiere (arzneiliche und nährende) die Hälfte 
der eben angegebenen Quantitäten oder auch weniger. In manchen Krank- 
heitszuständen, z. B. bei Stercoralkoliken , Ileus u. a., injicirt man mittelst 
Clysopompes oder Irrigatoren uud einer hoch in den Mastdarm hinaufgeführten 
Sonde sehr bedeutende Quantitäten (500,0 — 1000,0) Flüssigkeit in den Darm- 
kanal, um mechanisch eine Erweichung der Kothmassen und Entleerung- zu 
bewirken. 

Die Mischungsverhältnisse der gebräuchlichsten, der häuslichen Bereitung 
überlassenen Clysmata sind folgende: 

Gewöhnliche eröffnende Klystiere bestehen aus l l / 2 Tassenköpfen eines 
aromatischen [nfusums, meist Chamillen- oder Baldrianthee, mit Zusatz von 
einem Esslöffel Rttb- oder Baumöl und einem Thee- bis Kinderlöffel Koch- 
salz. Hier, wie bei allen anderen Klystieren, kommt es auf Bomogenität der 
Mischung nicht an, vielmehr ist die Form der rohen Schüttelmixtur dem beab- 
sichtigten Zwecke keineswegs hinderlich. In Bezug auf den Zusatz von Salz 
M zu bemerken, dass derselbe in denjenigen Fällen, in welchen durch ent- 
zündete Hämorrhoidalknoten, Erosionen des Mastdarms u. s. w. eine grosse 
Empfindlichkeit der Schleimhaut vorhanden ist, vermieden werden muss. 

Gelinde Verstärkung der purgirenden Kraft erreicht man, wenn man 

statt des Baumöls 1 '1 Ksslöffel Ol. Kieini nimmt, oder dem Klystiere 1 bis 



112 Clysmata. 

2 Esslöffel Honig' hinzusetzt — Seifenklystiere bereitet man aus ca. 15,0 bis 
25,0 Seife, in warmem Wasser aufgelöst. — Essigklystiere bestehen aus einer 
Mischung von 2 — 4 Esslöffeln käuflichen Essigs mit Wasser oder Chamillen- 
thee. — Stärk emehlklystiere bereitet man, indem man einen Dessert- oder 
Esslöffel Stärke mit kaltem Wasser anrührt und mit Vi — 1 Tasse kochenden 
Wassers aufquillt. — Zu Bouillonklystieren rührt man eine Abkochung von 
V 4 — Vi Pfund Kalb- oder Rindfleisch auf 1—1 ! / 2 Tassen mit einem Eigelb 
und etwa einem Theelöffel Stärkemehl zusammen. Zuweilen nimmt man statt 
des Amylum Salep in gleicher Quantität. — Weinklystiere , welche als Ana- 
leptica, namentlich bei starken Blutverlusten, empfohlen worden sind, werden 
aus einem stark alkoholhaltigen und nicht sauren Weine gegeben, etwa Port- 
wein oder* gutem französischen Rothwein, rein oder mit gleicher Quantität 
Wasser gemischt. 

Die Temperatur der Clysmata ist meistens lauwarm und wird in der 
Regel so bestimmt, dass die mit der Flüssigkeit gefüllte Metallspritze an 
empfindlichen Hautpartien, wie der Wange oder den Lippen, kein stechendes 
Wärmegefühl erregen darf. — Heisse Klystiere werden nur ausnahmsweise 
und zwar in denjenigen Fällen gegeben, in denen man revulsivisch wirken 
und eine schnelle Entleerung hervorrufen will. — Kalte Klystiere wirken 
heftig reizend, wenn sie von sehr niedriger Temperatur (etwa -\- 5 bis 8" R.) 
gegeben werden; Klystiere von gewöhnlicher Zimmer-Temperatur haben meist 
keine unmittelbaren Entleerungen zur Folge und werden entweder als Topica 
bei Krankheiten des Mastdarms gebraucht, um die adstringirende oder ent- 
zündungswidrige Wirkung der Kälte zur Geltung zu bringen, oder durch Aus- 
übung eines milden Reizes die Stuhlentleerungen allmälig zu reguliren. 

Zur Application der Klystiere bedient man sich meistens der einfachen 
Kly stier spritzen. Zweckmässig ist es, namentlich für ungeübte Hände, 
sich einer Gummi-Canüle zu bedienen, welche erst, sorgfältig eingeölt, in den 
Mastdarm geschoben wird und in welche man dann die Spritze einsetzen 
lässt, da bei diesem Verfahren Verletzungen der Mastdarmschleimhaut, die 
bei roher Procedur leicht erfolgen, sicher vermieden werden. In neuerer 
Zeit bedient man sich der verschiedenartigen Clysopompes, die so einge- 
richtet sind, dass der Patient im Stande ist, sich das Klystier selbst zu geben ; 
sie bestehen sämmtlich aus einer Druckpumpe mit langem, beweglichem 
Schlauche, aus welchem das Wasser stossweise oder, wie beim Eguisier'schen 
[rrigateur, in continuirlichem Strahle in den Mastdarm geleitet wird. Dieselben 
sind fast ganz durch die einfachste Methode des Eingiessens (Hegar) verdrängt 
worden. Man bedarf zu diesem Zwecke nur eines mit dem in's Rectum ein- 
zuführenden Endstück versehenen Schlauches, in dessen anderes Ende ein 
Glastrichter eingefügt wird. Giesst man Flüssigkeit in den hoch gehaltenen 
Trichter, so fliesst dieselbe, bei passender Lagerung des Patienten, in den 
Darm, und es können auf diese Weise sehr grosse Quantitäten Flüssigkeit 
in den Darm eingeführt werden. Die passendste Lagerung des Patienten, 
bei welcher der Druck im Darm am meisten und zwar unter Null herab- 

tzl wird, ist die Knieellenbogeninge mit hochstehendem Hecken und herab- 
hängendem Kopfe. Indessen genügt für gewöhnlich auch schon die Seiten- 
lage mit geringer Beugung dev Oberschenkel. Aber selbst in der Rücken- 
lage Lässt Bich das Verfahret] meist noch mit grossem Vortheil ausführen 
(Mosler), wodurch die Methode besonders bequem wird. Vor dem Beginn 
(\c^ Eingiessens mnss selbstverständlich ersl für Entleerung der Lull aus dem 
Schlauche Sorge getragen werden. Mit Hilfe eines passenden Irrigators kann 
man sich auf diese Weise jede Art von Klystier seihst setzen, besonders wenn 

an dem Ende des Gummischlauches, oder an der Canüle, wie dies jetzt zu 
geschehen pflegt, ein leicht regulirbarer Halm angebracht ist. 



Application von Dampfen und Gasen ins Rectum. — Suppositorien. 113 



Be 

I. I* 

Tinct. Opii 1,5 

Dec. Rad. Alth. (ex. 20,0) 400,0. 
D. S. Zu drei Klystieren. 



III. 



i spiele. 

Inf. Flor. Chamom. 200,0 
Emuls. 
D. S. Zu zwei Klystieren. 



II. fy 

Inf. Fol. Nicotian. (e 4,0) 200,0 

fiat. c. 
Gummi Arab. 10,0 
Ol. Ricin. 20,0 
1. a. 

Emulsio. 
D. S. Den dritten Theil zum Klystier. 



Iv 



Fol. Belladonn. 2,5 

Rad. Valerian. 15,0 

in f. Aq. ferv. q. s. 

ad Colat. 150,0. 

D. £>. Zu drei Klystieren. 



IV. Iy 

Asae foet. 7,5 
Vitell. ovi unius 
f. c. 



Pluinbi acet. 0,5 

solve in 
Aq. Chamom. 100,0. 
D. S. Zu zwei Klystieren. 



VI. Iy 

Acid. tannic. 0,25. 
D. tal. dos. No. 5. S. Ein Pulver in 
einem Tassenkopf warmen Wassers zum 
Klystier. 



VII. 



Iy 



Furfur. Tritici 

Herb. Centaur. 

Herb. Millefol. 

Rad. Valerian. ana 50,0. 
C. c. F. spec. div. in octo partes aequal. 
D. S. Ein Päckchen mit zwei Tassen 
heissen Wassers zu übergiessen und den 
Aufguss zum Klystier zu benutzen. 



Die Anwendung der elastisch -flüssigen Form auf die Schleimhaut 
des Mastdarms findet nur selten statt. Die Dampf- Sitzbäder können kaum 
hierher gerechnet werden, da die aufsteigenden Dämpfe schwerlich weiter 
gehen, als bis zur Aftermündung. Einblasungen von Luft sind zuweilen an- 
gewendet worden, um auf diesem Wege Unwegsamkeiten der oberen Darm- 
partien zu beseitigen. Man benutzt zu diesem Zwecke einen Blasebalg; weit 
vortheilhafter jedoch bedient man sich, wo er zur Hand ist, eines pneuma- 
tischen Apparates, mittelst welches man einen Druck resp. Zug von bestimmter, 
beliebig zu steigernder Kraft auszuüben vermag. Gasdouchen von kohlen- 
saurem Gase werden in Kurorten bei lokalen Krankheiten des Mastdarms be- 
nutzt. — Am gebräuchlichsten sind die sogenannten Tabakrauch-Klystiere 
bei eingeklemmten Brüchen. Dieselben werden am einfachsten in der Weise 
ertheilt, dass man den Kopf einer mit brennendem Tabak gefüllten Pfeife 
mit einem Gummischlauch in Verbindung setzt und diesen in den Mast- 
darm leitet. 

In fester Form werden die Arzneimittel auf die Schleimhaut des Mast- 
darms als Salben und Suppositorien angewendet. Salben führt man, auf 
Charpiebäuschen oder auf kerzenartig gewickelte Pflastercylinder gestrichen, 
in den Mastdarm ein. Diese Anwendungsform steht an Zweckmässigkeit der 
der Suppositorien bedeutend nach. Die Suppositorien, Stuhlzäpfchen, 
sind cyhndrisch oder konisch geformte Stücke einer festen, seifenartigen oder 
zer flies suchen Substanz, welche in den Mastdarm gesteckt werden, um ent- 
entweder durch ihren Heiz auf die betreffenden Muskeln Defäcationsbewegungen 
hervorzurufen, oder Krampf (\^> Sphincter ani mechanisch oder dynamisch zu 
tiberwinden, oder die Schleimhautfläche mit einem emolliirenden, schützenden 

Keberziige zu versehen, oder schliesslich dieselbe mit Medieanienten , meist 
narkotischer Natur, in Contacl zu bringen. 

Die entleerenden Stuhlzäpfchen weiden entweder uns einer dünnen Talg- 
kerze oder ;iiis Seile geschnitten; bei der Wahl der letzteren Substanz nehme 



K w a l (I und Simon, Arzneiverordnungslehre. L0. Aufl< 



8 



114 Injectionen in die Venen. 



man darauf Rücksicht, keine zu harte Seife anzuwenden; venetianische eignet 
sich am besten zu diesem Zwecke. 

Um medicamentöse Stoffe mit der Schleimhaut des Mastdarms in Ver- 
bindung zu bringen, werden dieselben entweder in Salben- oder in flüssiger 
Form auf die eben erwähnten Suppositorien applicirt oder mit einem geeig- 
neten Constituens gemischt und zum Suppositorium geformt. Als solches 
Constituens empfiehlt sich vorzugsweise die Cacaobutter, deren Vortheile für 
diesen Zweck wir oben, bei Besprechung der Vaginalkugeln, angedeutet haben. 
Die Bereitung solcher Zäpfchen geschieht folgendermassen : man mischt den 
medicamentösen Stoff mit der bei gelinder Temperatur geschmolzenen Cacao- 
butter, Uisst sie unter Umrühren halb erkalten und giesst sie dann in jede 
gewünschte Form. Dieselben werden jetzt auch in Form von Spitzkugeln 
verschiedener Grösse auf kaltem Wege mit Hilfe vom Compressionsmaschinen 
entweder aus Cacaobutter, oder aus Gelatine verfertigt. Dieselben sollen den 
Vortheil gieichmässigerer Vertheilung des bez. Medicamentes und, die letzteren, 
leichterer Resorption haben. 

Das Gewicht eines Suppositoriums wird zu 2,5 — 5,0 angenommen. 



Beispiele. 

I. I* 

Extr. Belladonn. 0,2 

adde 
Ol. Cacao leni calor. liquat. 15,0. 
Misce terendo et semirefrigerata cffunde in 
capsulas chartaceas cylindricas No. 5. 
D. S. Stuhlzäpfchen. 



II. Ü; 

Acid. tannic. 1,0 

f. 1. a.c. 
Ol. Cacao 25,0. 
Suppositoria No. 10. D. 



V. Injectionen von Arzneimitteln in die Venen. 

Die Injection von Arzneimitteln in die Venen ist, abgesehen von den 
operativen Schwierigkeiten, welche sie darbietet, eine mit zu vielen Gefahren 
für den Kranken verknüpfte Applicationsform, als dass sie jemals zu einer 
allgemeineren Anwendung gelangen könnte, und dass sie nur als ultimum re- 
fugium in solchen Fällen Platz greifen darf, in denen die gewöhnliche Dar- 
reichnngsform per os absolut unmöglich geworden ist, und die sonst als Ersatz- 
mittel geltenden Methoden des Clysina und der subcutanen Injection nur eine 
zu langsam eintretende Wirkung in Aussicht stellen. Ein derartiges Sachver- 
hältniss tritt fast ausschliesslich nur dann ein, wenn, einer Indicatio vitalis 
entsprechend, rasch wirkende Narcotica oder Brechmittel in Krankheiten ge- 
geben werden sollen, in denen ein mechanischer oder spastischer Verschluss 
des Schlundes oder der Speiseröhre stattfindet, also bei fremden Körpern in 
den genannten Theilen, Tetanus, Hydrophobie u. s. w. — Die Menge des 
zu injicirenden Mittels wird im allgemeinen geringer zu bemessen sein, als 
für die subcutane Injection in Gebrauch gezogen wird. Selbstredend ist 

die für die Injection einzig mögliche Form die flüssige, und können demnach 
nur vollständig Lösliche Stoffe hier in Anwendung kommen. Die Temperatur 
der zu injicirenden Flüssigkeit miiss ungefähr der des Blutes entsprechen. 

Vini der grössten Bedeutung hei gewissen Krankheitszuständen ist die 
Transfusion von Blut gesunder Personen. Das zu benutzende Blut ist 
.im besten defibrinirl anzuwenden. In betreff der Technik der Operation 
müssen wir auf die chirurgischen oder akiurgischen Bandbücher verweisen. 
Der gebräuchlichste Transfusions-Apparat ist (\c\' von Martin; besondere Vor- 
züge versprechen einige neuerdings empfohlene Apparate (Hasse, Roussel, 
Schliep). Die Transfusion verdient häufiger in Anwendung gezogen zu wer- 



Injectionen in seröse Höhlen und Cysten. 115 

den,, als bisher üblich war (bisher hauptsächlich bei Anämie durch Blut- 
verluste angewandelt), und. sind die Indicationen für dieselbe wesentlich zu 
erweitern; namentlich ist sie bei verschiedenen Vergiftungen (z. B. mit 
Kohlenoxydgas, Leuchtgas, Phosphor u. s. w.), wie bereits geschehen, viel- 
leicht auch bei manchen constitutionellen und Infectionskrankheiten , theil- 
weise nach vorhergegangener Blut-Depletion (Landois und A. Eulenburg) zu 
versuchen. Sollte es sich bewahrheiten, wofür neuere Untersuchungen sprechen, 
dass die Gefahr grösserer Blutverluste und Anämien zu einem grossen Theil 
in der ungenügenden mechanischen Füllung des Gefässsystems , weit weniger 
in dem Mangel an Sauerstoifträgern besteht (Schwarz) und so die Gefahr 
der Blutleere durch Füllung des Gefässsystems mit indifferenten Flüssigkeiten, 
Transfusion von Salzwasserlösungen von 0,6 pCt. (Kronecker, Schwarz) be- 
seitigt werden kann, so dürfte der Transfusion eine grosse Zukunft bevor- 
stehen. Die Transfusionen mit Milch haben sich dagegen nach eingehender 
Prüfung eines englischen Comites als unzuverlässig und gefährlich erwiesen. 

In neuester Zeit hat man statt der Transfusion von Blut in die Venen 
auch die Transfusion in das peripherische Ende einer Arterie versucht (ar- 
terielle Transfusion: Hueter), und scheint diese Methode unter Umständen 
gewichtige Vorzüge darzubieten. 

Schliesslich ist noch der Lammblut- Transfusionen zu erwähnen, 
welche schon vor langer Zeit zum öfteren versucht und wieder verlassen, 
in neuester Zeit durch Gesellius und namentlich Hasse wieder aufgenommen 
worden sind, um bald von neuem von der Tagesordnung zu verschwinden, 
nachdem das Problematische ihrer Wirksamkeit und selbst die Gefährlichkeit 
derselben von verschiedenen Seiten festgestellt worden ist (besonders durch 
Landois, Panum und Ponfick). 

VI. Injectionen von Arzneimitteln in seröse Höhlen 

und Cysten. 

«/ 

Um in serösen Säcken oder entleerten Cysten adhäsive Entzündungen 
zu Stande zu bringen und somit ihre Verwachsung herbeizuführen, werden 
zuweilen reizende Substanzen in Lösung injicirt und längere oder kürzere Zeit 
mit den Wandungen jener Höhlen in Contact erhalten. Die Stoffe, deren man 
sich hierzu bedient, sind vornehmlich adstringirende Lösungen, Chloroform, 
verdünnte Jodtinctur oder auch Antiseptica (Carbolsäure , Kali hypermanga- 
nicum u. a.). Die Procedur, um die es sich handelt, bildet meistens entweder 
einen integrirenden Theil einer anderen Operation (Operation der Hydrocele, 
Punctio ovarii u. s. w.) oder die Nachbehandlung nach chirurgischen Ein- 
griffen (Thoracocentese bei Pyothorax), und es ist deshalb Sache der opera- 
tiven Technik, die Art des Verfahrens, sowie den Sättigungsgrad der einzu- 
spritzenden Solution zu bestimmen. 

Ausgehend von einer längeren Versuchsreihe hat Ponfick vorgeschlagen, 
in Fällen acuter Anämie Blut mittelst eines Troicarts direct in die Bauch- 
höhle zu injiciren resp. durch Druck einlaufen zu Lassen. Es wird dort, 
ohne zu peritonitischen Erscheinungen Veranlassung zu geben, schnell aufge- 
saugt und es lasst sich durch Färbung und Messung ein vermehrter Gehalt 
de- Blutes au Körperchen und Hämoglobin nach der Operation nachweisen. 
Am Iahenden ist diese Operation mit gutem Erfolg von Ponfick, Kaczorowsky, 
Golgi, Mosler und Ewald ausgeführt worden. 



Speciclle Arzncivcrordnungslehre. 



Erklärung der Zeichen. 



Die in der Ph. Germ. ed. altera enthaltenen Mittel sind mit einem Stern versehen. 
Der ofncinclle Name der Mittel wird durch die grössere fette Schrift bezeichnet. 



Acctal s. Diaethylacetal. 

AcctoillllU. Spiritus pyro-aceticus depuratus, Liquor pyro-aceticus 
depuratus, Aether lignosus. Esprit (Ether) pyro-aceticjue. Pyroacetic 
Spirit. Aceton, Brenz-Essiggeist (Löwig), Essiggeist, Acetonyl- 
oxyd. Nach C. A. Kecker ist das Aceton identisch mit dem geheimen 
Weingeist der Alchimisten, dem Spiritus vini Lulliani seu philo- 
sophici. [Wasserhelle, leicht entzündbare Flüssigkeit von 0,823 bis 0,824 spec. 
Gewicht, ätherischem Geruch, stechendem Geschmack, löslich in Wasser, Alko- 
hol und Aether. Wird durch trockene Destillation wasserfreier, essigsaurer Salze 
mit schwacher Base und Reinigung des Destillats mittelst Chlorcalcium gewonnen. 
Der Coli. med. Hamburg, schrieb vor, zu 3 Th. essigsauren Bleioxyds 1 Th. 
Calc. usta zuzusetzen und durch trockene Destillation eine Flüssigkeit von 0,8 spec. 
Gewicht darzustellen. Das englische Aceton, Aceton, anglicum, dessen Wir- 
kungen höher gestellt werden, wird durch Destillation aus holzessigsauren Salzen 
bereitet, und scheint noch eine Spur empyreumatischer Beimischung zu enthalten, 
die sich bei Lösung in Wasser durch leichte Trübung zu erkennen giebt. — 10,0 etwa 
20 Pf] Das Aceton hat in neuerer Zeit als angeblich specifisches Yor- 
kommniss im Harn und Athem von Diabetikern eine besondere Bedeutung 
gewonnen und ist darauf die Theorie der Acetonaemie gegründet worden. 

Innerlich [bei Phthisis laryngea, trachealis und pulmon. empfohlen (llastings). 
auch als Nerv in um bei Neurosen], in Tropfenform zu 5-10-15 Tropfen, 
am besten ohne weitere Beimischung. [Wcrl's Antiphthisic Capsules enthalten 
1 Tropfen Aceton und 9 Tropfen Ol. Jecoris.] Diese Dosen sind, wenn man 
überhaupt irgend welchen Nutzen von der Darreichung des Acetons er- 
wartet, offenbar viel zu gering. Jedenfalls ist es unrichtig, dass dasselbe 
zu Irritation der Respirations-, Verdauungs- oder Centralorgane Veran- 
lassung gebe. Auf der Frerichs'schen Klinik sind sehr grosse Gaben 
Acetou ohne jede Störung der Athmung und ohne alle Hirnerscheinungen 
gegeben worden. 

Aeusserlich zu Inhalationen entweder als Zusatz zur Flüssigkeit 
in zerstäubter ' Form [0,1-1,0 auf 100,0 Aq.] oder in Dampfform (Knicker) 
[am bequemsten, indem man mit Aceton befeuchtete Wattencylinder in eine gläserne, 
an einem Ende etwas zugespitzte Röhre (Inhalationsröhre) legt und Inspirationen, 
wie beim Cigarrenrauchen macht], zu Waschungen und zu Einreibungen in 
Form des Liniments empfohlen. 



1. I:- 

[nf. Rad. Valerian. 100,0 
Acetoni 15,0 
Syr. Aurant. Cort. 30,0. 
Ml--. 3 s tdl. einen Esslöffel. 
[Bei Neuralgie und Rheumatismus.] 

C. A. Becker. 



Acetoni 

Ol. olivar. ana 5,0 
Tinet. kaiin. 1,0. 
M. F. Linimentum. S. Zum Einreiben, 
| Bei rheumatischen Schmerzen. ) 

C. A. Becker. 

iv i-2. -ms 



120 x^cetum aromaticum. 



"Acetuui. Acetum purum, Acetum vini, Vinaigre, Vinegar. Essig, 
Weinessig. [Soll so stark sein, dass 20 Th. nach Vermischung mit 0,5 Ccm. Baryum- 
nitratlösung und 1 Ccm. Zehntelnormalsilberlösung ein Filtrat geben, welches weder 
Chlor noch Schwefelsäure enthält. Der Essig soll in 100 Th. 6 Th. Essigsäure ent- 
halten; 10 Gr. Essig müssen daher 10 Ccm. Normalkalilösung sättigen. Das Acetum 
Ph. Austr. ist ziemlich genau von derselben Stärke. — Der in den Fabriken käufliche 
Essig ist in der Regel stärker und wird in den Officinen bis zu dieser Sättigungs- 
Capacität mit Wasser verdünnt. 100,0 10 Pf.] Cave : weinsteinsaure Salze, aus 
denen der Essig saure weinsteinsaure Salze fällt. 

Innerlich zu Saturationen. [Vgl. diese im allgemeinen Theile S. 38.] 
Selten als* -Zusatz zu anderen Mixturen [25,0-50,0 auf 150,0]; häufig in 
Getränk [100,0-150,0 auf 1 Liter Wasser mit Zucker] als kühlendes Getränk 
in fieberhaften Krankheiten, bei Vergiftungen durch Narcotica und Alkalien. 
Eine solche zum Getränk dienende Mischung heisst Oxykrat. Ueber 
Essigmolken vergl. Serum Lactis [S. 51.]. 

Aeusserlich zu Mund- und Gurgelwässern [20,0-100,0 auf 250.0], 
Kl y stieren [30,0-120,0 rein oder mit anderen Zusätzen, Chamillenthee, Oel, Asa 
foetida u. s. w.], Injectionen [bei Blutflüssen mit adstringirenden Substanzen], 
Waschungen, Umschlägen [mit Wasser ana oder Zusätzen von Kochsalz, 
Weingeist, Tinct. Arnicae (z. B. 2 Essig, 1 Weingeist: Liquor discutiens Phil, mil.) 
u. s. w.], Bädern [2-3 Pfund auf ein Bad], in Dampfform [Einathmungen 
von Dämpfen des warmen Essigs, Besprengungen der Fussböden, Verdampfen auf 
glühender Platte]. 

*Acetum aromaticuiii. Ac. Berolinense. Gewürzessig. [Ol. La- 

vandulae, Menthae piper., Rosmarini, Juniperi, Cinnamomi Cassiae ana 1,0, Olei Citri, 
Ol. Caryophyllor. ana 2,0, Spirit. vini 300,0, Acid. acetic. dilut. 450,0, Aq. destill. 
1200,0. 3 Tage am kalten Orte stehen lassen und filtriren. — 100,0 50 Pf % — Nahezu 
gleiche Compositionen sind: Acetum antisepticum, cardiacum, pestilentiale, prophy- 
lacticum, bezoardicum, quatuor latronum, Vinaigre de quatre voleurs, Pestessig, Vier- 
räuberessig u. s. w.] 

Innerlich zu 7,5-15,0 öfters täglich, in Saturationen [die Satura- 
tions-Verhältnisse sind dieselben, die bei Acetum angegeben], als Zusatz zu Mix- 
turen [25.0-50,0 auf 150,0]. 

Aeusserlich wie Acetum. 

Acetum camplioratiini. Campher -Essig. [Camph. l in Spiritus 

dilut. (»0 gelöst und Acetum 180 zugesetzt.] 

Aeusserlich als Riechmittel, zu Waschungen und Foraen- 
I a i tonen. 

Vediim (antliaridis Ph. Lond. Spanisch-Fliegen-Essig. [2 ge- 

stossene Cantharid. mit 18 Acetum concentr. 8 Tage lan^ macerirt. — Das Acetum 
Cantharid. Ph. Kriinb. wird aus 3 Canth., 5 Acet. concentr., 15 Acet. pyrolign. und 
1 ., Euphorb. durch siebentägige Maceration bereitet.] 
A eusserl ich als Hautreiz. 

IcHlllll CapsH'i aillllli. [Eine Maceration von spanischem Pfeffer mit Essig; 
von Lanilercr als Hautreiz bei Kindein empfohlen, wo man die Einwirkung der Can- 
thariden fürchtet.] 

Acetum Colrliici« Zeitlosen-Essig. [Aus Sem. Coichici conts. und 



4. Bf 

Magnes. carbon. dep. 7,5 
Aq. Menth, pip. 100,0 
Acet. Colchici 

Syr. Aurant. Cort. ana 20,0. 
MDS. 3 stdl. einen Esslöffel. 
[Bei acuter Gicht.] 

Scudamore. 



Acetum pyrolignosum crudum. 121 

Spir. ana 1 und Acet. pur. 9, durch 8tägige Digestion; nach der franz. Ph. aus Rad. 
Colchici 1:12. — 10,0 10 Pf.] 

Innerlich zu 2,0-7,5 mehrmals täglich in Mixturen und Satu- 
ration en. [Man thut hier, wie beim Acet. scillit., besser, die Quantität des Essigs, 
als des wirksameren Bestandtheiles, genau anzugeben und die Quantität des Salzes 
mit q. s. zu bezeichnen. Die Saturations-Verhältnisse sind ungefähr dieselben wie 
beim gewöhnlichen Essig.] 

3. Bf 

Acetum Colchici 25,0 

Kalii carbon. 

(od. Ammon. carb.) q. s. ad perf. 
sat. cui adde 

Tinct. Opii 0,5 

Aq. Flor. Sambuc. 100,0 

Syr. Sacchar. 25,0. 
MDS. Stdl. bis 2 stdl. einen Esslöffel. 

Acetum coiicciitratum s. Acidum aceticum dilutum. 

*Acetum Digitalis. Fingerhut-Essig. [Fol. digit. 5 mit Spirit. 5, 

Acetum pur. 9 und Aqua 36 durch 8 Tage macerirt. — 10,0 10 Pf.] Vorsichtig 
aufzubewahren. 

Innerlich zu 0,5-1,0-1,5-2,0! mehrmals täglich, 10,0! als Tages- 
gabe, am besten untermischt in Tropfen (10-20-30 Tropfen pro dosi) 
oder, was weniger empfehlenswerth, in Mixturen (5,0-15,0 auf 200,0). 
Saturationen sind unzweckmässig wegen der möglichen Zersetzung oder 
Abscheidung des Digitalin. 

Acetum Opii. Black drops, Liquor Opii sedativus Battleyi s. ace- 
ticus. Opium-Essig, schwarze Tropfen. Ein in den britischen und 
amerikanischen Pharmakopoen heimisches Präparat, das ganz zweck- 
mässig erscheint. Der Gehalt an Opium schwankt nach den einzelnen 
Vorschriften; als Durchschnittsverhältniss darf man annehmen, dass das 
Acetum Opii die Tinct. Opii simpl. an Stärke bedeutend übertrifft [so 
giebt z. B. die Pharm, of the United States folgende Formel: 16 Th. Opium, 3 Nux 
moschata, 2 Crocus, 24 Saccharum, im Sandbade mit einem Ueberschuss von Acet. 
concentr. , digerirt, ausgepresst, filtrirt und auf 104 Th. abgedampft. — Die Ph. 
>orveg. (1854) lässt 6 Th. Opium, Safran, Muskatnuss ana 1 Th. mit 48 Th. Acet. 
7 2 Stunde lang im Sandbade erhitzen, filtriren und auf 30 Th. abdampfen. Noch stär- 
ker im Gehalt an Opium ist das Acet. Opii Ph. Dubl. (1 : 4) und der Ph. Edinb. (1 :. 3).] 

Innerlich [je nach der Stärke des Präparats] zu 3-5-10 Tropfen 2-3 
Mal täglich. 

Acetum pliimbicum s. Liq. Plumbi subacetici. 

Acetum purum. Acetum destillatum. Reiner Essig. [Aoid. 
acet. dilut. 1, Aq. destill. 4. — Dasselbe Präparat, welches die Pharm. germ. ed. 
altera als Acetum bezeichnet. Es stand früher dem Acetum crudum gegenüber, 
welches jetzt fortfällt.] 

'AeetlUI pvroligiiosum criidum. Acidum p\ ro-lignosum crudum, 
A.cidum pyroxylicum crudum, Acetum ligni, Acetum lignorum empyreu- 
maticum crudum. Pyroligneus aeid. Acide pyroligneux. Roher Holz- 
essig, rolic Mol/säure. [Essig mit einem stets ungleichen Gehalte an Methyl- 
alkohol. Phenol. Brenzkatechinsäure, Ameisensäure, Kreosot und anderen Producten <\w 

u- 3-4. -» 



122 



Acetura pyrolignosum rectificatum. 



trockenen Destillation. 10 Theile müssen mindestens 10 Com. Normalkalilösung 
sättigen. — 100,0 15 Pf.] Cave: Licht. 

Nur äusserlicli [verdünnt oder rein] als antiseptisches Mittel zu In- 
j ectionen, Waschungen, Linimenten [Bestreichen atonischer oder brandiger 
Geschwüre], Verbandwässern [1 mit 5-10 Wasser bei alten Fussgeschwüren]. 

5. fy Acet. pyrolign. crudi q. s. 
Plumb. acet. 0,5 ut f. cataplasma. [Bei Intertrigo Erwach- 
Acet. pyrolign. crudi 0,4 sener, bei Neigung zu profusen Sclrvveis- 
Aq. 150,0. • sen, Decubitus.] C. J. Meyer. 

M. D. in vitro nigr. S. Einspritzung. [Bei 

Otorrhoea purulenta, Blenorrhoea ure- 7. "fy 

thralis.] * • Buchanan. Acet. pyrolign. crudi 25,0 

Ammon. carb. q.s. ad Saturationem. 

6. fy D. in vitro nigro. S. Zur Waschung sy- 
Furf. tritici 150,0 philitischer Excrescenzen und Warzen. 
Farin. Sem. Lini 25,0 Wilkinson. 

*Acetillll pyroligliosuill rectificatum. Acidum pyrolignosum recti- 
ficatum, Acidum pyroxylicum rectificatum, Acetum Lignorum empyreu- 
matic. rectific. Rectificirter Holzessig. Gereinigter Holzessig. Holz- 
essigsäure. Farblose oder gelblich klare Flüssigkeit von brenzlichem und 
saurem Gerüche und Geschmacke, welche weder durch Baryumnitrat noch 
durch Schwefelwasserstoff eine Trübung erleiden und nicht unter 6 pCt. 
Essigsäure enthalten darf. 10 Gr. rectificirter Holzessig müssen min- 
destens 10 Ccm. Normalkalilösung zur Sättigung erfordern. [Aus 10 Theilen 
rohem Holzessig sollen 8 durch Destillation gewonnen werden. Geschmack und Ge- 
ruch minder unangenehm, als bei der rohen Holzsäure. — 100,0 25 Pf.] 

Innerlich zu 0,5-1,0-1,5 mehrmals täglich, in Boli, Tropfen 
[10-20-30 Tropfen] oder in wässeriger Verdünnung [am besten mit aroma- 
tischen Wässern, z. B. Aq. Menth, pip.]. 

Aeusserlich zu Pinselsäften [1 auf 5-10 Meli, rosat. , bei Noma], 
Mund- und Gurgelwässern [1 auf 10-20], Zahnlatwergen. 

8. ty 

Aceti pyrolign. rect. 5,0 
Rad. Calami pulv. 15,0. 
M. F. Boli No. 20. Consp. Pulv. Rad. 
Calami. D. S. 3 stdl. zwei Stück zu ver- 
schlucken. 



9. 



ly 



Syr. Mororum. 50,0. 
M. D. in vitro nigr. S. Mundwasser. 



10. 



Jy 



Extr. Myrrh. pulv. 5,0 

Ol. Cass. Cinnam. 0,5 

Bals. Peruv. 0,75 

Acet. pyrolign. rectif. 10,0. 
MDS. Zahnlatwerge. Mehrmals täglich mit 
dem Finger auf das Zahnfleisch zu 
appliciren. 



Aci'i, pyrolign. rectif. 10,0 
Aq. Cinnam. simpl. 100,0 

Acetlllll Kosac. Hosenessig. [Rosenblätter 1 mit Essig 8 infundirt 
und macerirt.] 

Nur äusserlicli wie Acet. crudum, eleganter als dieser. [Acet. Rosae 

1 Esslöffel zu 1 Liier Wasser gegen Granulationen des Collum uteri und Fluor albus 
von Velpcau angewandt.] 

Acetlllll Itllbi Idari. Himbeercss ig. [1 Theil Syr. Rubi Idaei mit 

2 Th. Acet. pur. gemischt. Wird nur bei der Dispensation dargestellt. 

Nur /um Getränk bei Wohlhabenden [mit 4-10 Theilen Zucker wasser}. 
Acetlllll Rlltae« Rauten-Essig. [Bereitung wie bei Acetum Rosae.] 
[nnerlich zu 7,5-15,0 öfters täglich, pur oder in Mixturen. 

Bf 5-10. 



Acida. 



12Ä 



Aeusserlich wie Acetum. 

Aeetlim Sabadillae. Sabadillen-Essig. [Sabadillsamen mit 8 Essig. 
— 10,0 etwa 10 Pf.] 

Aeusserlich als Rubefaciens, bei Hautausschlägen, zur Vertilgung 
von Läusen [wegen der starken Röthung der Haut bei Exanthemen zu vermeiden]. 

*Acetillil Scillae. Acetum scilliticum. Vinegar of squill. Vinaigre 
scillitique. Meerzwiebel- Essig. [5 trockene Meerzwiebel mit 9 Acetum dilut. 
und 5 Spiritus und Aq. destill. 36,0 drei Tage macerirt; nach der franz. Ph. 1 Th. 

getrocknete Zwiebeln auf 12 Essig. Klare gelbliche Flüssigkeit von saurem, hinten- 
nach bitterem Geschmack. 10 Gr. = 8,5 Normalkalilösung. — 10,0 10 Pf.]. 

Innerlich zu 1,0-2,0! mehrmals täglich, pr. die 10,0! in Tropfen 
[20-100 Tropfen in Zuckerwasser], Mixturen [oft zur theilweisen Auflösung von 
Gummiharzen], Saturationen [vergl. p. 38]. 

Aeusserlich zu Gurgelwässern [10,0-25,0 auf 250,0], Klystieren 
[10.0-15,0], Bähungen [warm], Einreibungen. 



11. 



^ 



Acet. Scillae 25,0 
Liq. Aramon. carb. pyro-oleosi 
[oder Kalii carb.] q. s. 
ad saturat., cui adde 
Aq. Petroselini 150,0 
Elaeosacch. Juniperi 20,0 
Spir. Acther. nitros. 5,0. 
MDS. 2 stell, einen Esslöffel. [Diuretische 
Saturation.] 



12. ty 

Acet. Scillae 20,0-25,0 



MDS. 



Acet. 25,0 

Kalii carb. q. s. ad satur. 
Aq. Menth, pip. 150,0 
Syr. Papaver. 25,0. 
2stdl. einen Esslöffel. 



Himly. 



Iv 



MDS. 



Ammoniaci 7,5 
Acet. Scillae 15,0 
Aq. Foenicul. 200,0 
Succ. Liquirit. dep. 10,0. 
l-2stdl. einen Esslöffel. [Expectorans 



bei profusem eitrigen Auswurf. 



Acida. Säuren. Man vermeide bei deren Verordnung: Basen, 
basische Salze, ferner solche Salze, deren Säure eine geringere Ver- 
wandtschaft zur Basis hat, als die hinzuzufügende [hierher ist auch die Seife 
zu rechnen], neutrale Salze, die eine Neigung haben, dnreh Abgeben eines 
Theiles ihrer Basis sauer zu werden [neutrale weinsteinsaure Salze], Schwefel- 
metalle, Haloidsalze [Brom-, Jod-, Cyanmetalle; Chlormetalle ertragen in der 
Mehrzahl die Vermischung mit den stärksten Säuren]. Ausnahmen hiervon gel- 
ten für diejenigen Fälle, in denen man eine Zersetzung beabsichtigt [z. B. 
bei Brausemischungen]. 

Die für die stärkeren Mineralsäuren meist gebrauchte flüssige Form 
erfordert einen hohen Verdünnungsgrad und den Zusatz schleimiger Sub- 
stanzen. Um die feindselige Einwirkung der Säuren auf die Zähne zu be- 
schränken, lässt man nach dem Einnehmen den Mund mit einer alkalischen 
Auflösung [Natr. carb. dep. oder Natrium bicarbonicum etwa 10,0-15,0 auf 200,0] 
ausspülen oder die Zähne mit einem Zahnpulver aus Magn. carb. abreiben. 
[Das Acidum phosphoricum ist in dieser Beziehung nicht weniger für die Zähne zu 
fürchten, als die anderen Säuren.] 

Als Versüssungsmittel für die Säuren bedient man sich in der Regel 
der säuerlichen Syrupe. 

Die Mineralsäuren lassen sich auch in Pillen verordnen [mit gleichen 
Theilen eines schweren Pflanzenpulvers und eines Extractes], eine Form, die für 
die Zähne ganz ungefährlich ist, 

Bf 11-13. 



124 Acic! um aceticum. 



* 



Acidum aceticum. Acid. acet. concentratum seu purum. Acet. 
concentratissimum s. radicale s. glaciale, Acid. aceticum crystallisatum Ph. 
Ilelvct., Alcohol aceti. Acetic Acid. Acide acetique. Essigsäure, Eisessig, 
Radical- Essig, Essig- Alkohol, Acetylsäure. [Die Ph. Germ, nimmt drei Ver- 
dünnungsstufen der Essigsäure an: das Acidum aceticum (mit 96 pCt. wasserfreier 
Essigsäure) das Acid. acet. dilut. (mit 30 pCt. wasserfreier Essigsäure) und das Ace- 
tum (mit 6 pCt. wasserfreier Essigsäure). 1 Gr. = 16 Ccm. Normalkalilösung. Das 
Acidum aceticum concentratum Ph.Austr. entspricht jetzt dem Acid. acet. der Ph. Germ, 
ed. IL (früher hatte letzteres nur 81-85 pCt. wasserfreier Essigsäure), während das 
Acid. acet. dilut. Ph. Austr. 20,4 pCt. enthält. — Spec. Gew. 1,064. — 10,0 10 Pf.] 

Innerlich zu 0,2-1,0. [Die innerliche Verordnung der Essigsäure ist wohl 
überhaupt entbehrlich, da man sie doch grösstentheils in Verdünnung giebt, mithin 
auf einem umständlichen und theuren Wege wieder eine jener Dilutionsstufen bildet, 
wie sie im Acetum und Acid. acet. dilut. bereits vorhanden. Die grössere chemische 
Reinheit des Präparates ist ein Vorzug, der bei der Essigsäure für den Heilzweck 
kaum in Betracht kommen kann.] 

Aeusserlich als Riechmittel [mit Essigäther verbunden, bei Ohn- 
mächten]; zu Gurgelwässern [1-3 auf 100 Aqua. — Gargarisma Acidi acetici 
nach Mackcnzic enthält Acid. acet. 5, Glyccrin 6, Aquae 160 (besser abzurunden: 
Acid. acet. 5,0, Glycerin 10,0, Aq. dest. 200,0), gegen Angina bei acuten Exan- 
themen]; Linimenten [oft als Zusatz zu terpenthinölhaltigen Linimenten: 1-5 
ad 100]; als Rubefaciens [pure eingerieben oder auf ein aufgestreutes (indiffe- 
rentes) Pflanzenpulver getröpfelt]; als Aetzmittel bei Epithelial -Wuche- 
rungen und kleinen Tumoren der äusseren Haut, namentlich bei Warzen, 
Hühneraugen, ferner von Coli mann bei frischen Schankern empfohlen. [Das 
Geschwür wird 2-3 Mal betupft und dann mit einer in kaltes Wasser getauchten 
Compresse verbunden. Am zweiten bis dritten Tage stösst sich der Brandschorf 
ab und hinterlässt eine reine Geschwürsfläche, die in etwa 10 Tagen unter einfacher 
Behandlung heilt. Am ersten und dritten Tage der Kur ein Laxans. Bei älteren 
oder indurirten Geschwüren ätzt C. ebenfalls mit Acid. aceticum, lässt aber innerlich 
Jod oder Qecksilber brauchen. — Das Aetzen mit Essigsäure ist ausserordentlich 
schmerzhaft.] Ferner ist die Essigsäure in neuester Zeit von ltroadbcnt 
and Moore in Form parenchymatöser Injectionen zur Zerstörung 
von grösseren Geschwülsten, wie Carcinomen, Sarcomen, Cancroiden u. s. w. 
verwandt worden [1 Th. Acid. acet. mit 4 Th. — 2 Th. (!!) Aq. destill, ver- 
dünnt], ist nicht ohne Gefahr, wegen ihrer deletären Einwirkung auf das 
Blut (Heine). 

Acidum aceticum aroiitaticimt. Gewürzte Essigsäure [25 Essig- 
säure mit 28 einer Mischung aas verschiedenen ätherischen Oelen: Ol. Caryophyll., 
Lavandul., Citri, Bergamott., Thym., Cinnam. Cassiae. — 1.0 10 Pf.]. 

A.eusserlich als Riechmittel [kleine Fläschchen mit Natr. sulf. sicc. 
gefüllt, welches mit Acid. acet. aromat. imprägnirt wird. — Auf die Haut gebracht, 
wirkt ps als Rubefaciens, daher keine Einreibungen mit diesem Mittel, wo man 
nicht epispastische Wirkung erzielen will]. 

\riii ii m aceticum aromatico-caiiiphoratiiiii. [7 8 Ol. Citri, 2 / s OL 
Caryopbyll., 1 Camph., (>4 Essigsäure, — Dieselbe Mischung war in der Ph. IIa?, 

officinell. — 5,0 etwa 10 Pf.] 
Wie das vorige. 



Acidum arsenicos um. I2i 



Acidum aceticiim chloratum und bichloratum. Monochlor- und 
Dichlor essigsaure. 

Ae us serlich als Aetzmittel bei kleinen Neoplasmen, namentlich 
Teleangiectasien empfohlen (Urner). 

* Acidum aceticum dilutum. Acetum concentratum. Verdünnte 
Essigsäure, concentrirter Essig [10 Gr. = 50 Ccm. Normalkalilösung, so dass 
lOOTheile 30Theilen Acidum aceticum entsprechen. Spec.Gew. 1,041. — 10,0 5Pf.]. 
Cave: kohlensaure und neutrale weinsteinsaure Salze. 

Innerlich zu 0,5-2,0 mehrmals täglich; rein oder in Mixturen 
[5,0-20.0 auf 150,0]. 

Aeusserlich als Riechmittel und zur Auflösung von hornartigen 
Auflagerungen auf der Haut. [Das als Hühneraugenmittel empfohlene Acetine 
ist eine mit rothem Anilin gefärbte verdünnte Essigsäure.] 



14. Bf 

Aetheris acetici 2,0 
Acid. acet. dil. 4,0-8,0 
Aq. Rub. Id. 15ü,0 
Syr. Rub. Id. 30,0. 
MDS. 1-2 stdl. einen Esslöffel. Sundelin 



14a. Bf 

Acid. acet. diluti 20,0 
Glycerini 10,0 
Aq. 200,0. 

MDS. Zum Gurgeln. [Gegen Angina bei 
acuten Exanthemen.] Mackenzie. 

Acidum aceticum trichloratum. Dreifach gechlorte Essig- 
säure. Soll nach 0. Liebreich ähnlich wie das Chloralhydrat hypnoti- 
sirend und anästhesirend wirken. Jedenfalls steht es dem Chloral nach 
und sind genauere Berichte über Dosis, Gebrauch und Wirkung nicht 
vorhanden. Dagegen ist es in neuerer Zeit wegen seiner ätzenden Wir- 
kung als Mittel gegen Warzen empfohlen. 

*Acidum arscnicosum. Arsenicum album, Oxydura Arsenici album, 
Arsenious acid, Acide arsenieux, Oxyde arsenieux. Arsenige Säure. 
Weisser Arsenik. Arsenigsäureanhydrid. Arsentrioxyd. — 10,0 5 Pf. 
Löslich in etwa 15 Th. heissen Wassers ohne Rückstand, in etwa 50 
kalten Wassers, in Alkohol schwer löslich. — Am besten nur mit 
schwachen Lösungen von Alkalien [vergl. Liq. Kalii arsenicos.], da mit den 
meisten anderen Basen unlösliche Verbindungen erzielt werden; ferner 
sind zu vermeiden Chlor wasser, Salpetersäure, Eisen und einige organische 
Stoffe, wie Eiweiss, Milch. 

Innerlich zu 0,0025-0,0035-0,005 [ad 0,005 pro dosi! — ad 0,02 pro 
die!] 1-2 Mal täglich in Pulvern, Pillen [die asiatischen Pillen (vergl. 
Rad. Mudar) enthalten als Hauptbestandteil Acid. arsenicos.] oder Lösungen. 
[In Preussen wird vornehmlich Liq. Kalii arsenicos. (s. diesen) verordnet, in Frank- 
reich Denuvans' Lösung, eine Verbindung von Jodquecksilber mit Arsen, ferner 
de Valoiigcns' Lösung, das ter-chlorid des Arsens. Das nur äusserlich angewandte 
Präparat das Arseniat von Soda, die sogenannte Pearson'sche Lösung]. 

Aeusserlich [auch der längere äusserliche Gebrauch kann Intoxication 
hervorrufen!] zu Augenwässern [0,01-0,03 auf 10.0], Pinselungen, 
Waschungen, Umschlägen [bei inveterirten Condylomen und Exanthemen: 
0.025-0.1 auf 25,0], Verband wässern [0.015-0.2 auf 50,0], zu ätzenden 
Streupulvern, Pasten und Salben [meist nach den bestimmten unten an- 
geführten Formeln, vergl. namentlich das früher officinelle Pulvis arsenicalis Cosmi], 
ZU Zahnpasten [zur Abtödtung des Zahnnerven, meist in Verbindung mit Kroosot 
q. s. ad massam pultaceam], forner zu Räucherungen und Inhalationen 

K' 14 -14 a. 'W 



12(; 



Acidum arsenicosum. 



[0,01 Acid. arsenicosum wird auf Papier, das gerade zu einer Cigarre zusammen- 
gerollt werden kann, ausgebreitet, mit einigen Tropfen Wasser, damit das Medicament 
sich in's Papier imbibire, befeuchtet, sodann getrocknet, gerollt und angezündet. 
Romlin's Arsenik-Cigarren gegen Asthma. Beachte die Verwendung zu Fliegen- 
wasser und Fliegenpapier! Als Rattengift!]. 



15. Bf 

Acid. arsenicos. 0,05 
Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
Pulv. Rad. Liquirit. 1,0. 
f. pil. 10. Consp. Lycopod. D.S. Täglich 
eine Pillß. [Bei Psoriasis.] v. Hebra. 

16. R 

Acid. arsenicos. 0,05 
Opii pur 0,25 
Sapon. medic. q. s. 
ut f. pil. No. 16. Consp. Lycopod. D. S. 
Täglich eine Pille. [Bei Psoriasis ] 

v. Hebra. 

17. Bf 

Acid. arsenicos. 0,1 
Opii 0,4 

Sapon. med. 1,0. 
M. F. pil. No. 30. S. 1-2 mal täglich eine 
Pille. [Gegen schwere Intermittenten.] 

Barton. 

18. Bf ~~ 

Acid. arsenicosi 0,5 
Piper, nigr. 5,0 
Mucil. Gummi Arab. 9,0. 
M. f. pilul. No. 100. consp. pulv. Canell. 
alb. D. S. Morgens und Abends eine 
Pille zu nehmen. 

[Vereinfachte Formel für die asiati- 
schen Pillen. — Die Arsenikdosis ist 
wenigstens für den Anfang besser auf 
die Hälfte zu reduciren und erst all- 
mälig zu steigern.] Bouchardat. 



19. 



K- 



lactis. 



Acidi arsenicosi 0,1 
Rad. Liquirit. 4,0 
Mellis. q. s. 
ut. f. pil. No. 100. Consp. Sacch 
D. S. 5-10 Stück täglich. 

Granules de Dioscoride. 
[Gegen Phthisis pulm.] 

Mo utard-Martin. 



20. 



H- 



Acidi arsenicosi 0,1 
Kalii carbon. 0,1 
Aq. dest. 500,0 
Spir. Mrliss. comp. 0,5 
Xinct. Coccionell. c\. s. 
ad colorandum. 
[1 Gramm dieser Lösung enthält 0,0002 
Acid. arsenic. Wird in Frankreich statt 
der Solutio Fowleri viel gebraucht] 
Solutio arsenicalis Devergie. 



21. 

M. F. 
22. 



Acid. arsenicosi 0,3 
Hydrarg. sulfurat. rubr, 
Ungt. lenient. 8,0. 



1,0 



pasta. 



v. Hebra. 



*Y 



M. f. 



Acid. arsenicos. 0,5-1,0 
Hydrarg. chlor. 15,0. 
pulv. D. in vitro sub sigillo. S. 



Streupulver für Krebsgeschwüre. 



23. 



I* 



Acid arsenicos. 0,25-0,5 

Hydrarg. chlor. 2,0 

Gummi Arab. 10,0 

Aq. q. s. 
ut. f. pasta mollis. 

x\uf das durch Cataplasmen gereinigte 
Krebsgeschwür, V3" V2 Linie dick, auf- 
zutragen [bei grossen Geschwüren theil- 
weise]. — Nach 8-10 Tagen Erneue- 
rung des Verbandes; nach 5-6 maliger 
Application in der Regel reiner Ge- 
schwürsgrund. Milderes und weniger 
schmerzhaftes Verfahren, als die beiden 
vorhergehenden. Auch für lupüse Ge- 
schwüre empfohlen. Dupuytren. 

24. Bf 

Acid. arsenicos. subt. pulv. 

Sulfur. depur. ana 1,5 

Ungt cerei 25,0. 
M. f. unguentum. D. sub. sigillo. 

[Als Zerstörungsmittel für Krebsge- 
schwüre, Excrescenzcn, Naevi u. s. w., die 
mit Charpie, auf welche die Salbe, l /a Linie 
dick, au Ige tragen, verbunden werden.] 

Astley Cooper. 



25. 



^ 



2,0 



Acidi arsenicosi 3,0 
Hydrarg. chlor. 7,5 
Hydrarg. sulfurat. rubr. 
Krcosoti 0,5 
Ungt simpl. 25,0. 
M. F. unguentum. 

[Aetzmittel bei Lupus.] 

Hutchinson. 



26. Bf 

Acid. arsenicosi subt. pulv. 1,0 
Cerati simpl. 25,0. 
M. exaet. F. anguent. D. S. Als Verband- 
mittel für Krebs und phagedänische 
Geschwüre. 



Bf 15-20. 



Acidum benzoicum. 



12' 



dieser Paste in den hohlen Zahn zu 
bringen und dann die Höhlung mit Zahn- 
kitt zu verschliessen. Bleibt 24 Stun- 
den liegen. 

Abbot's Paste zum Kauterisiren 
der Zahnnerven. 



27. Iy 

Acid. arsenicosi 
Morph, acet. ana 0,3 
Kreosoti q. s. 

ut f. Massa pultacea. 
D. S. Nachdem die cariöse Stelle sorg- 
fältig mit Watte gereinigt, ein Minimum 

*Acidillll beil/oiciiin. Flores Benzoes. Sal Benzoes acidum. Ben- 
zoic acid. Acide benzoicjue. Benzoesäure, Benzoeblumen [gelbliche bis 
gelblich- braune Blättchen oder nadeiförmige seidenglänzende Krystalle von süsslich- 
scharfem, äusserst stechendem Geschmack. — 1,0 10 Pf.]. — Löst sich in Wein- 
geist .und Aether leicht, in siedendem Wasser ziemlich schwer [20 Th.]. 
Cave: Amnion, carb. und andere alkalische Salze, Eisenoxydsalze. 

Innerlich zu 0,03-0,3 [die in der Regel angegebene Dosis von 0,18-0,6 
ist zu hoch gegriffen, da der nachhaltig kratzende Geschmack des Mittels bei Gaben 
von über 0,3 unerträglich wird], in Pulvern [in neuerer Zeit von v. Sigmund 
gegen Tripper empfohlen, von Braun gegen Eclampsia parturientium, von Frcrichs 
gegen urämische Affectionen (durch Gummi Mimos. oder Pulv. gummös, eingehüllt)], 
Pillen, Trochisci [Trochisci Acid. benzoici von Mackenzie empfohlen, auch 
unter dem Namen „voice lozenges" bekannt, weil gegen Heiserkeit und andere Hals- 
leiden in Gebrauch], Lösungen [wässerige Lösungen sehr verdünnt, in maximo 
1 : 200; spirituöse und ätherische Solutionen concentrirter], Schüttelmixturen 
[wegen der geringen specifischen Schwere des Mittels unzweckmässig]. Das Mittel 
wirkt in hohem Grade gährungshemmend und ist ein vorzügliches 
Desinficiens, es übertrifft als solches die Salicyl- und Carbolsäure, 
wie Experimente lehrten (Salkowski, Fleck), und ist hiervon ausgehend 
von Senator und Mackwan für die Behandlung der Polyartritis verwendet 
worden. S. Natr. benzoieum. 

Aeusserlich zu desinficirenden Verbänden [Brnn's Benzoesäure- 
Gaze, Benzoe-Watte, Benzoe-Jute, die entfetteten Materialien werden mit weingeistiger 
Benzoesäurelösung getränkt], zu Pinsel- sowie zu Mundwässern [in wässe- 
riger spirituöser Lösung, etwa 0,5-1,0 auf 100,0 Aq., 25,0 Spirit. aromat.], auch 
zu Injectionen in die Urethra und die Scheide [0,1-0,5 ad 100,0 
Aq. dest.] zu versuchen, endlich zu subcutanen Injectionen [als Exci- 
tans und bei Urämie, Rohrie: 1 zu 12 Spirit., davon eine Spritze voll zu injiciren]. 



28. Iy 

Acid. benzoici 
Gummi Arab. 
Saf.char. alb. ana 0,1. 
M. f. pulv. Dispcnsent. tal. dos. No. X. 
I). in capsulis amylaccis. S. 2stdl. ein 
Stück nach Vorschrift zu nehmen. 



29. Bf 

Acid. benzoici 0,3 

Stibii sulfurati aurant. 

Camph. trit. ana 0,06 

Elaeosacch. Poeme. 0,6. 
If. f. pulvis. Dispensent. tal. dos. No. G. 



D. in chart. cer. S. 2 stdl. 1 Pulver mit 
Haferschleim. [Bei drohender Lungea- 
lähmung.] Berends. 



30. I* 

Acid. benzoici 0,3 
Rad. Ipccacuanh. 0,00 
Stib. sulfurat. aurant. 0,03 
Sacch. albi 0,6. 
M. f. pulv. Dent. tal. dos. No. 6. 
chart;. cer. S. 4 mal täglich 1 Pu 
Haferschleim. 

[Bei asthenischer Pneumonie] 

Hörn 



D. in 

vor in 



H< 27-30. 



12$ 



Acidum benzoi'cum. 



31. Bf 

Acid. benzoi'ci 0,05 
Acid. tannici 0,01 
Pulv. Rad. Rhei 0,2 
Pulv. gummös. 0,75. 
M. f. pulv. d. tal. dos. 12. S. 2stdl. ein 
Pulver. 

[Bei Keuchhusten.] 



32. 



3 



Acid. benzoic. 1,25 
Rad. Liquirit. 30,0 
Rhi&Jrid. 7,5 
Sulfur. depur. 15,0 
Sacch. alb. 60,0 
Ol. Anisi 

„ Foeniculi ana 0,5. 
M. f. pulv. d. in vitro. S. Mehrmals 
lieh V 2 -l Theelöffel. 

Pulv. pectoralis Wedel ii. 



Schauspieler etc.] 
Voice lozenges. 



Pastilli antaphonici. 



34. Bf 

Acid. benzoic. 4,0 
Sulf. lact. 2,0 
Glycerin. 30,0. 
MDS. 2stdl. Bepinselung. 



[Bei Angina 



täg- 



33. 



Bf 



D. S. 



37 



Acid. benzoi'ci 5,0 
Fruct. Anisi vulg. 10,0 
Succi Liquirit. 20,0 
Tragacanthae 5,0 

Pulver, admisce 
Glycerini 

Aq. Rosar. ana 10,0 
Vanill. sacchar. 0,5 
Rad. Liquirit. q. s. u. f. 

Alassa, quae in pastill. vel tabul. 

C. redigatur. Ligno santol. rubro 

consp. 
D. S. Am Tage mehrmals 1-2 Stück zu 
nehmen. [Bei Heiserkeit und katarrhal. 
Halsbeschwerden, besonders für Sänger, 

*Aci<lum boricum. Acidum boracicum 



diphtherit. Weizenbul'sche Mischung.] 

35. Bf 

Acid. benzoic. 1,25 
Natr. bicarb. 4,0 
Natr. phosph. 6,0 

solve in 
Aq. Cinnamom. 150,0 

adde 
Tinct. Hyoscyami 7,5. 
D. S. Dreimal täglich einen Esslöffel. 
[Bei Lithiasis.] Ure. 



36. Bf 

Acid. benzoic. 1,5 
Camphorae 1,0 
Spiritus 1 2,0. 
Zur subcutanen Injection [1 Spritze 



voll]. [Als starkes Excitans.] 



Kohde. 



Bf 

Balsam. Peruviani 5,0 
Acid. carbol. puri 2,0 
Acid. benzoi'ci 1,0 
Ungt. cerei 20,0 
MDS. Zum Einreiben [bei Kinn- oder Bart- 
flechte, Finnen im Gesicht]. Unguent. 
antiherpetic. acre. 



Sal Sedativum Hombenni, 



Sal volatile Vitrioli narcoticum, Sedative Salt. Borsäure, Boraxsäure. 
[Kaum säuerlich schmeckend. — 10.0 15 Pf.] Farblose, glänzende, schuppen- 
förmig sich anfühlende Krystalle. Löslich in Glycerin, 6 Theilen Wein- 
geist, schwer löslich in kaltem Wasser [20 Th.] und in 3 Theilen kochen- 
den Wassers. 

Innerlich zu 0,3-1,0 in Pulver, Pillen, Solution. [Selten in 
Anwendung kommend.] 

Aeusserlich als Desinficicns in Form des Streupulvers [mit 
Stärke oder anderen Pulvern gemischt: bei Ohren- und Nasenleiden als Pulver viel- 
fach mit Erfolg angewandt, bei Geschwüren, Wundon, auch bei eczematösen und 
pruriginösen Ausschlägen Chicne] , zu Salben (Listcr) , zur lmprägnirung 
von Verbandstoffen [englisches Lint oder andere Verbandstoffe mit kochender 
Borsäurelösung durchtränkt, dann getrocknet und aufgelegt: llimiclchcu.]. 



38. 



M. F. 



Iv 
Acid. borici pulv. 
Cerae alb. ana 5,0 
Ol. Amygdal. dulc. 
ParaMni ana 10,0. 
Ungucntum. D. S. 

Bf 31-39. 



Verbandsalbe. 

Lister. 



39. Bf 

Acid. boric. pulvensat. 15,0 
Pulv. Rhizom. Iridis 5,0 

Mf. pulv. I). S. 2stdl. 1 Schnupfpulver. 



Acidum carbolicum crystallisatum. 129 

*Aciduiii carkolicuiu. Acidum carbolicum crystallisatum. Acidum 
phenylicum. Carbolic acid. Acide phenique. Carb Ölsäure, Phenyl- 
oder Phenolsäure, Phenol, Phenyloxydhydrat, Monooxybenzol. 

[Krystallinische farblose oder hurn röthliche, eigenthümlich nicht unangenehm 
riechende, ätzend wirkende Masse, die in der Wärme zur einer wasserhellen Flüssig- 
keit von 1,06 spec. Gewicht, brennendem Geschmack und kreosotartigem Geruch 
schmilzt, in 20 Th. Wasser, in jedem Verhältniss in Alkohol und Aether, Chloroform, 
Schwefelkohlenstoff, sowie in Glycerin, fetten und ätherischen Oelen und Natronlauge 
löslich. — 10,0 10 Pf.] 

Innerlich zu 0,01-0,05 [ad 0,1 pro dosi, ad 0,5 pro die! Grössere Dosen, 
selbst bis 0.25 und mehr, sind ohne Schaden gegeben worden] mehrmals täglich, 
am besten in Pillenform oder in spirituöser Lösung, auch in 
Emulsion und als Clysma. [Das Mittel ist erst in neuester Zeit zum inner- 
lichen Gebrauche versucht worden, und zwar vielfach mit befriedigendem Erfolg; 
hauptsächlich wurde es bei den verschiedensten Hautkrankheiten verwendet (Kaposi, 
v. llebra, J. Neuniaim), ferner gegen Infectionskrankheiten, wie Typhus (Teninesti, 
Hunt, Rothe), Intermittens, Cholera, Milzbrand (lühigcihoeffer, Seydcler), HAids- 
wuth, Schlangenbiss, auch gegen Phthisis, Keuchhusten (Rothe), Diabetes (Ebstein 
und J. Müller), Magen- und Darmerkrankungen, besonders bei chronischem Erbrechen, 
Diarrhoe, Cholera infantum und Cholera nostras (Rothe), sowie gegen Flatulenz em- 
pfohlen und theilweise bewährt.] 

Aeusserlich pure als Aetzmittel [bei Pustula maligna: KUiiigclhocffcr, 
Leichenvergiftung u. a.], meist in Spirituosen, selten wässerigen Lösungen 
oder in Verbindung mit Oel oder Glycerin, in verschiedenen Verdünnungs- 
graden [5-20 pCt.], als Verbandmittel [Carbolgaze, Listcr's Aseptic muH, 
Carbollint], zu Waschungen und Pinselungen, zuweilen auch in Sal- 
ben- oder Pflaster form, bei den verschiedensten Hautkrankheiten 
und Verletzungen [reine und inficirte Wunden], als Basis von Haarölen, bei 
Hautjucken (Lassar), ferner zu Einreibungen [in l-2procentiger Lösung oder 
in Salbenform (1 :32 Atleps.): gegen Krätze, namentlich der Kinder-. iHouli, gegen 
Frostbeulen (1:60 Adeps.): Ilulkky, gegen Verbrennungen (1:6 Ol. Oli- 
varum): Mittel; mit Linimentum Calcis 1:30: ttulkley.)], zur schmerzlosen 
Cauterisation der Zahnpulpa bei Caries der Zähne (Pactseh), zu Ein- 
spritzungen in die Blase bei Oystitis [0,05 bis 1,0 auf 100,0 Aqua; in 
manchen Fällen von fötider Absonderung bis 5,0 : 100,0: llottoni], in die 
Tunica vaginalis durch den cingestossenen Trocart bei Hydrocele: Levis, 
bei Vaginal- und Uteruskrankheiten, in die Harnröhre bei Gonorrhoe 
[0,1-0,5 auf 100,0], in die Nasenhöhlen bei Ozaena (Clark) [0,25-1,0 auf 
100,0] ZU Klystieren [bei Diarrhöen und Krankheiten des Rectums: 0,05-0,1 
auf 150,0 Aqua], zu Pinselungen des Pharynx, zu Mund- und Gur- 
gelwässern [0,5-1,0 auf 100,0], sowie zu Inhalationen in zerstäubter 
Form [vergl. S. 98.] bei Diphtherie, Aphthen, Phthisis, Bronchitis 
putrida, Gangraena pulmonum Rothe, Leydeii, Helfer), als Riechmittel 
[s. Liquor Amonii caust.], endlich auch zu subcutanen I njeetionen [2,0 
auf 100.0 A(jua. hiervon 1-2 Pravaz'sche Spritzen: gegen [ntermittens: Jessicrj 

n Tumor albus, Drüsenschwellungen, akute Phlegmone and andere entzündliche 
Processe: lluctcr; Erysipelas: Hueter, Aufrecht; bei Angina faucium, Laryngitis 
acuta. Schwellung der Cervicaldrüsen , croupöser Pneumonie: linken; bei Croup und 
Diphtheritis zur [njeetion in die Tonsillen (Taube and hlel : gegen altuten Gelenk- 

Bwald and Simo irdnungslehre. LO. Aufl. n 



130 



Acidum carbolicum crystallisatum. 



rheumatismus: Kunze, Senator]; bei Haemorrhois ana mit Glycerin. Nach 
vorheriger Entleerung des Rectums, Einfettung der Knoten und Einstich 
der mit 3-10 Tropfen armirten Spritze in's Centrum des Tumors, Black - 
wooilj endlich auch zu parenchymatösen Injectionen. Iluetcr: Ein- 
spritzung von 1-2 Pravaz'sche Spritzen einer 2procentigen Lösung in 
die entzündeten Organe, z. B. Drüsen, Gelenke, sowie in Tumoren. [Die 
Anschauungen Huctcr's über den Nutzen der parenchymatösen Injectionen bei Ery- 
sipelas, Gelenkentzündungen etc. haben sich nicht bestätigt.] 

Die weitgehendste Anwendung hat die Carbolsäure in der Chirurgie 
durch das Listcr'sche Verfahren gefunden. Trotz mannigfacher Uebel- 
stände, die. ihr anhaften und die dazu geführt haben nach Ersatzmitteln 
für dieselbe zu suchen, beherrscht sie noch immer das Feld. Hierauf 
des Genaueren einzugehen würde zu weit führen. Ebenso kann nur auf 
die ausgedehnte Verwendung, welche die Carbolsäure in der privaten und 
öffentlichen Hygiene als Desinficiens, als Antisepticum etc. findet, hin- 
gewiesen werden. Doch ist zu bemerken, dass nach den neuesten Unter- 
suchungen von It. Roch die Carbolsäure in öliger oder alkoholischer Lösung 
zu Desinfectionsz wecken (Vernichtung von Milzbrandsporen und Bacillen 
sowie anderer durch hohe Widerstandsfähigkeit ausgezeichneter Mikro- 
organismen) vollständig unbrauchbar, weil ohne jede Wirkung ist und 
die wässerige Carbolsäure erst in Lösungen von 5-10 pCt. einen entschie- 
denen Effect ausübt. 

Als zum Listcr'schen Wundverband gehörig sind zu nennen: Wässerige 
Carbolsäurelösungen von 2-10 pCt. (zum Waschen, zum Spray, Aufheben der Instru- 
mente u. s. f.), 5-10proc. Phenolöl, Phenolvaseline (1 Th. Phenol und 9 Vaseline), 
Protective. entweder aus Seidenzeug (Silk-protective) oder Baumwollenzeug (Cotton- 
protective). Das mit öliger Phenollösung getränkte Zeug wird auf beiden Seiten mit 
Copalkick, dann auf der einen Seite mit einer Mischung aus 1 Th. Dextrin, 2 Stärke 
und 16 Th. einer öproc. wässerigen Phenol lösung bestrichen. Unmittelbar vor der 
Anwendung behufs Desinfection mit 2,5proc. Lösung abgewaschen. Antiseptische 
Gaze (Kaliko, getränkt mit einner Mischung von 1 Th. Phenol, 5 Fichtenharz, 7 Pa- 
raffin). I'henoljute mit 2.5proc. Carbolwasser getränkt. Catgut (Schafdar.mfäden, 
welche 2 Monate in einer Mischung von 5 Oel und 1 Acid. carbol. liquef. gelegen 
haben. Lister hat verschiedene Modifikationen desselben angegeben). Antiseptische 
Seide (in öproc. Carbollösung gekocht und einige Stunden in einer heissen Mischung 
von 1 Carbol auf 10 Wachs gelegen). Kautschuck- und Knochen -Drainröhren, in 
5proc. Carbollösung ausgekocht resp. aufbewahrt. 

Der Liqueur antiseptique von Pciuics besteht aus 8 Th. Carbol 
und 2 Th. Bromwasserstoffsäure. Das Carbolated Glvcerin ist aus 
1 Carbol und 9 Glycerin gemischt. 

Als Antidot bei Vergiftung mit Carbolsäure werden ausser der 
Magenausspülung Baumöl oder Mandelöl mit etwas Ricinüsöl, sowie Kalk- 
präparate, besonders Calcaria saccharat. in grösserer Menge in Wasser 
gelöst, empfohlen; auch üusserlich dienen Üele als Antidota (Calvcrt). 



40. 



Acid. carbolici 
solve in 

Spirit. q. s. 
'■in adde 

R 40. 



,0 



R&d. Alihacae 
Extr. Gentian. ana 5,0. 
M. f. pilul. No. 100. Consp. Lycopod. 
D. S. 2stdl. 2-5 Pillen zu nehmen. 



Acidum carbolicum crvstallisatum. 



131 



41. R 

Acidi carbolici 5,0 

Solve pauxillo Spirit. 
ad de 
Extr. et Pulv. Rhiz. Calami q. s. 
ut f. pilul. No. GO. S. Täglich 6 Stück 
zu nehmen. 

[Gegen Psoriasis, Prurigo u. a.] 

Neumann. 



42. Bf 

Acid. carbol. 1,0 
Aq. dest. 120,0. 
MDS. 3-4 mal tägl. einen Kaffeelöffel. 
[Bei Pertussis.] Oltramare. 

43. Bf 

Acid. carb. 1,0 
Rad. Rhei pulv. 5,0 
Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
u. f. pilul. No. 50. Obduc. Gelatina. D. S. 
Zur Verdauungszeit 1 Pille zu nehmen. 
[Bei Dyspepsie durch Magengährung] 

H. E. Kichter. 



44. Bf 

Acid. carbol. 0,25 
Acid. tannici 2,5 
(Opii 0,1-0,3) 
Spirit. gutt. nonnull. 
Rad. Liquir. pulv. 5,0 
Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
ut. f. pilul. No. 50. Consp. Pulv. Rad. 
Liquir. D. S. 3 mal tägl. 2-3 Pillen zu 
nehmen. [Bei Phthisis mit Diarrhöen.] 

Waidenburg. 



45. Bf 

Acid. carbol. 1,5-2,5 

Aq. r,00,0. 
D.S. 2-3stdl. 2 Esslöffel. [Bei Typhus.] 

Murchison. 



4G. Bf 

Acid. carbol. 

Spirit. vini rectificatiss. ana 0,75 

Tinct. Jodi gutt. XV. 

Infus, digital, (e 1,0:200,0). 
MDS. Stdl. 1 Esslöffel. [Bei Typhus ab- 
dominalis.] Kothe. 

47. Bf 

Acid. carbol. 5,0 
Aq. dest. 150,0 
Aq. Menth, pip. 50,0. 
MDS. 2-4 mal täglich 1 Theeloffel. [Bei 
Diabetes.] Ebstein. Lebert. 

48. Bf 

Acid. carbol. 0,2 
Aq. Menth, pip. 30,0 
Tinct. Valerian. aeth. 2,0 



Tinct. Opii croc. 
Tinct. Jodi ana 0,05-0,15 
Mucilag. Gummi Arab. 
Syr. Papaveris ana 10.0. 
MDS. 2 stdl. 1 Theeloffel. [Bei Cholera 
infantum.] 
Mixtura antidiarrhoica infantum. 

C. G. Kothe. 



49. Bf 

Acid. carbol. 0,5 
Tinct. Jodi 0,25 
Tinct. Opii croc. 1,5 
Tinct. Valerian. aeth. 3,5 
Aq. Menth. 15,0. 
MDS. 1-2 stdl. 30-40 Tropfen. Guttae 
antidiarrhoieae. 
[Choleratropfen.] 

C. G. Rothe 



50. Bf 

Acid. carbol. 7,5 
Spir. dilut. f>0,0. 
MDS. Innerlich 2 stdl'. 10-20 Tropfen in 
Schleim zu nehmen. — Aeusserlich 
1 Theeloffel voll mit 1 Esslöffel voll 
Wasser zum Gurgeln und Pinseln. 
[Bei Angina, besonders Ang. scarlatin.] 

Cleaver. 



51. Bf 

Infus. Rad. Gentian. (4,0) 150,0 
Acid. carbol. 0,2 
Syr. simpl. 30,0. 
MDS. 3 stdl. 1 Esslöffel. 

[Bei inveterirter Intermittens.] 

Treulich. 

52. Bf 

Acid. carbol. 2,0 
Spirit.. 5,0- 10,0. 
MDS. Aeusserlich. 

[Actzmittel bei verschiedenen Haut- 
krankheiten, namentlich Eczema, Pso- 
riasis, Lupus, Ulcus syphilit., Schlangcn- 
biss, Wespenstich u. s. w.] 

J. Neumann. 



53. 




Acid. carbol 
Glycerini 
Spirit. ana ' 
Aq. 200,0. 


2,0 
15,0 








D. 


S. 


Aeusserlich. 












Lot 


io carbolica. 




Hutchim 


son. 


54 


% 










Acid. carbol 


crvsl 


. 10,0 










solve in 














Aq. destill 


200,0. 








D. 


S. 


Zur Ausspritzung 


von W 


uiul 


en. 










9 * 


Lis 


ter. 


















H< 41- 


54. 


^» 



132 



Acidum carbolicum crystallisatum. 



55. Bf 

Acid. carbol. pur. 2,0 
Glycerini 30.0 
Mass. Gelat. alb. 55,0 
Aq. 15,0. 
M. f. bacill. No. 15. D. S. Nasenbougies. 
[Bei übermässigem Nasensehleimfluss, 
Ozaena etc.] 



56. Iy 

Acid. carbol. 5,0 

Ol. Lini (s. Amygdal., s.Oliv.) 100,0. 
D. S. Verbandmittel. 

[Zum Lister'schen Verband, zum Ein- 
ölen der Finger, Instrumente etc. Siehe 
aber das oben S. 1 30 betreffs der öligen 
Carbollösung Gesagte.] 



57. Bf 

Acid. carbol. 2,5 

Ol. Lini 1 »,0 

Cretae albae q. s. 
ut f. unguontum molle. 

Lister'sche Verbandsalbe. 



58. Bf 

Acid. carbol. 1,5 

Ol. olivar. 100,0 

Ol. Bergamott. gutt. XXX. 

MDS. Haaröl. [Bei Pytiriasis capitis und 

Kopfeczem.] Lassar 



59. R 

Acid. carbol. 1,0 
Acet pyrolignos. 4,0 
Aq. 5,0. 
MDS. Aeusserlich. 

[Zum Bestreichen der Haut bei Favus, 
Krätze und anderen parasitischen Haut- 
krankheiten.] 
Acetum carbolicum scu phenylicum. 

Lemaire. 



60. Bf 

Acid. carbol. 2,5 

Acid. acetici 
\<|. ana h»,0. 
MDS. Zum Aufpinseln auf die Haut. 
[Sehr energisches Reizmittel, soll Senf 
und Veratrin abertreffen. Bei Lähmun- 
gen, Neuralgien, namentlich [schias em- 
pfohlen. Bei Kindern ist die Losung zu 
verdünnen, ebenso zur Anwendung in 
Form der Bi pinselung oder besser Pul- 
verisation bei phagedänischen und gan- 
gränösen Geschwüren | Dickinson. 

61. H- 

Acid. carboL 5,0 
Aq. 200,t>. 

D. S ESin Esslöffel mit einer Unterta 
Wasser gemischt, ein Leinwandläppchen 

!;■ 55 -03. 



damit getränkt, Morgens und Abends 
auf die juckenden Stellen aufzulegen. 
[Gegen Prurigo.] Pintschovius. 



62. Bf 

Acid. carbol. 1,0 
Tale. 50,0 
M. f. p. S. Puder bei Hautjucken. 

Lassar. 



63. Bf 

Acid. carbol. 2,0 
Ungt. Vasel. 20,0-30,0. 
M. f. ungt. D. S. Aeusserlich. Täglich eine 
Bohne gross auf die afficirten Stellen 
einzureiben. 

[Gegen Sycosis] Pintschovius. 



64. ty 

Acid. carbol. 1,0 

Tinct. Jodi 

Acid. tannici ana 2,0 

Unguent. cer. 30,0. 
M. f. Unguentum. D. S. Aeusserlich 
[Gegen Frostbeulen] O G- Rothe. 



65. Bf 

Acid. carbol. 0,5 

Yasel. 

Unguent. plumbi ana 10,0 

Ol. amygdal 5,0. 
M. f. u. D. S. Prostsalbe. Lassar. 



66. Bf 

Cerae alb. 4,0 
Colophon. 
Ol. Oliv, ana 2,0 
Acid. carbol. 5,0 
M. f emplastrum. 

Auf Leinwand, gestrichen, auf die kran- 
ken Stellen aufzulegen. 
[Gegen Lupus.] Pintschovius. 



67. Bf 

Acid. carbol. 2,5 
Spirit. 5,0 

Mucilag. Gummi Arab. 40,0. 
MDS. Zum Bepinseln abgeschürfter, exul- 
cerirter, Leichl Mutender Schleimhaut, 
besonders des Zahnfleisches, des Gau- 
mens, der Mandeln. v . Sigmund. 



68. Bf 

Acid. carbol. 0,15 
Ol. Menth, pip. 0,3 
Tinct. iMyrrhae. 60,0 
MDS. Mit weissem Syrup in beliebiger Quan- 
tität gemischt: zum Bürsten der Zähne. 
[Zum Aufhallen der Zahncaries.] 

Zahnbrandtropfen. 

E. H. Richter. 



Acidum chromicum. 



133 



69. ty 

Acid. carbol. 1,0 
Aq, Coloniensis 20,0. 
MDS. Einige Tropfen in Wasser zum Mund- 
spülen und Händewaschen ; mit Wasser 
verdünnt zum Zerstäuben in Kranken- 
zimmern. 

Desinficirendes Eau de Cologne. 

E. H. Bichter. 



70. Bf 

Acid. carbol. 1,0 
Glycerini 12,0 
Aq. dest. 250,0. 
MDS. Gurgelwasser. 

Gargarisma Acidi carbolici. 

Mackenzie. 



Acid. tannici 20,0 
Aq. dest. '00,0. 
D. S. 1-2 Esslöffel zu 1 Pfund Wasser, 
zur Inhalation in zerstäubter Form. 
[Bei Phthisis, Bronchiectasie, Bron- 
chitis putrida] Waidenburg. 



71. R 

Acid. carbol. 5,0 
Spir. 25,0 

cui adele Solut. 



72. Bf 

Acid. carbol. 

Spir. dil ana 1,0 

Tinct. Jodi 0,5 

Glycerini 

Aq. dest. ana 2,5. 
MDS. 25-30 Tropfen auf 1-2 Esslöffel voll 
Wasser zur Inhalation in zerstäubter 
Form. [Bei Diphtheritis und bei Phthisis 
pulm.] Dieselbe Mischung zumToucbiren 
des Pharynx. 40 Tropfen obiger Mixtur 
auf eine Tasse Wasser zum Gurgeln. 
[Bei Diphtheritis und Scarlatina sowie 
als Prophylacticum gegen diese Krank- 
heiten.] G. 0. Rothe. 



*Acidum carbolicum c nid um. Rohe Carbolsäure. Gelbliche 
bis gelbbraune Flüssigkeit, welche mindestens 90 pCt. Acid. carbol. ent- 
hält. • Nur zu Desinfectionszwecken zu verwenden. [100,0 25 Pf.] 

*Acidum carbolicum liquefactum. Verflüssigte Carbolsäure. Eine 
Mischung aus 100 Theilen Carbolsäure und 10 Theilen Wasser. Klare, 
farblose, nach Carbolsäure riechende [Flüssigkeit, welche sich in 1 8 Theilen 
Wasser klar löst. 

Acidum chlor o-nitros um. Acidum nitrico-hydrochloratum. Aci- 
dum nitrico-muriaticum. Aqua Regis s. regia. Nitromuriatic acid. Eau 
regale. Königswasser. Mischung aus 3 Acid. hydrochloricum und 1 
Acid. nitricum. 

Innerlich selten; Dosis wie Acid. hydrochloricum [vergl. ;ty 76]. 

Aeusserlich zu Fussbädern [50,0-60.0 zum Fussbad]. Von Scott in 
Bombay auch zu Waschungen der Lebergegend bei Hepatitis empfohlen. 
Soll die Gallensecretion vermehren. 

* Acidum chromicum. Chromic acid. Acide chromique. Chrom- 
säure. Chromsäure-Anhydrid. Chromtrioxyd. [An der Luft zerfliessende, 
scharlachrothe Krystalle oder heller rotli gefärbte, lockere, wollige Masse von scharf 
saurem Geschmack, in Wasser leicht löslich, die Haut stark ätzend. — 1,0 5 Pf.] 

Auesserlich als Irritans [in Verdünnung] und als Causticum [pure 
oder höchstens mit gleichen Theilen Wasser. Von Schuh und Marshall zur Aetzung 
von Condylomen und warzenartigen Excrescenzen (1 Th. Acid. chrom. in 1 Th. 
Wasser gelöst), von Lcwin, v. Kruiis u. a. zur Aetzung hypertrophischer Tonsillen, 
sowie polypöser Excrescenzen auf der Laryngeal-Schleimhaut pure mittelst besonderer 
Aetzmittelträger angewandt; «las Verfahren ist sehr schmerzhaft, meist mit Hecht 
wieder verlassen. Dagegen ist das Einstechen der Krystalle in die hypertrophirten 
Tonsillen von Lcwill, Waldenbirg empfohlen (s. o. p. 96). Ferner wurde das Mittel 
in Verdünnung (1,0-5,0 auf 25,0 Wasser) auch zur Cauterisation diphtherischer 
Flächen benutzt, ohne sich bewährl zu haben. — Von Anatomen zur Härtung von 
Präparaten in Verdünnung mit Vortheil rerwerthet.l 

ty 69-72. 



\?>\ Acidum Crcssotinicum. 



Neuerlichst wurde das Mittel auch örtlich gegen Ozaena und Go- 
norrhoe von Dougall empfohlen [Verdünnung von 1 zu 1000,0 Wasser]. 

Aridum chrysophanicuili. Chrysophansäure [1,0 15 Pf.] in Parmelia 
parietina Rad. Rhei und Fol. Sennae enthalten; glänzende gelbe Nadeln, 
unlöslich in Wasser, schwach löslich in Aether, am besten in Alcohol und 
Benzol; gegen Psoriasis, Lupus, Favus empfohlen. Jarisch, Ncumanii, Laug. 

Am besten als Salbe [1 : 10], wobei die gesunden Partien durch ein Heft- 
pflaster geschützt werden. Wegen ihrer Tendenz zur Reizung der Binde- 
haut sind im Gewicht schwächere Mischungen von 2-5 pCt. zu verwenden. 
Ueberhaupt hat die Chrysarobinsalbe die Tendenz, Erytheme und Derma- 
titiden zu erregen, weshalb Fox empfiehlt, die eingeriebene Stelle ent- 
weder ganz mit Collodium zu überziehen, oder mit Gummipapier zu 
überdecken, dessen Ränder mit Chloroform zum Anhaften an der Haut 
bestrichen werden. Von Reumoiit bei den Dermatosen der Syphilis als 
Vaselinsalbe [1-2 : 10, je nach der Intensität der Affection] empfohlen. In der 
Literatur besteht hier eine Confusion der Namen, indem für Acid. chry- 
sophanic. auch Chrysarobin gesetzt wird. Chrysarobin ist aber der von 
Thompson vorgeschlagene Name für das Goapulver, pulv. Araroba, welches 
in seiner Wirkungsweise allerdings grosse Aehnlichkeit mit der Chryso- 
phansäure hat [s. A.]. 

73. K? 

Acid. Chrysophanici 1,0 

„ acet. 0,2-0,5 
Vasel. 4,0. 
M. f. u. [Bei Favus nach Ablauf der entzündl. Erscheinungen.] 

Weber. 

- Acidiuii n trimm. Acidum citricum crystallisatum, Acidum Citri. 
Citric acid. Acide citrique. Citronensäure. [10,0 20 Pf., pulv. 30 Pf.] 
Grosse, farblose Krystalle. Leicht in Wasser löslich. 

Innerlich in Pulver, namentlich zu Brausepulvern [s. Pulveres 
aerophori], Pastillen [0 06 mit 1,25 Zucker], Lösung, besonders zur Be- 
reitung von Limonade statt frischen Citronensaftes [1 entspricht etwa 
5 Saft; 1 Kilo Wasser erfordert etwa 5,0 Citronensäure, Zucker q. s. und einen 
höchst geringen Zusatz von Citronenöl], und Saturationen [s. diese S. 38]. 

Aeusserlich [2,0 auf 250 Aqua] zu Gurgelungcn [bei Zungenkrebs, 
Barclay], ferner zu Pinsclungen bei Diphtheritis [1,0 zu 5,0-10,0] u. a. 
zu versuchen. 

Acidlllll m'SSOtillicillll. Cressotinsäure. [Weisse prismatische Kry- 
stalle, in kaltem Wasser schwer, in heissem Wasser, Alkohol und Aether leicht lös- 
lieh. Das Natronsalz ist in Wasser leicht löslich; vergl. Natrium cresotinicum. — 10.0 
• '.") im. | Hat nach Kolbc ähnliche antiseptische Eigenschaften wie die Sa- 
licylsäure und ist deshalb auch in gleicher Weise wie die letztere 
äusserlich und nach Biiss auch innerlich zu verwerthen. 

'-Arid ii in foriiiinnuii. Acidum formylicum. Formic acid. Acide 
formique. Ameisensäure. Formylsäure. Hydroearbonsäure. [Farblose, 

stechend riechende Flüssigkeit. Mit Wasser und Alkohol in allen Verhältnissen löslich. 
Wird auf chemischem Wege leicht hergestellt und als Nebenprodukt bei vielerlei Pro- 
onnen.— 10,0 40Pf.] Kann als Ersatz des Spirit. formicarum und der 
Tinct. formicarum benutzt werden: zu Einreibungen und Waschungen 

PT» iv 7:;. 



Aciduia hydrobromicum dilutum. 135 

[etwa 1.0-10,0 auf 100,0 Aqua oder Spirit. dilut.], zu Bädern und Kastendampf- 
bädern (II. E. Richter). Pure oder in stark concentrirter Lösung auf die 
Haut applicirt, wirkt es als Aetzmittel. 

Das Mittel könnte auch innerlich in Spirit. dilut. gelöst [ca. 1 pCt.] 
gleich der Tinctura formicarum versucht werden. 

Aeidum gallicum. Sal essentiale Gallarum. Galläpfelsäure, 
Gallussäure. [Nadeiförmige, blassgelbe, seidenglänzende Krystalle, geruchlos, 
von schwach adstringirendem Geschmack; schwer löslich in kaltem, leichter in 
kochendem Wasser, Aether, Alkohol. — 1,0 etwa 5 Pf.] 

Innerlich zu 0,05-0,3-0,6 2-3 Mal täglich in Pulver, Pillen, So- 
lution. [Letztere Form unzweckmässig wegen der schweren Löslichkeit des Präpa- 
rates. — Von englischen Autoren ziemlich häufig angewendet, z. B. gegen Diabetes, 
Albuminurie, Lungenblutung — wohl meist dem Tannin an Wirksamkeit nachstehend. 

Aeusserlich als Mundwasser [10-5,0 auf 100,0], Augenwasser 
[0,1-0,5 auf 25.0]. in Salben [2.5-5,0 auf 25.0]. 

Ariel um hydrobromicum dilutum. Verdünnte Bromwasserstoff- 
säure. Farblose, wasserhelle, oder saure, beim Erhitzen völlig flüchtige 
Flüssigkeit, von erstickendem Gerüche; sp. Gew. bei 10 pCt. 1077-1078. 

Wird von vielen Aerzten dem Kaliumbromid vorgezogen, dessen un- 
angenehme Nebenwirkungen ihr Gebrauch nicht zur Folge haben soll. 
In 2-4-6 Tropfen [0,10.2-0 3] stündlich bis 2 stündlich in starker Ver- 
dünnung [1 : 100-150] gegeben bei Ohrensausen, Krampfhusten, Erbrechen 
Schwangerer, bei dyspept. Zuständen. 

74. ty 

Kalii bromat. 5,0 
Acid. hydrobrom. dilut. 10,0 
Glycerini 6,0 

Tragacanth. 12,0 vel. q. s. 
M. f. pil. No. 240. C. Lycop. D. ad vitr. S. 2-3stdl. 3 Pillen. 

*Acidum hydrochloricum. Aeidum hydrochloratum, Aeidum mu- 
riaticum, Spiritus Salis aeidus s. fumans Glauberi, Aeidum salis culinaris 
s. communis s marini. Muriatic acid. Acide chlorhydrique. Chlorwasser- 
stoffsäure, Salzsäure. Wasserstoffchlorid. [Spec. Gew. = 1,124. Gehalt 
an wasserfreier Säure = 25 pCt. 2 Gr. Säure == 13 7 Normalkaliumlösung. — 10.0 
5 Pf.] Cautelen beim Verordnen s. Acida, ferner Silber-, Blei-, Queck- 
silberoxydul-Salze. 

Innerlich zu 0,25-1.0 in Pillen oder Bissen [mit Pflanzenpulver 
q. s. zur Pillenmasse geformt], Mixturen [1,0-10,0 auf 100,0 mit starker Verdün- 
nung, oft mit etwas Aether, Spirit. aether.], Tropfen [mit mehreren Theilen 
Syrup verdünnt oder pure: 5-10-20 Tropfen in Zuckerwasser], zum Getränk [der 
Zähne wegen selten; 2,5-5,0 auf 500 Wasser]. In neuerer Zeit mit Vorliebe bei 
Ilagenerkrankungen, entweder in Verbindung mit Pepsin oder allein ange- 
wandt, um eine mangelhafte Säureabsonderung der Magendrüsen zu ersetzen. 

Aeusserlich unverdünnt als Aetzmittel [auf Warzen und Excrescen- 
zen, auf den Grund bösartiger Hornhautgeschwüre], verdünnt als Mund- und 
Gurgelwasser [1,0-3.0 auf 100,0 mit Syr. Moror. oder Mel rosat.]. Pinsel- 
saft [1,0-2,5 auf 25,0 Syrup oder Honig], Augenwasser [0,1-0,15 auf 10.0 
Af|. dest. mit Zusatz von Mucil. Gummi Arab.], in Salben [i. 5-3,0 auf 25,0 Fett], 
zu Waschungen, Umschlägen [5,0 auf 300,0], zu Bädern [allgemeinen 

Bf 74. *mk 



13'*. 



Acidurn hydrochlo ricain. 



und Fussbadern, gewöhnlich mit Acid. nitricum zusammen, 60,0-120,0 zu einem 
ganzen. 30.0-60.0 zu einem Fussbade; ferner zu moussir enden Bädern, vergl. 
pag. 72; hier jedoch Acid. hydrochlor. crudum vorzuziehen]. 



75. 



^ 



Acidi hydrochlorici 
Extr. Colombo 

Pulv. Rad. Colombo ana 2,5 
Pulv. Tub. Salep. q. s. 
ut f. pil. No. 50. Consp. Pulv. Cass. 
Cinnam. D. in vitro. S. 4 mal täglich 
10 Stück. 



76. 



Iv 



Acid. hydrochlorici 5,0 
Decoct.'ßad. Alth. (e 5,0) 150,0 
Aether acet. 2,5 
Syr. Rud. Id. 50,0. 
MDS. 2 stdl. einen Esslöffel. 



77. 



$ 



Acid. hydrochlorici 5,0 
Aq. Menth, pip. spirit. 50,0 
Syr. Aurant. Cort. 25,0. 
MDS. Nach jeder Mahlzeit 1-2 Theelöffel 
voll in etwas Wasser zu nehmen 
[Bei Dyspepsie, auf Säuremangel be- 
ruhend.] 

78. fy 

Acid. hydrochlorici 

Aq. destill, ana 5,0 

Syr. Rub. Id. 20,0 
MDS. Stdl. 30 Tropfen in etwas Zucker- 
wasser zu nehmen. 



"Acidurn hydrochloricum cruduiii, Acid. hydrochloratum s. mu- 
riaticum crudum, Oleum Salis, Spir. Salis. Rohe Salz- oder Chlor- 
wasserstoffsäure [spec. Gew. = 1,160-1,170; Gehalt an wasserfreier Salz- 
säure 30-33 pCt. — 100.0 15 Pf.]. Das Präparat ist stärker als das vorige 
[etwa um ein Drittel], was bei der Dosirung zu berücksichtigen ist. 

Ueberall, wo es sich um die äusserliche Anwendung grösserer 
Dosen der Salzsäure handelt, namentlich zu Bädern, oder wo man eine 
stark ätzende Wirkung erzielen will, verordne man dieses Präparat 
statt des vorigen. 

*Acidum hjdrochloricuiii diliitiuti. Acid. hydrochloricum dilutum 
purum Ph. Austr. Verdünnte Salzsäure [gleiche Theile Wasser und Salzsäure]. 

Innerlich in doppelter Dosis wie Acid. hydrochloricum, in Mix- 
turen und Tropfen [z. B. statt ly 78 : Py Acid. hydrochloric. dilut. 10,0, Syr. 
Rub. Idaei 20,0. M. D. S. Stündlich 30 Tropfen]. 

Acidurn liydrocvaiiicuiit. Acid. hydrocyanatum, Acid. borussicum 
s. ZOOticum [nicht zu verwechseln mit Acid. cyanicum]. Hydrocyanic acid. 
Aride hydrocyanique. Cyanwasserstoffsäure, Blausäure, Monocyan- 
wasserstoff. [100 Th. dieser Säure sollen nach der Ph. Ilclvet, der Ph. of thc uniteil 
statcs, der Itritish Ph., sowie nach der früheren Ph. Rav., dem Cod. med. Ilnnib. und 
dem Schacht'schen Appendix 2 Th. wasserfreier Cyanwasserstoffsäure entsprechen; 
stärker sind die Präparate der französischen Pharmakopoen, mit lOproc. wasserfreier 
Blansäure. — 1,0 5 Pf.] 

Innerlich 0,01-0,05 (!) [V 5 -l Tropfen!] mehrmals täglich, am besten 
in I ropfeu [mit alkoholischen Znsätzen in vitro nigro, da auch Licht zer- 
setzend wirkt]. 

A.eusserlich als Pinselwasser [0.25-0,5 auf 5.0 — bei Psoriasis, 
Pruritus, Neuralgien], A.ugenwasser [0 ; 05-0,25 auf 5,0], in Salben [0.5 
auf 5,0 Pett]. 

7!). !:■ 

\<-i'l . hydroeyanici 1,0 
Tinct. Pimpinellae i),0. 
M. I). in ntro oigro. S. 2-10 Tropfen auf Zucker zu nehmen. 
[10 'r pfei diesei Mischung enthalten einen Tröpfen Blausäure, also die Maximal- 
dose derselben.] 

i; 75-79. 



Acidum nitricum. 



137 



Pa- 

60,0, 



*Acidmtl lacticiim. Äcid. lactis. Milchsäure, Milchzucker- 
säure. Aethylidenmilchsäure. Lactic acid. Acide lactique. Farblose, 
svrupsdicke, saure Flüssigkeit. [Spec. Gew. = 1,21. — 10,0 55 Pf.] Löst sich 
in Wasser und Alkohol in allen Verhältnissen und vermag fast alle 
Metalloxyde und sonstigen basischen Verbindungen zu lösen. 

Innerlich 0,3-1,5 [5-20 Tropfen] in wässeriger Lösung, 
stillen oder als Milchsäure -Limonade [Milchsäure 2,5, Syr. Kub. Idaei 
Wasser 300,0]. 

Als Unterstützungsmittel der Verdauungsthätigkeit und Lösungsmittel 
für phosphorsaure Concremente empfohlen (Magern! ic). Als Lösungsmittel 
der Knochenerde bei Lithiasis durch Erdphosphate (Balfour), als schlaf- 
machendes Mittel, besonders bei Geisteskranken in Dosen von 10-25 Gr. 
empfohlen (Preycr, Meudcl), aber nicht bestätigt (Bötticher, Auerbach). S. a. 
Natr. lact. 

Aeusserlich als Reinigungsmittel für die Zähne, 
seiner Eigenschaft, Pseudomembranen zu lösen, in neuester Zeit 
Croup und Diphtheritis theils in Form der Injectionen,, theils zur In- 
halation der pulverisirten Lösung [15-20 Tropfen ad 15.0 Aqua, anfangs 
halbstündlich, speäter l-2stündlich, A. Weber], auch zu Mund- und Gurgel- 
wässern [1 : 100-150 Wasser], sowie Bepinselungen [1 : 5-10 Wasser]. In 
l-2procentiger Lösung ist die Milchsäure auch zu Verbandwässern und 
und Einspritzungen in die Blase (bei ammoniakalischer Harngährung mit 
reichlicher Phosphatausscheidung) in Anwendung gezogen. 



ferner, wegen 



gegen 



SO. 3: 

Acid. lactic. 10,0 
Sacchar. pulv. 50,0 
Elaeos. Menth, piper. 2,0 
Pulv. Gumm. Tragacanthi 1,0 
F. pastill. pond. 2,0. 
D. S. V4 Stunde nach der Mahlzeit 1—3 
Stück zu nehmen. 
[Bei Dyspepsie in Folge mangelhafter 
Magensaftsecretion.] 

Ewald. 



81. 



M. f. 



Acid. lactic. 1,0 
Talci 20,0. 
pulv. D. S. Zahnpulver. 



Lüdeke. 



82. 



M. f. 



I* 



Acid. lactici 3,0 
Talci praeparati 25,0 
Ol. Flor. Naphae 0,05 
OL Caryophyllor. 0,1. 
pulv. dentifricius. D. S. Zahnpulver. 



*Acidlllil llitricuin. Spiritus Nitri aeidus. Nitric acid. Acide ni- 
trique. Reine Salpetersäure, Azotsäure. Stickstoffpentoxyd. [Spec. Gew. 
= 1,185; Gehalt an wasserfreier Säure = 30,0 pCt. 3 Gr. = 14,3 Ccm. Normal- 
l<alilösung; nach der Pk. Austr. 48 pCt. enthaltend. — 10,0 5 Pf.] Cave S. Acida, 
ferner Spiritus, ätherische Oele [die sie verharzt] und deren concentrirte 
Lösungen, viele organische Stoffe, da die Salpetersäure in schwacher 
Verdünnung zersetzend auf eine grosse Zahl derselben wirkt und durch 
Bildung von Gasen Explosionen herbeiführt. [Zum Einnehmen Glas- und 
PorzellanlöfTel; beim Baden vermeide man Kupfer- oder Zinkwannen.] 

Innerlich zu 0,2-0.5-1,0; in Pillen oder Bissen [unzweckmässig, 
weil der Zusatz organischer Substanz Zersetzung bedingt], Tropfen, Mixturen 
[möglichst einfach, stark verdünnt und eingehüllt, 1,0-3,0 auf 100,0]. 

A.eusserlich anverdünnt als Aetzmittel [mit Holz- oder Glasstäbchen 
aufgetupft], zur Zerstörung kleiner Tumoren [Acid. nitr. fumans ist vorzu- 
wehen], auch zum Bepinseln hypertrophischer und chronisch entzün- 
deter Tonsillen von iflackiiitosh empfohlen [darauf Mundspülen mit älka- 

fy 80-82. -^ß 



1 .SS 



Acidum nitricum. 



lischen Lösungen]; verdünnt in Pinselsäften [0,5-1,0 auf 25,0], Gurgel- 
wässern, Einspritzungen [0,05-0,1 auf 30,0 bei Nachtripper, 1,0-2,0 auf 
100.0 Wasser bei Fluor albus], Waschungen, Bädern [50,0-120,0 auf das 
Vollbad], Verbandwässern [3,0-7 5 auf 200,0 Wasser — bei Hospitalbrand, 
Gor soii]. Linimenten [mit Aq. Cinnamomi simpl. ana, zum Aufstreichen auf 
torpide Frostbeulen (Rust'sches Frostwasser); von der von vielen verordneten Aq. 
Cinnamomi vinosa ist wegen häufig vorgekommener Explosionen ausdrücklich zu 
warnen — mit Oel, am besten mit Ol. Papaveris: 1 Acid. nitricum auf 8 Ol. Papa- 
veris = Oleum oxygenatum], Salben [ganz unzweckmässig, da die Säure das 
Fett zersetzt, so z. B. das Ung't. oxygenatum, Alyon's oxygenirte Pomade]. Die 
Anwendung in Dampfform s. unter Fumigationes nitricae. 



83. Bf 

Acid. nitr. 1,0 

hvdrochlor. 2,0 
Aq. dest. 150,0 
Syr. simpl. 25,0. 
MDS. 3-4 mal täglich 1 Esslöffel. 
[Bei hartnäckigem chron. Icterus.] 

Frerichs. 



84. Bf 

Acid. nitr. 7,5 
„ hvdrochlor. 2,5. 
MDS. 4 mal täglich 20-30 Tropfen in ver- 
süsstem Gerstenschleim. [Bei Compli- 
cation von Scorbut mit Syphilis] 

Köchlin. 



85. 



MDS 



Bf 

Acid. nitr. 1,0 
Meli, rosat. 
Syr. Moror. ana 12,5. 
Pinselsaft. [Bei hartnäckigen sy- 
philitischen Mundgcscbwüren.] 

Oppert. 



86. 



I* 



Acid. nitrici 1,5 
Glycerini 10,0 
\>\. "250,0. 
MDS. Gurgelwasser. [Bei tertiärer syphi- 
litischer l'lccration im Pharynx.] 
Gargarisma aeidi nitrici. 

Mackenzie. 



87. 



MDS. 



\ri.]. nitr. 10,0 
Vllirr. nitr. 2,5. 
Zum Bepinseln von weichen Con- 



dylomen. Darauf Bestreuung mit fein 
gepulvertem Alaun oder mit einem an- 
deren [unter Cuprum sulfur. aufge- 
führten] Streupulver. v. Sigmund. 



88. Bf 

Acid. nitr. 

„ hydrochloric. ana 1,0 
Aq. Rosarum 200,0 
MDS. Wasch wasser. [Bei Pityriasis und 
Chloasma.] Green. 



89. 



MDS. 



90. 



Bf 

Acid nitr. 15,0 
Aq. 100,0. 
Zum Umschlage. 



[Bei Frostbeulen.] 
V. Hebra. 



R 



Acid. nitr. 2,0-4,0 
Tinct. Opii simpl. 4,0 
Aq Rosarum 200,0 
MDS. Verband wasser. [Bei hartnäckigen 
syphilitischen Geschwüren.] Oppert. 



91. R) 

Acid. nitr. 

Meli, despumati ana 25,0 

Electuar. Thcriac. 10,0 

Ol. Therebinth. 75,0 

Spirit. 150,0. 
M. f. Linim. D.S. Zur Einreibung. [Eine 
in Russland unter dem Namen Lini- 
ment um antichloricum viel be- 
nutzte, aber höchst unzweckmässige 
Compositum.] 



Von Rivalin» ist die Anwendung der sogenannten solidificirten 
Salpetersäure gegen Krebsgesohwüre wann empfohlen worden. Man 
wühll dazu eine stark concentrirte Säure von 1,36 spec. Gewicht [welche 
44 pct. tröckner Säure enthalt], tröpfelt sie auf trockene CharpiebäusChchen, 
die man in ein eine porzellanene Reibeschale legt, hält diese über eine 
Alkoholflamme und erwärml sie massig, während man mittelst eines 
Glasstabes Säure und Oharpie in eine innige Verbindung zu bringen 

£*T by 83-91. 



Acidum nitricum. 1 .°, 



sucht und die letztere in eine gallertartige Masse verwandelt. Die 
Paste muss jedesmal [natürlich ausserhalb des Krankenzimmers] frisch be- 
reitet werden. Die Umgebung der zu ätzenden Stelle wird so weit mit 
nassen Compressen bedeckt, dass noch ein 7 2 Zoll breiter gesunder Raum 
frei hervorsteht. Das Aetzmittel bleibt 15 Minuten lang liegen; nach 
der Entfernung 24 Stunden lang Verband mit gesättigter Alaunauflösung, 
später mit Bleiwasser; dann wird der Schorf mit der Scheere halb ab- 
getragen und eine neue Paste aufgelegt. Nach etwa achtmaliger Wieder- 
holung dieses Verfahrens entfernt man den Schorf ganz durch warme 
Cataplasmen und erhält dann eine reine, einfach zu behandelnde Ge- 
schwürsfläche. — Nach Rhallies Angaben soll das Mittel unter massigen 
Schmerzen wirken, was sich aber bei den in Deutschland angestellten 
Versuchen [z. B. von Rrcli] nicht bewährt hat; vielmehr steht die Schmerz- 
haftigkeit dieser Aetzung mit der jeder anderen in gleicher Reihe. Dahin- 
gegen liegt ein wichtiger Vortheil des Rivallie'schen Mittels darin, dass 
keine Blutung entsteht, wie dies bei der Anwendung des Chlorzinks u. s. w. 
oft der Fall ist; ferner wird die Resorption der Jauche verhindert, und 
die Entfernung des Schorfes lässt sich, im Vergleich zu anderen Aetz- 
mitteln, leicht bewirken. 

Eine andere Anwendung der Salpetersäure gegen Krebs ist die von 
Rcitz angegebene; seine Formel, die unter dem Namen Acid. compos. 
Reitzii bekannt geworden, ist folgende: Iv Acid. nitr. 120,0, Acid. 
hydrochlor. , Aether ana 7,5, Boracis 5,5. Gemischt und in eine 1 bis 
1V 2 Pfundflasche geschüttet, die nicht ganz luftdicht verschlossen sein 
darf, bleibt die Mischung einige Stunden stehen. Dieselbe fängt nach 
einiger Zeit an, stark Blasen zu werfen, sich dann braun zu färben und 
sehr viel salpetrige Säure in Gasform zu entwickeln. Nachdem sie gleich- 
sam ausgegohren hat, nimmt sie eine grünliche Farbe an, woraüi man 
sie dann in kleine Flaschen giesst, die nur bis zur Hälfte angefüllt und 
gut verschlossen werden. Die Bestandteile derselben sind wahrschein- 
lich Salpetersäure mit salpetriger Säure, Chlornatrium und Borsäure, die 
sich zum Theil in Gestalt kleiner Schuppen ausscheidet. Bei der Be- 
handlung des Carcinoma machte Rcitz mit folgendem Liniment den An- 
fang: ly Acid. comp. Reitzii 3,0, Ol. Hyoscyami, Ol. Olivar. ana 25,0. 
Mit demselben wurden die oberen und unteren Extremitäten, nach dem 
Verlaufe der Lymphgefasse, am Abend unmittelbar vor dem Schlafen- 
gehen eingerieben und dies nach den Umständen alle 8-14 Tage wiedor- 
holt. Gleichzeitig, nur täglich, wurde damit der Umkreis der krebsigen 
Entartung eingeschmiert oder eingepinselt, und das Geschwür selbst zwei 
Mal täglich mit trockener Charpie verbunden. Zum innerlichen Gebrauche 
verordnete er dann zugleich folgende Tropfen: ly Acid. comp. Reitzii 
2,0, Liq. anodyn. mineralis Hoffmann i 4,0. MDS. Täglich einmal 
10 Tropfen in Zuckerwasser zu nehmen. Nach Rcitz und anderer Beob- 
achtungen zeigt sich in dem Krebsgeschwür nach einer solchen Behand- 
lung die wohlthätige Rcaction dadurch, dass die aufgeworfenen Ränder 
weicher werden, sich ebnen und reinigen. Gesellt sich während der 
Behandlung ein entzündlicher Reizzustand im Geschwür oder in den ver- 
härteten Drüsen hinzu, so werden Blutegel applicirt und die Mittel einige 
Tage hindurch ausgesetzt. Ausserdem wird dem Kranken alle 2-3 Wochen 



140 Acidum nitricura. 



ein warmes Wannen- oder Dampfbad empfohlen. Bei Carcinoma uteri 
war die innerliche Behandlung dieselbe, allein die Einreibungen in die 
unteren Extremitäten wurden 3 Mal wöchentlich veranstaltet und 2 Mal 
wöchentlich folgende Einspritzungen in die Scheide, entweder allein oder 
mit reinem warmen Wasser abwechselnd gemacht: Iy. Acid. comp. Reitzii 
2,0, Aq. destillatae 400,0, Tinct. Opii 2,0. M. Bei nicht zu weit vor- 
geschrittener Dyskrasie und Entartung edler Organe soll der Erfolg im 
allgemeinen ein glücklicher gewesen, und sollen selbst noch in unheil- 
baren Fällen die Schmerzen gehoben worden sein. Krcbel theilt mit, 
dass die Schmerzen und Blutungen sich mindern, die Nächte ruhiger 
werden,* die fungösen Excrescenzen verschwinden, aber das Allgemein- 
befinden sich nur unbedeutend bessert. — Bei fungösen Geschwüren zei- 
gen sich die Einspritzungen nachtheilig, indem sie meist Blutungen hervor- 
rufen. Ferner ist die Aetzung mit Salpetersäure empfohlen zur Zerstörung 
polypöser Wucherungen, flacher, plexiformer Angiome (Killroth), zur Cau- 
terisation von Hämorrhoidal vorfallen (Hausten) und vonBiss wunden toller 
Hunde und giftiger Schlangen. 

Acidum liitriciim cruduiii. Aqua fortis. Scheidewasser. [Spec. 
Gew. 1,323-1,331 = 50-52 pCt. wasserfreier Säure. 100,0 = 30 Pf.] 
Nur zum äusserlichen Gebrauch, wie Acidum nitricum. 

92. ty 

Acid. nitr. crudi 
„ hydrochlor. crudi ana 30,0. 
MDS. Zum Fussbade. [Bei Hepatitis chronica, Dysmenorrhoe.] 

Schönlein. 

Acidllllt liitriciim dillltuill. [Acidum nitricum und Aq. destillata zu 
gleichen Theilen gemischt. — Spec. Gew. 1,086-1,089. 10,0 = 5 Pf.] 
Innerlich wie Acid. nitricum, in doppelter Dosis. 

\ cid ii in nitricum fumans. Acidum nitrico-nitricum. Rauchende 
Salpetersäure. Spec. Gewicht 1,45-1,50. 10,0 = 10 Pf. 

Aeusserlich als Aetzmittel [mit Glas- oder Holzstäbchen aufgetupft] 
zur Zerstörung von Warzen und kleinen Tumoren, namentlich Teleangi- 
eetasien [von Laugcubcck]. 

Acidum olcinicuni. Oelsäure. Zur Bereitung der Pflaster ge- 
braucht, z. B. des Dietrieh'schen Heftpflasterbandes. 

Acidiini oxalicuin. Acidum subcarbonicum, Oxalsäure, Klee- 
säure. Carboxylsäure. Weisse Krystalle von stark saurem Geschmack. 
[5,0 etwa 10 Pf.] Löslich in 7 Th. Wasser [in kochendem Wasser in jedem 
Verhältniss]. Cave: namentlich Gummischeim, der eineu starken Gehalt 
an apfelsaurem Kalk besitzt, mit dem sich die Oxalsäure alsbald nieder- 
schlägt. 

Innerlich zu 0,05-0,15-0,3 mehrmals täglich, in Solutionen [1,0 
bis 1,5 in 200,0 Wasser oder Haferschleim mit Syrup, mehrmals täglich einen Ess- 
löffel], Pulver [mit Zusatz von Zucker in Haferschleim zu nehmen]. 

Aeusserlich als Mundwasser [0,3-1,0 auf 100,0] bei Aphthen, 
S'-orbutischcn Geschwüren. 

Whlmii phosphoricum. Phosphoric acid. A.cide phosphörique. 
Reine Phosphorsäure. Trihydrophosphat. Orthophosphorsäure. [Spec. 

Gew. = 1,12; Gehalt an wasserfreier Säure = 20 pCt. ; 16,GpCt. nach der Ph. Austria, 
Bf 92. 



Acidum phosphoricum siccum. 



141 



45 pCt. nach der Ph. Gallica.] Klare, färb- und geruchlose Flüssigkeit von 
stark saurem Geschmack. Sie hat geringere Verwandtschaft zu den Basen, 
als Schwefel-, Salpeter- and Salzsäure, und fällt das aufgelöste Eiweiss 
nicht. [10,0 5 Pf.] 

Innerlich zu 0,5-1,5 und mehr, öfters täglich; in Pillen [auf V- 
eingedampft] oder Bissen, Tropfen [10-30 Tropfen in Zuckerwasser oder mit 
Syrup], Mixturen [2.0-10,0 auf 100,0], zum Getränk [4,0-10,0 auf 1000,0]. 
Alt bewährte kühlende Fiebermedicin. 

Aeusserlich verdünnt zu Mundwässern [1,0-4,0 auf 100,0], Zahn- 
tropfen [selten], Einspritzungen, Yerbandwässern, Zahnpulvern. 



93. Bf 

Acid. phosphor. 
Cort. Chinae 
Extr. Chinae ana 4,0. 
M. f 1. a. pil. No. 100. Consp. pulv. Cass. 
Cinnam. D. S. 1 -2 stdl. drei Stück zu 
nehmen. 



94. 



I* 



MDS. 



96. 



MDS. 



Decoct. Rad. Alth. 150,0. 
Stdl. einen Esslöffel. 



Acid. phosphor. 2,0 

Tinct. Myrrhae 15,0. 

Zahntinctur (mit Wasser verdünnt 



als Mundwasser). 



Acid. phosphorici 5,0 
Aq. dest. 25,0 
Syr. Rub Idaei 50,0. 
MDS 2 stdl. 1 Kinderlöffel in Wasser zu 
nehmen. 



97. 



Acid. phosphor. 5,0 
Carb. Til. pulverat. 
Pulv. Rhiz. Calami ana 20,0 
Myrrh. pulv. 5,0 
Ol. Bergamott. 
95. fy Ol. Caryophyll. ana 0,2. 

Acid. phosphor 5,0 M. f. pulv. D. S. Zahnpulver. 

Syr. Aurant. Flor. 50,0 

Acidum phosphoricum siccum. Acid. phosphoricum glaciale. 
Wasserfreie trockene Phosphorsäure. [Durch Abdampfen der gewöhn- 
lichen Phosphorsäure dargestellt 1,0 etwa 5 Pf.] Zur Verordnung von Pillen 
zweckmässig. [Die Ph Germ. ed. I. schrieb vor, gewöhnliche Phosphorsäure auf 
den fünften Theil ihres Gewichtes einzudampfen und dann zur Pillenmasse anstatt 
des eigentlichen Acid. phosph. glaciale anzuwenden — eine Verordnung, welche, 
wegen der grossen Kraft, mit welcher die glasige Phosphorsäure Wasser anzieht, für 
die Gleichmässigkeit der Dispensation jedenfalls sehr zweckmässig ist]. 
Innerlich zu 0,1-0,3 in Pillen. 

Aeusserlich als Aetzmittel [selten], zusammen mit Kalk zum 
Ausfüllen hohler Zähne. 

99. fy 

Acid. phosphorici sicci 3,0 
Calcar. 3,25. 
Misce in mortaria calefacta. D. in vitro 
epistom. vitr. clauso. S. Zum Ausfül- 
lt -ii hohler Zähne. Das Pulver wird in 
die wohl gereinigte und ausgetrocknete 
Zahnhöhle eingebracht, geglättet und 
anf der Oberfläche befeuchtet und nimmt 
dann in kurzer Zeit die Consistenz und 
Farbe des Zahnes an. 

Dental succedaneum. 

Acidum picriiiiciilll. Acidum picricum. Acidum picronitricum, 
Acid. carbazoticum. Pikrinsäure, Kohlcnst ic ksl o ffsäure. Welter'fl 
Bitter. [Gelbe Krystallc, von intensiv bitterem Geschmack, in heissem Wasser, 

Iy 93-99. 



98. ty 

Acid. phosphorici sicci 
xisae foet. ana 8,0 
Pulv. Rhiz. Calami q. s. 
ut f. 1. a. pil. No. 120. Consp. Pulv. Rhiz. 

Irid. florent. 
D. in vitro. S. 3 mal täglich 6-8 Stück. 
[Bei Caries.] 

Rust. 



142 Acidum pyrogallicum. 



sowie in Alkohol und Aether leicht löslich.] Das Mittel wirkt ähnlich der 
Carbolsäure und ist gleich dieser in neuester Zeit gegen die verschieden- 
sten Krankheiten empfohlen, und zwar innerlich 0,1-0,4-0,5 (!) [bei 
Keuchhusten, Dyspepsie, Chlorose, Icteres, Rheumatismus, intermittirenden Neural- 
gien, ganz basonders aber bei Intermittens, selbst Intermittens perniciosa und gegen 
Eingeweidewürmer] in Pillen oder in Lösung, besonders als Vinum pi- 
cricum, Vin picrique [dargestellt durch Mischen von 10,0 einer aus dem Mittel 
bereiteten Tinctur (1 : 10) mit 1 Liter Weisswein]; äusserlich gegen Krätze, 
atonische Geschwüre, indurirten Schanker, Gangrän, Cancroid u. s. w. 
ähnlich der Carbolsäure angewandt (Pariscl). [5,0 etwa 30 Pf.] Zur Er- 
härtung -niicroscop. Präparate angewandt. 

100. Iy 

Ammonii picrinici 0,06 
Amnion, muriat. 1,5 
Succ. Liquirit. 4,0 
Aq. 90,0. 
MDS. Stdl. 1 Theelöffel (für Kinder von 6 Monaten und darunter), 2 Theelöffel 
(für Kinder von 1-2 Jahren). 
[Gegen Keuchhusten.] Dellenbaugh. 

Acifllllll pyrogallicuu». Pyrogallussäure. Beim Erhitzen der Gallus- 
säure unter Abscheidung von Kohlensäure sublimirend. Sehr leichte, 
weisse, glänzende Blättchen oder Nadeln von bitterem Geschmack. In 
2-3 Theilen Wasser, in Weingeist und Aether löslich. [1.0 15 Pf.] A r on Jariscli 
gegen Psoriasis empfohlen. Wegen geringerer Verfärbung und weniger 
irritirenden Eigenschaften der Chrysophansäure in vielen Fällen — Psoriasis 
des Gesichtes, des behaarten Kopfes, bei Individuen mit sehr leicht reiz- 
barer Haut — vorzuziehen. Weisser sah einen Fall von tödtlicher Vergiftung 
in Foli2;e von Blutdissolution. Jarisch hat unter 200 Fallen keine unan- 



genehmen Nebenwirkungen beobachtet. Man gebrauche die Vorsicht, nicht 
zu viel von der Salbe auf einmal einzureiben. 100 Gr. einer lOprocent. 
Salbe müssen für G-8 Einreibungen des ganzen Körpers in 3-4 Tagen 
reichen, so dass etwa 1,5 Grm. Pyrogallussäure in 24 Stunden zur Auf- 
nahme gelangen. Am besten als Vaselinsalbe 1 : 10. 

Acidinii pjro-Hgiiosum criidiim irctificatuiii s. Acetum pyro- 
lignosuni crudum und rectificatum. 

*Acidu in salicylicmii. Salicylic aeid. Acidc salicylique. Salicyl- 
säure. Salicyl. Ortho-Oxybenznrsäurc. Spirsäure. [Perlmutterglänzende, 
silberweisse, nadelförniige Krystalle. Geruchlos. Löslich in 358 Theilen Wasser, in 
50 Theilen Glyecrin, leicht in heissem Wasser, heissem Chloroform, heissem Ocl, 
Alkohol und Aether. — 1,0 5 Pf.] Wurde auf Kolbc's Anregung von Thicrseh 
in die medicinische Praxis eingeführt. 

Innerlich theils refraeta dosi zu 0,3-0,5-1,0-2,0 ein- bis dreistünd- 
lich, theils zu 2.0-5,0-8,0 auf einmal oder auf zwei kurz nach einander 
folgende Gaben vertheilt, oder auch die volle Gabe Morgens und Abends 
[die einmaligen grossen Dosen wirken als Antifcbrilia namentlich bei Typhus Huss, 
liiebcrmcistcr, Immerniami, L. Ricss, Ewald, (loltdanuner, Gubler u. v. A.), Inter- 
mittena -'Senator, A. Hiller y u. a. ; die kleineren Dosen in häufigen Gaben sind wirk- 
sam bei akutem Gelenkrheumatismus (Buss. Traube und Stricker), chronischen Magcn- 
uii'l Darmkatarrhen, besonders bei fauligen Diarrhöen (Farbringer), Cystitis (l'ricil- 
rclch, Vorbringet), Phthisis, Dysenterie, Diphtherie ilanow, Letzcncn und anderen 

inr* •;• loo. 



Acidum salicylicum. 1-13 



Infektionskrankheiten. In wiederholten kleineren Dosen zu 0,3-0.5 Gr. ist die Salicyl- 
säure bei Neuralgien mannigfacher Art, besonders bei Ischias, Trigeminusaffectionen, 
Hemicranie angewendet und besonders von engl, und amerik. Aerzten(Abott,Tuckward) 
gerühmt worden. Auch als Antaphrodisiacum soll sich die Säure erwiesen haben. 
Jewclt giebt an, dass eine fünfmalige Darreichung von je 1,0 tagl. den Geschlechts- 
trieb für 3 Monate schwäche]: in Pulver [in Haferschleim zu nehmen, oder viel 
zweckmässiger in Oblate gehüllt; besonders empfehlenswerth in capsulis amylaceis 
zu verordnen]; in Pillen [unzweckmässig, wenn die Einzeldose zu gross ist; bei 
kleinen Dosen dagegen brauchbar]; in Bissen [wohl zu empfehlen]; in Lösung 
[wässerige Lösung 1 : 300 ist nur für sehr kleine Dosen brauchbar; nicht viel besser 
Zusatz von Wasser 150,0 zur Spirituosen Lösung 1 : 10. Nach Springer soll sich die 
Salicylsäure ziemlich leicht in Vichy-oder Selterwasser lösen (es bildet sich das Natron- 
salz) und angenehm zu nehmen sein. — Lösung in Glycerin 1 : 50 ist wenig zu em- 
pfehlen, weil zu viel Glycerin nothwendig. Brauchbar ist eine rein spirituöse (oder 
auch ätherische) Lösung: 1.0-5,0 in 10.0-50,0 Cognac oder Arac, reizt jedoch die 
Pharynxschleimhaut intensiv, deshalb in schleimigem Vehikel oder mit Milch zu neh- 
men und Schleimiges unmittelbar nachzutrinken. — In wässeriger Lösung mit Zusatz 
von Natrium phosphoric, Natrium carbon. oder bicarbon., Borax sehr empfehlens- 
werth. wobei aber die Salicylsäure ganz oder theilweise in Natrium salicylicum (vergl. 
dieses) umgewandelt wird: Acid. salicylicum 5.0, Aqua 50,0-200,0, dazu entweder 
Natr. phosph. 10.0, oder Natr. carbon. 5.0, Natr. bicarbon. 7,5-10,0, oder Borax 5,0]; 
in Emulsion; in Schüttelmixtur [in schleimigem Decoct, schleimiger oder 
Exlractlösung]. 

Aeusserlich in Pulver [mit 1 : 50 Amylum. Argilla, Carbo, Talcum]; 
zum Aufstreuen auf Wunden, nässende Hautausschläge, schweissige 
Eüsse (Kolbc), Nachtschweisse der Phthisiker (Köhnhorii), Geschwüre [be- 
sonders bei jauchigen, malignen, gangränösen Ulcerationen, Decubitus, Diphtheritis], 
als Zahnpulver [mit Carbo, Conch. praep. u. a. 1 : 10-100], als Schnupf- 
pulver [0,1-1.0 zu 10.0 Sacchar., Acid. tannic. u. a. bei Ozaena, bei Heufieber 
(Wood; Hinz)], zur Insufflation in den Pharynx und in die Mund- 
höhle [in Verbindung mit pulverisirter Kohle, Zucker. Tannin, Schwefel u. a. 1 zu 
5-50. bei Diphtheritis, malignen Ulcerationen im Pharynx und in der Mundhöhle]; 
in Lösung: zu Verbänden (Thiersch) [Watte oder Jute mit Salicylsäure ge- 
tränkt, in 3 und 10 pCt. Concentration, getrocknet. Zu Tampons für Wunden. — 
Salicylwasser [1 : 300 Aqua, oder in concentrirter Lösung (1 : 20-50) mit Hinzufügen 
von Borax (Bosc)] als Verband mittel an Stelle des Lister"schen Verbandes; dieselbe 
Lösung zur Zerstäubung bei Operationen an Stelle der Carbolsäure. — Acidum sali- 
cylicum in Oel (1 : 50; gleichfalls zu Verbänden], Waschungen [1 : 30 Aqua als 
Desinficiens, auch bei Fussschweissen und Hautausschlägen], Mund- und Gurgel- 
wässern [1 : 300-500 Aqua, auch mit Zusatz von Spiritus, aromatischen Wässern 
und Tincturen, Glycerin], Zalintinctürcn [in spirituöser Lösung (1:25-100)], 
Inhalationen in zerstäubter Form [1 : 500-1000 Aq. bei Bronchitis putrida, 
Bronchectasie, Nirbrhigcr] , Einspritzungen [1:300-1000 in die Nase (bei 
Ozaena . in die Elarnröhre, die Harnblase (bei Cystitis mit ammoniak alischer Harn- 
zersetzung, Friedreich und Fürbriugcr], zum Ausspülen des Magens [1 zu 
300 Aqua unter Anwendung der Magenpumpe: losler], zu Klvsiiren [3,0-8,0 
als Antifebrile (Bnss); 1,0-3,0 als lokalesDesinficicns bei Darmkatarrhen (Fürbiingcr), 
am besten in schleimiger Schüttelmixtur, z. B. mit Stärkelösung, auch mit Zusatz 
V'.n Opiumtinctur: bei Dysenterie, Stephaniilcs], zum Ausspülen des Darms 



144 



Acid. salicylicum. 



[mit grossen Quantitäten der wässerigen Lösung bei Typhus: Moslcr], zum Aus- 
spritzen der Pleura [bei Empyem nach der Thoracocenthese 1 : 600-1000 Aqua: 
Fricilreich], zur subcutanen Injection [unzweckmässig wegen der schweren 
Löslichkeit in Wasser; spirituöse Lösung zwar anwendbar, aber sehr schmerzhaft]; 
in Salben [1 : 10-50 Adeps oder Vaselin] , als Verbandmittel [bei Haut- 
krankheiten, namentlich Eczema faciei et capitis und Ulcerationen, Wagner] und zu 
Zahnpasten. 



101. ty 

Acid. salicyl. pulv. 0,5-1,0 
Dispensent. tal. dos. No. 15. D. S. Stdl. 
1 Pulver, in Oblate gehüllt zu nehmen. 
[Bei Rheumatismus articulorum acutus.] 
Traube. Stricker. 



102. fy 

Acid. salicyl. pulv. 0,5. 

Dispensent. tal. dos. No. 10. D. in cap- 
sulis amylaceis. S. Stdl. 1 Stück ange- 
feuchtet auf die Zunge 
mit Zuckerwasser oder 
herunterzuschlucken. 

[Bei Rheumatismus articul 
therie, Dysenterie, Enteritis, 
u. A.] 



zu legen und 
Haferschleim 

acutus, Diph- 
Cystitis 



103. 



M. f. 
D. 



Acid. salicyl. 

Elaeosacch. Menth, pip. ana 0,5 
pulvis. Dispens, tal. dos. No. 10. 
S. Stdl. 1 Pulver in Haferschleim 



oder in Oblate zu nehmen. 



104. ty 

Acid. salicyl. pulv. 5,0. 
D. S. Abends auf einmal in Haferschleim 
oder Milch zu nehmen. 
[Bei Typhus.] 



105. Bf 

Acid. salicyl. 10,0 
Rhiz. Calami pulv. 5,0 
Mucilag. Gummi Arab. q. s. 

ut f. Boli No. 20. Consp. Pulv. Rhiz. Calam. 
D. S. Stdl. 1 Stück zu nehmen. 



IOC. 



Leid, salicyl 3,0 

solve in 
Aq. fervid. 800,0 
Sj i. A.mygdal. 100,0. 



MDS. 2stdl. 1 Weinglas. 



107. 



Acid. Balicyl. 3,0 

solve in 

nac 60,0 

adde 
Viui Xerens. 50,0 

K- 101-112. 



Syr. Aurant. Cort. 30,0. ' 
MDS. 1-2 stdl. 1 Esslöffel voll. 

Fürbringer. 



108. 



MDS. 



109. 



Iv 
Acid. salicyl. 3,0 

solve in 
Cognac 60,0 

adde 
Vini Xerens. 80,0 
Liq, Ferri sesquiehlor. 1,0 
Syr. Cinnamomi 30,0. 
Mehrmals täglich 1 Esslöffel voll. 
Vinum ferro-salicylicum. 

Fürbringer. 



D. S. 



Acid. salicyl. 5,0 
Natr. phosphor. 10,0 

solve in 
Aq. 50,0. 

(Tinct. Aurant. Cort. 3,0.) 
Das Ganze Abends auf einmal 



zu 



nehmen. [Bei Typhus.] L. Riess. 



110. 



$ 



Acid. salicyl. 5,0 
Natr. phosphor. 13,0 
Liq Ammonii caust. 2,0 
Glycerini 
Aq. ana 10,0. 
(Bei Brechneigung noch Zusatz von Chlo- 
roform. 0,25.) 
MDS. Die Arznei Abends auf einmal zu 
nehmen. [Bei Typhus.] Ewald. 

111. Iy 

Acid. salicylici 2,0 

Natr. sulfurosi 4,0 

Aq. 100,0. 
MDS. 2 stdl. 1 Esslöffel. [Bei Tnfcctions- 
krankheiten.] Rozsyay. 



112. ty 

\ciil. salicj I. 3,0 

Ol. Amvinhl. 30,0 
(in in mi Arab. 15,0 
\.|. 120,0 

Syr. Menth, pip. 30,0. 
M. f. Bmuisio. D. S. Stell. 1-3 Esslöffel. 

Wunderlich. 



Acidum silicicum. 



145 



113. Bf 

Decoct. Rad. Althaeae 150,0 

in quo solve 
Succ. Liquir. dep. 10,0 

adde 
Acid. salicylici 5,0. 
DS. Wohl um^eschüttelt stdl. 1 Esslöffel. 



114. Bf 

Acid. salicyl. 1,0 

Argill. 50,0. 
M. f. pulvis. D. S. Streupulver. 
Eczem, Intertrigo.] 



[Bei 



115. Bf 

Acid. salicyl. 3,0 
Amyl. 10,0 
Tale, venet. 87,0. 
M. f. pulv. S. Als Streupulver bei Nacht- 
schweissen der Phthisiker. 

Köhnhorn. 



110. Bf 

Acid. salicyl. 1,0 
Unguent. Glycerini 25,0. 

M. f. unguentura. D. S. Vcrbandsalbe. 



116. R 

Acid. salicyl. 0,25 

Acid. tannici 

Boracis ana 2,5 
M. f. pulvis. D. S. Schnupfpulver. [Bei 
Ozaena.] Waidenburg. 



120. Iv 






Acid. salicyl. 


2,0 




Vaselini 50,0 






Zinc. oxyd. 






Amyl. ana 25,0. 




M. len. ter. f. pasta 


. S. Eczemsalbe. 






Lassar. 


121. Bf 






Acid. salicyl. 


2,0 




Sulf. praeeip. 


10,0 




Vaselini 






Zinc. oxyd. ana 45,0. 




M. f. pasta. [Bei 


Sycosis 


und Acne, 


Schutzpaste nach 


Stichelung und Löffe- 


lung der Haut.] 




Lassar. 



122. 



117. ty 

Acid. salicyl. 0,5 
Ol. olivar. 25,0 
MDS. Zum Einölen der Bougies. Auf Watte- 
bäuschchen bei Ulcus molle. 

Lassar. 



M. f. 



123 



w 
Acid. salicyl. 0,5 
Ol. Cajeputi rect. 1,0 
Carb. pulver. 
Conch. praep. ana 25,0. 
pulvis. D. S. Zahnpulver. 



Iv 



Acid. salicyl. 1,0 

solve in 
Spirit. 50,0 
Tinct. Myrrhae 10,0. 
MDS. 10-20 Tropfen in einem Weinglase 
Wasser zum Mundspülen und Bürsten 
der Zähne. 



118. Iy 124. Bf 

Acid. salicyl. 1,5 Acid. salicyl. 

Spirit. 3,0 Ol. Menth, pip. ana 0,5 

Adip. suill. 15,0. Spirit. 3,0 

M. f. unguentum. D. S. Aeusserlich. Calcar. carb. 5,0 

[Bei atonischen Fussgeschwüren, Eczema , Sapon. venet. 20,0 

faciei et capitis u. a.] Wagner. Carmini 0,2 

j M. f. pasta. D. S. Zahnpaste. 

Acidum sclcrotiiiicum. Sclerotinsäure. Ein geruchloses, sauer 
reagirendes , mehr weniger zimmtfarbiges , amorphes Pulver, als solches 
haltbar, während die wässerige Lösuung sich in 2-3 Tagen zersetzt. Das 
wirksame Princip des Seeale cornuttim von dem Chäracter einer Säure. 
Von Mciliu auf seine Wirksamkeit untersucht und in Dosen von 0,01 
bis 0.05 Gr. subcutan injicirt \'\\v dieselben [ndicationen wie Extr. secal. 
cornut. wirksam gefunden, v. Ziemssen wandle es mit Erfolg bei Hae- 
moptyse an. Er gebrauchte von einer Lösung von 4: 100 zwei bis drei 
Pravaz'sche Spritzen in w 24 Stunden. [0,1 15 Pf.] 

Acidlllll silicicillll. Kieselsäure. [Die wasserhaltige amorphe Kiesel- 

Ewald und Simon, A r/.nci \ ••ronlnii n^sli-hrc. in. Anll. iq 

V s 113-124. 4M 



146 Acidum succinicum. 



adde 
Syr. Cinnam. 25,0 
Aeth. acet. 1,0. 
MDS. 2 stdl. 1-2 Esslöffel. 



säure bildet eine durchsichtige, opalisirende Gallerte, welche, frisch gefällt, in reinen 
und kohlensauren Alkalien, sowie auch in Salzsäure und Schwefelsäure leicht löslich 
ist. Beim Trocknen und Glühen verliert sie ihr Wasser, und das Kieselsäure-Anhy- 
drid ist unlöslich.] 

Innerlich ist die lösliche Kieselsäure zu 0,06, 2 mal täglich in 
Trochiscen in Verbindung mit Kalkphosphaten als Unterstützungsmittel 
der Knochenbildung bei retardirter Dentition, Rachitis, Osteomalacie, auch 
gegen Krebs und Diabetes empfohlen (Batty). Auch als Pillenconstituens 
solcher Stoffe, die wie Argent. nitricum durch Pflanzenextracte zersetzt 
werden. Lässt sich auch als Pulver, sowie in alkalischer oder saurer 
Lösung Verordnen. 

*Acidum succinicum-. Sal Succini depuratum. Succinic acid. Sei 
volatile de succin. Gereinigte Bernsteinsäure. Succinsäure. [Gelb- 
liche Krystalle, in Wasser und Weingeist leicht löslich. — 1,0 5 Pf.] Nicht frei 
von empyreumatischem Oele, das wohl die Wirkung mit bedingt. Cave: 
Basen, kohlensaure Salze [wenn man nicht die Saturation beabsichtigt]. 

Innerlich zu 0,3-1,0 mehrmals täglich, in Pulver [mit anderen 
Nervinis, wie Moschus, Campher u. s. w., Pulvis gummös, als Constituens], Pillen, 
wässeriger oder alkoholischer Auflösung. 

Aeusserlich zu Pinselsäften [1:5-10 Mel oder Glycerin], Mund- 
und Gurgelwässern [1 : 10-50]. 

125. Bf 

Acid. succinici 2,5-5,0 

solve in 
Aq. Cinnam. simpl. 150,0 

Acidum Slllfocarboilicum. S. unter den Salzen [Kalk, Natron und 
Zink] dieser Säure. 

*AcidllUt sulfuricum. Acidum sulphuricum rectificatum seu pu- 
rum. Acidum sulfur. concentratum purum Ph. Austr. Oleum Vitrioli depu- 
ratum. Sulphuric acid. Acide sulphurique. Reine Schwefelsäure. 
Gereinigte concentrirte Schwefelsäure. Wasserstoffsulfat. [Spec. Gewicht 
= 1,83-1.840, enthält 94-97 pCt. des ersten Hydrates der Schwefelsäure (SH 2 4 ); 
von der Dicke eines Oeles. — 10,0 5 Pf'.] 

Nur äusserlich: als Aetzmittel [pure oder mit einem Pflanzenpulver 
1.0 auf 7.5 zur Paste angerührt. Von Kicnril wird eine Paste aus Acid. sulfur. 
und Kohle empfohlen], stark verdünnt [0,05 auf 10,0] als Augentropf- 
wasser. Als causticum sul lurico-crocatum s. aethiopicum, 
Unguentum melanicum, bezeichnet man ein Gemisch von pulvcrisirtem 
Safran und 1-1,5 Th. concentr. Schwefelsäure. Caustique sulfo-safrane 
(Velpfan). 

Aririimi sulfiiricillll cruillilil. Acid. sulfuricum anglicanum Ph. Austr. 
Oleum Vitrioli Rohe Schwefelsäure, Vitriolsäure, Vitriol, englische 
Schwefelsäure. [Spec. Gew. = 1,830-1,833; Gehalt an SH.,0 4 mindestens 91 pCt. 
— 100.0 15 Pf] 

Nur äusserlich: ZU Bädern [namentlich zu Schwefelverbindungen: Cal- 
caria salfarata, Kai. sulfuratum; auf 1 Th. der Schwefelverbindung rechnet man 

, Th. Säure]; zum Bohufe von Räucherungen, wie des Chlors aus 
Kochsalz und Manganhyperoxyd, der schwefligen Säure durch Behandeln 
um Kohle oder Kupferspänen; offene Gefässe mit Schwefelsäure in grossen 

ly 125. 



Acidum sulfuricum dilutum. 



147 



Portionen zur Austrocknung der Luft in Zimmern hinzusetzen, ist gefähr- 
lich, man wähle zu diesem Zwecke lieber andere Mittel, wie z. ß. die 
Calcaria usta [vergl. diese]. 

*Acidum sulfiiricnin dilutuni. Spiritus Vitrioli. Verdünnte 
Schwefelsäure. [1 Th. Acid. sulfuricum mit 5 Th. Aq. dest. Spec. Gew. = 
1,110-1,114. — 10.0 5 Pf.] Die starke Verwandtschaft dieser Säure zu allen 
Basen macht die grösste Vorsicht in der Verordnung nöthig. 

Innerlich zu 0,25-1,0-1,5 mehrmals täglich in Pillen oder Bissen 
[sehr unzweckmässig], Tropfen [5-30 Tropfen mit Syrup oder in Zuckerwasser], 
Mixturen [starke Zusätze von mucilaginösen Substanzen, Syrup oder Zucker], 
zum Getränk [2X)-4,0 auf 500,0 Wasser mit 25,0-50,0 Syrup], zu Molken 
[s. Serum Lactis im allgemeinen Theil]. 

Aeusserlich zu Mund- und Gurgel wässern [1,0-4,0 auf 100,0], 
Pinselsäften [1.5-3,0 auf 25,0], Waschungen, Fomentationen: selten 
in Salben [1,5-3,0 auf 25,0]. 



126. fy 

Acid. sulfuric. dilut. 10,0 
Aq. dest. 

Syr. Hub. Idaei ana 50,0 
MDS. Stdl. 1 Theelöffel voll. Zugleich 
1-2 Theelöffel zu einem Glase Zucker- 
wasser als Getränk. [Bei Haemoptysis.] 



127. fy 

Decoct. Rad. Althaeae (10,0) 150,0 
Acid. sulfuric. dilut. 5,0 
Syr. Aurant. Flor. 25, ü. 

MDS. 2 stdl. 1 Esslöffel. 



Erzielung der rothen Farbe den billi- 
geren Syr. Rhoeados oder Rub. Idaei 
nehmen. 



29. 



$ 



Acid. sulfuric. dilut. 3,0-4,0 
Aq. dest. 1000,0 
Spirit. 60,0 
Ol. Citr. aether. 0,25. 
MDS. Täglich 3 mal 1 Weinglas voll. [Bei 
Bleikolik und als Prophylacticum gegen 
Bleivergiftung.] 
Schwefelsaure Limonade Gendrin's. 



130. fy 

Acid. sulfuric. dilut. 25,0 
Ol. Terebinth, 
Spirit. ana 10,0. 
M. 1. a. d. in vitro bene obturato. S. Stdl. 
40 Tropfen in Zuckerwasser. [Bei Hae- 
morrhagia pulmonum, ventriculi.J 
Warren's blutstillender Balsam. 



123. ty 

Acid. sulfuric. dilut. 12,0 
Tinct. Opii simpl. 4,0 
Syr. Violarum 100,0. 
MDS. 2 mal täglich, besonders Abends vor 
dem Schlafengehen , einen halben Ess- 
löffel in einer Tasse Haferschleim zu 
nehmen. [Gegen hektische Schweisse.] 

G. A. Richter 
Statt des Syr. Violarum kann man zur 

Acidiim siilfuriciim fimians. Oleum Vitrioli. Rauchende Schwe- 
felsäure, Nordhäuser Vitriolöl. Pyroschwefelsäure. Wasserstoffbisulfat. 

[Spec. Gew. = 1,860-1,900. — 100,0 30 Pf.] 

Aeusserlich als starkes Aetzmittel, doch wegen der unange- 
nehmen Dämpfe anzweckmässig. [Bestandteil des Liquor antarthriticus 
Pottii: Kochsalz 2, Terpenthin l 1 ,, Acidum sulfuricum fumans 1]. 

Acidum su Huri nun spirituosmii. Häller'sches Sauer s. u. Mix- 
tura sulfurica aeida. 

Acidum siilfiirosmu. Sulphurpus acid, Acide sulfureux. Schwef- 
lige Säure. Monothionige Säure. Schwel'eldiowd. [rrespirables, farb- 
loses Gas von stechendem Geruch, entstehl beim Verbrennen des Schwefels. 
Das Gas wird in Wasser geleitel und dasselbe möglichst damrl gesättigt; 
diese Verbindung, Aqua sulfurosa seu Acid. sulfurosum Liquidum 

10* 
K' 126-130. ^mk 



148 Acidum tanniciim. 



ist in neuerer Zeit innerlich [20 bis 60 Tropfen mit Aq. destill, verdünnt] 
gegen Pyrosis und chronisches Erbrechen (Lawsoii), ferner gegen Diph- 
therie, Scarlatina und andere Infektionskrankheiten (II. E. Richter) [vergl. 
noch Magnesia sulfurosa: Schottin]; äusserlich zu Pinselsäften, Gurge- 
lungen [5 Tropfen zu ca. 100,0] und selbst in zerstäubter Form gegen Diph- 
therie und Aphthen von James Dcwar empfohlen. Das schwefligsaure Gas, 
direct durch Räucherungen mit Schwefel erzeugt, ist ein bedingtes Des- 
infectionsmittel. [S. Wolffhügel. Ueber den "Werth der schwefligen Säure als 
Desinfectionsmittel, in Mittheilungen aus dem kaiserl. Gesundheitsamte. I.] 

*Aciduill taiillicillll« Acidum gallo-tannicum, Acidum scytodephicum, 
Tanninum. Tannic acid. Acide tannique. Gerbsäure. Tannin. Weisses 
oder gelbliches Pulver von stark adstringirendem Geschmack. [10.0 15 Pf.] 
Löslich in Wasser, Alkohol, Aether, in 8 Th. Glycerin. Cave: organische 
Substanzen [namentlich organische Basen, wogegen jedoch häufig gefehlt wird], 
Salze. [Bei Verordnungen mit Blei-, Eisen- oder anderen Metallsalzen beabsichtigt 
man die Zersetzung, deren Product (z. B. Plumb. tannic.) für den betreffenden Heil- 
zweck nothwendig ist.] 

Innerlich zu 0,03-0,15-0,4 mehrmals täglich in Pulvern, Pillen, 
Trochiscen, Tropfen [in wässeriger, spirituöser oder glycerinhaltiger Lösung], 
Mixturen [mit schleimigen Decocten, aromatischen Wässern, Wein oder in wässe- 
riger Lösung mit Syrup]. 

Aeusserlich in Substanz zur Stillung von Blutungen [das Tannin- 
pulver auf die blutende Fläche aufgestreut oder auf einem Tampon in die blutende 
Höhle eingebracht], als Schnupfpulver [pure bei Epistaxis; ferner sehr zu 
empfehlen in Verbindung mit 1-2 Borax (WaliJenbtirg) bei Ozaena und als Pallia- 
tiven bei Schleimpolypen der Nase], als Schlund- und Kehlkopf pul ver 
bei Pharyngitis und Laryngitis [1 mit 1-10 Th. Zucker, zuweilen pure]; in 
Lösungen [1.0-5,0 auf 200,0 Wasser oder Wein]: zu Verbandwässern, Injec- 
tionen, Uterus- und Nasendouchen, Inhalationen in zerstäubter Form [vergl. 
im allgemeinen Theil], zu Pinselungen des Pharynx und Larynx [2,5-5,0 
auf 25,0 Wasser], zu Bädern [10,0-50,0]; in Salben [2,0-6,0 auf 25.0 Fett], 
in Seifenverbindung [Sapo tannini (ca. 1 auf 8) bei schweissiger Haut, bei 
Intertrigo, Pruritus pudendor.], in Glycerin gelöst als Tanninglycerolat, 
mit Collodium (Acid. tannici, Spirit. ana 1, Collod. 10) bei übermässig secer- 
nirenden und leicht blutenden Geschwüren, Frostbeulen, impetiginösen Haut- 
erkrankungen, als Suppositorien etc. Itccquercl lässt bei Metrorrhagien, 
durch Schleimhautwucherungen im Collum uteri bedingt, Tanninstifte 
[aus 4 Th. Acid. tannic, 1 Th. Tragacanth. und Mica panis q. s. zu einer weichen, 
geschmeidigen Masse geformt] mittelst eines Speculums in den Uterus ein- 
führen und durch einen mit concentrirter Tanninlösung getränkten Charpie- 
Tampon zurückhalten, welcher letztere liegen bleibt, bis der Stift auf- 
gelöst ist. Die Manipulation wird alle 3 — 4 Tage wiederholt. Des- 
gleichen empfiehlt Schuster gegen Gonorrhoe Tanninstifte [aus Tannin 
und Glycerin geformt, etwa 4 Zoll lang] in die Harnröhre einzuführen und etwa 
10 Minuten Liegen zu lassen. 



131. ly 

Aci'l. tannici 0,00 
Opii Ü,()2 
Sacchari 0,5. 

a i3i. 



M. f. pulv. Dispens, tal. dos. No. 6. D. S. 
2stdl. 1 Pulver. [Bei profuser Diarrhoe.] 

Oppolzer. 



Acidura tannicum. 



149 



132. Bf 

Acid. tannici 

Rad. Rhei pulv. ana 0,3 

Sacch. alb. 0,6. 
M. f. pulv. Dent, tal. dos. No. 12. D. S. 
3 mal täglich 1 Pulver. [Bei Pyelitis 
und Pyelo-Nephritis.] Rosenstein. 

133. Bf 

Acid. tannici 3,0 
Extr. Aloes aquos. 1,0 
Extr. Graminis q. s. 
ut f. pilul. No. 100. Consp. Lycopod. D. 
S. 4 mal täglich 4 Stück zu nehmen. 
[Bei Morbus Brightii.] Frerichs. 

134. Bf 

Acid. tannic. 1,2 
Morph, acet. 0,03 
Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
ut f. pil. No. 8. Consp. Cinnam. D. S. 
Abends 1-2 Pillen zu nehmen. [Gegen 
hektische Nachtschweisse.] 

Hutchinson. 

135. Bf 

Acid. tannic. 2,0 
Conserv. Rosar. q. s. 
ut f. 1. a. pil. No. 20. Consp. Sem. Lycop. 
D. S. Stdl. 1 Pille. [Bei Haemoptysis, 
Metrorrhagie, chronisch. Schleimflüssen.] 

Cotterau. 

136. Bf 

Acid. tannic. 0,1-0,2 

Lupulin. 0,08 

Camphor. 0,03 

Pulv. gumm. arab. 0,1 

Sacchar. 0,5. 
M. f. pulv. Dent. tal. dos. No. 10. D. S. 
3-4 Stück im Tage zu nehmen. [Bei 
durch Tripper veranlassten Blasen- und 
Nierenkatarrhen.] Frerichs. 



137. 



D. S. 
138. 



Acid. tannici 2,5 

solve in 
Aq. dest. 150,0 
S>r Aurant. Cort. 25,0. 
3 stdl. 1 Esslöffel. 



Iv 



Acid. tannici 2,5 

solve in 
Aq. Menth, pip. spirit. 150,0 
Syr. simpl. 25,0. 
IIDS. 2. stdl. 1 Ksslü ffel. 

139. l v 

V.cid. tannici 

Tinct. Opii simpl. ana 1,5-2,0 

Aq. dest. 180,0 

Syr. simpl. 15,0. 
Mh-. 1-2 Stdl. I Esslöffel. v. Ziemssen. 



140. Bf 

Acid. tannic. 2,5 
Vini aromat. 250,0. 
D. S. 3 mal täglich 1 Esslöffel. [Bei in- 
veterirtem Tripper.] Rioord. 

141. Bf 

Acid. tannic. 2,5 
Aq. Cinnam. spirit. 
Mucil. Gummi Arab. ana 100,0. 
MDS. Halbstdl. 1 Esslöffel. [Bei Cholera 
und choleraartiger Diarrhoe.] 

A. v. Gräfe. 

142. Bf 

Acid. tannic. 1,0 

Vini rubr. 150,0. 
S. [Injection bei invcterirtem Tripper und 
bei Fluor albus, wo man die Dosis des 
Tannins verdoppeln kann.] Ricord. 

143. Bf 

Acid. tannici 0,3-0,6-1,0 

Tinct. Jodi 1,0-2,0 

Aq. 150,0. 
MDS. Aeusserlich. [Sehr intensiv wirkendes 
Adstringens, zur Einspritzung in die 
Harnröhre, 3 mal täglich, nachdem vor- 
her der Urin entleert und reines Wasser 
in die Harnröhre eingespritzt war. — 
Bei hartnäckiger Gonorrhoe.] 

v. Sigmund. 

144. Bf 

Acid. tannici pulv. 2,0. 
Dispens, tal. dos. No. 8. S. 1 Pulver in 
1 , Schoppen Roth wein zu lösen und 
die Lösung mehrere Male täglich in die 
Harnröhre einzuspritzen. Bleibt dies 
erfolglos, so werden die beiden anderen 
Pulver zusammen in derselben Menge 
Rothwein gelöst und eingespritzt. [Zum 
Coupiren des Trippers im Anfangssta- 
dium.] F. v. Nie.neyer. 

145. Bf 
Acid. tannici 
Aq. ana 50,0. 

MDS. Wohl umgeschüttelt zum Gurgeln 
und einige Zeit im Munde zu halten. 
[Bei Blutungen aus Tonsillen oder Uvula 
nach Operationen.] 

Gargarisme Acid. tannici forte. 

Maokensie. 

146. Bf 

Acid. tannic. 3,0 

Glycerini 25,0 

Aq. 75,0. 
D. S. Zu Waschungen, Injectioncn u. s. w. 
[Bei Relaxation der Schleimhäute, wo 
man adstringirend , aber ohne zu irri- 
tiren, wirken will; ferner bei Ilämor- 
rhagien.] Bayes. 



B/ 132-146. -« 



150 



Aei'lum tartaricum. 



14' 



MDS. 



Aeid. tannici 5,0 
Spir. camphor. 100,0. 
n Frostleiden.] 



Abarbanell. 



148. Bf 

Arid, tannici 20,0 

Aq. 15,0. 
MDS. Aeusserlich. [Dick aufzutragen als 
Verband mittel bei eingewachsenen Nä- 
geln und Teleangiectasien; mit gleichen 
Thcilen^ Wasser verdünnt: bei wunden 
Brustwarzen. — Auch zum Bepinseln 
hypertrophischer Tonsillen.] Miall. 



149. fy 

Acid. tannici 10,0 

solve in 
Aq. dest. 
Glycerini ana 20,0 

adde 
Tinct. Jodi 10,0-20,0. 
D. S. Zum Touchircn des Rachens. 



[Bei 



inveterirter Pharyngitis catarrhalis oder 
follicularis.] Waidenburg. 



150. fy 

Acid. tannici 1,0 

solve in 
Tinct. Spilan th 
D. S. In den hohlen 
Zahntinctur. 



consp. 24,0. 
Zahn zu bringen. 



151. ty 

Acid. tannic. 0,5 
Ungt. Glycerini 25,0. 

F. ungt. D. S. Zur Einreibung. 
Perniones.] 



[Bei 



152. 



Acid. tannic. 1,0 
Glycerini 25,0 
Chloroformii 0,3 
Cerati simpl. 6,0. 
M. f. unguentum. D. S. Aeusserlich. 
[Gegen Eczema des Gesichts bei Kindern.] 

Neligan. 



*Acidiuii tartaricum. Acidura tartari, Sal essentiale Tartari. Tartaric 
acid. Acide tartrique. Weinsäure. Weinsteihsäure. [10,0 = 15 Pf. subt. 
pulv. 20,0]. Grosse, farblosedurchscheinende Krystalle. Löslich in ziem- 
lich allen Verhältnissen in Wasser und in 2-5 Theilen Weingeist. Cave: 
Dax Mi, Kalisalze, salz- und schwefelsaures Eisen, Seifen. 

Innerlich zu 0,3-1,0 öfters täglich in Pulver [Limonadenpulver mit 
Zucker und ätherischem Oel]. zu Brausepulvern [vergl. Pulv. aerophori], zu 
Trochisci [0,06 auf einen Trochiscus], zur Bereitung saurer Molken [Trochisci 
seripari simpl.], Mixturen [4.0 mit 30.0-50,0 Syrup auf 200,0 Wasser, stündlich 
1-2 Esslöffel], zum Getränk [5,0-10.0 mit 50,0-100 : Syr. Hub. Idaei auf 1 Liter 
Wasser], 

153. Bf wandt werden. Aehnlich das Pulvis 

Acid. tartar. 5,0 refrigerans älterer Pharmakopoen.] 

Elaeosacch. Citri 1,0 
Sacch. alb. 150,0. 
M. I). in vitro. S. Limonadenpulvcr. 
[Nur geringe Quantitäten des Ol. Citri 
geben dem Limonadenpulver einen an- 
genehmen Geschmack. — Obiges Pulver 
kann auch l. a. Leicht zu Trochisci ver- 



154. R/ 

Acid. tartar. pulv. 
Magnes. carbon. 
Sacchar. ana 0,3. 

M. f. pulv. dent. tal. dos. No. 5. S. Brause- 
pulver. [Pulvis Magnesiae effervescens.] 

Vntliim vulmniiicuiii. Valerianic acid. Acide valerianiqu.6. Bal- 
driansäure. A.mylsäure. [Farblose, ölartige Flüssigkeit, flüchtig, von starkem 
Baldriangeruch; Löslich in Wasser, Weingeist, Aetlier. Spec. Gew. 0,940-0,950. — 
l.d 15 Pf.]. 

[nnerlich zu 0,1-0,5 in alkoholischen oder schleimigen Solu- 
tionen. [Selten rein angewandt, häufiger in den Salzverbindungen mit Ammoniak, 
Wismuth, Zink, Eisen, Atropin, Chininj vefgl. diese.] 

Woiihimim. A.conitina. A.conitin. Ä-lkaloid des Aconit [A. Na- 
pellus]; weisse körnige Masse ohne Geruch, intensn bitter schmeckend; in 
L50 Th. kalten, 50 Th. heissen Wassers, Leichter in angesäuertem Wasser, 
sehr leichl in Alkohol und A.ether löslich. [0,01 5 Pf.] 



i ; ; 1 7 - 1 :, i . 



Adcps suülus. 



151 



Innerlich zu 0,001-0.004 2-3 Mal täglich [ad 0.004 pro dosi, ad 0,03 
pro die!] in Pillen, alkoholischer Lösung [1 Th auf 60 Th.] und Tro- 
chisci [zu 001] [gegen Rheumatismus und Neuralgien], 

Aeusserlich in Salben [1-2 Th auf 60 Th ] und weingeistigen Lö- 
sungen [zum Eintröpfeln in den Gehörgang, Betupfen der Hornhaut. Einreibungen]; 
zur subcutanen Injection [0,1 mit Zusatz einiger Tropfen Salzsäure in 10 
Wasser gelöst, davon etwa 5-20 Theilstriche einer gewöhnlichen Pravaz' sehen 
Spritze = 0,001-0,004 Aconitin pro dosi zu injiciren]. 



155. ty 

Aconitini 0,05 
Extr. Hyoscyam. 1,0 
Succ. Liquir. dep. 4,0. 
M. f. pilul. No. 50. Consp. Lycopod. D. 
S. Morgens und Abends 1-2 Pillen zu 
nehmen. 



156. Bf 

Aconitini 0,02 
Yini Colchici 10,0. 



D. S. 3 mal täglich 10-15 Tropfen zu 
nehmen. [Bei Rheumatismus.] 



157. Bf 

Aconitini 0,1 

solve in 
Spirit. q. s. 
Yaselin. 6,0. 
F. ungt. D. S. Zur 
Gesichts-Neuralgie.] 



Einreibung. [Bei 
Brookes. 



Sain 



'Adcps suillus. 

doux, Axonge. 



Axungia Porci vel porcina. Lard. Graisse, 
Schweineschmalz. Schweinefett. [10,0 10 Pf] 
Kommt als Salbenconstituens, als welches es bisher fast ausschliesslich 
gebraucht wurde, mehr und mehr ausser Anwendung. In allen Fällen, 
wo die geringe Preisdifferenz zwischen der Adeps und dem Unguent. ce- 
reum, Unguent. Glycer. und der Vaseline nichts ausmacht, zieht man 
letztere vor, weil sie weniger leicht oder gar nicht dem Ranzigwerden 
ausgesetzt sind. 

Aerugo. Cuprum subaceticum. Viride Aeris. Subacetate of Copper, 
Verdigris, Verd-de-Gris. Grünspan. Basisches Kupferacetat. Basisch 
essigsaures Kupferoxydulhydrat [mehr oder weniger mit heterogenen Substanzen 
verunreinigt]. Nur unter Zusatz von Säuren in Wasser löslich. [10,0 subt. 
pulv. 15 Pf.] Cave: alle stärkeren Säuren, alle das Kupfer reducirenden 
Substanzen [Zink, Eisen, Zucker], ferner Schwefelmetalle und 

Innerlich fast nie angewendet, vielmehr ist dazu 
crystailisata [Cuprum aceticum; s. dieses] in Gebrauch. 

Aeusserlich als ätzendes Streupulver [bei unreinen, wuchernden 
Geschwüren], im Liniment [ehedem officinell], in Salben [1 auf 8-10 Fett], 
im Cerat [früher officinell]. in Pflastern, in Augenwässern [verwerflich, 
durch das Cuprum aceticum zu ersetzen]. 



die Haloide. 
die Aerugo 



Leni calore liquat. 
Aerug. pulv. 6,0. 
M. f. empl. ftust'schcs Hühneraugen- 
pflaster [wegen seiner grösseren Weich- 
heit dem früher officinellen Ceratum 
Aerug. vorzuziehen]. 



158. Bf 

Cer. flav. 15,0 
Ol. Olivar. 4,0. 

Leni igne liquatis et paululum 
refrigeratis adde: 
Ammoniaci 15,0 
Terebinth. comm. 4,0. 

*Aether. Act her sulfuricus. Aether depuratus (Ph. Austr). Aether vi- 
trioli. Naphtha vitrioli. Oxydum Aethylicum (Ph. Neerland). Ether. Ether. 

Aethyläther. Schwefeläther. Aether. [Speo. Gewicht nicht höher als 728. 

— 10.0 5 Pf.] Löslich in Wasser 9-10, in Alkohol in allen Verhältnissen. 

Innerlich 5-10-20 Tropfen 1- 1 stündlich, am besten rein in mög- 

fy 155-158. 



152 Aether. 

liehst einfachen Vehikeln [Thee, Zuckerwasser u. s. w.] oder in Capsules 
[Perles d' Etiler, deren jede etwa 5 Tropfen enthält; man vermeidet bei dieser 
Darreichungsform den manchen Kranken unerträglichen Geruch, die Dosirung ist 
genauer, die Conservirung des Mittels auf längere Zeit zu ermöglichen], als ana- 
leptisches, beruhigendes, krampfstillendes Mittel. 

Aeusserlich als Inhalationsmittel zur Hervorrufung von An- 
ästhesie [durch das Chloroform nicht vollkommen verdrängt, da von vielen Seiten 
her die grössere Gefahrlosigkeit der Aether -Inhalationen behauptet wird. (Weigcr 
in Wien empfiehlt als das gefahrloseste Anästheticum eine Mischung von 9 Th. Aether 
mit 1 Th. Chloroform.) Man lässt die Einathmungen aus den (verschieden angegebe- 
nen) Inhalations- Apparaten oder von einer vor den Mund gehaltenen Compresse 
machen], als Riechmittel [bei Ohnmächten, heftigen Dyspnoe-Anfällen, Asphyxie 
durch toxische Gase, Smith lässt bei Lumbago Aether bis zum deutlichen Nachlass 
der Schmerzen einathmen, worauf auch die Steifigkeit schwinden soll. Er will dies 
bei sich selbst und Anderen vielfach beobachtet haben], zu Einreibungen [pure: 
cave die Nähe der Flamme; oder in Salbenform. (Frostschutzpomade der Ba- 
ronin Stempel: Aether 15,0, Seb. ovill. 30,0, Empl. Lithargyri molle 4,0; auf er- 
frorene oder gegen Frost empfindliche Hautstellen einzureiben)], Aufgiessunge n 
und Auftröpfelungen [bei Rheumatismus articulorum acutus ist das Aufgiessen 
von Aether auf die entzündeten Gelenke ein vorzügliches schmerzstillendes Mittel, 
zugleich kühlend durch die Verdunstung des Aethers. — Auch bei eingeklemmten 
Brüchen empfohlen — für diesen Zweck dürfte vielleicht die sogenannte Aether- 
Gallerte zweckmässig sein; dieselbe besteht aus 4 Th. Aether und 1 Th. Eiweiss, 
die in einer Flasche mit einander geschüttelt werden und zu einer fast plastischen 
Masse aufquellen. — Richard son hat in neuerer Zeit zur flervorrufung örtlicher An- 
ästhesie die mehrere Minuten lang fortgesetzte Application fein zerstäubten Aethers 
auf die Operaüonsstelle empfohlen. Der von ihm benutzte Spray-producer kann durch 
jeden Zerstäubungsapparat ersetzt werden. Das Verfahren hat sich nicht nur für ober- 
flächliche Haut-Incisionen als sehr zweckmässig bewährt, sondern einige Chirurgen 
haben es selbst für grössere Operationen, sogar zurOvariotomie und zum Kaiserschnitt, 
benutzt und erklären sich mit dem Erfolg befriedigt, indessen hat es sich zu letzteren 
Zwecken nicht eingebürgert. Die Methode verdient hauptsächlich für diejenigen Fälle 
Beachtung, in denen die Anwendung der Chloroform-Inhalationen gefürchtet wird oder 
ganz unthnnlich ist. Auf eine eigenthümliche Eigenschaft der Aether-lnhalationen 
machte in jüngster Zeit Wood aufmerksam. Ganz im Beginne der Aethereinathmung 
soll nämlich ein schnell vorübergehendes Stadium der Betäubung eintreten, welches 
man daran erkennt, dass der hochgehobene Arm des Patienten herabfällt. Diesen 
Augenblick könne man benutzen, um kleinere Eingriffe, Zahnextractionen, Abscess- 
öffnungen etc. namentlich bei Kindern schmerzlos vorzunehmen. Eine eigentliche 
Narcose ist zu dieser Zeit noch nicht da. Zerstäubung von Aether längs der 
Wirbelsäule L 2-.''> Mal täglich ist neuerdings auch gegen Chorea gerühmt worden. Lu— 
hetzky, IVrrmnl, Fabbry], K lystieren [bei Asphyktischen 1,0-1,5 ad ClysmaJ, als 
\ Ugenmil tel [man tröpfelt den Aether in die hohle Hand und lässt ihn vor dem 
Auge verdunsten], als Ohrenmittel [Einleitung von Aetherdämpfen in das Ohr, 
;im besten aus einer dünnwandigen Glasflasche, die in der Hand erwärmt wird ; gegen 
Ohrensausen empfonlen von llclioiix], ZU Zahntropfen [pure oder mit Kreosot u.a. 
— Blaee's Zahntropfen enthalten l Alumen pulv. in 50 Aether], zu Pinselungeu 
[bei Aphthen, Soor, Stomatitis, Pharyngitis, Diphtherie, Hautgeschwüren neuerlichst 
von Black sehr gerühmt], 



Arther aceticus. 153 



159. Bf 

Aether. 20,0 
Ol. Terebinth. 5,0. 
MDS. Mehrmals täglich 15-30 Tropfen. 
[Durande'sches Mittel gegen Gallen- 
steine.] 
Das von Raderaacher empfohlene und 
auch von anderen vielfach gebrauchte 
Durande'sche Mittel enthält statt des 



reinen Aethers Spir. aether., und zwar: 
IG Th. desselben auf Ol, Terebinth. 1 Th. 



1G0. Bf 

Aetheris 10,0 

Spir. Vini rectific. 20,0 

Tinct. benzoic. rect. 2,0-5,0. 

MDS. Zu Waschungen mit einem Schwämm- 
chen bei Seborrhoe. Hebra. 



*Acther aceticus. Naphta acetici. Naphtha seu Aether vegeta- 
bilis. Acetas aethylicus (Ph. Kor?.). Aethylacetat. Essigäther. [Spec. 
Gew. = 0,900-0 904 — 10,0 10 Pf.] Löslich in 10 Wasser. 

Innerlich wie der vorige [den meisten Patienten angenehmer wegen seines 
erfrischenden Geruches]. 

Aeusserlich als Riechmittel, zu Einreihungen, Kly stieren, Zahn- 
tropfen. 

*Acther amylicus nitrosus seu amylo-nitrosus. Amylium nitro- 
sum. Amylenum nitrosura. Amyli nitras. Nitrite of amyl. Arayl- 
nitrit. Salpetrigsäure- Amyläther. Salpetrigsaures Amyl. [Im frischen Zu- 
stand farblose, später gelbliche, ätherisch riechende, sehr flüchtige Flüssigkeit; in 
Wasserunlöslich, spec. Gew. = 0.877]. In neuester Zeit vielfach und zwar 
zum grossen Theil mit Recht empfohlen. 

Innerlich zu 1-2 Tropfen mehrmals täglich: Wood. Oorilou Pricc hat 
es mit grossem Erfolg bei intermittirenden Fiebern der Tropen ange- 
wendet. - 

Aeusserlich zur Inhalation [aus einem Riechfläschchen , oder besser 
2-5 Tropfen auf ein Taschentuch oder Baumwolle getropft oder auf heisses Wasser 
gegossen] bei einer Reihe von Krankheiten häufig wirksam bewährt, so 
bei Angina pectoris (Briintoii u. a.), Herzfehlern (Wood, Jones), Asthma, 
Spasmus glottidis (Jones), Hemicranie (nur bei der angiospastischen Form, 
bei der die Gesichtshaut blass erscheint, wirksam und bewährt (0. Berger, 
A. Fiiileiibnrg und Gut! manu u. a.}, Cardialgie und anderen Neuralgien 
(hickel), bei Ohrensausen (Michael, während des Einathmens wird das 
Sausen stärker, um hinterher zu verschwinden), Tetanus (Wood), Eclampsia 
parturientium (Jenlis), Hämorrhagien des Uteras (Kern), Epilepsie (Weir 
Mitchell, (richton, Browne), Melancholie (Mcyncrt), Seekrankheit (Clanham), 
endlich auch als Antidot gegen Chloroform-Asphyxie QU, Schiiller, Coghill). 

Aether hutyricus. Aether butyli. Butteräther. 

Aeusserlich zum Einreiben bei Hautjucken empfohlen (II. E. Richter). 

Aether canthaririatiis. Canthariden-Aether. Durch Maceration 
der Canthariden 2 mit Aether 3 gewonnen; enthält Oantharidin in un- 
reinem Zustande. Nur zur Bereitung des Collod. cantharid. [s. dieses] ver- 
wendet; vielleicht als schnell wirkender Hautreiz mit Vortheil zu ge- 
brauchen [10,0 etwa 75 Pf.]. 

\ether ehininis. China- Aether. Ein durch Destillation des 
Chinasäuren Kalkes mii Schwefelsäure und Alkohol gewonnenes Präparat, 
welches von Pignaeca zur [nhalation bei [ntermittens ompfohlen worden ist. 

iether joilatus« Jodäther, Jodwasserstoff -Aether, Jodäthyl. 
Eine sehr schwere Flüssigkeit. [Spec. Gew. = 1,92. — 1,0 40 Pf.] Zur 
[nhalation bei Lungenleiden von Hiielte empfohlen; man lässl den Jod- 

Bf 159-160. "W 



1 54 Aether Methylen 



Jodäther aus einem Weinglase, wo er von einer dünnen Wasserschicht 
bedeckt ist, einathmen; die Jodwirkung soll sehr schnell [schon nach 
wenigen Minuten soll das Jod im Urin nachzuweisen sein] eintreten, ohne dass 
üble Zufälle, wie bei anderen Jodkuren, sich bemerkbar machen sollen. 

Aether Metlljleiii. Aether methylicus. Ether of Methylene. Methyl- 
äther. [Eigenartige chemische Verbindung, dargestellt aus einer Mischung von glei- 
chen Theilen Aether und Methylenbichlorid. Spec. Gew. 1,0. Siedepunkt 32° C. Geruch 
verschieden von dem des Aethers, weniger stechend wie der des Chloroforms oder Me- 
thylenchlorids]. Zu an ästhesir enden Inhalationen [ca. 4,0-8,0 für klei- 
nere, ca. 8,0-24,0 für grössere Operationen] von Richardson empfohlen. Ist nicht 
so gefahrlos, wie Richardson auf Grund seiner mitgetheilten Beobach- 
tungen behauptete, es ist sogar ein Todesfall darnach beobachtet (Law- 
son Tait). Auch zu Application auf die Haut als locales Anästheti- 
cum zu benutzen. 

Aether Petrolei.' Petroleumäther. [Spec. Gewicht 0,670-0,675. 
Destillat aus amerikanischem Petroleum. — 10,5 5 Pf.] 

Innerlich zu 5-15 Tropfen mehrmals täglich [äusserst selten in An- 
wendung], rein [auf Zucker], in Gallertkapseln, in ätherischen Lösungen. 

Aeusserlich wie Petroleum [vergl. Ol. Petrae Italicum]. 

Aether phosphoratllS. Phosphor haltiger Aether [1 TL Phos- 
phor mit 160 Th. Aether 4 Tage macerirt, und der Aether dann von dem nicht auf- 
gelösten Rückstände des Phosphors (etwa die Hälfte) abgegossen, so dass die Flüssig- 
keit nur noch ! 2 Th. (also etwa 7 3 pCt.) Phosphor enthält]. Das Präparat 
ist wegen seines unsicheren Gehaltes durchaus nicht zu empfehlen. 
[1.0 2 Pf.] 

Innerlich: 0,2-1,0 [in schleimigem Vehikel. — Bestandteil des in Oester- 
reich patentirten Zörnlaibschen Fieberäthers, der aus Aeth. phosphor. (etwa 15,0) 
Ol. Caryophyll. (etwa 0,5) und Ol. Terebinth. rectific. (etwa 4,0) zusammengesetzt ist]. 

Aethyleiiimi hroniatimt. Aethylbromür. Bromäthyl. Farblose, 
ätherartig riechende Flüssigkeit von 1,4 spec. Gew. Wenig in Wasser, 
in allen Verhältnissen in Aether und Alkohol löslich. Empfohlen zur 
localen Anästhesie (Kunncly). Soll sich bei Anwendung des Thermocauter 
nicht entzünden, weder Stillstand der Respiration noch Herzstillstand 
verursachen und eine schnelle Narcose bewirken, aus der die Kranken 
ohne üble Nachwirkung erwachen. 

\v\ In leiiiim chloratum. Liquor Hollandicus. Eiaylum chloratum. 
Aetherinum chloratum. Oleum Batavorum aethereum. Dutch liquid. 
Chloräthyl. Holländische Flüssigkeit. Elaylchlorür. Schwerer Salz- 
äther. Chlorkohlenwasserstoff. [Löslich in Alkohol, wenig in Wasser. Spec. 
Gl . 1,27. — Dem Chloroform in Geruch und Geschmack ganz ähnlich, aber viel 
leichter zersetzlich. - 1.0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich [wie Chloroform angewendet]: 5-10-20 Tropfen 3-4 Mal täg- 
lich in Ad her. Alkohol, feilen Oclen. 

Aeusserlich: zu anästhesirenden Inhalationen [selten], zur ört- 
lichen Anästhesie [sowohl für sich allein, als in Verbindung mit Aether von 
Höllenstein gerühmt]. 

WflnlHlmiim Im lilonilum. Acthy I idenchlorid. Von 0. Lieb- 
reich als Lnhalations-Anästheticum empfohlen und von ihm nach voran- 



Aloe. 



155 



gegangenen Experimenten an Thieren, auch bei Operationen an Menschen 
(v. Laiigenbcck, Barilclcben, Albrecht) geprüft und bewährt gefunden. Soll 
vor dem Chloroform den Vorzug haben, dass, sobald man mit der In- 
halation des Mittels nachlässt, auch die Narcose sofort aufhört und keine 
üblen Nachwirkungen hinterlässt. Die Verbrauchsmenge ist grösser als 
bei Chloroform. Eignet sich, wie es scheint, hauptsächlich für kurz- 
dauernde Operationen, namentlich Zahnoperationen. [1.0 etwa 10 Pf.] 

Aleoliol s. Spiritus. 

*Aloö. Der eingekochte Saft der Blätter von A. ferox, A. spicata, 
vulgaris und lingua. [Nach der Ph. germ. ed. I. von Aloe Capensis, A. lucida, 
A. socotorina.] Aloes. Suc d'Aloes. Aloe, Cap-Aloe. [Hauptbestandteile: 
Extractivstoff und Harz. — 10,0 subt. pulv. 15 Pf.] In Weingeist fast ganz, in 
Wasser etwa zur Hälfte löslich. 

Innerlich zweckmässig nur in Pillen, die Pulverform wegen des 
schlechten Geschmackes und die flüssige Form wegen der theilweisen 
Unlöslichkeit gänzlich zu vermeiden. — Die Aloe lässt sich mit einer 
sehr geringen Quantität Mucilago oder mit Extracten, Seife, leicht zu 
Pillen formen, die man, um den nauseosen Geruch zu vermeiden, am 
besten gelatiniren lässt. Alte officinelle [nur noch jetzt bei dem Laienpubli- 
kum beliebte] Formeln sind die Pilulae Rufi s. Rufii oder die Species 
hierae-picrae [16 Th. Aloe mit Crocus, Cubeben, Cass. Cinnamom. und Rad. 
Asari ana 1 Th. Die Anwendungsform ist 1 Th. auf 40 Th. Wachholder-Branntwein ; 
bei den meisten Consumenten dieses Mittels ist das letztgenannte Vehikel desselben 
das wesentlichste. Aehnlich der vielberufene Daubitz'sche Kräuter-Liqueur und die 
Legion anderer drastischer Mittel in spirituöser Form, welche in neuerer Zeit an- 
gepriesen werden]. Die Dosis ist nach dem Heilzwecke verschieden; als 
Reizmittel 0,02-0,05, als gelind eröffnendes Mittel 0,05-0,1-0,3, als 
Drasticum 0,3-1,0. 

Aeusserlich im Clysma [0,5-1,25 ad clysma], Augenpulver [0.5 
bis 1,5 auf 5,0-10,0 Zucker], in Augensalben [0,1 auf 3,0-5,0], Salben, 
Pflastern, Einstreupulvern, Verbandwässern in Spirituosen Lö- 
sungen [bei schlecht eiternden Wunden, Geschwüren u. a.]. Mit Ausnahme der 
Clysmata kaum noch angewendet. 



161. ty 

Aloes pulv. 4,0 
Sapon. med. -2,0. 

M. f. pil. 50. Consp. Cinnam. 
Stück zu nehmen. 



D. S. 1-2 
'. Gräfe. 



162. 


Aloes pulv. 1,0 
Rad. Rhei pulv. 








Sapon. med. ana 


3,0 






Bxtr. Taraxaci q. 


s. 




ut. f 


. pil. 50. Consp. pu 


v. Rhiz. 


Iri'l. flor 


1). 


Morgens and Abends 3- 


8 Stück 




[Gelind abführendes 


Mittel.] 





Aloes pulv. 2,0-4,0 

Ferr. pulv. 8,0 
Rad. Rhei pulv. 4,0 



Mucilag. Tragac. q. s. 
ut. f. pil. 120. Consp. Pulv. Cinnam. D. S. 
Täglich 2 mal 2-3 Stück. [Bei Chlorose 
mit Unterteibsstockung und Amenorrhoe.] 

Kadius. 



164. 



Iv 



Aloes 

Ex.tr. Hyoscyami ana 1,2 

Chinini sulfurici 0,6 

Ferri sulfurici 0,4. 
M. f. pilul. No. 120. Cons|). Lvcopod. 
D. S. 1 oder 2 Mal täglich 1 Pille zu 
nehmen. [Gegen chronische Stuhlver- 
stopfung in Folge von Atonie des Darm- 
kanals.] 

David Bell. 



fy 161-164. ^ma 



!56 



Alumen. 



165. Bf 

Aloes 

Ferri sulf. sicc. ana p. aeq. 

Spir. vini q. s. f. pil. 
pond. 0,1. 
Italienische Pillen. Zu 2-5 Stück pro die. 



166. R 

Aloes 4,0 

Myrrh. 20,0 

Mastiches 10,0 

Croci 5,0 

Rhad., Rhei 

Fruct. Cubeb. 

Rad. Caryophyllat. ana 2,5 

Aceti q. s. 
ut f. pilul. pondere 0,2. Belzeri. 

Diese und ähnliche Vorschriften bilden 
die unter dem Namen Lebens pillen, 
Grains de vie, früher vielfach bekann- 
ten Präparate. 



167. 



D. S. 



Bf 

Aloes pulv. 

Myrrh. pulverat. 

Croci 

Kali carbon. ana 3,0 

Succi Liquirit. dep. 12,0 

coq. c. Aq. q. s. 
ad Colat. 300,0 

adde 
Tinct. Cardamom. 25,0. 
Esslöffclweise zu nehmen. 
Decoct. Aloes compos. 

Ph. Lond. 



168. Bf 

Aloes pulv. 
Myrrh. pulv. 
Croci pulv. 
Kali carbon. ana 1,5 
Ammonii chlorat. 1,2 
Vini albi 100,0. 
Macera per septem dies et filtra. S. Mor- 
gens 1 Theelöffel voll zu nehmen. [Als 
Stomachicum.] 

Vinum Aloes compositum. 

Beasley. 



169. Bf 

Aloes pulv. 

Rad. Rhei pulv. ana 1,0 

Herb. Absinth, pulv. 

Herb. Chamaedryos pulv. 

Rad. Gent. pulv. 

Cort. Fruct. Aurant. pulv. ana 6,0 

Spirit. dilut. 2 0,0. 
Diger. per aliquot horas. Cola et filtra. 
D. S. 15-20 Tropfen. 

Stougthon'sches Elixir. 



170. 



MDS. 



Aloes 10,0 

Therebinth. 

Ungt. basilici ana 50,0 

Vitell. ovi unius. 

Zum Verbinden von Wunden. 

Boerhave. 

VI oi ii ist der von Merk dargestellte Bitterstoff der Aloe ßarbadensis. 
In Dosen von 0,1-0,2 purgirend (Vroiimüllcr) , in Dosen von 0,2-0,5 
drastisch wirkend (llillcr). Subcutane Injection von 0,04 — 0,08 blieb in 
den Versuchen von Kohii beim Menschen erfolglos; llillcr dagegen erzielte 
mit Dosen von 0,15 — 0,2 einer Glycerinlösung von 1 : 8 oder 1 : 5 nach 
4-6 Stunden eine reichliche breiige Stuhlentleerung. 

' \lu mm. Alumen crudum, Sulphas aluminico-kalicus cum Aqua. 
Sulphas Aluminiae et Lixiviae c. Aqua, Alum crude, Alun blanc. Kali- 
Alaun. Roher, gemeiner Alaun. Alaun. Schwefelsaures Kali-Aluminium. 
Kalium-Aluminiumsulfat. [Reagirt sauer. — 100 20 Pf., subt. pulv. 10,0 5 Pf.] 
Farblose, durchscheinende harte Krystalle oder krystallinische Bruchstücke. 
Löslich in L0,5 Wasser, unlöslich in Weingeist. Cavc: Salze von schwacher 
Säure, Schwefelverbindungen, thierischen und Pflanzenleim, Eiweiss, Farb- 
stoffe. 

Lnnerlich; 0,1-0,3-1,0 mehrmals täglich, in Pulvern [mit Zucker 
ana: AI amen saccharatum], Pillen oder Boli [mit Extracten], Auf- 
lÖSUngen [mit Zusatz von aromatischen Wässern oder sauren Syrupen, z. B. Syr. 
Sure. Citri ], in M o I k e n [yergl. diese]. 

Aeusserlich: in Pulvern [subt. pulv.] zum Betupfen des Zahn- 
fleisches, /um Einblasen in den Schlund und Kehlkopf, als Streupulver 
[bei Blutungen (mit Colophonium, Catecha oder auch mit Ferr, sulf. ana, oder mit 

Py 1 CO -170. 



Aluraen. 



157 



Kino — 2 Alaun. 1 Kino: Alumen kinosatum — ; mit Sang, dracon. — 2 Alaun, 
1 Sang, dracon. : Alumen dracon isatum), wunden Brustwarzen (mit Gumm. Arab ), 
atonischen Geschwüren (mit Carbo oder adstringirenden Pfianzenpulvern)], Zahn- 
pulver, Augenpulver [1 : 4,5 Zucker], Schnupfpulver [1:2-5]; in Auf- 
lösungen: als Pinselsaft [2 0-5,0 zu 25,0 Saft], Mund- und Gurgelwasser 
[1,0-5,0 auf 100,0], zu Inhalationen in zerstäubter Form [s. S. 99], Kly- 
stiren und Injectionen [1,0-2,5 auf 100,0], Augenwässern [0,2-0.3 auf 25,0], 
Umschlägen und Waschungen [5,0-10,0 zu 100,0]; in Salben [1.0-2,0 auf 
25,0 Unguent. cer.], Augensalben [0,1-0,2 auf 10,0]. 

Aq. Foenicul. 90,0. 
MDS. Alle 6 Stunden einen Kinder- bis 
Esslöffel. [Potio aluminosa contra tus- 
sim convulsivam des Londoner Kinder- 
Hospitals.] Golding Bird. 



171. ty 

Alumin. crud. 
Sacch. alb. ana 1,0 
Pulv. Doweri 0.3. 

F. pulv. Div. in 5 part. aeq. 
1 Pulver. [Bei Hämoptoe.] 



D.S. 2 stdl. 
Skoda. 



172. 



Alum. crud. 
Amyli ana 0,3 
Sacch. 0,6. 
M. f. pulv. D. tal. dos. No. 6. D. S. 2 stdl. 
1 Pulver. [Bei Hämorrhagie.] 

Oppolzer. 



173. 



MDS. 



174. 



Alum. crud. 7,5 
Aq. dest. 120,0 
Acid. sulf. diiut. 0,5 
Olei Citri 0,05 
Syr. Citri 60,0. 

Stdl. 1 Esslöffel. [Bei Bleikolik.] 

Gendrin. 



MDS. 



Alumin. 4,0 

solve in 
Aq. Menth, pip. 100,0 

adde 
Tinct. Cinnam. 25,0 
Syr. Papaver. 50,0. 
1-2 stdl. 1-2 Esslöffel. 



trorrhagie.] 
175. 



[Bei Me- 
Plenck. 



Alumin. 1,5 
Extr. Conii 0,6 
Syr. Rhoead. 10,0 



176. fy 

Alumin. 5,0 

Aq. Salviae 200,0 

Tint. Pimpin. 15,0 

Syr. -Moror. 25,0. 
MDS. Gurgelwasser. [Bei Angina.] 

Vogt. 



177. ty 

Alumin. 1,0-1,25 
Zinci sulfuric. 0,3 
Aq. fönt. 150,0. 
D. S. Zur Einspritzung in die Harnröhre, 
4-5 mal täglich. [Bei Gonorrhoe, im 
Stadium starker Secretion.] Zeissl. 



178. fy 

Alumin. 4,0 
Vitelli ovi cocti unius 
Glycerini 2,0. 
M. f. unguent. 

[Eine sehr zweckmässige Composition, 
event. in Verbindung mit Opium, bei 
Frostbeulen, Eczem etc.] 

Heymann. 



171). fy 

Alumin. ust. 
Sacchar. lact. ana 5,0 
Morph, muriat. 0,01. 

In pulv. subt. red. D. in scatul. S. Zur 
Insufflation auf die Rachenschleimhaut. 

* Alumni ust um. Alumen spongiosum, Alumen calcinatum, Sulphas 
aluminico-kalicus, Sulphas Aluminiae et Lixiviae anhyder, Alumen cal- 
cinatum, Alum burnt s. dried, Alun brule s. calcine. Gebrannter 
Alaun. [10,0 pulv. 10 Pf.] 

Aeusserl ich: stärker zusammenziehend als der vorige. Als Streu- 
pulver zum Einstreuen bei Caro luxurians. Blutungen [in Verbindung mit 
Gummi Mimos.], Augenpulver, Schlund- und Kehlkopipulver. 

Aluminium arHinim seu Argilla acetica. Acetat of Aluminium, 
Ac6tate d' Alumine. Essigsaure Alaunerde, Essigsaure Thonerde. 

fy 171 -IT 1 .). 



158 Ammoniacum. 



Klare gelatinöse Flüssigkeit, von sehr styptischem Geschmack, mit Wasser 
mischbar, durch Wärme zersetzlich. [1,0 ca. 15 Pf.] — Durch Auflösen von 
Alumina pura in Acidum aceticum q. s. ex tempore zu bereiten. [Vergl. 
noch Liquor Aluminii acetici]. 

Innerlich 0,5-1,25 innerhalb 24 Stunden [bei atonischen Blutungen, 
Diarrhoe] in Solution mit Zusatz von Syrup. 

Aeusserlich zur Injection [0,4-1,0 auf 100,0] bei Tripper [wegen 
des unbestimmten Verhältnisses der Essigsäure, die leicht, im Ueberschusse vorhan- 
den, zu reizend wirkt, nicht zu empfehlen]. Zu Umschlägen und Fomentationen 
bei Fussgeschwüren, Herpes, übelriechenden Fuss- und Achselschweissen 
von Burotf • dringend empfohlen. Als Antisepticum zur Conservirung 
thierischer Theile. Als Verbandflüssigkeit besonders von der Freiburger 
Klinik (laass) empfohlen. 

Aluminium lljdratnni. Alumina hydrica pura, Argilla pura, Terra 
aluminis, Aluminium oxydatum. Thonerde- Hydrat, Aluminiumhydrat, 
Aluminiumhydroxyd. Reine Thon- oder Alaunerde. Weisses, feines 
Pulver, in Wasser unlöslich. [1,0 5 Pf.] Als Absorbens und gelindes 
Adstringens empfohlen. 

Innerlich 0,15-0,3-0,6 pro dosi, in Pulver; die Darreichung in 
Emulsionen, Schüttelmixturen u. s. w. ist unzweckmässig. 

Aeusserlich als Streupulver [bei Intertrigo, nässenden Ausschlägen 
u. dergl.]. 

^Aluminium sillfuricum. Alumina sulfurica. Aluminiumsulfat. 
Schwefelsaure Thonerde. Stärker styptisch als das Aluminium aceticum, 
milder als Alaun. [In neuester Zeit wieder von Curtis Smith als Desinficiens zu 
Einspritzungen bei Leucorrhoe, Ozaena u. s. w. empfohlen. — 10,0 20 Pf.] 

Dosis ungefähr wie Alaun. 

Aluminium chloratum. Aluminium- Chlorid. Von Gamgcc als 
Desinficiens empfohlen, in Lösung von etwa 3,0 in 1 Liter Wasser. Im 
Handel wird als Desinfectionsmittel für Latrinen, Stallungen, Schiffe etc. 
ein verunreinigtes Präparat unter dem Namen Chloralum verkauft. 

Alimioiiincuiii. Gummi-resina Ammoniacum. Ammoniacum depu- 
ratum. Gummi ammoniacum. Ammoniac. Gomme ammoniaque. Ammo- 
niakgummi. Persisches Ammoniakgummiharz. [Von Dorema Ammoniacum. 
— 10,0 20 Pf.]. 

Innerlich 0,3-1,0 mehrmals täglich, in Pillen [mit Seife und Pflanzen- 
pnlver], Emulsionen [Ammoniakmilch — am zweckmässigsten mit Eigelb: 
Ammoniaci 5,0 bis 10,0 auf Aq. 200,0 mit Vit. ovi 1]. 

Aeusserlich zu Pflastern [mit Essig, mamentlich mit Acetum Scillae 
(2 Th. Ammoniacum mit 1 Th. Acet. Scill.), eine beliebte Pflasteribrm, Evcr'scho 
Pflastermasse. 



180. K 

Ammoniaci 

Sapon. med. 

I;.i I. Elnei ana 5,0. 
1'. piltd. 100. Consp. Lycopod. I). S. 
3 mal täglich 6-8 Stück, 



181. fy 

Ammoniaci 
Extr. Helenii 
Extr. Polygal. amar. 
I'ulv. Bulb. Scill. ;m;i 4,0. 
F. pil. 120. Consp. Pnlv. Anis, stell. S. 
3mal täglich •! Stück. [Expectorans 
und Diureticum.] 



1^ ISO- 181. 



Ammonium carbonicum. 159 



182. Bf 183. Bf 

Ammoniaci 5,0-10,0 Ammoniaci 10,0 

Vitell. ovi unius Terebinth. laric. q. s. 

Aq. Foenic. 200,0 ut f. emplastrum. 

Liquor Ammon. Anis. 5,0 D. S. Die Pflastermasse wird dick auf 

Syr. Alth. 25,0. Leder gestrichen, aufgelegt und bis zum 

MDS. Umgeschüttelt, 2stdl. 1 Esslöffel. Reifen des Abscesses liegen gelassen. 

[Gegen Bubonen.] Kopp. 

I in in Olli II in broiliatiilll. Ammonium bro-mid. Brom- Ammonium. 
Weisses kristallinisches Pulver. In Wasser leicht, in Weingeist schwer 
löslich. Ist in neuester Zeit für die gleichen Indicationen wie Brom- 
kalium empfohlen [zumal gegen Epilepsie und Delirium tremens, in Verbindung 
mit Bromkalium (Brown-Sequarif, Witte)]. [1,0 2 Pf.] 

Innerlich, am besten in Lösungen, in gleichen Dosen wie Ka- 
lium bromatum. Beispiele: vergl. Kalium bromatum. 

Amnion hl in carboiiicum. Ammoniacum carbonicum, Ammonia 
carbonica, Ammonium carbonicum siccum, Ammonium subcarbonicum, 
Alkali volatile, Alkali volatile siccum, Sal Alkali volatile, Sal volatüe 
Ammoniaci, Carbonas Ammoniae alkalinus, Sesquicarbonas ammoniacus 
Ph. Norv., Carbonas ammoniacus. Carbonate of Ammonium. Smelling 
salt. Carbonate d'Ammoniaque. Ammonium- Carbonat. Kohlensaures 
Ammoniak. Flüchtiges Laugensalz. Reines Hirschhornsalz. [10,0 15 Pf.] 
Dichte, harte, durchscheinende, faserig krystallinische Masse von stark 
ammoniakalischem Geruch. In 4 Th. Wasser langsam, aber vollständig 
löslich. Cave: Säuren [mit Ausnahme bei Saturationen], saure Salze, Erd-, 
Metall- und Alkaloidsalze ; nur neutrale Kali- und Natronsalze dürfen 
ohne Furcht vor Zersetzimg hinzugefügt werden. — Bei der Erwärmung 
der Lösung verliert dieselbe einen grossen Theil ihrer Kohlensäure. [Vergl. 
noch Liquor Ammonii carbonici]. 

Innerlich 0,2-0,4-0,6 mehrmals täglich [in neuester Zeit namentlich 
wieder gegen Pneumonie, sowohl der Erwachsenen als der Kinder, gerühmt 
(Stierlin, Patton, Steven u. A.)]; in Pulver [in Charta cerata oder noch besser 
Capsul operculat. oder Capsulis amylaceis], Pillen [unzweckmässig, da viele 
organische Substanzen, deren man sich als Vehikel bedient, Säuren enthalten, welche 
die Kohlensäure austreiben und so die Pillen aufblähen], Auflösungen, Mix- 
turen und als Saturation [1 Th. Ammon. carbon. wird durch 14 Th. Acetum 
gesättigt]. 

Die angenehmste Form des Ammonium carbonicum für den inner- 
lichen Gebrauch ist die der Aqua Ammonii bicarbonici, welche in 
kleinen Flaschen von ca. 200,0 Inhalt [0,2 Ammon. carbon.] angefertigt 
wird. [1 Flasche etwa 30 Pf.]. 

Aeusserlich als Riechpulver, in Salben [1-3 Th. auf 10 Th.], 
Linimenten [wozu sich Liq. Ammon. caust. besser eignet], Waschwässern 
[1-2 auf 25; wo man Hautreiz hervorrufen will, eine concentrirtere Lösung]. 



184. Bf 

Ammon. carb. 0,5 
Camph. trit, 0,12 
Sacch. alb. 1,2. 
K. f. pulv. 1). tal. dos. NO. 12. D. in 
chart. cerat. S. Balbstündl. 1 Pulver. 
[Bei Cholera.] Aibera. 



185. Iy. 

Ammon. carb. 
Sacchari ana 5,0. 
M. f. pulv. Div. in 15 part. aeq. D. in 
capsul. operculat. S. Stdl. bis 2stdL 
eine Kapsel. 



Bf 182- 185. 



160 



Ammonium chloratum. 



ISP. ^ 

Ammonii carbon. 5,0 
Aq. dest. 250,0 
Syr. Papav. 50,0. 
D. S. Alle 10 Minuten einen Esslöffel voll. 
[Bei Anfällen von convulsiv. Asthma.] 

van Swieten. 



IST. Iy 

Ammon. carb. 2,5-5,0 

Aq. dest. 

Aq. Petroselini ana 100,0 

Syr. Alth. 50,0. 
MDS. 1-2 stell. 1 Esslöffel. [Bei Scharlacli- 
fieber und Hydrops scarlatinosus.] 



188. fy 

Ammonii carb. 
Marmor, ust. ana 10,0 
Mixt, oleos. bals. 5,0. 

D. in vitro epistom. vitr. claus. 
pulver. 



S. Riech- 



189. fy 

Ammonii carbon. 15,0 
Ol. Menth, pip. 
Ol. Cajeputi ana 0,5. 
M. f. pulv. D. S. Mit Weingeist zu be- 
feuchten, als Riechmittel. 

Köhler. 



V mm oiii um carboiiieum pyro- oleosum. Ammoniacum carboni- 
cum pyro -oleosum, Ammonia carbonica pyro -oleosa, Sal volatile Cornu 
cervi. Brenzliges kohlensaures Ammoniak, brenzliges Hirsch- 
hornsalz. [10,0 20 Pf.] Cave: wie beim vorigen. JVergl. auch Liquor Am- 
monii carbonici pyro-oieosi]. 

Innerlich 0,2-0,6 in denselben Formen wie das vorige [hat einen 
weit unangenehmeren Geschmack als Ammonium carbonicum. Wurde in neuester 
Zeit wieder von Lebert gegen die Pneumonie der Säufer besondcis warm empfohlen]. 

Aeusserlich wie Ammonium carbonicum. 

"Ammonium chloratum. Ammoniacum hydrochloratum, Ammonia 
hydrochlorica dep. , Chloret, ammonicum Ph. Norv., Ammonium hydro- 
chloricum dep., Flores Salis Ammoniaci simplices. Muriate of Ammonia. 
Chlorhydrate d'Ammoniaque. Ammonium chlorid. Salmiak. Chlor- 
ammonium. [10,0 5 Pf., subt. pulv. 10 Pf.] Weisse harte, faserig krystalli- 
nische Kuchen oder weisses färb- und geruchloses luftbeständiges Krystall- 
pulver. In 3 Th. Wasser leicht löslich. Cave: basische Salze der Al- 
kalien und Erden, Metallsalze [zumal Silber-, Quecksilberoxydul- und Bleisalze]. 

Innerlich zu 0,3-1,0 mehrmals täglich [viel grössere Dosen (bis 2,5 
pro dosi) sind gegen Drüsenverhärtungen (z. B. gegen Kropf von Stevens zu 0,6 Gr. 
3 Mal täglich) u. s. w. empfohlen und ohne Schaden gebraucht worden], als schleim- 
lösendes, Auswurf beförderndes Mittel in Pulvern, Pillen, Electuarien, 
Auflösungen. [Als bequeme portative Form sind Tabletten von 1 Salmiak mit 
8 Succ. Liquiritiae (Tablettes pectorales, Salmiak-Pastillen) oder Bacilli 
von Sncc. Liquiritiae mit Salmiak zu empfehlen. — In neuester Zeit ist Salmiak in 
Dosen von 0,(i-1.2 gegen Myalgien, Neuralgien, namentlich Hemicranie, auch 
gegen frische Fälle von Ischias, ferner als Emmenagogum empfohlen ( Anslie, Chol- 
mclcy)]. 

Aeusserlich zu Inhalationen [Gicseler Hess Salmiak in einem Por- 
zellantiegel, der durch eine Weingeistlampe erhitzt wird, im Krankenzimmer ver- 
flüchtigen; bei weitem vorzuziehen ist die Inhalation des Mittels in Form zerstäubter 
Lösung (vergl. den allgemeinen Theil S. 99)], zu Kicchpulvcrn [Salmiak mit 
gebranntem Kalk ana gemischt und mit Mixt, oleoso-balsam. befeuchtet], zu Streu- 
pulvern [Einstreuen von Salmiak in die Strümpfe als Volksmittel zur Hervorrufung 
von Fusschweissj. zu Pinselsäften [3,0-5.0 auf 25.0], Mund- und Gurgel- 
wässern [1,0t3,0 auf 100,0], J njeet Ionen. Klystieren, Augenwässern 
[0.25-0.5 auf 25, OJ, Waschu-ngen und Fomentationen [mit Wasser, Essig, 

fy 186-189. 



Ammonium ch ioratu M. 



161 



z. B. 1 Th. Salmiak, 8 Essig, 24 Wasser (Embrocatio frigida Ph. inil.), bei 



Drüsenanschwellungen, Quetschungen u. 
[1 zu 5-10]. 

190. $ 

Ammon. chlorat. 5,0 

Elaeosacch. Anisi 

Succ. Liquir. dep. pulv. ana 10,0. 

M. f. pulvis. D. S. Nach Bedürfniss 

messerspitzenweise trocken zu nehmen. 



191. 



$ 



Ammon. chlor. 5,0 

Pulv. Rad. Alth. 

Pulv. Rad. Liquir. ana 15,0 

Stib. sulfur. aurant. 0,G. 
D. S. 3-4 Mal täglich einen Theelöffel 
in einer kleinen Tasse Thee zu nehmen. 
[Bei Bronchialkatarrh.] Jul. Meyer. 



192. 



ly 



Opii pulv. 0,25 

Ammon. chlorat. 

Succ. Liquir. ana 3,0. 
M. f. pil. No. 50, consp. Pulv. Rad. Li- 
quir. D. S. 3-6 Pillen zweimal täglich 
Zu nehmen. 



193. 


$ 




Stibii sulfurat. aurant. 1,0 




Ammon. chlor. 




Extr. Dulcamar. ana 5 




Pulv. Rad. Liquir. q. s. 


ut f. 


pil. No. 100, consp. Pulv. Irid. flor 


D. 


S. Stündlich 2-3 Pillen. 


194. 


Iv 



M. f. 



Ammonii chlorat. 5,0 

Sacch. alb. 10,0 

Pulp. Prunor. 30,0. 

electuarium. D. S. Zweistündlich 



1 Theelöffel. 



195. 



D. S. 



19G. 



Ammon. chlor. 
Succ. Liquir. dep. ana 5,0 
Aq. q. s. ad 200,0. 
Stündlich einen Esslöffel. 

[Mixtura solvens.] 



Decoct. Rad. Alth. (7,5) 150,0 



s. w.], Salben und Linimenten 



MDS. 



Ammonii chlorat. 1 ,2 
Tinct. Opii simpl. 0,5 
Syr. Seneg. 15,0. 
2 stündlich 2 Esslöffel. 



Bronchialkatarrh.] 
197. Iv 



[Bei acutem 
Oppolzer. 



D. S. 



198. 



Tart. stib. 0,05 
Ammon. chlorat. 5,0 
Succ. Liquir. 10,0 
Aq. Foenicul. 150,0. 
Zweistündlich einen Esslöffel. 
[Mixtura solvens stibiata.] 



Iv 



Ammon. chlorat. 7,5 

Aq. Flor. Aurant. 150,0 

Syr. Amygd. 50,0. 
MDS. Zweistündlich einen Esslöffel. 

[Diese und ähnliche sogenannten ele- 
ganten Salmiak -Mixturen schmecken viel 
schlechter als die mit Succ. Liquirit., wes- 
halb die letzteren in den meisten Fällen 
vorzuziehen.] 



199. Iy 

Ammon. chlorat. 15,0 

Acet. aromatic. 

Aq. Flor. Chamom. ana 100,0 

Tinct. Arnicae 15,0. 
D. S. Zum Umschlag. [Bei Quetschungen.] 



200. Iy 

Ammon. chlorati 5,0 

Camphorae 1,0 

Adipis suilli 30,0. 
[Zum Einreiben bei scrophulösen Drüsen- 
anschwellungen.] Gueneau de Mussy. 



20 



I* 



Ammon. chlorati 10,0-20,0 

solve in 
Decoct. Sem. Papavcris 100,0 
Tinct. Opii simpl. 5,0. 
MDS. Zu Umschlägen. [Bei Anschwellun- 
gen der Mamma.] Gueneau de Mussy. 



Zu äusserlichen Zwecken kann man sich auch des etwas billigeren 
Ammonium chloratum crudum [30.0 15 Pf.] bedienen. 

"Ammonium chloratum fVrrahmi. Ammoniacum hydrochloratum 
ferratum, Ferro -Ammonia hydrochlorata, Ammonium muriaticum ferru- 
ginosum seu martiatum, Flores Salis 



Ammoniaci martiales, Ferrum am- 



Ewald and Simon. Arzneiverordnungslehre. LO. Auii. 



11 



\\- 190-201. 



162 



Ammonium citricum. 



moniatum, Ferrum ammoniacale, Hydrochloras ammonicus c. Sesqui- 
chloreto Ferri, Murias Ferri ammonicalis , Sal ammoniacum martiatnm. 
Ammoniated iron, Fleurs martiales ammoniacales. Eisensalmiak. Am- 
monium-Eisenchlorid. [10 15 Pf.] Rothgelbes, an der Luft feucht wer- 
dendes Pulver. Leicht in Wasser löslich. Cave: wie beim vorigen, 
ferner Gerbsäure, Spirituosa [welche bei Sonnenlicht reducirend auf das Eisen- 
chlorid wirken]. 

Innerlich 0,3-0,5-1,0 mehrmals täglich, in Pulvern [unzweckmässig, 
weil das Mittel leicht Feuchtigkeit aus der Luft anzieht], in Pillen, am besten 
in Auflösungen und Mixturen [2,0-5,0 auf 100,0]. 



202. Iy 

Ammon. chlorat. ferrat. 2,0 
Chin. sulf. 2,5 
Extr. Aloes 1,25 
Succ. Liquir. dep. q. s. 
ut f. pil. 60, consp. Lycop. D. S. 3 Mal 
täglich 4-6 Pillen zu nehmen. 

Frerichs. 



203. 



I* 



Ammon. chlorat. ferrat. pulv. 
Aluminis ana 1,0 
Pulv. aromat. 2,0 
Ol. Cassiae Cinnamom. 0,2 
Extr. Chin. spirit. q. s. 
ut f. pil. 40. Consp. Pulv. Cass. Cinnam. 
D. in vitro. S. Früh und Abends 5 Stück. 
[Bei habitueller Metrorrhagia atonica.] 

Formey. 



204. Iy 

Ammon. chlorat. ferrat. 
Gaibani ana 3,0 
Asae foetid. 6,0 
Castorei Canad. 1,0. 
M. f. pil. No. 100. Consp. Lycop. D. 
S. 3-5 Pillen Morgens und Abends zu 
nehmen. [Bei Herzklopfen Chlorotischer.] 

Behrends. 



205. 



Iy 



Ammon. chlor, ferrati 5,0 
Rad. Ipecacuanh. pulv. 
Extr. Hyoscyami ana 0,5 
Succi Liquir. dep. q. s. 
ut f. pil. No. 100. Consp. Pulv. Rad. 
Liquir. D. S. Dreistündlich 6 Pillen. 
[Bei Bronchialkatarrhen Chlorotischer.] 



Ammonium citricum. Citras ammonii. Ammoniumeitrat. Ci- 
tronensaures Ammoniak. 

Innerlich in flüssiger Form durch Saturation von Ammon. carb. 
mit Succi Citri oder Acid. citric, in gleicher Dosis wie Ammon. carb. 
[Bietet keine Voitheile vor dem Liq. Ammon. acet.] 

Ammonium jodatum. Ammoniacum hydro-jodicum, Joduretum 
Ammonii. Jodammonium. Weisses, krystallinisches Pulver, in Wasser 
leicht löslich, aber sehr zersetzlieh. [1,0 10 Pf.] 

Innerlich 0,1-0,25-0,6 in Solution [mit Zusatz von einigen Tropfen 
Liq. Ammon. anisat. und starkem Zusatz von einfachem Syrup, beides um die Zer- 
setzbarkeit zu vermindern. Von Oambcrini als schnell wirkendes Antisyphiliticum 
innerlich und äusserlich empfohlen. Desgleichen von Waring - Currau dringend 
empfohlen, namentlich bei beginnender Struma, Scrofulosis, Milztumoren, indem be- 
hauptet wird, dass es sicherer als Jodkalium wirkt]. 

Aeusserlich in Salben form [1,0 auf 25,0 Fett]; besser ex tempore 
bereitet, indem man 1 Jodkali mit <S Amnion, chlorat. in einem Kissen 
auf die zu vertheilende Geschwulst auflegt (Breslau). 



206. 



MDS. 



Ammonii jodat. 3,0 

\q. deetill 100,0 

Liq. Ammonii anisat. 0,25 
Syr. simpl. 50,0 
Sstündlioh 1 Esslöffel voll. 

Iy 202-207. 



'201. Iy 

\mmon. jodat. 0,15 
Ol. Olivar. 25,0. 
I). S. Zur Einreibung. [Bei syphiliti- 
schen nächtlichen Muskel- und Gclcnk- 
schmerzen.] Gamberini. 



Ammonium nitricard. \(V,\ 



Amnioiiilllil iiitricum. Nitrum flammans. Nitras Ammonii. Am- 
monium niirat. Ammoniumnitrat. Salpetersaures Ammoniak. Kri- 
stallinisches, in Wasser leicht lösliches Salz. [10,0 15 Pf.] 

Innerlich: 0,5-1,5. Am besten durch Saturation mit Acid. nitr. — 
In seiner Wirkung wenig ; geprüft. 

208. ty 

Ammon. carb. dep. 6,0 

Acidi nitrici q. s. ad satur. 
adde 

Aq. Amygd. amar. dilut. 100,0 

Syr. Rub. Id. 25,0. 
MDS. 2stündl. einen Esslöffel. Hankel. 

Ammonium phosphoricum. Ammoniacum phosphoricum. Am- 
monia phosphorica. Ammoniumphosphat. Phosphorsaures Ammo- 
niak. Krystallinisches, leicht lösliches Salz. [10,0 20 Pf.] 

Innerlich: 0,5-2,0 dreimal täglich in Lösung. 

209. fy. 

Ammonii phosphor. 25,0 
Aq. dest. 150,0 
Syr. Asparagi 25,0 
MDS. 2-3 mal täglich einen Esslöffel. [Bei acuter Gicht, Gelenkrheumatismus, 
harnsaurer lithischer Diathese.] Buckler. t 

Ammonium picrinicum seu picronitricum. Pikr insaures Am- 
moniak. Als Chininsurrogat von Diijardiii-lleaumctz und bei Intermittens 
von Snider und Fairlautl in Gaben von 0,01-0,05, 2-3 Mal täglich em- 
pfohlen, zu 0,02 pr. dos. [Vorsicht im Steigen! Die höchste bisher angewandte 
Tagesdosis war 0,5. Nach Versuchen an Thieren ist das Mittel ein energisches Herz- 
gift (Parisei). — Auch aus äusseren Gründen sei man mit der Verordnung und der 
Aufbewahrung des Mittels vorsichtig, da es leicht explodirt!] 

Ammonium sulfuricum, Sal secretum Glauberi. Ammonium- 
sulfat. Schwefelsaures Ammoniak. [Wie Ammon. phosphoricum.] 

Ammonium tartarictini. Tartras Ammonii. Ammoniumtartrat. 

Weinsteinsaures Ammoniak. Durch Sättigung von kohlensaurem Ammo- 
niak mit Weinsteinsäure dargestellt. 

Analog dem essigsaurem Ammoniak und ohne Vorzug vor demselben. 

Ammonium uricuill. Uras Ammonii. Amnion in mural Harn- 
saures Ammoniak. Weisses Pulver, in Wasser schwer löslich. [1,0 15 Pf.] 

Aeusserlich: in Salben [1 auf 15-20 Ungt. cerat.]; gegen Eczema, 
Impetigo und — Lungenschwindsucht (!) von Baur empfohlen [in der Praxis 
vollständig unbewährt]. 

Ammonium valmaiiinmi, Valerianas A ramon ii. B ald r i an - 

saures Ammoniak. [Dargestellt durch Sättigen von Baldriansäure und kohlen- 
saurem Ammoniak; dieser giebt eine syrupsdicke Flüssigkeit (aus der sich in der 
Kälte kleine Krystalle absetzen), die einen starken Geruch sowohl von Baldrian säure 
wie von Ammoniak bieten. Das Präparat ist ungenau, da es fortwährend Ammoniak 
entweichen lässt; — zweckmässiger wäre es vielleicht, statt dieses Mittels jedesmal 
eine bestimmte Quantität Baldriansänre mit Liquor Ammonii caust. vorzuschreiben» 
1,0 etwa 15 Pf.]. 

11* 
fy 208-209. -» 



164 Amvg-dalae dulces. 



Innerlich zu 0.1-0,3 pro dosi, 1,0-4,0 pro die in Lösung [von 
Frerichs, zugleich mit Extractum Belladonnae, gegen Neuralgia plexus hepatici und 
Cardialgie gereicht, in neuerer Zeit auch in Frankreich gegen Neuralgie gerühmt. 
Oettiuger empfiehlt das Mittel gegen die asiatische Cholera; er verordnet: 

210. fy 

Aramon. valerianici 2,5 

Aq. dest. 150,0 

Syr. Sacclv 25,0. 
MDS. l / 2 - l 4 stündl. einen Esslöffel. 

und lässt diese Mischung mit Ausschluss aller anderen Medicamente 2- 3 mal des Tages, 
nach eingetretener Reaciion in grösseren Zwischenräumen, im ganzen 4-6 Mal brauchen; 
dabei äusserlich Eisabreibungen, alternirend mit heissen Frottirungen , ein Bad mit 
30.0-50.0 Kali causticum, zum Getränk Eis- und Selterwasser; von Wiener Beob- 
achtern vollständig unbewährt gefunden]. 

*Amygdalae amarae. Semen Amygdali amarum. Bitter Alrnonds. 
Amandes ameres. Bittere Mandeln. [Hauptbestandteile: Araygdalin, 
fettes Oel, Emulsin; man verordnet fast nur Amygd. excorticatae . da die Schalen 
das Präparat unansehnlich machen. — 10,0 9 Pf., excort. 10 Pf.] 

Innerlich selten anders angewendet, als um der Süssmandel-Emul- 
sion einen angenehmen Geschmack zu ertheilen, etwa 1 Amygdal. amar. 
zu 10-25 Amygdal. dulc. [Gegen Wechselfieber dürfte heut zu Tage schwerlich 
ein Arzt noch zu bitteren Mandeln in Substanz (3 Mal täglich 7-8) seine Zuflucht 
nehmen.] 

Aeusserlich zu cosmetischen Pulvern und Pasten [die beim 
Gebrauche mit dem Waschwasser eine Emulsion bilden]. 

211. fy 

Amygd. amar. excort. 25,0 
subtilissime tritis adde 

Benzoes pulv. 

Gummi arab. 

Boracis ana 5,0 

Rhiz. Irid. florent. 50,0. 
M. f. pulv. D. S. Waschpulver. 

[Da das feine Zerstossen der ölhaltigen Mandeln zwar möglich, jedoch höchst 
schwierig ist, bedient man sich meist der Mandelkleie, welche das Aromatische der 
bitteren Mandeln ohne das fette Oel derselben besitzt; vergi. Furfur Amygdal.] 

*Amyg(laIac dulces. Semen Amygdali dulce. Sweet Alrnonds. 
Amandes douces. Süsse Mandeln. [Hauptbestandteile: Emulsin und fettes 
Oel; werden ebenfalls meist als excorticatae verordnet. — 10.0 9 Pf. exeortic. lOPf.] 

Innerlich in Emulsion [Emulsio amygdalina, Emuls. comm. Ph. milit., 
Alrnonds milk, Orgeat]. Die Emulsion wird entweder als selbständiges 
Arzneimittel oder als Vehikel anderer Arzneistoffe gegeben; in letzterer 
Beziehung sei man jedoch vorsichtig, da die Emulsion nur neutrale Zu- 
sätze verträgt. In der Kegel nimmt man 10, 0-'20,0 süsser und 1,0-2,0 
bitterer Mandeln auf 100,0 Emulsion [statt der bitteren Mandeln ist es oft 
zweckmässiger der Emulsion Aq. Amygdalarum amararum, etwa 2.0 auf 100,0, zu- 
zusetzen, «leren arzneiliche Wirkung bei der geringen Quantität nicht in Betracht 
kommen kann]. — Zur Versüssung der Emulsion: Zucker [5,0-15,0 auf 100 0] 
oder Syrup [Syr. Amygdal., Syr. simpl., Syr. Alth.; Cave Fruchtsyrup]. Um 
die Emulsion noch schleimiger zu machen, kann man etwas Gummi Arab. 

JW fy 210-211. 



Amvsrdalinum. lf>5 



[2.0-5.0 auf 100 0] zusetzen. [Wenn für die Emulsion kein besonderes Zahlen- 
verhältniss angegeben wird, so soll nach der Ph. Germ. ed. I. aus 1 Th. Amygdal. 
10 Colatur bereitet werden.] 

Zur schnellen Bereitung einer Mandel -Emulsion kann man sich 
allenfalls des Syr. Amygdal. bedienen, indem man denselben mit Wasser 
[1 Syr. zu 5-6 Aq. destill, oder Aq. Amygdal. amar. dilut.] verdünnt; doch 
schmeckt dieses Surrogat der Emulsion so süss, dass es namentlich er- 
wachsene Kranke leicht anwidert. — Mit guter trockener Orgeade 
[in den meisten Fällen findet man das Präparat etwas ranzig] kann man eine 
recht angenehme Emulsion extemporiren. 

212. ty 

Amygd. dulc. excort. 50,0 
f. 1. a. 



Emulsio Colat. 500,0 

adde 
Syr. Alth. 50,0 
Aq. Amygd. amar. 5,0. 
MDS. Stündl. eine halbe Tasse 



213. ty 

Amygdal. dulc. 25,0 
Amygdal. amar. 5,0 
F. Emulsio 200,0 
in Colatura solve 
Natr. nitr. 5,0 
Gummi Arab. 5,0 
Sacchari albi 10,0 
MDS. 2 stündl. einen Esslöffel. 

Amygdalilllim. Amygdalina. Amygdal in. [Krystallinischer Be- 
standteil der bitteren Mandeln, welcher sich in Berührung mit Emulsin und Wasser 
in Bittermandelöl und Blausäure zersetzt, und zwar in den Verhältnissen, dass 1.0 
Amygdalin 0,06 Blausäure und 0.5 Bittermandelöl ergeben; es würde also Amygdalin 
1,0 etwa 60,0 Aq. Amygdal. amar. gleichkommen. — 0,1 3 Pf.] Die Anwendung 
des Amygdalins hat wegen der zu kleinen Gaben, für die man immer 
die Emulsion frisch bereiten musste, wenig Eingang gefunden: man 
müsste z. B., um 10,0 Aq. Amygdal. amar. zu ersetzen, 0,16 Amygdalin 
in Emuls. amygdal. auflösen. 

*Amylium nitrosiim. Die officinelle Bezeichnung der Ph, germ. ed. IL 

für das Amylnitrit. Siehe Aether amylicus nitrosus. 

\m\ IllMI. [Die Ph. Germ, und Austr. bestimmen ausdrücklich Amylum 
Tritici (vergl. unten), während die Ph. Bor. Ed. IV. sich auch gegen die Kartoffel- 
stärke duldsam verhielt.] Stärke. S. Amylum Tritici. 

Vmvhim jodatum. Joduretum Amyli. Jod Stärkemehl. [Dunkel- 
blaues Pulver, dessen Löslichkeitsverhältnisse wie die des Amylum; bereitet aus 
1 Th. Jod und 60 Th. Amylum. — 5,0 etwa 10 Pf.] Nach vielen Autoren 
((luesneville) ein wirksames und leicht erträgliches Jod-Präparat. 

Innerlich: 0,5-2,5 2-3 Mal täglich in Pulvern. 

Amylum Harantac. Arrow- root. Pfeilwurzstärke. [10,0 5 Pf.] 
Das Stärkemehl der Maranta arundinacea oder Maranta indica; in neuerer 
Zeit vielfach als Ernährungsmittel für schwache Kinder in Gebrauch ge- 
kommen, kaum aber in der Wirkung von der des gewöhnlichen Stärke- 
mehls unterschieden. Die industrielle Speculation hat sich dieses Gegen- 
standes bemächtigt und eine Anzahl sogenannter Kraftmehlarten einge- 
führt, die in der Regel nichts anderes sind als Mischungen des eben er- 
wähnten Stärkemehls mit Kartoffel- und Weizenstärke, Zucker, Choko- 
lade, Kaffee u. s. w. Hierher gehören z. 13. das Racahout des Arabes 
[Amylum Marantao mit Chokolade], die Co Ca [Amylum Marantae, Choliolade und 
Kaffee], Revalenta, Ervalenta, Arvalenta u. s. w. [Mehl von ver- 
schiedenen Hülsenfrüchten mit Zucker und Currie-powder.] Cassawa-Mehl, 

ly 212-213. 



1 H6 Araylum Tritici. 



Tapioca und Tampico sind Stärkemehlarten von anderen exotischen 
Pflanzen [Jatropha Manihot, Curcuma angustifolia u. s. w.], die aber ebenfalls 
die Verbindung mit der ehrlichen heimischen Kartoffelstärke nicht scheuen. 
Am besten thut man daher, alle diese theuren Nahrungsmittel, trotz der 
pomphaften Anpreisungen, mit denen sie in die Welt gesendet werden, 
bei Seite zu lassen, da sie mehr oder weniger Producte einer gewinn- 
süchtigen Industrie sind und keine Vortheile für die Ernährung bieten 
[vergl. Farina leguminosa und Farina pro infantibus]. 

*Aliiyliil!l Tritici. Triticum vulgare Villars. Starch. Amydon. 
Weizenstärke. Stärke, Stärke- und Kraftmehl. [100,0 30 Pf.] In 
Weingeist und kaltem Wasser unlöslich, mit heissem Wasser Kleister 
bildend, der dann mit kaltem Wasser in jedem Verhältnisse mischbar ist. 

Innerlich: als Constituens für Pulver, als Mucilago [1,0 giebt 
mit etwas kaltem Wasser zu einem Brei angerührt, mit 150,0 heissem Wasser eine 
stark schleimige Flüssigkeit; bei grösserer Quantität des Amylum erhält man steife 
Gallerte. — Beide Formen sind mit Recht nicht beliebt, da sie den meisten Kranken 
widerlich erscheinen], als Conspergens bei Pillen. Auch als Nahrungs- 
mittel bei Gastrointestmal-Catarrhen empfohlen (L. Lehmann). [Die reine 
Stärke kann für sich allein die Nahrung nicht ersetzen ; dagegen vermögen gewisse 
Pflanzennahrungsmittel, welche Stärke zwar als Hauptbestandtheil, dagegen auch 
stickstoffhaltige Körper, wenn auch nur in geringer Quantität besitzen, wie Hafer- 
schleim, Reis, Roggen, Gerste, Weizen u. s. w., das Leben längere Zeit hindurch zu 
unterhalten. Der Gebrauch derselben als alleiniges Nahrungsmittel ist namentlich 
bei den Brechdurchfällen der Kinder häufig empfehlenswerth.] 

Aeusserlich als Streupulver bei Intertrigo, wegen der erfolgen- 
den Kleister- und Säurebildung unzweckmässig, bei Blutungen [mit styp- 
tischen Substanzen vermischt, doch — besser diese letzteren allein], als Zusatz zu 
Waschpulvern [besser durch feines Weizenmehl zu ersetzen, dessen Kleber- 
gehalt die Haut angenehmer berührt, als das hartkörnige Amylum], zuKlystieren 
[1-2 TheelöfTel Stärke zum Clysma, mit etwas kaltem Wasser angerührt, dann mit 
etwa V 2 -l Tasse voll kochenden Wassers aufgequollen]. 



214. Iy 

Sapon. hisp. alb. pulv. 100,0 

Amyli Trit. 50,0 

Rhiz. Irid. flor. pulv. 25,0 

Ol. Bergamott. 

Ol. de Cedro 



Ol. Lavandul. ana 1,0 
Balsam. Peruviani 0,4 
M. f. pulv. D. in scatula. S. Wasch- 
pulver. 

Sapo aroin. pro balneo (ehemals 
offlcinell). 



Aliiliiiiim siilfiiriniiii. Schwefelsaures Anilin. [Farblose Kry- 
stalle, welche aus der Behandlung des Anilins oder Phenylamins (eines Products der 
Krystallisation aus dem Steinkohlentheer) mit Schwefelsäure resultiren, in Wasser 
leicht löslich sind und an der Luft eine schwach rosenrothe Färbung annehmen. — 
1 etwa 10 Pf.] 

[nnerlich zu 0,05-0,1-0,12, 2-3 Mal täglich in Pulver, Pillen 
oder Solution (Cave Licht). [Gegen Chorea von Tiiriilmll gerühmt, gegen 
Epilepsie von WinlgradoWj von Dräsche ohne jeden Erfolg verwendet.] 

\iiilir;irih's. Steinkohle. [Hauptbestandtheil Kohle, ausserdem Bei- 
mischungen von Eisen, Schwefel, Mangan, Jod u. s. w. — Um diese anorgani- 
schen Beimischungen als therapeutisches Agens zu verwerthon, empfahl Dyes die 
Steinkohle innerlich (1,0-2,0 pro die, fein gepulvert als Latwerge mit Pulpa pru- 

m~ lv 214. 



Anthracokali. IGT 



norum oder Mellago graminis, oder in Pillen form mit Fei Tauri inspiss., Extr. Rhei, 
Valerianae, Quassiae u. a.) als Ersatzmittel der Mineralquellen, welche • dieselben 
Bestandtheile enthalten, zu reichen. Die naturgemäss ganz ungenaue Dosirung des 
Eisens etc. sollte von der Anwendung des Mittels abhalten. 

Aittliracokali. Lithanthracokali. Steinkohlenkali. Alkoholi- 
sirte Steinkohle 5 mit schmelzendem Kalihydrat 7 gemischt. Ein 
schwarzes, zartes, stark abfärbendes, stark alkalisch reagirendes Pulver 
von bituminösem Geruch, in Wasser zum grossen Theil löslich. [1,0 etwa 
5 Pf.] Cave: Säuren, Metall-, Erd- und Alkaloidsalze. 

Innerlich zu 0.1-0,5 3-4 Mal täglich in Pulver, Pillen [mit 
Extr. Dulcamarae], Auflösungen [0 5-0.15 auf 150,0]. Gegen inveterirte 
Hautausschläge als Specificum empfohlen (Polya), aber durch zahlreiche 
spätere Versuche als unwirksam erwiesen. 

Aeusserlich in Salben [1 auf 25-30 Fett] bei chronischen Exan- 
themen (Gilbert) 

Anthracokali siilfuratuin. 7 Th. Kali, 5 Th Steinkohle, 4 Th. 
Schwefel. Dieselben Löslichkeitsverhältnisse und Cautelen, wie beim 
einfachen Anthracokali. [1,0 etwa 5 Pf.] 

*Aiiti<lotuiil Arsenici. Gegengift der arsenigen Säure. 100 Th. 
Ferrisulfatlösung [Liq. ferr. sulfur. oxydat.] mit 250 Th. Wasser vermischt 
und dieser Flüssigkeit alsdann unter Umschütteln und möglichster Ver- 
meidung der Erwärmung eine Mischung aus 15 Th. gebrannte Magnesia 
und 250 Th. Wasser hinzugefügt. Eine braune Schüttelmixtur, welche 
zum Gebrauch jedesmal frisch zu bereiten ist. Es müssen zu diesem 
Zweck mindestens 500 Gr. der Eisenlösung und 150 Gr. gebrannte Mag- 
nesia jederzeit vorräthig gehalten werden. — Die Magnesia zersetzt das 
Eisenoxyd und es scheidet sich Eisenoxydhydrat ab, welches mit der ar- 
senigen Säure eine schwer lösliche Verbindung bildet. Das Eisenoxyd- 
hydrat verbindet sich aber nur im frischen Zustande mit der arsenigen 
Säure, daher muss das Antidot für den Gebrauch jedesmal frisch und 
möglichst rasch bereitet werden. 

Innerlich theelöffel- bis esslöffel weise [pure], V4-V2 stündlich. 

Alitimoiiiuiii und dessen Präparate s. Stibium. 

Apioluill« Apiol. [Grünliche oder gelbliche, ölige, stark nach Petersilie 
riechende und stechend scharf schmeckende Flüssigkeit, welche aus den Semina 
Petroselini durch Digestion mit Aether gewonnen wird]. Löslich in Alcohol und 
Aether. [1,0 etwa 30 Pf.] 

Innerlich zu 0,25-0,5-1,0 pro die, ausschliesslich in Gallertkapseln 
ZU 0.25. [Von Jorct und llomollc enthusiastisch gegen Wechselfieber , von De- 
lorni gegen Nachtschweisse der Phthisiker gerühmt, jedoch bei späterer Prüfung 
nicht bestätigt.] 

A|)Oliiorplliniiiii. Apomorphia. Emeticomorphin. Apomorphin. 

[Amorphes oder lcrystallinisch.es, Weisses oder graugrünliches Pulver; in Wasser, 

nders bei 'Zusatz von etwas Salzsäure, leicht löslich. Die wässerigen Lösungen 

werden beim Stellen grün.] Wirkt wie das folgende Präparat, welches thera- 
peutisch für gewöhnlich vorgezogen wird. 

Vpomorpliiiiiiin Imlrocliloriniui. A pomorphinhydrochlorat. 



168 



Apomorphinum hydrochloricum. 



Salzsaures Apomorphin. [Dargestellt durch Einwirkung concentrirter Salzsäure 
auf Morphinum hydrochloricum bei hoher Temperatur. Leicht in Wasser lösliches, 
krystallinisches Pulver, wird in Lösung grünlich.] Wirkt nach neueren Unter- 
suchungen von Gec, Picrce, Siebert, Riegel, Böhm u. a. als ein energisches 
Emeticum. Sowohl innerlich genommen als subcutan injicirt, entfaltet 
es meist sehr schnell, mindestens innerhalb 10-20 Minuten, eine sichere 
brechenerregende Wirkung, ohne local den Digestionstractus anzugreifen, 
noch bemerkenswerthe Allgemeinerscheinungen hervorzurufen. [0,1 60 Pf.] 

Ad 0,01 pr. dos.! ad 0,05 pr. die.! Gee empfiehlt innerlich 0,012! 
pro dosi, zur subcutanen Injection 0,006-0,01 ; ähnlich Sicbert, Riegel und 
Böhm. S.* im allgem. Theil. Bei Vergiftungen, zumal mit narcotischen 
Substanzen, wo die Einführung der Magensonde Schwierigkeiten macht. 
Bei Laryngitis crouposa, auch Pneumonie empfohlen. Doch hat uns 
(Ewald) das Mittel in letzterem Fall meist im Stich gelassen. Im Durch- 
schnitt ist etwa 0,01 pro dosi innerlich als Emeticum zu reichen. In 
neuester Zeit ist Apomorph. hydrochlor. auch als Expectorans [bei 
heftigen Bronchialkatarrhen, Asthma, Pneumonie] innerlich mit Vortheil benutzt 
worden und zwar zu 0,001-0,005 pro dosi (Fronmiiller, Fricilreieh , Jurasz 
und Rossbach). Letzterer empfiehlt es in Verbindung mit Morphium, um 
die Häufigkeit des Hustens zu verringern und den Schleim gleichzeitig 
dünnflüssiger und expectorirbarer zu machen. Auch zum Coupiren epi- 
leptischer Anfälle von Tauender empfohlen. Bei jeder Aura soll V 4 Pra- 
raz'sche Spritze einer Lösung von 0,1 : 10,0 injicirt werden. 0,001 bis 
zu 0,02! Kindern etwa den vierten Theil. Ebenso hat Fereol während der 
Aura des epileptischen Anfalls 2-3 Mgr. an der Stelle, wo sich selbige be- 
merklich machte, mit angeblich jedesmaliger Coupirung der Anfälle injicirt. 

Die innerliche Darreichung geschieht in Pulvern, Pillen, Lö- 
sungen. 

Subcutan ist eine einprocentige Lösung als Emeticum zu empfehlen. 
[Vergl. S. 81.] 



215. fy 

Apomorph. hydrochlor. cryst. 0,01 
Sacchar. alb. 0,5. 
M. F. pulvis. Dispens, tal. dos. No. 5. 
D. S. Viertelstündl. ein Pulver bis zum 
Erbrechen. 



0,05 



216. l v 

\ pomorphini hydrochl. cryst. 
Rad. Liquir. pulv. 
Succ. Liquir. dcp. ana 3,0. 
M. F. pilul. No. 50. Consp. Lycopod. 
h. S. l-2stündT. 1-3 Pillen (und mehr) 
zunehmen. [Als Expectorans.] Jurasz. 



217. K' 

apomorphin] hydrochlor. cryst. 

0,01 -0,2 (!) 
\.|. dest. 120,0 
\ f- i < I . hydrochlor. 0,25 
Syr. sirapl. 30,0. 



MDS. l-2stündl. einen Esslöffel. [Ex- 
pectorans. Die grossen Dosen wirken 
leicht als Emeticum.) Jurasz. 



218. 



^ 



Morph, hydrochlor. 0,03 
Apomorph. hydrochlor. 0,03-0,06 
Acid. hydrochlor. dilut. 0,5 
Ar,. 150,0. 
M. d. i. vitro, nigro. S. 2-4stündl. 1 Ess- 
löffel. Rossbach. 



219. ty 

Apomorphin i hydrochlor. 0,01 

solve in 
\<\. dest. 15,0 
Syr. Altliaeac 10,0. 
MDS. Stündlich 20 Tropfen. Expectorans 
bei Kindern. ThcclüfTclweise als Brech- 
mittel bei Kindern. 



\<jii;i Vimiioiiii hirarboniri. Doppeltkohlensaures Ammo- 
niakwasser. S. Ammonium oarbonicum. 



fy 215-219. 



Aq 



ua Amygdalarum amararura. 



169 



*Aqua Amjgdalaniiii aiitararum. Bittermandelwasser. [12 Th. 

bittere Mandeln werden, nachdem ihnen durch Pressen das fette Oel entzogen worden, 
mit 80 Th. Wasser und 1 Th. Spiritus 12 Stunden ausgezogen und lOTh. eines schwach 
weingeistigen Wassers abdestillirt. — 1000 Bittermandelwasser sollen 1 Th. wasser- 
freier Blausäure enthalten. Die Aq. Amygdal. amar. concentr. der Ph. Austr. ist viel 
schwächer, 1000 Th. enthalten nur 0,6 Blausäure]. Cave, wie bei Acid. hydro- 
cyanic. : Alkalien, Chlorwasser, Salpetersäure, Metallsalze. [10,0 15 Pf.] 

Innerlich zu 0,5-1,0-2,0 [ad 2,0 pro dosi! ad 8 pro die!] mehrmals 
täglich pur in Tropfen [10-20 40 (!) pro dosi] oder mit Wasser und Syrup 
verdünnt, in Mixturen [2,0-10,0 auf 100,0]. 

Aeusserlich in Dampfform [von erwärmtem Sande, auf den Aq. Amygd. 
amar. gegossen, einzuathmen; nicht zu empfehlen, eher als Zusatz zur Inhalation 
zerstäubter Lösungen vergl. p. 99], Kly stieren [0,5-2,0 ad clysma], Ein- 
spritzungen [selten, stark verdünnt], Augenwässern [zur Lösung von Sal- 
zen wie Salmiak, Chlorbaryum u. s. w.], Waschungen [pur bei Pruritus puden- 
dorum, reizt aber, statt zu sediren; mit Wasser verdünnt und Watte damit ge- 
tränkt: bei Neuralgien — wirkungslos], Bädern [100,0-120,0 zum Bade — un- 
nütz, theuer!]. 



220. Iy 

Aq. Amvgd. amar. 2,0 

Aq. Flor. Aurant. 100,0 

Syr. Alth. '25,0. 
MDS. Stündlich einen Esslöffel. [Bei 
Keuchhusten.] Wendt. 



221. ty 

Aq. Amygdal. amar. 3,0-6,0 
Natr. bicarbon. 1,0 
Emulsionis Amygdal. 50,0 
D. S. Gstündl 1 Theelöffel. Für ein 
9 monatliches Kind. [Bei Keuchhusten.] 

West. 



222 



D.S. 2 stündl. 5-15 Tropfen. [Bei Neur- 
algien, Krampfhusten u. s. w.] 



223. hy 

Aq. Amygd. amar. 

Liq. Ammon. anis. ana 12,5 

Aq. Flor. Aurant. 150,0 

Mucil. Gummi Arab. 25,0. 
MDS. Stündlich einen Esslöffel. [Bei 



Cholera.] 



Gebel. 



224. Iy 

Aq. Amygd. amar. 

- Plumbi Goulardi ana 60,0 

- Rosarum 90,0. 
fy MDS. Aeusserlich zum Bähen oder Waschen 

Extr. Hyoseyami 0,5 [Oertliches Sedativum.] 

Vq. Amygd. amar. 10,0. Liquor anterethicus Hufelandi. 

Aqua aiiiygflalarimi aiitararuiti diluta. Aqua Cerasorum. Aqua 
Cerasorum amygdalata. Kirschwasser. [Aqua Amygdalar. amar. 1, Aq. 
dest. 19. — Die Aqua Amygdal. amar. diluta Ph. Austr. besteht aus 1 Aqua Amygdal. 
amar. concentr. Ph. Austr. und 11 Wasser, ist demnach genau so stark, wie die unsere. 
Vergl. Aq. Amygdal. amar. — 100,0 15 Pf.] 

Innerlich: 1 Theelöffel bis zu 1 Esslöffel voll mehrere Male täg- 
lich, pure, oder als Zusatz oder Excipiens von Arzneien. 

Aqua Allisi. [Destillat aus den Sem. Anisi vulgär. — 100,0 etwa 10 Pf.] 
Zusatz zu expectorirenden Mixturen. 

Aqua antimiasmatiea Köchliiii. Starke Verdünnung [1:80] des 
Cupr. chlor, ammoniat. [Vergl. diesen. — 100,0 etwa 20 Pf.] 



Als 
Lio 



chlor, ammoniat. 
Aqua aroutatica. Aqua aromatica spirituosa Ph. Austr. Aqua ce- 
phalea. Aqua s. Balsamum Embryonum. Schlagwasser. [Der curiose 

"Name Hals. Embryon. , der besonders In Oesterreich noch gang und gebe ist, rührt 
von dem mehrfach empfohlenen äusserlichen Grebraueh des Mittels als Einreibung in 
die Bauchhaut bei zum Abortus neigenden Schwangeren her. — Von 2 Pfund ver- 



E$ 220-221. *qp| 



170 Aqua Asae foetidae. 



schieden er aromatischer Stoffe 12 Pfund geistig-wässerigen Destillats — trübe, stark 
aromatisch riechend. — 100,0 35 Pf.] 

Aqua Asae foetidae. Asantwasser. [l : 16 Wasser. — io ; etwa 
5 Pf.] Wie die folgende. 

Aqua Asae foetidae composita. Prager Wasser. Siehe: Aqua 
foetida antihysterica. 

Aqua caerulea s. coerulea s. saphirina s. coelestis. [Cuprum limat. l, 

Salmiak 2 mit Kalkwasser 50 und 380 destillirten Wassers macerirt und filtrirt. — 
100 : etwa 15 Pf.] 

Aqilft. Calailli. [10 Destillat von 1 Rhiz. Calami. — 100.0 etwa 20 Pf.] 

*Aqua Calcariae. Calcaria soluta. Aqua Galeis. Aqua Calcariae 
ustae. Kalk wasser. Kalklösung. [Gesättigte Lösung von Kalkerdehydrat, 
etwa 1 Th. in 600-700 Wasser. — 100,0 5 Pf.] 

Innerlich zu 50,0-150,0 einige Male täglich, allmälig steigend bis 
zu 300,0-600,0 pro die [am besten des Morgens, nach Art der Mineralbrunnen 
zu trinken, rein oder mit Milch, süsser Molke. Fleischbrühe, Kräutersaft u. s. w. Nur 
bei grosser Empfindlichkeit des Magens sind schwache narcotische Zusätze (wie Aq. 
Amygdalar. amar., geringe Quantitäten Tinct. Opii) erlaubt. — In neuester Zeit auch 
gegen Diphtherie empfohlen (Letzerich), etwa l / 2 - 1 stündlich l / 2 Esslöffel mit Milch 
oder Schleim]. 

Aeusserlich: wegen, seiner von Küchenmeister entdeckten Eigen- 
schaft, Pseudomembranen zu lösen, ein vortreffliches Mittel gegen Croup 
und Diphtheritis und zwar am besten in Form der Inhalation, durch 
Zerstäubung des unvermischten Präparates (Küchenmeister, Biermcr, Walden- 
burg u. a.), ferner zu Mund- und Gurgel wässern (pure bei Diphtheritis 
der Mund- und Schlundhöhle, auch bei syphilitischen Mundgeschwüren (Küchen- 
meister), mit Milch ana gegen Brennen im Munde: Heim]; Injectionen in den 
Rachen und in die Nase [bei Diphtheritis und Coryza), Einspritzungen in den 
Kehlkopf (Gottstcin), Pinselungen [pure oder mit Syr. simpl. ana], Klystie- 
ren [pure oder mit Zusatz von Haferschleim, bei Dysenterie, bei Dickdarmkatarrhen: 
Küchenmeister; gegen Ascariden: Frecr], Injectionen [bei Tripper ohne wei- 
teren Zusatz: Kehrend : zur abortiven Behandlung des Trippers (in Verdünnung von 
1:4) stündlich bis anderthalbstündlich wiederholte Einspritzungen, später Alaun- 
lösungen (0-10:150) mit Zusatz von 5,0 einer lprocent. Salicylsäurelösung: Küchen- 
meister], Verbandwasscr [pur], Liniment [mit Ol. Lini ana, öfters mit 
einem kleinen Zusatz von OpiumtincLur, bei Verbrennungen]. 



226. fy 

\q. Calcariae 3,0 
Glycerini 150,0 

cui leniter calc facto 
adde 
leth. 3,0. 
I). S. Kim' ('i)in|i!vsse mit der Flüssig- 
keit getränkt aufzulegen, und Perga- 
ment oder Taffei darüber zu Legen. fl !,, i 
Brandwunden, Ulcerationen, Gangracna 
senilis.] 

Glyccrolc calcaire anesthetiq ue. 

Bruyne. 

Vqu<i (ampliorac. Th. Amerie. Campherwasser. [2 Th. Campher 
&*F~ Bf 225-226. 



225. fy 

\<\. Calcariae 15,0 

N.itr. caust. 0,06 

\.|. 180,0. 
MDS. Zu örtlichen Bädern, Umschlägen, 
Bähungen, Einspritzungen. I Bei A ffec- 
tionen der äusseren Geschlechtstheile, 
namenl Lieh diphtheritischen Auflagerun- 
gen derselben und geringer Schleimeiter- 
absonderung.] v. Sigmund. 



Aqua chlorata. 171 



mit wenigen Tropfen Spiritus, 4 Th. Magn. carbon. und 250 Th. Aqua destill, ge- 
schüttelt und filtrirt.] 

*Aqua carbolisata. Carbolw asser. Eine Mischung aus 33 Th. 
verflüssigter Carbolsäure und 967 Th. Wasser. Zu Verband wässern, Des- 
infectionszwecken etc. S. Acid. carbolicum. 

Aqua carboilica. Kohlensaures W asser. [Brunnenwasser mit 
Kohlensäure imprägnirt. — l / 2 Quart-Flasche etwa 30 Pf.] Als kühlendes Ge- 
tränk, wo die salinischen Theile des Seiter- oder Sodawassers entbehr- 
lich sind. 

Aqua Carilliliativa. Ph. Anstr. [Flor. Chamom. lOO.O, Cort. Aurant., Cort. 
Citri, Fol. Menth, crisp., Sem. CarvL Sem. Coriandri, Sem. Foenicul., ana 30,0, Aq. 
4000 : 0. Macera per 24 horas. abstrahe 2000,0.] 

Innerlich zu carminativen oder bitteren Mixturen. 

Aqua Carilliliativa regia. [Aq. carminat. 300,0, Spir. aromat. 100,0 
Sacch. alb. 50 0, Coccion. 1.] 

Innerlich zu 20,0-30,0 pro dosi. 

Aqua Cani. [Wie Aqua Anisi.] 

Aqua CaSCarillae. [1 auf 10 Destillat. — 100,0 etwa 20 Pf.] 

Aqua Castorei. Bibergeil-Wasser. [1 Cast. Sib. mit 1 Spir. und 
Wasser q. s. zu 8 Destillat.] 

Innerlich zu 10,0-30,0 pur oder als Zusatz zu krampfstillenden 
Mixturen. 

Aqua Castorei Radeiliacheri. [1 Castorei Canad. mit 1 Spir. und Wasser 
q. s. zu 8 Destillat. — 10,0 etwa 30 Pf.] 

Innerlich zu 30,0 pro die bei Uteruskraukheiten. 

Aqua (Yrasoruiu. Aqua Cerasorum nigrorum. Black cherry water. 
Kirsch wasser. [Wässeriges Destillat aus gestossenen Kirschkernen.] Selten 
vorräthig gehalten; statt dessen die Aq. Amygdal. amar. diluta. 

Aqua Cerasorum aiuygdalata vergl. Aq. Amygd. amar. dilut. 

Aqua ChaillOlllillae. Kamillenwasser. [10 Destillat von 1 Flor. 
Chamomill. oder 1 Aq. Chamomill. concentr. verdünnt mit der nöthigen Menge Aq. 
dest. — 100,0 15 Pf.] Als Zusatz oder Excipiens krampfstillender Mixturen. 

Aqua Chauiomillae conceutrata. Concentrirtes Kamillen- 
wasser. [Aus 1 Th. Chamillen 1 Th. geistig-Wcässeriges Destillat.] 

Innerlich thee- bis esslöffelweise pur, oder als Zusatz zu Mixturen. 
[5,0-25,0 auf 100,0.] 

Aeus serlich zum Umschlägen und Klystieren. 

*Aqua chlorata. Chlorum solutum. Liquor Chlori. Chlorum in 
Aqua. Aqua Chlori Ph. Anstr. Ohlorina liquida. Aqua oxymuriatica. 
Acidum muriaticum oxygenatum. Chlorinc-water. Chlore liquide. Chlor- 
wasser, Chlorlösung, OhlorflÜSSlgkeit. [MitChlor gesättigtes destillirtes Wasser. 
Soll mindestens 0,4 pCt. Chlor enthalten. — 100,0 35 Pf.] Cave: organische 
Stoffe, Ammoniak, Metallsalze von niederer Oxydationsstufe, Licht, Ver- 
ordnung auf lange Zeit. 

Innerlich zu 2,0-4,0 pro dosi, 15,0-50,0 pro die [mit Aqua destill. 
Syrupus Saccharj verdünnt, am besten ohne jeden weiteren Zusatz; gefärbte Syrupe 
entfärben sich mit Chlor. Prühei viel im Typhus angewendet (Schönleiii), vor 



172 Aqua Cinnamomi. 



einiger Zeit von neuem gegen Typhus und die übrigen Infektionskrankheiten von 
Dyes gerühmt. Derselbe legt Gewicht darauf, dass Chlorwasser sehr concentrirt zu 
reichen und zwar mit nur V 2 Wasser verdünnt, 3-4mal täglich 1 Theelöffel. — 
Auch neuerdings wieder gegen Gährungsvorgänge im Magen empfohlen: Bot- 
kin. Po polt']. 

Aeusserlich zu Mund- und Gurgelwässern [1 Th. mit 2-5 Th. 
Wasser verdünnt], zu Pinselsäften [mit Syr. simpl. ana], zu Inhalationen 
[in sehr diluirter Mischung, etwa 5,0-50,0 zu Aqua 500,0 zur Zerstäubung, da 
sonst die aus concentnrteren Mischungen sich entwickelnden Dünste vollkommen 
irrespirabel sind; zu versuchen bei Bronchitis putrida und Diphtherie. — Chlor- 
Inhalationen- wurden besonders in den dreissiger Jahren viel versucht und theilweise 
selbst als Mittel gegen Phthisis viel gerühmt ((lannal, Cottcrcau), indess ist ihre 
Nutzlosigkeit und selbst Gefährlichkeit bei Phthisis genügend nachgewiesen (Tonl- 
mouche. Stokes u. a.); dagegen sollen die in manchen Fällen von Catarrh der Respi- 
rationsorgane nützlich sein (Toulmouchc u. a.). — Der Aufenthalt in Bleich- 
fabriken wirkt wie eine Chlor-Inhalation], zu Injectionen [rein oder mit 1 bis 
4 Th. Wasser verdünnt], zu Verband wässern und Waschungen [mit 
Wasser ara zur Zerstörung contagiöser Stoffe: Semniclweis empfahl dringend, zur 
Verhütung des Puerperalfiebers, dass Aerzto und Studenten, wenn sie vorher 
Obductionen gemacht oder sich anderweitiger Ansteckung ausgesetzt haben, vor dem 
Besuche der Wöchnerinnen sich die Hände ausgiebig mit Aqua chlorata waschen — 
jetzt ist man über diese zarte Antiseptik längst hinaus; ausgiebige und öftere Be- 
netzung der diphtheritischen Stellen und deren Umgebung bei Diphtheritis hielt 
A. v. Gräfe für das beste örtliche Verfahren], zu Bädern [1 Liter auf's Bad], zu 
Klystieren [Ulosler empfiehlt gegen Oxyuris Eingiessen grösserer Quantitäten 
Wassers in den Darm mit Zusatz von 1 Esslöffel Aqua chlorata]. Linimente 
und Salben sind höchst unzweckmässig, da die Zersetzung sehr schnell 
vor sich geht. 

227. ty 

Aq. chlorat. 20,0 
Syr. Alth. 40,0. 
MDS. Alle 10 Minuten 1 Theelöffel. 
[Bei Cholera asiatica. — Dabei häufige Darreichung von Eisstücken, welche der 
Kranke im Munde zergehen lässt.] Angelstein. 

*Aqua Ciiuiaiiioilli. Aqua Cinnamomi spirituosa seu vinosa. 
Zimmt wasser. Wenigeistiges Zimmtwasser. [Geistig- wässeriges Destillat 
1 auf 10. — Angenehm riechend und schmeckend. — 100,0 30 Pf.] Die neue 
Pharmacopoe kennt den Unterschied zwischen Aq. Cinnamomi und Aq. 
Cinn. spirituosa, welchen die Ph. germ. ed. I. machte, nicht, sondern be- 
zeichnet das Destillat von 1 Th. Zimmt, 1 Th. Weingeist und dem nöthi- 
gen Wasser einfach als Aq. Cinnamomi. 

[nnerlich: pur theelöffel- bis esslö fiel weise mehrmals täglich oder 
als Zusatz zu bitteren aromatischen Mixturen. 

Ä.eusserlich: rein oder verdünnt als Verband wasser und zu 
Einreibungen. [Die alte Formel für das Rust'sche Frostmittel, welche Aqua 
Cinnamomi Bpirit. zu Ä.cid. nitricum setzt, ist gänzlich zu verwerfen, indem sich 
anter Entwickelung von sehr viel salpetriger Säure und .Salpeteräther die Mischung 
zersetzt und das Gefiiss gewöhnlich zertrümmert. 

Aqua Citri« Citrönenschalenwass.er. [l frische Citronenschalen 

zu 12 Destillat. — Riecht und schmeckt angenehm. — 100,0 etwa 25 Pf.] 

w* K' 227. 



Aqua Cochleariae. 173 



Aqua Cochleariae. Löffelkrautwasser. [1 frisches Kraut zu 12 De- 
stillat. — 100,0 etwa 30 Pf] Als Zusatz zu antiscorbutischen Mundwässern. 

Aqua Colonieiisis. Cölnisches Wasser. Eau de Cologne. [Dieses 
Präparat wird, da es nirgends officinell, in jeder Arotheke (wie auch in jeder Par- 
fümerie- Fabrik) nach einer eigenen Vorschrift bereitet; alle Formeln pflegen Ol. 
Neroli und Bergamottae mit mehr oder weniger Zusatz anderer ätherischer Oele in 
Spiritus dilutus auflösen zu lassen, etwa im Verhältniss von ätherischem Oel 1 zu 
50 Spiritus.] 

Innerlich zu 10-15 Tropfen als Analepticum [bei Krämpfen u. s. w.] 
Aeusserlich als Kiechmittel, zu Waschungen, Einreibungen 
[bei Frostbeulen], 

*Aqua desfillata. Hydrolat. Distilled water. Holy-water. Eau 
destille. Destillirtes Wasser. [100,0 5 Pf.] — Da der Preis-Unterschied 
zwischen Aq. destill, und Aq. commun. nicht in Betracht kommt [100 Aq. 
dest., 200 Aq. comm. filtr. 5 Pf.], so ist es rathsam, bei allen Mixturen und 
Salzlösungen destillirtes Wasser zu verordnen. 

Aqua Eliplirasiae. [2 frisches Kraut auf G Destillat. — 100,0 20 Pf.] 
Als Augen wasser und Constituens zu solchem empfohlen. 

*Aqua Floruni Aurautii. AquaFlorumNaphae. Orangenblüthen- 
wasser. [Das käufliche Orangenblüthwasser mit 1 Th. Aqua destillata verdünnt; 
jedoch ist darauf zu sehen, dass das erstere frei von Kupfer sei, da es häufig in 
kupfernen Flaschon (Estagnons) versendet wird. — Riecht und schmeckr sehr an- 
genehm, doch nur, wenn es gehörig verdünnt ist, etwa 1-2 Th. auf 50 Th. Flüssig- 
keit. — 100,0 30 Pf.] 

Innerlich: rein [esslöffelweise], öfter als Constituens oderCorrigens von 
Mixturen, welche ausserdem keine riechenden Bestandtheile enthalten dürfen. 

Aeusserlich als Zusatz von Waschwässern. 

*Aqua Focilicilli. Fenchel wasser. [1 zu 30 wässeriges Destillat. — 
100,0 10 Pf. — Die Aqua Foeniculi Ph mil. ist eine Solutio Elaeosacchari Foeniculi.] 

Innerlich: rein [thee- bis esslöffelweise] oder als Constituens von 
Mixturen [namentlich in der Kinderpraxis]. 

Aeusserlich: als Augenwasser [mit Aqua Rosarum ana] oder als 
Constituens eines solchen. 

Aqua foetida antihysterica. Aqua Asae foetidae composita. Aq. 
foet. Pragensis. Aqua antihysterica Pragensis. Zusammengesetztes 
Stinkasantwasser. Prager Wasser. [Asa foet., Castor. Canad., Galban., 
Valerian., Myrrh., Angelic. und andere aromatische Substanzen etwa 3 Th. mit 5 Th. 
Spiritus auf 10 spirituös-wässerigen Destillats. — Trübe. — 10,0 10 Pf.] 

Innerlich: 1-2 stündlich einen Theelöffel, rein oder in Mixturen 
[10,0-50,0 auf 100.0]. 

Aeusserlich: zu Klystieren [mit mehreren Theilen Wasser verdünnt]. 
(Koniberg). 



22s. fy 

Aq. foet. antihyster. 
Syr. simpl. ana 25, 0. 
MI)S. 2-3stdl. 1 Kinderlöffel voll. [Bei 
Spasmus glottidis.] Romberg. 



229. fy 

Aquae foctid. antihyst. 50,0 
Mdissac 1 ')(',() 

A'l hciis acet. 2,5. 
MhS. Si.li. l Esslöffel. [Bei Hysterie.] 



Aqua Fructuiiiii Humus Itademaclicri. Aqua Glandis. Eichel- 

II- 228-229. ~W 



174 Aqua hydrosulfurata. 



wasser. [5 von der Cupula befreite, zerstossene frische Eicheln zu 7[/ 2 geistig- 
wässerigen Destillats. — 100,0 etwa 20 Pf.] 

Aqua lllimilliea. [Lösung von huminsaurem Eisenoxyd 0,12 in 350,0 Wasser 
Bräunliche, Klare, neutral reagirende Flüssigkeit. Von Klein in Ratibor als Eisen- 
präparat empfohlen, aber wenig verbreitet.] Nach Art der Mineralwässer wein- 
glasweise zu gebrauchen. 

Aqua hydrosulfurata s. hepatica s. hydrothionica. Acidum hydro- 
thionicum liquidum. Sulphuretted water. Eau d'aeide sulfhydrique. 
Schwefelwasserstoffwasser. [100,0 etwa 20 Pf.] Cave: Metallsalze, 
Basen, Luft. 

Innerlich: rein zu 150,0-500,0 täglich, oder stündlich becher- 
weise [als Antidotum bei acuten und chronischen Metallvergiftungen]. 

Anstatt der einfachen Aqua hydrosulfurata ist von Lcpage eine mit 
Schwefelwasserstoffgas gesättigte Verbindung von gleichen Theilen Gly- 
cerin und Aqua empfohlen worden. Diese Mischung absorbirt zwar weniger 
Gas als reines Wasser, hält sich aber länger unzersetzt. 

Aqua HySSOpi. [Wie Aq. Chamom. — 100,0 etwa 20 Pf.] 

Aqua Jliuiperi. Wach holder wasser. [6 Destillat aus 1 Wac- 
holderbeeren.] 

Aqua Krcosoti. Kreosotum solutum, Aqua Binelli. Kreosot- 
wasser. [1 Th. Kreosot in 100 Th. Wasser aufgelöst. Stets zur Dispensation 
frisch su bereiten. Trübe. — 10,0 3 Pf. 

Innerlich: theelöffelweise [bei chronischen, besonders pitnitösen Bronchi- 
tiden, Gangraena pulmonum, Diabetes, chronischem Erbrechen, Diarrhoe, bei Magen- 
gährung (Ewald)]. 

Aeusserlich: zu Einspritzungen [namentlich in Fisteln mit stocken- 
der fötider Eiterung; zur Ausspritzung des Cavum Pleurae, bei Empyem nach vor- 
genommener Thoracocentese, bei übelriechendem Ausflüsse; 1,5 auf 400,0 Wasser; 
Kussmaul], zum Umschlag, zu Mundwässern [vergl. Kreosot]. Die blut- 
stillende Kraft der vor mehreren Jahren warm angepriesenen Aqua Bi- 
nelli hat sich bei weiteren Beobachtungen nicht bewährt. 

Aqua Lauro-Orasi. Water of Laurel. Eau destille de Laurier- 
Cerisc. Kirschlorbeerwasser. [12 frische Blätter zu 10 geistig-wässerigen 
Destillats. — Soll an Blausäure der Aq. Amygdal. amar. gleich sein. Der Geschmack 
der Aqua Lauro-Cerasi ist lieblicher als der der Aq. Amygdal. amar. — 10.0 15 Pf.] 
Nach der Ph. germ. ed. altera ist überall statt Aqua Lauro-Cerasi die Aq. 
amygd. amar. zu dispensiren. 

Aqua Lavandiilac. Lavendelwasser. [1 Fl. Lavandui. zu 4 wässe- 
rigen Destillats..] 

Vqua MagHesiae earbonieae. Doppelt kohlensaures Magnesia- 
wasser. [Frisch präeipitirte BÜagnes. carbon. in Wasser vertheilt und durch hinein- 
geleitete Kohlensäure darin aufgelöst. — Statt des früher officinellen Präparates ge- 
braucht man jetzt ausschliesslich «las in den Mineralwasser-Fabriken bereitete, welches 
schöner ist, als der Apotheker es sich selbst bereiten kann, und zudem billiger zu 
stehen kommt.] 

Aqua«' flHissae. Melissenwasser. [Wie Aq. Chamom. — 100,0 
15 Pf.] Als Constituens krampfstillender u. s. w. Mixturen. 



Aqua Melissac cönccntrata. 175 



Aquae )Iclissac concentrata. Concentrirtes Melissenwasser. 

[Wie Aq. Chamom. concentr. bereitet und angewendet.] 

*Aqua Menthae crispac. Krauseminzwasser. [Wie Aqua Cha- 
momillae. — 100.0 15 Pf.] 

*Aqua Meiithae piperitae. Pfefferminzwasser. [Wie Aq. Cha- 
mom. — 100,0 15 Pf. — Die Aq. Menth, pip. Ph. mil. ist eine Auflösung von Elaeo- 
sacch. Menth, pip. in Wasser.] 

Innerlich als Zusatz oder Constituens von Mixturen. 

Aqua Menthae pipcritae spirituosa seu vinosa. Wein geistiges 
Pfefferminzwasser. [Aus 1 : 5 weingeistigen wässerigen Destillats. — 100,0 
25 Pf.] 

Innerlich als Constituens oder Zusatz zu Mixturen, auch rein, 
thee- bis esslöffelweise. 

Aqua Mcotiaiiae ßailemaclieri. [1 frische Blatter von Nicotiana Ta- 
bacum oder (!) N. rustica zu 1 geistig -wässerigen Destillats. — 10,0 etwa 10 Pf.] 
(Bei Cholera, Kailemacher). 

Aqua Nucum vomicaruiii Radcmachcri. [48 geistigen wässerigen 

Destillats aus 32 Sem. Strychn. — 10,0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: 15-30 Tropfen mehrmals täglich. [Lebermittel: Rade- 
macher.] 

Aqua Opil, [1 Opium zu 5 wässerigen Destillats. — 10,0 60 Pf. — - Ent- 
hält keine der wirksamen Basen des Opium, sondern nur das ätherische Oel desselben 
(und zwar in geringer Quantität), daher der Geruch.] 

Aqua ozoiüsata. S. die folgende. 

Aqua OXJ'g'Cliata. Sauerstoffwasser. [Wasser unter hohem Druck 
mit Sauerstoff imprägnirt.] Schon im vorigen Jahrhundert von Odier gegen 
Dyspepsie, Gastralgie u. a. Neurosen, Asthma, Schwächezustände u. s. w. 
empfohlen und wieder verlassen, in neuerer Zeit wieder von Deinarquay 
versucht und von Leittier ebenso wie die Aq. ozonisata, Ozonwasser, gegen 
die verschiedensten Erkrankungen angepriesen. Der therapeutische Non- 
sens dieser Sauerstoff- und Ozonwwässer, Inhalationen, Einathmungen von 
ozonhaltiger Luft etc. ist von 0. Liebreich, Ewald u. A. nachgewiesen. 

Aqua oxymuriatica s. Aqua chlorata. 

Aqua Persicae folioruill. Pfirsichblätterwasser. [1 Pfirsich- 
blätter zu 4 wässerigen Destillats.] 

Ein dem Kirschlorbeer- und Bittermandelwasser analoges, aber leicht 
zersetzliches und darum überflüssiges Destillat. 

Aqua PetrOSelini. [1 zu 20 Destillat. — 100,0 10 Pf.] Als Zusatz zu 
diuretischen Mixturen. 

Aqua pliagfriamica. Aqua phagedaenicä lutea, Liq. Eydrargyri bi- 
ehlorati corrosivi cum Calcaria usta. Yellow Wash. Eau phagedenique. 
Phagedänisches W asser. Altschadenwasser. [1 Th. Sublimat auf 300 Th. 
Aq. Calcariae. — Es bildet sich ein safranfarbener Niederschlag (Quecksilberoxyd hydral 
and Quecksilberchlorid), weshalb jedesmal vor der Application die Flüssigkeit umzu- 
schütteln ist.] 

Aeusserlich: als V^erbandwasser oder zu reizende*) [njeetionen 
[in Fistelgeschwüre u. s. w.l 



176 Aqua phagedaenica nigra. 



Aqua phagedaenica decolor. s. Liquor Hydrargyri bichlorati corrosivi. 
Aqua phagedaenica nigra. Gray lotion, Blackwash. Schwarzes 

Wasser. [1 Th. Calomel mit 60 Th. Aqua Calcar. 1. a. gemischt. Es bildet sich 
ein schwarzer Niederschlag, dessen chemische Zusammensetzung noch nicht genau 
definirt ist. Die Aqua phagedaenica nigra Rustii enthält noch Opium; vergl. Hy- 
drarg, chlor, mite. Der Liq. Hydrargyri chlorati mitis cum Calcaria usta 
Cod. med. Hamb. s. Aqua nigra enthielt 1 Th. Galomel auf 32 Th. Kalkwasser.] 
Aeusserlich: wie die Aqua phagedaenica. 

*Aqua Picis. Aqua picea. Tar water. Eau de Goudron. Theer - 
w asser. [1 Pix liquida mit 10 Aqua unter öfterem Umrühren mindestens zwei 
Tage macerirt, dann decantirt und filtrirt. — 100,0 10 Pf.] 

Innerlich: rein, esslöffel-, tassen oder becherweise [nach Art der Mi- 
neralbrunnen] gegen chronische Exantheme, gegen chronische Katarrhe, 
namentlich Bronchitis putrida, auch Phthisis pulmon. u. a. — [Sulfur. 
depur. 1 mit Aqua Picis 12 gekocht und decantirt, bilden die in Italien gegen 
Nierensteinkolik sehr beliebten lithonthriptischen Tropfen Palmieri's, die zu 
10-20 Tropfen genommen werden. 

Aeusserlich: als V er b an dwass er [bei Exanthemen, syphilitischen und 
anderen Geschwüren], als Injection [bei chronischen Schleimflüssen der Blase], 
in zerstäubter Form zur Inhalation [bei Katarrhen mit profuser Secretion, 
Bronchitis putrida, in manchen Fällen von Phthisis u. a. sehr zu empfehlen; vergl. 
S. 99], auch in Dampfform [durch Erhitzen von Theerwasser und Einathmen 
der aufsteigenden Dämpfe, s. Allgem. Theil]. 

In Frankreich sind in letzterer Zeit eine Anzahl anderer Präparate 
in Aufnahme gekommen, die empfehlenswerth scheinen: Nach Giiyot wird 
ein Liqueur de Goudron concentre et titre aus 10 Kilogramm Theer, 
20 Liter Wasser und 1 Kilogramm Natr. carbonic. bereitet, die in einem 
Destillationsapparat erwärmt werden. Das Destillat wird aufgefangen, 
der Rückstand mit Wasser behandelt, so dass man 40 Liter Flüssigkeit 
erhält; die decantirte Flüssigkeit wird mit dem Destillat vereinigt, 
einige Tage stehen gelassen und filtrirt. Das Präparat ist braun, sehr 
aromatisch und mischt sich mit Wasser zu einer klaren, bernsteinfarbenen 
Flüssigkeit. Zur innerlichen Darreichung wird von dem Mittel un- 
gefähr ein Theelöffel zu einem Glase Wasser hinzugefügt; aus serlich 
zu Injectionen [1 zu 4 Aq.], zu Waschungen [bei Hautausschlägen, mit Aqua 
ana]. — Eine andere Formel wird von Jcaimcl angegeben und als Emul- 
sion de Goudron bezeichnet: Theer mit Natr. carb. ana 10,0 ver- 
rieben und mit 1 Liter Wasser gemischt. Adrian empfiehlt als Solution 
alcaline concentr^e de Goudron: Theer 100, Liq. Natr. caust. 50, 
Aq. 850; oder was er noch für besser hält, eine Emulsion de Gou- 
(I rou \ 6g6tale, bereitet aus 100 Th. Theer, 150 Th. Eigelb und 750 Th. 
Wasser. Diese Verbindung soll sich mehrere Monate halten, ohne zu 
verderben. 



MDS. Zur Inhalation in zerstäubter 
Form. [Bei Bronchicctasie, Bronchitis 
putrida u. a.J Waidenburg. 



230. i: 

\riiii tannici 5,0 
Aq. Picis 100,0 
- destill. 500,0. 

*A<|iia IMumbi s. Aqua plumbica, Aq. saturnina. Plumbum aceti- 
cum basicum solutura dilutum. Lead water. Lotion d'ac£tate de plomb. 

li- 230. 



Aqua Plumbi Goulardi. 177 



Blei Wasser. [1 Th. Liq. Plumb. subacetici auf 49 Th. destillirten Wassers. — 
Wenig trübe. — 100 : 10 Pf.] 

Aeusserlich: zu Fomentationen, Verbänden [Watte, vorher in 
heissem Wasser aufgequollen und dann ausgedrückt, mit Aq. Plumbi getränkt, zu 
Umschlägen und Verbänden. Gossypium saturninum, Bleiwatte: II. E. Richter], 
Waschungen, Augenwässern [mit Tinct. Opii], Injectionen, Kly- 
stieren [100,0-200,0 ad clysma]. 

Aqua Plumbi Goulardi. Aqua Goulardi seu Aqua vegetomine- 
ralis Goulardi. Acetum Plumbi dilutum. Ph. Loiul. White wash. Gou- 
lard'sches Wasser. [1 Liq. Plumb. subacetic, 4 Spir. dilut., 45 Aq. comm. 
— Weiss, trübe, vor dem Gebrauche umzuschüttein. — In der Armenpraxis verordne 
man Liq. Plumb. subacetic. und lasse im Hause Spiritus und Wasser zusetzen. — 
100,0 5 Pf.] 

Nur äusserlich, wie Aqua Plumbi. 

Aqua Quassiae Radciliaclieri. [9 Cortic. Lign. Quass., 48 Lign. Quass. 
zu 128 geistig-wässerigen Destillats. — 10,0 etwa 5 Pf.] 

Innerlich: 4 Mal täglich l / 2 Esslöffel. [Lebermittel: Rademacher.] 

*Aqua Rosae. Aqua Rosarum. Rosen w asser. [4 Tropfen Rosenöl 
mit 1000 Gr. lauwarmen Wassers geschüttelt und filtrirt. — 100,0 15 Pf. — Das 
französische Präparat ist jzwar viel angenehmer riechend, aber bedeutend theurer.) 

Innerlich: als Zusatz zu Emulsionen [stark verdünnt, sonst widrig]. 

Aeusserlich: als Constituens von Augen- und [kosmetischen] 
Waschwässern. 

Aqua Rosiltarilli COllip. s. Aqua Huiigarica. [Geistig-wässeriges Destillat 
aus Rosmarin und Lavendel.] 

Aqua Rllbi Idaei. Himbeerwasser. [Aus 1 Th. Himbeerkuchen. 
2 Th. Destillat. Angenehmer riechend als schmeckend — 100,0 20 Pf.] 
Innerlich: als Zusatz zu [säuerlichen] Mixturen. 

Aqua Rubi Idaei concentrata. Ooncentrirtes II imbeerw asser. 

[Aus 5 Th. Himbeerkuchen 1 Th. geistig-wässerigen Destillats.] 

Innerlich: wie das vorige, in kleineren Dosen [etwa 10,0-25,0 
ad 100 0] 

Aqua Rutae. Rautenwasser. [Wie Aqua Chamomill. — 100,0 
etwa 20 Pf. 

Aqiiae Salviae, Salbeiwasser. [Wie Aqua Cham. — 100,0 15 Pf.] 

Aqua Sahiae concentrata. Ooncentrirtes Salbeiwasser. [Wie 
Aq. Chamom. concentr.] 

Aqua Sinnbild. Hollunderwasser. Fliederwasser. [Wie Aq. 
Chamom. — 100,0 15 Pf.] 

Aqua Saiiibuci concentrata. Ooncentrirtes Fliederblumen- 
wasser. [Wie Aq. Camom. concentr.] 

Aqua stil>iatn. [Auflösung von 0,25 Tart. stibiat. in 30,0 Wasser, nach 
dem früheren Cod. med. Ilamb.] 

Aqua Tiliae. Lindenblüthenwasser. [Wie Aqua Gharaomillae. — 

loo,() 15 Pf.] 

Ewald Mini Simon. Arzneivorordnuiigalelire 10. Aufl. i ■) 



178 Aqua Tiliae concentraia. 



Aqua Tiliae concciitrata. Concentrirtes Lindenblüthen- 
wasser. [Wie Aq. Chamoin. concentr.] 

Aqua Valerianae. Baldrianwasser. [Wie Aqua Chamomill. — 
100,0 15 Pf.] 

Aqua VulllCraria KrailtzÜ. [Destillat von Essig und Spiritus über 
Oxalium, Salmiak, Potasche und Kupfervitriol. — 10,0 etwa 10 Pf.] 

Aqua vulneraria spinulosa. Aqua yulneraria vinosa, Aqua vul- 
neraria cum Alcohole. Weisses Wundwasser. Weisse Arquebusade. 
[Geistig -wässeriges Destillat (6) von aromatischen Kräutern (1). — 100,0 35 Pf.] 

Verband Wasser. [Nicht zu verwechseln mit der Aqua vulneraria The- 
denii s. Mixtura vulneraria acida.] 

Argcntuni chlorato - ainmoiiiatuui. Ammonio-chloride of silver. 

Silbersalmiak. [Kochende Ammoniakflüssigkeit wird mit frisch präcipitirtem 
Chlorsilber gesättigt, die noch kochende Flüssigkeit filtrirt, wobei sich bei Lichtaus- 
schluss Krystalle von diesem Salze ansetzen. — Bläulich-weisses, nach Ammoniak 
riechendes Pulver. — 0,1 etwa 10 Pf.] 

Innerlich zu 0,003-0,005-0,007 [mit grosser Vorsicht anzuwenden und 
wegen der Unsicherheit des Präparates nicht zu empfehlen, zumal es leicht durch eine 
Auflösung von Argent. chlorat. in Liq. Ammon. caust. ersetzt werden kann; so giebt 
Kopp z. R. folgende Formel an: Py Agenti nitr. fus. 0,6, Aq. dest. 60,0, Solut. filtr. 
instilla Liq. Natrii chlorati q. s. ad praecipitandum. Praecip. sedulo ablutum solve 
in Liq. Ammon. caust. 45,0, Acid. hydrochloric. q. s. ut praecipit, evitetnr et Argent. 
muriat. in statu solutionis permaneat. Pondus fluidi filtrati sit 75,0. — D. in vitro 
nigro. — Ein Gramm dieses Liq. Argenti chlorato -ammoniati Koppii enthält etwa 
0,005 Argent. chloratum. — Von Kopp gegen Chorea empfohlen: 3 Mal täglich 3 bis 
5 Tropfen in einem Esslöffel destillirten Wassers. 

ArgeiltuUl chloratum Radomacheri. [Präcipitat aus Argentum nitri- 
cum und Chlornatrium, welches, nachdem es ausgewaschen, mit Spirit. dilut. in loco 
umbroso digerirt wird. Die bei diesem Process hervorgerufene graue Färbung, welche 
auf Reduction beruht, wird nicht durch den Alcohol, wie R. meint, sondern durch den 
nicht gänzlich abgeschlossenen Einfluss des Lichtes bedingt. Wird dieser vermieden, 
bleibt das Präparat weiss. — 1,0 35 Pf.] 

Innerlich: 4 Mal täglich zu 0,05-0,12 in Pillen oder Pulvern 
[als Antepilepticum, Anthelminthicum, Antisyphiliticum — bei Ratlcuiaclicr: Ge- 
hirnmittel]. 

Aeusserlich in Salben [0,15-0,6 auf 10,0 Unguentum cereum]. 

ArgCIltlllll Cyaiiatlllll. C y a n S Hb e r. [Durch Fällung des Salpetersäuren 
Silbers mit Blausäure. — Weisses, unlösliches, geschmackloses Pulver. — Ohne be- 
sondere Vorzüge für die Anwendung.] 

Vrgentuni f'oliatimi. Blattsilber. Zum Ueberziehen der Pillen. 
[1 Lamelle etwa 3 Pf.; 30 Pillen zu versilbern kostet 25 Pf. — Die einzige Indication 
für die Wahl dieses Pillen-Ueberzuges ist die beabsichtigte Eleganz der Arznei.] 

Argmtiilii jodatum. Jodsilber. Präcipitat aus sal petersaurem 
Silber durch Jodkalium. Von Serrc gegen Syphilis [zu 0.005 pro dosi] 
empfohlen. 

Argentum iiitrifiiiii crystallisatiim. Krystallisirtes salpetcr- 



Aro-entum nitricum. 179 



saures Silberoxyd. [0,1 5 Pf.] Nitrate of silver. Nitrate d'argent 
crystallise. 

Innerlich: wie das folgende. 

* Argentum liitricum. Argentum niiricum fusum. Nitras argenti, 
Lapis iniernalis. Lunar caustic. Pierre infernal. Silbernitrat. Sal- 
petersaures Silberoxyd. Höllenstein. Weisse, glänzende oder grauweisse 
schmelzbare Stäbchen mit krystallinisch strahligem Bruch. In 0,6 Th. 
Wasser, in 10,2 Weingeist und in Ammoniak klar löslich. [0,1 5 Pf.] 

Innerlich: 0,005-0,01-0,03 [ad 0,03 pro dosi, ad 0,2 pro die!] 1-3 Mal 
täglich, in Pillen [am besten in Verbindung mit Argilla; mit organischen Stoffen 
deshalb unzweckmässig, weil das vorher aufgelöste Salpetersäure Silber, mit organi- 
scher Substanz in Berührung, der Zersetzung unterliegt], Pastillen [mit Choco- 
lade, wo das salpetersaure Silber im fetten Oele nur vertheilt, nicht gelöst ist; mit 
Nutzen angewendet], Auflösungen [am besten in destillirtem Wasser, ohne jeden 
weiteren Zusatz (in vitro nigro), da fast alle Substanzen zersetzend auf dieses Prä- 
parat wirken. 0.25 auf 25.0 Aq. destill, zu 10-60 Tropfen (=0,005-0,03), oder 
0,25 auf 100,0 Aq. destill., etwa V3-I-2 Theelöffel voll; Lippen und Zähne erleiden 
bei dieser Medication bald eine Färbung], — Die vielfach gehegte Meinung, 
dass für den innerlichen Gebrauch das Argentum nitricum crystallisatura 
zu bevorzugen sei, ist durchaus irrig, da dem Argentum nitricum crystal- 
lisatum das Argent. nitric. fusum in Bezug auf chemische Reinheit 
nicht nachsteht. Die Ph. Germ. ed. IL kennt daher nur das letztere 
Präparat. 

Aeusserlich: als Aetzmittel pur [der sehr stark geschmolzene, grau 
aussehende Höllenstein ist dem weissen vorzuziehen, da er härter ist] oder in ver- 
schiedenen Mischungsverhältnissen mit Salpeter zusammengeschmol- 
zen, wodurch die ätzende Wirkung mitigirt und die Consistenz des Aetz- 
stiftes erhöht wird: Lapis mitigatus. Eine dieser Mischungen [1 Argent. 
nitric. mit 2 Kali nitric] ist von der Ph. Germ, zu einem officinellen Mittel 
*Argentiuii nitricum cum Kali© nitrico, erhoben worden. [Von Guyo wird 

ein Lapis mitigatus in folgender Zusammensetzung empfohlen: Argenti nitrici 2, 
Kali nitrici 1, Kali sulfurici 1. Der Zusatz des schwefelsauren Kalis soll das Prä- 
parat weniger zerfliesslich machen; allein auch bei der Composition ohne Kali, sul- 
furic. pflegt eine zu grosse Zerfliesslichkeit nicht vorhanden zu sein.] Die Aetz- 
stifte werden für den praktischen Gebrauch in verschiedener Weise um- 
hüllt; am zweckmässigsten bedient man sich hierzu des Collodiums -oder 
einer mit Collodium umzogenen Seidengaze. In hölzernen Röhren nach, 
Art der Bleistifte eingelegte Aetzstifte bezeichnet man als Crayons au 
Nitrate d'Argent. Zur directen Reizung der Schleimhaut des Rachens, 
Kehlkopfs. Uterus, der Nase, Urethra, Vagina dienen besonders construirte 
Aetzmittelträger, Sonden oder Bougies, an denen der gepulverte Silber- 
salpeter mit Gummischleim angebacken oder der feste angeschmolzen 
wird; zu Schlund- und Kehlkopfpulvern [0,1-1,0 zu 5,0 Sacchamm, 
besser Aluraen nsium; vergl. den allgemeinen Theil S. 88 u. ff.], Inhalationen 
[v.t-1. S. 99], Pinselungen [im Mund, Rachen und Kehlkopf 1,0 auf 10,0-50,0 
Aq. dest.], [njeetionen [die adstringirenden Injectionen bei Tripper von 
0,1-0.5 auf 50 0. die, faustischen Injectionen 1,0 auf 25.0 (Webciicy), Injectionen 
in die Scheide 0. 1-0 .'} auf 25.0 (auch in Substanz auf Wattebäuschen, Tamppns) in's 

12* 



180 



Argentum nitricum fusum. 



Ohr bei Otorrhoea purulenta 0,005-0,03 auf 25,0, in die Harnblase bei Catarrh der- 
selben 0,05 auf 100,0, in Fistelgänge 0,05-025 auf 25,0], Kly stieren [0.1-0,25 
ad clysma bei Ruhr und Typhus], Augen wässern [Augentropfwässer 0.025-0,1 
auf 25.0, Augenpinselwässer 0,1-0,3-0,5 auf 25,0], Salben [1-5 auf 25 Fett], 
Augensalben [etwas schwächer], Yerbandwässern [1,0 auf 50,0, bei Ver- 
brennungen, wuchernden syphilitischen Geschwüren. Rolluiiuml empfiehlt Charpie 
mit concentrirter Höllensteinlösung imprägnirt (schwarze Charpie) als Verband- 
mittel bei atonischen, leicht blutenden u. s. w. Geschwüren und Wunden]. 

Zur subcutanen Injection ist Argentum nitricum in neuester Zeit 
von Thiersch und Nussbaiim bei Carcinom und anderen Tumoren, von 
Damaschinb' und Lutton bei alter Ischias empfohlen. Eine Lösung des 
Mittels [1 : 2000 Aqua] wird durch mehrere Stichöffnungen in die Ge- 
schwulst eingespritzt, und mehrere Minuten nachher wird eine Solution 
von Natrium chloratum [1 : 1000 Aqua] in dieselbe Geschwulst injicirt. 
Damaschino giebt an 5-10 Tropfen einer 25procent. Lösung in der Gegend 
des Foram. ischiadicum einzuspritzen. 



231. Bf 

Arg. nitr. 1,0 
Argillae 10,0. 

F. c. Aq. dest. q. s. 
Pil. 100. Consp. Bol. alb. D. S. 3 Mal 
täglich 1-3 Stück. 

[Bei Tabes dorsualis nach der von 
Charcot, Vulpian und Wunderlich em- 
pfohlenen Methode.] 



232. 



I* 



Arg. nitr. 0,4 
solve in 

Aq. dest. q. s. 

Extr. Belladonn. 0,5 

Ol. Caryophyll. 0,3 

Rad. Gentian. pulv. 

Extr. Gentian. ana q. s. 
ut f. pil. 120. Consp. Lycopod. D. S. 
3 Mal täglich 2-3 Pillen. [Bei chron. 
Magengeschwür.] Frerichs. 



233. 



ly 



Argent. nitr. 0,1 
Opii in pulv. 0,2 
Acid. tannic. 2,5 
Mucil. Gummi arab. q. s. 
ut f. pil. No. 50. Consp. Lycop. 
4 Mal tägl. 2 Stück zu nehmen. 



chron. Durchfällen.] 



D. S. 

|!ici 



Ewald. 



234. Bf 

Arg. nitr. 0,1 

solve in 
A.q. dest. 50,0 
Grlycerini 10, 0. 
D. in vitro nigro. S. 2stdl. 1 Thcelöffel. 
[Bei Diarrhoea infant.] 

[Das reine Glycerin wirkt nicht /er- 
setzend auf das Aig. nitrie. und mildert 

Bf 231-237. 



den herben metallischen Geschmack des- 
selben in sehr wirksamer Weise. 



235. Bf 

Arg. nitr. 0,5 
solve in 

Glycerini 25,0 
D. in vitro nigro. S. Zum äusserlichen 
Gebrauch. 
[Diese Lösung von Arg. nitr. in Gly- 
cerin (welche je nach Bedürfniss in ihren 
Proportionen wesentlich verändert werden 
kann) lässt sich mit Vortheil als Augen- 
pinselung, zur Bepinselung von Geschwü- 
ren u. s. w. verwenden. Bedingung dabei 
ist die chemische Reinheit des Glycerins, 
deren Mangel sich übrigens alsbald beim 
Contact mit Arg. nitr. darthun würde.] 



236. Bf 

Arg. nitr. 0,05 

Spir. aeth. nitrosi 25,0 
D. S. Pinselwasser. Ward. 

[Von dem genannten Autor deshalb 
empfohlen, weil diese Solution schnell 
trocknet und bei der Application ein an- 
genehm kühlendes Gefühl erzeugt.] 



237. Bf 

Argent. nitr. 1,0 
Hydrarg. oxyd. rubr. 2,0 
Plumbi jodat. 3,0 
Cerat. 

Vaselin. ana ß,0. 
M. f. u. S. Erbsengross auf die erkrankte 
Stelle einzureiben. [Bei Tinea capitis.] 

O'Callaghan. 



Anxentum oxvdatum. 



181 



238. Bf 

Arg. nitr. subt. pulv. 0,2 
Adip. suill. vel Vaselini 4,0 
Liq. Plumbi subacet. 0,25. 
M. f. ungt. Gräfe-Guthrie'sche Salbe. 

[Der Zusatz von Liquor Plumbi sub- 
acet. macht die Salbe allerdings milder, 
aber nur, indem er einen Theil des Arg. 
nitr. zersetzt.] 



239. Bf 

Ungt. Zinci 15,0 
Bals. Peruv. 4,0 
Arg. nitr. 0,6-1,2. 
M. f. ungt. [Bei syphilitischen Geschwü- 
ren, wo die Vernarbung zögert.] 

Pricke. 



240. Bf 

Arg. nitr. 0,1-0,5 
Aluminis usti 5,0. 
M. f. pulv. D. S. Zum Einblasen in den 
Pharynx oder Larynx. [Bei Ulcera- 
tionen.] 
[Diese Mischung verdirbt nicht, wäh- 
rend eine solche von Arg. nitric. mit 
Zucker, wie sie üblich ist, bald schwarz 
wird.] Waidenburg. 



F 



241. Bf 

Arg. nitr. 0,1 
Butyr. Cacao 2,0. 
1. a. suppositor. urethr. D. S. Von 
Zeit zu Zeit ein Stück mittelst des 
Di ttel' sehen Porte-remedes in die Pars 
prostatica der Harnröhre einzuführen. 
[Bei Pollutionen und Spermatorrhoe.] 

Ultzmann. 



Argentum nitricum cum Argento chlorato 9 : 1 zeichnet sich 
durch seine Festigkeit aus, sonst wie Arg. nitr. fusum. 

ArgCIltuiU OXvdntlllll. Silberoxyd. [Aus salpetersaurem Silber durh 
kaustisches Kali niedergeschlagen. — Grünlich-braunes Pulver. — 0,1 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,005-0,008. [Gegen Syphilis und verschiedene Nerven- 
leiden empfohlen.] 

Argciitum purum. Metallisches Silber. [Ein durch Eisen aus 
frisch präeipitirtem Chlorsilber reducirtes Präparat.] 

*Argilla. Bolus alba. Bolus Turcica, Terra Lemnia, Terra sigillata 
alba. White Boles. Bol blanc. Weisser Thon. Weisser Bolus. [Kiesel- 
saure Thonerde mit anderen kieselsauren Salzen in verschiedenen Verhältnissen ver- 
unreinigt. — 100,0 gross, pulv. 15 Pf.] 

Innerlich nur als Constituens für Pillen bei Substanzen, die durch 
organische Zusätze zersetzt werden, z. B. Argentum nitricum, Chlorbaryum 
u. s. w. — Diese Form ist ganz zweckmässig, sofern der Bolus sich mit 
destillirtem Wasser leicht zu Pillen formen lässt und das betreffende 
Medicament im Magen unzersetzt anlangt, dort vom Magensafte ausge- 
laugt wird und die Bolusmasse ohne weitere Belästigung der Verdauung 
durch den Darmkanal geht. 

Aeusserlich: zu Zahnpulvern, Streupulvern [bei Intertrigo der 
Kinder], Waschpulvern u. s. w., zu Augensalben [1-2 auf 10 Fett], zu 
Bädern [V4-V2 Pfund auf ein Bad, meist mit Zusatz von etwas Seife; bei Hyper- 
ästhesien : Koniberg]. 

Argilla rubra. Bolus Armena, Argilla ferruginea rubra. Armeni- 
scher oder rother Bolus. [Eisenhaltiger als der vorige. — Von ähnlicher 
Zusammensetzung ist ein heimisches Product, die Bevergern' sehe Erde (bei der 
Stadt Bevergern in Westphalen gefunden), und als blutstillendes Mittel durch ihren 
Gehalt an Eisenchlorid wirksam. — 10 praep. etwa 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-2,0 mehrmals täglich in Pulvern; zum Con- 
spergiren von Pillen [ehemals mehr gebräuchlich]. 

Bf 238-241. 



182 Arsenicum jodatum. 



Aeusserlich: als Mundpulver [bei Aphthen], zu Augen- und an- 
deren Salben. 

Arseiiiciim jodatum. Joduretum Arsenici. Jodide ofArsenic. Jodure 
d'arsenic. Jodarsenik. [Ziegelrothe krystallinische, in Wasser lösliche Masse]. 

Innerlich; zu 0,005-0,015 2 Mal täglich in Pillen [mit Extr. Conii 
macul. gegen Brustkrebs, Lepra, Impetigo. — Thomson]. 

Aeusserlich: in Salben [0,05-0,12 auf 10,0 Fett — gegen Herpes 
excedens — Bictt]. 

Doiiovan bedient sich des Arsenikjodürs in Verbindung mit Jodqueck- 
silber gegen chronische Hautausschläge; die von ihm angewendete Formel: 
Solutio "ßonovani [seu Liquor Arsenici hydrojodat. et Hydrargyri, 
Liqueur jodoarsenicale de Donovan] ist nach Vouchardat folgendermassen zu- 
sammengesetzt: Arsenici jodati 0,2, Hydrargyri bijodati 0,4, Kalii jodati 
3,0-4,0, Aq. dest. 120,0. 1 Gr. dieses Präparats enthält ungefähr 1,5 Mgr. 
Arsen, jodati und 3 Mgr. Hydrar. bijodat. [Die ursprüngliche Donovairsche 
Vorschrift stimmt hiermit nicht vollkommen überein, was indess ohne Belang.] 

Innerlich zu 0,5-2,0 in schleimigem Vehikel mit aromatischem Zu- 
satz, gegen Lupus u. s. w. gegeben. Die von v. Hebra angestellten Ver- 
suche waren nur von bedingtem Erfolge begleitet, [v. Hebra lässt die 
Doiioran'sche Solution folgendermassen bereiten: Arsenik 3,0, Jod 5,5, Quecksilber 
7,0 werden in einer Reibschale mit Alkohol befeuchtet, bis zur Trockne zusammen- 
verrieben, und darauf mit aus 2.3 Jod und ca. 150,0 Aq. destill, bereiteter Jodwasser- 
stoffsäure und 1200,0 Aq. destill, gekocht ad remanent. 100,0.] 

242. ft 

Liq. Hydrojodat. Arsenici et Hydrargyri 4,0 

Aq. destill. 80,0 

Syr. Zingiberis 16,0. 
MDS. Täglich 3-4 Esslöffel. Donovan. 

Arscnicum sulfuratiim. Auripigmentum, Arsenicum flavum s. ci- 
trinum. Orpiment. Sulfure jaune d'Arsenic. Schwefelarsenik. Oper- 
ment. Rauschgelb. Gelber Schwefelarsenik. [10,0 etwa 12 Pf.] 

Nur äusserlich als Aetzmittel bei Krebs [schwächer und unsicherer 
als Acid. arsenic], bei sehr unreinen Schankergeschwüren, bei purulenter 
Conjunctivitis, endlich als Depilatorium bei Hautkrankheiten. 

adde 
Aq. fervid. q. s. 



243. Bf 

Auripigmenti 2,0 
Calcar. caust. 15,0 
Farinae Tritici 2,5 



ut f. pasta. 

Pasta dcpilatoria s. Rusma Turcorum. 

Plenck. 

*Asa foetida. Gummi -Resina Asa foetida, Asa foetida depurata, 
Gummi-Resina Asa foetida depurata. Stercus Diaboli, Devils-dung, Hing. 
Stink-Asant, Teufeisdreck. [Das Gummiharz von Ferula (Peucedanum) Arten, 
besonders Ferula Scorodosma und F. Narthex. — 10,0 pulv. 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,2-10 [und darüber] mehrmals täglich, in Pillen 
und B i SSen [mit einem geringen Zusatz von Mucilago oder Spiritus wird eine Pillen- 
masse dargestellt; das beste (oder vielmehr einzige) Beseitigungsmittel des üblen 
Geruchs ist der Ueberzug der Pillen mit Gelatine oder Drageemasse (Pilulae Asae 
foetidae gelatinatae und tragacanthatae zu 0,12-0,18 auf die Pille sind in den Apo- 
theken vorräthig). Will man auf das Gelatiniren nicht verzichten, aber nicht blos 
Asa foetida, sondern gleichzeitig auch andere Substanzen brauchen lassen, so ver- 



äW Bf 242-243. 



Asa foetida. 



1S3 



ordne man diese für sich ebenfalls in Pillenform und combinire so nach Belieben 
beide Arzneien, da es für den Apotheker unmöglich ist, jede Mischung dragirt oder 
gelatinirt zu halten und das Gelatiniren ex tempore kaum angeht, weil dasselbe häufig 
2-3 Tage erfordert. Als Beispiel dieser Verordnungsweise dieno r^ 247-248], in 
Emulsion [wegen des schlechten Geschmackes unzweckmässig — mit der halben 
Quantität Gummi oder der doppelten Menge Mucilago — etwa 2,0-5,0 auf 100.0 — 
von Knopp gegen Kopfschmerz empfohlen]. 

Aeusserlich: als Riech mittel [Asa foetida ist oft bei capriciösen Hy- 
sterischen ein beliebtes Parfüm, das man ihnen durch kleine Stückchen Asa foetida 
oder durch die Tincturen verschaffen kann], als Klystier [3,0-8,0 Asa foetida 
mit einem Eigelb auf 50 0-150,0 Flüssigkeit]. 



244. Bf 

Asae foetid. 15,0. 
F. ope Spirit. q. s. 
Pilul. No. 100. Consp. Pulv. Rhiz. Irid. 
florent. D. S. 3 Mal täglich 2-5 Pillen 
zu nehmen. 



245. Bf 

Asae foet. 8,0 
Sap. med. 4,0 
Ol. Foeniculi 0,3. 
F. pilul. ( J0. Consp. Lycop. S. 3 Mal 
täglich 10 Stück. 

Pil. Asae foetid. Ph. mil. 



246. 



^ 



Asae foet. 7,5 
Ferri pulv. 

Castor. Canad. pulv. ana 2,5 
Extr. Quass. q. s. 
ut f. pilul. 15ü. Consp. Lycop. D. in 
vitro. S. 2stdl. 3-4 Stück. Heim. 



247-248. Bf 

. Pil. Asae foet. gelatin. 0,18 No. 50. 
D. S. No. 1. 

Fell. Taur. insp. 

Tub. Jalap. pulv. ana 6,0 
F. pil. 100. Consp. Lycop, D. S. No. 2. 
Gebrauchsanweisung: 3 Mal tägl. eine 
Pille von No. 1. und zwei von No. 2. 
zu gebrauchen. 



249. \< 

Asae foet. 

Rad. valerian pulv. 

Ferri jodat. sachhar. ana 4,0 
F. ope Mucilag. Pil. 100. Obduc. Traga- 
canth. D. S. 4 Mal tägl. 2-3 Pillen. 



250. fy 

Asae foet. 4,0 
Galbani 



Myrrh. ana 2,0 
Castorei Canad. 1,0. 
F. c. Tinct. Yalerian. q. s. pil. 80. Consp. 
Pulv. Croci. S. 3 Mal täglich 3-8 Stück. 

Sydenham. 



251. Bf 

As. foet. 6,0 
Pulv. Rad. Ipec. 0,6 
Extr. Digital. 0,4 
Succ. Liquir. q. s. 
ut f. pilul. No. 50. Consp. Pulv. Rhiz. 
Irid. flor. D. S. 3 Mal täglich 4 Stück 
zu nehmen. [Bei Asthma mit Endo- 
carditis rheumatica chron. complicirt.] 

Bergson. 



252. Bf 

Asae foet. 7,5 

tere cum 
Liquor. Ammonii acet. 30,0 
Aq. Menth, pip. 60,0 
Syr. Croci 15,0. 
MDS. 1-2 stdl. einen Thee- bis Esslöffel. 
[Ausserdem Klystierc mit Asa foetid. 
— Bei Spasmus glottidis.] Miliar. 



253. Bf 

Asae foet. 5,0 
Aceti 100,0. 
D. S. Den Klystieren beizumischen. [Die 
Beimischung des Essigs erhöht die Lös- 
lichkeit der Asa foet. nicht, sondern 
dient nur als Darmreiz.] 



254. 



lv 



\<ao foet. 2,0-4,0 
Vitell. ovi unius 

misce sensim terendo c. 
Tiif. Valerian. (c 15,0) 120,0. 
V. enrals. D. S. Zu 2 Klystieren. 



]Bci 



Keuchhusten.] 



Tourtual. 



!;• 244-254. ^Ki 



184 Asparaginiim. 



255. R | D. S. Umgeschüttelt, mit einer Tasse 



Asae foet. 4,0 
01. Ricini 15,0 

Vitell. ovi unius 

terendo sensim misce c. 
Decoct. Rad. Taraxaci 120.0. 



warmer Abkochung von Weizenkleie zum 
Klystier. 

[Bei symptomatischer Darmentzün- 
dung durch Kothanhäufung.] 

Berends. 



AsparagillUlll. Asparamid. [Indifferenter, schön krystallisirbarer Stoff, 
enthalten im Spargel und der frischen Rad. Alth , löslich in 40 kalten, in 4 kochen- 
den Wassers. — 0,1 etwa 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-0,6 in Pulvern, Pillen, Syrup. [Soll harn- 
treibend und der Digitalis ähnlich wirken.] 

Aspidosperiiiinuiii. Aspidospermin. Das Alkaloid der Rinde von 
Aspidosperma Quebracho. Von Frau de dargestellt als Base und als salz- 
und schwefelsaures Salz. Leicht löslich in Alkohol und Aether, wenig 
in Wasser. Dasselbe soll nach den Untersuchungen von Penzoltlt im All- 
gemeinen wie die Quebracho wirken. S. Cortex Quebracho. In Dosen 
von 0,05-0,08 innerlich. 

Atropilllllll. Atropium. Atropina. Atropin. [Alkaloid aus Atropa 
Belladonna. — Krystallinische , farblose, geruchlose Nadeln von widrig scharfem, 
bitterem Geschmack, sehr schwer löslich in kaltem, leichter in kochendem (30 Th.) 
Wasser, ziemlich leicht in kaltem Alkohol (8 Th.), schwerer in Aether, ätherischen 
und fetten Oelen. — 1 Th. Atropin soll in der Wirkung gleich sein ungefähr 200 Th. 
Extract. oder 600 Th. Fol. Belladonnae. — 0,1 25 Pf.] 

Da es zur Auflösung des Atropins stets einiger Tropfen Säure be- 
darf, so thut man besser, wenn man Lösungen verordnet, statt des Atro- 
pinum purum das Atropinum sulfuricum zu verschreiben. 

Dosis und Gebrauch wie beim Atropinum sulfuricum [ad 0,001 pro 
dosi! ad 0,003 pro die!]. 

Atropinum salicylicum. Atropinsalicylat. Salicylsaures Atropin. 
Amorphes farbloses Pulver, dargestellt durch Mischung von 1,62 Atropin 
mit 0,78 höchst reiner Salicylsäure. 1 Th. in 20 Th. Wasser löslich. 
Das Atropinsalicylat soll ohne reizende Einwirkung auf das Auge sein. 

Dosis und Gebrauch wie beim folgenden. Indess ist seine Anwendung 
bis jetzt wesentlich auf die Augenpraxis beschränkt. 

*Atropiiiuni sulfuricum. Atropium sulfuricum, Atropinae Sulfas. 
Sulphate of Atropia. Sulfate (FAtropine. Atropinsulfat. Schwefel- 
saures Atropin. [Vollständig in Wasser lösliche, amorphe, selten schwach krystal- 
linische, weisse Masse. Der vermeintliche Unterschied zwischen englischen und 
deutschen Präparaten, von denen man erstere für weniger reizend hielt, ist durch 
die genauen Beobachtungen ▼. (»räfc's und lliisrlr's hingst widerlegt. — 0.1 35 Pf.] 

Innerlich: zu 0,0003-0,001 [ad 0,001 pro dosi! ad 0,003 pro die!] in 
Pillen [mit Succ. und Pulv. Rad. Liquir.], in Pulvern, Solution [gegen 
Keuchhusten, Krämpfe, Epilepsie. Chorea; — in neuester Zeit besonders gegen die 
heldischen Nachtschweisse der Phthisiker, so wie gegen die Seh weisse bei Rheuma- 
tismus acutus u. a. gerühmt: Wilson, Fr.intzcl; bei Urticaria mit Erfolg angewandt: 
Fruntzcl. Iffcycr-Hüiii rühmt Atropin beim Keuchhusten in folgender Form: Atrop. 
Atrop. sulfur v 0,05 Aq. 30,0, Morgens 3, Abends 4 Tropfen in Zuckerwasser, also 
täglich 0,75 Mmgr. Wiglcsworth hat es in noch kleineren Gaben von 0,3-0,5 Mmgr. 
einmal am Tage wirksam gefunden. 

fy 255. 



Atropinum sulfuricum. 



185 



Aeusserlich: als endermatisclies Pulver, zu subcutanen In- 
jectionen [vergl. den allgemeinen Theil S. 81 — bei Krämpfen, Neuralgien und 
verschiedenen anderen Neurosen; in neuester Zeit besonders warm gegen Myalgie 
und rheumatische Schmerzen (Da Costa, Wilson) empfohlen. Statt des Ergotin oder 
Extr. sec. com. empfiehlt Talke von einer 0,lproc. Lösung von Atropin. sulf. 0,3 zwei 
bis drei Mal täglich zu subcutaner Injection bei Hämorrhagien ex utero und mens, 
nim.], als Augentropfwasser [0,03-0,08 auf 10,0 — bestes Erweiterungsmittel 
der Pupille], in Salben [0.02-0,05 auf 10,0 Fett]. Ein besonders zuverlässiges 
Präparat ist die Atropin-Gelatine, welche ä ßlättchen 0,0025 Gr. Atropin 
enthält und mit einem feuchten Pinsel aufgenommen in den Conjunctival- 
sack gebracht wird. 



256. Bf 

Atropini sulf. 0,03 

Succ. Liquir. dep. 

Pulv. Rad. Liquir. ana 5,0. 
F. pil. 100. Consp. Pulv. Rhiz. Irid. fror. 
D. S. 2 Mal täglich 1-3 Pillen. 



257. 



R 



Meli 



Atropini sulf. 0,1 

Sacch. lact. 4,0 

Gumm. arab. 0,9. 

q. s. f. 1. a. granula No. 100. Obd. 
argent. S. Abends 1-2 Granul. [Gegen 
Nachtscrrweiss der Phthisiker.] 



258. R 
Atropini sulf. 0,02 
Morph, muriat. 0,4 
Aq. destill. 20,0. 

D. S. Zur subcut. Injection. [1 Spritze 
enthält 1 Mgr. Atropin und 1 Ctgr. 
Morphin, also 10 Theilstriche 0,2 Mgr. 
Atropin.] 

259. Bf 

Atropini sulfurici 0,006 
\ ru;illae q. s. 
ut f. Pilul. No. 10. Consp. Lycop. D. 
S. Abends und wenn nöthig auch Nachts 
1 Pille zu nehmen. 
[Gegen profuse Seh weisse.] 

Praentzel. 



260. 



D. S 



Atropini sulfurici 0,01 
solve in 

Ä.q. Laurocerasi 10,0 

Abends und nach Bedarf niss auch 
Nachts 10 Tropfen zu nehmen; in 10 
TropfeL 0,5 Milligr. Airop. sulf. [Bei 
hektisches Schweissen der Phthisiker.] 



•261 



$ 



D. S. 



Atropini sulfurici 0,03 

solve in 
Aq. dest. 2,5 

Täglich 1-2 Mal 1 Tropfen. Von 
Monat zu Monat 1 Tropfen tägl. mehr 
Sobald deutliche Besserung vorhanden, 
Stehenbleiben bei der letzten Dosis, 
dann wieder allmälig zurückgehen. Yon 
Zeit zu Zeit, zumal bei Intoxications- 
erscheinungen, Aussetzen des Mittels. 
[Behandlung der Epilepsie nach Skoda.] 

M. Rosenthal. 
Es erscheint practischer, obige Lösung 
diluirter zu verordnen, und dem ent- 
sprechend die Einzeldosis zu erhöhen, 
also etwa 0,03 auf 25,0 zu verschreiben 
und statt 1 Tropfen 10 Tropfen pro dosi 
zu reichen.] 



262. Bf 

Atropini sulf. 0,04-0,08 
Aq. destill. 10,0. 
D. in vitro cum signo veneni et sub si- 
gillo S. Augentropfwasser. 

A. v. Gräfe. 



263. 



$ 



Atropini sulf. 0,05 
Camphor. 0,3 
Spirit. dilut. q. s. 

ad solut. 
Ungt. cerei 5,0. 
D. S. Bohnengross in die Stirn- und 
Augenbrauen-Gegend einzureiben. [Ge- 
gen neuralgische Schmerzen bei Iritis 
und Glaucom. 



Afropi 



liniim valerianicum. Baldriansaures Atropin. Valena- 
nate <l atropine. [Auflösung von Atropin in Baldriansäure, welche sich vorsichtig 
bis zu Syrupsdicke abdampfen lässt. — 0,1 etwa 30 Pf.] 

Dosis für den inner liehen Gebrauch wie beim Atropinum sulfuricum. 
Von Michea warm empfohlen. Bat vor Atiop. sullur. nicht den gering- 
sten Vorzug. 

1* 256-263. ^pß 



186 Auro-Natrium chloratum. 



*Äuro- Natrium chloratum. Aurum natronato- chloratum, Aurum 
natronato-muriaticum, Murias Auri et Sodae, Aurum muriaticum natro- 
natum, Chloretum iVuri natronatum. Chloro-aurate of Sodium. Chlorure 
d'or et de sodium. Natrium-Goldchlorid. Goldchlorid-Natron, Chlor- 
goldnatrium. [Eine Auflösung von reinem Gold (65 Th.) in einer Mischung 
von Salpetersäure (65), Salzscäure (240), Wasser (200), Natriumchlorid (100). Die 
klare Flüssigkeit auf dem Wasserbad zur Trockne verdampft. Goldgelbes Pulver, 
Feuchtigkeit schwach anziehend. — 0,1 25 Pf.] Leicht in Wasser löslich. — 
Jeder Zusatz, namentlich organischer Substanzen und der meisten Salze, 
ist bei diesem höchst zersetzlichen Medicamente zu meiden; Auflösungen 
sind vor Licht zu schützen. 

Innerlich: 0,003-0,01-0,06 [ad 0,05 pro dosi! ad 02 pro die! — Das 
nach der Ph. Austr. bereitete Präparat, welches 80 Procent Goldchlorid besitzt, ad 
0,03! pro dosi und 0,1! pro die.] 1-2 Mal täglich, in Pulvern [auch der Zu- 
satz des Zuckers wirkt reducirend, ja sogar schon der organische Gehalt des um- 
hüllenden Papiers, weshalb die Verordnung in Pulvern unzweckmässig], in Pillen 
[das eben Gesagte findet auf die Verordnung in Pillen noch stärkere Anwendung], 
in Pastillen [mit Chokolade verrieben, wo das Goldchlorid fein vertheilt, von 
Fett umgeben, nicht gelöst ist und keine Feuchtigkeit anziehen kann. — Diese Form 
scheint eine sehr zweckmässige. — Gehalt jeder Pastille 0,002], in Auflösungen 
[nur mit Aq. dest., ohne jeden weiteren Zusatz — in vitro nigro], 

Aeusserlich: als Pulver zu Einreibungen in die Zunge, täglich 
etwa 0,005-0,01-0,02 in die Zunge einzureiben. [Zusätze von Zucker, Rhiz. 
Irid. florent., (selbst vorher mit Wasser und Weingeist ausgewaschener") Kohle u. s. w. 
sind aus oben angeführter Rücksicht unzweckmässig; man könnte sich mit Vortheil 
des Talcum, der Argilla oder noch besser der Calcaria sulfurica praeeipitata bedienen, 
und die auf einmal zu verbrauchende Quantität in kleinen, schwarz umhüllten, wohl- 
verkorkten Proberöhrchen verabreichen. Allerdings dürfte diese Dispensirmethode 
etwas theuer zu stehen kommen, jedoch wird man, wo es sich überhaupt um Wohl- 
feilheit handelt, leicht ganz und gar vom Golde Abstand nehmen können, da es wohl 
durch seine medicamentösen Eigenschaften nicht unentbehrlich ist.] Salben [0,03 
bis 0,2 auf 5,0], A ngenwässern [0,01-0 02 auf 10,0]. 



pfen (enthält 0,002), allmälig steigend 
auf 50 Tropfen (0.005). 

[Dabei Sarsaparill-Decoct und ent- 
sprechende Diät. Bei seeundärer Syphilis.] 

Lehmann. 



264. ly. 

Auro-Natrii chlorat. 0,05 
solve in 

Aq. destill. 25,0. 
D. in vitr. nigr. S. 3 Mal täglich 20 Tro- 

Auruiii chloratum. Chloretum Auri, Aurum chloratum cum Acido 
hydrochlorico. Chlorid of gold. Chlorure d'or. Goldchlorid. Chlorgold, 
Goldtrichlorid. [Lange orangegelbe Nadeln, stark hygroskopisch, leicht in Wasser, 
Weingeist and Aether löslich. — Eins der eingreifendsten, corrosivsten Goldpräparate, 
das bei innerem Gebrauche Allgemeinwirkungen erzeugt, die denen des Sublimats 
ahn lieh sind. — 0,1 etwa 40 Pf.] 

[nnerlich: 0,002-0,01 in Auflösung [0,05 in 150,0 gegen Krebs, 

Syphilis 0. s. w. empfohlen]. 

Aeusserlich: als Pulver zu Einreibungen in die Zunge [0,01-0,015 
pro dosi]} als concentrirte Auflösung [zum Aetzen von Krebsgeschwüren — 
Röcamicr löst 0,3 in 25 Aqua Regis auf: Liquor Auri nitrico-muriatici]. 
Bestandiheil des Lamlollfschen Verfahrens gegen Krebs. Nach An- 
gabe seines Erfinders ein untrügliches Heilmittel gegen Krebs, welches 

PF* ry 264, 



Aurum cyanatum. 187 



mit seinem Erfinder die tour du monde gemacht und sich überall, wo es 
ernstlich geprüft wurde, als Humbug erwiesen hat. [Wir haben es nicht 
vermocht die in der vorigen Auflage dieses Werkes gegebene umständliche Darlegung 
dieses, auch chemisch — weil sich die einzelnen Substanzen zum Theil gegenseitig 
zersetzen — ganz unsinnigen Verfahrens hier zu wiederholen.] 

Alirillll cyanatum. Cyangold. [Gelbes, unlösliches Pulver, das mildeste 
— vielleicht gar nicht wirkende — Goldpräparat, weshalb dessen Dosis auch höher 
gegriffen werden darf, als die des vorigen. Die Zersetzlichkeit des Präparats erfordert 
dieselben Cautelen wie das Natrium-Goldchlorid.] 

Alirillll foliatlim. Feuilles d'or. Blattgold. [Zum Ueberziehen der 
Pillen, namentlich solcher, welche Schwefelwasserstoff entwickeln und den Silber- 
überzug schwärzen würden — sonst entbehrlich; vertheuert die Pillen. — 1 Lamelle 
etwa 10 Pf. 30 Pillen zu vergolden kosten 50 Pf.] 

Auruill jodatum. Jodgold. [Schwer in Wasser löslich.] 
Innerlich: 0,004-0,01 [auch wohl mehr, da das Präparat sehr wenig lös- 
lich], in Pulvern und Pillen [gegen Syphilis]. 

Aeusserlich: in Salben [0,1-0,2 auf 10,0 Fett]. 

Auruill OXydatllUl. Goldoxyd. [Wie die übrigen Goldpräparate gegen 
Syphilis angewendet, aber ebenso entbehrlich.] 

Aurum ]»raeci|Htatuiu purum. Reiner Goldniederschlag. [Durch 
schwefelsaures Eisenoxydul aus Goldchloridlösung niedergeschlagen.] 

Innerlich: zu 0,01-0,03-0,06 mehrmals täglich in Pulvern, 
Pillen. 

Aeusserlich: zu Einreibungen in die Zunge. 

*Axungia miiteralis. Mineralfett. Aus dem Mineralreich gewonnene 
Kohlenwasserstoffe von fettartigem Charakter. Die flüssige Form dieser 
Präparate wird Paraffin öl oder Vaselinöl genannt, das feste Präparat 
als Ceres in bezeichnet. 1 Th. Ceresin und 4 Th. Paraffinöl zusammen- 
geschmolzen geben die Vaselin genannte Masse, mit welcher das Un- 
guentum Paraffini identisch ist. S. Vaselin resp. Unguentum 
Paraffini. 

Baccae Juniperi s. Pructus Juniperi. 

ßacHH Liquiritiae. Hustenstangen. [Durch Safran gefärbte Zucker- 
masse, mit Zusatz von Rad. Liquir., Rhiz. Iridis u. s. w.] — Volksmittel. 

Italsamiim Cauadcnse. Canada-Balm. Beaume de Canada. • Ca- 
nadischer Balsam. [Eine feinere Sorte des Terpenthins, von Pinus balsamea 
s. Canadensis stammend. — Von aromatischem Geruch. — 10,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0, am besten in Pillen oder Bissen [mit Pulv. 
Cubebarum q. s. und etwas Wachs]. 

'-italsamiim (opaivac s. Copahu. Copaiba. Baume d'Inde blanc. 
Baume de Copahu. Copaivabalsam. Klare, gelb-bräunliche Flüssigkeil 

von eigenthümlich aromalischem Geruch und scharfem, bitterlichem Gc- 
SChmack. [Haaptbestandtheile, wie bei allen natürlichen Balsamen, ein ätherisches 
Oel und ein fettes Harz; dickflüssig; löslich in Alcohol, Aethor, ätherischen und 
fetten Oelen. — 10,0 20 Pf.] 

In n eil ich: 0,5-1,0-2,0 pro dosi, 4,0-8,0 pro die; rein [10-40 Tropfen 
pro dosi. — Alan lässt dann etwas Citronensaft oder einige Tropfen Tinct. Menth, pip. 



1SS Balsamum Copaivae. 



nachnehmen, oder auch vorher den Mund mit etwas Pfefferminzwasser ausspülen, 
oder die Tropfen mit schwarzem Kaffee, Thee oder Chamillenthee nehmen, oder lasse 
sie zuvor vom Patienten zuvor mit Zucker zu einer Paste verreiben: r. Sigmund]. 
besser in Kapseln [deren jede circa 0,6 enthält und wovon 6-12 pro die ver- 
braucht werden können. — Der billige Preis, den jetzt die »Capsules gelati- 
neuses au Copahu" haben (1 Dutzend 40 Pf.), macht jede andere künstliche Ver- 
ordnungsform ziemlich entbehrlich. Die Kapseln lassen sich sehr leicht nehmen, wenn 
sie etwas befeuchtet auf die Zunge gelegt werden und ein Schluck Wasser nachge- 
trunken wird. Auch findet man den Balsam in Kapseln, verbunden a) mit gleichen 
Theilen Extr. Cubeb. (1 Dtzd. 60 Pf.), b) mit Extr. Myrrh. et Ferr. pulverat. (1 Dtzd. 
60 Pf.), und c) mit Myrrh. und Ferr. sulfuric. (1 Dtzd. 60 Pf.) in den meisten 
Apotheken vorräthig*)], in Pillen [mit Magnesia usta; der Balsam wird hierbei, 
unter Verlust eines grossen Theiles seines ätherischen Oeles, verseift. — Die Masse 
muss, bevor sie die nothwendige Festigkeit erlangt, etwa 8 Tage alt sein, ist aber 
in den meisten Apotheken vorräthig; diese Balsamseife belästigt die Verdauung nicht 
wesentlich, da sie sich in der Säure des Magensaftes alsbald zersetzt, wo dann die 
neugebildeten Magnesiasalze gelind abführend wirken, was beim Balsamgebrauch bis- 
weilen erwünscht ist. Zwei Theile Balsam mit einem Theile Magnesia geben, erwärmt, 
die zur Pillenmasse geeignete Composition, für deren spätere Dispensation noch 
Pflanzenpulver (Pulv. Cubebarum ana) erfordert wird. — Die Pillenbereitung 
mit Wachs ist bequemer und schneller zu beschaffen, als das eben erwähnte Ver- 
fahren; die beste Proportion dürfte 2 Th. Balsam, 1 Th. Wachs und 3 Th. Pilanzen- 
pulver sein; von Wichtigkeit ist es, dass nicht das Wachs geschmolzen und in 
noch heissem Zustande mit dem Balsam vermischt werde, weil dabei ein Verlust an 
ätherischem Oel entsteht; man schreibe vor, das Wachs zu schaben und mit dem 
Balsam zusammenzurühren, wobei die nothwendige Vermischung so gut wie beim 
Schmelzen des Wachses erfolgt], in Bissen, als Electuarium [2 Th. Balsam, 
1 Th. Cubebenpulver; das Einnehmen dieser allerdings schlecht schmeckenden Masse 
erleichtert man sich dadurch, dass man Stücke derselben in Oblate wickelt und ver- 
schluckt], in Emulsion [10,0-20,0 Balsam mit der Hälfte Gummi Arab. zu einer 
Emulsion von 150,0. — Solcher Emulsionen, natürlich mit möglichst geringem Wasser- 
gehalte bediente man sich früher zur Pillenbercitung, indem man sie mit Pflanzen- 
pulver anknetete, ein unzweckmässiges und längst verlassenes Verfahren], in Mix- 
turen [gewöhnlich Schüttelmixturen mit aromatischen Wässern und Zusatz von 
Spir. aether., Eisentincturen u. s. w. Durch Zusatz von Mineralsäure soll der Bals. 
Copaiv. der Verdauung weniger lästig werden], in Gallerte [durch Vermischung 
von 6 Th. Bals. Copai'v. mit 1 Th Cet. wird eine gallertartige Masse gewonnen (Bals. 
Copaiv. solidificatum, Gelatina Bals. Copaiv.), von welcher eine Messer- 
spitze bis ein halber Theelöffel in Oblate gehüllt, ohne Belästigung des Geschmacks 
genommen wird]. In den meisten Fällen wird durch die Mischung von 
Eisentropfen, Balsam und aromatischen Wässern nach den beliebten For- 
meln ein höchst widriges, tintenähnliches Gebräu dargestellt, welches die 
ünappetitlichkeit des Bals. Copaiv. noch steigert. 

\ eusserlich: zu Einreibungen in die Haut pure [bei Krätze, 
soll sehr wirksam sein: Fröhlich, fflonti], ZU Klystieren [5,0-20 in Emulsion], 

*) Ricord hat in neuester Zeit Capsules au Copahu avec Pepsine et 
Bismuth (0,30 Balsam, U ? 06 Pepsin and Bism. subnitr. ana) eingeführt; eine Com- 
position, von welcher vorausgesetzt wird, dass sie die unliebsame Wirkung des Bal- 
sams auf die Verdauungsorgane verhüten soll (V). 



Balsamum Copaivae. 



189 



Injectionen in die Harnröhre [etwa 5,0-10,0 in Emulsion von 200,0], Sup- 
positorien. 

265. Iy 

Massae Bals. CopaiV. c. Magn. ust. MDS. 
(2 Bals., 1 Magn.) 

Pulv. Cubebar. ana 10,0. 
F. pil. 100. Consp. Cass. Cinnam. D. S. 



4 Mal täglich 5-10 Stück. 



266. Iy 

Bals. CopaiV. 
Terebinth. ana 2,0 
Magn. ust. q. s. 
ut f. pil. No. 30. Consp. Cinnam. D. S. 
3 Mal täglich 3-5 Stück. [Bei Blasen- 
catarrh.] Gall. 



267. Iy 

Sapon. Bals. CopaiV. (c. Magnes. 

parat.) 25,0 
Pulv. Cubebar. 
Tub. Jalap. ana 5,0. 
f. Bol. 50. Consp. Cinnam. D. S. 
? >-6 Stück täglich zu verbrauchen. 



M 



268. Bf 

Bals. CopaiV. 
Extr. Cubebar. ana 10,0 
Cubeb. pulv. 
Myrrh. pulv. ana q. s. 
ut f. boii No. 50. Obduc. gelatina. D. S. 
Mehrmals täglich 2-3 Stück zu nehmen. 
Globuli Graefii. 



269. 



I* 



Bals. CopaiV. 30,0 

Magnes. ust. 3,0 

Cubebar. 40,0 

Ol. Menth, pip. 

Ol. Cinnam. ana 0,2. 
M. f. electuar. D. S. 3 mal tägl. 1 Thee- 
löffel voll in Oblate zu nehmen. [Bei 
subacuten und chronischen Blennor- 
rhagien.] Bayran. 



Syr. simpl. 400,0. 
Mehrere Male täglich \-\ Esslöffel. 
Sirop au Copahu. 

Puche. 



270. 



MDS. 



27! 



Bals. CopaiV. 20,0 
Gummi Arab. 10,0 

f. cum 
Aq. Menth, pip. q. 
Emulsio 150,0 

cui adde 
Syr. Zingiberis 20,0. 
Stdl. 1 Esslöffel. 



Py 
Bals. Copaiv. 80,0 
Gummi Arab. 20,0 
Aqua-: 50,0 
Ol. Menth, pip. 1,5 



[Niwht nur bei Gonorrhoe, sondern auch 
bei Croup und Diphtherie von Trideau 
mit Vortheil angewendet.] 



60,0 



272. Iy 

Bals. Copaiv. 
Syr. baisam. Tolut. ana 
Aq. Menth, pip. 120,0 
Spirit. 60,0 
Spir. nitrico-aeth. 8,0. 
MDS. 2 mal täglich 1 Esslöffel. [Potio 
Choparti; auch gegen Bluthusten em- 
pfohlen.] Wolff. 



273. Iy. 

Bals. CopaiV. 15,0 

Tinct. Ferr. chlorat. aether. 10,0 

Tinct. aromat. acid. 5,0. 

MDS. 4 mal täglich 15-20 Tropfen zu 



nehmen. 



Zeissl. 



274. 



MDS. 



R- 



Bals. CopaiV. 20,0 
Spir. Juniperi 30,0 
Spir. Aeth. nitrosi 10,0. 
4 mal tägl. 30 Tropfen zu nehmen. 
Sclioemann. 



275. Iy 

Bals. Copaiv. 40,0 

Natr. carb. eryst. 20,0 

Aq. q. s. ad 1000,0. 
MDS. Zur Injection. 

[Die^e in Frankreich officinelle Mischung 
giebt eine vollkommene Emulsion, die sich 
gut erhält. Sie wird zu Injectionen in die 
Harnröhre, gewöhnlich mit 3 Theilen Was- 
ser verdünnt, bei Gonorrhöen benutzt; 
zuweilen mit Zusatz einiger TropfenTinc- 
tura Opii.] Jeannel. 



276. Iy 

Bals. CopaiV. 1,0 

Aq. dest. 120,0 

Vitelli ovi 0,5. 
M. F. Emulsio. S. Zur Injection in die 



Harnröhre. 



Clerk. 



277. 



MDS. 



K' 



Bals. CopaiV. 15,0 

Vitelli ovi unius 

Decoct. Flor. Malvae 300,0 

Tinct. Opii crocat. 1,0. 

Zum Klystier. Velpeau. 

Iy 265-277. 



i9Ö Balsamum Copai'vae siccum. 



Balsamum Copaivac siccum. ResinaCopaiv-ae. Balsamum Parisiense. 

Copaivharz. [Bals. Copai'v. mit Wasser gekocht (wobei das ätherische Oel ver- 
fliegt), bis es die Consistenz von Terebinth. cocta erlangt. — 10,0 etwa 40 Pf.] 

Innerlich: 1,0-4,0 pro die in Pillen [mit Magnesia, Cubeben und 
einem Extract. — Aller Wahrscheinlichkeit nach Bestandteil der Riiquin'schen Ge- 
heimmittel, der Pil. Armenienses: Bals. Cop. sicc. 0,5, Magn. usta 15,0, Cabeb. 
10,0. Argillae rubrae 10,0, leni calore liquat. f. pil. pond. 0,5. Consp. Arg. rubr.] 

Aeusserlich: zu Suppositorien. 



278. fy 

Bals. Copai'v. sicci 
Ol. Cacao ana 5,0 
Extr. 'Opii 0,02. 



M. F. Suppositorium. Dispens, tal. 
dos. No. 10. D. S. Morgens und Abends 
ein Stück einzulegen. [Bei chronischen 
Leukorrhöcn.] Colombat. 



BalsailUllll de Mecca, Mecca-Balsam. [Die feinste Sorte des Ter- 
penthin; selten acht zu haben, — 1.0 etwa 15 Pf.] 

Innerlich: nach Art des Terpenthin zu brauchen. 

Balsamum Nucistac. Ceratum Myristicae. Balm of nutmeg. 
Baume de Muscade. Muskatbalsam. [1 gelbes Wachs, 2 Ol. Olivar., 6 OL 
Myristic. — Von braunlich gelber Farbe und aromatischem Geruch. — 10,0 44 Pf.] 
Aeusserlich zu Einreibungen. 

Balsamum Peruviaimm s. Bals. Indicum nigr. Peruvian balm. 
Baume de Perou noir. Perubalsam. Schwarzer Perubalsam. Braim- 
rothe bis tief dunkelbraune in dünner Schicht durchsichtige, nicht faden- 
ziehende Flüssigkeit von bekanntem angenehmen Geruch. [Von Myroxylon 
Pereirae. 10,0 55 Pf. — Ziemlich leicht löslich in Alcohol.] 

Innerlich: zu 0,2-1,2 mehrmals täglich, in Pillen [mit Wachs wie 
Bals. Copai'v.], Bissen, Electuarium, Emulsion [5.0-10,0 Balsam mit der 
Hälfte Gummi zu 150.0 Emulsion]. 

Aeusserlich: zu Mundwässern, Zahntincturen, in Emul- 
sionsform [aber noch verdünnt] zum Bestreichen wunder Brustwarzen, als 
Zusatz zu Salben, Ceraten, Pomaden, zum Badespiritus, zu 
Einreibungen [Verbindung mit ätherischen Oelen] u. S. w. [Nur sehr geringe 
'Zusätze von Perubaisam geben einen angenehmen Geruch, z. B. 2,5 auf 300-50,0 
Medull. oss. bov. als Haarpomade]. Besondere Erwähnung verdient die An- 
wendung des Perubalsams als Kratz mittel, welche in neuerer Zeit 
ganz allgemein geworden und wegen ihrer raschen, sicheren und den 
Kranken möglichst wenig belästigenden Wirkung den Vorzug vor allen 
übrigen Krätzkuren verdient. Das Verfahren besteht darin, dass der 
Kranke 10,0-15,0 Perubaisam über den ganzen Körper, mit Ausnahme 
des Kopfes, einreibt, einige Stunden später ein laues Seifenbad nimmt 
and 1-2 Tage nachher die Einreibung mit derselben Menge Balsam wieder- 
holt. [Dieses Verfahren hat auch in der Militairpraxis mit Recht alle übrigen 
Methoden fast gänzlich verdrängt.] 

Ol. Amygd. dulc. 15,0 
Gummi Arab. 10,0 
Syr. simpl. 50,0 

Aq. Hnst, q. s. ut f. 
Emulsio 200,0. 
I). S. Mehrere Male täglich einen Ess- 
löffel voll. 

[Bei hartnäckiger Bronchitis.] 

Bouchardat. 



279. 


Bals. 


Peruv. G,0 








Mvrrli. 12,0 










Opii 2.0. 






V. 1. 


i. pil. 


150; Consp. Rl 


dz. Irid. 


S. 


2 süll. 2 


- 1 Pillen. [Bei 


eh ionisch 


•m 


Bro 


ochial 


catarrh. | 


Marcus. 




2S0. 


\'< 






Bals. 


Peruv. 0,05 






ö*t 


Bf 27 


8-280. 







Balsamum Tolutanum. 



191 



281. Bf 

Ol. Amygd. 6,0 
Gummi Arab. 3,0 
Aq. Rosar. 50,0 
Bals. Peruv. 1,5. 
F. 1. a. emulsio. D. S. Umgeschüttelt zum 
Bestreichen der Brustwarzen. 
[Emulsio papillae.] 



282. Bf 

Bals. Peruv. 4,0 
Mixt, oleos.-bals. 24,0 
Aq. Coloniensis 30,0. 

MDS. Zum Waschen. [Bei 



ersten Grades.] 



Frostbeulen 
Kust. 



283. 



lv 



MDS. 

284. 

M. F. 



Spir. dilut. 200,0. 
Zum Einreiben. 



v. Hebra. 



3 

Bals. Peruv. 
Sulfur. depur. ana 3,0 
Ungt. simpl. 50,0. 
unffuentum. [Gegen Scabies 



bei 



Kindern.] 



J. Neumann. 



285. R 

Medull. oss. 50,0 
Ol. Jasmini 10,0 
Ol. Neroli 0,15 
Ol. Rosar. 0,25 
Ol. Amygd. amar. 
Bals. Peruv. 
Tinct. Cantharid. 

MDS. Haarpomade. 



0,1 
ana 10,0 



Baisami peruviani 4.0 

Balsamum Tolutanum. Balsam de Tolu. Balm of Gileadtree. 
Baume d'Inde sec. Toi üb als am. Opobalsam. [Trockene, harzige Masse. 
— 10.0 25 Pf. — Löslich in Alkohol.] 

Innerlich: zu 0,15-1,0 mehrmals täglich, in Pulver [mit Zucker 
verrieben], in Pillen, Pastillen [0,01 auf eine Pastille]. 

Aeusserlich: als Zusatz zu [schmerzstillenden] Salben. 

ltoucharrint giebt folgende Vorschrift eines Sirop du bäume de 
Tolu (Syrupus Baisami Tolutani) : Bals. Tolutani 50,0, Aq. dest. 500,0, 
Sacch. albi 100,0. Im Marienbade 12 Stunden zu digeriren, zu filtriren 
und das doppelte Gewicht Sacch. albi hinzuzufügen. 2-4 Esslöffel voll 
in Tisanen zu nehmen. — Picrquin reicht diesen Syrupus de Tolu mit 
Syr. Capillor. Veneris und Sacch. ana 50,0 theelöffel weise bei Bronchitis. 



286. Bf 


287. 


Kf 


Bals. Tolut. 6,0 




Bals. Tolutani 5,0 


Stryacis 5,0 




Extr. Opii 0,5 


Magnes. carb. q. s. 




Zinci oxydati 1.5 


ut f. pil. No. 30. Consp. Lycopod. S. 




Ungt. plumbi 40,0. 


Pillen täglich zu nehmen. [Bei In- 


M. f. 


ungt. D. S. Zum Verbände. 


continentia urinae.] Ohabrely. 




Frerichs. 



Baryta acctica. Acetas Baryi. Essigsaure Baryterde. 

Baryta carbonica Ph. Eilinb., Amer. Carbonas Baryi. Kohlensaure 
Baryterde. 

Baryta nitrica. Nitras Baryi. Salpetersaurer Baryt. 
Diese Präparate werden zur medicamentösen Verordnung selten oder 
nie benutzt. [10,0 etwa 10 Pf.] 

Barnim chloratum.' Baryta muriatica, Terra ponderosa salita, 
Chloretum Baryi c. Aqua, Murias Baryi. Salzsaure Baryt- oder 
Schwererde. Chlor baryum. [10.0 5 Pf.] Löslich in 2-3 Wasser. 
Unverträglich mit allen Salzen, ausgenommen die Chlor-, Jod- und Brom- 
verbindungen der Alkalien. 

Innerlich: zu 0,02-0,03-0,1-0,12 [ad 0,12 pro dosi, ad 1,5 pro die!] 
einige Male täglich; in Pil Um, in Auflösung [etwa 2.5 in 25,0 Aq. Lauro- 
cerasi, 5-20 Tropfen pro dosi, zu nehmen]. 

Bf 28 1-287. 



192 Baryum jodatum. 



Aeusserlich: zu A ugentropfwässern [0 ; 05-0,2 auf 10,0] und als 
Verbandwasser bei Geschwüren. 

288. R I 289. fy 



Baiyi chlorati 2,0 
Aq. dest. 30,0. 
D. S. Für Kinder bis zu drei Jahren 
5-8-10, für grössere Kinder 10-20-30, 
für Erwachsene 20-30-60 (!) Tropfen, 
[allmälig steigend] 1-2 mal täglich. 
*• Hufeland. 



Baryi chlorati 0,5 
Aq. dest. 150,0. 
Solv. D. S. Stdl. [eine Stunde vor und 
zwei Stunden nach der Mahlzeit ausge- 
nommen] 1 Esslöffel. Nach 8 Tagen 
wird die Gabe auf 1,0, später 2,0 (!) 
und so fort bis zu 2,5 (!) erhöht. [Gegen 
Tumor albus.] Lisfranc. 

BaryilUl jodatum. Baryta hydrojodica. Jod baryum. [Feine weisse 
Krystalle. die leicht Wasser aus der Luft anziehen und sich leicht durch Freiwerden 
des Jods bräunen. — Höchst zersetzliches Präparat. — 5,0 etwa 100 Pf.] 

Innerlich: zu 0,005-0,01-0,015 3 Mal täglich, in Pillen [unzweck- 
mässig], in Lösungen [von denen man nur geringe Quantitäten verschreibe. — 
Gegen Scropheln]. 

Aeusserlich: in Salben [0,2-0,5 auf 25,0. — Von Biett zur Zerstörung 
scrophulöser Geschwülste angewendet]. 

BcbcerillUIIl. Bebeerin. Bibirin. [Allcaloid aus der Cort. Bebeeru; 
sehr bitter, in Weingeist und verdünnten Säuren leicht, in Wasser und Aether schwer 
löslich. Vergl. Buxinum. — 1,0 etwa 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,12-0,25 [gegen Intermittens] in Pulvern oder 
Pillen. Ebenso das 

BcbcerillUIIl sulfuricuiii. Schwefelsaures Bebeerin. Wird in 
Dosen wie Chinin in Pulvern und Pillen als fieberwidriges Mittel ge- 
braucht. Die Merck'sche Fabrik in Darmstadt zeigt ein Bebeerin. 
purum und ein B. hydrochlorat. an. 

Bcnzinum. Benzole. Benzene. Benzin, Benzol. [Destillations- 
Product aus dem Steinkohlenther, der Benzoesäure u. s. w. — Wasserhelle Flüssig- 
keit von stechendem Geruch und süsslichem Geschmack. 0,68-0,70 spec. Gew., in 
Alkohol und Aether löslich, in Wasser unlöslich, aber demselben seinen Geruch 
mittheilend. — 100,0 35 Pf.] 

Innerlich: zu 0,2-0,5-1,0 mehrmals täglich in Tropfen und 
Mixturen. [Gegen Darm -Trichinen, in Verbindung mit Laxantien, von Moslcr 
empfohlen. Frerichs wendet das Benzin, 2 Mal täglich zu 20 Tropfen, bei solchen 
Digestionsstörungen, welche durch längeres Verweilen des Mageninhaltes und Bildung 
von Hefenpilzen bedingt werden, als gährungswidriges Mittel an. Dasselbe wirkt oft 
kräftiger als das Kreosot und ist bei manchen gastrischen Leiden, z. B. chronischem 
Erbrechen, ein unschätzbares Mittel. Durch Nauiiyii's Versuche ist die gährungs- 
widrige Eigenschaft des Benzins mit Sicherheit erwiesen.] 

Aeusserlich: als Tödtungsmittel gegen Hautparasiten von Lambert, 
Kcynal und Barth empfohlen. [Letzterer wendet es zur Behandlung der Krätze 
in folgender Weise an: Man reibt die Haut mit trockenen Leinen so lange, bis sie 
stark geröthet ist, und laset dann Benzin einreiben. Eine Stunde nach der Einreibung 
sind die Krätzmilben eingetrocknet. Das Verfahren ist zwar nicht schmerzlos, soll 
aber ausserordentlich schnell und sicher wirken, so dass weitere Versuche mit dem- 
selben, bei der Wohlfeilheit des in Rede stehenden Mittels anzuempfehlen sein dürften.] 
Moslcr empfiehlt Klystiere von Benzin [3,0-8,0 auf 500,0] als Tödtüngs- 

fy 288-289. 



Benzoe. 



193 



mittel gegen Trichinen, ferner Eingiessungen grosser Quantitäten warmen 
Wassers in den Darm mit Zusatz von l / 2 EsslöfFel Benzin zu je 1 Liter 
gegen Oxyuris vermicularis. Lochner empfiehlt Inhalationen von Ben- 
zin gegen Keuchhusten. [Er lässt Benzin auf die Betten der Patienten träufeln, 
damit die Luft mit den Dünsten derselben geschwängert werde — ein Surrogat für 
den Aufenthalt keuchhustenkranker Kinder in den Gasreinigungsanstalten. Zugleich 
giebt L. mehrere Male täglich einige Tropfen dieses Mittels innerlich] 



290. fy 

Benzini 6,0 

Mucilag. Gummi Arab. 

Solut. Succi Liquir. conc. ana 25,0 

Aq. Menth, crisp. 100,0. 
MDS. l-2stdl. 1 Esslöffel. [Bei Trichi- 

Rudloff. 



291. Bf 

Benzini 30,0 
Adipis suill. 40,0. 

M. exaetissime f. unguent. 
Einreibung. [Bei Krätze.] 



D. S. Zur 



Lambert. 



niasis.] 

*BeilZOÖ. Resina Benzoe. Asa dulcis. Benzoin. Benjoin. Benzoe- 
harz. Graubräunliche, oft löcherige, leicht zerrei bliche Masse. [Harz aus 
Styrax Benzo'in , welches vorzugsweise Benzoesäure und ätherisches Oel enthält. — 
10,0 27 Pf., subt, pulv. 45 Pf.] Löslich in Alkohol. 

Innerlich [höchst selten]: zu 0,3-1,0 mehrmals täglich, in Pillen 
oder Emulsion. 

Aeusserlich: zu Zahnpulvern [1 Th. auf 10-20 TL] und anderen 
Zahnmitteln, sowie zu cosmetischen Waschmitteln, Räucher- 
species, Räucherpulvern. [Ein Decoct von Benzoe und Alaun giebt den als 
Stypticum empfohlenen, aber durchaus unbewährten Liquor Pagliari.] 



292. Bi 

Benzoes 5,0 
Tartari depur. 10,0 
Rhiz. Irid. flor. pulv. 50,0 
Conchar. praepar. 10,0 
Ol. Menth, pip. 0,2. 

M. f. pulv. D. S. Zahnpulver. 



293. 



M. f. 



Benzoes 5,0 

Sapon. Cocos pulv. 10,0 
Furfur. Amygd. subt. pulv. 
Rhiz. Irid. flor. pulv. ana 15,0 
Ol. Flor. Aurantii 0,2. 
pulv. D. S. Waschpulver. 



294. fy 

Benzoes 

Baisami Tolutan. ana 1,0 
Ol. Amygd. 100,0. 

Digere, filtra et adde 
Ol. Citri 

Ol. Cajeputi ana 0,1. 
D. S. Zu Einreibungen bei Erysipelas, 
zum Bestreichen spröder Haut, zu Ein- 
tröpfelungen in's Ohr etc. 
[Huile baisamique.] 

Bouchardat. 



295. 



M. f. 



Benzoes 

Opobals. ana 15,0 
Succin. 5,0 
Olibani 30,0. 
species. D. S. Räucherpulver. 



Berberilllllll, Berberin. [Farbstoff der Berberis vulgaris; s'ehr bitter. 
— In kaltem Wasser fast gar nicht, in heissem Wasser leicht löslich. — 1,0 etwa 
20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0.25 mehrmals täglich in Pillen oder Pulvern 
[als Tonicum und Stomachicum]. 

Iti sinn tu in broiiiatuni. Gebromtes Wismutoxyd. 
Innerlich: zu 1-2 und mehr Gr., wie Bismut. nitric. Soll nebenbei 
eine sedative Wirkung out falten. 



Ewald und Simon. Arzueivcrordnungslchre. LO. Aufl. 



13 

fy 290-295. 



194 Bismuthum carbonicum. 



Bismiltlllll carbonicum. Bismuthum subcarbonicum. Carbonas 
s. Subcarbonas Bismuthi. Kohlensaures Wismutoxyd. 

Innerlich: zu 0,5-1,5-2,0 [für Kinder 0,1-0,3-0,6] 2-3 Mal täglich 
in Pulvern oder Pastillen [von llaiiuoii dem Bismuth. subnitr. vorgezogen, 
weil es im Magensafte löslicher sein und keine Stuhlverstopfung erzeugen soll. Scheint 
in Frankreich und namentlich in Holland mehr als bei uns in Gebrauch zu sein und 
ist auch in die neueste Niederländische Pharmacopöe als officinell aufgenommen. — 
Gegen Gastralgie nach inflammatorischen Zuständen , krampfhaftes Erbrechen , Er- 
brechen und Diarrhoe bei Kindern]. 

Bismiitiiiii hydrochloratuin seu oxyiiiiiriaticiiiu. Salzsaures Wis- 
mutoxyd. * ' 

Innerlich: zu 0,5-1,0 und mehr. Aeusserlich: in Salbenform 
bei Hauterkrankungen. 

296. fy 

Bismuth. oxymur. 2,0 
Amyl. oryzae 2,0 
Kaolini 4,0 
Ungt. Glycerini 10,0 
Ap. Rosar. gutt. nonnull. 
M. f. ungt. D. S. Zum Auftragen mit abgestutztem Pinsel. 
[Bei Chloasma, Ephclis.] Unna. 

Bisimitum lacticum crystallisatuiii, Krystallisirtes milchsaures 
Wismutoxyd. Zu 0,05-0,2-0,3 pr. d. 2-4 Mal täglich. Nur bei Darm- 
affectionen mit Rücksicht auf seine styptischen, in grösseren Dosen ätzen- 
den Eigenschaften. 

Bismiitum nitricum crystallisatniit. Trisnitras Bismuthi. Bis- 
muthum trisnitricum. Neutrales salpetersaures Wismuthoxyd. 
[10,0 etwa 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,15-0,3 3-4 Mal täglich [gegen Diarrhoe der Phthisiker 
als sehr wirksam empfohlen — Thompson] in Pulvern [mit Magnesia und Gummi.] 

Bismiltlllll salirvliciim. Salicylsaures Wismutoxyd. 

Itismiitlllll Sllbllitricum. Bismuthum hydrico-nitricum. Bismuthum 
nitricum praecipitatum. Magisterium Bismuthi. Marcasita alba. Sub- 
nitras Bismuthi. Pearl -white. Subnitrate of Bismuth. Magistery of 
Bismuth. Chaux de Bismuth. Sous-nitrate de Bismuth. Basisches 
Wismutnitrat. Basisch salpetersaures Wismuthoxyd. Weisses mikro- 
krystallmisch.es, sauer reagirendes Pulver. [10,0 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,2-0,5-1,25 [die oft angeführten kleinen Dosen von 0,03 
bis 0,18 sind meist unwirksam; ebenso sind aber die zu hohen Dosen, wie sie Iflon- 
ncrct angiebt — 8.0-22,5 pro die — wohl zu kühn gegriffen und bedürfen erst noch 
der weiteren Prüfung. Die Pli. Anstr. gicbt 4,0! als Einzelgabe an. Gegen Brech- 
durchfall der Kinder empfiehlt Sciiscinami stündlich 0-2-0,4 des Mittels fast als 
Specificum; es wirkt sicherlich gleich den übrigen empfohlenen Mitteln in den ver- 
schiedenen Epidemien und je nach der Schwere der Fälle verschieden], in Pulvern 
[am besten einfach mit Zucker vermischt — IHoimcrct lässt seine grossen Gaben der 
Milch oder Bouillon beimischen]. Pillen, Bissen, Pastillen. 

Aeusserlich: zu Nasen-, Schi und- und Kehl köpf pul vorn [rein 
oder mit 1-5 Zucker], zu Lnjectionen bei Gonorrhoe [4,0-12,0 auf 100,0, um- 
geschüttelt zu injiciren], in Salben [1,0-3,0 auf 25.0]. 

fy 296. 



Bismuthum tannicum. 



195 



297. ty 

Bismut. subnitr. 0,5 

Elaeosacch. Citri 0,1 

Sacch. alb. 0,5. 
M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 10. D. ad 
chart. cerat. S. Stdl. 1 Pulver. 



298. Iy 

Bismut. subnitr. 1,0 
Morph, acet. 0,04 
Sacch. alb. 5,0 
M. f. pulv. Div. in dos. aeq. No. 8. D. 
S. 3 mal täglich 1 Pulver. [Bei Car- 
dialgie.] Oppolzer. 



399. 



R 



Bismut. subnitr. 0,25 
Rad. Ipecac. 0,015-0,03 
Magnes. carbon. 0,25 
Elaeosacch. Anisi 0,5. 
M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 12. D. in 
chart. cerat. S. 4 mal täglich 1 Pulver. 
[Bei Uebelkeit ohne Sordes.] 

Kopp. 



300. ry 

Bismut. subnitr. 10,0 
Sacch. 3,0 
Tinct. Opii 1,0. 
M. f. pulv. Div. in 10 part. aeq. D. S. 
Eine Stunde vcr der Mahlzeit 1 Pulver 
zu nehmen. [Bei Diarrhoe durch chro- 
nische Darmgeschwüre.] 

Trousseau. 



301. 



Iv 



Bismut. subnitr. 0,5 
Morph, hydrochlorat. 0,01 
Sacch. lact. 0,5. 
M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 10. S. 
Ein halbes bis ein ganzes Pulver zu 
nehmen. Wagner. 



302. Iy 

Bismuti subnitr. 6,0 
Extr. Conii 1,0 
Sapon. med. q. s. 
ut f. pilul. No. 100. Consp. Lycopod. 
D. S. Täglich 3 mal bei leerem Magen 
1 oder 2 Pillen zu nehmen. [Bei Magen- 
geschwüren und Magenkrampf.] 

H. E. Bichter. 



303. Bf 

Bismut. subnitr. 
Extr. Chin. fusc. ana 6,0 
Extr. Opii 3,0 
Syr. Sacchar. q. s. 
ut f. bol. No. 30. Consp. Cinnam. D. S. 
2 mal täglich nach der Mahlzeit einen 
Bissen zu nehmen. [Bei Atonie des 
Magens mit oder ohne Gastrodynie.] 

Chicoyne. 



304. Iy 

Bismut. subnitr. 5,0 
Pulv. Rad. Liquir. 10,0 
Sulfur. jodati 2,0. 
M. f. pulv. D. S. 10-12 Prisen täglich 
zu nehmen. [Bei Coryza chronica.] 

Sobrier. 



305. Iy 

Bismut. subnitr. 15,0 

Aq. Rosae 200,0. 
D. S. Umgeschüttelt 3 mal täglich eine 
Einspritzung. [Bei hartnäckigem Nach- 
tripper.] Kicord. 



306. Bf 

Bismut. subnitr. 5,0-7,5 
Aq. fönt. 120,0. 
D. S. Zur Einspritzung. [Bei Gonorrhoe, 
wenn Granulationen in der Harnröhre 
vermuthet werden.] Zeissl. 



BisiMltum taniliMlltl. Gerbsaures Wismutoxyd. Wie Bismut. sub- 
nitricum mit adstringirender Nebenwirkung. 

Bisiiiutum valeriaiiiciim. Baldriansaures Wismutoxyd. Ba- 
sisches Wismuthvaleriat. [1,0 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,25 3-4 Mal täglich [als vortreffliches Mittel gegen 
Gastrodynie in neuester Zeit vielfach bewährt], in Pulvern, Pillen [besonders 
gelatinirten]. 

307. Iy. Extr. Valerianae q. s. 

Bismuthi valerian. 2,5 ut f. pilul. No. 100. Obduc. Argcnto. D. 

Bismuthi subnitr. 5,0 S. 3stdl. 2-3 Pillen. [Bei Cardialgie.] 

Extr. ßelladonn. 0,5 Frerichs. 

13* 
K- 297-307. ^PQ 



196 Blattae orientales-. 



M. f. pulv. Div. in p. aeq. No. 10. D. S. 
3 mal tägl. 1 Pulver. [Bei Magenge- 
schwür mit Atonie der Magenmusku- 
latur.] Ewald. 



308. ty 

Bismut. valerian. 7,5 
Acid. salicyl. 

Morph, hydrochlor. ana 0,1 
Sacch. lact. 5,0. 

Blattae orientales. Schwarze Tarakanen. Schaben. [Insekten, 
zu den Orthopteren gehörig, in Russland heimisch]. Gelten in Russland als 
Volksmittel gegen Wassersucht. Die diuretische Wirkung derselben bei 
Hydrops in Folge von Herz- und Nierenkrankheiten ist in neuester Zeit 
von Kapriatiow und Bogomolow [auf Butkiii's Klinik] bestätigt worden. 

Innerlich: zu 0,06-0,3-0,6, mehrmals täglich, in Pulver, im In- 
fus um (frigide paratum 10,0 ad 120,0, esslöffel weise) , als Tinctur 
[20-40 Tropfen], ßogomolow stellt auch einen krystallinischen Stoff aus 
den Tarakanen dar, den er Antihy dropin nennt. Ueber die thera- 
peutische Verwendung desselben liegen noch keine Beobachtungen vor. 

Boletus CerVinitS. [Eine Pilzart, welche im Volke als Aphrodisiacum gilt 
und unter dem Namen Hirschbrunst bekannt ist. — 10,0 gross, pulv. 10 Pf.] 

Boletus iglliarius vergl. Fungus igniarius praeparatus. 

Boletus Laricis vergl. Fungus Laricis. 

Boletus Salicis vergl. Fungus Salicis. 

*Bolus alba. Der jetzt officielle Namen für Argilla. S. diese. 

Bolus Armena s. Argilla rubra. 

Boracites. Boracit, auch Stassfurtit genannt, ein bei Stassfurt sich 

findendes, an borsauren Salzen reiches Mineral, soll nach C. A. Becker mit 

dem Ludus Paracelsi, dem berühmten Geheimmittel des Paracelsus 

gegen den Stein, identisch sein. Becker stellt aus demselben mehrere 

Präparate dar, die er bei Nierensteinen, Harngries, Blasenleiden u. a. 

wirksam fand. Später auch von Kochler zu gleichem Zwecke lebhaft 

empfohlen. Indessen sind seine sogen. Erfolge von Dittcl einer strengen 

Kritik unterzogen worden. Die Präparate sind: 1) Magnesia boro- 

citrica, borcitronensaure Magnesia, die er mit Sacch. album ana 

in Pulvern mehrmals täglich eine Messerspitze voll reicht; 2) Sal Am- 

moniaci boracit., Boracit-Salmiak [rj> Sal ammoniaci boracit. 4.0-8,0, 

Aq. dest. 120,0-180.0, Syr. simpl. 15.0. Zweistündlich einen Esslöffel]; 3) ein 

kohlensaures citronensaurcs Boracitwasser [Boracitis citrat., Natr. 

bicarbon. ana 2,0-12,0, Aq. 1000,0], welches nach Art der Mineralwässer 

verabreicht wird. 

309. fy 

Magncs. borocitr. 40,0 
Sacch. alb. 80,0 
Ol. Citri gutt. I. 
MDS. 3 mal täglich 1 Kaffeelöffel auf l /« Glas Wasser. 
[Bei Harnsteinen.] Köhler. 

*Bora\. Natrium biboracicum. Natrium boracicum Ph. Aiistr. Borax 

Sodae, Borax depurata, Borax veneta. Boras natricus cum Aqua. Bo- 
rate of Soda. Sousborate de Soude. Natriumborat. Zweifach bor- 
saures Natron ini! Wasser. [Borax veneta wird aus. dem Sassolin bereitet, 
welches hauptsächlich an den Ufern einiger Seen im Toscanischen gewonnen wird 
und aus fast reiner Borsäure bestellt; der aus China kommende Tincal (seifenartige 

fy 308-301). 



Borax. 



10' 



Verbindung von Fischfett mit Borax) wird in England raffinirt und liefert einen eben 
so reinen Borax, wie der sogenannte venetianische. — 10,0 5 Pf., subt. pulv. 10 Pf.] 
Harte weisse Krystalle, in 17 Th. kalten, der Hälfte ihres Gewichts sieden- 
den Wassers, leicht in Glycerin, gar nicht in Weingeist löslich. — Mit 
Gummischleim ist Borax nicht zu verordnen, weil er mit diesem einen 
zähen gallertartigen Körper bildet [ebenso Schleim von Stärkemehl, Salep]. — 
Cave ferner: starke Säuren [namentlich concentrirte Säuren], Metall- und 
Erdsalze. 

Innerlich: zu 1,0-2,0 3-4 Mal täglich [angeblich aber keineswegs er- 
wiesen als wehentreibendes Mittel und Emmenagogum], in Pulvern, Auf- 
lösungen, Lecksäften [mit Mel rosat. 3,0-5.0 auf 100,0] , Pastillen [De- 
yreux empfiehlt für die Kinderpraxis Trochisci pondere 2,0, welche 0,15 Borax und 
ausserdem ein Aroma enthalten, besonders gegen Aphthen, Soor, Ptyalismus, Glossitis, 
Angina. Bei ganz kleinen Kindern soll das aromatische Borax -Zuckerpulver auf die 
Zunge, resp. auf die Brustwarze der Mutter gestreut werden]. 

Aeusserlich: zu Mundpulvern, Mund- und Gurgelwässern 
[2,0-5,0 auf 100,0], Pinselsäften, besonders gegen Aphthen, Soor und 
mercurielle Erkrankungen der Mundschleimhaut [1.0-4,0 auf 25.0 Syrup, 
oder Syrup mit Wasser ana, oder Glycerin], Augenwässern [1,0-5.0 auf 100,0], 
Augentropfwässern [0,1-0,25 auf 25,0], Augensalben [0,5-1,0 auf 5,0 
Fett], Injectionen [zumal in die Nase mittelst der Nasendouche; 1.0-3,0 auf 
100.0], Inhalationen [vergl. S. 99], Waschwässern [10,0-20,0 auf 100,0]. 



310. ty 

Boracis 1,0-2,0 
Aq. Foeniculi 50,0 
Syr. Alth. 25,0. 

D. S. 2stdl. 1 Theelöffel. 
säure, Aphthen.] 



[Bei Magen- 
Berends. 



311. 



D. 



Boracis 5,0 
Mellis rosati 20,0 
Aq. Rosar. 10,0. 
S. Zum Auspinseln des Mundes. 



312. P v 

Boracis 5,0 
Glycerini 25,0 
D. S. Zum Pinseln des Pharynx, des La- 
rynx und der Nasenhöhle. 

[Tu vielen Fällen leichten Katarrhs 
von vortrefflicher Wirkung und bei reiz- 
baren Personen den gebräuchlichen Ilöllen- 
n-Pinselungen vorzuziehen.] 

Waidenburg. 



313. 



MDS. 



R 
Boracis 5,0 

solve in 
Infus. Flor. Sambuci 200,0 

adde 
Tinct. Mvrrh. 5,0 
Oxymcllis 50,0. 
Mund- oder Gurgelwasser. 



314. 



D. S. 



9 

Boracis 

Glycerini 

Tinct. Myrrhae ana 15,0 

Aq. destill. 300,0. 

Zum Gurgeln. 

Gargarisma Boracis. 



Maokenzie. 



315. fy 

Boracis 15,0 
Morph, hydrochlor. 0,4 
Aq. Rosar. 200,0. 
D. S. Waschwasser. [In der Zwischenzeit 
Aufstreuen von Lycopodium oder Stärke- 
mehl. Bei Pruritus vulvae.] 

Meigs. 



316. R 

Boracis 2,0 

Inf. Fol. Hyoscyami (e 8,0) 60,0. 
D. S. 2 mal täglich eine Stunde hindurch 
mittelst Compressen auf das Auge zu 
appliciren. [Bei Photophobie.] 

Lebert. 



317. 



Boracis 

Aluminis crudi ana 3,0 

Glycerini 50,0. 

Aeusserlich. [Gegen hartnäckige 
nässende Eczeme der behaarten Kopf- 
haut.] J Neumann. 

I v 310-317. 



MDS. 



198 



Bromalum hydratum. 



Bl'Omallim hydratlUll. Hydras Bromali. Bromalhydrat. [Weisse, 
nadeiförmige Krystalle, von scharfem, stechendem Geruch, die Augen zu Thränen 
reizend.] Ist von Steinalter, sowohl durch Experimente an Thieren, wie 
Versuche an Menschen, eingehend geprüft worden, und empfiehlt er das 
Mittel gegen Epilepsie, Chorea und namentlich Tabes dorsalis. 

Innerlich: zu 0,05-0,1-0,5 [und selbst mehr] pro dosi, mehrere Male 
täglich; am besten in Pillen oder Capsul. opercul., weniger gut in Lö- 
sung [wegen des sehr üblen, kratzenden Geschmacks]. Steinalter empfiehlt — 
um dem Blute gleichzeitig ein Alkali zuzuführen — daneben den Ge- 
brauch von Natr. bicarbon., etwa 1 Messerspitze voll ca. 4-5 Stunden 
nach dem Einnehmen des Bromalhydrats. Als Antidota gegen das 
letztere Mittel wirken Kalisalze. — [1,0 etwa 60 Pf.] 



318. ty 

Bromal. hydrat. 
Succ. Liquir. dep. ana 1,5. 
M. f. pilul. No. 25 Obduc. gelatina et 
consp. Lycopod. D. S. 1-2-3 Pillen 
2-3 mal täglich. [Bei Kindern etwa die 
Hälfte der Dosis.] Steinauer. 



319. fy 

Bromal. hydrat. 1,0 

Aq. dest. 100,0 

Mucilag. Gummi Arab. 

Syr. Rub. Idaei ana 50,0. 
MDS. 3 mal täglich einen Esslöffel. 



Steinauer. 



Broilioformiuiih Bromoform. Soll nach neueren Versuchen an 
Thieren, gleich dem Chloroform, eingeathmet anästhesirend wirken (Ra- 
bntean). 

*Bromilin. Bromium. Brominum Ph. Amer. Bromine. Murides. Brom. 
[Rothbraune, unangenehm riechende, ätzende Flüssigkeit. Spec. Gew. = 2,9-3,0. 
— 1,0 5 Pf.] In 40 Theilen Wasser, in Weingeist leicht löslich. Bei 
Mischungen mit Alkohol sei man sehr vorsichtig, da sich leicht Brom- 
äther bildet und Explosion verursacht. Nur mit destillirtem Wasser, 
mit Lösungen von Brom-, Jod- und Chlorsalzen zu verordnen. Da das 
Chlor das Brom aus seinen Verbindungen austreibt, kann man statt 
reinem Brom, zumal für den äusserlichen Gebrauch, Bromkalium mit 
Zusatz von Chlor wasser und zwar für je 1 Th. Kai. bromat. 20 Th. Aq. 
Chlori verordnen, wobei aus 3 Th. Bromkalium jedesmal 2 Th. Brom 
frei werden. 

Innerlich: zu 0,003-0,01-0,03 2 Mal täglich in wässeriger Solution 
[0.25 Brom in 25.0 Wasser, 5-15 Tropfen 2 Mal täglich mit Zuckerwasser. — 0,05 
Brom in 30.0 Wasser: Aqua bromata von Ihillos, theelölTelweise]. Ozannm em- 
pfiehlt eine Aqua bromata, welche aus einem mit Brom gesättigten 
nasser besteht; von dieser lässt er 0,5-0,75 in 150,0 Aq. dest. pro die 
nehmen. 0. hält das Brom für specifisch bei diphtheritischen Erkran- 
kungen, desgl. Muguet, ltrinton u. a. 

Aeusserlich: als Antisepticum zu Fomentationen [0,5 in 
K)0,o], in Salben [0,1-0,2 auf 10.0 Fett], in Linimenten, zu Inhala- 
1 innen [Bromi, Kali bromat. ana 0,2, Aq. destill. 100,0. Ein Schwamm, mit dieser 
Flüssigkeit getränkt, wird dem Kranken stündlich 5-10 Minuten lang, in einer Düte 
von starkem Cartonpapier, unter die Nase gehalten. Gegen Croup und üiph- 
theritis: lUdanoll, Luithlen, Schulz, GottwaM. — Auch Touchiren mit derselben 
Lösung: Schütz], zu Desinfectionszwecken (Wcmich). 

mr Py 318-319. 



Bromum chloratum. 



199 



320. Bf 

Bromi 0,1 
Kalii bromat. 0,25 
Aq. dest. 120,0. 
D. S. Stdl. 1 Theelöffel voll in etwas 
Wasser zu nehmen. [Zugleich Brom- 
Inhalationen in der oben angegebenen 
Weise.] 

[Gegen Diphtherie und Croup.] 

Luithlen. 



321. ty 

Bromi 0,1 
Aq. dest. 25,0. 
D. S. Stdl. 1 Tropfen (zu wenig) mit 
1 Esslöffel Wasser verdünnt aus der 
Tasse zu nehmen. [Bei Croup und 
Diphtheritis.] Ozanam. 



322. fy 

Kai. bromat. 2,0-4,0 
Aq. destill. 100,0 
Syr. simpl. 30,0. 

D. S. 2 stdl. 1 Esslöffel mit 



1 Th. 



Aqua 

chlori (!) vermischt zu nehmen. Dabei 
wird noch einmal so viel Brom frei als 
Chlor im Chlorwasser enthalten war. 
[Bei Diphtheritis.] 



F. Clemens. 



323. 



D. S. 



9 

Bromi 4,0 

Kalii bromat. 8,0 

solve in 
Liniment, saponato-camph. 
Zur Einreibung. 



100,0. 



Prieger's Linimentum bromatum. 



Bromum chloratum. Chloretum Bromii. Chlorbrom. [1.0 etwa 
8 Pf. — Höchst flüchtiges Präparat, welches stechende und schädlich wirkende 
Dämpfe verbreitet. 

Brucilllim. Brucium. Caniramin. Brucin. [Alkaloid aller derjenigen 
Pflanzen, welche Strychnin enthalten, und steter Begleiter desselben; weisse kry- 
stallinische Masse von sehr bitterem Geschmack und höchst giftiger Wirkung, sehr 
schwer in Wasser, leicht in Weingeist, gar nicht in Aether und fetten Oelen löslich. 
— 0,1 etwa 10 Pf. — In Bezug auf seine toxische Wirkung steht das Brucin dem 
Strychnin sehr nahe; sehr häufig ist aber das Brucin mit Strychnin verunreinigt.] 

Innerlich: zu 0,005-0,03-0,06 [von Magcmlie bis zu 0,3 gegeben, nach 
denselben Indicationen wie Strychnin], in Pillen [0,6 mit 1.5 Conserv. Rosar. zu 
20 Pillen, 2 Mal täglich 1 Pille: lagcndic] und Tropfen [1,0 Brucin auf 25,0 
Alcohol; 2-25 Tropfen in Mixturen und Getränken]. 

Statt des Brucinum purum bedient man sich meistens der folgenden, 
leichter löslichen Salze: 

Brucinum nitricum. [0,1 etwa 10 Pf.] Dosis wie Brucinum. 

Brucinum sulfuricum. [0,1 etwa 10 Pf.] Dosis wie Brucinum. 

Bulbus Allii ccpac. Radix Cepae. Caepae. Onions, Oignons. 
Zwiebeln, Bollen. 

Innerlich: Succus recens expr. [15,0-60,0 täglich als Diureticum und 
Expectorans.] 

Aeusserlich: zerquetscht als Riechmittel [bei Ohnmächten] oder 
Epi spasticum; gebraten als Bestandteil der Kcrndfschen Kataplas- 
men: 1$ Sapon. nigr. 90,0, Aq. fervid. 60,0, ebulliant per breve tem- 
pus, tunc adde: Cepar. sub cinere tostar. 90,0, Pulv. Sem. Sinap. nigr. 
15,0, ebulliat massa per breve temporis spatium saepius agitando. Zur 
Zertheilung oder Maturation torpider Bubonen. [Das wichtigste Agens dieser 
ehemals sehr beliebten Kataplasmen ist die Seife und der Senf, da das scharfe äthe- 
rische Oel der Zwiebeln beim Braten (selbst unter der Asche) verloren geht.] Als 
Beförderungsmittel des Haarwuchses [Bulb. Allii cep. No. 3, Spir. 
Vini Gallic. 500.0. Digere per nychthemeron]. 

Itlilhus Allii sativi. Radix Allii. Garlic. Ail. Knoblauch. 



Bf 320-322. ^PQ 



200 



Bulbus Colchici. 



Innerlich: als Saccus recens expr., im Aufguss [mit Milch oder 
Fleischbrühe, 20,0-25,0 auf 500,0]. 

Aeusserlich: als mildes Epispasticum; zu Kataplasmen, Kly- 
stieren [bewährtes Anthelminthicum, 3,0-8,0 ad clysma ebullirt], als Beförde- 
rungsmittel des Haarwachses [wie Bulb. Allii cepae]. 

Bulbus Colchici. Radix Colchici. Zeitlosen würze 1. [Von Col- 
chicum auctumnale. — Bestandteile : Colchicin (vergl. dieses). — 10,0 concentr. 
etwa 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,2-0,3 mehrmals täglich, in Pulver, Pillen, 

im Aufguss [die Präparate: Acetum, Tinctura, Vinum, Extr. acid. sind vor- 
zuziehen]. 

■Bulbus Scillae. Radix Scillae s. Squillae. Squill. Oignon de mer. 
Meerzwiebel. [Von Scilla maritima. — Enthält neben Schleim, Zucker u. s. w. 
einen scharfen, Brechen und Purgiren erregenden Stoff: Scillitin, der nach einigen 
Autoren krystallinisch darzustellen ist und die Charaktere eines Alkaloids zeigen 
soll. Nach Schroff enthält die Zwiebel neben dem Scillitin (s. dieses), welches 
der Träger der narkotischen Eigenschaften der Scilla ist, noch einen nicht flüchtigen 
scharfen Stoff, der bisher für sich noch nicht dargestellt ist. — 10,0 conc. 5 Pf. subt. 
pulv. 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,1-0,25 [ad 0,2! pro dosi, 1,0! pro die], mehr- 
mals täglich, in Pulver [nicht zweckmässig, weil das Pulv, Bulb. Scillae sehr 
leicht Wasser anzieht und die Pulver dann breiartig zerfliessen] , Pillen, Infus, 
weiniger oder spirituöser Maceration oder Decoct [1,0-3,0 auf 100,0]. 

Aeusserlich: als Rübe faciens [die frische Wurzel zerquetscht und mit 
Essig angerührt, aufgelegt — entbehrlich], in Salben [wo die Scilla innerlich 
nicht vertragen wird, hat man dieselbe in Salbenform, und zwar in sehr abenteuer- 
licher Weise anzuwenden versucht, so z. B. 1 Pulv. Scillae mit 2 Ungt. cinereum oder 
1 Scilla mit 16 Succus gastricus vitulinus oder mit Liquor Kali caust. q. s. zum 
Schleim gekocht und mit Adeps q. s. zur Salbe angerührt (Ungt. Scillae Ph. naiip.)], 
im Infusum [5,0 auf 100 0] zu Bähungen und Umschlägen; enderma- 
tisch [0.1-0,25-0 5, vorsichtig steigend — diese Application ist schmerzhaft, ver- 
ursacht leicht Hautentzündung, und der Nutzen ist mehr als problematisch]. 



324. Bf 

Bulbi Scillae 

Fol. Digit. ana 0,06 

Cort. Cinnam. Cass. 0,12 

Tartari boraxati 

Rad. Liquir. ana 1,2 

Ol. Juniperi 0,1. 
M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 4. D. in 
chart. cerat. S. 2-8 mal tägl. 1 Pulver. 

Pulvis diureticus Ph. paup. 
[Das« diese Pulver zerfliessen, liegt 
nicht Mos. wie von einigen gemeint wird, 
an der Anwendung des Tartar. boraxat., 
sondern wird schon durch die Scilla selbst 
bedingt.] 



325. 



Bulbi Seil 



0,0 



3,0 



Rhiz. Calami mund. 
Natr. carb. dep. sicci ana 
Elaeosacch. Junip. 10,0. 
M. f. pulv. Div. in 10. part. aeq. D. in 
chart. cer. S. 3 mal täglich 1 Pulver. 
Pulvis diureticus s. Pulvis Scillae 
cum Natrio carbon. 



326. 



R 



Bulb. Scillae pulv. 
Bulb. Colchic. pulv. ana 0,12 
Ferri hydrici 0,15 
Sacch. Lact. 0,3. 
M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 6. S. 
3 mal täglich 1 Pulver. [Bei plcuriti- 
schem Exsudat mit Fortbestehen der 
chronischen Entzündung.] 

Daveri. 



fy 324-326. 



Butyli Chloralum hydratum. 



201 



327. R 

Bulb. Scillae pulv. 
Rad. Althaeae 
Extr. Scill. ana 2,5. 
M. f. pil. No. 50. Consp. Lycop. D. S. 
3 mal täglich 2 Pillen zu nehmen. 
[Der Zusatz von Althaea- Pulver ist 
deshalb nothwendig, weil ohne dasselbe die 
Pillen später zusammenfliessen würden.] 



328. B? 

Bulb. Scillae pulv. 
Fol. Digit. pulv. ana 2,0 
Extr. Colocynth. 0,4 
Extr. Pimpinell. q. s. 

ut f. pil. No. 50. Consp. Lycop. 
Morgens und Abends 1-3 Pillen. 



D. S. 



329. 



ut f. 
D. 



330. 



Bulb. Scillae pulv. 2,0 

Fol. Digit. pulv. 

Hydrarg. chlor, ana 1,0 

Extr. Chamom. q. s. 
pil. 30. Consp. Pulv. Cass. 
S. 3 mal täglich 2 Pillen. 

Oesterlen 



R 



Cinn. 



Fol. Digital, pulv. 
Terebinth. laricin. ana 1,5 
Extr. Gratiol. 5,0. 
M. f. pil. No. 100. D. S. 3 mal täglich 
2-5 Stück. 



331. 



MDS. 



Bulb. Scillae 2,0 

infunde 
Aq. fervid. q. s. 
ad Colat. 150,0 
in qua solve 
Tartar. borax. 15,0 
Elaeosacch. Junip. 
Sacch. albi 10,0. 
2stdl. 1 Esslöffel. 



332. Bf 

Bulb. Scillae 5,0 
Rad. Ononid. 
Ligni Sassafras ana 25,0 
Rhiz. Galangae 5,0. 
C. c. m. f. species. D. S. Mit einer Flasche 
Moselwein Übergossen, 3 Tage stehen zu 
lassen und, nach dem Durchseihen, 
Abends und Morgens ein Spitzglas zu 
nehmen. 



Bulb. Scillae pulv. 2,5 

Butyli Chloralum hydratum, Crotonis chloralum hydratum. Bu- 
tylchloralhydrat. Crotonchloralhydrat. [Weisse, glänzende, blätterige 
Krystalle von eigentümlichem Geruch und brennendem Geschmack. In Wasser schwer, 
in Alkohol, Aether, Glycerin leicht löslich. — Von Rraemcr und Tiiincr dargestellt, 
von 0. Liebreich nach Versuchen an Thieren und Menschen in die Therapie eingeführt. 
Bewirkt zunächst Anästhesie am Kopf und Gesicht bei erhaltener Sensibilität an an- 
deren Körpertheilen, ohne Puls und Respiration zu beeinträchtigen. Erst in grossen 
Dosen vernichtet es die Reflexerregbarkeit und wirkt lähmend auf die Med. oblongata. 
Grosse Dosen des Butylchlorals unterscheiden sich von denen des Chloralhydrats nach 
Liebreich dadurch, dass erstere zunächst die Respiration, letztere zuerst das Herz 
lähmen. Deshalb ist bei Butylchloralvergiftung von der Einleitung der künstlichen 
Respiration Erfolg zu erwarten. 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,3 als schmerzstillendes Mittel, zu 0,3-0,6-1,2 
pro dosi als Hypnoticum, in Pulvern, Pillen, Mixturen [empfehlens- 
werth sind Lösungen mit Zusatz von Glycerin oder Spiritus]. Empfohlen nament- 
lich gegen Neuralgien im Bereich der Kopf- und Gesichtsnerven und zur 
Anäslhcsirung dieser Thoile behufs Operationen (0. Liebreich), erfolgreich 
angewendet nicht nur bei Neuralgie des Trigeminus (Wickhani Legs, Bcrgcr, 
Vco u. a.), sondern auch bei anderen hartnäckigen Neuralgien, nament- 
lich bei Schmerzen der Tabetiker (0. Berger), ferner auch bei stenokar- 
dischen Anfällen (0. Berger), bei Krampf- und Reizhusten (Yco, Will), so 
wi.- Keuchhusten (Will) wirksam befunden, Eiilenhurg hat einzelne Eriolge, 
im Ganzen jedoch sehr ungünstige Resultate gesehen. 

333. R I M. f. pulv. Disp. ial. Hos. No. 10. D. in 

Butyli Chloral. hydrat. 0,1 capsulis amylaeeis. D.S. 1-3 Stück zu 

Elaeosacch. Focnic. 0,3 nehmen. [Als Anodynum.] 

ty 327-333. ^mk 



202 



Butyrum vaccinum. 



334. fy 

Butyli Chlorali hydrat. 
Conserv. Rosar. ana 2,5. 
M. f. pilul. No. 50. Consp. Lycopod. 
2-5 Pillen als schmerzstillendes Mittel ;- 
6-20 Pillen (oder besser die obige Pillen- 
masse ana 5,0, davon 3-10 Pillen) als 
Hypnoticum. Yeo. 



335. fy 

Butyl. Chloral. hydrat. 5,0-10,0 
Glycerini 20,0 
Aq. dest. 130,0. 
MDS. Einen Esslöffel voll zu nehmen, und 
wenn nöthig, nach 5 oder nach 10 Mi- 
nuten, wieder je 1 Esslöffel. [Bei Tic 
douloureux und anderen Neuralgien.] 

O. Liebreich. 

Butyrum vaccinum. Butyrum insulsum. Butter. [10,0 etwa 15 Pf.] 
Als Constituens von Salben, höchst unzweckmässig wegen der sehr 
rasch erfolgenden Zersetzung. 

Blixilium SUlfuricilIll. Buxinsulfat. [Buxin ist ein aus der Rinde und 
den Blättern von Buxus sempervirens dargestelltes Alkaloid. Dasselbe soll nach 
neueren Untersuchungen (Walz) identisch sein mit dem Bebeerin (vergl. dieses) 
und mit dem aus der Pereirawurzel gewonnenen Pelosin (Flückisjer). Buxin ist ein 
amorphes, weisses, lockeres Pulver, von intensiv bitterem Geschmack. Das Buxinum 
sulfuricum bildet eine hellgelbe, in Wasser lösliche Masse.] 

Innerlich ist das Mittel als Surrogat des Chinins [von Vitali, Pavin, 
Tiliahli. Albani, Hazzolim, ßarbaglia u. a.] dringend empfohlen, und zwar gegen 
Malariafieber sowohl als Therapeuticum wie als Prophylacticum, als Anti- 
zymoticum wie als Antipyreticum. — Zu 0,3-0,5 pro die als Prophy- 
lacticum zu 1,0-1,5 pro die [auf einmal in der Apyrexie] oder refracta dosi 
zu 0,12-0,15 als Therapeuticum, in Pulvern, Pillen, Lösung. 

Cactus opuntia* Aus Mexico stammend; giebt pulverisirt ein vor- 
treffliches Material für Breiumschläge, wie Versuche in der Berliner 
Charite erwiesen haben. Das Pulver quillt so stark auf, dass nur sehr 
geringe Quantitäten zu grossen Kataplasmen noth wendig sind; dieselben 
halten sich lange warm und feucht. Wenn das Präparat in grösseren 
Quantitäten zu uns importirt würde, wäre es vielleicht auch in ökonomi- 
scher Beziehung zu empfehlen. 

Cadmium sulfuricum. Sulphas Cadmii. Cadmiumsulfat. Schwefel- 
saures Cadmium. [Krystallinische Substanz, die leicht Wasser aus der Luft anzieht. 
— 1,0 5 Pf.] Löslich in Wasser. 

Aeusserlich: in Augensalben [0,1 auf 3,0-6,0 Fett], in Augen- 
wässern [0.05-0,25 auf 10,0 Wasser zur Beseitigung von Leukomen bei dyskra- 
sischer Ophthalmie], als Injection [1,0-2,0 auf 100,0] bei Gonorrhoe (v. Sig- 
mund) und Otorrhoe [1.0 auf 100,0 Inf. Rosar. mit 3,0-6,0 Tinct. Opii croc. : 
Mucke]. 

*(<alcaria chlorata. Oalcaria hypochlorosa. Calcium hypochlorosum 
Ph. Austr. Chlorum Oalcariae. Chloretum Caleariae- Oalcaria chlorinica. 
Oalcaria oxymuriatica. Chlorinated lime. Hypochlorite de chaux. Chlor- 
kalk. Unterchlorigsaurer Kalk. Bleichkalk. [Unterchlorigsaurer Kalk mit 
Chlorcalcium. Entwickelt durch den Zutritt der Kohlensäure der Luft viel Chlor. — 
100.0 20 Pf.] Weisses oder weissliches Pulver. Löst sich nur theilweise 
in Wasser, weshalb die Mischung [rasch] filtrirt werden muss. Cave: 
Luft, Licht, Wärme, alle Arten von Zusätzen. 

[nnerlich: zu 0,1-0,3-0,6 [in Wasser suspendirt: 1,0-2,0 in 100,0 — bei 
Typhus, Dysenterie und Neigung zu brandiger Zerstörung, bei Gangraena pulmonum 

Bf 334-335. 



Calcaria saccharata. 



203 



und Phthisis mit fötiden Sputis; in neuerer Zeit auch gegen Chorea von Bizzozen ad 
0,5-1,0 pro die empfohlen], in Trochisci [mit Chokolade 0,06 auf den Trochiscus, 
langsam im Munde zergehen zu lassen, bei stinkendem Athem]. 

Aeusserlich: zu Zahnpulvern* [unzweckmässig, da selbst bei der sorg- 
fältigsten Aufbewahrung Zersetzung stattfindet], zu Mund- und Gurgel wäs- 
sern [5,0 auf 150,0 gegen üblen Mundgeruch, 15.0-30.0 auf 250,0 bei Aphthen, 
Mundgeschwüren u. s. w.], Pinselsäften [0,5-1,0 auf 25,0 Schleim: bei Stoma- 
cace], zu Einspritzungen [0,02-0,06 auf 100,0 für Injectionen in die Harnröhre 
bei Nachtripper: Hitzig; 2,0 auf 100,0 zu Injectionen bei fistulösen Geschwüren, bei 
Cystitis], Augen wässern [0,02-0,05 auf 25,0 als Augentropfwasser, 1,-2,0 auf 
150,0 als Augenwaschwasser bei Ophthalmia neonatorum (Herzberg), 2,0-6,0 auf 50,0 
bei Augenblennorrhoe Erwachsener], zu Bädern [5,0-10,0 auf 500,0 Wasser zu 
localen, zu allgemeinen Bädern 250,0-500.0], Waschungen [15,0-30,0 auf 500,0, 
bei Krätze], Umschlägen und Yerbandwässern [8,0-15,0 auf 500,0], 
Salben [1 : 10]. Als Streupulver [in Substanz, bei Hospitalbrand]. 

Am häufigsten wird wohl der Chlorkalk zu Räucherungen benutzt, 
zu welchem Zwecke man das Pulver mit etwas schwachem Essig über- 
giesst, oder, was vorzuziehen ist, den Chlorkalk mit Wasser anrührt, 
leinene Lappen darein taucht und dieselben über Bindfaden aufhängt. 
Zur Desinfection von Kranken-Effecten sollen dieselben mit einer con- 
centrirten Auflösung [25,0-50,0 auf 1000,0] überstrichen oder in derselben 
geweicht werden. — Zur Beseitigung des Gestankes von Excrementen: 
Ueberschütten derselben mit Chlorkalkpulver; zur Tilgung des Leichen- 
geruches der Hände nach Sectionen: Räucherung der Hände mit Chlor- 
gas [durch Zugiessen von etwas verdünnter Schwefel- oder Salzsäure zu einem Brei 
aus Chlorkalk und Wasser]. 



336. Bf 

Calcar. chlorat. 2,5 
Aq. dest. 150,0 

ultra et adde 
Syr. simpl. 25,0. 
D. in vitro nigro bene clauso. 
1 Esslöffel. 



S. 2 stdl. 



337. Iy 

Calcar. chlorat. 3,0 
Tinct. Calami 25,0 
filtra. 
D. S. 20-40 Tropfen 2 mal täglich. 

(Liquor antiscrophulosus Niemanni.) 



Ol. Caryophyll. 0,1. 

M. D. in vitro nigro. S. 1 Theelöffel voll 

mit einem Weinglase Wasser gemischt 

zum Mundausspülen oder Reinigen der 

Zähne mittelst einer Schwammbürste. 

Chevalier. 



339. Bf 

Calcar. chlorat. 0,1 
Aq. dest. 200,0 
Aq. Laurocerasi 25,0. 

M. filtr. D. S. Zur Einspritzung. 



340. 



*V 



Calcar. chlorat. 25,0 
Sapon. nigr. 50,0 
Aq. commun. q. s. 
ut f. linimentum. [Bei Krätze.] 

Schönlein. 



338. Iy 

Calcar. chlorat. 10,0 
Aq. dest. 50,0 

filtra et adde 
Spirit. 50,0 

Calcaria saccharata. [Eine Zuckerlösung mit Ueberschuss von Aetzkalk 
digerirt, abfiltrirt und zur Syrupsdicke eingedampft. — Wurde von Frankreich als vor- 
zügliches äusserliches Mittel gegen Verbrennung empfohlen und in neuester Zeit von 
Widers auch innerlich als Antidot gegen Vergiftung mit Carbolsäure und Oxal- 
säure vorgeschlagen.] 

Calcaria soliita. Siehe Aqua Calcariae. 

Iv 336-340. qpi 



204 Calcaria usta. 



Calcaria usta. Calcaria caustica. Calcium oxydatum Ph. Austr. 
Calx viva s. pura s. caustica. Oxydum calcicum. Linie. Chaux. Cal- 
ciumoxyd. Gebrannter Kalk. Aetzkalk. Ungelöschter Kalk. [100,0 
20 Pf.] 

Aeüsserlich: als Aetzmittel. [Fein gepulvert mit schwarzer Seife ana 
auf Muttermäler mittelst eines gefensterten Pflasters aufzutragen. — Die Wiener 
Aetzpaste Pasta caustica Viennensis, Cauterium potentiale mitius (s. Kali causti- 
cum siccum), besteht aus 6 Theilen Calcaria mit 5 Theilen Kali causticum siccum; 
diese Mischung ist äusserst schwer schmelzbar, wird deshalb meistens in Pulverform 
vorräthig gehalten und beim Gebrauch auf die zu ätzende Stelle gestreut, wo sie 
dann so vier Feuchtigkeit aus der Luft und aus den Geweben anzieht, um sich in 
eine Paste zu verwandeln. Die frühere Ph. Württemb. hatte bei ihrem Cauterium 
potentiale mitius zu der angegebenen Mischung noch einen Zusatz von 2 Theilen 
Opium, wodurch der Schmerz gelindert werden sollte. — Das Filhos'sche Aetzmittel, 
welches namentlich zur Aetzung innerer Hämorrhoiden von Aiitussat , Jobert de 
Laniballe angewendet wird, besteht aus 2 Th. Kali causticum siccum und 1 Th. 
Calcaria. Es lasst sich schmelzen und in Stangenform ausgiessen; das geschmolzene 
Mittel kann auch gepulvert, in vitro bene clauso aufbewahrt und vor dem Gebrauche 
mit wenigen Tropfen Alcohol zur Paste angerührt w T erden. — Ringe's Aetzmittel 
besteht aus 8 Th. Calcaria und Kali caustic. siccum und Sapo medicat. ana 1 Th. 
gepulvert.] 

Zum Austrocknen der Luft in offenen Gefässen hingesetzt. 

Die Calcaria extincta, gelöschter Kalk, wirkt bei weitem milder 
ätzend, die Seifen jedoch, welche man aus Calcaria extincta mit Adeps 
verordnet [z. B. bei Tinea, Prurigo], haben fast jede Aetzkraft verloren. 

Calcium bicarbonicum. Calcaria bicarbonica. Bicarbonate of lime. 
Bicarbonate de chaux. Calciumbicarbonat. Doppeltkohlensaure Kalk- 
erde. Bestandtheil eines in England viel gebrauchten Mineralwassers 
[Aq. Calc. bicarbonicae, Carrara- water, Carbonated Lime water] gegen alle 
Formen von Dyspepsie und Magensäure; 2-3 Liter pro die. 

'--Calcium carboiiicum praeeipitatum. Calcaria carbonica praeci- 
pitata. Calcium carbonic. purum Ph. Austr. Calcis Carbonas praeeipitata 
Ph. Brit. Carbonate of lime. Carbonate de chaux. Calciumcarbonat. 
Präcipitirter kohlensaurer Kalk. [10,0 5 Pf.]. Weisses mikrokrystalii- 
nisches, in Wasser fast unlösliches Pulver. 

Innerlich: zu 0,5-2,0 und mehr, öfters täglich in Pulvern, 
Pastillen und Schüttelmixturen. 

Aensscrl ich: als Streupulver, rein oder mit passenden Zu- 
sätzen: Kohle, Alaun, China, Campher [bei nässenden Exanthemen, Geschwüren 
u. s. w.]; als Liniment mit Oel [bei Verbrennungen], als Zahnpulver 
[z. I». das Pulvis dentifricius anglicus aus 25,0 Calc. carb. mit 1,5-3,0 Cam- 
pher|. zur Entwicklung von Kohlensäure [Papier mit Calc. carb. im- 
prägnirt, auf welche diluirte Säure gebracht wird. Dieses Papier mit der sich ent- 
wickelnden Kohlensäure in statu nascenti auf schmerzhafte Hautpartien aufgelegt, soll 
anästhesirend wirken: Chatiu. Pflaster aus gährendem Mehl mit Kreide bestreut 
soll durch die moussirende Kohlensäure gleichfalls schmerzstillend wirken und wird 
namentlich auch gegen Pustula maligna empfohlen: Chodzko.] 



Calcium chinovicum. 



205 



341. ty 

Calcariae carb. praec. 45,0 
Magnesiae carb. 30,0 
Sem. Mvristicae pulv. 2,0 
Sacchari 90,0 
Gummi Arab. 15,0 



Aq. dest. q. s. 
ut f. Trochisci No. 200. D. S. 4-10 Stück 
mehrere Male tätlich. 

[Bei Dyspepsie mit Säurebildung im 
Magen.] 

Beasley. 



Calcium clliliovicuill. Calcaria chinovica. Chinovasaure Kalk- 
erde. Die Chinovasaure [aus der Chinarinde gewonnen] in dieser Verbindung 
soll bei Darmaffectionen, zumal Diarrhoe und Dysenterie, ganz besondere 
Wirksamkeit entfalten (Kcrner). 

Innerlich: zu 0,1-0,5, l-2stündlich, in Pulvern [mit Saccharum 
oder Calcaria phosphorica] oder in Schüttelmixturen. 

Aeusserlich: zum Clysma empfohlen [10,0-20,0 mit 150,0-200,0 Aq. 
destill., mit Zusatz von Gummi Tragacanth. und einigen Tropfen Phosphorsäure]. 

Calcium chloratum. Calcaria muriatica. Chloretum Calcii. Hydro- 
chloras Calcariae, Murias Calcis. Chloride of Calcium. Chlorure de Cal- 
cium. Chlorcalcium. Salzsaurer Kalk. [10.0 etwa 10 Pf.] Zerfliess- 
lich an der Luft [das so gebildete Fluidum heisst Ol. Calcis]. Cave: alle 
basischen Salze, schwefelsaure, phosphorsaure und Salze der meisten 
organischen Säuren, Borax, Blei-, Silber- und Quecksilberoxydulsalze. 
[Keine Abkürzung bei der Verordnung! zur Vermeidung der Verwechselung 
mit Calcaria chlorata.] 

Innerlich: zu 0,2-0,6 [und darüber] mehrmals täglich in Lösung 
[mit Zusatz von Succ. Liquir. depur.]. 

Aeusserlich: in Substanz [fein gepulvert in leinene Säcke gethan und 
auf ödematöse Theile, z. B. Oedema scroti, aufgelegt: Heller 5 die Substanz soll durch 
ihre hygroskopische Eigenschaft das Wasser aus dem Zellgewebe anziehen, macht 
sich dies jedoch bequemer indem sie den nöthigen Wasserbedarf aus der atmosphäri- 
schen Luft entnimmt], zu Verbandwässern [1 auf 24; Ilailcmachcr: als Zer- 
theilungs- oder Reifungsmittel bei Furunkeln, bei Geschwüren in der Fetthaut, bei 
schwammigen Auswüchsen], Augentropfwässern [0,05-0,1 auf 10,0], Sal- 
ben [3,0 auf 25,0], Waschungen [3,0-5,0 auf 250,0], Bädern [30,0-100,0 
pro balneo]. Als Austrocknung s mittel der Luft im Zimmer in offenen 
Schalen ausgesetzt. — Für diesen letzteren Zweck, sowie für die äusscr- 
liche Anwendung in grossen Dosen bedient man sich des billigeren Cal- 
cium chloratum crudum. [500,0 etwa 60 Pf.] Am verwendbarsten ist 
noch das Calcium chloratum crystallisatum, welches aus grossen 
farblosen in Wasser unter starker Wärmebindung löslichen Krystallen 
besteht. Man mischt es mit kaltem Wasser, Eis oder Schnee und kann 
damit (z. B. 4 Th. Calc. chl. cryst. zu 3 Th. Schnee lässt das Gemisch 
bis — 48° C. sinken) starke Temperaturerniedrigungen erzielen. 



342. \>,- 

Calcii chlorat. 5,0 

Aq. dest. 30,0 

Aq. Laurocerasi 10,0. 
MkS. 3 mal täglich 30 Tropfen. 

! Bei Scrophcln.] Hemer. 



543. 



K' 



Calcii chlorat. 
Natr. chlorat. ana 25,0 
Parin. Fabar. 100,0. 
MDS. Mit Wasser zu einem Cataplasma 
anzurühren. 



Calcium jodatum. Calcaria hydrojodica. Jod calci um. [Krystalli- 
sirbare, an der Luft zerfliessende Substanz.] 

Bf 341-343. "Wl 



206 Calcium lacticum. 



Innerlich: zu 0,01-0,05-0,2 3 Mal täglich in wässeriger Lösung 
[gegen Scropheln; in neuerer Zeit von Vivcnot als Antisyphiliticum mit Erfolg ge- 
braucht und sogar dem Jodkalium vorgezogen, ohne bis jetzt viel Nachahmung ge- 
funden zu haben]. 

Aeusserlich: in Salben [1,5-3,0 auf 25,0]. 

Calcium lacticum. Calcaria lactica. Lactate of Calcium. Lactate 
de chaux. Calciumlactat. Milch säur er Kalk. Bis jetzt nur gebraucht 
in Form des Syrupus Calcariae phosphorico-lacticae [vergl. diesen]. 

Calcium phospholacticum crystallisatuiit solubile. Krystalli- 
sirter phosphor-milchsaurer Kalk. In warmem Wasser leicht, in 
kaltem schwer löslich. Dosis und Gebrauch wie Calc. phosphor. 

^Calcium phosphoricum. Calcaria phosphorica (bibasica). Calcium 
phosphoricum Ph. Austr. Calcis Phosphas Ph. Brit. Phosphat of lime. 
Phosphate de chaux. Calciumphosphat. Phosphorsaure Kalkerde, 
neutrale phosphorsaure Kalkerde. Leichtes weisses krystallinisches, in 
Wasser unlösliches Pulver. [10,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,0-5,0 mehrmals täglich, in Pulvern, Pastil- 
len. [In neuerer Zeit von ßenckc als Unterstützungsmittel für den Zellenbildungs- 
process gerühmt, und bei Atrophie, Rachitis, scrophulösen Geschwüren mit Erfolg 
gegeben. Die Dosis muss aber sehr hoch gegriffen werden, wenn Wirkung erzielt 
werden soll; am besten thut man, jede Nahrung des Kindes mit mehreren Prisen 
phosphorsauren Kalks zu vermischen. — Itfalgaigiie und Milnc Edwards gaben den 
phosphorsauren Kalk in grossen Dosen (2,0-5,0 täglich) mit Erfolg zur Beschleunigung 
der Callusbildung bei Fracturen. In neuester Zeit ist das Mittel auch von Piorry, 
Bertraiul und Gaulou gegen verschiedene KnochenafTectionen gerühmt und zwar 
gleichfalls in grossen Dosen, nämlich in Pulvern von 5,10-10.6, die Morgens und 
Abends zu einer Reis- oder anderen Suppe zugesetzt werden. Gtiyot empfiehlt 2,0-6,0 
pro die gegen die Schweisse bei Phthisikern. An Stelle der Calcaria phosphorica 
werden auch geraspelte frische Knochen empfohlen. — Neuerlichst wird auch 
unter dem Namen Chlorhydrophosphate de chaux, (Calcaria chlorhydrophos- 
phorica) ein Gemenge von Calcaria phosphorica und Chlorcalcium bei Scrophulose, 
Chlorose u. a. empfohlen: Ulercailicr]. 



344. Bf 

Calcar. phosphor. 0,2 
Calcar. carbon. praecip. 0.1 
Ferr. reduct. 0,03. 

F. c. Pasta Cacao Trochisc. d. tal. dos. 
No. 20. S. 3 mal täglich eine Pastille. 



345. Bf 

Calcar. phosphor. 10,0 

Calcar. carbon. 20,0 
[Ferri lactici 1,5-3,0] 

Sacch. 1 actis 30,0. 
M. f. pulv. D. S. 3 mal täglich theelöifel- 



Trochisci antatrophici. weise im Essen. Küchenmeister. 

^Calcium phosphoricum rrmliim. Calcaria phosphorica (tribasica) 

ex ossibus. Ossa usta alba. Rohes Calciumphosphat. Gebrannte 
Knochen. Ein weisses oder grauweisses Pulver, in Salzsäure löslich. Es 
bestehl zumeist aus Calciumphosphat (92), aus wenig Magnesiumphos- 
phal (über 1) und aus Calbiumcarbonat (G,5 pCt.). Nur in der Form 
der Oornu cervi raspatum und Cornu cervi ustum album (siehe 
diese) angewandt. 

Calcium suhphosphoriciiiii. Calcaria subphosphorosa. Hypophos- 
phite of Calcium. Unterphosphorigsaurer Kalk. Vergl. Natrium 
subphosphorosum. 

Bf 344-1) 15. 



Calcium sulfo - carbolicum. 207 



Calcium sulfo -carbolicum, Calcaria sulfo -carbolica. Sulfo car- 
bolsaure Kalkerde. [In Wasser leicht löslich.] 10,0 = 1,8 Calc. 

Innerlich zu 0,3 mehrmals täglich gegen Rachitis und mit Aqua 
Calcariae gegen Diarrhoea infantilis von Sansom empfohlen. [Bei Er- 
wachsenen grössere Dosen.] Ist wegen seiner leichten Löslichkeit das ratio- 
nellste und am meisten zu empfehlende Kalkpräparat. 

346. Iy 

Calcar. sulfocarb. 50,0 
Aq. dest. 120,0 
Syr. Cort. Aurant. 30,0. 
MDS. 3 mal täglich 1 Kinderlöffel. [Bei Rachitis.] 

Ewald. 

Calcium sulfuratlim. Calcaria sulfurata. Hepar Calcis. Hepar sul- 
furis calcareum. Sulphuretum Calcis. Sulphuret of Calcium. Foie de 
soufre calcaire. Schwefelcalcium. Kalkschwefelleber. [10,0 etwa 
15 Pf.] Beinahe unlöslich in Wasser. Cave: alle Säuren, Metalloxyde 
und Salze. — Calcium oxysulfuratum oder Miscella pro calcio oxy- 
sulfurato Ph. Austr. ist ähnlich [Calcaria usta 30,0, Sulfur. 60,0]. Dasselbe 
wird zur Solutio Calcii oxysulfurati oder Solutio Vlemingkx 
[1 in 4 Wasser] verwendet. [Keine Abkürzung bei der Receptur! zur Vermeidung 
der Verwechslung mit Calcaria sulfurica.] 

Nur äusserlich: in Salben [1,5-3,0 auf 25.0, neuerlichst wieder sehr 
dringend gegen Acne, Furunkel, Carbunkel, scrophulöse Geschwüre — gleichzeitig 
mit interner Anwendung des Mittels — empfohlen: Ringer], zu Waschungen 
[5,0 auf 100,0], Bädern [60,0-120,0 pro balneo; die Wirkung wird erhöht durch 
Zusatz roher Salzsäure (zu gleichen Theilen). Die Boules Baregiennes (Globuli 
sulfurati) bestehen aus 8 Schwefelcalcium, 2 Kochsalz, Extr. Saponariae 1-1 V 2 ♦ Aus 
dieser Masse werden Kugeln von 50,0 Gewicht geformt und mehrere derselben im Bade 
aufgelöst]. 



347. fy 

1. Sohlt. Calcii oxysulfurat. 200. 

D. in vitro. 

2. Acid. hydrochlor. crud. 15,0 



Acid. sulfur. dilut. 30,0 
m. d. in vitro. 
D. S. Nach dem Eingiessen von 1. in's Bad 
vor dem Einsteigen No. 2. zuzusetzen 
Liquor hydrosulfuratus pro balneo. 



Calcium sulfurato-stibiatuill. Stibio-Calcium sulfuratum. Calcaria 
sulfurato-stibiata. Calx Antimonii cum Sulfure. Spiessglanz-Schwefel- 
kalk. Nur theilweise löslich. 

Innerlich: zu 0,1-0,3 mehrmals täglich, in Pillen, seltener in 
Pulvern, in Abkochungen [5,0 mit 1200.0 auf 1000,0 eingekocht: Aqua 
sulfurato-stibiata Ph. paup«, ähnlich Solutio Calcii sulfurato-stibiata; 
dieselbe wird pur oder mit Milch, Fleischbrühe, tassenweise gegeben]. 

Aeusserlich: zu Mundwässern [selten; 1,0 auf 150,0-200,0], Um- 
schlägen, Waschungen [1.0 auf 100,0], Bädern [30,0-60,0 pro balneo, 
erst mit Wasser abgekocht und dann dem Bade zugesetzt], Pflastern [3,0 auf 
25,0], in Salben und Pasten [als epilatorisches Mittel bei Trichiasis — der 
Spiessglanzschwefel wird zur Paste geformt, vorsichtig aufgetragen und nach 4 bis 
G Minuten mit einem nassen Tuche wieder abgewischt; lluval |. 

Iy 346-347. 



208 Calcium sulfuricum ustum. 



348. ly. ! 349. fy 



Calcii sulfurato-stib. 2,0 
Mucilag. Gummi Tragac. q. s. 
F. pil. 60. lonsp. Cass. Cinnarn. D. in 
vitro bene clauso. S. 2 mal tägl. 5 Stück. 
[Bei chronischer Metallvergiftung.] 

Hufeland. 



Cerae flav. 
Calcii sulf.-stib. ana 5,0 
Picis liquid. 25,0. 
F. 1. a. emplastr. extend. supra corium. 
Emplastrum antarthrit. 
Helgolandicum. 



*Calcium sulfuricum ustum. Calcaria sulfurica usta. Gypsum 
ustum. Gebrannter Gyps. [10,0 = 15 Pf.] Weisses amorphes Pulver, 
welches mit der Hälfte seines Gewichtes Wasser gemischt innerhalb 
5 Minuten erhärten muss. Hauptsächlich zum Gypsverbande gebraucht. 
— Zur Bereitung des Corne-Demeaux'schen Pulvers [vergl. Pix Lithanthrac]. 

Die Calcaria sulfurica crystallisata nativa, Glacies Mariae, Lapis 
specularis, Glimmer, Frauen eis, Marienglas, wird häufig als Volks- 
mittel gegen rosenartige Entzündungen, Intertrigo sowohl innerlich, als 
äusserlich gebraucht. 

*Campll©ra. Camphor. Camphre. Campher. Kampfer. [Durch 
Sublimation aus Cinnamomum Camphora gewonnenes Stearopten. — 10.0 10 Pf., trita 
15 Pf.] Weisse, krystallinische mürbe Masse. In Wasser fast gar nicht, 
in Weingeist, Aether, fetten und ätherischen Oelen, in Chloroform, Kreo- 
sot, Schwefelkohlenstoff, wasserfreier Essigsäure leicht löslich ; mit Hülfe 
von Gummi oder Eigelb lässt sich der Campher wie ein fettes Oel in 
Wasser oder Essig emulgiren. Pulver von Campher und Gummiharzen 
geben eine überraschend weiche Masse, deshalb Zusatz von Campher zur 
Geschmeidigkeit von Pflastern. Zu Pulver lässt sich der Campher, mit 
einigen Tropfen Spiritus befeuchtet, leicht reiben [Camphora trita]. 

Innerlich: zu 0,03-0,3 [bei torpiden Nervenfiebern, Hydrophobie, Cholera, 
bei Collaps], mehrmals täglich als Pulver [am besten mit reinem Gummipnlver; 
man verordne nur auf kurze Dauer und in Charta cerata ; in capsulis operculatis halt 
sich der Campher sehr gut auf längere Zeit], in Pillen oder Bissen [mit 
Gummi Arab. und Succ. Liquirit.], in Auflösungen [in fettem Oel: Ol. cam- 
phoratum; in Spiritus: Spiritus camphoratus; in Aether und Chloroform — den Spi- 
ritus- und Aether-Auflösungen darf man jedoch kein Wasser zusetzen, weil sonst der 
Campher sich ausscheidet], in Emulsionen [zweckmässiger als die Emulsion mit 
reinem Campher ist die mit Ol. camphoratum (1 Campher, 8 Ol. Papaveris)]. 

Aeusserlich: in Substanz als Kaumittel [kleine Stückchen Cam- 
pher gekaut oder langsam auf der Zunge zergehen lassen: bei Angina], in hohlen 
Zä hnen, im Ohr zu tragen [mit Baumwolle umhüllt — die Pintcr'schen Ohren- 
pilleri sind nichts weiter als Campher mit Oel und Wachs zur Pillen masse geformt 
und in Baumwolle gewickelt], in Kräuterkissen [bei rheumatischem Zahn- 
schmerz. Erysipelas: 0,5 auf 25,0 Species aromat.] in leinenen oder Mull-Säc la- 
chen als Antispasmodicum bei Spasmus glottidis am Halse (A. Vogel, 
ffaldeabtirg) , als Antaphrodisiacum in der Nähe der Genitalien ange- 
bracht; m Da in p (To rin [die oben angegebenen Applicationsweisen wirken zu- 
meist in Form der Dämpfe; ferner Dämpfe von heissem Wasser, in welches Campher 
geworfen: hei Angina, Zahnschmerz n. s. w.], Inhalationen [durch gläserne 
Cylinder, in denen der Campher durch Wattepfropfe gehalten wird: Cigareltes cam- 
phräes (Easpaü)], Räucherungen [man lässt den Campher von heissen Metall- 
platten (nicht von glühenden Kohlen, auf denen er verbrennt) verdampfen und die 
Dämpfe an den leidenden Theil selbst gehen, oder man fängt sie mit Watte oder 

Iy 348-349. 



Camphora. 



209 



Wollenzeug auf (Lana camphorata — zweckmässiger durch Besprengen der Watte 
mit Spiritus camphoratus) und umhüllt den leidenden Theil damit], zu subcutanen 
Injectionen [1 zu 12Spir. oder 5 Aether; 1 volle Spritze pr. dosi, alsExcitans: Rolule; 
oder auch in fettem Oel gelöst: Hinz], in Pulvern, als Schnupfpulver, 
Augenpulver, Streupulver [bei gangränösen Geschwüren: mit Myrrha, 
China, Kohle], in Mund- und Gurgelwässern, Pinselsäften, Augen- 
wässern, Klystieren [0,3-1,2 oder 3,0-10,0 Ol. camphor. emulgirt], Bädern 
[5.0-10 zum Fussbade], Linimenten [gewöhnlich die officinellen benutzt], 
Seifen, Salben [am besten der Campher erst in Oel aufgelöst und dann der 
Salbe zugesetzt: l,5-3 : auf 25 0], Pflastern [die meist sehr weich, oft schmierig 
werden], Seifen [Sapo camphoratus (etwa 3,0 auf 25.0)]. 



350. R 

Cainph. trit. 0,05 

Gummi Arab. 0,5. 
M. f. pulv. d. tal. dos. No. 10. D. 
eharta cerata. S. 3stdl. 1 Pulver. 



m 



351 



** 



M 



Camph. trit. 0,1 
Opii 0,03 

Kai. nitric. dep. 0,3 
Sacch. albi 8,0. 
f. pulv. D. S. Abends vor Schlafen- 
gehen in Thee zu nehmen. 

Pulvis diaphoreticus Graefii. 



352. Bf 

Camph. 1,5 
Moschi 0,4 

Extr. Opii aquos. 0,1 
Syr. comm. q. s. 
ut f. bol. 6. Consp. Cass. Cinnam. D. in 
vitro. S. Den Tag über zu verbrauchen. 
[Als Analepticum.] Dupuytren. 



353. R 

Camph. 2,5 
Extr. Opii aquos. 0,5 
Mucilag. Gummi Arab. q. 
ut f. bol. 6. Consp. Lycopod. 
vitro. S. Abends 2-3 Stück, 
norrhoischen Erectionen und 



s. 

D. 
[Bei 



des Collum vesicae.] 



in 

go- 

Reizung 



Ricord. 



354 



M 



Camjih. 

Lactucarii gallici ana 3,0. 
f. pil. 20. Consp. Lycopod. D. S. 
Täglich 5-6 Pillen zu nehmen, haupt- 
sächlich vor Schlafengehen. [Bei Pria- 
pismus, Chorda, Harnröhren -Schanker, 
Gonorrhoe, zur Verhinderung der Erec- 
tionen.] Ricord. 



Camph. 2,0 

Pulv. Secal. cornul. 



4,0. 



F. c. Mucil. Gummi 
Consp. Lycopod. 
Abends eine Pille, 
nocturnae.] 



Mim. s. q. pil. 50. 
D. S. Morgens und 
[Gegen Pollutiones 
Robert. 



356. 



Iy 



Camph. trit. 0,6 

Res. Guajac. nat. pulv. 4,0 

Sapon. stib. 2,0 

Extr. Calami q. s. 
ut f. pil. 60. Consp. Pulv. Rad. Calami. 
D. in vitro. S. 3 mal täglich 6 Stück. 
[Bei chronischer Gicht.] Lessing. 



357. 



D. S. 



Camph. 1,0 
Aether. acet. 12,0 
Tinct. Opii simpl. 
y 4 -7 2 stdl. 10-15 



Cholera asphyetica.] 



3,0. 

Tropfen. [Bei 
Oppolzer. 



358. fy 

Camph. 10,0 

Aether. 20,0. 
D. S. 20-30 Tropfen in Wein zu nehmen. 
Liquor nervi nus Bangii. 



359. l v 

Camphorae 

Spir. dil. ana 10,0. 
MDS. 4 mal täglich 10-15 Tropfen. [Bei 
Dysenterie.] H. Munk. 



360. 



D. S. 



1^ 
Camph. 0,3-0,5 
Gummi Arab. 5,0 

\. r. 

Aq. Flor. Aurant. 
Syr. Alth. ana 25,0 
Aq. dest. q. s. 

Emuls. 200,0. 
l-2st<ll. 1 Esslöffel. 



Ewald nixl Simon, A r/.iiei verordilllllgslehre. 10. Aull. 



14 
fy 350-360. "W 



210 



Camphora. 



361. Bf 

Camph. 

Extr. Opii aquos. ana 0,07-0,15 

Mixt, gummös. 100,0. 
D. S. 2-3stdl. 1 Esslöffel. [Bei Gonorrhoe 
mit häufigem, schmerzhaftem Harndrang 
und gleichzeitigem Stuhldrang oder 
Diarrhoe.] v. Sigmund. 



362. Bf 

Camph. 0,5-1,0 
Emuls. Amvgd. dulc. 200,0. 
S. IstdJ.. 1 Esslöffel. 

Emulsio amygdalina camphorata. 



D 



363. Bf 

Champh. 1,2 
Spirit. 0,3 
Magnes. carbon. 2,5 
Aq. dest. 200,0. 
D. S. £-2stdl. 1 Esslöffel voll. [Bei Ty- 
phus abdom. und exanthem., namentlich 
als Mittel gegen den quälenden Durst 
von Lyons empfohlen.] 

Murohison. 



364. Bf 

Camph. 0,5 

Gummi Arab. 5,0 
f. c. 

Aq. Valerian. 100,0 

Emulsio in qua solve 

Amnion, carb. pyro-ol. 1,0 

Extr. Opii 0,1 

Syr. Zingiberis 25,0. 
MDS. Halbstdl. 1 Esslöffel. [Bei Cholera.] 



365. Bf 

Camph. 

Myrrh. ana 5,0 

Cort. Chin. 

Flor. Cham, ana 10,0 

Carb. pulv. 20,0. 
M. f. pulv. S. Zum Einstreuen. [Gegen 
Gangraena und Caries.] Rust. 



366. Bf 

Camph. trit. 5,0 
Sulfur. pracc. 10,0. 
MDS. Mit destillirtem Wasser so flüssig 
zu machen, dass die Masse leicht auf- 
gestrichen werden kann. [Bei Acne 
rosacea.] Morris. 



367. Bf 

Camph. 0,5 
Ol. Cajeputi 0,3 
Qlycerini 10,0 
MDS. Umgeschüttelt einzureiben. [Bei 
rheumatischen Schmerzen.] 

Angelstein. 



368. Bf 
Camph. 5,0 

Ol. Terebinth. 20,0. 
D. S. Zum Einreiben. [Bei Frostbeulen.] 

369. Bf 
Camph. trit. 1,0 
Aeth. sulfur. 5,0 

D. S. Zu subcutanen Injectionen bis zu 
20 Tropfen pro dos. 

370. Bf 
Camph. 25,0 
Aetheris 50,0. 

MDS. Alle 5-6 Stunden mittelst eines 
Pinsels auf die kranken Partien aufzu- 
tragen. [Bei Erysipelas infantum.] 

Trousseau. 



371. R 

Camph. trit. 

Bals. Peruv. ana 2,0 

Vaselini 25,0. 
M. f. ungt. D. [Gegen Frostbeulen.] 

Lockstaedt. 



372. Bf 
Camph. 0,06 

solve in 
Ol. Amygd. dulc. 30,0 

adde 
Liquor. Ammon. anis. 0,25. 
MDS. Täglich einige Tropfen in's Ohr zu 
lassen. [Gegen asthenische Schwer- 
hörigkeit.] Kust. 

373. Bf 
Camph. 0,5 
Vitell. ov. unius 
Extr. Opii aquos. 0,05 
Aq. comm. 150,0. 

MDS. Zum Klystier. [Gegen schmerzhafte 
Erection bei Tripper.] Kicord. 



374. Bf 

Camph. trit. 5,0 

Vitell. ov. dimid. 

Syr. Sacchar. 40,0 

Aether. 2,0 

Aquae 500,0. 
D. S. Zur Gurgelung. [Bei bösartiger 
Angina.] Bouchardat. 



375. Bf 

Camph. trit. 0,3 

Morph, tnuriat. 0,12 

Ibis. «I. Toluol. 0,6 

Zinc. oxyd. alb. 2,0 

Vaselini 20,0 

Cer. llav. 2,5. 
M. f. ungt. S. Decubitussalbe. 

Freriohs. 



Bf 361-375. 



Camphora bromata. 211 



376. Bf 

Camph. trit. 10,0 
Alum. crud. 30,0 
Ammon. chlorat. 15,0 
Ceruss. venet. 250,0 
Cret. pulv. 370. 



Aq. q. 1. ad past. ex qua f. glob. pond. 
30,0, rec. praep. disp. S. Weiche Lein- 
wandlappen sind mit diesen Kugeln 
reichlich zu bestreichen, 3-4 mal in 24 
Stunden frisch aufzulegen. [Elisabethiner 
Kugeln.] Wertheim. 



Camphora bromata. Bromure de camphre. Bromide of camphor. 
Monobromcampher. Bromcam phcr. [Weisse Krystalle, sehr flüchtig, schwer 
löslich in Wasser, leicht in Alcohol und Glycerin. — 1.0 5 Pf. — Von Swart zuerst 
dargestellt, von Denefte zuerst therapeutisch geprüft und bei Delirium tremens zu 
2 0-3.0 pro die erfolgreich gefunden. Darauf auch zu 1.0-2,0 pro die gegen Epi- 
lepsie und hysterische Anfälle, sowie zu 0,4-0 5 und mehr pro die gegen dyspnoe- 
tische Zustände von Bourneville^ gegen Manie von Lawsoii, von Valenti als das beste 
Antidot gegen Strychninvergiftung. g^g^n Ilcniicranie und Cephalalgie von lloell, 
gegen Chorea, nächtliche Pollutionen und Tenesmus vesicae et recti von Gathault 
empfohlen]. 

Innerlich: in Pulvern, Pillen, Bissen, Kapseln, Trochisci. 
[In Frankreich, wo das Mittel zuerst und am meisten benutzt worden, sind fast nur 
Capsules und Trochisci, welche 1 desselben enthalten, in Gebrauch], zu etwa 0,1 
bis 0,5 pro dosi, zu 0,4-3,0 pro die. [Gegen Strychninvergiftung sind selbst 
4,0-6 refraeta dosi empfohlen: Valenti.] 

Aeusserlich: zu subcutanen Injectionen [nicht genügend geprüft 
wegen der Schwerlöslichkeit des Präparats in Wasser, verdient indess in spirituöser 
oder Glycerinlösung versucht zu werden.] 

Camphora carbolisata. Carbolated Camphor. Camphre phenique. 
Car bolkampfer. [Von einer concentrirten Solutio aeidi carbolici (9 ad 1 Spi- 
ritus) werden 10 mit 25.0 Camphora pulv. gemischt. Man erhält eine ölige, blass- 
gelbliche Flüssigkeit, von schwachem Kampfergeruch, die sich weder mit Wasser 
noch mit Glycerin, sehr wohl aber mit Oliven- und Mandelöl in allen Verhältnissen 
mischt.] Dieses von Soiilez dargestellte Präparat wird von demselben 
dringend als Verbandmittel an Stelle der Carbolsäure empfohlen und 
zwar entweder gemischt mit Ol. Olivar. oder, was er vorzieht, in einer 
Emulsion mit gleichen Theilen eines Infus. Herbae Saponariae (1 ad 
10 Aq.) oder einer Tinct. Saponariae Quillayae. Die Wunde wird mit 
dem Mittel gewaschen oder ausgespritzt und die Verbandstücke werden, 
ähnlich wie beim Lister'schen Verfahren, mit demselben getränkt und in 
mehreren Lagen aufgelegt, mit Kautschuk, trockner Watte und einer 
Bandage bedeckt. Die Wirkung dieses Verbandes, welcher nicht, im 
mindesten reizen, vielmehr die Schmerzen lindern und die Reactions- 
erscheinungen sowie die Eiterung massigen soll, wird von Soulcz sehr 
gerühmt. 

Caiuiabiiiiim taniiicuin. Gerbsaures Cannabin. Alkaloid aus 
Cannabis indica. [Als Hypnoticum neuerlichst eingeführt und von Froiiniiiller 
empfohlen. — 0,1 30 Pf.] 

Innerlich: zu 0,2-0,5 in Pulvern (zur beruhigenden und schlaf- 
machenden Wirkung bei Exaltationszuständen, Geisteskranken , Steno- 
kardie: Ewald.) 

Aeusserlich: Wegen seiner geringen Löslichkeil in Wasser and 
Glycerin zu subcutanen Injectionen noch nicht zu verwenden. 

11* 

fy 37<;. *m& 



212 



Ciintharides. 



*Cailtharides, Muscae hispanicae, Blistering-fly, Spanish-fly, Mouches 
d'Espagne. Spanische Fliegen. [Der möglichst wenig beschädigte Käfer 
Lytta vesicatoria, dessen vorzugsweiser Bestandtheil Cantharidin, ein weisser krystalli- 
nischer Körper, ist. — Von Radccki wurde aus den Canthariden ausserdem ein öl- 
artiger, sauer reagirender, stark narcotischer, fast wie Nicotin riechender, flüchtiger 
Stoff dargestellt, über den indessen nichts weiteres verlautet hat. — 10,0 gross, pulv. 
35 Pf., subt. pulv. 40 Pf.] 

Innerlich: zu 0,01-0,05 [ad 0,05 pro dosi, ad 0.15 pro die!], einige Mal 
täglich [bei Hydrophobie öfters diese Dosis überstiegen], in Pulvern [subt. pulv. 
mit Zusatz von Gummi, unzweckmässige Form, weil leicht eine im Heilzwecke nicht 
liegende örtliche Reizung der Magenschleimhaut entsteht], in Pillen [mit Campher 
oder Opium als Corrigentien der Cantharidenwirkung]. Zweckmässiger als diese 
Formen ist die Darreichung eines Oleum cantharid. oder der Tinct. 
cantharid. [s. diese]. 

Aeusserlich: als Streupulver [subt. pulv., heftig reizend, bei sehr 
atonischen Geschwüren, vermischt mit Zucker, Amylum, Gummi, Lapid. cancr.] in 
Salben [entweder durch Zusatz der gepulverten Canthariden (1) zu Salbenmasse (8) : 
Unguentum epispasticum Ph. naup., oder durch Digestion der Canthariden mit 
fettem Oel, so das officinelle Ungt. cantharid.], zu, Pflastern [zu deren Zusam- 
mensetzung man sich des Pulvers oder der öligen und der ätherischen Auszüge bedient 
(Empl. Mez. canth., Taffetas epispasticum Gilberti). Charta epispastica 
Ph. Brit., Blistering paper, wird bereitet aus 4 Canth. pulv., 16 Cera alb., 16 Sper- 
inacet., 8 Ol. Oliv., 3 Tereb., 1 Bals. Canad., 24 Aq. dest. — Vergl. die officinellen 
Empl. Cantharid.], als Fontanellkugeln [Pillen aus Canth. mit Rhiz. Irid.], 
als Canthariden- Collodium Ph. U. S. [die gepulverten Canthariden sollen (unge- 
fähr im Verhältniss von 1 : 10) in Collodion gelöst werden. Eine andere Vorschrift 
giebt an: 1 Th. Collodiumwolle in 18 Th. Aether cantharidatus (durch Extraction 
von 2 Th. Canth. gross, pulv. mit 3 Aether) und 3 Spiritus zu lösen. Die Appli- 
cation empfiehlt sich bei unruhigen Patienten und an Stellen, wo Pflaster nicht leicht 
haften. 



377. Iy 
Cantharid. pulv. 0,2 
Camphor. trit. 0,3 
Pulv. Althaeae 3,0 

Mucil. Gummi Arab. q. s. a. 
P. pil. No. 20. Consp. Lyoopod. D. S. 
3 mal täglich 2 Stück zu nehmen. 

378. Iy 

Canthar. subt. pulv. 1,0 

Ferri oxydat. fusc. 

Aloes ana 1,5 

Kxtr. Chamom. q. s. 
ut f. pil. .')(). Consp. C'ass. Cinnam. S. 
3ma] täglich 1-2 Pillen zu nehmen. 
[Bei Amenorrhoe.] Oesterlen. 

37!). Ey 

Canthar. subt. pulv. 0,G 
Ferri pulv. 1,2 
Suce. Liquir. 1,0. 
V. pil. '.)(). Consp. Lycopod. I). S. 1 mal 
täglich ."»- 1 Pillen. ( Bei Enuresis pa- 
ralytica puerperarum und senilis.] 

Meissner. 



380. fy 

Canthar. gross, pulv 
Ol. Amygd. 150,0 
Digere per */ 4 
adde 
Gummi Arab. 7,5 
Syr. opiati 30,0 
Aq. coram. 150,0. 
F. emuls. D. S. 2 stund! 
einen EsslölVcl. 



0,12 



horam; filtratis 



iimgeschüttelt 

Lockstaedt. 



381, 



I> 



Cantharid. pulv. 

Picis nav. 

Cerae flav. 

Adipis suilli ana 25,0 

Terebinth. 5,0 

Ol. Lavand. 

Ol. Thymi ana 0.5 
F. emplastr. Bxtende supra Taflet. 

Mouches de Mi] a n. 
[Als Derivans bei Neuralgien und Zahn- 
schmerz. J 



Iy 377 



Cantharidinum. 213 



382. Bf 

Canthar. pulv. 10,0 

Ol. Olivar. q. s. 
ut f. pasta mollis. 

Vesicator nach Bretonneau. 

Cautliaridililllll. Cantharidin. Canthariden-Campher. [In weissen 
Tafeln krystallisirbares , flüchtiges Alkaloid, in Aether, Alcohol, fetten und ätheri- 
schen Oelen, aber nicht in Wasser löslich und mit Alkalien Salze bildend. — 0,1 
etwa 20 Pf.] 

In neuerer Zeit häufiger angewendet. Doch ist wegen der überaus 
heftigen Wirkung [etwa 50 Mal stärker als Cantharidenpulver] grosse Vorsicht 
von Nöthen. 

Capsulae amylaceae. Oblatenkapseln. Eine sehr zweckmässige 
Darreichungsform für dispensirte Pulver. [Vergl. den allgemeinen Theil 
pag. 18.] 

Capsulae gelatiiiosae. Capsules gelatineuses. Gallertkapseln. 

[Eine jetzt vielfach gebrauchte Form für die Darreichung übelschmeckender oder 
übelriechender Arzneien. Die Kapseln werden aus elastischer Gelatine angefertigt, 
mit der betreffenden Mischung gefüllt und dann mit Gelatine geschlossen. — Das 
Einnehmen der Kapseln geht ziemlich leicht von statten, wenn man dieselben be- 
feuchtet auf die Zunge legt und dann mit einem Schluck Wasser hinunterspült. — 
Am häufigsten sind Kapseln mit Bals. Copai'v. (0,5 pro Capsula, 1 Dutzend 40 Pf.) 
Extr. Cinae aether., Aether, Ol. Chaberti, Ol. Terebinthinae, Extr. filiois aether., 
Natr. und Acid salicylicum (Ol. Ricini und Ol. Jecoris Aselli [bis zu 10 Gr. Inhalt]) 
vorräthig.] 

Capsillae opercillatae. De ekel kapseln. [Kleine aus zwei Stücken 
bestehende cylinderförmige Gallertbüchsen, die so gearbeitet sind, dass das eine Stück 
genau in das andere passt. Zum Einhüllen pulverförmiger Substanzen sehr zwe<ik- 
mässig. Die Dispensation in Capsul. opercul. wird aber doppelt so hoch berechnet, 
als die in Papierkapseln. — Bei dieser Verordnungsweise kann das sonst übliche 
Vehikel (Gummi, Zucker) gänzlich wegbleiben.] 

Capsulae Papavcris s. Fructus Papaveris. 
Caragalieen s. Carrageen. 

Carbo anillialis. Carbo carnis. Ivory-blak, animal charcoal. Char- 
bon animal. Fleisch- oder Thierkohlc. [Dieselbe wird entweder, aus 
Fleisch und Knochen oder aus dem Blute, — so die Carbo animalis Ph. Lond. — oder 
aus Knochen allein — Carbo ossium (Spodium, Ebur ustum, Cornu cervi ustum 
ni^rum) bereitet. — 1,0 subt. pulv. 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 im Pulver. 

Aeusserlich: zu Streupulvern bei ichorösen Geschwüren [schlech- 
ter als die Holzkohle]. 

*Carbo ligui pulveratiis s. purus. Carbo praeparatus. Carbo vege- 
tabilis depuratus. Carbo Ligni depur. Ph. Aiistr. Charcoal. Carbon v4gdtal. 
Gepulverte Holzkohle. Präparirte oder gereinigte Holzkohle. [10.0 5 Pf. | 

[nnerlich: zu 0,5-2,5 [und mehr] mehrmals läglich, in Pulvern 

|d. in vitro, weil die Kohle ihre absorbirende Kraft leicht an der Luft verliert. — 

Vegetabilische Kohle ist der Bestandtheil vieler antepileptischer Arkana, so z. B. des 

Welpcr'schen Pulvers, welches aus verkohltem Ilanfzwirn bereitet und in sieben 

Iy 382. "m& 



214 



Carbo panis. 



Dosen ä 0.4 angewendet wird], Trochisci, Latwerge [gegen Halittis foetidus 
als Palliativum empfohlen], in Capsul. operculat. bei Magengähruug mit ab- 
normer Zersetzung und übelriechenden Ructus: Ewald. 

Aeusserlich: zu Mundwässern [3,0-5.0 auf 100.0, stark umgeschüttelt, 
gegen übelriechende Stomacace: y. Ilihlebraiult], Zahnpulvern, Zahnlat- 
wergen, Cataplasmen, Streupulvern [mit China, Myrrha, Calmus. Cha- 
momilla u. s. w.], Salben [10.0 auf 25.0 Fett: Alibert's Grindsalbe]. 



383. Bf 

Carbon, pulv. 25,0 

Ligni Quass. 

Magn. carb. ana 4,0. 
MDS. Mehrmals täglich einen Theelöffel. 
[Gegen Pyrosis.] Heim. 



38-1. 



Carbon, pulv. 

Natr. bicarbon. 

Elaeosacch. Menth, pip. ana 0,5. 

pulvis. D. S. l / 2 -l Stunde nach 
jeder Mahlzeit ein Pulver. [Bei Dys- 
pepsie mit abnormer Gasentwickelung 
im Magen und Darmkanal.] 



M. f. 



385. R 

Carbon, pulv. 0,4 
Acid. salicyl. 0,1. 
D. in caps. opercul. No. 1 0. S. Eine halbe 
Stunde nach der Mahlzeit 1 Pulver zu 
nehmen. Ewald. 



386. Bf 

# Carbon, pulv. 20,0 

Cort. Chinae 10,0 

Myrrhae 2,5. 
M. f. pulv. D. S. Zahnpulver. 
Pulv. dentifric. 



387. 



M. f. 



388. 



Carb. pulv. 25,0 
Tartar. dep. 
Catechu pulv. 
Myrrh. ana 2,5 
Ol. Caryophyll. 0,5 
Ol. Bergamott. 0,2. 
pulv. dentifric. 

Welper'sches Zahnpulver. 



Iy 



10,0 



Carbon, lign. pulv. 

Panis 50,0 

Sem. lini cont. 30,0 

Aq. ferrid. 250,0. 
MDS. Zum Umschlag bei stinkenden Wun- 
den und Absonderungen. [Ist das 
Cataplasma e carbone der Ph. 
Lond. mit dem Unterschied, dass statt 
Carb. animal. die wirksamere Carb. lign. 
genommen ist.] 



3S9. 



I* 



Unguenti Styrac. 
Carbon, pulv. ana 25,0 
Camphor. 

Myrrhae ana 3,0-6,0 
Ol. Terebinth. q. s. 
ut f. unguent. D. [Gegen schwammige, 
übel secernirende Geschwüre.] Rust. 



[10.0 subt. pulv. etwa 10 Pf.] 



niger 

Carbo panis. Brod kohle 

Zu Zahn pulvern. 

Carbo populi seu Carbo Belloci. Pappelkohle. [10,0 subt. pulv. 
etwa 30 Pf.] 

Innerlich: 1,0-5,0 3-4 Mal taglich, in Pulver oder besser in 
Pastillen (Pastilles de Belloc) von Kelloc emphatisch gegen sämmtliche 
nervöse Magen- und Darmaffectionen angepriesen. 

390. Bf 

< arbon. populi 

Maines, carb. ana 15,0. 

Div. in 12 part. aeq. J). S. l-2stdl. 1 Pulver mit Zuckerwasscr, dabei 

Abends ein Salz-, Morgens ein erweichendes Klystier. 

[Bei Typhus. J Odille. 

Carbo Kpongiac. Spongia usta, Spongia marina tosta, Burnt sponge. 
Schwammkohle. [10,0 15 Pf.] 

[nnerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pulvern oder Ab- 
kochung [25,0 auf 200,0]. [Selten in Gebrauch, seitdem die Anwendung der 
Jodpräparate allgemein geworden.] 

Bf 383-390. 



Carboneum bichloratum. 215 



farboiieuin bichloratum. Carboneum cliloratum. Perchlormethyl- 
chlorür. Ethylene perchlore. Zweifach-Chlorkohlenstoff. [Tetra- 
chlorid of Carbon fälschlich von Engländern genannt.] Wurde von Saiison, 
Smith u. a. zu Inhalationen empfohlen, theils als Anästheticum für 
chirurgische Operationen, theils als schmerzstillendes Mittel bei Neur- 
algien und Antispasmodicnm, zumal bei schmerzhafter Wehenthätig- 
keit. Es ist bei weitem unzuverlässiger und gefährlicher als Chloro- 
form, deshalb als Anästheticum nicht zu empfehlen (Nuniicley, Husemaim). 
Dagegen wird es als locales Anästheticum, in zerstäubter Form auf 
den schmerzhaften Theil applicirt, sehr gerühmt (Rosenthal) und soll be- 
sonders nützlich sein bei Neuralgien, Hyperästhesien Hysterischer u. a. 
Roscnthal empfiehlt es auch als ein ausgezeichnetes Epispasticum in fol- 
gender Anwendung: Leinenstücke werden mit dem Mittel getränkt, auf 
die entsprechende Hautstelle gelegt und mittels Thierblase oder Wachs- 
tuch luftdicht abgeschlossen. Schon nach einer halben Minute kommt 
es zu lebhaftem Brennen und zur Röthung der Haut, die auch später 
fortdauert. In dieser Weise soll z. B. ein guter Erfolg bei Lumbago 
erzielt worden sein. 

Carboneum sulfiiratum. Sulfidum carbonicum Ph. Nor?., Alcohol 
Sulfuris, Carburetum Sulfuris. Sulfuret of carbon. Charbon sulfure. 
Schwefelkohlenstoff. Schwefel - Alkohol. - Xanthogen. [Wasserhelle 
Flüssigkeit von höchst durchdringendem, üblem Gerüche, scharfem, brennendem Ge- 
schmack, leicht entzündlich, unlöslich in Wasser, leicht löslich in Aether, Alkohol, 
fetten und ätherischen Oelen. Löst Phosphor, Schwefel, Campher, Gutta-Percha. — 
10.0 5 Pf.]. 

Innerlich: zu 0,1-0,3 in Tropfen [2-6 Tropfen in Milch, Zuckerwasser, 
Schleim, vielleicht am besten in Capsules, die freilich vorher der Verabredung mit 
dem Apotheker bedürfen; im ganzen jedoch ist das Mittel, das als starkes Excitans 
bei Paralysen, bei Rheumatismus und Gicht, Amenorrhoe u. s. w. empfohlen wurde, 
sehr unzuverlässig und vollständig entbehrlich]. 

Aeusserlich: zur Einreibung rein oder in fettem Oel gelöst 
[zur Zertheilung von gichtischen Anschwellungen, Drüsen -Tumoren, Kropf]; zur 
Inhalation in Dampfform [Simpson empfahl dieselbe behufs Anästhesirung; 
nicht weiter geprüft]; als locales Anästheticum [Delcominetc, Sinioniii, 
Perriiij Duplessis u. a. Die Flüssigkeit wird äusserlich aufgetragen, und durch einen 
Blasebalg die Verdunstung derselben befördert. Vorzuziehen wäre wohl, die Flüssig- 
keit in zerstäubter Form local zu appliciren, wenn man sie überhaupt trotz des 
höchst üblen Geruches anwenden will.] 

391. Bf 

Carbonei sulfurat. 
Ol. camphorati ana 10,0. 
D. S. Zur Einreibung. [Bei rheumatischen Neuralgien.] 

Carboneum tri chloratum. Chlorure d'ethylene perchlore. Drei- 
fa ch- Chlor kohle nsto ff, Chlorkohlenstoff. [Weisse Krystalle von cam- 
pherartig- aromatischem Geruch, geschmacklos, leicht flüchtig, unlöslich in Wasser, 
löslich in Alkohol, leicht löslich in Aether, fetten und ätherischen Oelen, gewonnen 
durch Zuleitung von Chlor zu Liquor Hollandicus bei grellem Sonnenlichte. — 0,1 
etwa . r > Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,4 pro dosi in Pulver [mit Zucker verrieben] oder 
in alkoholischer Lösung. [Bei Cholera asiatica: in Berlin und Kopenhagen in so 

ly 391. 



216 Card oleum. 



weit mit einigem Erfolg gebraucht, als durch dieses Mittel häufig der Puls wieder 
gehoben und die Haut zur Reaction gebracht wurde. Die erste aus Ostindien über- 
lieferte Formel für den Gebrauch des ChlorkohlenstofTs lautete: ty Carb. trichlor. 4,0, 
Magnesiae carb. 2,0, Mixturae camphorat. 250.0. MDS. 1 / 2 - 1 stdl. einen Esslöffel. 
Diese Formel wurde jedoch später verlassen und statt ihrer meist das Pulver gewöhn- 
lich zu 0,3, zuweilen mit 0,12 Campher, V 4 - V 2 stündlich angewandt] 

Cardamomiim minus s. Fructus Cardamom. min. 

( iinloicilltlt Kardol. [Weichharz aus Anacard ium occidentale; in Aether, 
Alkohol und fetten Oelen löslich; braune, theerähnliche Masse, von schwachem, eigen- 
tümlichem Geruch und blasenziehender Kraft. — 1.0 15 Pf.] Von Frerichs u. a. 
als Yesicans empfohlen und den Canthariden in denjenigen Fällen vor- 
gezogen, wo es sich darum handelt, die plastischen Blutbestandtheile 
zu verringern, da die von Kardol gebildete Blase mit ziemlich bedeuten- 
der Infiltration des Zellgewebes verbunden ist; ausserdem soll das Kar- 
dol da vorzuziehen sein, wo man die Allgemeinwirkung der Canthariden 
vermeiden will. Wichtig ist es, das Kardol aus Anacardium occiden- 
tale, Noix d'Acajou [Cardoleum vesicans], nicht mit dem auf diese Weise 
bereiteten aus Anacardium Orientale [Cardoleum pruriens] zu verwechseln, 
dessen Anwendung leicht rosenartige Entzündungen weit über die Ap- 
plicationsstelle hinaus hervorruft [Erysipelas anacardium]; das Cardoleum 
pruriens unterscheidet sieh von dem Cardoleum vesicans durch seine tief- 
schwarze Farbe. 

*Caricae. Figs, Figues. Getrocknete Feigen. [Fruchtboden mit den 

Früchten von Ficus carica. Bestandteile: Fruchtzucker und Schleim. — 10 40 Pf.] 
Innerlich: im Decoct [10 0-15,0 auf 100,0], als Corrigens zu 
Species [so z. B. in den Speci.es pectorales c. Fructibus; zu 16 Th. Species 
pectorales kommen 6 Siliqua dulcis. 4 Sem. Hordei excortic, 3 Caric. conc.]. 

Aeusserlich: in Substanz [die Feige wird in Milch aufgeweicht oder 
aufgekocht und auf entzündete Stellen im Munde oder Zahnfleische aufgelegt], in 
Abkochung zu erweichenden Mund- und Gurgel wässern. 
Carica Papaya. Siehe Papajotin. 

Carmilllllll. C arm in. [Farbstoff aus der Coccionella. — 1.0 etwa 20 Pf.] 
Leicht löslich in Liq. Ammon. caust. 

Als Färbungsmittel für Zahnpulver, Electuarien und cosmetische 
Pasten in Gebrauch. 

*Carrageeil. Caragaheen, Liehen s. Muscus Carageen, Fucus irlandi- 
cus seu crispus, Sphaerococcus crispus. Irländisch Moos. Perl- oder 
Seemoos. Perltang. Carrageen. [Hauptbestandtheil: gelatinöse Substanz; Jod- 
gehalt zweifelhaft, wahrscheinlich von dem getrockneten Seewasser herrührend, jeden- 
falls sehr unbedeutend. — 10,0 conc. 55 Pf.] 

Innerlich: als Decoci und zwar als Schleim, [minder concentrirte 
Abkochung 2.0 auf 200 0-300 0] oder viel besser als Gallertc [3.0-50 auf 
1000; init Milch erhält man bei geringerer Quantität Carrageen eine Gallerte]; als 
Zusatz: Fruchtsyrup und ein sehwaches Arom. 

Syr. Cerasor. 50,0 



302. R 

Carrageen 10,0 

coq. c. Aq. q. s. 
ad Colat. 160,0 
adele 

0*"" R 392. 



Acid. tartaric. 0,3 
Aq. Lauroccrasi 5,0. 
Repone in loco frigido ut in gclatinam 
abeat. D. in vitro. S. Theelöffelweise. 



31)3. Bf 

Carrageen 6,0 

coq. c. Lact, vaccini q. s. 
ad Colat. 300,0 

in qua solve 



Caryophyili. 217 

Sa cch. 25,0 

adde 
Aq. Amygd. amar. 3,0. 
Repone in loco frigido. D. S. Täglich zu 
verbrauchen. Hufeland. 

'Caryophyili. Cloves. Clous de Girofles, Girofles. Gewürznelken. 
Gewürznäglem. [Blüthenknospen von Eugenia caryophyllata (Caryophyllus aroma- 
tica). Die Früchte werden als Antophylli, Mutternelken, bezeichnet. Bestand- 
teil: ätherisches Oel. — 10.0 15 Pf., subt. pulv. 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-0,6 in Pulvern, Aufguss [3.0-6.0 auf 100.0]; 
oft als Corrigens und zur Conservirung leicht der Verderbniss ausge- 
setzter Mischungen, z. B. Electuarien. 

Aeusserlich: als Kaumittel, zu Zahnpulvern und Zahnlat- 
wergen, als Conspergens von (Zahn-) Pillen, zu Kräuterkissen, 
im Aufguss zu Mundwässern und in weingeistigem Auszug zu Zahn- 
tinkturen. 

Cassia caryophyllata. Cortex caryophyllatus. Nelke nzimmt. 
[Rinde von Peisea sanguinea. Bestandtheile: ätherisches Oel und Schleim. — 10,0 
cont. etwa 15 Pf., subt. pulv. 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-1,0 mehrmals täglich [selten gebraucht]. 

Cassia ciiiiiamomea s. Cort. Cass. cinnam. 

Cassia Fistllla. Fructus Cassiae Fistulae. Purging-Cassia. Cassia 
en bätons. [Schoten von Cathartocarpus FisLula oder ßaetyrilobium Fistula. — 
10,0 etwa 5 Pf.] 

Zur Bereitung der [schwach abführend wirkenden] Pulpa Cassiae. 

*Castoreuill. Castoreum canadense s. Anglicum s. Americanum. 
Bibergeil. Canadischer Bibergeil. Mit dem Geschlechtsapparat des 
amerikanischen Bibers, Castor americanus, in Verbindung stehender Beu- 
tel. [Enthält weniger ätherisches Oel als das folgende. — 1,0 subt. pulv. 20 Pf.] 

Innerlich: 0,5-1,0. 

Aeusserlich: als Zusatz zu Pflastern, Salben, krampfstillen- 
den Klystieren, Suppositorien. 

384. Bf 395. Bf 

Castor. 5,0 Castor. 2,0 

Cort. Cinnamom. 1,0 Ol. Cacao 10,0. 

Sacch. 10,0. M. F. suppositorium. Dispens, tal. dos. 

M. F. pulvis. Div. in pari aeq. No. 20. No. 5. 

D. S. Stündlich 1 Pulver. Suppositorium antispasmodicum. 

Pulvis antispasmodicus. Bouchardat. 

Castoreum Sihiricum. Castor, Beever. Sibirischer, russi- 
scher Bibergeil. Die Ph. Germ. ed. IL kennt unter der Bezeichnung 
Castoreum nur das amerikanische Bibergeil. [Bestandtheile: Fett (Castorin), 
Harz, ätherisches Oel. — Ol subt. pulv. 50 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0.6 [man könnte nach den Versuchen über die Arznei- 
wirkung des Castoreum diese Dosis bedeutend überschreiten, bis zu 1,0-2 0, das 
wichtigste Unterstützungsmittel für die kleine Dosis aber ist der hohe Preis] mehr- 
mals täglich. Am zweckmässigsten in Pulvern oder Pillen [mit an- 
deren krampfstillenden Substanzen]. 

A eusserl ich: vollkommen entbehrlich. 

(ataplasina ad Dcciibitiuii s. Plumbum tannicum pultiforme. 

*Catecllll. Terra japonica. Bengal cutch, Japon earth. Cachou. 

Bf 393-395. "» 



218 



Catechu. 



Catechu. Pegucatechu, japanische Erde, Cutsch. [Ein in Indien aus den 
Acacienarten Uncaria Gambir und Areca Catechu durch Auskochen von Holz und 
Blättern dargestelltes Extract. — Nur in grossen Quantitäten Wassers und in 
schwachem Weingeist ziemlich vollständig löslich. — Enthält eine eigentümliche 
Gerbsäure: Tanningen-Säure oder Catechu- Gerbsäure. — 10,0 5 Pf., subt. pulv. 
10 Pf.] Cave: Alkalien und Eisensalze. 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pulvern, Trochisci, 
Pillen [mit gleichen Theilen Extract], Auflösungen [in heissem Wasser, etwa 
3,0-5,0 auf 100,0 Wasser; in Wein: 5,0-10 : auf 100,0 Wein]. 

Aeusserlich: in Substanz [bei Zahnschmerz in den hohlen Zahn ge- 
steckt], zu Zahnpulvern, Zahnpillen, Zahnlatwergen und Zahn- 
tincturen, als Streupulver [mit Alaun ana bei parenchymatösen Blutungen], 
in Auflösung [100 auf 100.0], zur Injection und zum Clysma. 

solve in 
Aq. eomm. bullicnt. 200,0. 
Solut. adhuc calidam cola, 
Colat. refri gerat, adde 
Aq. Cinnam. simpl. 50,0 
MDS. 2stdl., umgeschüttelt, 1 Esslöffcl. 



396. B> 
Catechu 0,5 
Opii puri 0,01. 

Disp. tal. dos. No. 6. D. S. 3stdl. ein 
Pulver. [Bei chronischem Durchfall.] 

397. Iv ~ 
Catechu 



Fung. laricis ana 6,0 
Syr. Aurant. Cort. q. s. 
ut f. pil. 100. Consp. Pulv. Cort. Cinnam. 
D. S. Abends vor dem Schlafengehen 
5^10 Pillen zu nehmen. [Bei profusen 
nächtlichen Schweisscn.] 

39S. Bf 



399. 



3 

Catechu 

Myrrh. ana 15,0 

Bals. Peruv. 2,5 

Spir. Cochlear. 

Spir. dilut. ana 50,0. 
Digere et filtra. D. S. Zum Bestreichen 
des Zahnfleisches. [Bei scorbutischer 
Beschaffenheit des Zahnfleisches.] 

White Wax. Cire blanche. Weisses Wachs. [10,0 



Catechu 10,0 

*Cera alba. 

15 Pf.] — Wie Cera flava. 

Ccra arborea* Baum wachs. [Cera flava und Resin. burgund. ana 4, 
Tcrebinth. commun. 1, mit wenig Curcuma gefärbt. — 10,0 etwa 10 Pf] 

Aeusserlich: als schwach reizendes Pflaster. 

*Cera flava. Yellow Wax. Bees-Wax, Cire jaune. Gelbes Wachs. 
[10,0 15 Pf. — Weisses und gelbes Wachs sind mit ätherischen Oelen, Fetten und 
den meisten Harzen durch Schmelzen zu verbinden. C. alba und flava bestehen haupt- 
sächlich aus Palmitinsäure-Myricilaether, der in Alkohol unlöslich ist, und freier 
Cerotinsäure, die sich in Alkohol löst. — Das weisse Wachs wird durch Bleichen des 
gelben gewonnen.] 

Innerlich: in Emulsion [in erwärmtem Mörser mit Gummi oder Eigelb 
und Wasser subigirt], als Constitucns für Pillen [Cera rasa, nicht liquefaeta, 
für Pillen ans Balsam, Kreosot, ätherischen Oelen, ätherischen Extracten]. 

Aeusserlich: in Substanz zum Ausfüllen hohler Zähne [schlechter 
als jeder andere Zahnkitt], zu Salben [1 Wachs und 3 Oel oder Fett], Pflastern, 
Bougies [s. Cereoli], auf Papier oder Seidengaze gestrichen [Charta cerata, 
Taffetas cerat.], als in pcrspirable Decke bei Rheumatismen, Drüsenge- 
schwülsten u. s. w. 

.100. ßy \q. Menth, crisp. 120,0 

Cerac llav. 10,0 1. a. Emuls. cui adde 

Leni cnlor. Liqnat. in mortario Syr. Croci 20,0. 

calefaoto f. cum MDS. Umgeschüttelt, esslöffelweise. 

Vitell. ovi unius [Bei Ruhr.] Vogel. 

ft 396-400. 



Cera caponica. 219 



Cera japoilica. Japanisches Pflanzenwachs. [Von einer ja- 
panischen Pflanze. Rhus succedanea herstammend; härter als das weisse Wachs; in 
neuerer Zeit von einigen Pharmaceuten als Constituens für Pillen, namentlich aus 
Bals. Copaiv. , empfohlen und hier vielleicht, eben wegen der grösseren Harte, mit 
Nutzen angewendet ] 

Ccrata. Wachssalben. In ihrer Consistenz zwischen Salben 
und Wachs in der Mitte stehend. Sie bestehen aus Wachs 1 mit fettem 
Oel 2, oder Cetaceum und fettem Oel je 1. [Ceratum Galeni der 
Dresdener Officinen besteht aus Cera alba 4, Adip. suill. 6, Ol. Amygdalarum 3. 
II. E. Richter.] 

Ceratum Acrugiiiis. Cera viridis. Grünspan wachs. Grünes 
Wachs. [Cera flava 12, Resin. burgund. 6, Terpenthin 4, Aerugo 1. 10.0 15 Pf.] 

Als Hühneraugenpflaster und zum Tränken von Papier, weiches 
zum Offenhalten der Fontanellen benutzt wird: Fontanell-Papier, 
Sparadrap. 

Ceratum Cetacci. Unguentum cetaeei. Unguentum Adipocerae 
cetosae. Unguentum Spermatis Ceti. Sparadrap. Emplastr. Spermatis 
Ceti, Emplastr. emolliens, Ceratum labiale album. Weisse Wachs- 
salbe, Wallrathpflaster, weisse Lippenpomade. [Wallrath, weisses Wachs 
ana 2 und Mandelöl 3. — 10,0 20 Pf.] 

Zum Bestreichen aufgesprungener Lippen [doch ist hier ein Gemisch von 
2 Th. Ol. Cacae» und 1 Th. Ol. Provinc. bei Weitem vorzuziehen.] 

Ceratum Cetacci rubrum. Ceratum rubrum. Roth es Wachs- 
pflaster. Kothe Lippenpomade. [1 Wallrath, 6 weisses Wachs, 9 Mandelöl, 
roth gefärbt durch Radix Alkannae und versetzt mit etwas Ol. Citri und Ol. Berga- 
mottae. Aehnliche Präparate sind das Ceratum ad labium flavum und rubrum. — 
10,0 25 Pf.] 

Wie das vorige. 

Ceratum fuscum Ph. Austr. Unguentum fuscum. [Emplastr. Plumb. 
simpl. 10, zum Schwarzwerden erhitzt, Cer. ilav. und Seb. ana 3, Adeps 5.] 

Ceratum Myristicac. Balsamum Nucistae. Baume de- Muscade. 
Muskatbalsam. [1 gelbes Wachs, 2 Ol. Olivar., 6 Ol. Myristicae. — 10,0 40 Pf.] 
Aeusserlich; zu Einreibungen. 

Ceratum Rcsinac Pini. Ceratum picis. Ceratum Resinae bur- 
gundicae. Ceratum seu Emplastrum citrinum. Gelbes Wachspflaster. 
Tafelzug. [4 Wachs, 2 Resin. Pini, Seb. und Terpentin ana 1. — 10,0 15 Pf. — 
Das Emplastr. citrin. Pb. paup. enthält mehr Harz und Talg] 

Als Zugpflaster und als Excipiens für andere Substanzen benutzt. 

Ccreoli Plumbi seu saturnini. Bleikerzen, Bleibougies. Mit 
Wachs und Liq. Plumb. subacet. getränkte und in der bekannten Bougie- 
form zusammengerollte Leinwandstückchen. — [1 Stück etwa 25 Pf.] 

Ccreoli simplices s. exploratorii s. dilatatorii. Einfache Bougies. 
Wie die vorigen aus einer Mischung von Wachs und Oel bereitet. [1 Stück 
etwa 25 Pf.] Beide Arten sind jetzt durch zweckmässigere Fabrikate voll- 
ständig ausser Gebrauch gesetzt. 

Cerium iiitricum. Cer-Nitrat. Salpetersaures Cerit. [In glei- 
cher Weise wie das folgende Mittel von Simpson empfohlen.] 



220 Cerium oxalicum. 



Cerium oxalicum. Oxalsaures Cerit. [1,0 5 Pf.] 
Innerlich: zu 0,05-0,12 2-3 Mal täglich in wässeriger So- 
lution [gegen Magen- und Darm-Catarrhe, Dyspepsie, Pyrosis, und ganz besonders 
gegen Vomitus gravidarum von Simpson empfohlen; die Wirkung bei Vomitus gravid, 
von Fräntzcl bestätigt.] 

*Cerussa. Plumbum hydrico-carbonicum. Plumbum carbonicum Ph. 
Austr. White flake. White lead. Blanc de plomb. Bleiweiss. [10,0 5 Pf.] 

Nur äusserlich als austrocknendes Streupulver [aus der Kinder- 
praxis zu verbannen], zu Salben und Pflastern [die officinellen Präparate.] 

*Cetaceum. Sperma Ceti. Adipocera cetosa. Spermaceti. Blanc 
s. Sperme de Balaine. Walrath. [Der gereinigte feste Antheil des Inhaltes 
der Kopfhöhlen der Pottwale, vorzüglich des Phyretes macrocephalus. Grossblättrige 
Krystallmasse, schmilzt bei 50-54°; in 40 Th. siedenden Weingeist löslich. Haupt- 
bestandtheile: Cetin (der vollständig gereinigte Walrath) und ein fettes Oel. — 10,0 
10 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-1,5 mehrmals täglich, in Pulver [mit Zucker oder 
Gummi verrieben], in Bissen, in Emulsion [wie die Wachs-Emulsion]. Der 
innerliche Gebrauch des Walraths ist vollkommen entbehrlich und in 
neuerer Zeit höchst selten. 

Aeusserlich: zu Pflastern und Ceraten [vergl. die officinellen Prä- 
parate], zu Salben [1 mit 2 Th. Oel], Wachspasten. 

Cctaccum saccharatuiii. Cetaceum praeparatum seu tritum. Ce- 
taceum cum Saccharo. Präparirter Walrath. Walrath zuck er. [1 Th. 
Cetaceum mit 3 Th. Zucker. — 10,0 10 Pf.] 

Innerlich: zuweilen als Hustenmittel verordnet. [Unzweckmässig.] 

Charta CCrata. [Mit Wachs getränktes, mehr oder weniger feines Papier; 
zum Einhüllen riechender oder hygroskopischer Pulver, zur Tectur von halben, zu 
Pflaster -Convoluten (bei gestrichenen oder sehr klebenden Pflastern noch mit Seife 
zu bestreichen). — Das in Fabriken bereitete Wachspapier, welches für den tech- 
nischen Gebrauch ganz geeignet ist, enthält statt des Wachses meist Stearinsäure 
und ist deshalb bei der pha.maceutischen Anwendung zu vermeiden, da dieser nicht 
indifferente Stoff leicht zersetzend auf die Medicamente wirkt; so z. B. wird eine Jod- 
salbe durch die Tectur mit einem solchen Papier schnell decomponirt. — 400 Quadrat- 
Ccntimeter 5 Pf.] 

'••Charta iiitrata. Charta nitrosa. Papier nitre. Salpeterpapier. 
[Wird dargestellt, indem man ungeleimtes Papier, von mittlerer Stärke, das mög- 
lichst porös ist und keine Wollfasern enthält, mit einer Auflösung von Salpeter in 
Wa ser 1 :5 tränkt und sodann trocknet.] Zum Gebrauch wird das Papier in 
kleine Streifen, von ungefähr l / 4 — % Quartblatt, zerschnitten und ein 
solcher Streifen angezündet, worauf derselbe Langsam verglimmt und da- 
bei weisse Dämpfe bildet, die der Kranke mil offenem Munde einathmet. 

Das Salpeterpapier ist ein vortreffliches, bewährtes Mittel gegen 
Asthma. Leichte asthmatische Anfälle werden durch die Einathmung 
dei aus dem verglimmenden Salpeterpapier aufsteigenden Dämpfe, wenn 
die Einathmung soforl beim Beginn des Anfalles geschieht, beseitigt oder 
gemildert. Durch Anzünden des Papiers vor dem Schlafengehen wird häufig 
sogar ein drohender Anfall hintangehalten. Am besten ist es, einen 
Streifen Salpeterpapier auf einem Teller zu verbrennen; weniger cm- 



Charta oleosa. 221 



pfehlenswerth ist es, das Papier in Cigarrenform rollen und rauchen zu 
lassen. [400 Quadrat-Centimeter 5 Pf. — Statt des einfachen Salpeterpapiers ist 
ein in Simon's Apotheke durch Tränkung von Salpeterpapier in einer Strammonium- 
tinctur hergestelltes Asthma-Papier von vorzüglicher Wirkung, welches perforirt ist 
und demzufolge ein bequemes Zertheilen gestattet. Dasselbe ist mit einem Isolir- 
streifen versehen, welcher die Handhabung beim Verbrennen ermöglicht. In Cartons 
verpackt eignet sich dies Präparat auch zur Mitnahme auf Reisen.] 

Charta oleosa. Oelpapier. [In eine Masse von Lithargyrum 2 Th., 
Cer. flav., Terebinth. ana 1 Th., welche mit 20 Th. Leinöl 1-2 Stunden lang gekocht, 
wird in Seidenpapier getaucht und getrocknet. — Soll alle VorLheile des Wachstaffets 
und der Gutta-Percha- Verbände haben: Mac-Ghil] 

*CIiarta resinosa s. antarthritica s. antirheumatica. Gichtpapier. 
[Papier mit Schiffspech und Terpenthin ana 6, Cera flava 4, Colophonium 10. — 
100 Quadrat-Centimeter 5 Pf.] Die frühere badische Pharmakopoe gab ein 
Gichtpapier, welches Mezereum enthielt; andere Vorschriften mischten 
noch stärker epispastische Stoffe, wie Euphorbium, Canthariden hinzu 
[früher der Cod. med. Ilainb.]; derartige Präparate sollten, um Irrthümer 
zu vermeiden, lieber als Chartae vesicatoriae bezeichnet werden. Das 
sogenannte Papier chimique besteht aus Seidenpapier mit Leinölfirniss 
bestrichen, ein angenehmes und zweckmässiges Mittel zum Bedecken von 
Erosionen. 

Charta siliapisata. Senfpapier. [Mit entöltem Senfpulver überzogenes 
Papier, welches nicht ranzig riechen darf und mit Wasser befeuchtet, alsbald einen 
starken Geruch nach ätherischem Senföl zeigt.] 

Aeusserlich zu Hautreizen. Zur Application taucht man einen 
Streifen solchen Papiers in Wasser und legt es auf die Haut. 

Chiliidililllll. Chinidin. Ein in verschiedenen Chinarinden, vor- 
zugsweise in der Pitoya-, Bogota- und Cartagenarinde (Marquart) vor- 
kommendes Alkaloid, welches sich von Chinin stöchiometrisch durch 
den Mindergehalt von 2 Atomen Kohlenstoff, sowie durch die Eigenschaft 
unterscheiden soll, die Polarisationsebene nach rechts zu lenken, wäh- 
rend Chinin dies nach links thut. Das reine Chinidin bildet farblose, 
harte, glasglänzende, schief-rhombische Prismen, ist von stark bitterem 
Geschmack, jedoch dem Chinin an Bitterkeit nachstehend. Seine Wirk- 
samkeit steht nach neueren Beobachtungen der des Chinins nur wenig 
nach, ja es soll geringere Nebenerscheinungen machen. Die Preise .der 
Chinidinsalze sind aber nur ca. 3 5 so hoch als die der Chinsalze. Die 
Anwendung und Grösse der Gaben kommt mit der des Chinins überein. 
Es sind folgende Salze dargestellt: 

Chiiiidiiiiim boriciiiu. Borsaures Chinidin. 

Cliiiiiilimnii liydrocliloricuiil. Chinidinum muriaticum. Salzsaures 
Chinidin. 

( liiiiiriiiiiiin salin licuiii. Salicylsaures Chinidin. 

( lliimlilllllll Slllfliriflllll. Schwefelsaures Chinidin. [Durch Sätti- 
gen des Chinidins mit verdünnter Schwefelsaure; lange seidenglänzende, sternförmig 
gnippirte Nadeln. - Löslich. — 1,0 45 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-0,5-1,0 [in denselben Formen und nach denselben Dar- 



222 Chinidinum tannicum. 



reichungsweisen wie das gleichnamige Chininsalz. — Von Wunderlieh mit gutem Er- 
folge gegen Wechselfieber gegeben]. 



Sacchar. 10,0. 

M. f. pulv. div. in p. aeq. No. 5. 

Morgens und Abends 1 Pulver. 
[Bei Hemicranie.] Hager. 



[Als Katarrhmittel nach dem Grade des 
Fiebers tagl. 3-4 mal je 4-5 Pillen. Als 
Präscrvativmittel bei beginnender Entzün- 
dung der Athmungsorgane , sobald sich 
Schmerz in der Brust oder beim Athem- 
holen fühlbar macht, innerhalb 3 Stunden 
3 mal je 5 Pillen, dann alle 3 Stunden 
2-3 Pillen.] 



401. Iy 
Chinidin, sulfur. 1,5 
Coffeini 

Acid. tartar. ana 1,0 
Morph, mur. 0,05 

Uiiiiidhiiuuiii tailllicum. Conchinum tannicum neutrale. Gerb- 
saures Chinidin. Als vollkommen geschmacklos für die Kinderpraxis 
sehr e mp fehle nswerth. Rosznyay, Apotheker in Arad hat eine ganze An- 
zahl sogen, geschmackloser Chininpräparate (Saccharola Chinini, Chinin- 
zucker, Pastilli Chinini etc.) auf den Markt gebracht. Dieselben werden 
von Hager lebhaft empfohlen. Chinidin- und Chinoidintannat sind von 
gleicher Wirkungsweise. S. u. Chinoidin. 

402. Iy 
Chinidin, sulf. 10,0 
Tragacanthae 7,0 
Rad. Althaeae 
Rad. Gent, ana 3,0 
Lign. santol. rubr. 1,0 
Glycerini 
Acid. muriat. ana 7,5. 

M. f. pil. No. 200. C. C. 

Hager'sche Katarrhpillen. 

Chiiiioideuiii s. Chinoidin. 

Chiniiuilll. Chinium. Chininum seu Chinium purum. Chinina pura. 
Quinia pura. Quinia. Quinine. Chinin. [0.1 15 Pf.] In Wasser wenig, 
in Alkohol und verdünnten Säuren leicht löslich, in 60 Th. Aether, in 
200 Glycerin löslich. Cave: Metallsalze, Salzbilder. 

Innerlich: zu 0,03-0,5-1,0 in Pulvern, Pillen, weingeistigen 
Solutionen. [Das reine Chinin ist vollkommen entbehrlich, um so mehr, als bei 
vielen, die es verordnen, die Sitte herrscht, eine Quantität Säure hinzuzusetzen, um 
es löslich zu machen, wodurch dann eben die Salze, die man vermeiden will, erzielt 
werden.] 

Aeusserlich werden gleichfalls nur die Salze angewendet. Indess 
ist in neuerer Zeit zur subcutanen Injection gerade das Chininum 
purum als besonders geeignet von Itcrnatzik empfohlen worden, und zwar 
in Aether gelöst [z. B. Chinini 5,0, Aetheris 15.0-20.0, filtrirt und auf 10,0 ver- 
dunstet. Hiervon kann eine Spritze voll (ungefähr 0.3 Chinin , entsprechend 0.44 
Chininum bisulfur.) injicirt werden. Indessen bemerkt Itcrnatzik selbst, dass auch 
diese Lösung in den Concentrationsgraden, die den gebräuchlichen Chinindosen ent- 
sprechen würden, leicht Entzündung und Abscessbildung an den Eintrittsstellen 
veranlasst. 

Von <lem Chinin ist das in neuerer Zeit in die französische Heil- 
mittel lehre aufgenommene Quinium, Quinine brüte, Quinine de La- 
barraque, Extrait alcoolique de quinquina ä La chaux, wohl zu unter- 
scheiden. Dasselbe wird bereitet, indem mau Chinarinde pulverisirt, mit 
der Hallte ihres Gewichtes gelöschten Kalks mischt, die Masse mit 
siedendem Alkohol behandelt and diesen abdampft; das Residuum stellt 
dann das Quinium dar. Dasselbe ist eine amorphe, fahle, bröckliche 
Klasse, welche sämml 1 iche Bestand! heile der Chinarinde, mit. Ausnahme 

Iy 401-402. 



Chininum aceticum. 223 



der Holzfaser, enthält. Nach der französischen Vorschrift soll die Be- 
reitung immer derart sein, dass das Chinin im Quinium sich zum Cin- 
chonin wie 2 : 1 verhalte, und dass 100 Gr. Quinium bei der Behandlung 
mit Schwefelsäure 22,20 Gr. Chinin, sulf. und 11,10 Gr. Cinchon. sulf. 
ergeben. Es kann dies Verhältniss nur dadurch erreicht werden, dass 
man die zur Präparation benutzten Chinarinden in Bezug auf ihren Al- 
kaloidgehalt genau kennt und nach dem vorliegenden Postulate mischt. 

Nach Bouchanlat und Laveran soll das Quinium hauptsächlich gegen 
rebellische Wechselfieber in Malariagegenden erfolgreich und hier den 
anderweitigen China-Präparaten vorzuziehen sein. 

Das Quinium wird zu 0,1-1,0-1,5 2-10 Mal täglich in Pillen oder 
Boli gegeben. [Die Zubereitung der Pillen ist einfach, da das Präparat mit 
warmem Wasser erweicht, die Pillenmasse ergiebt.] Man hat auch ein Vinum 
Quinii vorgeschlagen, bereitet aus 4,5 Quinium, 50,0 Alkohol und 
1000,0 Wein. Dieses Präparat wird von Bouchardat vornehmlich em- 
pfohlen, und zwar 30,0 [2 Esslöffel] pro dosi als Tonicum; 100,0 [etwa 
ein Weinglas voll] als Febrifugum. 

Chininum aceticum. Essigsaures Chinin. [Schwer löslich.] 
Schlechtes Präparat, da es bei gewöhnlicher Temperatur schon nach 
Essigsäure riecht, mithin einen Theil derselben abgiebt und bei erhöhter 
Temperatur dieselbe ganz verliert. [0,1 etwa 12 Pf.] 

Chininum arscnicicum. Arseniksaures Chinin. [Schwer löslich.] 
Innerlich: zu 0,003-0,015. Entspricht nicht den Erwartungen, die 
der Urheber dieses Salzes, dem die Wirkungen der arsenigten Säure 
dabei vor Augen schwebten, davon hegte. [1.0 etwa 12 Pf] 

Chininum bihydrochloricum. Saures salzsaures Chinin. Ein Ge- 
misch von Chin. hydrochl. mit einem gleichen Aequivalent Salzsäure. 
Zu subcutanen Injectionen empfohlen und angeblich stärker wirkend als 
Chinin, sulfur. Auch in der Verbindung des Chininum bimuriaticum 
carba midatum von Jaffe (löslich in gleichen T heilen Wasser) zu dem- 
selben Zweck empfohlen, doch ebenso wie das erstgenannte nicht schmerzlos. 

* Chininum bisulfliricum. Chininum sulfuricum acidum. Chininum 
sulfur. neutrale. Chininbisulfat. Zweifach schwefelsaures Chinin. Saures 
schwefelsaures Chinin. [0,1 10 Pf.] Weisse glänzende Prismen von bitte- 
rem Geschmack. 

Dosis wie Chininum sulfuricum. 

Wenn im allgemeinen die Darreichung des Chinins in flüssiger Form 
als die wirksamste betrachtet werden muss, so erscheint dieses viel zu 
selten gebrauchte Präparat einer grösseren Berücksichtigung werth, da 
es sich ohne weiteres in (10 Th.) Wasser löst; nur hat es den Fehler, 
schnell zu schimmeln. [Zweckmässig ist die in Fraokreich vielgebrauchte Form 
der Aqua carbonica febrifuga, welcher man folgendes Verfahren Substituten 
kann: Von einer Lösung von Chin. bisulfur, (0.5) in Aq. destill. (30.0) nehme man 
einen Theelöflel voll in einem Glase Selterwasser.] 

Chi II in u in carbolicum. In neuester Zeit von Kcrnalzik dargestellt, 
[nnerlich in Pillen [etwa 0,05 oder 006 mit Extr. Calatni 0,08 und I'ulv. Cass. 
Cinnam. q. s. zu jeder Pille, 6-10 Stück täglich], soll sich bei Puerperalfieber 

bewährt haben (0. Braun), [ha die schwache Basis Chinin mit der schwachen 



224 Chininum chinicum. 



Säure Carbolsäure unmöglich zu einer festen chemischen Verbindung sich vereinigen 
lässt, so möchte wohl, will man beide Körper gemeinsam verordnen, es vorzuziehen 
sein, die Quantität beider im Recepte anzugeben.] 

Chininum clülücum. Chinasaures Chinin. [In -dieser Verbindung 
ist, vieler Wahrscheinlichkeit nach, das Chinin in der Rinde vorhanden. — Leicht 
löslich.] 

Chininum citricum. Chinium citricum. Citronensaures Chinin. 
[Schwer löslich. — 0.1 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: 0,03-0,5-1,0. [Soll weniger leicht als andere Chininsalze Cin- 
chonismus hervorrufen.] Eine Lösung dieses Salzes mit einem Ueberschuss 
von Citrone'rtsäure giebt mit Zucker einen nicht allzu schlecht schmecken- 
den Syrup: Syrupus Chinini citrici acidi. 

Chininum dihydrobroniatum. Zweifach bromwasserstoffsaures 
Chinin. Zeichnet sich vor den anderen Chininsalzen durch seine Lös- 
lichkeit in Wasser aus und ist zu subcutanen Injectionen empfohlen. 

Chininum ferro -citricillll. [6 Tbl. Citronensäure in 500 Wasser gelöst 
und 3 Th. Eisenfeile zugesetzt. Der zur Syrupsdicke abgedampften Mischung wird 
1 Th. Chinin zugefügt. Durchscheinende, glänzende, rothbraune Blättchen, von eisen- 
artigem und bitterem Geschmack. Langsam in Wasser, schwer in Weingeist löslich. 
— 1,0 15 Pf] 

Innerlich: 0,1-0,5-1,0, in Pulver, Pillen, Lösung. [Besonders 
bei Anämien, Chlorosen, Schwächezuständen , wo das Chinin mehr als Bittermittel 
und Tonicum dient.] 

ChillilUim fcrrO-hjdrOCjailicum. [Schlechtes, leicht zersetzliches Prä- 
parat, das von einigen Italienern ruhmredig gegen Intermittens mit entzündlichen 
Complicationen empfohlen wurde.] 

Chininum hydrohromicum. Chininum hydrobromatum. Brom- 
wasserstoffsaures Chinin. Chinin-Bromhydrat. [Leicht lösliches Pulver.] 

Innerlich: zu 0,1-0,5-1,0 pro die, in Pulver, Pillen oder Lö- 
sung; äusserlich zur subcutanen Injection [1 : 10 alkoholisirtem 
Wasser] von Gublcr empfohlen, um die Wirkung des Chinins mit der des 
Broms zu combiniren. [Gubler sah besonders günstige Erfolge von dem Mittel 
bei dem unstillbaren Erbrechen Hysterischer und anderen Magenneurosen, ferner 
gegen periodische Neuralgien, Kopfschmerz, Intermittens. — 1,0 etwa 75 Pf.] 

403. fy 

Chinin, bromat. 1,0 
Aether. sulfur. 8,0 
Spir. vini 2,0. 
M DS. Vor dein Anfall auf einmal zu nehmen. [Bei Febris perniciosa algida.] 

Mc. Auliffe. 

'Chininum hyrirochloricilill. Chininum scu Chinium hydrochlora- 
tum. Chinina hydrochlorica. Chininum muriaticum. Chinini scu Quiniae 
murias. Salzsaures ('hinin. Weisse Krj stallnadeln von bitterem Ge- 
SChmack. [Ziemlich löslich in Wasser, etwa« leichter in Alkohol. — 0,1 10 Pf.] 

Innerlich und äusserlich: wie das Chininum Sulf. Chininum 
hydrochloricum ist nach Binz's Untersuchungen dem bislang gebräuch- 
licheren Chininum sulfuricum bei weitem vorzuziehen und hat dasselbe 
wohl schon überflügelt. Eis ist löslicher, bildet in Lösung nicht so leicht 
Schimmelpilze wie Chin. sulf. und enthält in derselben Dosis mehr der 

£^~ Bf 403. 



Chininum hydrocyanicum. 



225 



wirksamen Substanz, im Vefhältniss von 83,6:74,3; ist aber freilich 
auch entsprechend theurer. Kühner empfiehlt zur subcutanen Injection, 
folgende Lösung, welche das Verhältniss von 1 : 4 hat und vollständig 
reizlos sein soll: Chin. muriat. 0,15-0,25, Glyc. Aq. ana 0,5. Disp. 
sine aeido. Lauwarm zu injiciren. Krystalle von salzsaurem Chinin 
fallen erst nach einer Viertelstunde aus. 



404. R 

Chinini hydrochlor. 0,06 
Ammon. clüorat. 
Pulv. Rad. Rhei ana 0,2. 
M. f. pulv. d. tal. dos. No. 12. S. Stdl. 
in der fieberfreien Zeit zu verbrauchen. 

Schönlein. 



405. 



MDS. 



Chinini hydrochlor. 0,5 
Ammon. chlor. 3,0 

solve in 
Aq. Cerasor. nigr. 100,0. 
2 stdl. 1 Esslöffel. Angelstein. 



406. fy 

Chinini hydrochlor. 1,0 
Aq. dest. 100,0. 
D. S. Für kleine Kinder 6-8 mal täglich 
1 Theelöffel, grösseren Kindern zu \ Ess- 
löffel. (Zusatz von einhüllenden Stoffen, 
wie Zucker, Schleim u. s. w., soll mit 
Fleiss vermieden werden.) 
[Gegen Keuchhusten.] Binz. 



von Chinin, hydrochlor. 1 ,0, Acid. hydro- 
chlor. 0,4, Aq. dest. 5,0 ; hiervon mehrere 
Male täglich 1 Spritze voll zu injiciren.) 
[Als Therapeuticum und Prophylacticum 
bei Cholera.] Botkin. 



408. ly 

Chinin, muriat. 0,1 
Extr. Belladonn. 0,005 
Sacchar. 1,0. 
M. f. pulv. d. tal. p. No. 10. S. 3 mal 
tägl. 1 Pulver. [Bei Keuchhusten er- 
probt, als die Gesammtdauer abkürzend.] 

Heubner. 



409. 



*Y 



407. R 

Chinini hydrochlor. 2,0 

Acid. hydrochlor. dilut. 3,0 

Tinct. Chinae compos. 

Spir. aeth. ana 8,0 

Ol. Menth, pip. 0,25. 
MDS. 4-6 mal täglich 20 Tropfen. 

(Zuweilen noch Zusatz von Tinct. Opii 
simpl. 2,0. — Ausserdem Chinin, hydro- 
chloric. 0,3, in Pulvern 3-4 mal täglich, 
oder statt dessen subcutane Injection 



Chinini hydrochlor. 3,0 
solve in 

Spir. Oryzae 100,0. 
D. S. Täglich 2 Esslöffel voll auf einmal 
zu nehmen. [Bei Typhus und anderen 
fieberhaften Krankheiten, bei denen man 
die Wirkung des Chinins mit der der 
Spirituosa verbinden will. Heut giebt 
man wohl im Allgemeinen das Chinin 
und die Spirituosen getrennt, weil man 
das Chinin allein besser decken kann.] 



410. 



3 



Chinini hydrochlor. 10,0 
Acid. hydrochlor. 4,0 
Aq. dest. 16,0. 
MDS. Zur subcutanen Injection. [Diese 
Mischung soll die zweckmässigste sein. 
S. aber im Text die Angabe von Köbner.] 

Bernatzik. 



Chininum hydrochloricum amorphum. Von Hemer dargestellt und 
den 10. Theil billiger als das krystall. Salz. Es soll der Wirkung des 
letzteren nahekommen (Keiner), zum Theil. wie z. B. bei Keuchhusten 
(Ebstein), dieselbe erreichen. 

Chininum hydrocyanicum. Blausaures Chinin. [Womöglich noch 

schlechter als das Chin. ferro-hydroeyan.] 

Chininillll hydl'OJodicillIl. [Durchaus entbehrliches Präparat, welches 
gegen atonisch-sorophulöse Leiden empfohlen und äusserlich angewendet wurde.] 

Chininum lacticum. Milchsaures Chinin. [Ziemlich leicht in 
Wasser löslich, die wichtigste, vielleicht die einzige Empfehlung, die man diesem 
Präparate geben kann.] 



Ewald und Nim du, Ar/.uciverorilmingalehre. 10. Aufl. 



\\ 404 410. ^mQ 



22 G Chininum sulfuricum. 



ClÜllilUim llitricillll. [Noch nicht erprobt, schwer löslich.] 
Innerlich und äusserlich wie Chin. sulf. 

Chininum phosphoricum. Phosphorsaures Chinin. [Soll nach 
Pcrcira u. a., das mildeste der Chininsalze sein. — In Wasser und Alkohol schwer 
löslich. — 0,1 etwa 10 Pf.] 

ChillillUlIl salicylicillll. Salicylsaures Chinin. [In neuester Zeit 
dargestellt, sein Werth noch nicht geprüft.] 

Chininum stihicum. Antimonsaures Chinin. [Nicht löslich ; soll 
abführende, schweisstreibende und antitypische Wirkung in sich vereinigen; deshalb 
von La Canicha und l'nluiubo bei Rheumatismus, Arthritis, herpetischen Ausschlägen, 
perniciösen Wechselfiebern empfohlen.] 

Innerlich: zu 0,1-0,25-0,4 in Pulvern und Pillen. 

Chininum sulfuricum. Chinina sulfurica. Chinium sulfuric. Sulfas 
Quiniae Ph. Brit. und Ph. of thc imitcd statcs. Sulphate of Quinia. Sulfate 
de Quinine. Chininsulfat. Basisch schwefelsaures Chinin. Weisse 
biegsame Kry stalle von bitterem Geschmack. [Schwer löslich in Wasser, 
kaltem Alkohol und Aether. Die Löslichkeit wird durch Zusatz von etwas Schwefel- 
säure oder Mixt, sulfurica acida wesentlich erhöht, wobei aber auch das Präparat ver- 
ändert und saures schwefelsaures Chinin erzielt wird (s. Chin. bisulf.). — 1,0 
70 Pf.] Cave : Metallsalze, Salzbilder, Alkalien. 

Innerlich: als Tonicum zu 0,03-0,15 mehrmals täglich; gegen 
Intermittens, intermittirende Neuralgien, Typhus, Recurrens, Pyämie, 
Puerperalfieber, Rheumatismus acutus u. a. zu 0,3-0,5-1,0-2,0 innerhalb 
24 Stunden [jedoch sei man mit den übergrossen Dosen vorsichtig, da das Chinin 
keine indifferente Substanz ist, und sein Missbrauch leicht krankhafte Erscheinungen 
hervorruft]. In der Regel vertheilte man früher bei Intermittens die 
Gesammtdosis des in der Apirexie zu verwendenden Chinins auf gleiche 
Theile und liess dieselben 1-2 stündlich nehmen, wobei jedoch zu rathen 
ist, 1-2 Stunden vor dem Anfalle aufzuhören, statt dessen 3-4 Stunden 
vorher doppelte Dosen zu geben. Zweckmässiger und ökonomischer ist 
die von Pfeufcr und Moritz Icycr empfohlene, jetzt allgemein übliche 
Methode, grosse Dosen des Chinins in der fieberfreien Zeit auf einmal 
nehmen zu lassen; die Wirkung ist sicherer als bei den verthcilten Dosen, 
und die zu verbrauchende Gesammtmenge geringer. Toropoff und Itcrnatzik 
stellen auf Grund grosser Beobachtungsreihen im Kaukasus und an den 
Ufern des Po und der Etsch als Normaldosis für die Behandlung des 
Sumpfwechselfiebes 0,6 Gr. auf. Der nächste Anfall bleibt gewöhnlich 
aus, wenn zwei solcher Dosen gegeben werden, worauf man täglich eine 
solche Dosis bis zum 4.-5. Tag reicht und bei eintretender Chininvergiftung 
(Ohrensausen, Schwindel etc.) auf 0,3 herabgeht. Auf diese Weise kommt 
man für die Gesammtbehandlung mit 4,0 Gr. aus und erspart mehr an 
Chinin als mit zu grossen oder zu kleinen Dosen. Bei perniciösen Fiebern 
muss die Dosis von 0,6 häufiger, etwa alle 5 Stunden, in comatösen 
Fällen alle 3 Stunden am Tage gegeben werden. Als Zusatz zum 
Chinin wird bei perniciösen Wechselfiebern, namentlich solchen, die 
mit heftigen Gehirnsymptomen auftreten, oder wenn das Chinin Durch- 
lall hervorruft, das Opium gegeben. Ausser bei Wechsel lieber wird auch 
bei anderen acuten fieberhaften Krankheiten das Chinin in neuester Zeit 



Chininum sulfuricum. 227 



in sehr grossen Dosen als Antipyreticum gereicht. Bei Abdominal- 
typhus und anderen hochgradigen Fiebern empfehlen Licbemieistcr und 
itlosler 1,0-1,5, bis selbst 2,5 auf einmal zu geben, oder innerhalb einer 
Stunde in Einzeldosen von etwa 0,5-1,0 zu verabreichen, dann erst nach 
48 Stunden die gleiche Dosis oder, wenn nöthig, eine stärkere gebrauchen 
zu lassen. Liebermeister empfiehlt hohe Dosen namentlich bei biliöser und 
asthenischer Pneumonie, Rheumatismus articul. acutus, Pleuritis acuta und 
selbst bei Phthisis pulmonum. Ausser bei den fieberhaften Krankheiten 
hat das Chinin in neuerer Zeit ausgedehnte Anwendung bei Neurosen 
aller Art sowohl der sensibelen als der motorischen Sphäre, theils als 
schwefelsaures oder salzsaures Chinin, theils in den anderen genannten 
Verbindungen, theils mit anderen Nervinis und Roborantien zusammen 
gefunden. Binz hat das salzsaure Chinin mit gutem Erfolg beim Keuch- 
husten angewandt und hat darin von vielen Seiten Bestätigung erfahren 
(Ilagenbach, Bickcl). Man giebt es am besten täglich mehremal soviel Deci- 
gramm als das Kind Jahre zählt in wässriger Lösung, so dass sich die 
ganze Tagesdosis auf 3-4 Kinderlöffel vertheilt. — Formen: in Pulvern 
[mit Oelzucker oder aromatischen Pflanzenpulvern, z. B. Pulvis Florum Chamomillae; 
besser die Darreichung in Capsulis operculatis oder Capsulis amylaeeis, wo man 
keines weiteren Zusatzes, auch bei kleinen Chinindosen bedarf], in Trochisci [mit 
Chokolade^ eine in der Kinderpraxis sehr zweckmässige Form] in Pillen, in 
weingeistigen Solutionen [deshalb nicht immer zu empfehlen, weil man bei 
grösseren Dosen Chinin zu grosse Gaben des Vehikels mit verabreichen muss; häufig 
aber gerade wegen dieser Verbindung mit Alkohol zweckmässig], wässerigen 
Solutionen [mit Hülfe von Säuren (Acid. sulfuric. oder Acid. hydrochloricum) 
bereitet (vergl. oben)]. Als ein vortreffliches Vehikel für Chininsalze em- 
pfehlen die Engländer (Battcrbury u. a.) und hat sich auch uns (Ewald) 
bewährt, die Milch. 30 Gr. Milch auf 0,05 Grm. Chinin geben eine fast 
geschmacklose Mischung. 

Aeusserlich: Endermatisch [Verband der denudirten Hautstelle mit 
Chininsalbe oder Einstreuen von Chininpulver] oder in Einreibungen in die 
Wangen- und Zungenschleimhaut. [Beide Formen obsolet.] In hypoder- 
matischer Injection [vergl. oben und S. 81], im Clysma [0,3-1,0-2,0 auf 
ein Clysma. Delvaux empfiehlt solche Clysmata als äusserst wirksam gegen Ascariden. 
Liebermeister empfiehlt Klystiere von grossen Dosen, selbst 2.0 pro Clysma, in Fällen, 
wo Chinin innerlich nicht vertragen wird], zu Suppositorien, in Salben 
[Srmaiias empfiehlt Einreibungen von Chin. sulfur. 1, Adeps 40-80 zu 3-6 Mal täg- 
lich wiederholten Einreibungen in die Achselhöhlen und beide Leistengegenden bei 
Intermittens und Remittens infantum]; als Zusatz von Haar pomaden [0,5-1,0 
auf 25,0]. In neuester Zeit hat llcliuholtz an sich selbst das Chinin zu 
Einspritzungen in die Nase [Solution von 1:750 Aq.] gegen Heufieber 
[zur Zerstörung der in die Nase eingewanderten Keime] mit Erfolg angewandt. 
[Die Application geschieht mittelst Spritze oder besser mittelst der Webcr'schen 
Nasendouche: Hinz], ebenso ist es als Schnupf pul vor und in Pillen bei 
beginnenden Nasenrachencatarrhcn (Ilager s. Chinidin, sulf. und B. FraiMikcl) 
mit Erfolg verwendet worden. Zu Inhalationen in zerstäubter Form 
ist das Chinin gegen intermittirende Respirationskrankheiten gleichfalls 
versucht worden (Heber), und neuerlichst auch von Gerhardt gegen Pneu- 
monie empfohlen [Chinin, hydrochloric. in ' 2 |>roc. Lösung], desgleichen in 



22S 



Chinmum sulfuricum. 



Pulverform zu Insufflationen in den Kehlkopf und in die Trachea 
[Chinini hydrochlor. 0,01-0,015, Natr. bicarb. 0,015, Gummi Arab. 0,25 pro dosi, 
gegen Keuchhusten: Letzerich, Hinz}. Endlich zu Injectionen in die 
Urethra gerühmt [in 1 pCt. Lösung, bei Gonorrhoe: Haberkorn]. 



411. ty 

Chinini sulf. 0,1 

Cort. Fruct. Aurant. 0,3 

Sacchar. 0,5. 
M. f. pulv. d. tal. dos. No. 8. S. In der 
fieberfreien Zeit zu verbrauchen. 



412. *H- 

Chinini sulf. 0,1 
Sacch. albi 0,5. 

M. f. pulv. d. tal. dos. No. 12. [Bei 
Tertiana: am fieberfreien Tage 2stdl. 
1 Pulver, die übrigen 6 Pulver am Fieber- 
tage vor Eintritt des Paroxysmus halb- 
oder einstündl. zu verbrauchen. Diese 
Verordnung 3mal durch gebraucht, gleich- 
viel ob das Fieber wiederkehrt oder nicht ; 
später Nachkur mit kleinen Chinindosen 
oder Chinoidin.] 



413. Bf 

Chinini sulf. 0,6. 
D. in chart. amylac. No. 6. [Bei Tertiana 
am Tage vor dem Anfall und am An- 
fallstage 2 Pulver, an den folgenden 
1 Pulver täglich.] Bernatzik. 



414. 



M. f. 
zu 



Chinini sulf. 0,2 

Opii 0,06 

Sacch. 

Elaeosacch. Menth, ana 0,3. 
pulv. D. S. Kurz vor dem Anfall 
nehmen. [Bei bösartigen Wechsel- 



fiebern.] 



Neumann. 



415. 



9 

Chinini sulf. 0,1 

Extr. Belladonnae 0,02 
Pulv. Flor. Chamom. 0,5. 
M. f. pulv. d. tal. dos. No. 10. i. caps. amyl. 
D. S. 2 stdl. 1 Capsel. [Der Zusatz von 
Extr. Belladonnae macht bei vielen Per- 
sonen, die an gastrischer Reizung leiden, 
das Chinin erträglicher.] 



416. 



K 



Chinini sulf. 0,1-0,15 
Arid, tarlar. 1,2 
Natr. bicarb. 
Bacch. alba ana 1,5. 
M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 10. D. S. 
Mehrere Male täglich 1 Pulver in Wasser. 
[Brausemischung.] Meirieu. 



417. Bf 

Chinini sulf. 2,0 

Extr. Trifol. fibr. q. s. 
ut f. pil. 20. Consp. Cass. Cinnam D. S. 
In der fieberfreien Zeit zu verbrauchen. 



418 



ut f. 

S. 



IV 

Chinini sulf. 0,3 
Mass. pil. Yaletti 4,0 
Pulv. aromat. q. s. 
pil. 30. Consp. Cass. Cinnam. D. 
3 mal täglich 4 Stück zu nehmen. 
[Eine bei erschöpften Constitutionen 
(namentlich durch disseluten Lebens- 
wandel) trefflich wirkende Verbindung 
aus Eisen und Chinin.] 



1,0 



419. Bf 

Chinin, sulf. 3,0 
Sem. Colchici pulv. 
Extr. Digitalis 0,4. 
M. f. pil. No. 20. Consp. Lycopod. D. S. 
1-3 Pillen täglich. [Gegen Gicht.] 

Becquerel. 



420. 



1v 



Chinini sulf. 0,5 
Mixt. sulf. acid. 0,5 
Aq. Cinnam. 100,0 
Syr. Rub. Id. 25,0. 
MDS. 1-2 stdl. 1 Esslöffel. 



421. H> 

Chinini sulf. 0,2 
Extr. Cannab. indic. 0,4 
Sacch. lact. 3,0. 
M. f. pulv. Divid. in part. aeq. No. 6. 
D. S. 2 stdl. 1 Pulver. [Bei Lungen- 
tuberculose.] Sooda. 



422. Bf 

Chinini sulf. 3,0 
Acid. sulf. dil. 1,5 
Aq. dest. 150,0. 
D.S. 1-2 stdl. 1 Esslöffel voll zu nehmen. 
[Im nervösen Stadium des Typhus.] 

Dietl. 



423. 



D. S. 



Chinini sulf. 1,0 
Acid. sulf. dil. 2,0 
Aq. dest. 30,0. 
h-l Theelöffel bis zu 



1 Esslöffel 
pro dosi (in einem schleimigen Vehikel). 



I|- 411-423. 



Chininum sulfurieo-tartaricum. 



229 



[Dasselbe wird namentlich als Zusatz zu 
Mixturen verordnet.] 
Liquor Cinchonae bisulf. der englischen 
Autoren. 



424. 



% 



Chinini sulf. 0,03 

Acid. sulf. dil. 1,0 

Aether. 0,3-0,6 

Syr. Aurant. Cort. 4,0 

Decoct. Scop. comp.*) 30,0. 
M. f. Haustus. S. 3stdl. einen solchen 
Trank zu nehmen. [Bei Typhus exan- 
theraaticus, wenn Stimulantien erforder- 
lich sind.] Murchiaon. 

425. Bf 
Chinini sulf. 0,1 
Acid. sulf. dil. 3,0 

Inf. Cort. Cascarill. 100,0 
Tinct. Hyoscyami 6,0 
Syr. Sacch. 25,0. 
MDS. 3 mal täglich einen vollen Esslöffel. 
[Bei Nachtschweissen.] Graves. 

426. Bf 
Chinini sulf. 0,3 
Vini hispan. 500,0. 

D. S. Stdl. 1 Esslöffel. 

[Chinin -Wein.] Magendie. 



427. ty 

Aloes 

Rad. Angelicae 
Rhiz. Zedoar. ana 4,0 
Camphor. 
Croci ana 0,3 

Digere per aliquot horas c. 
Spirit. dilut. 100,0 
in Colat. solve 
Chinin, sulf. 2,0. 
D. S. Täglich 4-6Theelöffel zu verbrauchen. 
Warburg's Fiebertropfen. 
[Aehnlich dieser Mischung ist die Tinct. 
antifebrilis der österreichischen Ph. 
castr. und das Kecanier'sche Elixir 
aloetico-f ebrifugum.] 

Chininum sulfiirico-tartaricum. 



428. ty 

Chinini sulf. 1,0 
Ol. Cacao 6,0. 
M. F. suppositoriura. [In Fällen, wo die 
innerliche Darreichung sich verbietet.] 

Boudin. 



429. 



D. S 



430. 



D. S. 



431. 



Chinini sulf. 5,0 
Ferri sesquichlor. gtt. 25 
Acid. hydrochlor. dil. gtt. 10 
Glycerini gtt. 15 
Extr. Trifol. fibr. 4,0 
Pulv. rad. Althaeae 0,5 
„ „ Gentian. q. s. u. f. pil. 
No. 100. C. C. 
2- 3 mal tägl. 1-2 Stück. 
Pill. Chinini c. ferro sesquichl. 

Hager. 

Chinini sulf. 1,0-2,0 
Aq. 100,0 

C. adde vitell ovi unius 
Tinct. Opii simpl. gtt. 15,0. 
Zu 2 Kly stieren. 



** 



Chinini sulf. (vel hydrochlor.) 1,0 

solve ope pauxill. 
Acid. hydrochloric. 

in 
Aq. dest. 75,0 
Glycerini 25,0. 
MDS. Aeusserlich. [Zur Einspritzung in 
die Harnröhre bei Gonorrhoe.] 

Haberkorn. 



432. Bf 

Chinini sulf. 

Acid. tannic. ana 2,5 

Bals. peruv. 1,0 

Contere et succ. affunde 
Aq. Coloniens. 5,0 
Admisce Ungt. rosat. 50,0. 
D. S. Haarpomade. Unguentum contra 
Alopeciam et contra fissuram capillor. 

Sulfo-tartras Chinii. Schwefel- 



weinsteinsaures Chinin. 

Kardia will die Erfahrung gemacht haben, dass dies Präparat, welches man 
durch eine Mischung gleicher Theile Weinsteinsäure und schwefelsauren Chinins ex- 
temporirt, wirksamer sei, als dieses letztere allein, und dass bei der Kur hartnäckiger 
Fieber oder Milztumoren nach Sumpffiebern nur die Hälfte der sonst notwendigen 
Chinin-Quantität bei Darreichung dieses Präparates erfordert wird. 

Chininum taiiniciilll. Gerbsaures Chinin. [1,0 30 Pf. — Das 



*) Vergl. Herba Spartii Scoparii. Statt dieses bei uns ganz ungebräuchlichen 
Decoctes kann ein beliebiges anderes schleimiges oder aromatisches Constituens ge- 
wählt werden. 



Bf 424-432. 



230 



Cliininum tartaricum. 



wenigst lösliche aller Chinin-Präparate, und darum demGeschmacke am erträglichsten, 
aber auch in der Chininwirkung am mangelhaftesten. Indessen hat Becker seine Re- 
sorptionsfähiglveit nachgewiesen und es mit Erfolg, von Hageiibach bestätigt, bei 
Keuchhusten angewendet. In einem Esslöffel mit Zucker wasser angerührt zu nehmen. 
Dosis doppelt so gross wie bei Chin. sulfur. In denjenigen Fällen, in denen wegen 
Diarrhöe andere Chininsalze nicht gereicht werden können, sowie bei Nachtschweissen 
und anderen colliquativen Symptomen von llooxiiian und Wulff empfohlen. 

Innerlich: zu 0.1-1,0-2,5 und mehr pro dosi [in der Regel das 
2-4 fache von Chininum sulfuricum]. 

Uli nimm) tartaricum« Weinsteinsaures Chinin. [Dem citronen- 
sauren Chinin ähnlich und wie dieses zu brauchen.] 

Chininum yalerianicuin. Baldriansaures Chinin. [0,1 15 Pf. 
— Ziemlich leicht in Wasser, leicht in Alkohol und Aether löslich.] 

Innerlich: zu 0,05-0,5 bei intermittir enden Neuralgien [namentlich 
auf hysterischem Boden], bei Intermittens mit grosser Reizbarkeit des 
Magens empfohlen; in Pulvern oder Pillen [nicht in Mixturen, da das 
Präparat leicht zersetzlich ist]. 

*CllinoidiüUHl. Chinioideum. Chinioidina. Chinioidinum. Chi- 
noidin, Chinioidin. [Trockne, glänzend braune, bitter schmeckende Masse, in 
Wasser fast gar nicht, in Alkohol und verdünnten Säuren leicht und vollständig 
löslich, — Chinoidin wird nach neueren Untersuchungen als eine amorphe Modifikation 
des Chinins angesehen, zu dem es wahrscheinlich in ähnlichen Beziehungen steht, wie 
der Trauben- zum Rohrzucker (Renier, Hinz). Es kommt neben dem Chinin und 
Chinidin in der Chinarinde vor und man erhalt es als Rückstand aus der Chinin- 
bereitung, der nicht mehr zur Crystallisation gebracht werden kann, was wahr- 
scheinlich eine Folge der Einwirkung des Lichtes auf die äusseren Schichten der 
Rinde am Baum ist. — 10,0 '20 Pf. — Durch Auflösen das Chinoidin in verdünnter 
Schwefelsäure und Behandeln mit Natriumhyposulfit erhält man ein harzfreies, gelbes 
klebriges Präcipitat, das gereinigte Alkaloid: amorphes Chinin, Beta-Chinin. 
Die Ph. IL besagt hierüber nichts.] 

Innerlich: zu 0,1-1,0-3,0 pro dosi [in der Regel berechnet man 2-3 Mal 
so grosse Dosen, als von Chinin], in Pulver [mit Zucker oder Gummi verrieben, 
nach Keniat zik am besten mit Zusatz von 7 5 Acidum tartaricum], in Pillen, 
weingeistigen Auflösungen [s. Tinct. Chinoidini] und in wässerigen 
Lösungen und Säuren. 
433. 



Chinoidini 

Elaeosacchari Calami ana 0,5. 
M. f. pulv. Dispens, tal. dos. No. 10. D. 
in Charta cerata. S. 3stdl. 1 Pulver. 



■l.Ti. 



Iv 



Chinoidini 4,0 

\n<\. lari. 0,3 
Muni, (iiimmi Arab. 
ut f. pil. No. 30. Consp. 
h. S. Stdl. l Pille. 

[Durch den Zusatz vmi Säuren wird 
das Chinoidin viel leichter assimilirbar.] 



q. s. 

< "ass. 



Cinnam. 



135. 



( binoidini 5,0 
Bf 433-436. 



Acid. sulf. dil. 2,0 
Aq. Menth, pip. 150,0 
Syr. Zingiberis 25,0 
Spir. aether. 2,0. 
MDS. Stdl. 1 Esslöffel. 



436. 



Iy 



Chinoidini puri 10,0 
Acid. tartar. 

Ferr. sesquichlor. ana 4,0 
Glycerini gtt. 20 
Rad. Altliaeac 5,0 
Rad. Genth. q. s. u. f. 
Pil. No. 200. S. Täglich 4 mal 3-4 Pillen. 
[Bei Bergkrankheit, Fieber, Körper- 
schwache, I Ueichsueht.] 



Chinolmum. 23 1 



Chiuoidiiiiim liydrochloricum, sulfuricum, accticum, citricum, 
taiiliiciim. Letzteres jüngstens von Binz als Ersatz des Chininum tanni- 
Cum [aus dem theuren Chininum sulfuricum dargestellt] empfohlen. Alle diese 
Präparate lassen sich wie das Chinoidinum purum verwerthen; am geeignet- 
sten ist das Chinoidinum hydrochloricum nach Iternatzik. — Von Duchck, 
Chwostek, Braun werden günstige Resultate von der Anwendung der Chi- 
li oidinpräparate, besonders bei Intermittens und Puerperalfieber, berichtet. 

Chinolin, eine aus der Destillation von Chinin oder Cinchonin mit 
Alkalien gewonnene, aber auch synthetisch darstellbare Flüssigkeit von 
bitterem Geschmack, Geruch nach bitteren Mandeln, farblosem Aussehen. 
Schwer in kaltem, leichter in heissem Wasser löslich. Hat nach den 
Untersuchungen von Donath antiseptische, antizymotische und antipyre- 
tische Eigenschaften. So verhindert eine 0,2 proc. Lösung die Fcäulniss 
des Harns, eine 0,4 proc. die des Blutes. Subcutane Injectionen von 0,2 
bis 0,35 Gr. gaben bei Thieren Temperaturerniedrigen von 1 — 1,5 pCt. 
Beim Menschen sollen Dosen von 1-2 Gr. pro die zur Anwendung 
kommen. Von Seifert Avird es zur Pinselung des Rachens in 5 proc. Lö- 
sung gerühmt. 

Chiiioliiiuiti bisulfuricum, iimriaticuiii, tamiicuiii, tartarieuiii 

sind angezeigt. Das Chinol. tartaric. zeichnet sich vor den anderen Chi- 
nolinsalzen dadurch aus, dass es an der Luft nicht zerfliesst. Es ist in 
5 proc. Lösung von Roch mit Erfolg beim Keuchhusten gebraucht worden. 
Krieger spricht dagegen dem Chinolin jede antipyretische Wirkung ab und 
erkennt ihm nur die zu, den Magen heftig zu reizen. 



437. ty 

Chinol. tartarici 1,0 

Aq. dest. 

Svr. simpl. ana 75,0. 
MDS. 3stdl. 1 Esslöffel. 

[Bei Keuchhusten.] Koch. 



438. Bf 

Chinol. tartar. 1,0 
Aq. dest. 

Syr. Rub. Idaei ana 50,0 
Aq. Laurocerasi 1,0-3,0 
D. S. 3 Stunden vor dem Anfall in 2 bis 
3 Dosen zu nehmen. 

[Bei Intermittens.] Loewy. 

*Cllloralum hydratum. Chloratum hydratum crystallisatum. Hydras 
Chlorali. Hydrate of Chloral. Hydrate de Chloral. Chloralhydrat. 
Chloral. [Farblose Crystalle, von eigenthümlich stechendem Geruch, scharfem, 
bitterem Geschmack, leicht in Wasser löslich, von neutraler Reaction. Chloral Ist 
eine Vorstufe des Chloroform und wird durch Zusatz von Alkalien in dasselbe über- 
geführt. — 1.0 5 Pf.] Das Chloralhydrat ist ein mächtiges Hypnoticum 
und A nästheticum; es bewirkt sehr schnell einen ruhigen, natürlichen 
Schlaf, der nicht von Kopfschmerzen gefolgt ist, und zeigt sich selbst 
dort noch wirksam, wo Morphium in grossen Dosen erfolglos angewendet 
wurde. Untersuchungen vieler anderer Autoren haben Licbreiehs Ent- 
deckung bestätigt und den hohen therapeutischen Werth des Chloral- 
hydrat s ausser Frage gestellt. [Zuerst v. Laiigenbcek, Harilelebeu, Wcstphal, 
Jastrowitz, Dcmarquay u. a.] Das Chloralhydrat ist deshalb schnell zu all- 
gemeiner Verbreitung gelangt und darf mit vollem Recht als eine der 
wirksamsten IVroicherungen unseres therapeutischen Rüstzeuges angesehen 
werden. Dasselbe erweisi sich in grossen Dosen wirksam bei jeder An \<»n 
Schlaflosigkeit; es hat vor den Opiumpräparaten ausser vielen anderen 
schon genannten noch t\t'\\ grossen Vorzug, dass sich die Patienten nicht daran 

ly 437-438. -« 



232 Chlor.il am hydratum crystaUisatum. 

gewöhnen, derart, dass man die Dosis bald mehr und mehr zu erhöhen 
genöthigt wäre. In kleineren Dosen ist es ferner ein empfehlenswerthes 
Sedativum bei verschiedenen Neurosen. Wo die Schlaflosigkeit Folge 
schmerzhafter Affectionen, namentlich peripherer neuralgischer Schmerzen 
ist, wirkt es zwar auch schlafmachend, aber nicht wie die Opiate zugleich 
schmerzstillend. Von Krankheiten, bei denen es sich wirksam zeigte, ver- 
dienen namentlich Erwähnung: Delirium potatorum (v. Langeiibcck), Tris- 
mus und Tetanus (v. Lauge ubcck, Liebreich), schmerzhafte Gelenkentzün- 
dungen und schmerzhafte chirurgische Krankheiten (Liebreich, Barilelcben), 
Eclampsia parturientium , Spasmen, Crampi und sonstige Neuralgien, 
Chorea (Britton). Asthma (Biermcr), Koliken, namentlich Gallenstein- 
und Niereiisteinkolik (Beck, HPRac), cutane Hyperästhesie und Prurigo 
senilis (Ipavic), Seekrankheit (Döring), Hysterie, Singultus, Pollutionen, 
Keuchhusten u. s. w. ; ferner in der Pädiatrik, wo man Opium-Präparate 
fürchtet (Liebreich), auch bei nächtlicher Micturation der Kinder als erfolg- 
reich gerühmt (ItFRac); am wichtigsten und wirklich unschätzbar erweist 
sich das Chloralhydrat in der Psychiatrie (Liebreich, Wcstphal, Jastrowitz) 
als ein alle anderen Mittel übertreffendes Hypnoticum und Sedativum. 
Eine weitere Verwendung findet die antilermentative Fähigkeit 
des Chlorals, aus welchem Grunde es bei leichten Magengährungen in 
wiederholten kleinen Gaben von Erfolg ist (Ewald). [Die fortgesetzte Dar- 
reichung grösserer Dosen veranlasst schliesslich Rachencatarrh und führt zu grossem 
Widerwillen des Patienten gegen das Mittel.] 

Innerlich: als Hypnoticum zu 1,0-2,5-3,0! als Einzelgabe zu 6,0! 
als Tagesgabe [6.0-8,0 und mehr! bei Delirium potatorum]; wo noth wendig, in 
kurzen Pausen zu wiederholen. [Die Ph. II. hat die Maximaldosen des Chlorals, 
namentlich die Tagesgabe auffallend niedrig gestellt. Dieselbe wird vielfach über- 
schritten werden und sind namentlich Dosen von 3.0-5,0 mehrere Male kurz hinter- 
einander gereicht, ohne Gefahr: Jastrowitz, während allerdings 7,0-8,0 auf ein- 
mal genommen, einen drohenden asphylvtischen Zustand hervorzurufen vermögen]; 
als Sedativum zu 0,2-0,5-1,0-2,5 pro dosi l-2stündlich. In manchen 
Fällen wirken schon diese kleineren Dosen, etwa von 1.0 an, hypnotisi- 
rend. Bei Kindern namentlich sind immer zuerst die kleineren Dosen zu 
wählen. [Eine Verbindung kleiner Dosen Chloralhydrat (1,0) mit klei- 
nen Dosen Morphium (0,01) soll vorzüglich sedativ wirken, während kleine Dosen 
Chloralhydrat für sich allein excitiren: Jastrowitz. In Verbindnng mit grossen Dosen 
Bromkalium sollen gleichfalls schon kleine Mengen Chloralhydrat schlafmachend wir- 
ken, z. B. Chloral. hydrat. 1,0-1,2 mit Kalii bromat. 1,0-2-0: ItFRac] Korne em- 
pfahl behufs Anästhesirung zu Operationen der Chloroforminhalation eine 
volle innerliche Gabe von Chloralhydrat vorauszuschicken, ein Verfahren, 
was sich sehr bewährt hat. Die Verbindung von Campher mit Chloral 
ist von Toschcr bei neuralgischen Schmerzen sehr gerühmt. Die beste Form 
der Darreichung isi die Lösung, für sehr kleine Dosen sind auch Pillen 
oder Bissen empfehlenswerth, ferner kommen Electuaricn und in 
neuester Zeil auch kleine Gallertkapseln (Chloral perle) zur Ver- 
wendung. Doch vermeide man es, Chloral in concentrirter Form auf die 
Riagenschleimhaut zu bringen, da vermöge seiner corrpsiven Wirkung 
h'ichi Reizung und Aetzung eintreten könnte. 

Aeusscrl ich: in Substanz zu ungefähr ^,0 Gr. niil Erfolg in eine 



Chloralum hydratum crystallisatum. 



»") O >"» 

Z,)0 



offene Wunde bei Tetanus und Trismus gebracht von ßigclow, zur sub- 
cutanen Injection als Sedativum und Hypnoticum [0,5-2,5 und mehr: 
nicht bewährt], dagegen im Clysma mit Erfolg angewandt und sehr em- 
pfehlenswert]!, desgleichen zu Suppositorien. Zu Injectionen in die 
Trommelhöhle bei trocknen Mittelohrcatarrhen von Wredeii und Lucae be- 
nutzt [1,0 auf 30,0 Aqua.] [Sogar Injectionen in die Venen sind behufs 
Anästhesirung zu schweren Operationen und bei Tetanus versucht worden und zwar 
wurden 1,0-8,0! mit dem 5 fachen Wasser verdünnt in die Vena saphena injicirt: 
Ore, Deneffe und van Wetter. Schwerlich wird das Verfahren in Anbetracht seiner 
grossen Gefährlichkeit Nachahmung finden.] 

Nach Liebreich's neuerer Entdeckung ist ein wirksames Antidot gegen 
Chloral- (und Chloroform-) Vergiftung Strychnin in subcutaner Injection. 



439. 



I* 



Chlorali hydrati 2,5 
Aq. dest. 

Mucil. Gummi Arab. 
[oder Syr. Aurant. Cort.] ana 15,0. 
MDS. Auf einmal zu nehmen als gewöhn- 
liches Hypnoticum [oder 1 Thee- bis 
Esslöffel voll als Sedativum.] 

O. Liebreich. 



440. 



lv 



4,0 



Chlorali hydrat. 

Aq. dest. 

Syr. Aurant. Cort. ana 15,0 
MDS. Abends 1 Esslöffel voll zu nehmen 
[als gewöhnliches Hypnoticum] oder auf 
einmal zu nehmen [bei Delirium pota- 
torum, wobei die Dosis des Chloral. hydr. 
bis zu 8,0 und mehr! erhöht werden 
kann]. O. Liebreich. 



441 



R 



Chlorali hydrat. 3,0 
Kalii bromat. 5,0 
Aq. dest. 100,0 
Syr. Aurant. Cort. 50,0. 
MDS. Den dritten Theil Abends auf ein- 
mal zu nehmen. [Hypnoticum.] 



442. 



Tv 



5,0 



Chlorali hydrat. 
Aq. dest. 10,0. 
D. S. 1 Theeloffel voll in einem Glase 
Wein, Bier oder Limonade zu nehmen. 
[Hypnoticum.] O. Liebreich. 



4 4M. R 

Chlorali hydrat. 10/) 
Morphü acetJ 0,1. 

Solve in 
Decoct. Alth. 150,0 
Succ. Liquir. dep. 10,0 



MDS. 1 -2 stdl. 1 Esslöffel. [Sedativum, z. B. 
bei Geisteskranken.] Jastrowitz. 



444. 



% 



MDS. 



Chlorali hydrat. 9,0 
Morphin, acet. 0,05 
Aq. dest. 80,0. 

Abends 1 Esslöffel voll zu nehmen. 
[Als Anodynum sedativ, und hypnotic] 

O. Liebreich. 



445. Ii- 

Chlorali hydrat. 5,0 
Aq. dest. 10,0. 
D. S. Abends die Hälfte in einer kleinen 
Tasse Milch zu nehmen. [Benimmt den 
kratzenden Geschmack des Chlorais.] 

Ewald. 



446. 




1} 






Chlorali hydrat. 


10,0 




Cer. 


flav. 7,5 






Ol. 


Cacao 12,5. 




F. S 


uppos. 


No. 5. 




447. 


Iv 





Chloral. hydrat. 4,0 
Sapon. med. 2,5 
Mellis q. s. 
ut f. suppositoria No. 2. Whidborne. 

448. Bf 

Chloral. hydrat. 2,5 

Aq. dest. 

Mucilag. Gummi Arab. ana 50,0. 
MDS. Zum Klystier. 

44!). ly 

Chloral. hydrat. 0,5 
l'ulv. gummös. 1,5. 
M. f. pulv. D. in pari. aeq. No. 10. S. 
Alle 10-15 Minuten 1 Pulver in der ge- 
sammten Muttermilch bis zum Eintritt 
der Wirkung zu nehmen. Monti. 



Milonnluie. Unter diesem Namen wird ein local wirkendes, schmerz- 
stillendes Mittel in den Sande] gebracht, dessen Znsammensetzung Fani- 
liam wie folgt angiebt: ly Morph, muriat. 0,5, Aq. 16,0, Chloroform. 6,0, 

fy 439-449. ^m 



2?>4 Chloroformium. 



Tinct. Cannab. 6,0, Acid. hydrocyan. dil. gtt. xij, Alcol. 24,0, Ol. Menth, 
pip. gtt. ij, Tinct. Capsic. ana gtt. x. 

*Chloroforillhim. Formylum chloratum. Formylum perchloratum. 
[Die von einigen Autoren früher gebrauchte Bezeichnung: Carboneum chloratum ist 
durchaus irrig und verwerflich, und giebt, wie dies schon vorgekommen, zu Miss- 
griffen in der Verordnung Anlass.] Chloroform. Formylchlorid. [Spec. 
Gew. = 1,485- 1,489. — Angenehm aätherisch-süsslich riechend, von süssem, bren- 
nendem Geschmack; farblos; mit Aether, Alkohol und fetten Oelen in jedem Verhält- 
niss mischbar; in Wasser wenig löslich, nicht brennbar. — Ein tadelloses Chloroform 
(und ob es dies sei, davon hat sich der Arzt vor jeder Anwendung zu überzeugen) 
muss das voVgeschriebene spec. Gewicht haben, mit Wasser geschüttelt blaues Lakmus- 
papier nicht röthen, mit gleichen Theilen Acidum sulfuricum gemengt, dieses nicht 
färben, und muss vollkommen flüchtig sein. — 10,0 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,15-1,0-1,5 mehrmals täglich pure in Tropfen 
[2-10-20 Tropfen auf Zucker. Bei hartnäckigem Erbrechen, Cardialgien, Neurosen 
des Magens sind häufig 5-6 Tropfen Chloroform auf Eispillen alle 10-15 Minuten ge- 
nommen, von vortrefflicher Wirkung: Ewald], in schleimigem Vehikel, in 
Oel-Emulsion [unzweckmässig] oder in ätherischer oder spirituöser 
Solution [gegen Wechselneber von Dclioux. gegen Agrypnia von Uytteihoven, gegen 
Augenentzündung (Ciinicr und Rusch), gegen Bleikolik, neuralgische Leiden u. a. 
IHcClcllaii empfiehlt Chloroform innerlich hauptsächlich bei Delirium tremens, ausser- 
dem bei Icterus, Koliken, Cholera.] — Kcrnatzik empfiehlt chloroformhaltige 
Lösungen als Menstruum für Morphin und Coffein [vergl. diese]. 

Aeusserlich: zu Inhalationen: 2,0-10,0 als anästhesirendes 
Mittel vor Operationen [in der östereichischen Armee wird statt des reinen Chloro- 
forms eine Mischung desselben mit 3 / 5 Aether zur Anästhesirung angewandt; hierbei 
sollen keine Todesfälle beobachtet worden sein. Vielfach verwendet wird jetzt eine 
Mischung von Chloroform 100, Aether 30 und Alcohol 30 Th. (Vogel, Godcfroy), 
Wachsmiith giebt ein Theil rectific. Terpenthin zu 5 Th. Chloroform. — Von Nuss- 
baiini und Utcrhart werden Chloroform -Inhalationen in Verbindung mit subcutanen 
Morphium-Injectionen zur Anästhesirung behufs Operation empfohlen; nach v. LangCH- 
beck ist davon Gefahr zu befürchten. — Bei drohender Chloroformasphyxio ist 
die künstliche Respiration einzuleiten, am besten nach Hervorziehen des Unterkiefers 
(Handgriff von Little, Esmarch, Heiberg), im Nothfall mit Tracheotomie, auch Faradi- 
sation des Phrenicus vorzunehmen; endlich ist auch als Antidot Amylnitrit-Inhalation 
zu versuchen: Schüller], bei heftigen Neuralgien, bei starken Convulsionen, 
epileptischen Anfällen, Eclampsia infantum (Simpson), Eclampsia parturien- 
tium, Asthma, Photophobia scrophulosa, nach Strychninvergiftung, bei Lyssa, 
bei Lungenentzündung [von llnumgärtitcr und Varrcntrapp empfohlen: * 2 - 1 stdl. 
mehrere Minuten lang Inhalation von etwa 30 Tropfen], bei Delirium potatarum 
[wo das Opium seine Dienste versagt, von Ulrich gerühmt]; zur Örtlichen Appli- 
cation bei schmerzhaften Affectionen, so bei Zahnschmerz [einige Tropfen 
Chloroform auf Baumwolle in den schmerzenden Zahn oder in's Ohr gebracht: 
Itl Simon], Neuralgie (Rom), Gallenstein- und Bleikoliken [Compressen, mit 
Chloroform getränkt, worden aufs Abdomen gelegt: Hcischniaiiii] , arthritischen 
Entzündungen (Bartclla), Orchitis [Einreibungen der leidenden Theile mit Chloro- 
form oder Umwicklung des Gliedes mit Watte, auf welche Chloroform getropft wird]; 
zur Injcction behufs Radicalheiiung der Hydroccle (v. Langciibeck), mit 
Wasser vermengt als Augenwasser [0,3-0,5 auf 25,0], als Eintröpfelung 



Chloroformium. 



235 



in's Ohr, zu Verbänden bei schmerzhaften, brandigen, krebsigen Ge- 
schwüren, zu Einreibungen [Chloroform 1 mit 2-10 Oel oder Glycerin oder 
auch mit Spirit. dilut., Spirit. Melissae comp., Aqua Coloniensis], in Salben [1:5 
bis 10 Salbengrundlage: bei Zoster, Neuralgien, Pruritus pudendorum, schmerz- 
haften Geschwüren des Mastdarms], in Liniment [das Linimentum Chloro- 
formi Ph. Brit. besteht aus Chloroform und Linim. Camph. ana], zu Klystieren 
[5-10 Tropfen ad clysma bei Bleikolik]. Kerrik empfiehlt zum Bestreichen der 
Pusteln bei Variola und zur Verhütung von Narbenbildung, ein Stück 
feinsten Gummi in Chloroform zu lösen und damit 3-4 Mal jede Eruption 
mit einem weichen Pinsel zu bestreichen. — Zur localen Anästhesirung 
der Haut wird Chloroform in zerstäubter Form vielfach gerühmt; be- 
sonders wird eine Mischung von 1 Aether zu 3-7 Chloroform empfohlen 
(Richardsoii). — Zur localen Anästhesirung des Pharynx und La- 
rynx behufs Polypen- Operationen im Kehlkopfe wurde von Türck eine 
Mischung von Chloroform und Morphin, aceticum empfohlen [Morphin, 
acetic. 0.2, Spirit. 4.0, Chloroformii 15,0. — Die local Anästhesie ist etwa 1-2 Stun- 
den nach der Pinselung mit dieser Lösung am stärksten. Vergl. Morphinum und Morph, 
aceticum.] — Neuerlichst wurde Chloroform auch in subcutaner In- 
jection mit Vortheil angewendet und zwar 0,5-1,0 [V 2 -l Spritze] in der 
Nähe des Foramen infraorbitale bei Tic douloureux; es soll mehrtägige 
oder selbst mehrwöchentliche Anästhesie auf die Injection folgen: Bartholow. 
Aehnlich wandte es Doe zu 15 Tropfen Morgens und Abends injicirt bei 
Herpes Zoster an, doch haben sich eine ganze Zahl von Klinikern (Hcau- 
ntctz, Moutaril-Martin, Labbe u. A.) dagegen ausgesprochen, weil die Wir- 
unsicher und gering, die Neigung zur Abscessbildung sehr gross ist. 



kung 
450. 



Iy 



Chloroformii 2,5 

subige cum 
Syr. Sacch. 1<)0,0. 
D. S. Stark umgeschüttelt, stdl. 1 Thee- 
löffel. [Bei Agrypnia senilis, wo Opium 
contraindicirt , bei asthmatischen An- 
fällen.] Dorvault. 



451. 



D. S. 



452. 



3 

Chloroformii 

Gummi Arab. ana 
Aq. dest. 150,0. 
2 stdl. 1 Esslöffel. 



10,0 

[Bei Diabetes.] 
Berndt. 



D. S. 



453. 



D. S. 



Ii- 
Ch loroformii 7,5 
Spir. camph. 
Tinct. Opii ana 1,0 
Ol. Cinnam. aeth. 0,3 
Spir. dil. 15,0. 
Halbstündlich 20-50 Tropfen. 

Hartshorne. 



Chloroformii 1,5 
Tinct. Valerian. aeth. 
Stdl. 10-20 Tropfe,. 



10,0. 
[Bei 



hyste- 



rischen Neuralgien und Krämpfen.] 



454. 



$ 



Chloroformii 80,0 
Morph, acet. 1,0 
Aceti 2,0 
Spir. dil. 20,0 
M. [Eine in England viel empfohlene 
Mischung, genannt Anodynum.] 

455. fy 

Chloroformii 
Acid. acet. ana 5,0. 
MDS. In die Haut einzureiben oder mittelst 
Compresse aufzulegen. [Soll nicht nur 
auf die Hautoberfläche, sondern auch 
auf tiefere Theile stark anästhesirend 
wirken.] 



Chloroform-Essig. 



Fournie. 



45fi. 



Chloroformii 
Extr. Belladonn. 
Camph. 

Tinct. Opi ana 1,0 
Ol. Hyoscyami 50,0. 
M. f. linim. D. S. Mehrmals 

zureiben. [Bei Neuralgien, acuten und 
chronischen Rheumatismen.] 

BicorcTs Linimentum Sedativum. 



täglich ein- 



457. 



Chloroformii 10,0 
Tinct. Aconiti 40,0 

Iy 450-457. -» 



236 



Chrvsarobinum. 



MDS. 



458. 



D. S 

459. 



Aq. Coloniens. 20,0. 

Zur Einreibung. 

Mixtura anaesthetica 
Gueneau de Mussy. 



Chloroformii 12,5 
Ol. Olivar. 100,0 
Mixt, oleoso-bals. 6,0. 
Zur Einreibung. 



Frerichs. 



Sapon. med. 2,0 

solve in 
Spiritus 14,0 

adde 
Chloroformii 4,0. 
D. ad vitr. foramine lato. S. Zur Einrei- 
bung. [Chloroform-Opodeldoc.] 

H. E. Bichter. 



460. Bf 
Chloroformii 20,0 
Camphor. 2,5. 

D. S. Auf Watte in den leidenden Zahn 
zu bringen. [Gegen Zahnschmerzen.] 
[Ein unter dem Namen English 
odontine bekanntes und oft wirksames 
Antodontalgicum. — Aehnlich das unter 
dem Namen Feytonia angepriesene Zahn- 
schmerzmittel, aus 20,0 Chloroform, 10,0 
Ol. Cajeputi, 5,0 Campher und 3 Tropfen 
Ol. Caryophyllor. bestehend.] 

461. Bf 
Chloroformii 3,0 
Acid. carb. cryst. 1,0 

Solve. 
S. Auf Baumwolle getröpfelt in den hohlen 
Zahn. 

462. fy 
Chloroformii 4,0-8,0 

Clilormu solutus» 



Zinci oxyd. albi 2,0 
Ol. Oliv. 4,0 
Cerae alb. 15,0-60,0. 
M. f. unguent. D. [Zum Einreiben bei 
schmerzhaften Mastdarm-Geschwüren.] 

Curling. 



463. Bf 

Chloroformii 
Sulfur. depur. 
Natrii carbon. sicci ana 5,0 
Morph, acet. 0,4 
Yaselini 20,0. 
M. f. unguentum. D. S. Zur Einreibung. 
[Bei Pruritus pudendorum.] 

Vaneedera. 



464. Bf 

Chloroformii 5,0 
Vaselini 25,0. 
MDS. Auf Leinwand gestrichen, äusserlich 
aufzulegen. [Bei Herpes Zoster.] 



465 



D. S 



Ammon. pur. liq. 

Camphor. ana 15,0 

Chloroformii 10,0 

Tinct. Opii simpl. 5,0 

Spir. Vini 75,0. 

Zum Tränken von Hautumschlägen. 
[Gegen Neuralgien und rheumatische 
Schmerzen.] 



466. Bf 

Chloroformii 1,2 

fiat cum 
Vitello ovi unius 
Aq. dest. 120,0 
Emulsio. 
D. S. Zum Clysma in 4 Dosen zu vertheilen. 
[Bei Bleikolik.] Aran. 



Aqua chlorata. 

Cliordao Caiisticac. [Von Ran sind Darmsaiten mit Lösung von salpeter- 
saurem Silber getränkt zur Aetzung schmaler Fistelgänge empfohlen worden. It. Lieb- 
reich substituirte den Darmseiten die viel zweckmässigeren Silberdrähte, welche er 
mit geschmolzenem Argent. nitr. überziehen lässt (Licbrcich'scho Sonden zur Aetzung 
der Fistula lacrimalis)]. 

'•■■( linsarolmiimi. Chrysarobin. Goapulver — in Südamerika 
Bahia- oder Ararobapulver genannt. Gelbes, leichtes, krystallinischcs 
Pulver, erhallen durch Reinigung des in den Höhlungen der Stämme von 
Andira Araroba ausgeschiedenen Secretcs. S. Pulvis Araroba. [Chrysa- 
robin ist der von Thompson für dieses Präparat in Vorschlag gebrachte Name und 
keineswegs identisch mit Chrysophansäure, wie jetzt vielfach angenommen. Es ent- 
hüll 80-87 pCt. derselben (Atfielil). Identische Namen sind Pö de Goa, Pö da Bahia, 
Poh di Bahia. In Brasilien, Indien und den portugiesischen Provinzen Afrikas als 
Antiherpeticum benutzt. — 1,0 15 Pf.] 

[nnerlich: als .Brech- und Abführmittel von Thompson an einer 

1PF* $ 458-466. 



Cinchonidinum. 237 



grossen Zahl von Fällen (900) geprüft und gerühmt als prompt und ohne 
besondere Unbehaglichkeit wirkend. [Der Effect ist am schnellsten bei leerem 
Magen; unmittelbar nach der Mahlzeit weniger gut, als bei vorgeschrittener Ver- 
dauung.] Die Dosen sind bei ganz kleinen Kindern 0,36, bei 12jährigen 
0,6, bei älteren Personen 1,0 Gr. Meist genügen schon 0,5-0,6 Gr., und 
wenn in leicht resorbirbarer Form (alkalischer Lösung oder Pillen) ge- 
geben, noch kleinere Gaben. Ebenso verhält sich die Chrysophansäure, 
doch soll das Chrysarobin wirken bei Kindern unter 4 oder 5 Jahren, 
wo die Säure zuweilen versagt. 

Aeusserlich: entweder in Pulverform [unzweckmässig] oder als 
Pasta oder in einer Mixtur mit Essig- oder Citronensaft, oder endlich 
als Salbe: 1-2 Th. zu 24 Constituens mit einigen Tropfen Essig, mit 
Collodium (1:10) und Gelatine (zu 5, 10-15 pCt): Pick. [Die teigige 
Gelatinemasse wird in einem Gefäss in heisses Wasser gestellt, flüssig und mittels 
Borstenpinsels auf die von ihren Schuppen befreiten Psoriasio-Plaques aufgetragen.] 
Besonders wirksam bei Herpes circinatus und tonsurans, Psoriasis vulg., 
Pityriasis versicolor, Mentagra, Chloasma, Favus: Squirc, de Champeau, 
Ullerswcrgcr, fteumann. Die Ph. Germ. ed. II schreibt vor: wenn Chryso- 
phansäure zum äusserlichen Gebrauch verordnet wird, so ist 
Chrysarobin zu geben. 

Cilichoilidilllim. Cinchonidin. [Ein Alkaloid, welches neben dem Chi- 
nidin in der Chinarinde vorkommt und früher mit dem Chinidin zusammen als eine 
Basis betrachtet wurde. Weisses, ausserordentlich voluminöses Pulver. — Ueber die 
bisher mit dem Cinchonidin und zwar wesentlich mit dem schwefelsauren Salz ge- 
machten therapeutischen Versuche fehlt es zur Zeit noch an bestimmten Resultaten.] 

Cilichoililllim. Cinchonium. Cinchonin. [Weiss, krystallinisch, stark 
bitter, in kaltem Wasser kaum, in heissem Wasser und Alkohol schwer, in Aether 
gar nicht, nur in heissem Alkohol und in Säuren löslich. — 1,0 17 Pf.] 

Innerlich: in Pulver oder Pillen, in l l / 2 fach grösserer Dosis 
als Chinin. 

467. Bf 

Cinchonini 0,5 
Ferr. reducti 0,3. 
M. f. pulv. d. tal. dos. No. 6. S. Zu Anfang der Mittagsmahlzeit 1 Pulver zu 

nehmen. [Bei Gastralgien von allgemeiner Schwäche, Reconvalescenz von 
Intermittens.] Bouchardat. 

Ciiichoniiium und Ciiiclioiiidiiiuiit stilfimcum, kromatuin, muria- 
ticum sind die Salze der oben genannten in der Chinarinde enthaltenen 
Alkaloide, von denen das Cinchoninum sulfuricnm in der Ph. Germ. ed. I. 
officinell war. 

Die neben dem Chinin sich findenden Basen, also das Chinidin, 
Chinoidin, Cinchonin and Cinchonidin sind zwar bedeutend, bis zu 
dem 10 fachen billiger, als Chinin, aber auch unsicher in der Wirkung 
und, was die Jetzteren betrifft, bis jetzt noch nicht ausreichend geprüft. 

Cinnabaris s. Hydrargyrum sulfuratum rubrum. 

CoccioiieJIa. Cochineal. Cochenille. [Von Coccus caoti, Scharlach- 
wurm. Bestandteil: rother Farbstoff: Carmin. — 10,0 subt. pulv. 30 Pf.] 

Innerlich: [in neuerer Zeit wieder empfohlen, nachdem das Mittel Jahr- 
zehnte hindurch als obsolet ausser Gebrauch war]. Die schön rotho Färbung 
einer Cochenille-Mixtur, unbestreitbar ihr wesentlichstes Verdienst wird 

fy 467. 



n$ 



Codeinum. 



nur hervorgebracht, wenn man einen den Carminstoff auflösenden Zusatz, 
wie «Kali tartaricum, Tartarus natronatus wählt; die Farbe wird noch 
erhöht, wenn man eine ganz kleine Menge Säure vorherrschen lässt. 
Aeusserlich: als Färbungsmittel zu Zahnpulvern, Zahntincturen. 



408. H' 

Coccionellae 5,0 

Magnes. ust. 20,0. 
M. f. pulv. D. S. 2std.l. 1 Theelöffel. 
[Gegen Niertnsand.] Bademacher. 



469. 



Iv 



470. 



^ 



Coccionellae pulv. 

Alum. ana 0,5 

Tartar. dep. 50,0 

ßhiz. Irid. florent. 10,0 

Magnes. carb. 5,0 

Ol. Bergamott. 0,25. 
M. f. pulv. dentifricius. [Ein weisses 
Zahnpulver, welches beim Gebrauche 
roth wird.] 



Coccionellae pulv. 2,5 
Kali tartaric. 2,0 
Aq. dest. 150,0 
Acid. sulf. dil. 0,25. 
Syr. simpl. 25,0. 
MDS. Stdl. 1 Esslöffel. [Schön roth.] 

*Co<lcilllllIl. Codein. [Eines der vielen Alkaloide des Opium; farblos, 
krystallinisch, in Wasser schwer, in Alkohol und Aether leicht löslich. — 0,1 30 Pf. 
— Wirkt entschieden schlafmachend, aber in schwächerem Grade als Morphium. 
Sowohl seine physiologischen als therapeutischen Wirkungen sind von den verschie- 
denen Autoren aufs verschiedenste geschildert; namentlich bewegen sich die Dosen, 
in denen es einen Effect erzielen soll, zwischen sehr grossen Gegensätzen. Nach 
Cl. Bernard's Versuchen an Thieren haben schon gleiche Dosen wie Morphium 
Schlaf zur Folge, aber nie einen so festen wie nach diesem letzteren Mittel. Auch 
nach Robiquct erzeugen schon 0,02-0,03 CodeVn einen ruhigen Schlaf, und Gaben von 
0,15-0,2 wirken stark hypnotisirend. Nach Troitsscnii hingegen wirken 0,3 Codein 
nicht stärker als 0.012 Opium. Nach Froimiiillcr s neuen Beobachtungen muss das 
Codein, um Schlaf hervorzurufen, in sechs- bis achtfacher Dosis des Morphium ge- 
reicht werden. — Wahrscheinlich trägt die Verschiedenheit der Präparate an den 
verschiedenen Angaben die Schuld.] 

Innerlich: zu 0,015-0,03-0,05 [ad 0,05 pro dosi! ad 0,2 pro die!] mehr- 
mals täglich [von verschiedenen Seiten werden viel höhere Dosen, bis 0,1 und selbst 
0,2 empfohlen. — Bei Neuralgien schwächer als Morphium wirkend. Von Krcbcl 
als beruhigendes Mittel bei Neuralgien der Unterleibsnerven empfohlen; soll Schlaf 
erzeugen, ohne Congestion zum Gehirn zu bewirken, eine Angabe, welcher die Ver- 
suche französischer Autoren widersprechen], in Pulver, Pillen oder Syrup 
[Sirop de Codeine der französischen Pharmakopoe enthält auf 10,0 Saft 0,02 CodeTn]. 

Die Codei'nsalze, Codeinum sulfuricum und Codeinum hydro- 
chloricum, wirken nach Heil schwächer, nach Fromnüller stärker als 
das reine Codci'n. In jüngster Zeit wieder von ltuilhcrg als frei von allen 
unangenehmen Nebenwirkungen bei Bronchitis empfohlen zur Sistirung 
des Hustenreizes. 

(i>(!nimin. Thei'num. Theobromium. Guaraninum. Coffein. [Al- 
kaloid, das sich merkwürdiger Weise in den Blättern und der Bohne des CalTeo. in 
den Blättern der Theestaude, in den Cacaobohnen und in den Samen der Pauliin ia 
sorbilis, ans welchen die Guarana-Paste bereitet wird, findet. Man hat in neuerer 
Zeit auch vorgeschlagen, bei der in China durch die revolutionären Bewegungen oft 
gehinderten Theeproduction die thei'nhaltigen Blätter des Caffeebaums dem Thee zu 
substituiren. — Schön krystallinisch, seidenglänzend, in Wasser, Alkohol und Aether 
schwer löslich. — 0,1 5 Pf.] 

Bf 4G8-470. 



Coffeinum citricum. 



239 



Innerlich: zu 0,02-0,05-0,1 (ad 0,2! pro dosi, ad 0,6! pro die) 
in Pulvern, Pillen, Pastillen [mit Zucker] V4-V2 stündlich oder auch 
seltener gegen Hemicranie von llannon dringend empfohlen und vielfach 
bewährt. Auch als Analepticum bei Morphium-, Chloral-, Brom Vergiftung 
(Bcard) mit Nutzen gegeben. 

Aeusserlich: in chloroformhaltiger oder spirituöser Lösung zur 
subcutanen Injection [gleichfalls bei Hemicranie; vergl. S. 81.] 



471. fy 

Coffeini 1,0 

Sem. Cacao ab oleo liberat. 

Sacchari ana 2,5 

Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
ut f. pil. No. 50, consp. Saccharo. 
Viertelstündlich 1-3 Pillen. 



D. S. 



472. 



D.S. 



473. fy 

Coffeini 0,6 

solve leni calore in 
Spiritu 7,5 

antea mixt, cum 
Aq. dest. 2,0 

Solutioni refrigeratae admisce 
Chloroformii 7,5. 
in vitro optime clauso et charta nigra 
obducto. S. 15-20 Tropfen in kurzen 
Zwischenräumen beim Eintritt der Vor- 
boten der Migräne oder anderer Neu- 
ralgien zu nehmen. [40 Tropfen dieser 
Flüssigkeit wiegen ca. 1 ,0 und enthalten 
etwas über 0,03 Coffein.] 

Bernatzik. 



D, 



Coffeini 1,0 

Past. Guaran. pulv. 

Sacch. alb. ana 2,0 

Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
ut f. pil. No. 30. Consp. Saccharo. 

V 4 stdl. 2 Pillen langsam im Munde zer- 
gehen zu lassen. [Bei Hemicranie; oft 
selbst gebraucht, meist mit palliativem 
Erfolge.] Waidenburg. 

Coffeinum citricuui. Citronensaures Coffein. [0,1 etwa 5 Pf. 
— Von namhaften deutschen Pharmaceuten (Witlstcin, Ilcrtzog) wird das Vorhanden- 
sein des citronensauren Coffeins als eines Salzes in Abrede gestellt; die mit diesem 
Namen von Hamion belegte Substanz soll nichts sein als reines Coffein, dem höchstens 
eine geringe Quantität Citronensäure mechanisch anhängt.] 

Innerlich: wie das vorige. Ein- bis dreimal täglich zu 0,18 pro 
die in Pillen, Solution oder subcutan bei Hydrops als Nierenstimulans 
angewendet von Brackcnridgc, Shapter, Lee, bei Neuralgien (Bcard, Hagen) 
zu Pulvern von 0,12 alle halbe Stunde, bis der Kopfschmerz verschwun- 
den (Bcard). Gabler giebt zur Anregung der Diurese noch höhere Dosen 
(0,3-0,5 subcutan) des Bromsalzes, Co ff. hydrobromatum. 

Ein Doppelsalz des Coffein mit den Natronsalzen der Benzoe-, Zimmt- 
und Salicykäure empfiehlt Merck als 

Co fi Vi 11 11 111 - Natro - benzoi cum , Coffeinum Natro - einamy licum, 

Coffeinum- Natro -salicylicuiii. Diese Präparate zeichneu sich durch 

leichte Löslichkeit in Wasser (1 zu 2 Th. Wasser in der Kochhitze ohne 

beim Erkalten auszufallen) aus. Sie enthalten, das erstere 50 pCt., die 

beiden letzten 62,5 pCt. Coffein, es sind daher 5 Gr. Coffein in 10 Gr. 

Cod.-Natr.-benzoic. und in je 8 Gr. der beiden anderen Präparate ent-* 

halten. Zu subcutanen Injectionen. 

474. R- 475. fy 

Coffeini citr. 0,ß Coffeini citr. 0,06-0,30 

Extr. Gramin. 1,5 Sacchar. 1,0. 

F. pil. 10. (Onsp. Lycopod. D.S. 2stdi. M. f. pil. No. 10. D.S. In einer kleinen 
1 Pille. [Bei Hemicranie.] Tasse Caffee zu nehmen. [Gegen Asthma- 

Hanon. anfalle] Thorogwood. 

ColcIlOCilllllH. Colchicin. [Alkaloid, aus allen Theilen, vorzugsweise 
aus dem Samen von Colchicum auctumnale darzustellen; wcissgelblichcs, zuweilen 

Bf 471-475. 



240 Colla piscium. 



luystallinisches Pulver, von scharf bitterem Geschmack, in Wasser ziemlich leicht, in 
Aether schwer löslich. Wirkung die eines scharfen Giftes, ohne narkotische Bei- 
mischung ?. Schroff. — 0,1 etwa 50 Pf. — Mit verdünnten Mineralsäuren erhitzt, 
spaltet sich Colchicin in ein unlösliches Harz und Colchicei'n: Obcrlin. Hübler. 
Das Colchicei'n wirkt nach Versuchen an Thieren gleichfalls wie ein starkes Gift: 
T. Schroff; therapeutisch noch nicht geprüft.] 

Innerlich: zu 0,0006-0,001-0,003 1-3 Mal täglich, in Pulver, 
Pillen oder Lösungen [gegen inveterirte Rheumatismen und Arthritis vielfach 
als bewährt empfohlen]. Zu subcutanen Injectionen von Hey fehler bei rheu- 
matischen Gelenkaifectionen in die Gegend des befallenen Gelenkes 
(0,02 : 10,0, davon 1 Spritze voll) empfohlen. 

Colla s. Gelatina. 

Colla piscium. Ichthyocolla Ph. Austr. Isinglass. Fishglue. Colle 
de poisson. Hausenblase. Fischleim. [Von Acipensor Huso, Sturio und 
stellatus. — [10,0 etwa 70 Pf. — Fast vollständig in kochendem Wasser löslich.] 

Innerlich: im Decoct als Getränk [1,0-2,0 auf 100,0], in Gallerte 
[10.0-15,0 auf 100,0] [mit Zucker und milden Aromen]. 

Aeusserlich: im Decoct zu Klystieren [3,0-5,0 auf 100,0], zu 
Injectionen [1,0-2,0 auf 100,0], zu Bädern [hier wählt man lieber die viel 
wohlfeilere Colla animalis und Gelatina animalis], zur Bereitung des Emplastrum 
adhaesivum Anglicum. 



476. fy 

Collae piscium 3,0 

coque c. Aq. coram. q. s. ad 
Colat. 300,0 

in qua solve 
Sacch. 12,0 

adde 
Vini Rhenani 25,0. 
MDS. Zum Getränk. 



477. ty 

Collae piscium 20,0 

coque c. Aq. comm. q. s. ad 
Colat. 150,0 

adde 
Tinct. Vanillae 5,0 
Sacch. 50,0. 
Repone in loco frigido, ut f. gelatina. D. 
S. Theelöffelweise. 



(ol9o<liilill. Liquor sulfuricus aethereus constringens Schoenleinii. 
Collodium. Colloid. Collodion. Klebeäther. [Lösung von Schiessbaumwolle, 
die mit Schwefelsäure und Salpetersäure bereitet ist, in Aether und Alkohol, dickliche, 
ziemlich klare, farblose oder gelblich schimmernde Flüssigkeit, die aufgetragen, eine 
hornartige, mehr oder weniger leicht brüchige Haut, die während des Eintrocknens sich 
stark contrahirt, bildet. Die Klebkraft des Collodiums ist äusserst stark, bewährt 
sich jedoch nur auf ganz trockenen Flächen. — 10,0 10 Pf. — Ein Uebelstand des 
Collodiums ist die grosse Flüchtigkeit des Aethers, wodurch dasselbe leicht ein- 
trocknet und oft, gerade wenn es verwendet werden soll, sich als eine vollständig 
unbrauchbare hornartige Masse zeigt. Sutton hat, um diesem Uebelstando abzuhelfen, 
eine Bereitling der Schiessbaumwolle empfohlen, durch welche dieselbe schon in 
blossem Alkohol löslich wird. Die Bereitung dieses Präparates, von S. „Alkolen" 
genannt, ist jedoch einerseits sehr schwierig und häufig missglückend, andererseits 
ist «las Präparat selbst ungleich weniger haftend, als das gewöhnliche Collodium.] 

Aeusserlich: als Ver band in i fiel bei Wunden, Excoriationcn, 
wanden Brustwarzen (Legront aberzieht sie mit einer Oollodiumschicht 
von 2*8,'5 Cm. Durchmesser, auf die noch klebend ein in der Mitte 
mehrfach durchlöchertes G?oldäehläg;eth&«rt6hen aufgelegt wird, das man 
vor (b-ni Säugen jedesmal beleuchtet), Verbrennungen, Frostbeulen, 
Pustula maligna (Sciclic), dick aufgetragen bei Orchitis (Boiuinfoiit) , als 

!;• 476-477. 



Collodium. 241 



Abortivmittel bei Erysipelas, als Heilmittel bei Entzündungen aller 
Art [Gelenkrheumatismus, sogar Peritonitis, sogenannte Medication impermeable 
von Robert Latour]. Wo es nur darauf ankommt, die deckende Kraft des 
Collodiums zu benutzen, versetzt man dasselbe mit etwas Ricinusöl [4 bis 
5 Tropfen auf 25,0 — vergl. unter Collodium elasticum], wodurch es aller- 
dings geschmeidig wird, aber seine Contractionskraft vollkommen ein- 
büsst; eine derartige Vermischung wäre deshalb bei Verbrennungen und 
Excoriationen, aber nicht bei Orchitis, Perniones, Erysipelas, Carbunkeln 
zweckmässig. [Minder gute Zusätze, um grössere Geschmeidigkeit des Collodiums 
hervorzurufeo, sind Ol. Terebinthinae oder Leinölfirniss (1 : 50). Ficiims empfiehlt 
den Zusatz des ätherischen Extracts aus Empl. Plumbi simplex (1:8 Collod.) und be- 
zeichnet das so gebildete Präparat als Collodium saturninum. Dasselbe soll sich 
gegen Erysipelas, Verbrennungen, Decubitus besonders empfehlen.] 

Für die Anwendung bequem und zweckmässig sind die sogenannten 
Collodium-Bestecke, mit Collodium gefüllte Fläschchen, in deren Glas- 
pfropfen ein Pinsel eingelassen ist, so dass derselbe immer im Collodium 
bleibt und sich weich erhält. — Bei der Anwendung von Collodium- Ver- 
bänden verfährt man am besten so, dass man Bänder von Baumwollen- 
oder Seidenzeug über die stark aneinander gezogenen Wundränder legt 
und rasch mit Collodium bestreicht; bei ausgedehnteren Verwundungen 
ist es besser Heftpflasterstreifen anzulegen und diese dann mit Collodium 
zu bestreichen. — Das Emplastrum Collodii ist in der Anwendung 
reinlicher [da man sich in der Regel bei jeder Collodium-Application die Finger mit 
dem schwer zu beseitigenden Klebestoff verunreinigt] ; es besteht aus Collodium 
auf Seidenzeug gestrichen, welches unmittelbar vor dem Gebrauche mit 
einer Mischung aus Alkohol und Aether angefeuchtet wird. — In manchen 
Fällen ist es wünschenswerth , das aufgetragene und eingetrocknete Col- 
lodium schnell wieder zu entfernen; dies gelingt durch gewöhnlichen Aether 
nicht, wohl aber durch Essig- und Ameisenäther, oder, weniger gut, durch 
eine Mischung von 6 Th. Aether mit 1 Th. Alkohol. 

Von Richard soii wird ein Styptic-Colloid [eine Modifikation seines 
Xylo-styptic-Ether] empfohlen, welches eine vollkommen gesättigte Lö- 
sung von Tannin in Aether mit Zusatz von Schiessbaumwolle [Xyloidin] 
darstellt. [Man macerirt zunächst möglichst reines Tannin einige Tage in abso- 
lutem Alkohol, setzt dann Aether bis zum vollständigen Flüssigwerden der dicken 
Mischung und darauf so viel Schiessbaumwolle, als sich leicht auflöst, hinzu und par- 
fümirt das Ganze endlich mit etwas Tinct. Benzoes.] Das Mittel wird äusserlich 
zum Aufpinseln auf Wunden, besonders Ulcerationen und Krebsge- 
schwüre, ferner als Stypticum bei Blutungen empfohlen. Es bildet 
mit Blut, Serum und Eiter eine feste Masse, weshalb die styptische Wir- 
kung eine vollkommene sein soll. — Richanlson verbindet mit dem Col- 
lodium auch noch andere Medicamente, so Kreosot [0,05 auf 4,0], Acid. 
carbolicum [0,5 auf 15,0], Chinin [0,1 auf 6,0], Jod [0,5 auf 10,0], Cadmium 
jodatum [1,0 auf 15,0], Hydrargyrum bichloratum [0,001 auf 10,0], (vergl. 
Collodium corrosivum), Morphium [0,05 auf 6,0], Zincum chloratum [1,0 auf 
15,0]. — II. E. Richter empfiehlt Collodium diaehylosum seu elainico- 
plumbicum, indem Empl. Lithargyri simpl. bis zur Sättigung in Aether 
digerirt und darauf Schiessbaumwolle darin gelöst wird; ferner Collodium 
cinereum, graues Collodium, dargestellt aus 1 Th. grauen Quccksilber- 
oxydul und 30 Th. Collodium, letzteres an Stelle des Merkurialpflasters. 

JSw&ld und Simon, Arziieiverordnunnlehre« 10. Auil. 16 



242 



Collodium cantharidatum. 



478. Bf 
Collod. 10,0 
Tinct. Arnic. 5,0. 

D. S. Auf gequetschte Hautstellen aufzu- 
tragen. Gaspary. 

479. Bf 
Collod. 25,0 

Liq. Plumbi subacetici 1,0. 

D. S. Zum Aufstreichen bei drohendem 

Decubitus. v. Arnim. 



482. Bf 

Hydrarg. bichlorati 0,5 
Collod. 15,0. 
MDS. Aeusserlich mit Pinsel aufzutragen. 
[Gegen Maculae syphiliticae.] 
Collodium mercuriale. 

Leolero. 



483. ty 

Morphini hydrochlorici 1,0 
Collod. 30,0. 
MDS. Aeusserlich mit Pinsel aufzutragen. 
[Gegen Neuralgien.] 

Collodium morphinatum. 

Cominati. 



484. 



^ 



Zinci sulfocarbolici pulv. 1,0 
Collod. 45,0 
Ol. Citri 1,0 
Spiritus 5,0. 
M D S. Aeusserlich. [Gegen Sommer- 
sprossen.] 
Collodium antephelidicum. 



480. Bf 
Collod. 25,0 
Ferr.' sesquichlor. sicc. 5,0. 

D. S. Collodium stypticum. 

481. Bf 
Collod. 30,0 
Terebinth. 1,5 
Ol. Ricini 0,5. 

MDS. [Zum Aufstreichen auf kranke Theile 
(bei Erysipelas, Zoster, Verbrennungen, 
Frostbeulen, Rheumatism. artic. acutus, 
auch selbst bei Peritonitis und Pleuritis) 
äusserlich aufzutragen empfohlen.] 
Collodion elastique ricine. Latour. 

* Collodium cailtharidatlim. Canthariden-Collodium. [Schiess- 
baumwolle in Aeth. cantharidatus und Alkohol gelöst. — 10.0 50 Pf.] Olivengrüne, 
klare, syrupdicke Flüssigkeit. Als blasenziehendes Mittel leicht in der 
Anwendung und sicher in der Wirkung. — Die übrigen Versuche, das 
Collodium als epispastisches Pflaster -Surrogat zu benutzen, sind deshalb 
ohne weitere Nachahmung geblieben, weil sich bei denselben immer der 
Uebelstand ergiebt, dass man das betreffende Pflaster nur mit vieler 
Schwierigkeit wieder entfernen kann, wie z. B. Collodium sinapisatum 
u. s. w. Beim Collodium cantharidatum trifft dies nicht zu, indem das- 
selbe mit der Epidermis abgehoben wird. 

Collodium corrosiviim s. escharoticum s. causticum. [1 Hydrarg. 

bichlorat. auf 8 Collodium.] 

Diese von Macke zuerst angegebene, von Coesfeld und vielen Anderen 
erprobte Mischung ist ein vortreffliches Mittel zur Cauterisation ober- 
flächlicher Telangiektasien. Das Collodium corrosiv. wird in ziemlich 
dicker Schicht aufgetragen und bewirkt einen Brandschorf, der sich nach 
wenigen Tagen abstösst und eine reine Geschwürsfläche hinterlässt. 

*ColIodium elasticum. Collodium flexile. Elastisches Collo- 
dium. [Collodium 50. Ol. Ricini 1. — Collodium flexile Ph. ßrit. hat noch einen 
Zusatz von Balsam. Canad. — 10.0 15 Pf.] 

Aeusserlich: als Deckmittel bei Narben, Excoriationen, Geschwü- 
ren, namentlich nach Verbrennungen [vcrgl. oben Collodium]. 

Collodium odoutalgicum. Zahn-Collodium, bestehend aus 1 Acid. 
carbol. und 20-50 Collod. elast. [Watte damit getränkt zum Plombiren hohler 
Zähne, nach vorhergegangener Reinigung derselben: II. E. Richter.] 

( oll \ rill in adstringens luteum Ph. Austr. Eine Mischung von 1,25 
Salmiak, 2,5 /ine, sulfuricum, 0,75 Campher, 0,2 Safran mit 40,0 Spi- 

lv 478-484. 



Colocynthinum purissimum. 243 



ritus und 200,0 Wasser, für deren Aufnahme in die österreichische Phar- 
makopoe wir den Grund nicht zu ermessen vermögen. 

Colocynthinum purissimuin. Colocynthin. Das Glycosid aus den 
Coloquinthen, in denen es neben einem Resinoid, dem (ibrulliu, vorkommt. 
Bewirkt nach Ifiller innerlich genommen in Dosen zu 5-10 Mgrm. reich- 
lichen Stuhlgang. Ebenso bei Einspritzung kleiner Gaben als Clysma. 
Lässt sich zu subcutanen Injectionen wegen starker Schmerzen und Ent- 
zündungserscheinungen an der Einstichstelle nicht verwerthen. Irgend 
ein Vortheil von der Anwendung dieses Präparates vor den Früchten 
ist bis jetzt noch nicht nachgewiesen. 

*Colocynthis s. Fructus Colocynthidis. 

'(olophoililllll. Brown resin. Geigenharz. [Das von Terpentinöl 
befreite Harz von Pinus- Arten, vorzüglich der Pinus australis und Pinus taeda. — 
100,0 22 Pf., subt. pulv. 10,0 5 Pf.] 

Nur äusserlich: als Streupulver [bei cariösen Geschwüren, Prolap- 
sus ani, mit Gummi vermischt aufzustreuen und dann etwas Weingeist aufzutröpfeln], 
als blutstillendes Mittel [Colophoniura mit Gummi Arab. und Alaun ana 
(Pulvis stypticus nach dem früheren Cod. med. Ilautb.) aufgestreut und dann mit 
Weingeist befeuchtet], als Paste [Werg oder Watte mit Colophonium dick bestreut, 
auf den betreffenden Theil gelegt und dann mit Weingeist begossen : bei Arthrocace 
im 1. Stadium, Tumor albus: Rust], als Constituens von Pflastern. 

Conchae praeparatae. Calcaria animalis. Ostracodermata prae- 
parata. Oyster-shells, shells, prepared chalk. Ecailles d'huitre. Prä- 
parirte Austernschalen. [Kohlensaurer Kalk mit etwas phosphorsaurem Kalk 
und gelatinöser Substanz. — 10,0 5 Pf.] Cave: Säuren. 

Innerlich: zu 0,5-1,5, mehrmals täglich, in Pulvern und Schüttel- 
mixturen. 

Aeusserlich: als Streupulver, als Zahnpulver. 

435. ty 

Conch. praep. 5,0 
Cort. Fruct. Aurant. 
Sacch. alb. ana 10,0. 



M. f. pulv. D. S. Messerspitzenweise zu 
nehmen. 



486. ly. 

Conch. praep. 0,5 

Pulv. Rad. Rhei 0,1 

Elaeosacch. Foenic. 0,5. 
M. f. pulv. d. tal. dos. No. 10. S. 3 mal 
täs-lich 1 Pulver. 



( uni i im m. Conicinum, Cicutinum. Coniine. Conicine, Cicutine. 
Coniin. [Alkaloid aus Conium maculatum; farblose oder gelblich gefärbte Flüssig- 
keit von stechend widrigem Geruch, brennendem Geschmack, schwer in Wasser, leicht 
in Alkohol, Aether und fetten Oelen löslich, mit Säuren krystallinische Verbindungen 
eingehend. — 0,1 10 Pf. 1 Tropfen 5 Pf.] Cave: Säuren, Metallsaize [am 
besten rein mit Wasser oder Alkohol zu geben]. 

Innerlich: zu 0,0001-0,0005-0,001 [ad ; 001 pro dosi! ad 0,003 pro 
die! Ph. germ. I.] mehrmals täglich [viel höhere Dosen von 0,001-0,005! sind von 
verschiedenen Fronniiiller u. a.) empfohlen worden], in Pillen, zweckmässiger 
in Tropfen oder Mixturen [gegen Hyperästhesie, chronische Entzündung der 
Athmungsor^ane, Keuchhusten, zur Zertheilung von Drüsenanschwellungen, nament- 
lich gegen Mastitis, sowie gegen Neuralgien, Asthma, Krämpfe u. a. empfohlen]. 

Aeusserlich: end'ermatisch, zur subcutanen Injcction [na- 
mentlich gegen Asthma und Angina pectoris empfohlen: Plctzcr, Lorcnt, Erlciimeyer. 

16* 

U- 4S5-48G. 



241 



Coniinum hydrobromicum. 



Das Mittel ist von Pletzcr zu 0.002, von Erleinncyer zu 0,002-0.004, von Loreiit so- 
gar bis zu 0.03!! angewandt worden. Am meisten empfehlenswerth sind die Dosen 
von 0,0008-0.001 (A. Eulciiburg] , und nur mit Vorsicht ist 0,001 , der Maximaldosis 
bei innerem Gebrauche entsprechend, zu überschreiten. Man verordnet am besten: 
0.1 ad Aq. destill. 40 und Spirit. vini 10, davon enthält 1 Pravaz'sche Spritze 
voll 0,002 Coniin] , zu Einreibungen [0,1 ad 5,0-15,0 Spiritus, Glycerin oder 
Oel, besonders empfohlen zu Einreibungen in die Lidspalte oder in die Umgebung 
des Auges bei Blepharospasmus], Umschlägen, Klystieren [ebenfalls in ein- 
facher alkoholisch-wässeriger Solution mit doppelt so starker Dosis wie beim inner- 
lichen Gebrauch], Salben [0,01-0,05 ad 10,0]. 

487. 



Coniini 0,003 
Extr. Graminis 1,0 
Rad. Yalerian. pulv. q. s. 
ut f. pilul. No. 15. Consp. Pulv. Rhiz. 
Irid. norent. D. S. 3 mal täglich 1-3 
(bis 5!) Pillen zu nehmen. 



488. 



Coniini 0,025 
Spirit. 5,0 



Aq. Chamom. concentr. 20,0. 
MDS. 3stdl. 4-20 Tropfen (= 0,0002-0,001 
Coniin). 



489. Bf 

Coniini 0,05 
Ol. Amygd. dulc. fi,0. 
D. S. Mehrmals täglich in die Augenlid- 
spaltc einzupinseln. [Bei Blepharo- 
spasmus infantum.] 

Mau.th.ner. 



Coiiiiiiiuil hydrobroiiiicum. Coniinhydrobromat, bromwasserstoff- 
saures Coniin. Nadeiförmige farblose Prismen in 2 Th. Wasser und 2 Th. 
Weingeist, schwer in Aether und Chloroform löslich. Bei Keuchhusten 
für Kinder unter 5 Jahren zu 0,1-0,5 Mgrm., für ältere bis zu 1,5 Mgrm. 
empfohlen. Auch subcutan bei Ischias von Regnaiilt mit Erfolg ange- 
wandt. Die Gaben für Erwachsene sind zu 2-5 Mgrm. 3 bis 5 mal tgl. 
zu normiren. 

(ornllia rubra. Rothe Koralle. [10.0 subt. pulv. etwa 20 Pf. — 

Kohlensaurer Kalk, verunreinigt durch Eisenoxyd.] 
Wie Conchae praeparatae zu verwenden. 

Com ii Cervi raspatum. Hartshorn, Corne de cerf tournee. Ge- 
raspeltes Hirschhorn. [Gallertgebender Knorpel und phosphorsaurer Kalk. 
— 100,0 etwa 30 Pf.] 

Innerlich: zu theeartigen Decocten [5,0-10,0 zu 100,0 Colatur mit 
Zusatz von Gewürzen; auch sogenannte Kraftbrühen werden aus Cornu Cervi be- 
reitet (über den Nährwerth der thierischen Gallerte vergl. Gelatina)]; zu Gallerten 
[concentrirtere Abkochung von 10,0 zu 20,0 Colatur], man bedient sich dieses 
Mittels zu Gallerten jedoch seltener, weil die schöne französische Gela- 
tine eine viel bequemere Form darbietet. 



490. 



iy 



Cornu Cervi rasp. 
Micae panis alb. ana 15,0 
coque c. Aq. comm. 1000,0 
ad < "lat. 7ü.i,0, in qua solve 
Gummi Arab. 8,0 
Sacch. alb. 15,0. 
[). S. Tasftenweise zu verbrauchen« 
Decoctum alb. Sydenhami. 
[.Statt der Mica panis nimmt die frühere 
Ph. Saxon. die doppelte Quantität Hirsch- 
horn.] 

SIT Iy 487-491. 



491. 



Iv 



50,0 



Cornu Cervi rasp. 
Rad. Liquir. 10,0 
Cort. Cinnam. Cass. 2,0. 
M. f. species. D. S. Zum Thee. 

[In vielen Gegenden für die Kinder- 
praxis sehr beliebte Species; bei Diar- 
rhoea infantum.] 



Cornu Cervi ustura album. 245 



492. fy Acid. tartar. 0,5 



Aq. Laurocerasi 15,0. 
Repone in loco frigido, ut f. gelatina. 
D. S. Hirschhorn-Gelee. 



Cornu Cervi rasp. 100,0 

coque cum Aq. comm. q. s. ad. 

Colat. 200,0 cui adhuc calidae 
admisce 
Syr. Cerasor. 50,0 

Cornu Cervi ustillil album. Ossa usta alba. Weiss gebrann- 
tes Hirschhorn, weiss gebrannte Knochen. [Saurer phosphorsaurer 
Kalk mit kohlensaurem Kalk. — 100,0 etwa 30 Pf.] 

Innerlich: [wegen seiner geringen Löslichkeit selten angewandt] zu 1,0 
bis 2,5 in Pulvern oder Schüttelmixturen. 

Aeusserlich: zu Zahnpulvern. 

Cortex adstringens brasiliensis. Cort. Barbatimao. Cort. Ingae. 

[Von Mimosa cochliocarpa s. Pithecolobium Auaremotomo s. Stryphnodendron Bar- 
batimao. — 10,0 etwa 10 Pf., subt. pulv. 15 Pf.]. 

Innerlich: zu 1,0-2,0 3-4 Mal täglich, in Pulver, im Decoct 
[25,0 auf 200.0 Colatur, mit 25,0 Syrup, zweistündlich einen Esslöffel — bei Pro- 
fluvien, Hämorrhagien u. s. w.]. 

Aeusserlich: Injection des Decocts bei Metrorrhagie. 

Cortex AlcorilOCCO. Cortex Cabarro. [Von Bowdigia virgiloides. — 
Bestandtheile : Gerbscäure und bitterer ExtractivstorT. — 10,0 conc. etwa 10 Pf. subt. 
pulv. etwa 15 Pf.] 

Innerlich: als Abkochung von 25,0 auf 100,0-200,0 [bei chroni- 
schen „pituitösen" Katarrhen]. 

[Als Cort. Alcornocco hispanicus kommt die Rinde der Korkeiche, Quercus 
suber, in den Handel.] 

Cortex AllgUSturae. Cusparia. Angustura-Rinde. [Von Galipea 
officinalis oder Bonplandia trifoliata. Bestandtheile: Augustura-Bitter (krystallinisch: 
Cusparin) , ätherisches Oel. — 10,0 conc. etwa 10 Pf. , subt. pulv. 15 Pf. — Cortex 
Angusturae (verae) ist nicht mit der strychninhaltigen Cortex Angusturae spu- 
rius s. ferrugineus zu verwechseln. Die seit längerer Zeit gehegte Annahme, dass 
Cortex Angust. spur, von Strychnos Nux vomic. stamme, wird von Berg bezweifelt.] 

Innerlich: zu 0,3-0,75 mehrmals täglich, in Pulvern, im De- 
coct [10,0 auf 100,0-150,0]. 

Cortex Cacao tostlis. Geröstete Cacaoschalen. [Bestandtheile: 
Theobromin, empyreumatisches Oel.] 

Als Surrogat des Kaffee, wo man dessen erregende Wirkung ver- 
meiden will, zu empfehlen. 

*Cortex Cascarillae. Narcaphte. Cascarilla bark. ßcorcedeCascarille. 
Cascarillrinde. Graue Fieberrinde. [Von Croton Eluteria. Bestandtheile: 
ätherisches Oel, Harz, bitterer ExstractivstofT. — 10,0 cont. 10 Pf., subt. pulv. 15 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,0 mehrmals täglich [tonisches, fieberwidriges Mittel. 
Soll die krankhafte Darmsecretion beschränken und daher vorzugsweise gegen chro- 
nische Magen- und Darmcatarrhe gegeben], in Pulver [selten], im Infusum 
[10,0-15,0 auf 100,0], Decoct [zweckmässiger], Electuarium, Specics. 

Aeusserlich: zu Zahnfleisch-Latwergen, Schnupfpulvern, 
Rauchcrspccies. 

fy 492. -mi 



246 



Cortex Cassiae ligneae. 



493. 



I* 



Cort. Cascarill. 1,0 
Pulv. Doweri 0,2 
Gummi Arab. 

Elaeosacch. Calami ana 0,25. 
M. f. pulv. Dispens, tal. dos. No. 10. D. S. 
3stdl. 1 Pulver. [Bei Diarrhoe.] 

494. Bf 

Cort. Cascar. gross, pulv. 15,0 
Cort. Fruct. Aurant. 30.0 
Cort. Cinnam. Zeylan. 10,0. 

M. f. species. D. S. Mit 3 / 4 Liter Malaga- 



wein 24 Stunden zu digeriren. 4 mal 
täglich ein halbes Weinglas. 



495. Bf 

Cort. Cascarill. 5,0 

infunde 
Aq. fervid. q. s. 

digere per ! / 2 horam 
Colaturae 80,0 

adde 
Syr. Cinnam. 20,0. 
D. S. Stdl. 1 Theelöffel. [Bei Diarrhoea 
infantum.] 



Cortex Cassiae ligneae. Cassia lignea. Xylocassia. Cassienrinde. 
[Von degenerirtem Cinnam. ceylanicum. Wie Cort. Cinnam. Cass., aber schwächer 
wirkend und weniger angenehm.] 

Cortex Cllinae. Chinarinde. Zweigrinden und Stammrinden cul- 
tivirter Cinchomen, vorzugsweise der Cinchoma succirubra. [Enthält: Chinin, 
Chinidin, ChinoTdin, Cinchonin, Chinasäure, Chinagerbstoff, Chinaroth, Harze]. 

Die Ph. Genn. IL unterscheidet nicht mehr zwischen den folgenden 
Präparaten, von denen die drei erstgenannten in der ed. I. officineli 
waren, sondern bestimmt, dass die Cortex Chinae mindestens 3,5 pCt. Al- 
kaloide enthalten muss. Danach würde sie also um etwa 1,5 pCt. stärker 
als die mindest werthige Cort. Chin. Calisayae sein. Zur Ermittelung des 
Gehaltes an Alkaloiden giebt die Pharmacopoe ausführlich ein gewichts- 
analytisches Verfahren an, welches aber eine mehrere Tage dauernde Unter- 
suchung erfordert und deshalb kaum für den Droguen- Einkauf und die 
Apotheken-Revision in Betracht kommen kann. [10 Gr. 35 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-10,0 [Die grösseren Gaben als Antifebrilia, besonders 
bei Wechselfieber (30,0-60,0 refracta dosi während der Apyrexie), fast ganz durch 
Chinin verdrängt, denn selbst kräftige Verdauungsorgane vermögen den Genuss 
grösserer Mengen des Rinden pulvers oder Aufgusses, wie sie zur Heilung von Fiebern 
nöthig, nicht immer zu bewältigen. Wegen der grossen Dosen stellt sich schliesslich 
auch, bei weniger zuverlässiger Wirkung, der Preis nicht viel billiger als bei Chinin, 
sulfur. oder hydrochlor. Dagegen ist die Cort. Chinae in kleineren Dosen im Infus oder 
Decoct ein vortreffliches und seines Gehaltes an Harzen, Gerbstoff u. s. f. den Alka- 
loiden vorzuziehendes Koborans], in Pulver [mit aromatischen Zusätzen, oder 
einige Tropfen Spir. aethcr. nachzunehmen, oder in Rothwein], Pillen und 
Bissen [mit bitterem Extract, z. B. Extr. Trifolii fibrini], in Electuarien, 
Schütteltränken [etwa 15,0 auf 250,0], in Aufgüssen und Abkochun- 
gen [10,0-25,0 auf 200,0. — Der kalte Aufguss soll besser vertragen werden, als 
das Iiil'usum oder Decoct, wahrscheinlich wegen seines geringeren Gehaltes an wirk- 
samen Bestandteilen; das Infusum und Decoct muss heiss colirt und beim Ein- 
nehmen umgeschüttelt werden, weil die unbekannte Verbindung, in welcher die Al- 
kalose sich in heissem Wasser auflösen, in der Kälte praecipitirt. Zweckmässig ist 
es. bei den letzterwähnten Formen etwas Säure (auf 25 Cort. 3,0 Acid. sulf. dilut. 
oder Arid, bydrochloricum) zuzusetzen, und muss dann das Decoct in einem Por- 
zellangefässe bereitet werden. — Setzt man der Abkochung sub finem coct. etwas 
Salmiak (1.0 auf 25,0 Kinde) hinzu, so wird sie etwas klarer. — Viel benutzt wurden 
früher auch Digestionsaufgüsse mit Vinum album.] Seltene, aber nicht un- 

i; 493-495. 



Cortex Chinae. 



247 



zweckmässige Darreichungsformen sind China-Chokolade und China- 
Kaffee [1-2 Theelöffel grobes Chinapulver mit eben so viel Kaffee vermischt und 
wie Kaffee bereitet und getrunken]. 

Aeusserlich: in Pulver zu Streupulvern [mit Kohle, Myrrhe, Cha- 
momilla u. s. w. bei übel secernirenden Geschwüren, Brand u. s. w.], zu Zahn- 
pulvern, Zahnfleisch-Latwergen, Cataplasmen [bei Decubitus, Gan- 
grän. — Chinapulver mit Ol. Terebinthinae zu gleichen Theilen angerührt und in 
Leinwand gepackt, auf die Innenseite des Handgelenkes gelegt, als Heilmittel gegen 
Intermittens angewendet: Eckart]; infundirt oder abgekocht: zu Mund- und 
Gurgelwässern, Klystieren, Injectionen, Verbandwässern; zu 
Salben [unzweckmässig und durch Extr. Chinae zu ersetzen]; zu Pomaden 
[ganz unbrauchbar, da das Pulver auf der Kopfhaut verbleibt und dieselbe schmutzig 
macht]. 



496. ty 

Cort. Chinae pulv. 25,0 

Cort. Fruct. Aurant. pulv. 

Cort. Cinnam. Cass. pulv. 

Rhiz. Calami pulv. ana 5,0. 
M. f. pulv. D.S. 3 mal tägl. l / 2 -l Thee- 
löffel voll in Ungarwein zu nehmen. 
[In der Reconvalescenz nach lang- 
wierigen, mit Kräfteverlust verbundenen 
Krankheiten.] 



497. 



Cort. Chinae 10,0 

coq. c. Aq. ad 150,0 



adde 



et Col. ferv. dein. 
Vin. rubr. gall. 50,0 
Sacchar. uvic. 30,0. 
D. S. 2stdl. 1 Esslöffel. [Bei Schwäche- 
zuständen , in der Reconvalescenz von 
Fiebern.] Ewald. 



498. Iy 

Decoct. Cort. Chin. (e 25,0) 200,0 
Acid. phosphor. 10,0 
Elaeosacch. Menth, pip. 10,0. 

MDS. 2stdl. 1 Esslöffel. 



499. Iy 

Cort. Chin. 30,0 

coque c. Aq. fönt. q. s. 

ad Colat. 120,0 
adde 
Succ. Citri recent. 50,0 
Vini Rhenani 
Syr. Berberil, ana 30,0. 
MDS. 2stdl. 1 Esslöffel. [Bei Febris pu- 
trida.] Vogel. 



500. Iy 

Cort. Chin. cont. 25,0 

coque c. 
Vino alb. per integram horam 
Col. 150,0 
adde 



1,0 



Tinct. Zingiberis 
Syr. Cinnam. 25,0. 
D. S. In der fieberfreien Zeit stdl. 1 Ess- 
löffel. [Bei Intermittens.] 

Oppolzer. 



501. 



1* 



25,0 



D. S. 



Cort. Chin. gross, pulv. 
Rad. Gentianae rubrae 
Cort. Fruct. Aurant. ana 5,0 
Fruct. Cardamom. 1,0 

Digere per 24 horas cum 
Vini Rhenani 300,0 

exprime et filtra. 
3 mal täglich 1 Weinglas. 



502. 



ut f. 



503. 



Cort. Chin. 10,0 

Myrrhae 

Sang. Dracon. ana 2,0. 

Subtiliss. pulv. adde 
Ol. Caryophyll. 
Ol. Cinnam. Cass. ana 0,25 
Meli, rosat. q. s. 
electuarium. D. Zahnlatwerge. 



Iv 



Decoct. Cort. Chinae 200,0 
Tinct. Myrrhae 50,0 
Acid. sulfur. dilut. 2,0 
Mellis rosat. 60,0. 
MDS. Gurgelwasser. [Bei Scorbut.] 

Hunter. 



504. ly 

Cort. Chin. pulv. 25,0 

Camph. trit. 

Myrrhae ana 4,0-8,0 

Carb. pulv. 

Ungt. de Styrace ana 25,0 

Ol. Terebinth. q. s. 
ut f. unguentum. D. S. Vcrbandsalbc. 
[Für brandige Geschwüre.] Kust. 



I V 496-505. -» 



248 



Cortex Chinae. 



505. Bf 

Cort. Chin. 2,0 
Cort. Cinnam. Cass. 0,3. 
M. f. pulv. D. tal. dos. No. 12. S. In 
der fieberfreien Zeit 2stdl. 1 Pulver. 
Pulv. febrifugus Ph.. mil. 
[Dieses Pulver mit Syr. comm. angerührt 
bildet die in vielen Gegenden Deutschlands 
sehr gebräuchliche und sogar im Marktver- 
kehr verkäufliche Fieber-Latwerge.] 



506. Bf 

Cort. Chin. pulv. 15,0 

Tartar. depur. 5,0. 
M. f. pulv. D. S. Theelöffelweise zu nehmen. 
[Bei Colica fiatulenta.] F*. A. Vogel. 



507. Bf 

Cort. Chin. cont. 30,0 
Acid. hydrochlor. 7,5 
Aq. comm. ferv. 120,0. 

Bene mixta macera per noctem, 
tunc adde 
Aq. comm. q. s. 

et coque leniter 
ad Colat. 250,0. 
D. S. In der Apyrexie ganz oder halb zu 
verbrauchen. 
Dect. Chinae reg. c. Acid. mur. Ph. mil. 
[Aehnlich das Dect. Chinae Ph. paup., 
aber ohne Acid. hydrochl.] 



503. 



MDS. 
509. 



Cort. Chin. gross, pulv. 15,0 
Rad. Valer. conc. 4,0 
Ligni Quassiae 2,0 

infunde Aq. fervid. q. s. 

ad Colat. 120,0 
Resid. coque c. Aq. comm. q. s. 

ad Colat. 80,0 
Colaturis mixtis adde 
Tinct. aromat. 8,0 
Syr. simpl. 3<>,0. 
2-3 stdl. 1 Esslöffel. C. J. Meyer. 



Iy 



Cort. Chin. gross, pulv. 50,0 
coque c. Aq. comm. q. s. 

ad Colat. 250,0 
cui adde 
Sacch. alb. 12,0 
Tart. dep. 8,0 
Spir. Aeth. chlor. 4,0. 
MDS. In der fieberfreien Zeit 2 stdl. 1 Ess- 
löffel. Nach P. Frank. 



510. Bf 

Cort. Chin. 100,0 
Rad. Valer. 50,0 
Spirit. dilut. 200,0 
Vini albi acidi 1000,0. 
Macera per Septem dies Filtra. D. S. Täg- 
lich 1 Weinglas voll zu verbrauchen. 

Bouchardat. 



China regia seu 



Cortex Chinae Calisayae. Cortex Chinae regius. 
Calisaya. Cinchonae flavae Cortex Ph. Brit. Yellow-Cinchona s. Peruvian 
Bark. Quinquina royal. Königs-China-Rinde. [Enthält am meisten 
Chinin und wurde deshalb vorzugsweise verordnet. Sie soll mindestens 2 pCt. Alka- 
loide enthalten. — 10,0 conc. s. gross, pulv. 40 Pf., subt. pulv. 50 Pf.] 

*Cortex Chinae fuscus s. officinalis. Cortex Peruvianus. China 
fusca seu grisea. Crown Bark. Jesuit's Bark. Quinquina gris. Braune 
Chinarinde. [Es durften die China Huanoco und China Loxa angewendet werden. 
— Die China fusca enthält im Verhältniss zur regia mehr Cinchonin, während diese 
reicher an Chinin ist. — 10,0 cont. 30 Pf., subt. pulv. 35 Pf.] Cave: für die 
trockene Form: Alkalien, Metallsalze [Eisen mit sanctionirten Ausnahmen]; 
für die flüssige Form: gerbstoff haltige Substanzen [Kothwein], Metallsalze, 
thierischen Leim, Eiweiss. 

Cortex Chinae ruber. Cinchonae succi rubri Cortex. Red peru- 
vian bark. Quinquina rouge. Rothe Chinarinde. [Gehalt an Alka- 
losen weniger beständig (?) als in Cort. Chin. Calis. und Chin. fusc. ; der Chin. Ca- 
lisayae insofern näher stehend, als Chinin über Cinchonin überwiegt. Ein vorwiegen- 
der Bestandteil der iothen Chinarinde ist das adstringirende Chinaroth. 10,0 cont. 
35 Pf., pulv. 50 Pf.] 

Innerlich und Acus serlich: wie Cort. Chinae fusc. 

Ausser den angeführten Chinasorten kommen deren noch eine Menge 
anderer im Handel vor, deren Gehalt an Alkaloiden entweder noch so 

I v 505-510. 



Cortex Cinnamomi Cassiae. 249 



wenig ermittelt oder so gering ist, dass sie für die arzneiliche Verord- 
nung unverwundbar sind; hierher gehören: die unter den Namea China 
flava, pallida, dura, fibrosa gegebenen Rinden, die China Para 
[in der man ein Alkaloid: Paridsin, gefunden haben will], die China Cusco, 
China Santa-Fe, China de Bogota [vergl. Chinidin]. Andere Rinden, 
denen man den Namen China nova giebt, stammen gar nicht von Cin- 
chona- Arten, enthalten kein Alkaloid, sind mithin Tonica und Amara, 
aber keine Antipyretica im eigentlichen Sinne des Wortes; hierher ge- 
hören: die China caraibea, China Piton, China peruviana falsa, China 
brasiliensis, China bicolor und viele andere. 

Als Surrogate der China sind so ziemlich alle Pflanzenstoffe em- 
pfohlen worden, die sich durch hervorstechende Bitterkeit auszeichnen, 
so namentlich Cort. Salicis, Hippocastani, Cort. und Lign. Quassiae, Cort. 
Beeberu, Cort. Esenbeckiae u. s. w. Die Ph. paup. führt noch einzelne 
Verbindungen auf, die sie als künstliche China-Präparate bezeichnet, so 
ein Pulv. Chin. factitius [aus Cort. Hippocast., Salicis, Rad. Gentian., Ca- 
lami, Caryophyllae ana], ein Dec. Chinae factitium [aus denselben Be- 
standteilen]. Die Wirksamkeit aller Surrogate aber kommt nicht im 
entferntesten der der China nahe. 

*C©rtex Cinnamomi. Cortex Cinnamomi Cassiae. Cortex Cinnamomi 
Chinensis. Cinnamomum Indicum. Cabob- China. Cassia Cinnamom. 
Canelle de la Chine. Canelle d'Inde. Chinesischer Zimmt. Zimmt- 
cassie. Zimmt. [Weniger wirksam, als der viel feinere und ölreichere, aber auch 
viel theurere sogenannte echte Zimmt, Cort. Cinnamomi Zeylanici. Bestandteile: 
ätherisches Oel und Gerbsäure. — 10,0 cont. 10 Pf., subt. pulv. 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-1,5 mehrmals täglich in Pulvern, Morsellen, 
Boli, Electuarien, Aufguss und Maceration [mit Wein, Wasser oder 
Milch — 5.0-15,0 auf 150], als Thee [2,0-5,0 auf eine Tasse — oft als Corrigens], 
als Conspergens von Pillen. 

Aeusserlich: als Zusatz zu Zahn-Medicamenten, Schnupf- 
pulvern, Klystieren. 



511. ty 

fort. Cinnam. pulv. 5,0 
Rad. Gent. pulv. 
Rad. Angel, ana 1,0 



Syr. Zingiber. 5,0 
Syr. Aurant. Cort. 25,0. 
M. f. electuar. D. S. Tägl. 2 mal 1 Thee- 
löffel. 



Cortex ( i ii na nioiii i Zeylanici. Cinnamomum acutum seu . Ceylo- 
nense. Cinnamom-Bark. Canelle Orientale. Echter Zimmt. [1,0 cont. 
25 Pf., subt. pulv. 30 Pf.] 

Wie Cort. Cinnamom. Cass. wirkend und gegeben, aber angenehmer 
als dieser. 

CortCX Coto. Coto-Rinde. [Rinde von China (?) Coto. Aus Bolivia 
stammend; von verschiedener Dicke, röthlicher oder zimmtbrauner Farbe scharf-ge- 
würzigem Geschmack. Wittstciii fand in der Rinde ein ätherisches Oel, ein flüchtiges, 
an Propylamin erinnerndes Alkaloid, ein Weichharz u. a. Jobst stellte aus der Rinde 
ein krystallisirbares Alkaloid dar: Coto in.] Wurde von v. Gietl als Antidiar- 
rhoieum empfohlen, und zwar als Pulver zu 0,5 pro dosi, oder als 
Tinctur (1 Cort. Coto zu 9 Spiritus) zu 10 Tropfen zweistündlich. Nach 
Burkart und Kicker wirkt sowohl das Pulver wie die Tinctur stark reizend 

Bf 511. 



250 Cortex Condurango. 



auf den Magen und wird deshalb schwer vertragen; sie empfehlen statt 
dessen das Cotoin [vergl. dieses]. 

*Corte\ CoildlirangO. CondurangO-Rinde. [Von einer Schling- 
pflanze, Gonolobus Condurango oder Marsdenia Cundurango, in Equador und Peru, 
besonders aus der Provinz Loja stammend.] Wurde in neuester Zeit von 
Amerika her (Miss) als Specificum gegen Krebs angepriesen, hat sich 
den meisten europäischen Beobachtern nicht bewährt (Hulke, Piercc, Pal- 
mesi u. a.). Nach Riegel ist das Mittel ein gutes Stomachicum und hat 
deshalb auch zuweilen einen vorübergehenden palliativen Nutzen bei Car- 
cinoma ventriculi wie wahrscheinlich auch bei anderen Magenaffectionen. 
[10,0 conc* etwa 40 Pf.] 

Innerlich: im Decoct [30,0 auf 600,0, hiervon Morgens und Abends der 
vierte Theil zu verbrauchen]. Auch ein Fluid extract of Condurango 
wurde von Miss, Reene k Co. in den Handel gebracht; von diesem sollen 
gegen den Krebs 3-4 Mal täglich 2-3 Theelöffel, bei Syphilis, Scropheln, 
Geschwüren je 1 Theelöffel gereicht werden; als Vinum Condurango 3 Mal 
täglich ein Spitzgläschen voll zu nehmen. — Auch äusserlich ist das 
Mittel im Decoct zu Umschlägen und zu Injectionen [bei Uterus- 
carcinom] mehrfach empfohlen worden [soll das Krebsgeschwür atzen und rei- 
nigen: Rottmaiiu]. 

*Cortex Fraiiglllae. Cortex Rhamni frangulae. Cort. Alni nigrae. 
Alder buckthorn-bark. Ecorce de Bourgere. Faulbaum-Rinde. [Ent- 
hält harzigen Bitterstoff und Rhamnoxanthin. — In der neuesten Zeit ist von Rubly 
aus der Faulbaumrinde ein in Wasser leicht, in Alkohol schwer lösliches, stickstoff- 
und schwefelhaltiges Glucosid dargestellt worden, welches dem von ihm aus den Fol. 
Senn, gewonnenen und als Cathartinsäure bezeichneten ähnlich sein soll. Vom 
Glucosid der Faulbaumrinde soll ungefähr eine Dosis von 0,3 eben so stark purgirend 
wirken, wie 0,1 der Senna-Catarthinsäure. — Ausser diesem Glucosid fand K. in Cort. 
Frangul. noch einen anderen Stoff, der weder Stickstoff noch Schwefel enthält, auch 
keine purgirenden Eigenschaften besitzt, und den er Avornin nennt. — 100,0 conc. 
35 Pf., subt. pulv. 10.0 10 Pf.] 

Innerlich: in Abkochung [25,0 auf 150,0-200,0 mit Natr. sulfuricum 
und aromatischen Zusätzen; nach den Empfehlungen von Gumprecht j Rinswanger^ 
ßrockniaiin u. A. in neuerer Zeit gegen Hämorrhoidalleiden vielfach in Anwendung 
gekommen. Für den längeren Fortgebrauch empfiehlt sich als eine zweckmässige 
Form das concentrirto Decoct, welchem man um ihm eine grössere Haltbarkeit zu 
verleihen, eine geringe Quantität Cognac zusetzen lässt. Von dieser Essentia Rhamni 
frangul., welche vierfach so stark ist als das obige Decoct, lässt man täglich 2 Thee- 
löffel mit einem Weinglase Wasser vermischt trinken]. 

Acusserlich: als Clysma [Decoct von 25,0 auf 150,0]. 



512. Bf 

Corl. Frangul. 50,0 

coque c. 
A'l. comm. ad Col. 400,0 

BUD iinem coct. adde 
Fol. früllefolii 

(scii Cort. Fruct. Aurant. 

seü Fruct. Carvi) 8,0. 



ty 512-513. 



Macera per hör. duas, cola. D. S. 2 mal 
täglich 1 Tasse voll. Gumprecht. 



513. ty 

Decoct. Cort. Frangul. (c 50,0) 300,0 

in quo solve 
Natr. sulfuric. 25,0. 
D. S. Morgens und Abends 1 Weinglas voll. 

Gumprecht. 



Cortex Fructus Aurantii. 



251 



514. fy Spirit. dilut. 20,0. 

Cort. Frangul. D. S. Abends 1 - 2 Theelöffel voll zu 

coque cum nehmen. [Angenehm wirkendes Ab- 

Aq. comm. q. s. führmittel.] 

ad Colat. 150,0 Tinctura Rhamni Frangulae. 

inspiss. ad 25,0 P. Beioh. 

et adde 

*Cortex Fructus Aurantii. Cort. Aurantiorum, Cort. Poniorum 
Aurantii, Malicorura Aurantii, Pericarpium Aurantii, Orange Peel, Ecorce 
cTOrange. Pommeranzen- oder Orangen-Schalen. [Von Citrus vul- 
garis; — zum Gebrauch wird die Rinde vom inneren, schwammigen Theile befreit: 
Cort. Aurant. expulpatus seu Flavedo Cort. Aurant. — Bestandtheile: ätherisches Oel 
und bitterer Extractivstoff. — 10,0 expulp. conc. 25 Pf., expulp. pulv. 30 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,0 mehrmals täglich, in Pulver, Species, Elec- 
tuarien, Infusum, weinigen Auszügen [25,0-50,0 mit 300,0 Wein macerirt. 



515. ty 

Cort. Fruct. Aurant. 1,0 

Cort. Cinnam. Cass. 

Rhiz. Galangae ana 0,25. 
M. f. pulv. D. tal. dos. No. 10. S. Täg- 
lich 2 Pulver in Wasser zu nehmen. 



516. 



Bf 



ut f. 
517. 



Syr. Zingiberis q. s. 
electuar. D. S. 3 stdl. 



1 Esslöffel. 



I* 



50,0 



Cort. Fruct. Aurant. 

Rad. Valer. 

Fol. Melissae citr. ana 25,0. 
C. C. M. F. species. D. S. Zum Thee. 

[Einen kleinen Esslöffel voll mit zwei 
Tassen kochenden Wassers aufgegossen] 



Cort. Fruct. Aurant. 10,0 

Cortex Fructus Aurantii Curassaviensis. Curagao-Schalen. 

[Bitterer als die gewöhnlichen Pommeranzenschalen, mit dünnerer Pulpa versehen, so 
dass sie unausgeschält gebraucht werden könnten. Doch war ihre Substituirung 
durch die Ph. Germ. ed. I. verboten. — 10,0 conc. etwa 10 Pf., pulv. 15 Pf.] 
Innerlich: wie die vorige. 

*Cortcx Fructus Citri, Lemon peel, Ecorce de Citron. Citronen- 
Schalen. [Von Citrus Limonum. Enthält ätherisches Oel und Bitterstoff. — 10,0 
conc. 10 Pf.] 

Selten zum medicinischen Gebrauche [alz Zusatz zu dem Decoctum Sarsa- 
parillae comp.] 

*Cortcx Fructus Granati. Cortex Granatum. Malicorium. Granate- 
tree bark, Pome granate bark. Ecorce de Granate. Granatäpfel- 
Schalen. [Von Punica Granatum. — Bestandtheile: Gerbsäure und bitterer Ex- 
tractivstoff. — 10,0 conc. etwa 5 Pf., pulv. 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals tcäglich, in Pulvern, im Decoct 
[25,0 auf 200,0]. — Selten im Gebrauch. 

*Cortex Fructus Juglandis. Cortex Nucum Juglandis. Cortex 
Juglandis viridis. Putamen Nuo. Juglandis. Broux de Noix. Grüne 
\Y allnuss-Schalen. [Aeussere Schalen der Früchte ven Juglans regia. Die 
frühere Ph. Austr. führte ausser der Cort. Nuc. Jugland. virid. extern, nocli als Pu- 
tamen Nuc. Jugl. , Cort. Nuc. Jugl. intern., die innere holzige Schale an. Enthält 
Gerbsäure und bitteren ExtractivstofT. — 100,0 conc. 35 Pf.] Cave: Metall- und 
basische Salze. 

Innerlich: in Abkochung [100-25,0 auf 150,0. — Bestandteil des 
Polliiu'schen Decoct], als Species. — In neuerer Zeit von Nögricr, Nasse u. a. 
als Antiscrophulosum empfohlen. 

fy 514-517. 



252 



Cortex Granati. 



Aeusserlich: in Abkochung zu Umschlägen, Verbandwäs- 
sern, Augenwässern, Injectionen [bei scrophulösen Affectionen.] — Die 
tingirende Kraft der Cort. Nuc. Jugland. giebt zur Anwendung derselben 
zum Schwarz färben der Haare Anlass: man benutzt dazu einen alko- 
holischen Auszug mit ätherischen Oelen. 

Cortex Ceoffreae Siirinameitsis. Wonn-bark. Geoffroven- 
Rinde. [10,0 etwa 10 Pf., subt. pulv. 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pulvern oder Ab- 
kochung [25,0 auf 150,0, für Kinder 10,0 auf 100,0-150,0 (purgirt ziemlich stark, 
deshalb nicht in allzu grossen Dosen)]. 

Aeusserlich: zu Klystieren [Decoct von 25,0 auf 120,0 mit 30,0 Mel]. 

Cortex Graiiati* Granatrinde. Stammrinde der Punica granatum. 
In der Ph. germ. ed. IL an Stelle der Cortex rad. Granati gesetzt, wobei 
offenbar [es fehlt an einer klaren Bestimmung] ein Gemisch der Rinde von 
Stamm und Wurzel zu verstehen ist. [Von Punica Granatum. — Enthält Gerb- 
säure, einen harzigen, krystallirsirbaren Stoff (Punicin) und einen zuckerähnlichen 
Bestandteil (Mannit?). — 10,0 conc. 15 Pf., subt. pulv. 20 Pf.] 

Innerlich: 30,0-50,0-100,0 in Abkochung als Bandwurmmittel 
[die Granatwurzel-Rinde bewährt sich, wie die meisten anderen Bandwurmmittel nur 
dann, wenn der Wurm selbst krank ist, und Stücke desselben abgehen. Man kann 
dies durch eine Vorbereitungskur bewirken (am besten durch Asa foetida und Fei 
Tauri, Extr. Absinth, und ähnliche Mittel). Abends vor Beginn der Kur: Härings- 
salat, am Morgen nüchtern eine Tasse schwarzen, stark versüssten Kaffee, eine halbe 
Stunde später die erste Hälfte des Decocts, und nach Verlauf einer weiteren halben 
Stunde die zweite Hälfte. Ist dann 2-3 Stunden nachher kein Stuhlgang erfolgt, so 
lässt man noch einen Esslöffel Ol. Ricini nehmen. — Küchenmeister empfiehlt 180,0 
Cort. Rad. Granat. 24 Stunden lang in 1 Liter Wasser maceriren, dann zur Honig- 
consistenz einkochen zu lassen; zu der Colatur von 180,0 soll noch Extr. Cort. Rad. 
Granati 2,0 hinzugesetzt werden, halbstündlich, wohl umgerührt, l / a Tasse voll zu 
trinken, üloslcr giesst das gesammte, auf 450-500 eingekochte Decoct von 300 Gr. 
Cort. Rad. Granat, auf einmal per Schlundsonde ein nach vorhergehendem 24 stund. 
Fasten und gründlicher Darmentleerung. Ebenso ltcttclhcim. Der Erfolg wird, wie 
aus eigener Erfahrung bestätigt werden kann (Ewald), sehr gerühmt. Die Taenia 
geht fast ausnahmslos 2-3 Stunden später ab. Es kommt, wie Kussmaul bemerkt, 
offenbar darauf an, dass der Wurm plötzlich mit einer grossen Quantität des Anthel- 
minticum wie überschüttet wird. Uebrigens sind mir (Ewald) auch Leute vorgekom- 
men, die diese Quantität auf einmal tranken. Der Effect ist natürlich derselbe. — 
Besonders zu empfehlen sind die folgenden Vorschriften.] 



5 IS. 



Iv 



Cort. Rad. Granat. 30,0 

infunde 
Aq. frigid. 300,0 

rnacera per duodecim horas, 
tum coque usque 
ad Colaturam 250,0 

adde 
Syr. Zingiberia 30,0. 
D. S. In 2 Portionen mit Zwischenraum 
von einer halben Stunde zu verbrauchen. 
[Der Syr. Zingiberia hindert am besten 
das nur zu oft dureh die ewt« Portion der 
Abkochung hervorgerufene Erbrechen.] 

fy 518-.520. 



519. 



MDS. 



520. 



Decoct. Cort. Rad. Granati (e 50,0) 

250,0 
Extr. Filicis 
Gummi Arab. ana 2,0 
Syr. Menth, pip. 25,0. 
In 2 Portionen zu nehmen. 
Bandwurmmittel. 



Decoct. Cort. Granati (e 300,0 
ad 450) rec. par. 

Mosler. 



Si Zum Eingiessen 



Cortex Hippocastaui. 253 



Cortex Hippocastaui. Ecorce de Marronier d'Inde. Rosskastanien- 
Rinde. [Von Aesculus Hippocastanum. — Enthält Aesculin , Schillerstoi'f, 
einen weissen, indifferenten Stoff von scharfem, süsslichem Geschmacke, welcher in 
neuerer Zeit von Durand zu 0,6-1,0 pro dosi als Fiebermittel gegeben wurde. — 10,0 
conc. oder gross, pulv. etwa 5 Pf., subt, pulv. 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 in Pulver oder Decoct [25,0 auf 200,0]; 
früher als Fiebermittel in Gebrauch, jetzt vollkommen obsolet. 

Cortex Liglli Sassafras. [Von Laurus Sassafras. — Bestandteile: äthe- 
risches Oel, Gerbstoff. — 10,0 conc. etwa 10 Pf., subt. pulv. 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 in Pulver oder im Aufguss [10,0-15,0 auf 
150.0]; ist gehaltvoller an cätherischem Oel als das Lignum Sassafrass 
selbst [vergl. dieses] und diesem in der Anwendung vorzuziehen. Wo man 
Sarsaparilla und ähnliche Stoffe mit Sassafrass in flüssiger Form com- 
binirt, ist letzteres sub finem coctionis zuzusetzen. 

Cortex Mezerei. Spurge- Olive -Bark, Ecorce de Garou. Seidel- 
b astrinde. [Von Daphne Mezereum. — Bestandteile: scharfes, blasenziehendes 
Harz und ein krystallisirbarer Bitterstoff: Daphnin. — 100,0 60 Pf., conc. 10,0 10 Pf., 
subt. pulv. 15 Pf.] 

Innerlich: im Decoct [1.0-2,0 auf 100,0 mit Rad. Liquir. oder anderen 
schleimigen Substanzen]. 

Aeusserlich: in Substanz als Exutorium [die in Essig erweichte 
Rinde wird mit der äusseren von der Epidermis befreiten Fläche auf die Hautstelle 
gelegt und mit Pflasterstreifen oder einer Binde befestigt, zwei Mal täglich neu ver- 
bunden, bis sich die Oberhaut ablöst (am zweiten bis dritten Tage], dann zum Offen- 
halten des Geschwürs alle zwei Tage erneuert], als Streupulver [zum Offen- 
halten von Fontanellen; man bereitet zu diesem Zwecke kleine Kügelchen aus Pulv. 
Gort. Mezerei mit Gummi], als Kaumittel [bei paralytischer Dysphagie]; in Spi- 
rituosen Auszügen oder in concentrirten Abkochungen [als Epispastica], 
als Gurgelwasser, Injection [Decoct von 3,0-5.0 auf 100.0] , in Salben 
[1 Pulver mit 4 Fett und 1 Liquor Ammon. caust. : Ungt. vesicans vegetabile; 
vergl. auch Ungt. Mezerei]. 

CortCX Prillli Padi. Ahlkirschen-Rinde. [Zuweilen auch Faul- 
baum-Rinde, eine Name, der jedoch richtiger der Cortex Frangulao zukommt. — 
Enthält ätherisches Oel, Gerbsäure und Extractivstoff. — 10,0 conc. etwa 5 Pf., subt. 
pulv. 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0.5-1,0 mehrmals täglich, in Pulver [gegen Wechsel- 
fieber], Aufguss, Infuso-Decoct [25,0 mit 50.0 Spiritus und 150,0 -Wasser 
digerirt und colirt, der Rückstand zur Colatur von 100,0 gekocht, beide Colaturen 
vermischt; stündlich 1 Esslöffel]. 

Cortex Quassiae« Quassia bark. Ecorce du bois amer de Surinam. 
Quassia-Rinde. [Von Quassia amara. — Enthält Quassiabitter (Quassin, Quassit) 
und zwar mehr als das Lignum Qusssiae (vergl. dieses); über die vorausgesetzten 
narcotischen Bestandteile der Quassia wissen wir nur so viel, dass dieselbe auf klei- 
nere Thiere giftig wirkt. — 10.0 conc. etwa 5 Pf., subt. pulv. etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pulver [sehr schlecht zu 
nehmen, wegen der intensiven und unangenehmen Bitterkeit], im Aufguss [warm 
oder kalt bereitet, namentlich sind kalte oder weinige Aufgüsse beliebt — 3,0-5,0 
auf 150,0 mit Tinct. Cinnam., Spir. äther. oder ähnlichen Geschmacks-Corrigentien], 
Decoct [unzweckmässig], Spccies. 



254 Cortex Quebracho. 



521. ty 

Cort. Quassiae conc. 15,0 
Rad. Valer. min. 25,0 
Cort. Fruct. Citri 10,0. 
M. f. species, div. in 8 part. aeq. D. S. Jede Dosis Abends mit 2 Tassen kalten 
Wassers zu übergiessen und diese am folgenden Tage zu verbrauchen. 

Cortex QliebracltO. Quebracho-Rinde. [Von Aspidosperma Que- 
bracho, ein zu den Apocyneen gehöriger Baum. Enthält eine Anzahl von Alkaloiden 
(bis jetzt sind 5 dargestellt), deren vornehmstes das von Fraude dargestellte Aspido- 
spermin ist. In der argentinischen Republik seit langer Zeit als Fiebermittel in Ge- 
brauch, wurde die Rinde von Penzoldt peprüft und als ein vorzügliches Linderungs- 
mittel bei 'Dyspnoe aus verschiedenen Ursachen, namentlich bei Asthma bronchiale, 
gerühmt. Auch ist demselben eine antidiarrhorische Wirkung eigen. Ebenso günstig 
urtheilt Iterkart über das Mittel, während Andere (Laquer, Schulz, Oiitniaiin) weniger 
gute Resultate verzeichnen. Zum Theil ist die Differenz der Autoren wohl dadurch 
bedingt, das's noch eine zweite der Cortex Quebracho sehr ähnliche, aber schwächer 
wirkende Drogue existirt, die Rinde und das Holz von Loxopterygium Lorentzii, welche 
anfänglich als Holz der Cortex Quebracho angesehen wurde. Dieselbe enthält aber 
kein Aspidospermin. Jetzt wird letztere als Quebracho claro, erstere als Quebracho 
Colorado unterschieden. Von beiden wird ein alkoholisches Extract dargestellt. Das 
im Handel unter der Bezeichnung Extractum Quebracho vorkommende Präparat soll 
verunreinigt und nur ganz schwach wirkend sein. Ueber das Aspidospermin liegt 
bis jetzt nur eine Notiz von Penzoldt vor, wonach dasselbe ähnlich, aber schwächer 
wie die Cortex Quebracho wirkt. (S. Tinctura Quebracho.)] 

Innerlich: siehe Tinctura Quebracho. 

*Cortex Quereus. Oak-bark, Ecorce de chene. Eichen-Rinde. 

[Die jüngere Rinde von Quercus robur. Gerbsäure- und bitterstoffhaltig. — 100,0 
conc. oder gross, pulv. 25 Pf., subt. pulv. 10,0 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5, selten in Pulver, öfter im Decoct [10,0 bis 
25,0 auf 150,0]. 

Aeusserlich: zu Streupulvern [mit Alaun, Chamille, Myrrhe], als 
Decoct [10,0-20,0 auf 100,0]. zu adstringirenden Mund- und Gurgel- 
wässern, Injectionen [besonders zu Injectionen in die Vagina bei Fluor albus], 
Verbandwässern, Waschungen, zu Bädern [1 Pfund Rinde mit mehreren 
Liter Wasser abgekocht und dem Bade zugesetzt], Salben [vergl. Plumbum tanni- 
cum pultiforme]. 

*Cortcx Radicis Granati, Granatwurzel-Rinde. Siehe unter 
Cortex Granati. 

Cortex Salicis. Willom-bark, Sallow-bark. Ecorce de Säule. Weiden- 
Rinde. [Von Salix pentandra, fragilis und purpurea. — Enthält Salicin und Gerb- 
säure. — 10,0 conc. oder gross, pulv. etwa 10 Pf., subt. pulv. 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pulver [unzweckmässig], 
in AufguSS, Abkochung [25,0 auf 150,0-200,0]. 

Aeusserlich: zu Zahnpulvern, Streupulvern, das Decoct 
[10 0-20.0 auf 100,0] zu Mund- und Gurgelwässern, Einspritzungen, 
verbandwässern u. s. w., zu Waschungen der Kopfhaut [als haar- 
wuchsbeförderndes Mittel (?)]. 

Et 521. 



Cortex Sambuci interior. 255 



523. fy 

Cort. Salic. 25,0 

Camph. trit. 

Myrrh. 

Flor. Chamom. ana 5,0. 
M. f. pulv. D. S. Streupulver. [Bei bran- 
digen oder septischen Geschwüren.] 



522. Iy 

Cort. Salic. 50,0 
Spir. frumenti 100,0 
Aq. comm. 200,0 

Digere per 10 horas. 
Residuum coq. c. 
Aq. comm. q. s. ad Col. 200,0. 
Colaturas misce. D. S. Tassenweise in der 
fieberfreien Zeit. Bremer. 

Cortex Sambuci interior. [Von Samb. nigra] 

Innerlich: in Abkochung als Diureticum zuweilen angewendet. 

Cortex Simarubae. Damson-Mountain, Staye-wood. Ruhr-Rinde. 
[Von Simaruba officinalis. — Enthält einen schwach narkotischen Bitterstoff und 
Schleim. — 10,0 conc. etwa 20 Pf., subt. pulv. 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pulver, besser im 
Infusum oder Decoct [10,0 auf 100,0-150,0]. 

Aeusserlich: [selten] zu Klystieren. 

Cortex llmi interior. Slippery-elm-Bark, Elmbark, Ecorce d'Orme. 
Innere Ulmen- oder Rüster-Rinde. [Von Ulmus campestris. — Enthält 
Gerbstoff und Schleim. — 10,0 conc. etwa 5 Pf., subt. pulv. 10 Pf] 

Innerlich: im Decoct [10,0-25 : auf 150,0,200,0]. 

Aeusserlich: wie Cort. Quercus. 

Cortex Yiburni prunifolii. Wird in einigen Gegenden Amerika's 
als Antiabortivum, auch als Tonicum, Antispasmodicum und Nervi- 
num, zumal bei Leiden, die mit dem Uterus und der Graviditas zu- 
sammenhängen, gerühmt. Im Aufguss oder Decoct. 

Cortex Winteranus spur ins. Canella alba. Weisser Zimmt, 
weisser Kaneel. [Aetherisches Oel und bitterer Extractivstoff, letzterer über- 
wiegend. — 10,0 cont. etwa 15 Pf., subt. pulv. 20 Pf.] 

Innerlich: [selten] zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, im Pulver, im 
Aufguss [5,0-15,0 auf 200,0]. 

Cot oi 1IU1II. Cotoin. [Indifferentes Alkaloid aus Cortex Coto, von Johst 
dargestellt. Gelbliche Krystalle; leicht löslich in Aether, Alkohol, Chloroform, Alka- 
lien, schwer löslich in kaltem, leichter in heissem Wasser]. Von Hiirkardt und 
Ricker als Antldiarrhoicum dringend empfohlen, und zwar zu 0,005-0,008 
pro dosi, in Mixtur [Cotoini 0.05-0,08. Aq. destill. 120,0, Syr. simpl. 30,0, 
Spirit. dil. 10.0. D. S. Stündlich 1 Esslöffel]. Das Mittel übte eine günstige 
Wirkung sowohl bei einfachen Magendarmcatarrhen , wie bei den Diar- 
rhöen der Phthisiker und bei Cholera nostras und war mit keinerlei 
Übeln Nebensymptomen verbunden, wie dies von Cortex Coto beobachtet 
wurde. Auch Kronmüllcr lobt die Wirkung desselben bei den Diarrhöen 
und Schweissen der Phthisiker. 

Creta alba praeparata. Calcium carbonic. nativum Ph. Austr. Prc- 

pared chalk, Whiting. Craie pn'pan'c. Weisse Kreide. [Besteht aus 
unreinem kohlensauren Kalk. — 100,0 10 Pf] 

Innerlich: zu 0,5-2,5 und mehr, als nächst zur Hand liegendes 
Mittel bei Vergiftungen mit Mineralsäuren, in Pulvern, Mixturen. 

Aeusserlich: zu Zahnpulvern. 



25G 



Crocus. 



524. 



I* 



Cret. alb. praep. 4,0 
Sacch. 3,0 

Mucilag. Gummi Arab. 12,0 
Aq. Cinnam. 150,0. 
MDS. 1-2 stdl. 1 Esslöffel. [Bei Sodbrennen, 
Diarrhoe u. s. w.] 

Mixtura Cretae Ph. Lond. 



525. Bf 

Creta alb. praep. 100,0 
Gummi Mim. 25,0 
Nuc. mosch. pulv. 3,0 
Sacch. 150,0. 
F. 1. a. c. Aq. dest. q. s. Trochisci pon- 
dere 0,3. D. 

Trochisci Cretae Ph. Bdinb. 



*CrOCUS. Safran. [Stigmata von Crocus sativus. Enthält ätherisches Oel 
und Farbstoff. — 1,0 30 Pf., conc. 35 Pf., subt. pulv. 40 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 in Pulvern, Pillen, Electuarien, im 
Infusum" [4,0 auf 100,0]. 

Aeusserlich: im Infusum zu Augenbähungen, als Beisatz 
zu zertheilenden oder maturirenden Kataplasmen, zu Pflastern [Em- 
plastrum oxycroceum, Emplastrum de Galbano crocatum], Salben. 

*Cllbel>ae. Fructus seu Baccae seu Piper Cubebae. Piper caudatum, 
Java pepper, Tailed pepper. Cubebs. Cu beben, Schwanzpfeifer, Schwin- 
delkörner. [Von Piper Cubeba. Enthält: indifferente Harze nebst einer Harzsäure, 
der Cubebensäure, ferner C übe bin und ein ätherisches Oel (Cubebenöl oder 
C üb eben). Früher hielt man das Cubebin für den wirksamen Stoff, und es wurde 
auch von einigen Seiten als Heilmittel bei Tripper empfohlen, ist aber therapeutisch 
durchaus indifferent. Ebenso ist das Cubebenöl ganz unwirksam. Dagegen enthält 
die Cubebensäure in der That den wirksamen Stoff und hat sich auch inner- 
lich zu 0,5-2,0 pro die in Pillenform gereicht, bei Tripper heilsam erwiesen (Ber- 
natzik, Schmidt). Nach Schmidts neuesten Untersuchungen soll indess nicht nur 
die Cubebensäure, sondern auch das indifferente Harz wirksame antiblenorrhagische 
Eigenschaften besitzen. — licrnatzik schlägt vor. die Cubeben zu entölen und ein 
resinöses Extract aus den entölten Cubeben zum therapeutischen Gebrauche herzu- 
stellen. — 10,0 15 Pf., gross, pulv. 20 Pf., subt. pulv. 25 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,0-15,0 mehrmals täglich, am besten im Pul- 
ver [namentlich wo man grosse Dosen anwenden will; man lässt die Kranken einen 
halben bis einen Theelöffel voll in Oblaten gewickelt nehmen und etwas Rothwein 
nachtrinken — beliebig kann man auch die Cubeben mit aromatischen Zusätzen etwas 
geniessbarer machen; dagegen sind Zusätze von Zucker, Pulv. Rad. Liquir. u. dergl. 
den meisten unerträglich], in Pillen oder Bissen, Trochiscen, steifen 
Latwergen [ebenfalls in Oblaten zu nehmen]. Ausser der fast ausschliess- 
lich vorkommenden Anwendung der Cubeben gegen Gonorrhoe werden 
dieselben auch hin und wieder von Hämorrhoidariern, hysterischen Frauen 
als Diäteticum, Carminativum in Gebrauch gezogen; meistens finden hier 
die ganzen Körner, die wie Pillen verschluckt werden, Anwendung. 

Aeusserlich: zu Injectionen [im Infusum von 10,0-150 auf 100,0], 
im Klysma [5,0-15,0 fein gepulvert, mit Eigelb zur Emulsion]. 



526. l v 

Pulv. (ubeb. 50,0 
('ort. Cinnam. Cass. 5,0 
Tub. .Jalap. 2,5. 
M. f. pulv. I). in scat. S. 4 mal täglich 
1 Bssloffel. 



527. Bf 

Pulv. Cubeb. 20,0 

Hals. Copai'v. 10,0 

Magnesiae ustae q. s. 
ut f. boli No. 30. D. S. 4-G Stück tägl. 
zu nehmen. Velpeau. 



fy 524-527. 



Cuc inneres. 



257 



528. Ifc 

Camphorae 0,3 
Pulv. Cubebar. 

Extr. Cubebar. spirit. aua 5,0. 
M. f. pil. No. 50. Consp. Lycop. D. S. 
3 mal täglich 3 Stück zu nehmen, all- 
mälig zu steigen. [Bei Tripper mit häu- 
figem Harndrang und mit Pollutionen.] 

v. Sigmund. 



529 



MDS. 



zu ver- 
Zeissl. 



530. fy 

Cubeb. pulv. 50,0 
Bals. Copai'v. 20,0. 

M. f. elect. spiss. D. S. 3 mal 
1 Theelöffel voll in Oblaten. 



täglich 



531 



lv 



D. 



Cubeb. contusar. 15,0 
Aq. comm. ferv. 250,0 
Repone ad refrigerat. 
In Colat solve 
Extr. Belladonn. 0,6. 
Zu Injectionen. [Bei Leucorrhoe.] 
Engl. Hospitalformel. 



n 

Cubeb. pulv. 15,0 
Succi Juniper. inspiss. 
Syr. simpl. ana 30,0. 
Innerhalb 24 Stunden 
brauchen. 

Cucumeres. Gurken. 

Der Suceus recens expr. der unreifen Garken, 1 Tasse bis V 2 Liter 
täglich, gilt noch hier und da als ein Heilmittel gegen chronische Ca- 
tarrhe und beginnende Phthise. [Man bestreut die in Scheiben geschnittenen 
Gurken mit Salz oder Zucker, lässt sie damit die Nacht hindurch stehen und presst 
sie am anderen Morgen aus.] 

Aeusserlich wird der Gurkensaft als Waschmittel gegen Sommer- 
sprossen verwendet oder Haarpomaden zugesetzt. 

Climarilllllll , Cumarin. [0,1 20 Pf. Wirksamer Bestandteil des Wald- 
meisters, der Tonkabohnen, des Honigklees u. a. Blendend weisse Krystalle, in 500 
Theilen kalten Wassers löslich.] Nach H. Köhlers neueren Untersuchungen an 
kalt- und warmblütigen Thieren ist Cumarin ein energisches Herzgift: 
es reizt zuerst den Vagus und lähmt ihn sodann ebenso wie das Herz 
selbst und den Gefässapparat; zugleich wirkt es hypnotisirend und an- 
ästhesirend ähnlich den Opiumalkaloiden. Am Menschen noch nicht 
geprüft. 

Cupruin aceticum. Aerugo crystallisata, Flores viridis Aeris, 
Flores Aeruginis, Acetas cupricus cum Aqua. Acetate of copper. Acetate 
de Cuivre. Neutrales essigsaures Kupferoxyd, krystallisirter Grün- 
span. [10,0 15 Pf. — In Wasser leicht löslich] Cave: wie bei Aerugo. 

Innerlich: zu 0,006-0,06 mehrmals täglich, in Pulvern, Pillen 
[vorher in Wasser aufgelöst], Solutionen. 

Aeusserlich: zu Injectionen [0 4-1,0 auf 100,0], Augenwaschun- 
gen und Bähungen [0,2-0,5 auf 1000], Mund- und Gurgelwässern 
[0,1 auf 100,0], zu Salben [0,5-1,0 auf 25,0 Fett], als Augensalbe [0,1-0,2 
auf 10,0]. 

Cupruiu ;il Ultimatum. Lapis divinus s. ophthalmicus St. Yvesii. 
Pierre aivine. Kupferalaun, Götterstein, Augenstein. [Cuprum sulf. 
Kali nitricum, Alumen ana IG Th. zusammengeschmolzen, dann Camph. trit. und 
Alumen pnlverat. ana 1 Th. gemischt dazugesetzt. — 10,0 10 Pf., gross, pulv. 
15 Pf.] Löslich in Wasser [jedoch muss die Solution stets filtrirt werden]. 

Nur äusserlich zu A etzst i Ron, als Augenpulver [1 Th. mit 2 
bis 5 Th. Zucker], in Auflösung zu Augentropfwässern [0.2-0 4 auf 
100,0], zu A ugen-Wascliwä.vsern und IWihungen [0.2-O.G auf 10().o|, 



A u g e n - \V a s c h w ä s s e r n 

Bwald und Simon, Arznei Mionlnu unsichre. LO. Ai 



1 



!;• 528*531 



258 Cuprum bichloratum. 



Gurgelwässern [1.0-2.0 auf 100.0], Injectionen [in die Nasenhöhle: 0,5 
bis 1,0 auf 100,0; in die Harnröhre: 0,5-1,0 auf 100,0; in die Vagina, bei Entzün- 
dung derselben durch Pilze (Haussniann), etwa 1,0-2,0 auf 100,0]. 

532. Iy 

Cuprum aluminat. 0,05-0,1 

solve in 
Aq. Sambuci 12,0 
Tinct. Opii 0,25 
Liq. Plumbi subacet. 0,15. 
MDS. Augentropfwasser. [Bei Ulcera corneae.] Kust. 

Cuprum bichloratum. Cupr. chloratum, Cupr. muriaticum. Kupfer- 
chlorid.* . Salzsaures Kupferoxyd, Chlorkupfer. [10,0 20 Pf.] Zerfliesslich 
an der Luft, löslich in Alkohol. 

Innerlich: zu 0,005-0,015 mehrmals täglich [gegen Scrophulosis, Ra- 
chitis, Syphilis und andere dyskrasische Zustände empfohlen], in Solution [Tinct. 
Helvetii und Aether Cupri, erstere eine alkoholische Lösung, letztere eine So- 
lution in Aether. Ganz obsolet]. 

Aeusserlich: als Desinfectionsmittel [z. B. bei Cholera] von Clemens 
empfohlen [und zwar zur Entwickelung von Dämpfen in folgender Weise: In einer 
Spirituslampe wird eine spirituöse Chlorkupferlösung (10,0 auf 1000,0 käuflichen Spi- 
ritus und 20 Chloroform) verbrannt, was auch bei geschlossenen Fenstern und in 
Krankenzimmern geschehen kann, indem die Respirationsorgane durch die Dämpfe 
nicht angegriffen werden sollen.] 

Cuprum carbonicum. Cupr. hydrico-carbonicum, Cupr. subcarbo- 
nicum. Kohlensaures Kupferoxyd. [10 20 Pf.] Unlöslich in Wasser, 
Alkohol und Aether. 

Innerlich: zu 0,2-0,5 4-6mal täglich, in Pulvern oder Pillen 
[gegen Neuralgien von manchen Seiten angewandt. In neuester Zeit wird das Cu- 
prum carbonicum von Bamherger, auf Grund eingehender Versuche, als Antidot 
gegen Phosphorvergiftung empfohlen. Nachdem ein Emeticum aus Cuprum sul- 
furic. vorausgegangen, wird Cuprum carbonicum 0,25-0.5, in etwas Wasser suspen- 
dirt, anfangs halbstündlich gereicht, wobei jedesmal l / 2 Esslöffel mit etwas Wasser 
nachgetrunken wird; in den Intervallen kaltes Getränk, Eisstiickchen oder Fruchteis; 
nach einigen Stunden wieder Emeticum aus Cuprum sulfuricum. Die Phosphorparti- 
kelchen sollen sich derart mit einer schwarzen Schicht von Phosphorkupfer überziehen, 
welche das weitere Verdampfen und Lösen des Phosphors hindert.] 

Aeusserlich: in Salben [1 auf 8 Fett] und in Pflastern [2,0-3,0 
auf 10,0]. 

Cuprum jodatum. Kupferjodür. [1,0 etwa 30 Pf.] Unlösliches 
weisses Pulver, bisher noch wenig therapeutisch angewendet und wegen 
seiner Unlöslichkeit auch schwerlich besonders wirksam. 

Aeusserlich: in Salben [1 auf 5-10] oder Pflastern. 

Cuurillll iiitriciim. Salpetersaures Kupferoxyd. [1,0 etwa 5 Pf,] 
Löslich in Wasser und Alkohol. 

Innerlich: zu 0,005-0,0075 mehrmals täglich [gegen Syphilis] in 
Pillen oder schleimiger Solution. 

Aeusserlich: in Solution /um Verbände oder zum Betupfen 
fungöser syphilitischer Geschwüre [0,4-0,1 auf 100,0], zur Injection bei 
Tripper [0,2-0,4 auf 100 ; 0]. 

Iy 532. 



Cuprum oxydatum. 250 



* Cupruiil oxydatum. Cupram oxydatura nigrum. Kupferoxyd. 
[1.0 5 Pf.] Schwarzes nieht krystallinisclies schweres Pulver. Unlöslich. 

Innerlich: zu 0,01-0,06 4 Mal täglich [bei „Kinderkrankheiten" und 
als Wurmmittel von Ratlemachcr und Hager gepriesen], in Pulvern [mit etwas 
aromatischem Zusatz] oder Pillen. 

Aeusserlich: in Salben [1 auf 8-10 Fett, als Zertheilungsmittel bei 
Drüsengeschwülsten]. 



533. ty 

Cupri oxydati 10,0 
Unguent. linient. 50,0 
Glycerini 5,0. 
M. terendo exactissime. D. S. In reich- 
licher Menge einzureiben und mit Harz- 
papier zu bedecken. [Bei Hautsclerom 
der Erwachsenen — daneben innerlich 
Leberthran.] Mosler. 



534. fy 

Cupri oxyd. nigri 6,0 
Calcar. carbon. 2,0 
Boli alb. laevigat. 12,0 
Glycerini 10,0. 
M. f. pil. No. 120. S. In der 1. Woche 
tägl. 4 mal 2 Pillen, die folgende Woche 
t'agl. 4 mal 3 Pillen zu nehmen. Nach 
dem Verbrauch 1 Esslöffel Ricinusöl. 
[Bandwurmmittel.] Hager. 

Cupruiil sulfo - carbolicillll. S c h w e i'e 1 - c a r b o 1 s a u r e s K u p f e r - 
oxyd. In neuester Zeit zu gleichen Indicationen empfohlen wie Zincum 
sulfo-carbolicum [s. dieses; 1,0 5 Pf.] 

* Cupruiil Slllfliricillll. Cuprum sulfuricum purum. Cupri Sulfas. 
Sulfas cupricus c. Aqua. Blue vitriol, Blue stone, Morthoot. Sulfate de 
cuivre. Kupfersulfat. Schwefelsaures Kupferoxyd. Reiner Kupfervitriol. 
Klare durchsichtige blaue Krystalle, löslich in 3-5 Th. kalten und 1 Th. 
siedenden Wasser. [10.0 5 Pf., gross, pulv. 10 Pf.] Löslich in Wasser. Cave: 
vergl. Aerugo. 

Innerlich: zu 0,01-0,05-0,1 [ad 1.0! pro dosi]; als Brechmittel in 
grösseren Dosen [0,05-0,1-0,5 ad 1,0 (ad gramma unum!) refracta dosi; bei Kin- 
dern 0,03-0,15 mehrmals wiederholt], in Pulvern, in Pillen, in Auflösung. 
?Iartin und Oherlin haben es statt des Quecksilbers in Gaben von 4, 8 und 
12 Mgrm. angeblich mit vorzüglichem Heilerfolg gegeben. 

Aeusserlich: als Aetzstift, Baculus Cupri sulfurici [bei chroni- 
schen Blennorrhöcn der Augenlider A. v. Gräfe, bei Vaginal- und Uterusaffectionen], 
als Aetzpaste [bei Granulation der Conjunctiva, Condylomen, Caro luxurians], 
zu Kehlkopfpulvern [1 auf 20-30 Zucker: Troiissciiu und llclloc]; in Solu- 
tion: zum Bepinseln der Haut und Schleimhaut [1:3 Aqua bei Sy- 
pliilisformen mit Eiterbildung und diphtheritischen Auflagerungen ; 1 : 50-100 Aqua 
bei Eichel- und VorhautaiTectionen als gelindes Aetz mittel : v. Sigmund], als Pinsel- 
salt [0,1-0,2 auf 10,0 Glycerin oder Honig, gegen Geschwüre im Munde], als 
Mund- oder Gurgelwasser [0,3-1.0 auf 100], zu Injcctionen [in die 
Harnröhre 0.2-1.0 auf 100,0; bei callösen Fistel gesell wären 4,0-12,0 auf 100,0; zu 
Injcctionen in die Vagina 0,5-2,0 auf 100.0, bei Entzündungen derselben in Folge 
von Mycosis: llniissmaini : — lnjectionen zwischen Vorhaut und Eichel bei venerischen 
und syphilitischen AiTectionen derselben: 0,25-0,5 ad 100,0 Aqua, dieselbe Flüssig- 
keit zum Waschen der Eichel und des Präputium: v. Sigmund] , Augen- 
i ropfwässern [0.1-0.2 auf 100.0], Augen wasch wässern [0.2-0,5 auf 100.0], 
\ erbandwässem [1,0-3,0 auf 100,0 bei Schankergesdhwtiren mit schlaffer Ve- 
getation]. Waschfässern [o.2-().;") auf 100,0, bei Gutta rosacea], Salben 
[1,0-3,0 auf 25,0 Fett], Augensalben [0,1-0,6 auf 10,0]. 

I7 '« 

fy 533-534. 



260 



Cupruin sulfuricum purum. 



535. 



^ 



Cupr. sulf. 0,1 

Sacch. albi 

Amyli ana 0,5 
M. f. pulv. d. tal. dos. No. 4. S. Alle 
10 Minuten 1 Pulver bis zu erfolgter 
Wirkung. [Bei Croup, frischen Ver- 
giftungsfällen.] 



53G. Iy 

Cupr. sulf. 0,5 

solve in 
Aq. dest. q. s. 
Opii 0,3 

Succ. Liquir. dep. 
Pulv. Rad. Liquir. ana 3,0. 
M. f. pil. No. 50. Consp. Lycop. 
2 mal täglich 2 Stück. 



D. S. 



537. 



Cupr. sulf. 0,5 

solve in 
Aq. dest. 50,0 
Syr. simpl. 25,0. 
MDS. Anfangs alle 10 Minuten, später, 
wenn hinreichend Erbrechen erfolgt ist, 
halbstündl. bis stündl. 1 Kinderlöffel. 
[Bei Croup.] 



538. 



Iy 



Cupr. sulf. 25,0 
Kino 

Aluminis ana 5,0 
Colophonii 20,0. 
M. f. pulv. D. S. Aeusserlich. 
lendes Pulver. 



[Blutstil- 



M. f. 



IV 

Cupr. sulf. 

Aluminis usti ana 5,0 

Summit. Sabinae pulv. 10,0. 

pulv. [Streupulver mit feuchtem 
Pinsel auf die vorher massig befeuchteten 
Condylome aufzutragen, worauf diese 
sofort mit dünner Baumwollschicht be- 
deckt werden, täglich 1-2 Mal.] 

v. Sigmund. 



540. Bf 

Cupr. sulf. 0,5 

solve in 
Inf. Fol. Salviae 100,0 
Mellis 50,0. 
D. S. Mundwasser. [Bei Mercurialge- 
schwüren, Salivation.] 



541. fy 

Cupr. sulf. 1,0. 
D. tal. dos. No. 12. S. Ein Pulver in 
2 Tassen Wasser aufgelöst, zur Ein- 
spritzung. [Bei Scheiden -Katarrh.] 

Martin. 



542. 



MDS 



iv 

Cupr. sulf. 

Zinci sulfurici ana 10,0 

Aq. dest. 120,0. 

Zu Einspritzungen. [Bei Fisteln, 
inveterirter Caries, Congestionsabscessen, 
an Stelle der Villate'schen Lösung; ist 
wirksam, ohne Gefahr zu bringen.] 

Heine. 



543. 


Iy 




Cupr. sulf. 0,2 




Camph. trit. 




Opii puri ana 0,15 




Adipis suill. 5,0. 


M. f. 


ungt. D. S. Augensalbe 


544. 


iy 



M. f. 



Cupr. sulf. 

Aluminis ana 2,5 

Ungt. Glycerini 25,0. 
ungt. D. S. Zum Verbände. [Bei 
hartnäckigen Schankern mit schlaffer, 
leicht blutender Basis und aufgeworfenen 
callösen Rändern.] 



545. Iy 

Cupr. sulf. 2,5 

Adipis suilli 25,0. 
M. f. unguentum. D. S. Aeusserlich. 
[Gegen Eczema.] 



Cupruiii sulfuricum aiiimoiiiatuiii. Ammoniacum cuprico- sulfuri- 
cum, Cupro-Ammonia sulfurica, Cuprum sulfurico-ammoniatum, Cuprum am- 
moniacale, Sulfas cupricus ammoniacalis. Ammoniated Copper. Kupfer- 
Ammonium, Kupfer -»Salmiak, schwefelsaures Kupferoxyd -Ammoniak. 
[10,0 15 Pf.] 

Cave: dies sehr leicht zersetzlichc Präparat erträgt nur den Zusatz 
von destillirtem Wasser und einfachem Syrup. 

[nnerlich: 0,01-0,05-0,1 [ad 0,1 pro dosi, 0.4 pro die!], in Pulvern, 
Pillen oder Solutionen. Ist in neuerer Zeit wiederholt gegen Neu- 
ralgien des Trigeminus angewendet worden. 

Aeusserlich: zu Gurgel wässern , Injeetioncn [0 1-0,4 auf 50,0 
W asser]. 

Iy 535-545. 



Curare. 



261 



,o 



547. Bf 

Cupr. sulf. ammoniat. 
Aq. dest. 25,0. 
D. S. Täglich 2 mal 5 Tropfen. 
[Gegen Epilepsie und Chorea.] 

Neumann. 



546. Bf 

Cupr. sulf. ammoniati 0,001-0,0015 
Aq. 100,0 

Syr. Cort. Aurant. 3 ,0. 
In 24 Stunden, während der Mahlzeit ge- 
nommen, zu verbrauchen und 10-14 Tage 
fortzusetzen. [Gegen Tic douloureux.] 

Fereol. 

*CiH)ruill siil hl rio hui criidimi. Cuprum sulfuricum venale, Vitrio- 
lum de Cupro, roher Kupfervitriol [100,0 gross, pulv. 40 Pf.], ist dem 
Cupr. sulfuric. purum niemals, höchstens in der Veterinär-Praxis zu Sub- 
stituten, da die Dosen des Cupr. sulfur. purum doch immer so gering 
sind, dass die Preis-Differenz nicht in Betracht kommen kann. 

Curare. Urari. Woorara. Curare. Pfeilgift, Ticunas-Gift. [Schwarze 
knetbare Masse, wahrscheinlich von Paullinia curara herstammend. Enthält Curarin, 
eine alkalisch reagirende, nicht krystallinische Substanz. — 0,01 5 Pf.] 

Innerlich [von Vella, Ghcrini, De nunc, Burow, Voisin und Lionvillc gegen 
Tetanus und Strychninvergiftung, von Kunze gegen Epilepsie empfohlen]; zu 0,001 
bis 0,002, vorsichtig steigend, in wässeriger oder alkoholischer Lösung. 

Aeusserlich: zur subcutanen Injection [hauptsächlich gegen Te- 
tanus und Strychninvergiftung. Demnie wandte es zuerst in grösserem Massstabe bei 
diesen Krankheiten an, indem er 10 Tropfen einer Lösung von 0,06 in 100 Tropfen 
Wasser, also 0,006 pro dosi injicirte. Busch injicirte von einer guten Sorte Curare 
0,0012-0,002 pro dosi und sah davon eine merkliche Wirkung. Gegen Epilepsie 
wurden subcutane Injectionen von Curare zuerst von Benedict versucht, und zwar 
0,0075 pro dosi, sodann von Voisin und Lionvillc, die mit 0,002 begannen und bis 
zu 0,10-0,15 (!) steigen konnten, resp. in schweren Fällen steigen mussten ehe eine 
Wirkung ersichtlich war (sowohl Epilepsie, als Tetanus). Dräsche injicirt bei Epi- 
lepsie 6-8 Tropfen einer Lösung Curare 0,06 auf Aq. dest. Gutt. 90. Eillcfscn inji- 
cirte mit grossem Erfolg alle 4 Tage den 3. Theil einer Pravaz'schen Spritze der unten 
angegebenen Lösung. Von Offenlmrg sind grosse Dosen von Curare (innerhalb 
4 Stunden 0,19 Curare in 5proc. Lösung mittelst 7 subeut. Injectionen) mit eclatan- 
tem Resultat in einem Fall von Lyssa humana injicirt, indessen hat sich die relativ 
und absolut noch höhere Dosis von 0,26 Curare in IOV4 Stunden in einem Fall von 
l'enzolilt von keinem wirklich heilendem Einfluss Einfluss auf die Krankheit erwiesen 
sondern sich nur symptomatisch zur Milderung der Schlund- und Respirationskrämpfe 
bewährt. (S. Berl. klin. Wochenschr. 1882, No. 3.) Die grosse Verschiedenheit der 
Dosen, welche verschiedene Autoren anwandten, erklärt sich aus der verschiedenen 
Güte des Präparats, und wird man deshalb überall mit der kleinsten Dosis vorsichtig 
beginnen müssen . am besten sich überhaupt erst durch einen vorgängigen Thierver- 
such von der Wirkungsweise des Präparates überzeugen]. Auch end ermatisch 
ist Curare versucht worden [Vclla: 0,1 auf 40.0 Aqua, steigend bis 1.0 auf 80,0 
Aqua, auf Wunden zu bringen, welche einen traumatischen Tetanus verursachen, 
oder sonst auf entblösste Haut. — Voisin und Lionvillc versuchten bis 0,38! pro dosi. 
Letztere Autoren geben das Mittel auch im Clysma, bis zu 0,4! pro dosi]. 

54S. Bf 

Curare 0,5 
Aq. 5,0 

Acid. hydroclilorati gtt. I. 
Digere p. hör. 24, deinde ultra. S. Alle 5 Tage den 3. Thl. einer Pravaz'schen Sprit/'' 
zu injiciren. [Bei Epilepsie.] Edlefseu. 

Bf 546-548. 



262 Curare. 

549. Bf 
Curare 0,1 
Aq. dest. 10,0. 

MDS. Zur subcutanen Injection. 
[Man beginne damit, ungefähr 0,15 dieser Lösung, d. h. etwa l /e einer gewöhnlichen 
Luer 'sehen Spritze = 0,0015 Curare, zu injiciren und steige dann mit der 
Dosis, je nach der Wirkung, vorsichtig auf das doppelte und vierfache, bei 
schlechter Qualität des Präparates selbst bis zu einer vollen Spritze.] 

Curariiiuiii siilfuriciun und Curarimiiii hydrochloriciim. Schwe- 
felsaures und salzsaures Curarin. Diese Stoffe, von Prcycr in Kry- 
stallform als Salze des wirksamen Bestandteils aus dem Curare dar- 
gestellt, sollen nach Sachs gänzlich wirkungslos sein, weil das Curarin 
mit den Filterrückständen fortgeworfen würde. Merck in Darmstadt 
zeigt in seinem Preiscourant allerdings ein Präparat Curarin an. 
[1 Mgr. 10 Pf.] 

Dactyli. Datteln. [Von Phoenix daetylifera. — Zucker und Schleim.] 
Vollständig obsoletes Mittel. 

Dattirilllllll« Daturin. [Weisses, kristallinisches Alkaloid aus der Da- 
tura Stramonium, löslich in Alkohol, unlöslich in Wasser. — 0,1 etwa 30 Pf.] 

Aeusserlich: von A. v. Gräfe zur Erweiterung der Pupille in solchen 
Fällen angewendet, wo das Atropinum vom Auge nicht vertragen wird. 

550. B> 
Daturini 0,05 

Acid. sulfur. dil. q. s. 
Aq. dest. 6,0. 
D. Ein Tropfen mit einem Pinsel in das Auge getragen. 

A. v. Gräfe. 

*Decocta siehe den allgemeinen Theil Seite 48 ff. 

Dccoctlllll Pollilii. Die frühere Ph. Austr. gab für dieses Decoct 
folgende Vorschrift: Rad. Sarsapar., Rad. Chinae ana 15,0, Putam. Nuc. 
Jugland. 75,0 Lap. Pumic. und Stib. sulfurat. crud. ana 7,5 [diese beiden 
Substanzen in einen Beutel gebunden] mit 1050,0 Wasser auf 350,0 einge- 
kocht. Nach der Vorschrift der früheren Ph. Bav. wurden Rad. Sarsapar. 
und Rad. Chinae ana 15,0, Cort. Nuc. Jugland. 300,0 Pumex und Stib. 
sulfur. nigr. ana 15,0 mit 2100,0 Wasser auf 1050,0 gekocht, [Eine 
andere, in vielen Officinen geltende Vorschrift für das Decoctum Pollini, welche an 
Zweckmässigkeit die oben angeführten übertrifft, ist folgende: R? Rad. Sarsapar. 30,0, 
Lign. Guajaci 25,0, Cort. Nuc. Jugland. 8,0, Stib. sulfurat. nigr. laevig. 2,5, coq. ad 
Col. 700.O. ultra et adde Aq. Cinnam. simpl., Syr. Aurant. Cort. ana 30,0. D. S. In 
einem Tage zu verbrauchen.] 

*ltacoctimi Sarsaparillae compositum fortius. (Loeo Decocti 
Zittmanni fortioris.) Starke Sarsaparill-Abkochuhg. Starkes Zitt- 
mann'sches DecOCt. Rad. Sarsapar. 100 mit 2600 Wasser 24 Stunden dige- 
iirt. dann rhu Zusatz von Zucker und Alaun ana 5 Th. 3 Stunden im verschlossenen 
Gefässe im Dampfbade unter Umrühren gekocht; sub finem coctionis werden Fenchel 
und Anis ana 5 TL, Fol. Sennae 25 Th. und Rad. Liqair. 12 Th. zugesetzt; die 
Flüssigkeit (2500) wird aiisgepresst, colirt, decantirt und vom Bodensatz abgegossen. 
1 Pfd. 1,45 Ff.. 16 Pfd. 13,15 Pf. — Verordnet der Arzt DcCOCtlllll Zittlliaillll, 
so wird wahrend des Kochens ein Leinwandbeiitel in die Flüssigkeit gehängt, welcher 

i: ; 549-550. 



Decoctum Sarsaparillae compositum mitius 2H3 

den Zusatz von Zucker und Alaun, ausserdem aber noch 4 Calomel und 1 Hydrarg. 
sulfurnt. rubr. enthält. — 1 Pfund L45 Pf., 10 Pfund 9.40 Pf.] 

*Dccoctuui Sarsaparillae compositum mitius. (Logo Decocti Zitt- 
manni mitioris.) Schwache Sarsaparill - Abkochung. Schwaches 
Zittmann'sches Decoct. [50 Th. Sarsaparille werden mit 2400 Th. Wasser 
24 Stunden digerirt und darauf 3 Stunden gekocht; sub flnem conctionis werden Cort. 
Fruct. Citr., Cort. Cinnam. Cass., Fruct. Cardamom. minor, contus. und Rad. Liquir. 
ana 5 Th. zugefügt, ausgepresst, colirt, decantirt. 1 Pfund 100 Pf.. 10 Pfund 7,60 Pf. 
Das Decoctum Zittmanni mitius hat denselben Preis.] 

Die Anwendungsweise beider vereint gebrauchter Decocte ist in der Regel fol- 
gende: Man lässt des Morgens 300,0-400 starkes Decoct warm (im Bett) und des 
Abends die gleiche Quantität starkes Decoct kalt, im Laufe des Tages die doppelte 
Menge schwaches trinken, oder man lässt des Morgens starkes Decoct (300,0-500,0) 
warm, Abends eine gleiche Quantität schwaches Decoct kalt trinken. Dabei reizlose 
Diät in geringer Masse, Bouillon, wenig weisses Fleisch, Weissbrod; wo Abführmittel 
nothwendig werden (in seltenen Fällen) ein Calomelpulver. Dauer der Kur drei bis 
vier Wochen (zuweilen länger). Die Ph. Germ, ed. I. verordnete, dass, wenn der Arzt 
nicht ausdrücklich angiebt, wieviel von dem Decocte angewendet werden soll, die Ein- 
zeldose durch Theilung der 2500,0 in 8 Theile, also pro dosi 312,5 gereicht werden 
sollen. — Statt dieses complicirten Verfahrens kann man sehr wohl andere starke 
und schwache Sarsaparill -Decocte mit Senna oder die Essentia Sarsaparillae in 
Wasser oder im Infusum Sennae gelöst, kurmässig mit viel geringeren Kosten an- 
wenden. 

Decoctum Sarsaparillae conceutratum. Concentrirte Sarsa- 

parill-Abkochung. [Zerschnittene Sarsaparill-Wurzel 20 Th. werden zuerst mit 
80 Th. Aq. comm. im Dampfbade gekocht, die Flüssigkeit abgegossen und der Rück- 
stand nochmals mit 60 Th. Aq. comm. in derselben Weise gekocht; beide Abkochun- 
gen werden gemischt, filtrirt, im Dampfbade auf 9 Th. eingedampft und nach dem 
Erkalten mit 1 Spirit. dilut. versetzt. Dieses Decoct enthält demnach das Solubile 
der doppelten Quantität Radix Sarsaparillae. — 30,0 kosteten 185 Pf. Dieses Decoct 
war in der Ph. Bor. officinell, aber sehr wenig gebraucht und schon wegen seines 
sehr theuren Preises gefürchtet. Vorzuziehen ist die schon seit längerer Zeit ge- 
brauchte Essentia Sarsaparillae (s. diese).] 

Innerlich: zu 1-2 Esslöffel pro die, rein oder in St. Germain-Thce. 

*Decoctum Kittmaiiui s. Decoctum Sarsaparillae composit. fortius 
und mitius. 

Delphi II ill II III. Delphinin. [Alkaloid aus dem Samen des Delphinium 
Staphysagria. Gelblich-weisses Pulver, von harziger Beschaffenheit und scharfem, 
brennendem Geschmack; in Wasser schwer, in Alkohol und Aether leicht löslich, mit 
Säuren leicht Salze bildend. — 0,1 etwa 35 Pf. — Von Salzen des Delphinin ist 
namentlich das Delphin, tartaric. therapeutisch empfohlen (Timibiill).] 

Innerlich: zu 0,01-0,03 [dem Veratrin ähnlich wirkend], in Pillen. 

Aeusserlich: in Salben [0,5-2,0 auf 25,0 Fett] oder in alkoholischer 
Solution [1 auf 5-20 Alkohol. — Zum Einreiben bei Neuralgien]. 

Dcxtrilllllll. Dextrina. Dextrin. [Dargestellt durch die Einwirkung 
von 4 Th. Oxalsäure auf 150 Th. Kartoffelstärke. — Gummiartige, klebende Masse 
von schwach süsslichem Geschmack, in Wasser und schwachem Alkohol leicht löslich. 
— 10,0 15 PC] 



204 Diaethylaeetal. 



Innerlich: als Nutritivum oder Muzilaginosum benutzt. Hauptsäch- 
lich zum Verreiben der trocknen narcotischen Extracte verwendet. 

Aeusserlich: statt des Kleisters zum Contentivverbande bei Frac- 
turen; 50.0-100,0 auf 500,0 Wasser geben die für den Verband not- 
wendige Klebemasse. 

Diaethylaeetal. Acetal. Aethylidendiäthyläther. [Ein durch den 
Zusammentritt von Alkohol und Aldehyd entstehender Körper. Leicht löslich in Al- 
kohol, in 18 Th. Wasser. Von schwach bitterem Geschmack. Spec. Gew. 0.83. — 
Von v. Mcring als schmerzstillendes resp. schlafmachendes Mittel empfohlen. Weiteres 
bleibt abzuwarten. Aehnlich soll sich das Dimethylacetal verhalten (2 Vol. auf 
1 Vol. Chloroform als Anästheticutn bei Chirurg. Operationen vorgeschlagen), ist aber 
noch nicht beim Menschen geprüft. 

Innerlich: zu 10-12 Gr. pro dosi. In Emulsion, als Clysma. 

551. 1^ 

Acetali 12,0 

Gummi Arab. 15,0 

Aq. Flor. Aurant. 25,0 
M. f. emulsio. S. Auf einmal zu nehmen. 

v. Mering. 

Diapliaeilix. Electuarium Diaphaenix Ph. Call. [Ein Gemisch von Ge- 
würzen, wie Ingwer, Pfeffer, Muskatblüthen u. s. w., mit Scammonium, welches mit 
Dattelmus und gequetschten Mandeln zum Electuarium geformt wird.] 

Als Abführmittel: zu 3,0-15,0 in abführenden Mixturen. [Bei 
Bleikolik.] 

Digitalillltllh Digitalinum depur. Ph. Auslr. Digitalin. [Chemisch 
indifferenter, aber in hohem Grade giftiger Stoff aus der Digitalis purpurea; weiss- 
gelbliches Pulver von langsam sich entwickelndem, bitterem Geschmacke, schwer 
löslich in Wasser und Aether, leichler in Alkohol. — 0,1 15 Pf. — Das deutsche 
Digitalin besteht nach Schmieilebcrg's neueren Untersuchungen aus 7-8 verschie- 
denen Substanzen, darunter vier pharmakologisch wirksamen, nämlich 1) aus dem 
leicht löslichen Digitonin. welches am reichlichsten in dem Präparat vorhanden ist, 

2) Digitalin im engeren Sinne, welches in Wasser schwer löslich ist und das von 
llomolle „Digitaline", jetzt auch Digitalinum crystallisatum genannte Präparat bildet, 

3) Digital ein, welches sich vom vorigen hauptsächlich durch seine Leichtlöslichkeit in 
Wasser unterscheidet und nur als amorphes Präparat erhältlich ist, auch Digitalinum 
germanicum genannt, endlich 4) dem unlöslichen Digitoxin, welches deram meisten 
toxische resp. therapeutisch wirksamste Bestandteil ist, und dem hauptsächlich das 
krystallisirbare Nativcllesche Digitalin entspricht.] 

Innerlich: 0,001-0,003 [diese Dosis gilt nur für das Digitalinum Ger- 
manicum so wie für das Präparat von llomolle und (tucvcmic; das Nativellc'sche 
Digitalin erfordert dagegen viel Kleinere Dosen, im ganzen bis zu 0001 pro die, 
00025-0,0005 pro dosi] '2-3 Mal täglich, in Pulvern, Pillen, alkoholi- 
scher Lösung [nicht anzurathon. weil bei der leichten Verdunstung des Alkohols 
der Gehalt desselben an Digitalin sich verändert: aus demselben Grunde ist Strohes 
Vorsehlag, das Digitalis in Aceton zu geben, verwerflich], in Syrup, Sirop de 
Digitaline [für diesen Syrup werden verschiedene Vorschriften mit von 0,12-0,5 
auf 1500,0 abweichendem Digitalingehalt gegeben; diese Anwendungsform ist aber 
eine unzuverlässige, weil die Dosirung des Mittels zu ungenau ausfällt], in Pa- 
stillen zu 0.001. in kleineren Zuckerpillen, Granula Digitalin] 

U- 551. 



Ditainum. 265 



[llomollcs Granulös de Digitaline, von denen jede 1 Mgr. enthält, und von denen 4 
bis 5 pro die genommen werden]. Die grosse Verschiedenheit der Digitalin- 
präparate lässt es wünschenswerth erscheinen, dass sich der Arzt jedes- 
mal mit dem Apotheker über die Natur des zu Gebote stehenden Prä- 
parates ins Einvernehmen setzt oder genau bestimmt, welches er anzu- 
wenden wünscht. 

Aeusserlich: in Salbenform [1 in Spirit. vini q. s. gelöst, mit 100 
bis 150 Salbengrundlage]. 



552. R. 

Dig'Ltalini Germanici 0,02 

Spiritus gutt. nonnull. 

Rad. Althaeae puly. 2,0 

Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
ut f. pil. No. 20. Obduc. Argent. foliat. 
D. S. 3 mal tätlich 1 Pille zu nehmen. 



553. R> 

Digitalini cryst. Nativellc 0,01 
Succ. et Pulv. Liquir. q. s. 
ut f. pilul. No. 40. Consp. Lycopod. 
D. S. 3 mal täglich 1 Pille. 
[Bei Herzaffectionen.] 

Leyden. — Rabow. 



DitaillUUl. D itain. [Aus der Rinde eines auf den Philippinen einheimi- 
schen Baumes, Echises scholaris, dargestellter (G. Gruppe), amorpher, bitterer Stoff. 
Die Rinde, von den Eingeborenen Dita genannt, wird seit lange von diesen als 
Fiebermittel benutzt] Das Ditain soll ähnlich dem Chinin wirken, dasselbe 
sogar in mancher Beziehung, z. B. an Wohlfeilheit, übertreffen. Dosis 
wie Chinin (Migule, Zinn). 

Duboisiiniiit. Duboisin. Das Alkaloid aus der Duboisia myopo- 
roides, einer Solanee. Ist nach Ladenburg isomer mit dem A tropin, hat 
aber eine stärkere Wirkung und geringere Reizung der Conjunctiva vor 
diesem voraus. Leicht löslich in Aether, Alkohol, Chloroform, Benzoc 
und Schwefelkohlenstoff, schwer löslich (1 : 120) in Wasser. Wenige 
Tropfen bewirken in 10 Minuten bedeutende Mydriasis und Lähmung 
des Ciliarmuskels. 

Innerlich: zu 0,001-0,0015 gegen Schweisse der Phthisiker, aber 
nach Fracntzel's Angaben nicht so wirksam als Atropin. 

Aeusserlich: Als Augentropf wasser in Lösungen von 1:120 (soll 
so wirken wie eine Lösung von 1 Atropin in 20 Wasser, doch wird so- 
wohl die stärkere Wirksamkeit als die Reizlosigkeit von Schoclcr bestritten) 
subcutane Injectionen zu 0,0005-0,001 : Gublcr. 

Duboisin ist Antidot des Pilocarpins und Antagonist des Muscarms. 
Als Gegengift des Duboisins wird starker schwarzer Kaffee angegeben. 

Duboisinimi sulfuriciiiii und Uiiboisiiuim broiiiatiuii unterschei- 
den sich, soweit bis jetzt feststeht, weder in Wirkung noch Gabe vom 
Duboisin. 



554. Bf 

Duboisini sulfur. 0,05 
\q. dest. 2 1,0. 
I). S. Zu subcutanen Injectionen. [0,1 
pro Spritze entspricht 0,00025 Duboisin, 
also 0,4 = 0,001 Duboisin.] 



555. fy 

Duboisin. sulf. 0,05 
Aq. dest. 15,0. 
1). S. Augentropfwasser. [Wie das Gräfe- 
sche anwendbar und von gleicher 

Stärke.] 



*EIacosacchara. Oelzucker. Ein inniges Gemenge von ätheri- 
schem Oel mit Zucker, im Verhall niss von Gutt. 1 auf 2,0, wird mi< 
dem Namen Oelzucker bezeichnet und benutzt, wenn man ätherisches Oel 
einer wässerigen Flüssigkeit zusetzen will, mit der es sieh sonst nicht 
Nennenden würde, oder als Geschmackscorrigcns oder Adjuvans für Pul- 

ty 552-555. *"» 



2G6 Elaterinum. 



ver, oder endlicli als Vehikel für die Darreichung des ätherischen Oelcs 
selbst, — Ein stärkeres Yerhältniss des Oelzuckers, als das oben be- 
zeichnete officinelle, wird bei dem brennenden Geschmacke der ätheri- 
schen Oele niemals erforderlich sein, wohl aber kommt es bei einzelnen, 
sehr heftig wirkenden Oelen vor, dass man geringere Dosen verordnen 
will; man lässt dann entweder das officinelle Elaeosaccharnm mit Zucker 
verreiben, oder verordnet, da kein Oelzucker in der Apotheke vorräthig 
gehalten werden sollte, das beliebige Yerhältniss von Oel und Zucker. 

Elaterilllllll. Momordicin Elaterin. [Wirksamer Bestandteil der Mo- 
mordicaEIateriiim; kleine, farblose Krystalle, stark bitter schmeckend, wenig in Wasser 
löslich, schwer in Aether, leicht in Alkohol. — 0,1 etwa 60 Pf.] 

Innerlich: zu 0,003-0,004-0,008 2-3 Mal täglich, in Pulvern, 
Pillen oder alkoholischer Lösung [starkes, als Acre wirkendes Drasticum 
und Diureticum]. 

Eleetuariiiiii aiitlielmiiithiciiiii Hufelaiulii. El. anthelminthicum 
Störckii. Wurmlatwerge. [Rad. Valerian. 3, Tub. Jalap. 2, Flor. Cinae 8, 
Kali tart. 6, Oxymell Scill. 15, Syr. commun. 20.] 

Sehr ähnlich dem eben erwähnten Präparate war das Elect. Sem. 
Cinae comp. Cod. med. Ilamb. — Theelöffel weise zu nehmen. 

Electuarium aromaticum Ph. Austr. Electuarium stomachicum. Dar- 
gestellt aus Palv. Fol. Menth, pip., Fol. Salviae ana 100,0, Rhiz. Zin- 
giberis, Rad. Angelicae ana 20,0, Cort. Cinnamom., Caryophyll., Nuc. 
moschat. ana 10,0, Mellis depurat. q. s. Theelöffelweise zu nehmen. 

^'Electuarium e Sciuia. El. lenitivum s. eecoproticum. Senna- 
latwerge. Abfuhr-Latwerge, Abfiihr-Mus. [Fol. Senn. pulv. 10. Syr. simpl. 
40, Pulpa Tamarind. 50. — 10,0 10 Pf. — Das Elect. lenitiv. Ph. Austr. besteht aus 
Pulpa Tamarindorum 6, Syr. Sambuci 2, Fol. Senn, und Tart. dep. ana 1 mit Mel. 
dep. ([. s. — Ausser den eben genannten führte die Ph. Bav. noch ein Elect. lenitiv. 
Wintheri an, bestehend aus Manna electa, Pulpa Tamarind., Pulpa Cass. ana 4, 
Kali bitart., Fol. Senn, ana 3, Syr. Succ. Citr. 20.] 

Innerlich: V 2 -i Theelöffel und mehr [etwa bis zu 50,0 pro die], am 
besten rein zu nehmen, unzweckmässiger in Schüttelmixturen, als 
Zusatz zu anderen Mixturen [1-3 auf 10], als Vehikel für Pulver. 



550. ty 

Kali carb. 3,0 
Acct. q. s. 

ad Satur. cui adde 
\q. Menth. 50,0 



557. Bf 

Acid. tart. 2,0 
Sacch. alb. 25,0 
Aq. Flor. Aurant. 50,0 
Elect. e Senn. 25,0 



Elect. e Senn. 25.0. Aeth. acet. 0,5. 

MOS. Si.ll. 1 Esslöffel. | MDS. Esslöffelweise. Heim. 

Klcduariiiiii Theriaca s. theriacale s. opiatum s. aromatico-opia- 

iiiim. Theriaca Androniachi. Theriak. [Honig 72, Opium 1 in Vin. hisp. 3 
gelöst, Rad. Ang. 6, Rad. Serpent. virg. 4, Rad. Valer. min., Bulb. Scill., Rhiz. Ze- 
doariae, Cort. Cinnam. Cass. ana 2, Fruct. Cardam. min. pulv., Myrrh., Ferr. sulfur. 
pur ana 1. 100 Th. enthalten 1 Th. Opium. — Das Electuarium aromatic. c. Opio, 
seu Electuarium anodynum s. Theriaca der Ph. Austr. besteht aus 120 Elect. aromat. 
mit 1 Op. — 10,0 20 Pf.] 

KU* mi. Etesina Elemi. Gummi Elemi. Elemiharz. [Von einer un- 
bekannten. in ifueahan einheimischen l'llanze. — 10,0 10 Pf.] 

fy 556-557. 



Elixir ad longam vitam. 267 



Aeusserlich: zu Salben und Pflastern. 

Elixir ad longam vitam« Elixir longae vitae. Tinct. Aloes com- 
posita. Lebenselixir. [Aloe 15, Bol. Laric, Rad. Rhei, Zedöar., Gentian., 
Galang., Myrrh., Elect. Theriaca ana 4, Croc. 3, Sacchar. 48, Spirit. dilut. 576, acht 
Tage macerirt, gepresst, filtrirt. 40 Th. enthalten etwa 1 Aloe. — 10,0 etwa 20 Pf.] 
Vergl. Tinct. Aloes composita. 

Innerlich: zu l / 2 -l Theelöffel, mehrmals täglich. 

Aehnliche Präparate werden von Laboranten und Arkanisten unter 
diversen Namen als Panaceen debitirt, so z. B. das Augsburger Lebens- 
Elixir, die Sulzbcrgcr'schen Tropfen u. s. w. 

*Elixir amarillll. Bitteres Elixir. [Extr. Absynthii 10, Elaeosacch. 
Menth, pip. 5, Aq. 25, Tinct. aromat., Tinct. amar. ana 5,0. — 10,0 55 Pf.] 

Innerlich: 3-4 Mal täglich 1 Thee- bis % Esslöffel. 

Das Elixir amarum concentratum Ph. milit. besteht aus Extr. 
Absinth, oder Trifol. und Wasser ana 8, Tinct. Pom. Aurant. immatur. 
4, Elaeosacch. Menth, pip. 1. Ein Theil dieses Elixirs mit 6 Theilen 
Wasser bilden das Elixir amarum ordinarium. 

Elixir amUlOlliacale-Opiatlllil. [Elixir e Succo Liquir. 40, Tinct. Opii 
croc. 1. — 400 des Elixirs enthält die löslichen Substanzen von etwas über 1 Opium. 

— 10,0 etwa 20 Pf.] 

Innerlich: zu 2,0-15,0, 2-3 Mal täglich. 

*Elixir Aiiraiitioriuii compositum. Elixir viscerale Hoffmanni. 
Pommeranzenelixir. Hoffmann'sches Magenelixir. [Cort. Fruct. Aurant. 
conc. 50, Cort. Cinnamom. Cass. 10, Kai. carb. pur. 2,5, Yin. Xerens. 250 macera 
p. d. 8 et adde, Extr. Gent., Absinth.-, Trifol., Cascarill., ana 5; filtrirt. — 10,0 35 Pf.] 

Innerlich: zu 1-2 Theelöffel 1-3 Mal täglich. 

558. Bf 

Elixir. Aurant. comp. 10,0 
Tinct. Valerian. aeth. 
Tinct. aromat. ana 5,0 
Aeth. acet. 2,5. 
MDS. :!-imal täglich 15-20-30 Tropfen. [Bei Magendarm katarrhen und Koliken] 

Rummel. 

Elixir pectorak Hllielaildii. [Rad. Helonii, Rhizom. Md. florent., Bulb. 
Scill. ana 8, Benzoes, Myrrh., Fruct. Anisi, Succ. Liquir., Arnmoniaci ana 4, Croci 3, 
Spir. dil. 93. — 10,0 etwa 50 Pf.] 

Theelöffelweisc. 

Eliiir Proprietatis Paracdsi. Elix. Proprietatis aeidum. Elixir 

de Garns. 1, Sa u[res Aloe-Elixir. [Aloe, Myrrh. ana 2, Croc. 1, Spir. 23, 
Arid, sulfur. dil. 2. (Ausser dieser Composition wird auch eine andere complicirtere 
mit dem Namen Elixir de Garus s. Elixir cordialo bezeichnet. Dieselbe wird nach 
folgender Formel angefertigt: ]|> Myrrh., Aloes ana 3, Nuc. moschat. , Caryophyll. 
ana 2. Spir. dil. 576, adde Syr. Flor. Aurant. 864, Aq. Flor. Aurant. 192, Coccionellae, 
Croci ana 2. Digere per aliquot horas et filtra. In Frankreich dagegen ist folgende 
sehr einfache Formel gebräuchlich: Tinct. Myrrh. 4, Tinct, Croci, Tinct. Aloes ana 3). 

— 10,0 30 Pf.] 

[nnerlich: 1 Theelöffel einige Mal täglich, pur oder in Mixturen, 
als Zusatz zu Senna-Latwerge. [Besonders als Emmenagognm gerühmt.] 

K' 558. ^Pi 



268 Elixir Proprietatis cum Rheo. 

Eli\ir Proprietatis CKlll Rheo. [Aloe 6, Myrrh. 2, Croc. 1, Rheum 4, 
Vin. hisp. 64, Acid. hydroehl. 4.] 

Elixir Proprietatis sillC Addo. [Aloe 6, Myhrrh. 2, Croc. 1, Kali tart. 3, 
Aq. dest. 7, Spir. dil. 14.] 

*Elixir e Succo Liquiritiae. Elix. pectorale Ph. Hclv. Elixir Regis 
Daniae, Elixir Ringelmanni. Brustelixir. [Succ. Liquir., Liq. Ammonii 
anis. ana 10, Aq. Foeniculi 30. — 10,0 15 Pf.] 

Theelöffelweise und als Zusatz zu Mixtaren. 

Elixir viscerale Hoflliaillli. [Extr.Card. bened , Cascarill., Centaur. minor., 
Gentian., Myrrhae ana 1, Vin. Malac. 16, Tinct. Cort. Aurant. 32.] 
Theelöffelweise. 

Elixir viscerale Ph. paiip. [Extr. Absinth., Gentian , Centaur. min., frifol. 
ana 1 in Aq. aromat. Ph. p. 18 mit Tinct. aromat. Ph, p. 1. — 10,0 etwa 10 Pf.] 
Theelöffelweise. 

Eiiietiiium purum, Gephaelinum. E metin. [Alkaloid der Rad. Ipe- 
cacnanhae; weisses, geruchloses, schwach bitter, widerlich schmeckendes Pulver, wenig 
in Wasser, leicht in Alkohol und verdünnten Säuren, gar nicht in Aether und Oelcn 
löslich. — 0,01 etwa 5 PL] 

Innerlich: zu 0,005-0,01 auf einmal und nötigenfalls noch eine 
oder zwei Dosen nachher zu nehmen, in Pulver oder Solution [mit 
etwas Säure]. [Wirkt stark reizend und macht leicht Gastritis (v. Schroff). Vorzüge 
vor der Rad. Ipecac. sind nicht ersichtlich]. Auch zur subcutanen Injection als 
Emeticum versacht [etwa Emetin. 0.02, Acid. sulfur. Gutt. 1, Aq. destill. 5,0; 
davon 0.5 bis zu einer vollen Spritze (0.002-0.004], hat sich bisher nicht be- 
währt (A. Eiilenburg). 

559. ty 

Emetini puri in paux. Acid. nitr. soluti 0,5 
Inf. Flor. Tiliae 100,0 
Syr. Althac 25,0. 
MDS. '/ 4 stdl. 1 Esslöffel, bis Erbrechen erfolgt. Magendie. 

Einetiiium coloratum seil iiiipuruiii s. Extractum Ipecacuanhae, 

Eiiiplastrum ad Clavos petliim. Hühneraugenpflaster. [Gal- 
ban. 24 mit Essig zum Pflaster gekocht, Pix nav. 12, Empl. plumb. 6, Amnion, hy- 
drochl. und Aerugo ana 1.] 

Eiuplastruili ad Fonticulos. Fontanellpflaster. [Resina Pini 3, 

Sebum 1, Empl. Litharg. simpl. 36 werden zusammengeschmolzen, auf Leinwand ge- 
strichen und daraus runde Scheiben von 3 Cenlimeter Durchmesser ausgestochen. — 
10,0 15 Pf.] 

*Euiplastriiui adhaesiviilll. Empl. adhaesivum flavum. Empl Li- 
thargyr. cum Oolophon. Beftpflaster. Klebepflaster. [Emplastr. Li- 
thargyr. 500, mit Colophon., Cer. flav., Res. Dammai', ana 50, Ol. Terebinth. 5 zu- 
sammengeschmolzen. — 10.0 15 Pf Auf Leinen gestrichen 100 Qu.-Ctm. 10 Pf.] 

Kiiiplastrimi adhaesiviilll Aiiglicum. Empl. anglicanum. Court- 
plaster. Sparadrop de ( 1 olle de Poisson. Englisches Pflaster. [Rother, 

schwarzer und weisser TafTet mit einer Lösung von Colla piscium in Wasser und später 

mit einer Lösung von (Olla pisciurn in Wasser und Spiritus, der etwas Glycerin zu- 

tzt worden, bestrichen und auf der Rückseite mit Tinct. Benzoes überzogen. — 

K' 559. 



Emplastrum adhaesivum cum Oleo Lini. 269 



10 Quadrat-Centimeter 5 Pf.[ Statt des Tafle ts bedient man sich in neuerer 
Zeit des ähnlich präparirten Goldschlägerhäutchens, welches feiner an- 
schmiegender, impermeabel und durchsichtig ist. 

ElliplastriUIL adhaesiyillll Clllll Oleo Lilli. [Bleiweiss mit Leinöl unter 
Zutröpfeln von Wasser gekocht. — Wirkt weniger reizend, klebt aber nicht so gut als 
das gewöhnliche Heftpflaster.] 

Eiiiplastriuii adhaesiviuit Edinburgeiise. Emplastrum piceum 
nigrum. Schwarzes Pechpflasser. [Emplastrum adhaesivum zu dessen 
Constitution statt des Colophon. eine gleiche Menge Schiffspech genommen ist. — 
10,0 9 Pf. 

Eiiiplastriuii AllllllOlliaci. Ammoniakpflaster. [Cer. llav., Res. 
Pini burgund. ana 4, Ammoniac. 6, Galban. 2, Terebinth. 4. — 10,0 25 Pf.] 

Emplastrum aiitarthriticuiii (llemiigsen). Gichtpflaster. [Empl. 

Litharg. 13, Cera flava 2. Sapo hispan. 1, Camph. V 2 , Castor. Canad. 7««] 

Emplastrum aromaticum. Loco Emplastr. stomachici. Aro- 
matisches Pflaster, Magenpflaster. [Wachs, Sebum ovill., Terebinth. 
commun., Olibanum, Benzoe, Ol. Nucislae, Menlhae piper. und Caryophyllor. — 
10,0 30 Pf.] 

Emplastrum basilicum. Königspflaster. [Cer. flav. 8, Coloph. und 

Pix naval. ana 10, Ol. Oliv. 3.] 

Emplastrillll BelladoiUiae. [Cer. 4, Terebinth. und Ol. Olivarnm ana 1, 
Fol. Beilad. 2. — 10,0 20 Pf.] 

"Emplastrum Caiitliariduui ordmariuii). Empl. vesicatorium ord., 
Blistering-Plaster. Sparadrap vesicant. Spanisch fliegen -Pflaster. Ge- 
wöhnliches Spanischfiiegen-Pliaster. [Cantharid. gross, pulv. 50, Ol. Olivar., Ol. 
Terebinth. ana 25, Cer. flav. 100. — 10,0 25 Pf.] [Das Empl. Cantharidum Ph. Austr. 
besteht aus Cerae flav., Terebinth. communis ana 4, Cantharid. pulv. 5, Ol. Oliv. 2.] 

Am besten mit einem Rande von Heftpflaster versehen [in der Regel 
der Art, dass man das Canthariden- Pflaster auf Heftpflaster streicht und den Rand 
frei lässt] oder durch Heftpflasterstreifen befestigt. Um Hautröthe hervor- 
zurufen, bedarf es 2-4, zum Blasenziehen 6-8 Stunden, jedoch variiren 
diese Zeiträume gar sehr nach der grösseren oder geringeren Vulnerabilität 
der Haut. — Zur Beschleunigung und Erhöhung der Wirkung kann man 
mit Vortheil das Pflaster mit einem Tropfen Oel bestreichen. — Soll 
nach der Production der Blase keine weitere Eiterung unterhalten wer- 
den, so schneidet man die Blase an ihrem unteren Theile an und ver- 
bindet sie dann mit einem Läppchen, das mit Butyrum Cacao oder Un- 
guentum cereum, oder Unguentum Plumbi u. dergl. bestrichen worden. 
— Oft verträgt eine derartige Hautstclle gar keine Salbe, und selbst 
das mildeste Fett bewirkt eine immer mehr sich ausbreitende Ulccration; 
man thut dann am besten, einfach mit Watte zu verbinden, unter welcher 
sich die Granulationen gut und schnell bilden. — Will man Eiterung 
unterhalten, so verbindet man, nachdem die Epidermis abgetragen, die 
exeoriirte Stelle mit Ungt. Cantharidum oder mit anderen minder reizen- 
den Salben [Ungt. basilicum], — Um das Spanisehfliegen-Pflaster eine all- 
gemeine Wirkung erzielen zu lassen, legt man es in den Nacken oder 
an die Waden — zu lokaler Wirkung dem leidenden Theile möglichst 



270 Emplastrum Cantharidum perpetuum. 

nahe; — bei Ischias legt man Streifen an das kranke Glied, am besten 
in langen schmalen Streifen dem Verlaufe des Ischiadicus folgend, und 
wechselt öfter deren Stelle: Vesicatoria volantia. — Partes! Methode 
der Behandlung des acuten Gelenkrheumatismus [besonders auch 
von Traube gerühmt] besteht im Auflegen von Vesicator-Strei fen von etwa 
2-3 Fingerbreite ober- oder unterhalb der afficirten Gelenke rings um 
die Extremität*) [daneben noch eine subcutane Morphium -Injection oft nützlich: 
t'raentzel]. — Zur Verhütung der Strangurie soll man dem Empl. Cantha- 
ridum Campher und Opium zusetzen; es ist jedoch sehr fraglich, ob der 
Zweck dadurch erreicht wird. — Will man eine sehr schleunige Wirkung 
des Pflasters, so lege man vorher auf die betreffende Hautstelle einen 
Sinapismus, dem man etwas Canthariden -Pulver zusetzen kann, oder 
bestreiche die Stelle mit einer Mischung aus Spirit. Sinapis und Tinct. 
Cantharid. 

Ricoril liess ehemals gegen syphilitische Knochenschmerzen Blasen- 
pflaster auflegen und die aufgschnittene Blase mit Opiumsalbe verbinden. 
Vciel empfahl eine barbarische Kur gegen veraltete Fussgeschwüre, indem 
er sie mit Blasenpflaster bedeckte und diese 24 Stunden liegen liess, 
später das Geschwür mit einer Lösung von Zinc. sulfuricum behandelte, 
eine Kur, welche zuweilen, trotz dieser Massregeln, durch die strenge 
Diät und Ruhe erfolgreich war. 

*Kiii|>lnslriuii Caiitharidiim perpetuum. Empl. Euphorbia Empl. 
vesicator. perpetuum (s. Jan in i). Zugpflaster. Anhaltendes oder immer- 
währendes Spanisch fliegen-Pflaster. [Colophon. 70, Cer. flav. 50. Ol. Terebinth. 
35, Sebi 20, werden geschmolzen und mit Cantharid. subt. pulv. 20, Enphorb. pulv. 
5 gemischt. — 10,0 20 Pf.] Die Ph. Auslr. giebt folgende Vorschrift: Tere- 
binth. commun., Mastix ana 4, Cantharid. pulv. 2, Euphorbii 1. 

Aehnliche Compositionen sind folgende, in einzelnen Gegenden be- 
liebte Pflaster: 

Emplastrum Cantharidum Lübeckii. [Coloph , Res. bürg, ana 2, 
Styrax, Pulv. Canth. ana 1. Klebt, wenn es erwärmt wird, sehr gut und lässt sich 
später abnehmen, ohne dass die Epidermis mit gerissen wird.] 

Emplastrum Cantharidum Parisie nse. [Tinct. Canth., Res. bur- 
gund. , Yiscum aucuparium (Ol. Lini inspissatum), Bals. Peruv. ; mit dieser Masse 
werden kleine, Quadrat-Zoll grose Stücke Englischpllaster derart bestrichen, dass ein 
drei Linien breiter Rand frei bleibt; vor der Application werden die Pflaster schwach 
befeuchtet. — Eine sehr gute Formel. — Dclpcch und Guicharri empfehlen das can- 
tharidensaure Kali zum Pflaster und zwar nach folgender Formel: 2.0 Gelatine, 
10.0 Wasser, 10,0 Alkohol, 0,2 cantharidensaures Kali und etwas Glycerin auf Gutta- 
perchapapier, derart, dass jedes Quadrat-Decimeter 0,01 des Salzes enthält. Das 
Pflaster wird vor dem Gebrauche mit etwas Wasser benetzt. 

Emplastrum Cantharidum (vesicatorium) perpetuum Mi. 
piiiij». [Empl. Cantharid. ord. 1 und Empl. citrin. .'!. ] 

*) Aehnlich der Dayies'schen Methode als energischer Bautreiz wirkt auch die 
in aeuester Zeit empfohlene Faradisirung der entzündeten Gelenke, nach 
welcher Schmerz und Schwellung schnell schwinden sollen (Kulkiii und v. Ifrosdolf, 
Wlnternlti, v. IH»rhig und A braute wsky). Auch der constante electrische Strom wurde 
bereits vor längerer Zeit von Rcnnik gerühmt. 



Emplastrum Cerussäe. 271 



Emplastrum Cantharidum Anglicum. [Canthariden. Fett, Cerat., 
Resin. burgund. ana.] 

Emplastrum vesicatorium sericeum. Sericum vesicans. 
Tela serica vesicatoria. Taffetas vesicant. [Aus einer Tinct. Can- 
tharid. aetherea wird durch Abdestilliren des Aethers ein öliger Rückstand gebildet, 
mit dem doppelten Gewichte gelben Wachses versetzt und auf ein gewichstes Zeug- 
gestrichen. — Der Taffetas vesicans der früheren Ph. Anstr. wird mit einer Verbin- 
dung aus Tinct. Canth. aetherea 45,0 auf 120,0, Mastix 2,0, Sandarach 5,0, Terebinth. 
1,25, Ol. Lavandul. (10 Tropfen) bestrichen.] 

^Emplastrum Cerussäe. Empl. Plumbi hydrico-carb. s. album coc- 
tum. Blei weisspflaster, Froschlaichpflaster. [Empl. Litharg. 60, Ol. 
Oliv. 10, Ceruss. subt. pulv. 35; ein hartes weisses Pflaster. — 10,0 10 Pf.] 

Emplastnilll CerUSSae rubrum. [Cera flava und Seb. ana 8, Ol. Oliv. 
3, Ceruss. 2, Minium 1, Camph. V 2 .] 

*Eniplastrum Conii. Emplastrum de Cicuta*). Schierlings- 
pflaster. [Wie das Emplastrum Belladonnae bereitet. — 10,0 20 Pf. — Das Em- 
plastrum Conii macul. Ph. Austr. besteht aus Herb. Conii macul. pulv. 2, Terebinth. 
comm. 1, Cera flava 10, Axung. Porci 5.] 

Emplastrum Conii aiitmoiiiacatum. Emplastrum Conii c. Am- 

moniaco. [Ammoniacum und Acet. Scillae ana 2 werden zu einer Art Mus gekocht 
und mit 9 Empl. Conii gemischt. — 10,0 30 Pf.] 

Emplastrum COllSolidailS. Emplastrum griseum. Empl. calaminaris. 
Heilpflaster. [Empl. Cerussäe und Plumb. simpl. , Lapis calaminar. , Oiiban., 
Mastix. — 10,0 etwa 20 Pf.] 

Emplastrum COIltra Tilieaill. [Res. Pini burgund. 32, Ol. Olivar. 3, 
Farin. Tritic. tost. 16. — 10,0 etwa 10 Pf.] 

Emplastrum diaplioreticiim Myiisicllti. [Wachs, Colophonium, Am- 
moniak, Galban., Terpenthin u. s. w. — 10,0 etwa 30 Pf.] 

Emplastrum foetiduin. Empl. Asae foetidae. Empl. resolvens 
Schmuckeri. Stinkasantpflaster. [Ammoniacum 1, Asa foet. 3, Tere- 
binth.. Cera flava und Resina Pini ana 2. — 10,0 20 Pf.] 

Emplastrum fuscuni. Empl. Matris fuscum Ph. Saxon. Empl. Ma- 
tris. Schwarzes Mutterpflastcr. [2 Mennige mit 4 Baumöl gekocht, 
1 Wachs. — 10,0 14 Pf. — 8 Th. Empl. fusc. mit 5 Th. Baumöl geschmolzen, geben 
das Unguentum matris, Onguent de la mere.] 

Aehnlich das Empl. Triapharmacum u. a. 

*Emplastrum fuscum caiiiplioratum. Empl. nigrum seu universale 
seu Noricum. Empl. fuscum Ph. Bor. Empl. Minii adustum. Mutter- 
pflaster. Universalpflaster. Schwarzes Mutterpflaster, Nürnberger Pflaster. 
[Campher 1 zu Empl. fusc. 100. — Aehnlich das Züllichauer, Hamburger und Halle- 
sche Waisenhaus-Universalpflaster, sowie die Lcgraiursche Salbe. — 10.0 15 Pf.] 

Emplastrum (»albani crocatiim. Empl. de Galbano crocatum. 

*) In der Regel nehmen die Aerzte bei ihren Verordnungen Cicuta und Conium 
gleichbedeutend; dies ist jedoch nur insofern richtig, als es sich am die Cicuta ter- 
restris, altes Synonym des Con. macul., handelt; die Cicuta virosa (.Wasserschierling) 
ist heftiger wirkend und keines ihrer Präparate officinell. 



212 Einplastrum Hydrargyri. 



[Galban 24, Terpenthin 6, Crocus 1, Wachs 8 und Empl. Lithargyri simpl. 24. 
10,0 30 Pf.] 



5G0. ty 

Empl. Galb. croc. 25,0 

leni calore emollit. adde 
Opii pulv. c. paux. Aq. in pult. 

rcdacti 
Camph. trit. ana 5,0 
M. f. emplastr., ext. supr. cor. D. [Bei 



5Gi. $ 

Empl. Galb. croc. 15,0 

leniss. calor. embll. adde 
Opii pulv. c. paux. Aq. in pult. 

redacti 
Ammon. carbon. pyro-oleos. pulv. 

ana 1,0 
Camph. trit. 2,0 



Frostbeulen zweiten Grades.] Ol. Cajeput. 1,0. 

Rust. M. f. emplastr. D. S. Auf die Magen- 

gegend zu legen. 

Ijliplastruiü Hydrargyri seu mercuriale. Quecksilberpflaster. 
[Hydrarg. 100, Ol. Terebinth. 50, Empl. Lithargyri 300, Cerae llav. 50. Ein graues 
Pflaster, welches mit blossem Auge keine Quecksilberkügelchen erkennen lässt. — 
Das Empl. Hydrargyri Ph. Austr. besteht aus Hydrarg. 13, Terebinth. 7, Empl. dia- 
chyl. simpl. 50, das der früheren Ph. Bav. aus Seb. 5, Cera llav. 11, Hydrarg. 6, Te- 
rebinth. 2. — 10.0 25 Pf. — Sparadrap de Vigo besteht aus Emplastrum adhaesi- 
vum mit 20pCt. Quecksilber, gegen ulcerirende Syphiliden besonders gerühmt: C.Paul. 
— v. Sigmund empfiehlt als Verbandmittel bei den verschiedensten syphilitischen 
Alfectionen unter dem Namen „graues Pflaster^ eine Verbindung von gleichen 
Theilen Empl. Hydrargyri Ph. Austr. mit Empl. saponat. ; das Pflaster wird auf feines, 
dünnes, nicht gestärktes Baumwollzeug gestrichen und schmiegt sich leicht an.] 



M. f. 1. a. emplastrum. D. [Bei scro- 
phulösen Drüsenanschwellungen.] 



562. r Y 

Empl. Conii 

Empl. Hydrarg. ana 10,0 
Opii pulv. 0,6. 

M. f. a. emplastrum. D. S. Auf Leder gc- Empl. Hydrarg. 15.0 

strichen aufzulegen. [Bei Bubonen.] Camph. trit 



564. ty 



Opii pulv. ana 0,6-1,0. 
563. Bf M. f. 1. a. emplastrum. [Bei Parotitis oder 

Empl. Hydrarg. 25,0 anderen geschwollenen oder indurirten 

Jodi 0,5. Drüsen.] Rust. 

Eiiiplastriuii Hyoscyami. Bilsenkrautpflaster. [Wie Empl. Bel- 
ladonn. — 10,0 20 Pf.] 1 Empl. Hyoscyami mit l / l2 Empl. opiatum als 
beruhigendes Pflaster in die Schläfengegend gelegt. 

rjiiplastrimt jodato - sapoiiatum. Jodseifenpflaster. [1 Jod, 

mittelst Oel oder Alkohol verrieben, zu 50 Empl. saponat. hinzugesetzt: P. E. Richter.] 

Mlliplastrillll irritailS« [Empl. Litharg., Coloph., Gera flava, Pix navalis, 
Tereb. comm., Ol. laurinum, Camph.] 

* Eniplastriim Lithargyri compositum. Empl. Plumbi compositum. 
Empl. Diachylon comp. Sparadrap commun. Zusammen gesetzes 
Gummipflaster. Bleipflaster. [Emplastr. Litharg. simpl. 20, Cera flava 15, 
Ammoniak, Galbanum, Terpenthin ana 10. — 10,0 20 Pf. — Die Ph. Austr. hat fol- 
gende Vorschrift: Empl. diaehyl. simpl. 200, Gummi Ammoniaci 25, Terebinthina 8, 

Cera llava 30, Res. Pini 1(1.] 

limplastnmi Lithargyri molk. Empl. Plumbi molle. Empl. Ma- 
in- album l'li. Sa\ou. Weisses Mutterpflaster« [Empl. Lithargyri simpl. 

?>, Adipis suill. 2, Sebum und Cera llava ana 1. — 10.0 15 Pf.] 

• Emplastrum Lithargyri Simplex. Empl. plumb. simpl. seu Dia- 
U 660-564. 



Emplastrum. Meliloti. 278 



chylon simpl. Einfaches Bleipflaster. [Ol. Olivar., Adeps und Litliar- 
gyri pulv. ana part. aeq. — 10,0 10 Pf.] 

Elliplastriim Meliloti. [Wie Empl. Belladonnae. — 10,0 20 Pf. — Das 
Empl. de Meliloto fh. Austr. besteht aus Coloplionium, Ol. Oliv, ana 40, Cer. flav. 
80, Gummi ammoniaci 10, Terebinth. comm. 25, Herb. Meliloti pulv. 60, Herb. Ab- 
sinthii, Flor. Chamom., Fruct. Lauri ana 4.] 



565. fy 

Emplastri Meliloti q. suff. 
extendatur supra chartam 
magnitudinis hujus praeeepti 

Empl. consperge 

Pulv. Opii 



tanta quantitate, ut aequaliter dis- 
tribuatur, dein Charta cerata 
aecurate obtectum convolve. 
Emplastrum de Meliloto cum Opio. 
[Bei Herpes Zoster.] 

v. Hebra. 



Emplastrum Mezerei cantliaridatum. Loco Emplastri Drouoti. 

Seidelbastpflaster. [Canth. 30,0, Gort. Mezerei 10,0 werden in Essigäther 
maeerirt, dem Filtrate wird Sandarac 4,0, Elemi 2,0, Coloplionium 2,0 zugesetzt und 
die Mischung auf einen dem Empl. adhaesivum anglicum ähnlich präparirten Taffet 
von 200 Quadrat-Centimetern aufgetragen. Aehnlich der Taffetas epispasticum 
American um. — 10 Quadrat-Centimeter 5 Pf.] 

Emplastrum Miiiii rubrum. Rothes Mennigepflaster. [Cer. 

flav.. Sebum, Minium und Ol. Oliv, ana 100 mit Camph. 3. — 10,0 17 Pf.] 

Emplastrum liarCOtlClim. [Aus Empl. Belladonnae, Conii und Hyoscyami 
ana gemischt.] 

Emplastrum opiatum s. cephalicum s. odontalgicum. Opium- 
pflaster. Hauptpflaster. [Terpenthin 15, Opium 2, Benzoe 4, Elemi 8, 
Gera flava 5, Olibanum 8 und Balsamus peruvianus 1. — Sehr feste Consistenz, aber 
doch befeuchtet, gut klebend. — 10,0 35 Pf.] 

Elliplastrillll 0\ycrOCeUIIl. [Kes. Pini, Cer. flav., Colophon. ana 6, 
Ammoniak, Galbanum, Mastix, Myrrhe, Weihrauch ana 2. Terpenthin 3 und Safran 1. 
— 10,0 35 Pf.] Das Empl. oxyeroc. Ph. Austr. hat ein etwas verschiedenes 
Mischlings verhältniss. 

Emplastrum piceillll. [Fichtenharz und Terpenthin. — Das marktschreie- 
risch angepriesene Bruchpiaster von Krüsi-AlthciT besteht aus 5 Th. Resina Pini 
und 2 Th. Terebinthina.] 

Elliplastrillll Picis irritailS. [Resina Pini 32, Cer. flav., Tereb. comm. 
ana 12 ; Euphorb. 3. — 10,0 15 Pf.] 

ElliplastrUUl Picis liqimlae, [Res. Pini empyreumat. liq. IG, Cer. flav. 
8, Res. Pini burgund. 1. — 10.0 10 Pf.] 

* Elliplastrillll sapoiiatuiu. Seifenpflaster. [Empl. Litharg. simpl. 
70, Cer. flav. 10, Sapo hisp. pulv. 5, Camph. 1 — Ext. 10 15 Pf.] 

Elliplastrillll Sllifliratlllll. [Colophon., Myrrhe, Asphalt, Ammoniak, Gal- 
banum, Sagapen um, Terpenthin, Ol. Lini sulfurat.. Ol. Terebinthinae, Campher. — 
Schmierig. — 30,0 etwa 50 IM'.J 

Elliplastrillll Tartari stibiati s. Stibio-Kali tartarici Porm. ma- 

istr. in usinn Paup. [Tart. stib. 1, Empl. Litliargyifi comp. 4. — 4,0 etwa 
1') Pf. — Das Empl. Tartari stibiati der früheren Ph. Ilami. wird aus Gerat. Res. 
Pini 7 und Tart. stib. 1 ex tempore bereitet.] 

Ewald und Simon, Arzncivcrordnungfllclir?. LH. Aul). 10 

!;• 665. 



274 Emulsiones. 



Emplastrum Zinci. Zinkpflaster. Emplätre diachylon ä base 
de Zinc. [Giienau de Mussy empfiehlt dieses Pflaster vorzugsweise deshalb, weil 
dabei die Gefahr einer Bleiintoxication, die er bei ausgedehntem Gebrauche des Empl. 
Plumbi fürchtet, vermieden werde. — Es wird dargestellt durch Zersetzung einer Lö- 
sung weisser Seife mit Zinkvitriollösung; dass fettsaure Zinkoxyd wird getrocknet und 
mit Oel und Harzen (nach Art des Empl. Plumbi comp.) versetzt.] 

* Emulsiones [vergl. den allgemeinen Theil S. 40]. 

Emillsio Altiygdalarillll COlIipOSita. [Amygdalae dulces 4, Sem. Hyos- 
cyami 1 mit Aq. Amygdal. amar. dil. 64 zur Emulsion gebracht und Saccharum 6 und 
Magnesia usta 1 zugefügt. Soll stets zur Dispensation frisch bereitet werden.] 

Innerlich: theelöffel weise. 

Emillsio Communis Ph. mil. [Amygdal. dulc. vel Sem. Cannab. vel Sem. 
Papav. 1, Aq. commun. 12, Sacchar. V 2 .] 

Ellllllsio oleosa Ph. mil. [Ol. Oliv. 30,0, Gummi Arab. 15,0, Aq. commun. 
250.0, Sacchar. 15,0. — Emulsio oleosa Ph. Hclv. besteht aus Oleum Amygdal., Gummi 
Arab. ana 1, Aq. 8.] 

Emulsio Papaveris Form. mag. Ber. in us. paup. [Sem. Papaveris 
15, Aq. commun. q. s. ut f. Emulsio 125, Syr. simpl. 15.] 

ErgotillUm« Ergotin. [Ein, nach Wiggcrs, aus dem Seeale cornutum, 
nachdem dieses mittelst Aether von seinem fetten Oele befreit worden, durch Extrac- 
tion mit Spir. dilut. dargestellter indifferenter Stoff; rothbraunes Pulver von aroma- 
tischem Geruch, bitterem Geschmack, in Wasser nicht, in Aether wenig, in Alkohol 
und Essigsäure leicht löslich. — Ein wirklich reines Ergotin, das diesen Namen mit 
Recht verdient und constante Eigenschaften besitzt, giebt es nicht, da das Mutterkorn 
nach den Untersuchungen Dragciiilorfs nicht eine, sondern mehrere Basen enthält, 
von denen die Sclerotinsäure (s. Acid. sclerotinicum) der Wirkung des Gesammtpilzes 
am nächsten kommt. Das Ergotin nach Bonjcan darf noch viel weniger mit dein 
Namen Ergotin bezeichnet werden als das von Wiggcrs. Vergl. Extractum Seealis 
cornutum.] 

Innerlich: zu 0,006-0,025, in Pulvern, Pillen. [Bisher noch wenig 
versucht; die therapeutischen Beobachtungen über Ergotin beziehen sich fast sämmt- 
lich auf das fälschlich mit diesem Namen belegte lUmjcau sein Extractum Seealis cor- 
nuti (vergl. dieses).] 

Ergotillilllllll. Ergotinin wird ein von Tauret im Mutterkorn auf- 
gefundenes nicht flüchtiges Alkaloid genannt, über dessen therapeutische 
Verwendung noch nichts bekannt ist. 

I Isorill u in. Eserin. Physostigmin. Aus der Calabarbohne dar- 
gestellt (Fräser, Diisqueml), ist einer der wirksamen Bestandteile der- 
selben. Ilarnack und Hitkowski haben neben denselben noch ein anderes 
Alkaloid, (Jas Calabarin, dargestellt, dessen Wirkung der des Strychnins 
ähnelt, nach neueren Untersuchungen demselben identisch sein soll. Man 
Wendel bis jet/l fast nur das schwefelsaure Salz an. 

Eseriiium Mi Huri nun. Physostigminum sulfuricum. Schwefelsaures 
Eserin (Physostigmin)« Gelbrot he amorphe, sehr hygroscopische Masse. 
[o.oi 30 Pf.] — Innerlich zu 1-4 Mgr. pro dosi, 1-3 Mal am Tage in 
Pillen, Pulvern und Tropfen. Aeusscrlicb: zu Augenwässern [zur Erzeugung 
Von Myose bei Glaucoina simpl. und in den Füllen, wo eine Herabsetzung pathologisch 



Eserinum salicylicum. 275 



erhöhten Augendrucks nothwendig erscheint. Laqueiir Weber, Galezowski), in Lö- 
sungen von 1 : 200-300 Wasser, zu subcutanen Eispritzungen zu 3-5 Mgr. 
pro dosi [bei Chorea, Bouchut]. Als Antidot des Atropins und der Bella- 
donnavergittung. 

Eserinum salicylicum« Physostigminum salicylicum. Salicylsaures 

Eserin. [Als krystallinisches, haltbares,, sehr reines Salz, in farblosenoder schwach 

gelblichen Krystallen, von Merck dargestellt, empfohlen, welches 66,0 pCt. Eserin 

und 33,4pCt. Salicylsäure enthält. In kaltem Wasser wie 1:150. leichter in heissem, 

in 12 Th. Weingeist löslicb. — 0,01 30 Pfg. — Die Salze: Eserinum hydrochlo- 

ricum und E. hydrobromicum haben keinen Vorzug vor dem E. sulfuricum.] 

Anwendung und Dosirung: wie Eserinum sulfuricum. Wird besonders 

von llaruack und Rönigsteiii zu ophthalmiatrischen Zwecken empfohlen. 

566. ty 

Eserini (Physostigmini) sulfur. 0,05 
Aq. dest. 

Glycerini ana 5,0. 
D. S. [2 Tropfen enthalten 1 Mgr. Eserin.] 

Esseutiae« Unter dieser Bezeichnung verstand die frühere Ph. Sax. 
Tincturen, welche aus dem frisch ausgepressten Safte der betreffenden 
Pflanze, mit gleichen Theilen verdünnten Weingeistes vermischt, bestehen. 
[Solcher Essenzen, zu denen die Essentiae s. Tincturae radicales oder fortes der Ho- 
möopathen den Anlass gegeben zu haben scheinen, und die in der That als zweck- 
mässige Formeln bezeichnet zu werden verdienen, nennt die frühere Ph. Sax. folgende: 
Essentia Aconiti, Beliadonnae, Bryoniae. Cicutae (Conii), Digitalis purp., llyoscyami, 
Lactucae virosae, Rhois toxicodendri und Stramonii. Von diesen werden Ess. Belia- 
donnae und Stramonii bis zu 12 Tropfen pro dosi gereicht. Eine ähnliche Bereitungs- 
art, wie die hier angegebene, wurde von der Ph. Bor. Ed. VI. für die Tinct. Conii 
und für Tinct. Nicot. (vergl. diese) vorgeschrieben. — Die meisten Rademacher'schen 
Tinkturen, die wir weiter hinten aufführen, sind genau den Essentiae Ph, Sax. nach- 
gebildet, nur dass sie mit Spiritus gemischt werden. Essenz, Essence in der Ph. 
Gall., bezeichnet meist ätherische Oele, zuweilen auch schwach spirituöse Auszüge.] 

Essentia Asperulae odoratae seu Matrisylvae. «W al dm eiste r- 
oder Maitrank-Essenz. [Durch spirituöse Maceration aus dem frischen Kraute 
gewonnen. — Enthält Cumarin (vergl. dieses). — 10,0 etwa 25 Pf.] 

Innerlich: als passender Zusatz zu vielen, namentlich gelatinösen 
Arzneiformen. 

Essentia Ophthalmia Romershauseii. Romershausen'sche 

Augenessenz. [Dieses viel gebrauchte und nicht üble Stärkungsmittel Tür re- 
laxirte oder catarrhalische Zustände der Augenlider besteht aus Semen Foeniculi 
recent. 1, Spirit. dilut. 12, digere per horas 24. exprime et Ultra. — 10,0 etwa 10 Pf.] 
Aeusserlich: mit 5 Theilen Aq. pluvial oder destill, zum Umschlag 
aufs Auge. 

Essentia Rhaiiini frangiilac s. Cort. Frangulao. 

Essentia Sarsaparillac. Sarsaparill-Essenz. [Rad. Sarsapavillae 

10 ausgekocht, das Decoct (iltrirt, dann auf 9 eingedampft und Spirit. vin. gall. 1 
zugesetzt. — Eine von v. Arnim vorgeschlagene, sehr zweckmässig und praktisch 
bewährte Form. — 1 Esslöffel enthält etwa das Solubile aus 15 Sarsaparille. — 
10,0 20 Pf.] 

IS* 

\{ 5G6. *WQ 



276 Esscntia seriparä. 



Innerlich: täglich 2-4 Esslöffel in St. Germain -Thee oder einem 
einfachen Infusum Fol. Sennae. 

Esscntia seriparä s. Liquor seriparus. 

Elicalyptollllll« Eucalyptol. [üeber kaustischen Kalk abdestillirtes 
ätherisches Oel der Fol. Eucalypti globuli. — (Vergl. diese.) 1,0 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,2-1,0-2,0 in Tropfen oder Kapseln [empfohlen als 
Stimulans in kleinen Gaben, in grösseren bei Intermittens. Catarrhen und Entzündun- 
gen des Respirationstractus, Asthma, Erkrankunger der Harnblase, Gonorrhoe, auch 
gegen Helminthiasis: GuMer, Gimbert, Paul, Maclcan, J. Aron, Biiiz, H. Köhler u. a] 

Aeusserlich: zu Inhalationen [bei Asthma, Bronchitis putrida und 
Gangraena. pulmonum, Phthisis. — Der Eucalyptusbaum hat die Eigenschaft, die 
10 fache Menge seines Gewichtes Wasser dem Boden zu entziehen und zugleich eine 
campherartige desinficirende Luft auszuathmen; er ist deshalb mit grossem Erfolg 
zur Assanition von Sumpf- und Fiebergegenden (Algier, Constantine, Rom) ange- 
pflanzt worden. Itloslcr empfiehlt, ihn in Kübeln, wie die Orangebcäume gezogen, zur 
Verbesserung der Luft in den Krankensälen aufzustellen], zu Verbänden und 
zur Desinfection von Wunden [bei Hospitalbrand, Gangrän, schlecht eitern- 
den Geschwüren: Gimbert] auch als schmerzstillendes Mittel pure 
[einige Tropfen auf Flanell], oder in Liniment [1 : 5 Ol. Olivar., oder 1 : 1 V 2 
Glycerin, 2 Seife oder 6V 2 Spiritus: Gimbert.] 

*Euphorbillllt. Euphorbienharz. [An der Luft getrockneter Saft von 
Euphorbia resinifera Berg. — 10,0 gross, pulv. 10 Pf., subt. pulv. 15 Pf.] 

Aeusserlich: als Streupulver [mit Magnesia oder Amylum vermischt], 
als Zusatz zu Salben [1 auf l l / 2 Fett oder Ungt. basilicum, zum Offenhalten von 
künstlichen Geschwüren, wo man die Anwendung des Cantharidins vermeiden will], 
zu Pflastern [1 auf 8 Pflastermasse]. 

*Extracta# Extracte. Der Eindiekungsgrad der Extracte ist ein 
dreifach verschiedener: 1) dünnere Extract-Consistenz [Consistenz des frischen 
Honigs], 2) dickere Extract-Consistenz [können nicht mehr ausgegossen, aber 
mit einem hineingetauchten Spatel in Fäden ausgezogen werden], 3) trockene Con- 
sistenz [können zu Pulver verrieben werden]. Bei der Nennung der einzelnen 
Extracte ist deren Consistenz nacli den hier gegebenen Bestimmung mit 
1, 2 oder 3 bezeichnet. 

Die Anwendung der Extracte geschieht in folgenden Formen: 1) in 
Pulvern, Consistenz 1 und 2 durch Verreibung mit anderen Pulvern, 
Consistenz für sich oder gemischt. — Diese Form ist jedoch unzweck- 
mässig, da solche Pulver leicht feucht werden und zusammenbacken. Für 
einzelne Narcotica ist noch eine complicirtere, zu Pulvern sich gut eignende 
Extractform unter der Bezeichnung Kxtractlllll siccillll in Gebrauch, die 
dadurch hergestellt wird, dass gleiche Gewichtsl heile Extract und Dextrin 
in einer Porzellanschale so lange bei 40-50° C. getrocknet werden, bis 
kein Gewichtsverlust mehr stattfindet. Die noch warme Masse wird mit 
soviel Dextrin verrieben, dass das ursprüngliche Gewicht des angewen- 
deterj Extractes verdoppelt ist. Die Dosis solcher Extracte wird vom 
Apotheker doppelt so hoch genommen, als sie der Arzt verordnet hat, 
wenn nichi dieser schon dem Namen des Extractes die Bezeichnung 
siccam hinzugefügt hat. 2) In Pillen, die beste Form für die Extracte ; 
Consistenz 1 bedarf 2 Th. vegetabilischen Pulvers auf l Th. Extract zur 
Pillenmasse: Consistenz 2 1 Th Extract mit Vj-Vi ßinos vegetabilischen 



Extrnetum Absinthii. 



277 



oder 1 eines anderen Pulvers [Sulfur., Hydrarg. sulfur., schwer lösliche Salze]; 
Consistenz 3 bedarf etwas Mucil. Gummi Arab. [selten etwas Spiritus, z. B. 
Extr. Aloes] zur Pillenmasse. 3) In Latwergen, namentlich die Consistenz 1 
und 2. 4) In Solution; nur wenige Extracte lassen sich vollständig lösen 
[die bei der Bereitung filtrirten Extracte] , die meisten geben eine Schüttel- 
mixtur von trübem, mehr oder weniger braun gefärbtem Ansehen; Ex- 
tracte von bedeutender Wirkung, die nur kleine Dosen erforderlich machen, 
werden häufig in Form von Tropfen gegeben. — Für den äusserlichen 
Gebrauch kommt der Zusatz von Extracten zu Salben, Pflastern und 
Klystieren vor. 

*E\tractllMl Absinthii. Wermutextract. [20 Th. des Krautes mit 
Wasser 60 und Spiritus 40, der Rückstand mit Wasser 30 und Spiritus 20 digerirt. ge- 
mischt, ausgepresst und bis zur Consistenz 2 eingedickt. — Trübe löslich. — 1,0 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals tcäglich; in Pillen, Mixturen. 

*Extractum Aconit i. Aconitextract. Eisenhutextract. [Tuber. 
Aconiti 20 mit Spirit. vin. 40, Aq. 30 macerirt, der nach dem Abpressen bleibende 
Rückstand mit Spirit. vin. 20, Aq. 15 durch 3 Tage macerirt, zur Consistenz 2 ab- 
gedampft. — 1,0 20 Pf.] Anlässlich eines jüngst in Holland vorgekommenen 
Vcrgiftungsfalles mit Aconitin sei nachträglich an dieser Stelle bemerkt, 
dass das deutsche Aconitin bedeutend schwächer als das französische oder 
englische sein soll. Jedenfalls ist die Dosis für das i\conitine (Hottot) 
nur auf V 2 — 1 Mgr. angegeben. 

Innerlich: zu 0,006-0,025 [ad 0,02 pro dosi. ad 0,1 pro die!] mehrmals 
täglich, in Pillen und Tropfen [gelöst in Vin. Colchici, Vin. stibiat. , Liq. 
Amnion, acet., Aq. Laurocerasi]. 

Aeusserlich: zu Pflastern, Einreibungen [Extractum Aconiti mit 
Opium ana mit Speichel in die Schläfengegend einzureiben, bei arthritischer Oph- 
thalmie: v. Amnion]. 



567. Bf 

Extr. Aconiti 

Hb. Aconiti pulv. ana 0.5 

Succ. Liquir. dep. 3,0. 

M. f. pil. No. 50. Consp. Lycop. 
3-6 mal täglich 1 Pille. 



D. S. 



568. 
MDS. 


Extr. 
Vini 
3 mal 


Aconiti 1 .0 
Sem. Colchici 25,0. 
täglich 5 Tropfen. 


56!). 




Ri 









Extr. Aconiti 0,5 
Extr. Opii 0,2 

Extr. Liquir. 

I'ulv. Rad. Liquir. ana. 

Kxtractum Aconiti 



q. s. ut f. pil. No. 50. C. p. rad. Liquir. 
D. S. 3-4 mal tägl, 2 Stück zu nehmen. 
[Bei Facialneuralgie.] 



[Bei 



m< cum s. 



570. Py 

Extr. Aconiti 0,5 
Tinct. Guajaci ammoniat. 
Vini stibiat, ana 10,0. 
D. S. 3 mal täglich 10-15 Tropfen. 
Arthritis.] 

571. Bf 

Extr. Aconiti 3,0 
Liquor. Aramon. caust. 0,5 
Adipis suilli 12,0. 
MDS. Aeusserlich einzureiben. [Bei chro- 
nisch-rheumatischen oder neuralgischen 
Schmerzen.] Turnbull. 

pulverat. Trocknes Eisonhut- 



i ract — 1.0 15 Pf. 

Innerlich: 0,01-0,05 [ad 0.04 pro dosi, ad 0,2 pro die!] in Pulvern, 
rillen. 

*Extractlllll AloÖS. Aloeextract. [1 Aloe mit 5 Aq. destill. 48 Stun- 
den macerirt, dann colirt und bei massiger Wärme bis zur Consistenz 3 abgedampft. 
— Trübe löslich. — 1,0 5 Pf.] 

fy 567-571. *W 



278 



Extractum Aloes Acido salfurico correctum. 



Innerlich: zu 0,02-0,1 melirmals täglich als Reizmittel, zu 0,05 
bis 0,25 als gelindes Purgans, zu 0,25-0,6 als Drasticum, in Pillen, 
oder Bissen, selten in Pulvern oder Mixturen. 

Aeusserlich: zum Clysma [0,15-0,3], zu Augenwässern [Augen- 
tropfwässern: 0.1-0 3 auf 25,0; Augenbähungen: 0,2-1,0 auf 1000], Verband- 
wässern [2,0-5,0 auf 1000]. Augensalben [0,1-05 auf 10,0], 



572. ty 

Extr. Aloes 

Saponis medicat. ana 3^0. 
M. f. pil. 50. Consp. Lycop. D. S. Abends 
1 -2 Pillen zu nehmen. [Sehr empfehlens- 
werth, gelkid wirkendes Abführmittel.] 

Frerichs. 



573. 



R 



Extr. Aloes 5,0 
Extr. Rhei comp. 3,0 
Extr. Colocynth. comp. 
Ferr. pulv. ana 1,5. 
M. f. pil. 100. Consp. Lycop. D.S. [Nach 
Bedürfnis 1-2-3 Pillen zu nehmen.] 
Pilulae aperitivae Stahlii. 



574. Bf 

Extr. Aloes 

Extr. Rhei comp, ana 3,0 
[Extr. Strychn. spirit. 0,3] 
Pulv. et Succ. Liquir. q. s. 
ut f. pil. No. 30. Consp. Lycop. 
Morgens und Abends 2 Pillen. 
[Abführmittel.] 

Leyden. — Rabow. 



D. S. 



575. Bf 

Extr. Aloes 

Ammon. chlorat. f errat. 
Summitat. Sabinae pulv. ana 2,5 
Extr. Senegae 4,0. 
M. f. pil. 90. Consp. Lycop. D. S. 3 mal 
täglich 2-5 Stück. 

Pilulae emmenagogae. 



G76. Iy 

Extr. Aloes 2,0 
Natr. carb. dep. sicci 4.0 
Extr. Taraxaci q. s. 
ut f. pil. No. 60. Consp. Lycop. D. S. 
Morgens und Abends 2 Pillen. [Bei 
Icterus simplex.] Oppolzor. 



577. ty 

Extr. Aloes 0,75 
Ferri sulfuric. 3,0 
Sapon. med. q. s. 
ut f. pil. No. 50. Consp. Lycop. D. S. 
Anfangs 3 mal täglich kurz nach dem 
Essen 1-3 Pillen zu nehmen, später 
beim Eintritt dünnerer Stuhlgänge sel- 
tener. [Bei habitueller Stuhl Verstopfung.] 
John Kent Spender. 

*Extractum Aloös Acido sulfurico correctum. [Extr. Aloes 4 in 

Aq. destill. 16 aufgelöst, Acid. sulfur. rectificat. '/._, tropfenweise zugesetzt, zur Con- 
sistenz 3 eingedampft. — Trübe löslich. — 1.0 10 Pf.] 

Gxtractlllll AllgclicaC. [1 der Wurzel mit 2 Spir. dil. digerirt, ausgepresst, 
der Rückstand nochmals mit 1 Spir. und 1 Wasser Übergossen, digerirt, ausgepresst, 
beide Flüssigkeiten gemischt, decantirt und zur Consistenz 2 abgedampft. — Trübe 
löslich. — 1,0 etwa 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-1,0 mehrmals täglich. 

FiXtractum Arnicac Itadicis. Wohlverleihextract. [Aus der 

Wurzel; Bereitung wie Extr. Angelicae. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 25 Pf.] 
Innerlich: zu 0,3-1,0 mehrmals täglich. 

Kxtractlim Arilicac Plorillll. [Aus den Blumen der Arnica mit Wasser 
extrahirt, bis zur Cons. 2 abgedampft. — 1,0 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,6 mehrmals täglich in Pillen. 

578. K- 

Kxtr. Amioae Flor. 2,0 
Acid. phospb. sicci 4,0 
Pulv. Rad. Serpentar. q. s. 
ut f. pil. No. 30. Consp. Lycop. D. S. 3 mal täglich 2 Pillen. 
[Hei nervöser Schwerhörigkeit.] Oppoizer. 

ty 572-578. 



Extractum Artemisiac. 27!) 



Extractuiii Arteinisiae. Beifusswurzolextract. [Aus der Wurzel, 

wie Extr. Angelicae bereitet. — 1.0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,3 in Pillen, in Emulsion [bei Eclampsie, Epi- 
lepsie u. s. w.]. 

579. ty 

Extr. Artemis. 0/25 
Gummi Arab. 4,0 
Sacch. alb. 12,0 
Emuls. Amvgd. 100,0. 
MDS. Halbstündlich 1-2 Theelöffel. [Bei Eclampsia infantum.] 

Kölreuter. 

Extractum Artemisiae aethereum. Aetherisches Beifuss- 

extract. [1 Rad. Artemis, mit 2 Aether acht Tage lang macerirt, ausgepresst, 
der Rückstand mit 1 Spir. aether. Übergossen, macerirt, ausgepresst, die erhaltene 
Flüssigkeit filtrirt und zur Consistenz 2 abgedampft. — Nicht löslich. — 1.0 
etwa 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0,2 in Pillen. 

Extractum Aurautii Corticis. Extractum Corticis Aurantii. Pome- 
ranzenschalenextract. [Cort. Fruct. Aurant. 1 mit Spiritus und Wasser 
ana 2 durch 3 Tage digerirt, ausgepresst und der Rückstand mit Spiritus und Wasser 
ana 1 ebenso behandelt, die Flüssigkeiten gemischt, filtrirt und bis zur Consistenz 2 
abgedampft. — Trübe löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,5 mehrmals täglich, in Bissen, Latwergen, 
Mixturen, Elixiren. 

Extractum Bardanae. Klettenwurzelextract. [Aus der Rad. 

Bardan. wie Extr. Absinth. — Klar löslich. — 5.0 etwa 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-1,0 mehrmals täglich [selten]. 

Aeusserlich: als Zusatz zu Haarwuchs befördernden Mitteln [Po- 
maden und Waschwässern]. 

*Extractum Belladonnae. Extractum Solani furiosi. Belladonna- 
extract. Tollkirschenextract. [20 Th. der frischen Blätter der Belladonna wer- 
den mit 1 Th. Wasser zerstampft und ausgepresst und dies mit 3 Th. Wasser wieder- 
holt; die erhaltenen Flüssigkeiten werden colirt und auf 2 Th. abgedampft; der 
Rückstand mit 2 Th. Spiritus 24 Stunden behandelt, colirt, nochmals mit 1 Th. Spirit. 
angerührt und abgepresst. Die gemischten Flüssigkeiten werden filtrirt und zur Con- 
sistenz 2 abgedampft. — Trübe löslich. — Die Ph. Auslr. lässt ihr Extractum Bella- 
donnae aus der getrockneten Wurzel darstellen, erhält dadurch ein wesentlich stärkeres 
Präparat, mit dessen Maximaldosis aber diejenige der Ph. Gcrin. cd. II. übereinstimmt, 
während die editio I die doppelten Dosen der jetzigen hatte. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: 0,01-0,05-0,1 [ad 0,05 pro dosi, ad 0,2 pro die!] 2-3 Mal 
täglich , in Pulvern, Pillen und Tropfen [mit Aqua Laurocerasi]. In 
England vielfach bei hartnäckiger Obstipation in grossen Dosen (0,12 
alle 1-2 Stunden bis zu 0,7 und 0,9 Gr.: Herr) gegeben. Auch als Anti- 
pyreticum bei Typhus und Scharlach (Abends 0,03 mit oder ohne einen 
Theelöffel Magnes. sulfur., welches die Wirkung der Belladonna bedeu- 
tend unterstützt) von Burr angewendet. 

Aeusserlich: zu Zahnpillcn, Zahn latwergen, Bougies [bei 
krampfhaften Stricturen Kerzen mit Extrsct. Hidladonnae bestrichen einzubringen: 
Tyrrcl], Injectionen und Klystieren [0,05-0,1 auf 25,0], Inhalationen 
[vergl. p. 100], Augenwässern [zur Erweiterung der Pupille: 0,25-0,0 auf 10,0, 

ty 579. 



280 



Extraktum Belladonnae. 



jetzt die Lösung des Atropins wegen ihrer sicheren und gleichmässigeren Wirkung 
vorgezogen; als Augentropfwasser bei Ophthalmie: 0,1-0,5 auf 25 0], Pflastern 
[5.0 auf 20,0-25,0], Suppositoricn, Salben [3.0-6,0 auf 25,0, hei Rigidität 
des Muttermundes, Blasenkrampf, eingeklemmten Brüchen], Augensalben [0,3 
bis 0,6 auf 10,0: bei scrophulöser Lichtscheu]. 



580. B; "S|^ 

Extr. Belladonnae 
Fol. Belladonn. pulv. ana 1,0 
Succ. Liquir. q. s. 
ut f. pil. No. 100. D. S. Im ersten Mo- 
nat Abends 1 Pille, im zweiten Monat 
Abends 2 «Pillen u. s w. zu steigen bis 
zu 6-7 Pillen. [Gegen Epilepsie.] 

Trousseau. 



58 



U- 



Extr. Belladonn. 
Extr. Opii ana 0,2 
Lactucarii gaüici 0,3 
Flor. Malvae q. s. 
ut f. pil. 15. D. S. 3 mal täglich 1 Pille, 
später mehr. [Bei hochgradiger Chorea.] 

Barthez. 



582. ty 

Extr. Belladonn. 1,0 

Opii 0,5 

Myrrhae 

Rad. Ipecac. pulv. ana 2,0 

Mucil. Gummi Arab. q. s. 
M. f. pil. 50. D.S. 3 mal täglich 1 Pille: 
auf 2, später 3 Pillen zu steigen. [Bei 
Asthma.] 

583. \[- 

Extr. Belladonn. 0,5 
Extr. Gcntian. q. s. 
ut f. 1. a. pil. No. 50. Consp. Lycopod. 
D. S. 3 mal täglich 1-4 Pillen zu nehmen. 
[Bei habitueller Stuhlverstopfung.] 

Nunneley. 

.VI I,': 

Extr. Belladonn. 

I'ulv. Sem. Strychn. ana 0,1 

Ferr. oxyd. fusc. 0,75 

Sacch. alb. '2.5. 
M. I. pulv. div. in decem pari, acqual. 
D. ,^. Täglich 1 Pulver. [Gegen Enuresis 
nocturna der Kinder.] Faure. 

585. K- 

Extr. Belladonn. 0,1 
Bismut. snbnilr. 2,0 
Elaeosacch. Chamom. 5,0 



M. f. pulv. d. in part. aeq. No. 



4 Pulver im 
< lardialgien.] 



zu nehmen 



10. S. 

[hei 



586. Bf 

Extr. Belladonn. 0,25 

Aq. Laurocerasi 15,0. 
D. S. 3-4 mal täglich 30 Tropfen. 

[Liquor Belladonnae cyanic] 

Hufeland. 



587. 



D. S. 



9 

Extr. Belladonn. 0,3 

Liq. Ammon. anis. 2,5 
Aq. dest. 15,0. 
3stdl. 10-20 Tropfen. Frerichs. 



588. P v 

Extr. Belladonn 
Aq. dest. 100,0 
Syr. Ipecac. 25,0 
Vin. stibiat. 10,0 

MDS. 3 mal täglich 1-2 
Keuchhusten.] 



0,3 



TheelÖffel. [Bei 



589. ty 

Extr. Belladonn. 1,0 
Zinc. oxydat. 4,0 
Extr. Valerian. q. s. 
f. pil. No. 100. Consp. Lycop. D. S. 
5 Stück. [Bei Neuralgie.] 
Bernatzik. 



ut 



2 mal täglich 



500. ly 

Extr. Belladonn. 0,5 
Ungt. Hydrarg. einer. 10,0. 
M. f. unguent. D. S. Zum Einreiben bei 

spastischer Phimosis und Paraphimosis 

im Gefolge des Trippers. 



591. !;• 

Extr. Belladonn. 6,0 
Tinct". Opii croc. 3,0 
Chloroformii 4,0 
MDS. Auf neuralgische und schmerzhafte 
Theile 3-4 mal täglich aufzulegen. 

Diday. 



592. 



Ri 



Extr. Belladonn. 
I lamph. 

Tinct. Opii ferment. ana 4,0 
Ungt. Eydrarg. einer. 30,0. 
M. f. unguent. D. S. Zur Einreibung. 
[ l>c,i chronischen Drüsenanschwellungen, 
Bpididymitis u. s. w.] 

Kicord's Pommade fondante. 



i: 580*592. 



Extractum Belladonnae siccum. 



281 



593. Py 

Extr. Belladonn. 
Ungt. Glycerini ana 10,0. 
F. ungucnt. D. S. Zur Einreibung in die 
Brustdrüse. [Bei Galactorrhoc] 

Fountain. 

594. I* 

Extr. Belladonn. 0.1 

solve in 
Aq. dest. 100,0 
Aq. Laurocerasi 5,0. 
MDS. Zur Injection. [Bei Tripper mit 
starker Schmerzhaftigkeit und Ischurie.] 

595. ty 

Extr. Belladonu. 0,02 
Glycerini 8,0 
Gelatin. 1,0. 
Solve len. calor. f. Supposit. S. So tief 
als möglich einzuführen und 3-4 mal zu 
wiederholen. [Bei Hämorrhoidalfluss.] 

Mc. Auliffe. 



596. ly 

Extr. Belladonn. 0,25 

Ol. Cacao 15,0. 
F. suppositoria No. 4. D. Bei Tenesraus. 

Schönlein. 



597. Py 

Extr. Belladonn. 3,0 
Plumbi acct. 5,0 
Adipis suilli 30,0. 
M. f. unguent. D. S. Zum Bestreichen 
des Anus bei Fistula ani. 

Dupuytren. 



598. Iy 

Extr. Belladonn. 0,1 

Inf. Flor. Chamom. 125,0. 

MDS. Zum Klystier. [Zur Reduction von 
Hernien.] Ricord. 



Kxtractum Belladonnae siccum. [Vergi. Extracta. — 1,0 15 Pf.] 

*fixtractlllll Calailli. Extr. Acori. Kalmusextract. [Wie Werrouth- 
Extract bereitet. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pillen. 
Extractum Calendulae. R i ng e 1 b 1 u m e n e x t r a c t. 

Extr. Bellad. Consistenz 2. — Lösung trübe. — 1.0 etwa 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-0,8 2-4 Mal täglich, in Pillen 

Aeusserlich: zu Verbandwässern, Salben [mit Wasser zur Salbon- 
consistenz angerührt oder als Zusatz zur Fettsalbe]. 

599. }{■ 

Extr. Calendulae 

Extr. Chamom. vulg. ana 6,0 

solve in 
Aq. Laurocerasi 50,0 

adde 
Tinct. Opii simpl. 3,0. 



[Bereitet wie 
Mixturen. 



MDS. Umgeschüttclt als Verbandwasser. 



[Bei Krebsgeschwüren.] 
Kust. 



llxtrjiHiim (amiahis indicae. Extract of Indian hemp. Kxtrait 
du chauvre de l'Indes. Indisch Hanfextract. [Alkoholisches Extract aus 
der Herba Cannabis indicae. — Consistenz 2. — In Wasser unlöslich, in Alkohol mit 
grüner Farbe löslich. — 1,0 (i5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,1 [ad 0.1 pro dosi! ad 0,4 pro die!] 2-3 Mal 
täglich [nach I lonmiillcr nmss die Dosis bedeutend höher gegriffen werden, zu 
0,25-0,5 und selbst zuweilen bis 1,25 (!!!), um Schlaf zu erzielen, und haben sich 
ihm diese grossen Dosen bei einer Reihe von Krankheiten als sehr empfehlenswerte 
Hypnotica bewährt. Auch Itcrthicr reicht das Extr. Cannabis indicae in der Dosis 
mim 0,25-1,01 als Hypnoticum bei Geisteskrankheiten], in Pillen. Pulvorn, 
Trochiscen [Trochisci mit 0,6 Extr. Cannabis indicae sind meistens in den Apo- 
theken vorräthig] oder alkoholischer Lösung [Tinctnra Cannabis indicae], als 

Q 598-599. 



282 



Extractum Capitum Papaveris. 



Narcoticum in seiner Wirkung dem Opium ziemlich nahe stehend, aber 
milder und namentlich nicht hemmend auf die Stuhlentleerung [mit Erfolg 
versucht bei Geisteskranken von < onollo, lUoreau. Iterthier u. a. — in der Cholera 
asiatica von Yilleuiiii empfohlen, ohne besondere Vorzüge — von Froiiuiiiller bei ver- 
schiedenen Krankheiten, namentlich Phthisis, Rheumatismus, Neurosen, Entzündungs- 
krankheiten u. a. mit Erfolg als beruhigendes und schlafmachendes Mittel angewandt. 
Srguin empfiehlt das Extract gegen Migräne, 0,02 vor jeder Mahlzeit zu nehmen, in 
der 2. Woche auf 0,o steigend und 3 Monate lang zu gebrauchen.] — Die im 
Orient gebräuchlichsten Präparate des Hanfes sind Hasch ich und Chur- 
rus. Die Zusammensetzung derselben ist keine constante. Nach einigen 
soll das Extr. Oannabis ihr' Hauptbestandteil sein. Das von v. Sigmund 
aus Egypten mitgebrachte Haschich enthielt die Herba Oannabis indicae, 
vornehmlich die blühenden Spitzen derselben (v. Schroff). Nach Fiomniilln 
soll Haschich überhaupt aus gepulverter Herba Oannabis indicae, Zucker 
nnd Gummi bestehen, aber in nicht constanter Mischung; Churrus hin- 
gegen soll das gereinigte Cannabis-Harz darstellen. 

Aeusscrlich: in Salben oder Linimenten [zur Beschwichtigung 
localer entzündlicher, neuralgischer oder rheumatischer Schmerzen: 1 1 oiinuilh r | 



600. Bf 

Extr. Cannab. indic. 1,5 
Acicl. gallici C>,0. 
F. pil. No. 50. Consp. Lycopod. D. S. 
1-2 Pillen Abends zu nehmen. [Gegen 
colliquative Schweisse bei Phthisis.] 
Pharmac. of the Brompton-Hospital. 



601. Bf 

Extr. Cannab. ind. 
Herb. Cannab. ind. pulv. ana 3,0(!). 
M. f. pil. No. 50. Consp. Lycop. D. S. 
4 Pillen auf einmal zu nehmen. [Als 
llypnoticum.] Fronmüller. 



C02. Bf 

Extr. Canab. ind. 

Extr. Hyoscyam. ana 0,0o 



Sacch. alb. 0,3. 
M. f. pulvis. Dispens, tal. dos. JNo. 8. 
D. S. ostdl. 1 Pulver. [Bei Gonorrhoe 
mit heftigen Schmerzen.] Zeissl. 



G03. Bf 

Extr. Cannab. ind. 
Sacchar. lact. 3,0. 
M. f. pulv. D. in part. aeq. No. 10. S. 3 mal 
täglich 1 Pulver. [Bei Chorea.] 

Frerichs. 



604. Bf 

Extr. Cannab. ind. 0,2 
Liniment, aminoniato-camph. 25,0. 
D. S. Zur Einreibung. [Bei schmerzhaftem 
chronischen Hheumatismus.] 

Fronmüller. 



iiXtractiiiii Capitum Papaveris. Affium. Opium indigene. Mohn- 

k 0|)iextract. [Ein gesättigtes alkoholisches Extract, aus den unreifen Samen- 
kapseln des Mohns bereitet, soll nach Dublanc etwa 1 pCt. Morph, enthalten.] 

Ilxtractuiii (apsici aniiui. Spanischpfefferextraci. [Alkoholi- 
sches Extract aus den Fructus Capsici annui.] 

Innerlich: zu 0,^-0,1 als kräftiges Acre. 

1 Jxtnu l um ( anliii benedicti. Cardobenediktenextract. [lTheil 

Cardobenediktenkraut mit 10 kochendem Wasser digerirt, zur Consistenz t abge- 
dampft. Trübe löslich. — 10,0 50 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Villen, Solutionen 
[mit Aqua Laurocerasi, mit aromatischen Tincturen u. s. w.j. 

G05. ly 

Extr. Cardui bened. . r >,o 
\'|. Laurocerasi 25,0. 
M. D. 3 mal täglich 20 lo Tropfen. [Bei chronischen pituitöseu Katarrhen.] 

P v 600- 605. 



Extractum Caniis Liebig. 283 



Extra et um Caniis Liebig. Fleischextract. [Eine höchst concen- 

trirte, fettfreie Bouillon. Die Pharmakopoe ed. I. schrieb vor, dass die Auflösung des- 
selben mit etwas Kochsalz versetzt, genau den Geschmack der Bouillon darbiete, eine 
Bedingung, die von dem aus Brasilien und Neuholland zu uns kommenden Fleisch- 
extract nicht immer erfüllt wird. — 10,0 45 Pf.] 

Innerlich: als Nahrungsmittel für Reconvalescenten, Magenleidende, 
Phthisiker, atrophische Kinder u. s. w. theelöffelweise pur oder auf Weiss- 
brod gestrichen oder in heissem Wasser gelöst mit Salz und Gewürzen 
[V 2 -l Theelöffel zu 1 Tasse heissen Wassers giebt eine kräftige Bouillon]. 

*Extractltm Cascarillae. Cascarillextract. [1 Cort. Cascarill. klein 
geschnitten mit 5 kochenden Wassers Übergossen, 24 Stunden macerirt, ausgepresst, 
abermals mit 5 kochenden Wassers Übergossen, wiederum macerirt, ausgepresst; 
beide Flüssigkeiten gemischt, decantirt und zur Consistenz 2 abgedampft. — Trübe 
löslich. — 1,0 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen und Mixturen. 

Aeusserlich: zu Zahnfleisch-Latwergen. 

606. Bf 

Extr. Cascarill. 3,0 
Pulv. Rad. Rhei 1,0 



Pulv. Rad. Colombo 2,0. 
M. f. pil. No. 50. Consp. Cinnam. D. S. 
3 mal täglich 5 Stück. 



607. Bf 

Extr. Cascarill. 

Extr. Colombo ana 5,0 

Aq. Menth, pip. 150,0 

Tinct. Cinnam. 7,5 

Syr. Aurant. Cort. 30,0. 
MDS. 2stdl., umgeschüttelt, 1 Esslöffel. 
[Bei Diarrhoe.] Vogel. 



608. Bf 

Extr. Cascarill. 

Extr. Trifolii flbrini ana 2,0-4,0 
Aq. dest. 200,0 
Syr. Aurant. Cort. 20,0. 
MDS. 1 Esslöffel voll vor jeder Mahlzeit 
zu nehmen. [Bei Appetitlosigkeit.] 

v. Bamberger. 



609. B- 

Extr. Cascarill. 15,0 

Myrrh. pulv. 5,0 

Ol. Menth, pip. 0,25. 
M. f. electuar. spiss. D. S. Zahnfleisch- 
Latwerge. 



Extractum Castaneae vescae liquidum. Flüssiges Kastanie n- 

extract. [Fol. Castaneae vescae 480 getrocknet und gepulvert, mit 150 Glycerin 
und 240 Zucker und Wasser q. s. gekocht und auf 480 Colatur eingedickt. — 
10,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu \ 2 -\ Theelöffel für Kinder, entsprechend mehr für 
Erwachsene, gegen Keuchhusten empfohlen: Davis, Vleischmaiui. 

Extractum Catechll. [Wie Extr. Aloes bereitet. Consistenz 3. — Trübe lös- 
lich. — 10,0 etwa 25 Pf.] 

Innerlich: wie Catechu. 

610. Bf 

• Extr. Catechu 25,0 
Ammon. chlorat. 12,5 
Aq. 200,0 
Gummi Arab. 25,0. 
MDS. l-2stdl. 1 Esslöffel. [Bei Diarrhoe.] 

Rademacher. 

Extractum Centaurii. Tausendgüldenkrautextraci [wie Exlr. 

Card, bened. Consistenz 2. — Trübe löslich. — LO 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pillen, Tropfen. 
Extractum €hamomiIIac. Kamillenextraci [1. Th. Flor. Cha- 

momill. mit Wasser und Spiritus ana 4 Th. digerirt und ausgepresst und der Rück- 

Bf 606-610. 



234 



Extractum Chelidonii. 



stand nochmals mit Wasser und Spiritus ana 2 digorirt und ausgepresst, die Flüssig- 
keiten gemischt, fillvirt und zur Consistenz 2 abgedampft — Trübe löslich. — 1.0 
25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2.0 mehrmals täglich, in Pillen, Mixturen. 

Aeusserlich: zu Pinselsäften und Verbandwässern. 

Extractum Chelidonii. Schöllkrautextract. [Wie Extr. Belladonn. 
bereitet. Consistenz 2, — Trübe löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-1,5 mehrmals täglich in Pillen, Tropfen. 

*E\tractiiiu Chinac aquosum. Wässeriges Chinaextract. [lTh. China- 
rinde mit 10 Wasser 48 Stunden macerirt, der nach dem Abpressen bleibende Rück- 
stand nochmals mit 10 Wasser ebenso lange macerirt, die abgepressten Flüssigkeiten 
auf 2 Th. verdampft, filtrirt und ein Extract von der Consistenz 1 hergestellt. — 1.0 
15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pillen, Mixturen. 

Aeusserlich: zu Mundwässern, Pinselsäften, als Zusatz zu 
Haarpomaden. 



611. Ji- 

Extr. Chinae 

Fol. Trifol. fibrini pulv. ana 5,0. 
F. pil. 100. Consp. Cinnam. D.S. 2stdl. 
5-10 Stück. [Bei milder Form von 
Intermittens.] 



ut f. pil. 100. S. 2 Pillen zu jeder Mahl- 
zeit. [Roborirende Pillen] 



613. 



Gl 2. 



Ferro- Kali -tartar. 10,0 

Extr. Chinae 10,0 

Glycerini 

Ol. Anisi q. s. 



M. f. 



Medullae Bovis 25,0 
Ol. Jasmini 5,0 
Extr. Chinae 3,0 
Succi Citri 

Tinct. Canth. ana 1,5. 
unguentum. D. S. Haarpomade. 

Dupuytren. 



Extractum ChiliaC frigide paratlllll. [Entspricht dem Extr. Chin. aquos. 
der edit. II. nur das 1 Theil Cort. Chinae statt mit 10 mit 3 T heilen Wasser aus- 
gezogen wurde. - - Enthält fast nur Gerbstoff. — Wenig trübe löslich. — 1,0 25 Pf.] 



614. 



Innerlich: zu 1,0-2,5. 
Iy 



615. 



Iy 



Extr. Chin. frigid, parat. 10.0 

solve in 
Aq. Menth, pip. 150,0 
Spir. Aether. aect. 5,0 
Syr. Aurant. Cort. 50,0. 
Stdl. 1 Esslöffel. 



Extr. Chin. frigid, parat. 2,0 

Am- 100,0 

Aq. Aurant. Flor. 15,0 

Syr. Aurant. Tort. 30,0. 
D. S. 3-4 mal täglich 1 Esslöffel. [Zur 

Unterstützung der Kräfte bei ulcerativer MDS. 
Scrophulose. Lebert. 

Mvtractuiii Chinae suirituosiim. Weingeistiges Chinaextract. [1 Th. 
Chinarinde mit 5 spir. vini dilut. (i Tage macerirt. Der nach dem Abpressen blei- 
bende Rückstand nochmals mit 5 spir. vini dil. 3 Tage macerirt. Die gemischten 
Flüssigkeiten zum trockenen Extract eingedampft. — 1,0 35 Pf.] 

Ii\ hart ii in (liiiiae regiae s. (alisayae liquidum. Fluid extract 
der Ph. Hritiaim. soll leichter verdaulich sein als das Chinarindenpulver. 

Innerlich und äusserlich: wie Extr. Chinae spirit, jedoch wirk- 
samer, aber auch theurer als dioses. 

I']\tr;irtiiiu (inae. Extractum öinae aetbercum. Extractum San- 
tonici. ISxtr. Flores Artemisiae Vahlianae Ph. [ftrr. Zittwerblüthcn- 

t\l ract. [2 Th. Flor. Cin. pulv mit Aether und Spiiitus ana 3 durch 3 Tage 
i;.' Gl 1-610. 



Extractum Cinac spirituosum. 285 



macerirt, ausgepresst und abermals mit Aether und Spiritus ana 2 Th. dieselbe Ope- 
ration wiederholt, beide Flüssigkeiten gemischt, filtrirt, zur Consistenz 1 abgedampft; 
von dunkelgrüner Farbe, in Wasser unlöslich. — 1.0 35 Pf.] 

Innerlich: zu 0.3-1,0 [als Anthelminthicum], in Pillen oder Bissen, 
am besten in Kapseln [0,3-0,6, von welchen letzteren 1 Dtzd. = 140 Pf.] 

61G. Bf 

Extr. Cinae 1,0 
Flor. Cinae q. s. 
ut f. pil. No. 16. Consp. Pulv. Rad. Calam. D. S. 2 Tage hinter einander Morgens 
nüchtern 8 Stück zu nehmen. [Bei Spulwürmern Erwachsener.] Shapmann. 

ExtractllUl Ciliae SpiritllOSlim. [Durch Extraetton der Flor. Cin. mit 
Spir. dil. und Abdampfen bis zur Consistenz 3. — 1,0 35 Pf.] 

Innerlich: zu 0,15-0.3 pro die für Kinder, mehr für Erwachsene. 

Extractlim Coffeae SpiritllOSlim. Kaffeeext ract. [Frische Kaffee- 
bohnen gestossen und aus denselben in der Weise des Angelicaextracts ein Extract 
bereitet. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 10 etwa 30 Pf] 

Innerlich: zu 0,1-0,25-0,4, in Pillen [statt des viel theureren Coffein]. 

G17. Iy 

Extr. Coff. spirit. 5,0 
Pulv. Sem. Coff. q. s. 
ut f. pil. 50. Consp. Cinnam. D. S. l / 2 - 1 stdl. 2-3 Pillen zu nehmen. 
[Bei Migräne.] 

Extractum Colchici acidiim e Semiuibus. Saures Zeitlosen- 
S amenext ract. [Aus 1 Sem. Colchici pulv. durch Maceration mit 8 Essig und 
wiederholter Maceration mit 4 Essig, Filtriren beider Flüssigkeiten und Eindampfen 
bis zur Consistenz 2. — Klar löslich. — 1.0 etwa 15 Pf.] 

618. Bf 

Extr. Colchici acid. e Semin. 
Aloes pulv. ana 2,0. 
F. 1. a. pil. No. 30. Consp. Magn. ust. D. S. Morgens und Abends 1 Pille zu nehmen. 
[Bei Arthritis, Amenorrhoe.] Pilulae antarthriticae albae. Wolff. 

* Extractum Colocyuthidis. Oolo quin then extract. [2 Th Coio- 

quinten von den Samen befreit und gröblich zerschnitten, mit 15 Th. Spir. dilut. 
mehrere Tage lang digerirt, ausgepresst, mit 5 Spir. dilut. und 5 Th. Wasser dieselbe 
Operation wiederholt, die Flüssigkeiten gemischt, decantirt und zur Consistenz 3 aus- 
getrocknet. — Trübe löslich. — 1,0 40 Pf.] 

Innerlich: zu 0,005-0,01 als Reizmittel, zu 0,01-0,06 [ad 0,05 pro 
dosi, ad 0,2 pro die!] als Purgans. 

G19. fy 

Extr. Colocynthidis 

Aloes 

Extr. Rhei 

Cutti ana 1,0 

Extr. Hyoscyami 0,25 

Ol. Anisi 0,1. 
M. f. pil. No. 20. Obduc. Argent. S. 
Abends 1 Pille zu nehmen. [Bei hart- 



G20. fy 

Extr. Colocynth. 
Aloes 

Scammonii ana 3,0 
Kalii stibi. 0,2. 
M. f. pil. No. 50. i). S. Täglich 1 Pille 
zu nehmen. 
Purgans, zumal bei Hautkrankheiten.] 



nackiger Stuhl Verstopfung.] Fothergill. 

Trousseau. 

liVtractuiii Colocynthidis compositum. Extr. Colocynth. Londi- 

nense. [Extr. Colocynth. {V, Extr. Rhei, Aloe 10 und Res. Scammonii 8 mit Spir. 
dil. besprengt und zur Consistenz 3 eingedampft. — 1.0 20 Pf.] 

Et 616-620. 



286 



Extractum Colombo. 



Innerlich: zu 0,01-0,05-0,12 in Pillen. 

621. Bf 

Extr. Colocynth. comp. 
Sapon. medicat. ana 2,0 
Ol. Chamomill. citrati 0,5. 
M. f. pil. No. 30. Consp. Lycopod. D. S. 1-2 Pillen. 

* Extractum Colombo. Extr. Calumbae Ph. Austr. [Wie Extr. Aurant. 
Cort. bereitet und zur Consistenz 3 abgedampft. — Trübe löslich. — 1.0 55 Pf.] 
Innerlich: zu 0,5-1,5 in Pillen oder Mixturen. 



622. Bf 

Extr. Colombo 

Fell. T'auri 

Pulv. Rad. Rhei ana 4,0. 
F. pil. No. 100. Consp. Cinnam. D. S. 
Täglich 6-10 Stück zu verbrauchen. 



3 mal täglich 1 Ess- 
Richter. 



Tinct. Rhei aquos. 25,0 
MDS. Umo-eschüttelt 
löffel. 

624. Bf 

Extr. Colombo 4,0 
Decoct. Salep. 100,0 
623. Bf Elaeosacch Foenic. 15,0. 

Extr. Colombo 12,5 MDS. Stdl., umgeschüttelt, 1 Kinderlöffel. 

solve in [Bei Diarrh. chron. infantum.] 

Aq. Cinnam. simpl. 100,0 Wendt. 

Spir. aether. 6,0 

Extractum Conii. Extractum Conii maculati Ph. Austr. s. Cicutae 

(terrestris). Schierlingsextract. [Wie Extr. Belladonna^ Consistenz 2. — 
Fast klar löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: 0,03-0,18 [ad 0,18 pro dosi, ad 0,6 pro die!] mehrmals täg- 
lich in Pillen und Solutionen. [Vor einiger Zeit dringend zur Ver- 
hütung der durch Milchstauung- entstehenden Mastitis der Wöchnerinnen und Stillen- 
den zu 0.01-0.06 4-6 Mal täglich von Altstätlter empfohlen.] 

Aeusserlich: zu Pinselsäften, Inhalationen [vergl. pag. 100], 
Augen wässern [zu Fomentationen 2-3 auf 100; zu Augentropfwässern 1 auf 25], 
Augensalben [1-3 auf 10-15 Fett], Verbandsalben, Pflastern. 



625. Bf 

Extr. Conii 

Extr. Papaveris ana 3,0 
Extr. Stramonii 0,30-0,72 
Bf. f. 1. a. pil. No. 20. Consp. Lycopod. 
D. S. 2 mal täglich 1 Pille zu nehmen. 
[Bei Mastodynie.] 

v. Bamberger. 



G2G. 



K- 



Extr. Conii 0,2 

Kxtr. Chelidonii 2,0 

Rad. Rhei pulv. 3,0 

Saponis med. . r >,0. 
[Zuweilen auch noch Zusatz von Extr. 
Aloe*.] M. f. pilul. No. 100. Consp. 
Lyeop. D.S. 3mal täglich 5-10 Stück 
zu nehmen. [Bei verschiedenen Deber- 
affectionen, zur Beförderung der Gallen- 
ausscheidung.] Leberpillen. 

H. E. Richter. 



627. Bf 

Rad. Ipecac. pulv. 1,0 
Stib. sulfur. aurant. 
Extr. Senegae 
Extr. Conii ana 2,0. 
F. pil. No. 60. Consp. Lycopod. D. S. 
3 mal täglich 1-2 Pillen. [Bei chroni- 
schem Bronchialkatarrh.] 



628. Bf 

Extr. Conii 5,0 
Rad. Ipecac. pulv. 1,0 
Syr. comm. q. s. 
ut f. pil. No. 50. Consp. Lycop. D. S. 
Mehrmals täglich 1 Pille zu nehmen. 
l'ilul. Conii compos. Ph. Brit. 
(Compound Pill of Hemlock.) 



620. Bf 

Extr. Conii 2,0 

solve in 
Aq. Lauroccrasi 20,0. 
D. S. 10 Tropfen mehrmals täglich zu 
nehmen. 



i" 



\{f 621-629. 



Extractum Conii siccum. 287 



Extractum Couü siccum, Vergl. Extracte. [1,0 15 Pf.] 

Extractuui Corticis Nucum Juglandis. Roob Juglandis. Nuss- 

schalenextract. [Der Saft aus den grünen Nussschalen zur Consistenz 2 ab- 
gedampft.] 

Innerlich: zu 0,1-0,6 in Pillen und Mixturen. 

Extractum Corticis Radicis (»raiiatorum. Extractum Punicae 
Granati Ph. Austr. Granatwurzel-Rindenextract. [Wie Extr. Cascar. 
Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 30 Pf.] 

Innerlich: zu 5,0-12,0 pro dosi [in der Regel 3 Mal wiederholt], in 
Solution [von aromatischem Wasser]. 

Extractum Corticis Radicis Graiiatorum spirituosum Ph. Hall. 

[Mit Spir. dil. bereitet. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 35 Pf.] 

Innerlich: zu 4,0-8,0 3 Mal wiederholt. 
630. ty I MDS. In 3 Portionen in Zwischenräumen 



Extr. Cort. Rad. Granat, spir. 25,0 

Aq. Menth. 100,0 

Succi Citri 

Syr. Aurant. Cort. ana 25,0. 



von V«, Stunde zu nehmen. 

[Sehr theuer und stets mit Vortheil 
durch das Decoct. Cort. Rad. Granat, 
zu ersetzen.] 



Von Sc hniiiltni aller wird ein Extr. Cort. Rad. Granat, aethereum 
als das wirksamste Präparat der Granatwurzel-Rinde empfohlen. Dosis 
wie die des Spirituosen Extracts. 

*Extractum Cubebaruin. Cubeben extract, Extr. Cubebarum 
aether. Ph. Helv. [10 Th. Cubeben mit Aether und Spir. vini ana 15 Th. 3 Tage 
macerirt. Der nach dem Abpressen bleibende Rückstand nochmals mit 10 Aether 
und 10 Spir. vini 3 Tage macerirt. Die Flüssigkeiten gemischt und eingedampft. 
Consistenz 1. — In Wasser kaum löslich. — 1,0 40 Pf] 

Innerlich: 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pillen, Bissen, Elec- 
tuarien und [am besten und billigsten] in Kapseln [1 Dtzd. ä 0,6 100 Pf.]. 

632. fy 



631. fy 

Extr. Cubeb. 

Balsam. Copaiv. 

Cerae alb. rasae ana 4,0 

Pulv. Cubeb. 12,0. 
M. f. pil. No. 100. Consp. Cinnam. D. S. 
2stdl. 5 Pillen. 



Extr. Cubeb. 4,0 
Gummi Arab. 2,0 
Aq. dest. 4,0 
Magnes. carbon. 6,0. 
M. f. pil. No. 100. Consp. Lycop. D. S. 
3 mal täglich 10 Pillen. [Bei Gonor- 
rhoea secundaria.] Haussmann. 

Extractum Cubebarum spirituOSUlll Ph. Austr. [Die Cubeben mit 
Spiritus ausgezogen und das Extract zur Consistenz 1 abgedampft. Einfacher 
und ebenso zweckmässig, als die beiden genannten Extracte und billiger als das 
officinelle.] 

Dosis und Anwendungsweise wie Extr. Cubebarum. 

Extractum Dauci« Succus Dauci inspissatus depuratus. Möhren- 
saft, Mohrrübensaft. [VonDaucus Carota. — Dicke Syrups- Consistenz — 1.0 
etwa 20 Pf. — Man wählt in der Kegel den viel billigeren Succus Dauci venalis 
(1,0 etwa 10 Pf.), bei dem dor Apotheker nur darauf zu achten hat, dass er nicht 
durch sorglose Bereitung empyreumatisch oder metallhaltig sei.] 

Innerlich: als Constituens für Latwergen [namentlich anthelmin- 
thische], ausserdem als Expectorans esslöffelweise. [Der von der Confiseur- 

ty 630-G32. 



288 



Extractum Dicritaiis. 



Industrie vielfach als Brustmittel angepriesene ,. geläuterte Möhrensaft" ist ein aus 
1 Th. Succus Dauci recens expressus und 2 Th. Zucker dargestellter Syrup.] 

Aeusserlich: als Zusatz zu Mund- und Gurgelwässern, als 
Constituens für Pinselsäfte. 

*Extractmii Digitalis. Digitalisextract. Fingerhutextract. [lOTh. 
frisches Digitaliskraut mit 4 Th. Wasser zerstampft. Die Flüssigkeit bis 80° erwärmt, 
colirt, auf 2 Th. eingedampft und mit 2 Th. Weingeist verdünnt, nach 24 Stunden 
colirt, der Rückstand, mit 1 Th Spirit. dilut. versetzt, decantirt. Consistenz 2. — 
Trübe löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,1-0,2 [ad 0,2 pro dosi. ad 1.0 pro die!] mehrmals 
in. Pillen, Solutionen. 

Aeusserlich: zu Salben [1 auf 5-10 Fett]. 



G33. ry 

Extr. Digital. 1,0 
Vin. Scillae 15,0. 

D. S. 3stdl. 10-20 Tropfen. 



G34. Bf 

Extr. Digital. 3,0 

Adipis suiLl. '2 ."),(). 
M. f. ungt. D. S. Auf Leinwandläppchen 

gestrichen und aufgelegt. [Bei Mastitis, 



Parotitis.]. 
[Vergl. Extracte. 



Kademacher. 
1,0 15 Pf.] 



Extractuui Digitalis sicciuu. 

Innerlich: in doppelter Dosis wie das vorige 

Extractuui Dulcaiuarae. Bitte rsüssextract. 

tract. Cardam. bened. — Consistenz 2. — Klar löslich. — 
10,0 50 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen oder Solu- 
tionen. 



[A cimlich wie Ex- 
Erithält Solanin. — 



G35. Iy 

Kali tartar. 2,5 

Extr. Dulcamarae 1,25 

Aq. Foeniculi 5,0 

Vi ii. st ib. 6,0 



Syr. Alth. 12,0. 
MDS. 2stdl., umgcschüttclt, 1 Theclöffcl. 
[Bei Tussis csnvulsiva eines 1 jährigen 
Kindes.] 

Osann. 



Extractuui Fabac Calabaricae. Extractum Physostigmatis vene- 
nosi. Extractum Calabar. Calabarextract. [Faba Calabar. 1 mit Spir. 

dil. 5, der Rückstand mit 3 Spir. dil. digerirt, gemischt, eingedampft. Consistenz 2. 
— 0,1 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,005-0,01-0,02 [ad 0,02 pro dosi, ad 0,06 pro die!] in 
Lösung, Pulver oder Pillen [bei Neuralgien, Tetanus. Epilepsie, Chorea 
und anderen Convulsionen, bei Atonie des Darms (Schacttcr). als Antidot gegen 
Belladonna und Strychnin (Fräser, Uatsoii, Monro, Ringer u. a.)]. 

Aeusserlich: zu Einträufelungen in's Auge [1 zu 15 Glycerin], um 
Verengerungen der Pupille hervorzurufen, bei Mydriasis, als Antidot der 
Almpinwirkung (v. Gräfe). 



636. !;• 

Extr. Fab. Calab. 0,5 
Glycerini 10,". 
MDS. 2-8 (!) Tropfen mehrere Male fcägl. 
[Bei Chorea, Tetanus u.a. — Dieselbe 
Lösung zum Einträufeln in's Auge bei 
Mydriasis.] 



G37. 



Extr. Fab. Calab. 0, •:> 
ty 633-638. 



Glycerini 10,0 
I). S. Sstdl. G Tropfen. 
Darms. I 



(Bei Atonie des 
Schaeffer. 



G38. K- 

Extr. Kai». Calab. 0,5 

Spirit. aetherei 5,0 

\<|. Menth, pip. 20,0. 
MDS. 5-2Ü (!) Tropfen mehrere Male 



täglich. 



Extractum Ferri cydoniatum. 289 



639. Bf 

Extr. Fab. Calabar. 0,005 

Kalii bromati 

Sacch. lactis ana 0,5 

Ol. Foeniculi 0,05. 
M. f. pulv. Dispens, tal. dos. No. 10. 
D. S. 3 mal täglich 1 Pulver. 



640. ty 

Extr. Fab. Calabar. 0,1 

Extr. Opii 0,2 

Succ. Liquir. dcp. 2,0. 
M. f. pil. No. 20. Consp. Lyccp. D. S. 
3 mal- täglich 1 Pille. 



Extractum Ferri CydoiÜatllUl. [Ein gleiches Präparat wie das folgende, 
nur aus Quitten anstatt aus Aepfeln bereitet.] 

*E\tractlliii Ferri poiiiatum. Extr. Malatis Ferri l'h. Austr. Extr. 
Martis cum succo pomorum. Eisenextract. Apfelsaures Eisenextraet. 
[Saure Aepfel 50 zerquetscht und ausgepresst, der Saft im Wasserbade mit 1 Th. 
gepulvertem Eisen erhitzt, die Flüssigkeit durch Hinzufügung von Wasser auf 
48 Th. gebracht, filtrirt und zur Consistenz 2 abgedampft. — Fast' klar löslich. — 
Enthält gewöhnlich 7-8 pCt. Eisen. — 10,0 100 Pf.] Cave: starke Säuren und 
alkalische Salze. 

Innerlich: zu 0,3-0,6 mehrmals täglich, in Pillen und Solu- 
tionen [s. Tinct. Ferri pomata]. 

G41. fy 

Extr. Ferri pomati 
Pulv. Cort. Chinae fusc ana 5,0. 
M. f. pil. No. 100. Consp. Cinnam. D. S. 3 mal täglich 6 Stück. 

*Extractlllll Filicis. Extr. Filicis maris. Extr. Filicis aethereum. 
Oleum Filicis maris. Farne xtract. Farn kraut wurzelextract. Johannis- 
wurzelextract. [Rhizoma Filicis 5 mit Aether 15 durch 3 Tage macerirt, ausgepresst, 
abermals mit Aether 10 in gleicher Weise behandelt. Die Flüssigkeiten gemischt, 
filtrirt und zur Cons. 1 abgedampft. — Unlöslich. — 1,0 60 Pf.] 

Innerlich: in Pillen, Electuarien, Mixturen [unzweckmässig], 
Kapseln [1 Dtzd. a 0,6 140 Pf., mithin viel billiger als jede andere Darreich ungs- 
form]. Das Mittel hat dadurch von seinem Ruf eingebüsst, dass es in 
viel zu kleiner Dosis gegeben ist, 8-10 Gr. des Extracts auf einmal 
genommen, sind die wirksamen Gaben (Pfcuffer, Stein). Die Lutzc'sche 
Bandwurmkur beruht in der hohen Gabe des dargereichten Mittels (Extr. 
filicis). Die Kur wird folgendermassen ausgeführt: Am Nachmittag vor 
der Kur wird eine Tasse Werrauththee mit einem Kaffeelöffel Bittersalz 
ohne Milch und Zucker genommen, zum Abend nur Haferschleim oder 
Wassersuppe. Die Mitiagsmahlzeit sei vollständig. Am Morgen wird 
nüchtern 10 Gr. Extr. filicis gut gewärmt und geschüttelt auf einmal 
genommen, nach 2 Minuten 1 Esslöffel erwärmtes Ricinusöl, in hart- 
näckigen Fällen nach dem ersten Stuhl noch eine Tasse Wermuththee 
mit Bittersalz. Stein giebt das Extract in elastischen Kapseln, von denen 
jede 0,5 enthält, Kindern je nach Alter und Entwickelung 4-6 Gr., Er- 
wachsenen 10 Grm., ohne jede Votkur und l / 2 Stunde nach dem Ein- 
nehmen eine Schüttelmixtnr aus Cognac, Ricinusöl und Syr. Zingib. ana 
15 Gr. Die Pillules de Peschier bestehen aus Extr. filic. Sehr 
wesentlich ist, dass das Extract aus den frischen Wurzelstöcken der 
Filix mas bereitet sei. Ebenso hat Seifert eine Reihe von Fällen ver- 
öffentlicht, aus denen die Zuverlässigkeil des Mittels deutlich hervorgeht. 
Wir selbst (Ewald) können dieselbe aus mehrfacher Anwendung bestätigen. 

Ewald und Simon, Arzneiverordnungalelire. LO. Aufl. i<» 

H- 689-641 



*290 Extractum Foliorum Bucco. 



halben Stunde zu nehmen. 

Stein. 



642. Bf 

Extr. Filicis 

Pulv. Filicis ana 1,5. ^ , ^. v 

»r * 'i xt ort n t ^ c Extr. Filic. mans aeth. 7,5-10,0. 

M. f. pil. No. 20. Consp. Lycop. D. S. ; D - . , „ 15-20 Det ort 

Abends 10 und Morgens 10 Pillen zu Un ' m part aeq JNO. lo £». uet. an 

v v D caps. gelatin. elast. fc>. .Binnen einer 

verbrauchen. i..i,..^ b n^ _.i ... 

[In der Regel noch durch ein Clysma 
aus Extr. Filic. 2,0 mit Gummi Arab. 
und Wasser unterstützt.] 

[Bei Bandwurm.] Peschier. 

Extractum Foliorum Bucco s. Extractum Diosmae crenatae. [Wie 
Extr. Aurant. Cort. Consistenz 2.] 

Innerlich: zu 0,3-0,6 3 Mal täglich, in Pillen [bei Blasencatarrh, 
Enuresis und" anderen Leiden des uropoetischen Systems]. 

ExtractlUU Foliorum Jllglaildis. [Wie Extr. Aurant. Cort. Consistenz 2. 
— Trübe löslich. — 1.0 etwa 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-1,5 mehrmals täglich, in Pillen oder Solu- 
tionen. 

Aeusserlich: zu Injectionen [bei scrophulösen Blennorrhöen] , als 
Auge n wasser [bei scrophulöser Ophthalmie], als Zusatz zu Salben [viel 
zu theuer für den äusserlichen Gebrauch. — Zu Hause bereitete Aufgüsse von Wall- 
nassblättern thun dasselbe!]. 

Extractum Frangulac s. Extractum Rhamni Frangulae. 

Extractum fiarciuiac moiigostanac. Extractum antidysentericum. 

[Extract aus den Fruchtschalen der auf Madras, Cochinchina und in den Philippinen 
heimischen Garcinia mongostona: von G. Gruppe in Manila dargestellt.] Soll bei 
Ruhr wirksam sein und auch bei anderen Schleimhauterkrankungen als 
Adstringens wirken. Wird in Pillenform oder mit Syrup empfohlen. 

Extractum (iclsciiiii liquidum. Fluid extract of Gelsemine. [Von 

Gelsemium sempervirens, einer Kletterpflanze im Süden der Vereinigten Staaten von 
Amerika, bekannt unter dem Namen: Yellow Jasmine oder Carolina Jasmine, zu den 
Apocyncen gehörig. Das flüssige Extract wird aus der Wurzelrinde dargestellt. Ent- 
hält ein sehr giftiges Alkaloid: Gelseminin, und eine Säure: Gelminsäure (Worms- 
Icy).] Wird in den vereinigten Staaten von Nordamerika als Fieber- 
mittel gleich dem Veratrin gebraucht. Auch gegen Blasenreizung und 
darauf beruhende Harnbeschwerden gerühmt (Scott Hill), desgleichen in 
neuester Zeit ganz besonders gegen neuralgischen Zahnschmerz (Wickkam 
Lcgg, Stwycr) und andere Neuralgien empfohlen (Jurasz), von 0. Bcrgcr da- 
gegen unwirksam befunden. [Meist wird die Tinctura Gelsemii vorgezogen; 
vergl. diese.] 

Innerlich: etwa zu 0,1-0,4 mehrmals täglich. [Das Mittel wirkt 
stark toxisch: 2 TheelölTel des Extracts hatten bereits eine tödtliche Vergiftung zur 
Folge Routcllc) , nach einer Dosis von 5 des Extracts sah Bcrgcr schon toxische 
.Symptome, namentlich Orthopnoe.] 

644. fy 

Extr. Gelsemii liquid. 

Kalii bromat. ana 11,0 

Kali carbon. 7,f> 

V|. dest 12(),o. 
D.S. ."»mal täglich 1 TheelölTel. Hill. 

lixtniHiiiii fiftttiaiae. Enzianextract. [1 Th. Enzianwurzel mit 

\\f G42-G41. 



Extractum Gentianae. 291 



5 Th. Wasser 48 Stunden macerirt, der abgepresste Rückstand nochmals mit 5 Th. 
Wasser ausgezogen. Gemischt, aufgekocht, decantirt und eingedampft zur Consistenz 
2. — Klar löslich. — 10,0 50 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich in Pillen, Bissen, Mix- 
turen. 

645. Bf 

Extr. Gentianae 8,0 

solve in 
Aq. Cinnam. simpl. 200,0 

adde 
Spir. aether. 5,0. 
MDS. 2stdl. 1 Esslöffel. 

Extractum Glycyrrkizae s. Succus Liquiritiae und Extractum 
Liquiritiae. 

*Extractlllll GramilÜS. Queckenextract. [2Th. Rad. gramin.mit 
10 Th. siedenden Wassers Übergossen und 6 Stunden digerirt. Colirt, auf 3 Th. 
eingekocht, filtrirt und zur Consistenz 2 abgedampft. Eigentümlich süss. — Klar 
löslich. — 10,0 50 Pf.] 

Extractum Graminis liquidum s. Mellago Graminis. [Wie das 

vorige bereitet, aber nur bis zur Consistenz 1 abgedampft, oder zur Winterzeit durch 
Vermischung von 3 Extr. Graminis mit 1 Aq. dest. hergestellt.] 

Innerlich: ohne Beschränkung der Dosis [etwa 2,0-15,0 und mehr] 
pur (theelöffelweise), oder in Mixturen, oder mit Succ. Herb. rec. ge- 
mischt. 

Extractum Granat i s. Extractum Corticis rad. Granatorum. 

Extractum Gratiolae. Gottesgnadenkrautextract. [Wie Extr. 
Belladonnae. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 22 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0,2 [und darüber] mehrmals täglich, als stärkeres 
Purgans 0,5-1,0 pro dosi, in Pillen und Mixturen. 



646. fy 

Extr. Gratiolae 
Pulv. Rad. Calami ana 4,0. 
F. pil. 60. Consp. Lycop. D. S. Täglich 
3 mal 1-5 Stück. [Bei Atonie der Un- 
terleibsorgane.] Radius. 



647. Bf 

Extr. Gratiolae 10,0 
solve in 

Aq. Petroselini 150,0 

Spir. Aether. nitros. 5,0 

Syr. simpl. 25,0. 
MDS. Umgeschüttelt, 2stdl. 1 Esslöffel. 



Extractlllll (irilldcliac roblistae. [Von der in Californien wachsenden 
Grindelia robusta. — Bereitet durch wiederholtes Digeriren der Blüthenköpfe und 
endständigen Blätter in Weingeist und Eindampfen desselben.] Innerlich zu 
0,1-0,2 mehrmals täglich in Pillen oder Mixturen gegen Asthma, 
Keuchhusten, Bronchialcatarrh von Gibbons empfohlen. Das Extr. liqui- 
dum stündlich 1 Kaffeelöffel während des asthmatischen Anfalls, später 
3 - 4 stündlich , wurde von Egan und Bartbolow während des Anfalls 
empfohlen. Whrigt giebt das trockene Extract in Pillen von 0,12 täglich 
3-4 Mal, fand aber, dass der andauernde Gebrauch mit der Zeit zu 
Diarrhöen, Suppression des Urins und einem Gefühl von Trockenheit 
im Hals und Bronchial bäum führte. [Vergl. Flor. Grind, rob. und Syr. 
Grind, rob.] 

1!)* 
IV (515-017. 



292 



Extractum Helenii. 



Extractum Helenii. Extractum Enulae. Alantextract. [Wie Extr. 
Aurant. Cort. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich in Pillen oder Mixturen. 

648. Bf 

Extr. Helenii 10,0 
Succ. Liquir. dep. 5,0 
Aq. Foenic. 150,0 
Liquor. Ammonii anis. 10,0. 
MDS. 3stdl. umgeschüttelt, 1 Esslöffel. 

^Extractum Hellebori. Extractum Hellebori viridis. Nieswurzel- 
extract. .[Wie Extr. Beilad. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Inner! ich: zu 0,03-0,05-0,1 mehrmals täglich [die frühere Ph. Bor., 
in der das Mittel officinell war, schrieb vor: ad 0,1 pro dosi, ad 0.5 pro die!], in 
Pillen, Mixturen. 



649. Bf 

Extr. Hellet). 
Extr. Myrrh. ana 3,0 
Pulv. Herb. Card, benedict. q. s. 
ut f. pil. 50. Consp. Pulv. Cass. Cinnam. 
D. S. 2 mal täglich 2-3 Stück. 
[Bei Hydrops, Amenorrhoe u. s. w.] 

Bacher. 



G50. Bf 

Extr. Helleb. 1,0 
Ammoniaci 
Extr. Chelid. 
Sapon. med. ana 4,0 
Rad. Rhei pulv. 3,0. 
M. f. pil. 100. Consp. Pulv. Rad. Calami. 
D. S. 3 mal täglich 5 Stück. 

[Bei Ascites.] Wendt. 



*Extractlllil Hyoscyailli. Extr. Hyoscyami foliorum Ph. Austr. Bil- 

senextract. Bilsenkrautextract. [Wie Extr. Bellad. Consistenz 2. — Trübe 
löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,01-0,05-0,1-0,2 [ad 0,2 pro dosi, ad 1.0 pro die!] 
mehrmals täglich, in Pulvern, Pillen, Linctus, Mixturen, Emul- 
sionen. Als beruhigendes und krampfstillendes Mittel vornehmlich bei 
Erkrankungen der Respirationsorgane angewandt. 

Aeusserlich: zu Zahnpillen, Inhalationen [vergl. p. 100], Kly- 
stieren [0,03-0 2 ad clysma], Suppositorien [in gleicher Dosis], Augen- 
bähungen [0,5-1,0 auf 50,0], A ugentropfwässern [0 5-1,0 auf 25,0], 
Augen salben [0,5-2,0 auf 10,0 Fett] und anderen Salben und Pflastern 
[1,0-2,5 auf 10,0]. 



651. K' 

Extr. Hyosc. 

Pulv. Hyosc. ana. 2,0 
M. f. pil. N T o. 30. D. 

Pil. sedativac Ph. paup. 



652. 



'v 



Opii pulv. 0,2 
Fol. Digit. pulv. 
Rad. [pecac. ana 0,5 
Extr. Hyosc. 3,0 
Pulv. Rad. Altl). q. 8. 
ut f. pil. 50. Consp. Lycop. D. S. Sstdl. 
1 Pille, [(ieevn Knimpfhusten.] 

Heim. 

Bf 643-654. 



653. I v 

Stibii sulfur. aurant. 
Extr. Hyosc. ana 2,5 
Pulv. Rad. Liquir. q. s. 

P. pil No. 50. D. S. Stdl. 1 Pille. 



654. 



MDS. 



Iv 
Extr. Hyoscyam. 0,5 

solvo in 
Aq. dost. 150r,0 
Vin. stib. 20,0 
Succ. Liquir. dep. 10,0. 
3stdl. 1 Esslöffel. 



Extractum Hyoscyami siccum. 



293 



655. 



MDS. 



656. 



D. S. 



Iv 
Extr. Hyoscyami 0,3 
Elix. e Succo Liquir. 25,0 
Aq. Foeniculi 50,0 
Aq. Flor. Aurant. 100,0. 
3-4 mal täglich 1 Esslöffel. 

Frerichs. 



Extr. Hyoscyami 1,0 
Aq. Amygd. amar. 20,0. 
2stdl. 10-20 Tropfen. 



657. Bf 

Extr. Hyoscyami 1,0 
Liquor. Ammon. anis. 15,0. 
D. S. 4 mal täglich 15-20 Tropfen in 
Brustthee. [Liq. pectoralis der Berliner 
Charite.l Horn. 



658. Bf 

Extr. Hyoscyami 1,0 
Butyr. recent. insuls. 10,0. 

F. ungt. D. S. 3 mal täglich erbsengross 
in die Gegend des Foramen supraorbitale 



einzureiben, 
phulosa.] 



[Bei Photophobia scro- 
Wutzer. 



659. Bf 

Extr. Hyoscyami 0,6 
Extr. Opii 0,3 
Ungt. Hydrarg. ein. 4,0. 
M. f. ungt. S. In die Stirn- und Schläfen- 
gegend einzureiben. [Bei Retinitis.] 

v. Gräfe. 



660. Bf 

Extr. Hyoscyami 0,2 
Ol. Cacao 20,0. 
M. f. 1. a. suppositoria No. 6. D. S. 
1-2 Stück des Tages einzulegen. [Bei 
schmerzhaftem Harnlassen und gleich- 
zeitigem Tenesmus der Gonorrhoiker.] 

v. Sigmund. 



661. Bf 

Extr. Hyoscyami 5,0 
Empl. Hydrarg. 20,0. 
M. f. empl. [Bei schmerzhaften Drüsen- 
geschwüren.] 



Kxtractuin Hyoscyami siccuin. [Vergi. Extraeta — 1,0 15 Pf.] 
Innerlich: in doppelter Dosis wie das vorige. 

Kxtractuin Hyoscyami c Scminilms. [1 Th. Samen von fettem Oei 

durch Pressen befreit, mit 2 Th. Spirit. dilut. einen Tag lang digerirt und ausge- 
presst, diese Operation noch einmal wiederholt, die erhaltenen Flüssigkeiten gemischt, 
filtrirt und zur Cons. 2 abgedampft, in 3 Th. Wasser aufgelöst, filtrirt und nach Ent- 
fernung des Harzes zur Cons. 2 abgedampft. — 0,2 etwa 15 Pf.] 

Innerlich und ausser lieh: wie Extractum Hyoscyami [aber in 
schwächerer Dosis]. 

Extractum Jalapac spirituosum s. Resina Jalapae. 

Extractum Ipccacuaiihae. Emetinum coloratum s. impurum. 
Brechwurzelextract. Rohes Emetin. [Wiederholentliches spirituöses 
Extrahiren der Ipecacuanha, Abdampfen der gemischten Flüssigkeiten bis zur Con- 
sistenz 2, Auflösen des Extracts in Wasser, Filtriren, Wiedereindampfen zur Con- 
sistenz 3. — Klar löslich. — 0.1 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,15 [nach den meisten Autoren sind 0,1-0,15 not- 
wendig, um Brechen zu erregen], in Pulvern, Pillen [selten], Pastillen 
[ä 0,015 mit 0,03 Tart. stibiat.] und Solutionen. 
062. Bf 



Extr. Ipecacuanh. 0,5 
Sacch. alb. 2,5. 
M. f. pulv. div. in \ pari. acq. 
\ 4 stdl. 1 Pulver. 



D. S. 



(»04. 



«i 



G63. Ri 

Extr. Ipecacuanh. 0,2 
Inf. Fol. Aurant. 100,0 
Svr. Anmut. Flor. 25,0. 

MDS. V,stdl. 1 Esslöffel. [Als Brechmittel.] 



Extr. Ipecacuanh. 0,5 
Stibii sulfur. aurant. 1,0 
Fxtr. Senegae 5,0 
Ammoniac. 2,5. 
F. pil. 100. Consp. Pulv. Rad. Altli. 
I). iS. 3 mal täglich 5 Pillen. [Bei chro- 
nischem Bronchialkatarrh.] 



Bf 655-664. *W& 



204 



Extractura Iridis llorcntinae aquosum. 



G65. fy 

Extr. lpecacuanh. 0,4 
Sacch. 30,0 

Mucil. Gummi Tragacanth. q. s. 
ut f. trochisci No. 72. D. S. 2-3stdl. 
1-2 Stück zu nehmen. [Zur Erleichte- 
rung der Expectoration bei chronischen 
Kalarrhen und Keuchhusten.] 

Pastilles d'emetine pectorales 
Magendie. 



s. 



G66. Ifc 

Extr. lpecacuanh. 1,0 
Sacch. pulv. 40,0 
Mucil. Gummi Tragacanth. q. 
F. trochisci pondere 1,0 No. 50. 

[1-2 Trochisken genügen , um bei 
einem 3 jährigen Kinde Erbrechen her- 
vorzurufen.] 

Tablettes d'emetine vomitives. 
Magendie. 

Extractuin Iridis florentinae aquosum. Als Febrifugum von 
Allisiarili empfohlen, 10,0-20,0 2 Mal in einem Intervall von 2 Stunden. 

Extractum Juiüperi s. Succus Juniperi inspissatus. 

Extractum Kosso s. Flores Kosso. 

Extractum Lactucae virosae. Giftlattichextract. [Wie Extr. 

Beilad. Consistenz 2. — Etwas trübe löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,15-0,3-0,6 [ad 0,6 pro dosi, ad 2,5 pro die!] mehr- 
mals täglich, in Pulvern, Pillen, Mixturen. 
667. ty 



Extr. Lactuc. virosae 0,05 

Sacch. Lact. 0,6. 
M. f. pulv. D. tal. dos. No. 12 in chart. 
cer. S. 2stdl. 1 Pulver. [Bei Keuch- 
husten.] Gumprecht. 



670. ty 

Extr. Lact. vir. 2,5 
Aq. Amygd. araar. 25,0. 

D. S. 3 mal täglich 15-20 Tropfen. 



669. fy 

Extr. Lact. vir. 2,0 
Asae foet. dep. 6,0. 
F. 1. a. pil. 80. Consp. Lycopod. D. S. 
3 mal täglich 3-4 Pillen. 
[Gegen Asthma.] 
668. fy Sundelin. 

Fol. Digitalis 0,03 
Extr. Lactuc. vir. 0,12 
Sacch. alb. 0,8. 
M. f. pulv. D. tal. dos. No. 12 in chart. 
cer. S. 2stdl. 1 Pulver. [Bei Brust- 
wassersucht.] Hufeland. 

Extractum Lanae Pini sylvestris. Waldwollextract. [Durch 

Eindicken der Kiefernadel-Abkochung zu Consistenz 2, grünlich-braun, stark aroma- 
tisch riechend. — 10 r etwa 10 Pf., 1 Flasche (% Pfund) 75 Pf.] 

Aeusserlich: als Zusatz zu Bädern, 100,0-500,0 auf ein Bad 
[für einen Erwachsenen]. 

Extractum Lcvistici. Liebstöckelextract. [Wie Extract. Ange- 
licae. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen, Mixturen. 

Extractum Ligni Caiupcchiaiii. Campechenholzextract. [Aus- 
zug mit kochendem Wasser. Consistenz 3. — Mit dunkelbrauner, fast rother Farbe 
und ziemlich klar sich lösend. — 1,0 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pulvern, Pillen, 
Mixturen [z. B. in Roth wein gelöst]. 

Aeusserlich: zu Zahnfleisch-Latwergen. 

671. fy 

Extr. Ligni Campcch. 5,0 
Tinct. Opii croc. 1,0 
Aq. Menth, pip. 150,0 
Syr. Aurant. Cort. 10,0. 
MDS. 2stdl. 1 Esslöffel, [Bei colliquativen Durchfällen der Phthisiker.] 

v. Bamberger. 

ty 665-671. 



Extractum Ligni Guajaci. 295 



Extractum Ligni Guajaci. Guajakholzextract. [Wie Extr. Cas- 

carill. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen. 

Extractlllll Liqiliritiae ßadicis. [Wie Extr. Gentianae aus Rad. Liqui- 
ritiae glabra bereitet. Consistenz 2. — 1,0 5 Pf.] 

Innerlich: als Constituens fester und als Corrigens flüssiger Arznei- 
formen. — Bedeutend theurer als Succus Liquiritiae depur., ohne Vorzüge 
vor demselben. 

Extractlllll LobcliaC. [Wie Extr. Angelicae. Consistenz 2. — Trübe lös- 
lich. — 1.0 etwa 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0,2. [Wenig erprobt und fast gar nicht in Gebrauch.] 

ExtractllUl Llipuli. Hopfenextract. [Wie Extract. Aurant. Cort, 
Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen, Solutionen. 

Extractum Haiti. Malz extract. [Gerstenmalz mit kaltem Wasser 
ausgezogen, zur Consistenz 2 abgedampft. — Ein Yolksmittel ist das Malextract längst 
geworden, doch bedient man sich gewöhnlich des angenehmer und leichter zu dispen- 
sirenden, zur Consistenz 1 abgedampften, und hiervon entsprechen etwa 6 Pfund 
Malz einem Pfunde Extract. — 150,0 in vitro 75 Pf. — Diisqucncl empfiehlt zur 
Bereitung des Extr. Malti Digestiop von hellem (bei 40° getrocknetem) Malz und 
Abdampfen im Wasserbade bei 50°-60° C. Er legt ein Hauptgewicht auf die in 
dem so dargestellten Extract enthaltene Diastase, welche eine fördernde Wirkung auf 
die Verdauung der Amylaceen übt. Er giebt das Extract in Pastillen zu 1,0-2,0. 
Auch die Diastase für sich empfiehlt er zu 0,1-0,2; vergl. noch Maltum und Sy- 
rupus Malti.] 

Malzextract kann mit verschiedenen Medicamenten verbunden werden; 
ausser den folgenden, chinin-, kalk-, eisen-, jodhaltigen Malzpräparaten 
sind auch dargestellt und vielfach benutzt: Malzextract mit Hopfen 
[2pCt.], Malzextract mit Pepsin [ca. 1.5 pCt.]; auch Malzextract- 
Bonbons [1 zu 3 Sacch.] werden dargestellt und empfohlen. 

Innerlich: theelöffel weise, mehrere Male täglich [als Expectorans bei 
katarrhalischen AfTectionen des Respirationstractus, ferner als Nutriens], rein oder 
mit Milch, Bouillon, Bier oder Wein. 

Aeusserlich: zu Bädern [V 2 -l Pfund zu einem Bade]. 

Extractlllll Malti chiliatlim. [1,0 Chininnm sulfur. in 250,0 Extractum 
Malti.] 

Theelöffel weise. 

Extractum Malti cum Calcaria hypopliosphorosa. Malzextract 

mit Kalk. [In 2 pCt. Lösung: P. Reich].* 
Innerlich: theelöffel weise. 

Extractum Malti ferratum. Eisenhaltiges Malzextract. [4 

Ferrum oxydatum sacharat. solubile in Wasser gelöst und mit Malzextract 96 ge- 
mischt. Auch hiervon gilt, was oben bei Extr. Malti über Consistenz gesagt ist. — 
150,0 in vitro 1 Mark.] 

Theelöffel weise wie Extr. Malti [als Tonico -Nutriens]. 

Extractum Malti jodatum. Jodhaltiges Malzextract. [0,025 
Kalium jodatum in 250,0 Extr. Malti.] Diese, sowie die chininhaltige Verbin- 



296 Extraktum Malti siccura. 



düng lässt sich wohl zweckmässiger, je nach der Intention des Arztes 
und der Individualität des Patienten, ex tempore bereiten. 

Extractum Malti siccuui. Trockenes Malzextract. [Durch Ein- 
dampfen im Vacuum bereitet.] 

Innerlich: theelöffelweise, aufgelöst in Wasser, Milch, Chokolade, 
Bier u. a. 

Extraetlim Marrilbii. [Wie Extr. Absinth. Consistenz 2. Klar löslich. — 
1 : etwa 6 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0, mehrmals täglich. 

Extractlliii Mezerei. Extractum Mezerei spirituosum seu aethe- 
reum. [Cort.. Mezerei 1 Th. mit 4 Th. Spiritus einige Tage digerirt, nach dem Aus- 
pressen der Rückstand nochmals mit 3 Th. Spiritus ausgezogen, beide Flüssigkeiten 
zusammen abdestillirt und zur Consistenz 1 eingedampft. — 1,0 25 Pf.] 

Aeusserlich: als Rubefaciens. 

Extractlliii MillefoIÜ. Schaafgarbenextract. [Wie Extract. Ab- 
sinth., aus Blüthen und Blättern zu gleichen Theilen. Consistenz 2. Klar löslich. — 
1,0 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen, Mixturen. 

Extractum Myrrhae. Myrrhenextract. [Myrrhe l mit Aq. dest. 5 

durch 2 Tage macerirt, llltrirt. Consistenz 3. Trübe löslich. — 1,0 5 Pf.] Eine 
Auflösung dieses Extractes in 5 Th. Wasser ist der Liquor Myrrhae 
[loco Liquaminis Myrrhae s. Olei Myrrhae per deliquium]. 

Innerlich: zu 0,3-1,0 mehrmals täglich, in Pulvern, Pillen, 
Mixturen. 

Aeusserlich: zu Pinselsäften, Zahnpulvern, Zahnfleisch- 
Latwergen, Augenwässern. 

672. Iy. 

Extr. Myrrhae 3,0 
Aq. Melissae 150,0 
Oxymell. Scill. 
Succ. Liquir. dep. ana 3,0. 
MDS. 2-3stdl. 1 Esslöffel. [In torpiden Formen der Phthisis mit starker 
S <retion. ] Koehler. 

Extractum iNicotiaiiae. Tabakcxtract. [Wie Extract. Colocynthidis, 

jedoch nur bis zur Consistenz 2 abgedampft. — Trübe löslich. — 1.0 etwa 10 Pf.] 
Innnerlich: zu 0,03-0,1, in Pulvern, Pillen oder Solutionen. 
Aeusserlich: zu Kly stieren bei Hernia incarcerata, Ileus [0,05 
bis 0.1 in einem Inf. Sennae durch Eigelb suspendiri], in Salben [zur Einreibung 
bei Neuralgien: 1 auf 5-10 Ungt. cer.], zu Haarpomadcn [gegen das Ausfallen 
der Haare von Dorvault empfohlen: 1 Th. Extract auf 10 Th. Medulla]. 

673. Bf 

Extr. Nicotianac 0,02-0,1 
Elaeosacchafi Foeniculi 0,6 
M. !'. pulv. I>. tal. dos. 12 in chart. cer. S. 3-4 mal täglich 1 Pulver. 
[Bei Keuchhusten.] Wolfsheim. 

Exfradmii Nieotianae Radmiachcri. [Die frischen Blätter von n. 
rastica ausgepressl and der Safl zur Consistenz 2 eingedickt. — 1.0 etwa 10 Pf.] 
Innerlich: zu 0,2-0,4 pro die, in Pillen. 

Extradimi \nnmi .hi»'lamlis. Extr. Fructuum Juglandis. Wal 1- 
fy 672-673. 



Extractum Nucum vomicarura. 



207 



liu.ss extra ct. [Der ausgepreiste Saft der unreifen Wallnüsse zur Consistenz 2 
abgedampft. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen, Bissen, 
Mixturen. 

Aeusscrlich: in Auflösung als Verband wasser bei torpiden 
Geschwüren [5,0 auf 100.0], zum Aufpinseln [5 auf 25,0], zu Gurge- 
w. 

Extractum Nuciuii voinicarum 



lungen u. s 



s. Extr. Strychni. 

Extractlllll Oleae EnropaeaC. [Aus den Blättern des Olivenbaumes be- 
reitet; von stark bitterem Geschmack.] 

Innerlich: zu 0,1-0,3 mehrmals täglich, in Pillen [von Camcrcr 
mit Erfolg gegen intermittirende Neuralgien versacht]. 

*Extractum Opii. Extract. Meconii. Opiumextract. Mohnsaft- 
extract. [Durch Maceration von 2 Opium mit Aq. dest. 15, Filtration und Ein- 
dampfen zur Consistenz 3. — Trübe löslich. — 0,1 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,006-0,01-0,03-0,1 [ad 0,15 pro dosi, ad 0,5 pro die!] 
in Pulvern, Pillen, Pastillen [die Trochisci sedativi von Mnckcuzic 

im Hospital for diseases of the throat in Londen enthalten 0,006 Extractum Opii], 
Solutionen. 

Aeusserlich: zu Mund- und Gurgelwässern [0.5-1.0 auf 150,0 
bei schmerzhaften Geschwüren im Munde, Zahnschmerz u. s. w. — mit Vorsicht zu 
gebrauchen], zu Injectionen [0,1-0,5 auf 50,0 bei Nachtripper, Fluor albus], 
als Augenwasser [Fonientationen: 0,05-0,3 auf 25.0; Tropfwasser: 0.2-0,5 auf 
25.0], zu Klystieren und Suppositorien [0,05-0,1], Salben [1.0-1,5 
auf 10,0 Fett; zu Augensalben: 0.1-0,25 auf 10.0], Zahnpillen, Zahnfleisch- 
Latwergen. 



674. tf- 

Extr. Opii 

Extr. Strychni spir. ana 0,1 
Succ. Liquir. dcp. q. s. 
ut f. pil. 10. Consp. Cinnam. D. S. 
1-4stdl. 1 Pille. [Bei Diarrhöen, Cho- 
lera nostras und im Anfangsstadium 
der Cholera asiatica.] 



CT:-. Pv 

Extr. Opii 0,1 
Catcchu pulv. 2,5 
Conserv: Rosar. q. s. 

ut f. boli 6. Consp. Pulv. 
I). S. Morgens 1 Stück. 



nische Diarrhoe.] 



Cort. Cinnam. 
[Gegen chro- 



Parmentier. 



CTG. u- 

Extr. Opii 0,15 

Extr. Belladonn. 0,1 

Syr. Cäpillor. trener. 100,0. 

MDS. 3mal täglich 1 Thcelöffel. [Bei ner- 
vösen Irritationen, zumal Reizhusten. 

Bouchardat. 



677. 



Iy 



50,0 



Extr. Opii 1,0 
Boracis 4,0 
solve in 
Inf. Fol. Salviae 

adde 
Meli, depurat. 25,0. 
MDS. Gurgelwasscr. [Bei schmerzhaften 
Halsentzündungen.] Oppolzer. 



G78. ty 

Extr. Opii 0,4 

Aq. Araygd. amar. dilut. 25,0. 
D. S. Zum Einträufeln in's Auge. [Bei 
chronischer Augenentzündung, Blepharo- 
spasmus.] Oesterlen. 



G79. fy 

Extr. Opii 1,0 
Aq. dest. 50,0 
Aq. chlorat. 2,0. 
D.S. 2 mal täglich, umgeschüttelfc, einzu- 
spritzen. [Bei Geschwüren der Harn- 
röhre.] Biett. 
[Unchemisch zwar, soll aber erprobt sein.] 



Bf 674-67'.». 



298 



Extractura Opii sine Narcotino. 



680. 



R 



Exir. Opii 0,0 

solve in 
Aq. Rosarum 300,0 

ad de 
Plumb. aect. 1,0 
Mucil. Cydoniorum 5,0. 
MDS. Zu Umschlägen. [Bei Entzündung 
und Schwellung der äusseren Geschlechts- 
teile nach der Entbindung.] 

Ilauck. 



681. Bf 

Extr. Opii 0,5 

Ol. Terebinth. rectif. 2,5 

Ol. Caryophyll. 

Ol. Cajeputi ana 0,75 

Bals. Peruv. 3,0. 
MDS. Zahnschmerzbalsam. [Ein Stückchen 
Watte, mit dieser Flüssigkeit getränkt, 
wird in den hohlen Zahn gelegt, und 
auch das Zahnfleisch etwas damit ein- 
gerieben] Beasley. 



ExtractjUlll OjlÜ silIC NarCOtillO. [Opiumextract mit Aether ausge- 
zogen und dadurch seines Narcotin-Gehaltes beraubt. — Soll einfach beruhigend sein, 
ohne nufregende Nebenwirkung; wahrscheinlicher ist es jedoch, dass die genannte 
Operation dem Extracte einen weniger wirksamen Bestandtheil, das Narcotin, ent- 
zieht und dadurch die Wirkung des Extractes selbst gleichmässiger und sicherer 
macht. — Da der Narcotin-Gehalt des Extractes kein unbedeutender ist, so ist die 
Dosis des Extr. Opii sine Narcotino schwächer zu greifen, als die des gewöhnlichen 
Extractes: etwa 0,005-0,06.] 

Extractum Osmundae regalis. Königsfarnextract. [Wässerig- 

spirituöses Extract. Hin und wieder gegen Scropheln und tlelrainthiasis, ja sogar 
zur Radicalkur der Hernien empfohlen (!!). Zu 5,0-15,0.] 

Extractum Piinpinellac. Pimpinellen-Extract. [Wie Extr. Angelic. 

Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 25 Pf. 

Innerlich: zu 0,3,1,0 mehrmals täglich. 

K\ 1 ru'f t ii in Polygalac amarae. Bitteres Kreuzblumen extra ct. 

[Wie Extr. Absinth. Consistenz 2. — Klar löslich. — 5,0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,0 mehrmals täglich, in Pillen oder Mixturen. 

Extractimi Pnlsatillae. Küchenschellen extract. [Wie Extract. 
Belladonnae. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 17 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,1-0,2 [ad 0,2 pro dosi, ad 10 pro die!] mehrmals 
täglich, in Pulvern, Pillen, Auflösungen. 

M. f. pH. No. 50. Consp. Lycop. D. S. 
3 mal täglich 1-2 Pillen. 
I'ilulae e Pulsatilla nigricanti Clinici. 



G82. Bf 

Extr. Pulsatill. 0,03 

Sacch. lact. 1,0. 
M. f. pulv. D. tal. dos. No. 12. S. Täg- 
lich 3 Pulver. [Bei Keuchhusten.] 

Seidler. 



G84. 



K' 



2,5 



Extr. Pulsatill. 

solve in 
\<|. Lauroceras. 25,0. 
MDS. 15-25 Tropfen 3 mal täglich zu 
nehmen. 



G83. Bf 

Extr. Pulsatill. 

Berb. Pulsatill. ana 3,0. 

* Kxtractimi Uuassiac. Extr. Ligni Quassiac. Quassiaexträct. 

[1 Th. lign. Quassiae mit 10 Th. siedenden Wassers ausgezogen. Consistenz 2. — 
Trübe löslich. — 1,0 45 Pf.] 

I n n er] ich: zu 0,3-0,6 mehrmals täglich, in Pillen, Solutionen. 

Kxtractlllll üum-us. Eichcnextract. [Wie Extract. Oasoarill. Con- 
sistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 7 Pf.] 
Innerlich: zu 0,3-1,0 in Pillen. 

A cusscrl ich: in Salben [1 auf 5 10]. 

Iy G80-684. 



Extraktum Ratanhae. 



299 



*Extractlim Kntailltae. Ratanhacxtract. [Kalter wässeriger Auszug. 
Consistenz 3. — Löst sich röthlich trübe. — 1,0 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen, Bissen, Tro- 
chiscen [Trochisci Krameriae von Dlackcnzic enthalten 0,18 Extr. Ratanh. 
mit Tragacanth. und Zucker], Mixturen. 

Aeusscrlich: zu Mund- und Gurgel wässern [5,0-10,0 auf 100,0], 
Pinselsäftcn [1.0-5 auf 25,0], Klystieren [5,0-10,0 ad clysma], Injec- 
tioncn [1.0-2,0 auf 100,0], Zahnpillen, Zahnlatwergen, Zahnpulvern, 
Pflastern und Salben. 



685. 



^ 



Extr. Ratanhae 5,') 
Aq. Cinnam. simpl. 150,0 
Mixtur, sulf. acid. 1,5 
Svr. Aurant. Cort. 25,0. 
MDS. Stdl. bis 2stdl. 1 Esslöffel. [Bei 
Gebärmutterblutuno;.] Oesterlen. 



G87. 



D. S. 



688. 



D. S. 



9 

Extr. Ratanhae 20,0 

Alum. 10,0 

Inf. Fol. Salviae 200,0 

Mcllis depur. 50,0. 

Gurgelwasser. 



Extr. Ratanhae 5,0 
Meli, rosat. 25,0. 
Pinselsaft. 



686. Bf 

Extr. Ratanhae 15,0 

solve in 
Vini rubri gallici 100,0 
Spir. aeth. 5,0. 
MDS. 4 mal täglich einen halben Esslöffel. 
[Bei Nachtripper.] 

Extractum Rhamni frangulae. Extr. Frangulae. Faulbaum- 

Rindenextract. [Wie Extract. Cascar. Consistenz 2. — Ziemlich klar löslich. 
— 1,0 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 in Pillen oder Solution. 

6S9. Bf 

Extr. Rhamni frangulae 
Pulv. Fruct. Carvi ana 10,0. 
Consp. Pulv. Rhiz. Irid. florent. D. S, 3 mal täglich 5 Pillen. 
[Bei Unterleibsbeschwerden mit Flatulenz.] 



F. pil. 100. 

* Extractuill Rhci. Rhabarberextra ct. [Wie Extract. Absin thii be- 
reitet. Consistenz 3. — Trübe löslich. — 1,0 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,3 [als Tonicum], zu 0,5-1,0 [als Purgans] mehr- 
mals täglich, in Pillen, Mixturen. 

M. f. pil. 50. Consp. Cass. D. S. 3 mal 
täglich 3 Pillen. 



690. Bf 

Extr. Rhei 

Rad. Rhei pulv. ana 6,0. 
M. f. pil. No. 100. Obduc. Argent. 
5-10 Pillen. [Zum Abführen.] 



D. S. 



691. 



Extr. Rhei 

Pell. Tauri inspiss. ana 3,0 



692. Bf 

Extr. Rhei 

Extr. Chinae fusc. 

Extr. Ferri pomat. ana 5,0. 
M. f. pil. No. 100. Consp. Cinnam. D.S. 
3 mal täglich 5 Pillen. 



'Extractum Rhci compositum. Extr. catholicum s. panehymago- 
gum. Zusammengesetzes Rhabarberextract. [Extr. Rhei 30, Extr. 
Aloes 10, Resin. Jalappae 5, Sapon. medic. 20. — Consistenz 3. — Trübe löslich. — 
1,0 20 Pf.] 

Innerlich: als Reizmittel zu 0,1-0,3, als Abführmittel zu 0,5-1,0, 
in Pillen. 



Bf 685-692. -^Q 



300 Extractum Rubiae Tinctorum. 



G93. II- 

Extr. Rhei comp. 6,0 
Extr. Colocyr.thidis 1,0. 
M. f. ope Mucilaginis Gummi Arab. pil. 
No. ;>0. Consp. Lycop. D. S. Abends 
1-2 Pillen zu nehmen. [Bei chronischer 
Obstructio alvi.] 



G94. Bf 

Extr. Rhei comp. 4,0 
Aloes 3,0 
Ferr. pulv. 1,0. 
M. f. pil. No. 60. Consp. Lycop. D. S. 
Morgens und Abends 1 - 2 Stück. 
Pil. contra obstructionem Halenses. 



Extractuill Rubiae Tiiictoruiu. Färberrötheextract. [Wie 
Extr. Cascar. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1.0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-1,5 mehrmals täglich, in Pillen. 

Extractlllll Rlltae. Rautenextract. [Wie Extr. Absinth. Consistenz 
2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5. [Obsolet.] 

Extractum Sabadillae. Sabadillextract. [Weingeistiges Extract.] 

Innerlich: zu 0,01-0,02 [von Turnbiill gegen Neuralgien empfohlen, — 
nnzweckmässig und dem Veratrin nachzusetzen], 

* Extractum Sakinac. S ab inaext ract. Sadebaumextract. [Wie 

Extr. Absintii. Consistenz 2. — Fast unlöslich. — 1,0 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,1-0,2 [ad 0.2 pro dosi, ad 1,0 pro die!], in Pillen. 

Extractuill Salicis. Weidenrinden extract. [Wie Extr. Cascar. 
Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 5 Pf.] 

Innerlich und aus serlich: wie Extractum Quercus. 

Extractuill SalviaC. [Wie Extr. Absinth Consistenz 2. — Klar löslich. 

— 1.0 etwa 5 Pf] 

Innerlich: zu 0,5-1,5. 

Aeusserlich: zu Mund- und Gurgelwässern. 

Extractum Sambuci s. Succus Sambuci inspissatus. 

Extractuill Sanguinis. Sanguis bovinus inspissatus. Eingedick- 
tes Ochse nblut. [Frisches Ochsenblut bei gelinder Temperatur zur trockenen 
Consistenz. abgedampft; röthlich braunes, in Wasser unvollständig lösliches Pulver. 

— 1,0 etwa 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,0 3-4 Mal täglich, in Pulvern [gegen Atrophie, 
Chlorose u. s. w. von IHanthncr empfohlen; die Wirksamkeit dieses Miftels ist indess 
ziemlich zweifelhaft], 

Kxtractiiiii Saponariac rariieis. Seifenwurzelextract. [Wie 

Extr. Cascar. Consistenz 2. — Klar löslich. — 1,0 etwa 5 Pf] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich. 

Kxtractlllll Sarsaparillac. [Wie Extr. Cascar. Consistenz 2. — Trübe 
löslich. - 1.0 etwa 10 Pf.] 

[nnerlich: zu 0.5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen, Mixturen 
oder als Zusatz zu abführenden Decocten oder Infusen. 

•Kxfra etil in Scillae. Meerzwiebelsxtract [Bulbus Scillae 5 mit 
Sj.ir. dilut. 20 durch 6 Tage macer irt, ausgepresst, Qltrirt und zur Consistenz 2 ab- 
gedampft. — Ziemlich klar löslich. — 1,0 15 Pf.] 

[nnerlich: zu 0,03-0,1-0,2 mehrmals täglich [ad 0,2 pro dosi, ad 1,0 
ö^~ n 693r694, 



Extractuin Seeale cornuti. 301 



pro die], in Pillen oder Bissen [unzweckmässig wegen seiner stark hygrosko- 
pischen Eigenschaft], am besten in Mixturen. 



G96. Iy 

Extr. Scillae 0,15 
Extr. Graminis 4,0 
Oxymellis Scill. 40,0. 
MDS. Stdl. 1 Theelöffel. 
[Bei Hydrops.] 

v. Skoda. 



695. R 

Extr. Scillae 0,25 

solve in 
Dec. Rad. Ononid. spin. 200,0 

adde 
Syr. Aurant. Cort. 15,0. 
D. S. Stdl. 1 Esslöffel. [Bei Hydrops.] 

v. Skoda. 

* Extractuin Seealis cornuti. Extr. Sccalis cornuti aquosum. Extr. 
haemostaticum Bonjean. Ergotinum impurum. Mutterkornextract. 
Wässeriges Mutterkornextract. [10 Th. Secal. cornut. mit 20 TU. Wasser 2 Mal 
6 Stunden macerirt, die Extracte colirt, auf 5 Theile eingedampft, mit Spiritus 5 ver- 
mischt, filtrirt und zur Consistenz 2 abgedampft. — Klar löslich. — 1,0 35 Pf.] 

Diesem Extracte hat sein erster Darsteiler Honjean den von Wiggers 
schon oecupirten Namen »Ergotin« vindicirt. Mit ihm sind die meisten 
Versuche gemacht und zum Vortheil desselben ausgefallen. Es ent- 
hält die hauptsächlichsten wirksamen Bestandteile des Mutterkorns, 
ist jedoch ebenso wenig ein chemisch reiner Körper wie das Wig- 
gers'sche Ergotin. Wcniich zeigte, dass der wirksame Bestandtheil 
nicht mit Alkohol und Aether, wohl aber mit Wasser zu extrahiren ist 
und dieses wässerige Extract zweckmässig durch Diffusion von organi- 
schen Bestandteilen anderer Art (Scleromucin, Mykose) gereinigt werden 
kann. Man erhält dann ein viel klarer lösliches wirksames Extract, das 
sogenannte Ergotinum dialysatum oder Extr. secal. cornut. bis 
purificatum (Wemicli). [Schon Wernich und später Zweifel wiesen darauf hin, 
dass das wirksame Princip den Charakter einer Säure haben müsse, was jetzt durch 
Dragemlorf s Entdeckung der Sclerotinsäure bewahrheitet ist. Hager stellt ein Extr. 
secal cornuti rationaliter paratum dar, dessen Vorzüge vor dem Wernich'schen uns 
nicht einleuchten.] 

Innerlich: zu 0,1-0,6 [die in Frankreich gebräuchliche Dosis wird auf 
0,2-2 : (!) angegeben] 3-4 Mal täglich in Pillen, Pastillen [zu 0,0G in der 
Apotheke zu haben], Solution [als wehenbeförderndes und blutstillendes Mittel, 
nach dem Urtheil der neueren Geburtshelfer nur intra partum bei tief im Becken 
stehendem Kopf und in der Nachgeburtsperiode bei Atonie und Blutungen des Uterus 
statthaft ] 

Aeusserlich: als Clysma [2,0-3,0 auf 1000-200,0 Wasser] bei Darm- 
blutungen, zu Umschlägen und Einspritzungen (bei Blutungen), zu 
subcutanen Injectionen 0,2-0,5 pro dosi, ad 1,0 pro dosi! [zuerst von 
A. Eulenhiirg versucht und zwar bei Tussis convulsiva, ferner mit Recht empfohlen 
gegen innere Haemorrhagien , namentlich llaemoptoe, Gebärmutterblutungen 
(hei Menorrhagie von Kuben, v. Swirierski, v. Kaczorowski, Martin u. a. erfolg- 
reich angewandt) ferner von v. Laiigenhcck gegen Aneurysmen in zwei Fällen 
bewährt gefunden (s. unten), endlich bei verschiedenen Uterinleiden, nament- 
lich Metritis chronica und Lageabweichungen des Uterus (v. Switlerski) und bei 
Fibro-Myomen des Uterus (llililehramll) erfolgreich angewendet; auch nach Kemak's 
Vorschlag gegen Kohlenoxydgas- Vergiftung, in Anbetracht der Untersuchungen von 
Klebs, zu versuchen. - Man benutzt entweder eine einfache wässerige Lösung (siehe 
unten \\< 710) oder eine glyccrinhaltige wässerige (Extr. »Secal. cornut. 3 Aq destill., 

1^ 695*696. 1ü 



302 



Extractum Seeale cornuti. 



W 



Glycerini ana 7,5: Hildcbranilt) oder eine glycerinhaltige spirituöse ^4. Eiilciiburg 
t. Langenbeck]. 

697. fy 

Extr. Secal. cornut. 
Pulv. Secal. cornut. ana 2,0 
M. f. pil. No. 30. Consp. Lycop. D. S. 
2-3stdl. 1 Pille. [Bei Lungen- und 
Gebärmutterblutungen.] 

Pilulae haemostaticae. 

H. E. Kichter. 



698. fy 

Extr. Secal. com. dialys.Wernicli 0,5 
Sacchar. alb. 0,3. 
M. f. pulv. d. t. p. No. 10. S. Stündl. 
1 Pulver (bis zu 5 Pulvern) zu geben. 
[Bei Wehenschwäche.] 



699. 



^ 



Extr. Secal. com. 
Acid. tannic. ana 1,2 
Extr. Opii 0,3 
Succ. Liquir. dep. q. s. 
ut f. pil. No. 20. Consp. Magnes. D. S. 
2-3 stdl. 1 Pille. [Bei Hämoptysis.] 

Lebert. 



700. ty 

Extr. Secal. com. 5,0 
Pulv. Rad. Liquir. q. s. 
ut f. pil. No. 60. Obduc. Argento. D. S 
Täglich 6-10 Pillen zu nehmen. [Bei 
chronischen Affectionen des Uterus.] 

Arnal. 

701. Iy 

Extr. Secal. com. 2,5 

Aq. dest. 150,0. 
MDS. 3 stdl. 1 Kinderlöffel. [Gegen Morbus 
maculosus Werlhofii, Purpura haemor- 
rhagica.] Henooh. 



Aq. Amygd. amar. dilut. 150,0. 
MDS. l-2stdl. 1 Esslöffel. 
[Bei Metrorrhagie.] 

Oesterlen. 



704. 



Extr. Secal. com. 
Acid. tannic. 2,0 
Aq. dest. 200,0 
Syr. simpl. 30,0. 
MDS. Stdl. 1 Esslöffel. 



1,0 



[Bei Hämaturie.] 
Lange. 



705. 



^ 



Extr. Secal. com. 
Alumin. ana 12,0 
Acid. benzoi'c. sublim. 4,0 

coq. per horam dimid. c. 
Aq. fönt. q. s. 

ad Colat. 100,0. 
Filtra. D. S. Stdl. 1 Theelöffel. 

Liquor, haemostaticus Hannon. 



706. 



D, 



702. 



MDS. 



703. 



Extr. Secal. cornut. 
Extr. Hyoscyami ana 1,0 
Liq. Kali acet. 25,0 
Aq. Foeniculi 150,0. 
3 stdl. 1 Esslöffel. [Bei Diabetes.] 

0. Hasse. 



H> 



Extr. Secal. cornut. dialys. 2,0 

Glycerini 8,0. 
S. Zur subeut. Injection, 1-2-3 Spritzen 
voll zu injiciren. [Diese Mischung ist, 
besonders ihrer Schmerzlosigkeit wegen 
sehr empfehlenswerth. Bei Hämoptoe 
mit momentanem Erfolg angewandt, aber 
ohne Verhütung von Recidiven. Von 
derselben Mischung können gleichzeitig 
innerlich 10-20 Tropfen 1 -2 stdl. ge- 
reicht werden.] 



707. fy 

Extr. Secal. com. 2,5 
Spir. dil. 

Glycerini ana 7,5. 
MDS. Zur subcutanen Injection. Eine 
halbe bis zu einer vollen Spritze zu 
injiciren. [Bei Aneurysmen und Hä- 
morrhagien. Bei Uterusfibromen.] 
v. Langenbeck. — Hildebrandt. 



708. 



Extr. Secal. com. 
Aq. dest. ana 5,0. 
MDS. Zur subcutanen Injection. 
Spirtzc zu injiciren. 



'/•- Vi 



Extr. Secal. com. 2,0 
Mucil. Gummi Arab. 
Syr. simpl. ana 15,0 

K\tractum Seealis cornuti bis purificatiiiii. S. oben bei Extr. 
secal. cornuti. 

Kltractlim SciiegaC. [Wie Extractum Colombo. — Trübe löslich. — 
1,0 30 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-1,0 mehrmals tätlich, in Pillen. 

H' r,;»7-708. 



Extractum Sennac. 



303 



K\t ruft Ulli Sfiuiaf. [Fol. Sennae mit lauwarmem Wasser erschöpft, die 
Flüssigkeiten zur Extract-Consistenz eingedampft, in kaltem Wasser gelöst, filtrirt, 
zur Consistenz 2 abgedampft. — Klar löslich, — 1,0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 2,0-5,0 [als Abführmittel], in Pillen, Bissen. [Ganz 
unzweckmässig und entbehrlich.] 

Extractum Simarubae aquosum. Ruhrrinden extra ct. [Wie 
Extr. Cascar. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 15 Pf.] 
Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen. 

ExtractuUl Siuiarilbae SpiritllOSUIlt. [Wie Extr. Aurant. Cort. Con- 
sistenz 2. — Trübe löslich. — 1.0 etwa 30 Pf.] 
Innerlich: wie das vorige. 

Extractuin Ktraiuoiiii. Stechapfelextract. [Wie Extr. Beilad. 
Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,01-0,05-0,1 [ad 0,1 pro dosi, ad 0,4 pro die!] mehr- 
mals täglich, in Pillen und Mixturen. 

Aeusserlich: zu Augenwässern [zu Bähungen: 0,5-2,0 auf 100,0; 
zu Tropfwässern: 0,2-0,6 auf 25,0], zu Injectionen [0,5-1,5 auf 100.0], In- 
halationen, zu Salben [1,0-1,5 auf 25,0], Pflastern, Zahnpillen. 



710. fy 

Extr. Stramonii 0,1 

solve in 
Tinct. Digital, aeth. 4,0 
Aq. Valerian. 30,0. 

MDS. Im Anfall theelöffelweise zu nehmen. 
Guttae antasthmaticae. Asthmatropfen. 

H. E. Richter. 



709. fy 

Extr. Stramonii 
Extr. Opii ana 0,5 
Zinci oxydati 8,0. 
M. f. pil. No. 40. Consp. Lycop. D. S. 
1-8 Pillen täglich. [So lange mit der 
Dosis zu steigen, bis Patient Sehstörun- 
gen zu empfinden beginnt; nach Auf- 
hören der Schmerzen noch 14 Tage mit 
der Kur fortzufahren.] 
[Gegen Neuralgien.] Trousseau. ' 

E.itractuui Stramonii e Seminibus. 

bereitet. Consistenz 2. — 0,1 etwa 10 Pf.] 
Innerlich: zu 0,01-0,06. 

Extractum Strychni aquosum. Extractum Seminis Strychni aquo- 
sum. Wässeriges Brechnuss- oder Krähenaugencxtract. [Aus- 
zug mit kochendem Wasser. Consistenz 2 — Trübe löslich. — 10 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,1-0,2 [ad 0,2 pro dosi, ad 0,6 pro die!] mehrmals 
täglich, in Pulvern, Pillen, Solution. 

Aeusserlich: zu Klystieren [0.05-0,2 ad clysma]; endermatisch. 

711. Bf 



[Wie Extr. Hyoscyami e Seinin. 



Kxtr. Strychn. aquos. 

I'ulv. Sem. Strychni ana 6,0. 

F. ope Mucil. Gummi Arab. q. s. pil. 100. 

Consp. Pulv. Rhiz. Irid. flor. I). S. 

Morgens und Abends 1 Pille, allmälig 

steigend. [Bei rheumatischer Lähmung.] 

Trinius. 



Syr. simpl. ana 30,0. 
MDS. 2stdl. 1 Esslöffel. 
[Bei Diarrhoe, Ruhr.] 



Oesterlen. 



712. R- 

Kxtr. Strychni aquos. 0,5 
Aq. Cinnam. simpl. 150,0 
fifucilag. Gummi Arab. 



713. fy 

Extr. Strychni aquos. 0,05-0,1 

solve in 
Aq. dest. 50,0. 
D. S. Umgcschüttelt, Säuglingen zu 2-3, 
älteren Kindern zu 6-12 Tropfen zu 
geben. [Bei Prolapsus ani.] 

Schwartz. 

!;• 709-713. *m& 



304 



Extractum Stiyclmi. 



*Extractum Strjclmi. Extr. Seminis Strychni spirituosum. Ex- 
tractum Nucum vomicarum spirituosum. Extr. Nucis vomicae Ph. Anstr. 
Strychnossamenextract. Weingeistiges Brechnuss- oder Krähenaugen- 
extract. [10 Th. sein. Strychn. mit 20 Tbl. Spirit villi dilut. ausgezogen, der 
abgepresste Rückstand ebenso mit 15 Thl. Spirit. dilut. behandelt, das Gemisch 
mehrere Tage bei Seite gestellt, zur Consistenz 3 abgedampft. — Trübe löslich. — 
0,1 50 Pf.] Cave: Gerbstoffe, Halogene, Metallsalze und Jodverbindungen. 

Innerlich: zu 0,01-0,3-0,05 [ad 0.05 pro dosi! ad 0,15 pro die!] in 
Pulvern, Pillen, Solutionen. [Bei verminderter Erregbarkeit und pareti- 
schen Zuständen motorischer Apparate, unzureichender functioneller Thätigkeit be- 
sonders im Gebiete der Verdauungsorgane, des Harn- und Geschlechtsapparates. 
Auch bei Alkoholismus, Cachexie nach Intermittens, bei Erbrechen der Schwangeren, 
rheumatischen Zuständen etc. angewendet.] 

Aeusserlich: zu Einreibungen in spirituöser Lösung [0,1-0,25 
auf 25,0 Spir. dilut.] oder Salben [1,0-2 auf 25,0]; endcrmatisch [0,03 
bis 0,05.] 



714. 



I* 



Extr. Strychni 
Bism. subnitr. ana 0,03 
Magn. carb. 0,2 
Sacch. 0,6 
Ol. Menth, pip. 0,1. 
M. f. pulv. disp. tal. dos. No. 12. 
Charta cerata. S. Stdl. 1 Pulver, 



717. 



MDS. 



Magenkrampf.] 



D. in 
[Bei 



Vogt. 



F 



715. ty 

Extr. Strychni 5,0 (!) 
Succ. Liquir. dep. 7,5. 
1. a. pil. 100. Consp. Lycop. D. S. 
Anfangs täglich 1 Pille (= 0,05), dann 
allmälig auf 2-5 (!) täglich (1 pro dosi) 
steigend. [Bei Impotenz und Sperma- 
torrhoe.] Duolos. 



710. ry 

Extr. Strychni 1,0 

„ Colocynth. compos. 
„ Hyoscyami 
„ Rhei comp, ana 5,0. 
M. f. pil. No. 00. Consp. Lycop. D. 
Nach Bedürfniss 1 Pille zu nehmen. 
Pilulae Nucis vomicae catharticae. 

Mackenzie. 



S. 



Extr. Strychni 0,5 

solve in 
Tinct. aromat. 
Aethcr acet. ana 3,0. 
2 mal täglich 10 Tropfen. 

Oesterlen. 



718. fy 

Extr. Strychni 0,1 
Tinct. Canthar. 1,0 
Tinct. Calami 3,0. 
D. S. 3 mal täglich 10-1; 
Deeoct. Alth. zu nehmen. 
und Mastdarmlähmung.] 



Tropfen in 
[Bei Blasen- 

Schömann. 



719. 



MDS. 



Extr, Strychni 0,5 

solve in 
Spir. dilut. 15,0 

addc 
Tinct. Cantharid. 
Liq. Ammon. caust. 
Zum Einreiben. 



Spil- 



an a 5,0 



MxtractlUII TaiiacHi. Reinfamextract. [Wie Extr. Absinth. Con- 
sistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen. 

11 \ trat* tum Taravaci. Löwenzahnextract. [Wie Extr. Card, bened. 

Consistenz 2. — Fast klar löslich. — 10,0 GO Pf.] 

Innerlich: zu 2,0-10,0 mehrere Male täglich in Bissen oder So- 
I ii l innen. 

fy 714-719. 



Extraktum Taraxaci liquidum. 305 



Extractum Taraxaci liquidum. Loco Mellagin. Taraxaci. Löwen- 
zahn-Honig. [3 Th. des obigen Extractes mit 1 Th. Wasser. Consistenz 1.] 

Innerlich: zu 25,0-50,0 pro die, pur oder in Mixturen. 

Aeus serlich: zu Kly stieren [25,0-50,0 ad clysma], selten ange- 
wendet und theuer. 

Extractum Taxi baccatae. Eibenbaumextract. [Wio Extr. Bellad. 

Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 20 Pf.] 
Innerlich: zu 0.03-0,15, in Pillen. 

Extractum Tormeiltillae. Tormentillenextract. [Wie Extr. Cascar. 
Consistenz 2. — Trübe löslich. — 10 80 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,0 mehrmals täglich. 

Aeusserlich: zu adstringirenden Verbandwässern, Einspritzun- 
gen u. s. w. [5,0-15,0 auf 100,0] 

Extractum Toxicodcndri. Giftsumachextract. [Wie Extr. Bellad. 

Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1 : etwa 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,01-0,03 mehrmals täglich, in Pillen [von Trousseau 
gegen Paraplegie empfohlen.] 

720. ty 

Extr. Toxicodcndri 0,4-0,8 
Extr. et Pulv. Rad. Gentianae q. s. 
ut f. pil. No. 40. Consp. Lycopod. D. S. Stdl. 1 Pille. 
[Bei Paresis und Paralysis.j v. Skoda. 

*Extractuin Trifolii filmiii. Extr. Trifolii. Bitterkleeextract. 
Fieberklee- oder Dreiblatt-Extract. [Wie Extr. Card, bened. Consistenz 2. — 
Klar löslich. — 10.0 50 Pf.] 

Innerlich-, zu 1,0-2,0 mehrmals täglich, in Pillen oder Solutionen. 

Extractum Turioiiuui Pini. Fichtensprossenextract. [Wie 
Extr. Angelicae. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 5 Pf.] 

Innerlich: als Zusatz oder Vehikel für diuretische Arzneien. 
Aeusserlich: zu Bädern [25,0-50,0 pro balneo]. 

Extractum Uvae Irsi. Bärentraubenextract. [Wie Extr. Absinth. 
Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1.0 etwa 5 Pf] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pillen oder Solutionen. 

Vcnot rühmt das Extract einer anderen Arbutus-Art [Arbutus unedo] 
als eines der kräftigsten Adstringentien, namentlich bei Blennorrhagien: 
R Extractum Arbuti, Ratanhae ana 2,5, f. pilul. 30. D. S. Morgens 
und Abends 2-3 Pillen. 

Extractum Valeriaiiac. Baldrianextract. [Wie Extr. Aurant. Cort. 

Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 25 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,5 mehrmals täglich, in Pillen und Solutionen. 

721. Bf 

Acid. valerian. 3,0 

Ammon. carb. q. s. 

ut f. cum Aq. dost. 
Saturatio 100,0 

cui adde 
Extr. Valerianae 2,0. 
D. S. 6 bis 30 Tropfen Morgens und 



Abends einem schleimigen Getränk oder 
zu Zackerwasser zuzusetzen. 

Pierlot. 
[Diese etwas willkürlich als Valerianate 
d'Ammoniaque bezeichnete Mischung ist 
in neuester Zeit in Frankreich gegen in- 
veterirte Nervenleiden, zumal Epilepsie 
und Hysterie, gerühmt worden.] 

Ewald und Simon, Arzitcivoronliuiiitf.slclirc. 10. Aull. .w\ 



\\f 720-721. 



306 Extractum Veratri viridis. 



H\tr actum Veratri viridis. [Spirituosen Auszug aus der Wurzel von 
Veratrum viride (Thayer).] 

Innerlich: 2-5 Tropfen l-4st und lieh. 

Extractum Vitis Pauipiiiorum. Weinrebenextra ct. [Wie Extr. 
Beilad. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 10 Pf.] 
Innerlich: zu 4,0-12,0 in Solutionen. 

Faba alba. Semen Fabae. Semen Phaseoli. Beans, Feves, Hari- 
cots. Weisse Bohne. 

Innerlich: als Nährmittel. 

Aeusserlich: gepulvert (Farina Fabarum) zu trocknen Um- 
schlägen und Streupulvern. 

Faba Calabarica. Faba Calabarensis. Semen Physostigmatis vene- 
nosi. Ordeal Bean of Calabar. Calabar-Bean. Feve de Calabar. Ca- 
labar-Bohne. Gottes-Urtheil-Bohne. [Diese durch Fräser, Robertson 

und t. Gräfe in die Materia medica eingeführten Samen einer im Königreiche 
Dahomeh an der Küste von Guinea heimischen Leguminose sind nierenförmig 
oder dreieckig, etwa 1 Zoll lang und l / 2 Zoll breit, von einem festen, braunen, 
genarbten Corium umkleidet und mit einer tief eingeschnittenen, roth umränderten 
Raphe versehen. — Die in hohem Grade toxische Wirkung der Calabar -Bohnen hat 
in ihrem Heimathlande den Anlass gegeben, sie zur Prüfung der Schuld oder Unschuld 
Angeklagter zu verwenden; daher der Name Ordeal-Bean, Gottes-Urtheil-Bohne.] 
Der wirksame Bestandtheil ist das Physostigmin oder Es er in (vergl. 
Eserinum). 

Man wendet die Bohne selbst nicht an, sondern nur das Extract 
derselben oder das Eserin [vergl. Extractum Fabae Calabar.]. 

Fabae Pichurim majores et minores. Sem. Pichurim. Grosse 
und kleine Pichurim-Bohnen. [Grosse pulv. etwa 50 Pf. , kleine 40 Pf.] 

Innerlich: als aromatisches Mittel, zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, 
in Pulvern, Morsellen. — Völlig obsolet. 

Farina Hordei praeparata. Prepared Barley-meal. Farinc d'orgc 
pn'paree. Präparirtes Gerstenmehl. 

[Die Präparation geschieht durch 30stündiges Erhitzen des Gerstenmehl in einem 
verdeckten, von dem zusammengepressten Mehl nur zu 2 / 3 gefüllten, zinnernen Ge- 
fässe. Nach Entfernung der oberen, durch Feuchtigkeit zusammengeballten Schicht 
wird das darunter befindliche, meist etwas röthlicher gewordene Mehl durch ein Sieb 
geschlagen und trocken aufbewahrt. Dem ersten Darsteller schwebte jedenfalls der 
Gedanke vor, die Stärkekügelchen zu zersprengen, wie dies bei der Kleisterbildung 
geschieht. Es ist jedoch das mikroskopische Verhalten des präparirten Gerstenmehls 
genau dasselbe, wie das des rohen, so dass die ganze umständliche Procedur im 
ntlichen nichts erzielt als eine Trocknung des Gerstenmehls, und der Ruf, den 
sich die Farina Hordei praeparata als Nährmittel für Reconvalescenten, Atrophische 
u. s. w. erworben hat, gleiche Grundlagen mit dem der Revalenta u. s. w. besitzt. 
— 100 r 20 Pf.] 

Farina lactea pro infantibus. Milchhaiti ges Kindermehl. 
Milchmehl. [Zuerst von INcstlc in Vevey dargestellt (Nestle'sches Kinder- 
rmlily. jetzt auch in ähnlicher Composition und Güte von Faust und Schuster in 
Göttingen (Göttinger Kindermehl), sowie von GilFcy und Schiele zu Rohrbach 
in Baden, von Timnc in Magdeburg, Paul Liebe in Dresden, Extract- Fabrik Braun- 



Parina leguminosa. 307 



schweig u. a. fabricirt. Jede Fabrik reclamirt natürlich für sich den Vorzug, das 
beste Präparat zu liefern. Am meisten in Gebrauch und mit Recht, ist zweifellos 
das Nestle -Mehl.] Aus Milch, Weizenmehl , Zucker und Nährsalzen be- 
stehend, bildet es ein gelbliches Pulver, welches, mit Wasser aufgekocht, 
eine wohlschmeckende Suppe giebt, die in Ermangelung von Muttermilch 
und guter frischer Kuhmilch, oder wenn letztere wegen Erkrankung des 
Digestionstractus nicht vertragen wird, die natürliche Nahrung zu ersetzen 
vermag. Diese Präparate enthalten im Durchschnitt 10-12 pCt. Protein- 
stoffe, 78-80 pCt. Kohlehydrate, 1-2 pCt. Salze und 6-7 pCt. .Wasser. 
Ihr Nährwerth, namentlich an verdaulichem Eiweiss ist aber, wie sich 
aus den untenstehenden Analysen ergiebt, sehr wechselnd, ja bei man- 
chen ist das Verhältniss zwischen Eiweiss und den übrigen Nährstoffen 
sehr unvortheilhaft, indem die Kohlehydrate gegenüber den Eiweissstoffen 
zu sehr vorherrschen. Das Präparat hat vor dem Liebig'schen Kinder- 
pulver (vergl. Farina Tritici) den Vorzug, dass es bereits Milch enthält 
und die Bereitung der Suppe aus demselben auf sehr einfache Weise von 
statten geht. 

Farina leguminosa. Leguminose. Kraftsuppenmehl. [Auf An- 
regung Bencke's von Hartenstein in Chemnitz dargestellt. Bestehend aus einer 
Mischung von Mehl verschiedener Cerealien und Hülsenfrüchte , besonders Linsen- 
und Erbsenmehl in ausserordentlich feiner Vertheilung. Auf dieser letzteren beruht 
die leichte Verdaulichkeit des Präparates, welches durch seinen Reichthum an Protein- 
stoffen in Verbindung mit Fett und Amylaceen einen hohen iNährwerth besitzt. Beneke 
liess 4 verschiedene Mischungen der liarteiistein'schen Leguminose darstellen: 1. Ver- 
hältniss der stickstoffhaltigen zur stickstofffreien Substanz wie 1:2,3, etwa dem 
Ochsenfleisch äquivalent; 2. Verhältniss von 1 : 3,3; 3. Verhältniss von 1 : 3,9, äqui- 
valent dem Nährwerth der Kuhmilch; 4. Verhältniss von 1 : 4,8. ungefähr der gewöhn- 
lichen gemischten menschlichen Nahrung entsprechend.] Das Mehl wird mit 
kaltem Wasser langsam angerührt und eine halbe Stunde lang unter Zu- 
satz von etwas Kochsalz gekocht; ein gehäufter Esslöffel des Mehls wird 
zur Bereitung etwa eines Tellers Suppe benutzt. Man kann der Suppe 
noch Fleischextract hinzufügen, desgleichen, wo man den Fettgehalt er- 
höhen will, etwa 1-2 Theelöffel Milchrahm; zur Verdeckung des Legu- 
minosengeschmacks dient ein kleiner Zusatz von Kerbel oder Kümmcl- 
samen (Beneke). Die Leguminose empfiehlt sich als zweckmässiges Nah- 
rungsmittel bei Kranken mit schwacher Verdauung, Reconvalescenten, 
Kindern mit Brechdurch fällen oder Scrophulose, Phthisikern u. a. Je 
nach dem Alter und dem Zustand des Digestionstractus wird man die 
eine oder die andere der obigen Mischungen wählen. Die analytischen 
Werthe der einzelnen Mehle lassen wir in Folgendem nach den neuesten 
Untersuchungen von Stutzer, Vorstand des landwirthschaftlichen Labora- 
toriums zu Poppeisdorf, folgen und zwar in Proccntcn: 

1. Nestle 1 s Kindermehl von Henri Nestle in Vevey: 9,90 verdauliches 
Eiweiss, 5,16 Fett, 79,30 Kohlehydrate, 4,17 Wasser, 1,47 Mineralstoire mit 0,411 
Phosphorsäure. 

2. Wahls Kindermehl von Fr. A. Wahl in Neuwied: 1,88 verdauliches 
Ki weiss, 1,28 Fett, 86,37 Kohlehydrate, 10,14 Wasser, 0,33 MineralstofTe mit 0,143 
Phosphorsäure. 

4. Göttinger Kindermehl von Faust und Schuster in Göttingen: 9,15 ver- 

20* 



308 Farina leguminosa. 



dauliches Ei weiss, 5,07 Fett, 77,01 Kohlehydrate, 6 59 Wasser, 2,17 Mineral- 
stoffe mit 0,509 Phosphorsäure. 

4. Löfflunds Kindernahrung von Ed. Löff luml in Stuttgart: 3,33 ver- 
dauliches Eiweiss, 60,88 Kohlehydrate, 34,25 Wasser, 1,54 Mineralstoffe mit 0,514 
Phosphorsäure. 

5. Tinipc s Kindernahrung (Kraftgries) von Theodor Tinipe in Magdeburg: 
5,25 verdauliches Eiweiss, 2.93 Fett, 84 ; 76 Kohlehydrate, 6,11 Wasser, 0,95 Mineral- 
stoffe mit 0,467 Phosphorsäure. 

6. Liebe's Nahrungsmittel in löslicher Form von Paul Liebe in Dresden: 
3,51 verdauliches Eiweiss, 70,65 Kohlehydrate (Zucker, Dextrin). 24,48 Wasser, 1,36 
Mineralstoffe* mit 0,298 Phosphorsäure. 

7. Präparirtes Hafermehl von W. C. II. Weibezahn in Fischbeck: 9,12 ver- 
dauliches Eiweiss, 7,10 Fett, 72,51 Kohlehydrate, 10,32 Wasser, 0,95 Mineralstoffe 
mit 0,586 Phosphorsäure. 

8. Präparirtes Hafermehl von C. II. Knorr in Heilbronn: 9.78 verdauliches 
Eiweiss, 5,73 Fett, 72,64 Kohlehydrate, 10,61 Wasser, 1,24 Mineralstoffe mit : 673 
Phosphorsäure. 

9. Hartenstein 's Leguminose von Hartenstein und Co. in Chemnitz. 
Mischung 1: 20.01 verdauliches Eiweiss, 2,17 Fett, 64,87 Kohlehydrate, 10,63 
Wasser, 2.32 Mineralstoffe mit 0,765 Phosphorsäure. Mischung 2: 18 64 verdau- 
liches Eiweiss, 1,72 Fett, 65,92 Kohlehydrate, 11,92 Wasser, 1,80 Mineralstoffe mit 
813 Phosphorsäure. Mischung 3: 14,61 verdauliches Eiweiss, 1,38 Fett, 69.97 
Kohlehydrate, 12,47 Wasser, 1,57 Mineralstoffe mit 0,653 Phosphorsäure. 

10. Malto -Leguminose von Starker und Pobuda in Stuttgart: 19.43 ver- 
dauliches Eiweiss. 1,72 Fett, 67,78 Kohlehydrate, 8,01 Wasser, 3 ; 06 Mineralstoffe mit 
0.923 Phosphorsäure. 

Es dürfte von Werth sein, zur Vergleicliung den Gehalt an verdau- 
lichen Ei weissstoffen der von Stutzer untersuchten Präparate etc in Fol- 
gendem wiederzugeben: 



1 . Caviar 25,81 pCt. 

2. Hartensteins Leguminose, 

Mischung 1 20,01 „ 

3. Revalesciere 19,93 „ 

4. Malto-Leguminose 19,43 „ 

5. Geräucherter Schinken... 18,92 „ 
C). Hartensteins Leguminose, 

Mischung 2 1S,G4 „ 

7. Frisches Ochsenfleisch ... 18,53 „ 

s. Hühnerfleisch 16,56 „ 

9. Hartensteins Leguminose, 

Mischung 3 14,61 „ 

10. Hühner- Eiweiss 13,48 „ 

11. „ Eigelb 13,01 „ 

12. Ncstltfs Kindermehl 9,90 „ 

13. Knorr'a Hafermehl 9,78 „ 

14. (iöttinger Kindermehl.. . 9,15 „ 



15. Weibezahn's Hafermehl... 9,12pCt. 

16. Condensirte Milch 8,79 „ 

17. Entölter Cacao 2 (Stollwerk) 8,23 „ 

18. Weissbrod 7,20 „ 

1 9. Entölter Cacao 1 (Stollwerk) 6,72 „ 

20. Kinderbisquit 6,71 „ 

21. Austern 5,78 „ 

22. Timpe's Kindernahrung 5,25 „ 

23. Rheinisches Schwarzbrod ... 4,20 „ 

24. Entölter Cacao (Lobeck)... 4,16 „ 

25. Kuhmilch 4,00 „ 

26. Liebe's Nahrungsmittel 3,51 „ 

27. Liebig's Plcischextract 3,40 „ 

28. LöiTlund's Kindernahrung . 3,33 „ 

29. Linck's Malzextract 2,50 „ 

30. Wahl's Kindermehl 1,88 „ 

31. IfofTs Malzextract 0,28 „ 



Farina imtrims pro infairiihus. Kindermehl. Kindernahrung. 
[S. Parina lactea, Farina leguminosa, Farina Hordei, Farina Tritici , Amylum 
Marantae.l 

Farina Seealis« Ryc-meal. Farine de ble. Farine de Seigle. 
Roggcninehl. [10,0 etwa 20 Pf.] 



Farina Tritici. 309 



Innerlich: als Nährmittel. 

Aeusserlich: zu trockenen Umschlägen, Cataplasmen [mit 
Honig], zu Streupulvern. 

Farina Tritici. Wheaten-flour. Farine de froment. Weizenmehl. 
[100,0 etwa 30 Pf.] 

Innerlich zum Licbig'schen Ernährungspulver für Kinder [Pulv. 
nutriens] verwendet. [Farina Tritici wird mit Maltum hordei pulv. gleicher 
Menge gemischt und auf 1000 der Mischung 15 Kali bicarb. zugesetzt. — 30 Gr. dieses 
Pulvers (etwa 2 gehäufte Esslöffel) werden mit 30 Gr. Wasser und 150 Gr. Milch 
(etwa einen Tassenkopf voll) innig gemischt, und in einer kleinen Casserolle auf ge- 
linder Flamme unter fortwährendem Umrühren so lange erhitzt, bis die Mischung an- 
fängt dicklich zu werden. Nun nimmt man den Brei vom Feuer, rührt jedoch immer- 
fort, worauf nach etwa 5 Minuten der Inhalt in der Casserolle dünnflüssiger wird, 
erwärmt abermals, bis Verdickung eintritt, und wechselt so lange mit dem Umrühren 
auf und neben dem Feuer ab, bis der Brei ohne wesentliche Verdickung sich bis zum 
Kochen erhitzen lässt, giesst das ganze durch ein feines Sieb und kann das milch- 
artige Getränk selbst aus der Flasche schänken. Der Nährstoff dieses Breies soll 
gerade doppelt so gross als der der Muttermilch sein, und lässt sich derselbe sogar 
im Sommer, vorausgesetzt dass die Bereitung genau nach der Vorschrift erfolgte, d.h. 
dass die Erhitzung bis zum Aufkochen fortgesetzt wurde, ohne Gefahr 24 Stunden 
aufbewahren.] 

Aeusserlich: zu cosmetischen Pulvern und Pasten. 

Fei Tauri (recens). Bilofox. Fiel de Boeuf. Frische Ochsen- 
galle. [Chol- und Cholei'nsaure mit Natron, ferner Gallen farbstoffe, Fettsäuren mit 
Basen verseift, und Cholestearin. — In Wasser vollständig löslich, in Weingeist und 
Aether nur theilweise. Eiweiss-Consistenz. — 10,0 10 Pf.] Man verordne die 
die frische Galle nie auf längere Zeit und nie mit freien Säuren, sauren 
oder Metallsalzen. 

Innerlich: zu 5,0-15,0 mehrmals täglich, am besten mit aro- 
matischen AVässern [Aqua Menth, pip.] und einem geringen Zusatz von 
Spir. aether. 

Aeusserlich: zu Linimenten und Salben [durch jedes Fett zu er- 
setzen], zu Clysma [15,0-30,0 zum Klystier]. 



723. fy 

Fei Tauri rec. 15,0 
Inf. Tanaceti 100,0. 

D. S. Zum Klystier. 
[Bei Spulwürmern.] 



722. ty 

Fei Tauri recent. 100,0 

Aq. Flor. Aurant. 60,0 

Spir. Aether. chlor. 2,0. 
MDS. Morgens (nüchtern) 1-1 1 / 2 Esslöffel. 
[Bei LeberafTectionen.] Steinthal. 

Fei Tauri üVpuratiiiu siccimi. Natr. choleinicum. Trockne 
gereinigte Ochsengalle. [Frische Ochsengalle und Spiritus ana sorgfaltig 
gemischt, eine Zeit lang stehen gelassen, filtrirt, der Spiritus abdestillirt, der Rück- 
stand mit feuchter, durch Salzsäure gereinigter Thierkohle behandelt, die Flüssigkeit 
filtrirt und zum trocknen Extracte abgedampft. — Gelblich -weisses, leicht Wasser 
anziehendes Pulver, von zuerst süsslichem, dann nachhaltig bitteremGallongeschmack; 
leichl in Wasser und Weingeist löslich. — 100 Tli. frische Galle geben etwa 7 Th. 
trockne. — 1,0 10 Pf.] 

Innerlich: [als Ersatzmittel des vielen so widrigen Fei Tauri empfohlen, 
zur Bethätigung der Gallensecretion , bei Icterus, Verdauungsschwächc und anderen, 

ty 722-723. ^W 



310 Fei Tauri inspisSatum. 



von Oligocholie abhängigen Zuständen] zu 0,3-0,6 mehrmals täglich, in Pillen 
[am besten aus Fei Tauri depuratum siccum ohne weiteren Zusatz, nur mit einigen 
Tropfen Mucilago Gummi Arabici]. 

Aeusserlich: als Streupulver zur Verbesserung schlecht eitern- 
der Geschwüre. 

Fei Tauri iiispissatum. [Ext. Fellis.] Eingedickte Ochsen- 
galle. [Consistenz 2. — In Wasser klar löslich. — 1,0 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals tcäglich, in Pillen, Bissen, 
Mixturen. 

Aeusserlich: zu Pinselsäften, Klystieren [5,0-10,0 ad clysma], 
Salben, Linimenten. 

724. ty 

Fei Tauri inspiss. 

Pulv. Rad. Rhei ana 10,0. 



F. pil. No. 100. Consp. Cinnam. D. S. 
3 mal täglich 5 Pillen. 



725. Iy 

Fei Tauri inspiss. 10,0 
Aq. Cinnam. 150,0 
Spir. Aeth. nitr. 5,0 
Syr. Zingiberis 25,0. 

MDS. Stdl. 1 Esslöffel. 

Fermentum Cerevisiae. Beer Yeast. Levure de biere. Bierhefe. 

Innerlich: esslöffelweise [bei Scorbut, bei Angina gangränosa], rein oder 
mit Wasser und Zucker ana gemischt. 

Aeusserlich: zu Umschlägen [auf scorbutische Theile, brandige Ge- 
schwüre (mit rohem Honig und Roggenmehl ana): Sundeliii. — Cataplasma fermenti, 
Yeast poultice Ph. Brit., besteht aus Ferment. Cerevis., siedendem Wasser ana 6, 
Farina Tritici 14]. 

Ferro-Kali tartaricum s. Tartarus ferratus. 

Ferro-Halium cyaiiatum flavuiii s. Kalium ferro-cyanatum. 

Ferrum aceticum siccum. Trocknes essigsaures Eisenoxyd. 
Peracetate of iron. Acetate de fer. [Schwach krystallinische, braunrothe, 
pulverige Masse, in Wasser löslich, hergestellt durch Eindampfung des Liq. Ferri acet. 
bei 25° C. — 1.0 etwa 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0,1-0,2 mehrmals täglich, in Pillen, seltener 
in Pulvern. 

Ferrum accticuiit soliltuut s. Liquor Ferri acetici. 

Ferrum albuminatiim liquidum. Flüssiges Eisenalbuminat. Durch 
Fällen von Hühncreiweiss mit Liq. ferr. sesquichlorati, Auswaschen des 
Niederschlags und Lösen desselben in salzsäurehaltigem Wasser erhalten. 

[Wurde in dem Glauben besserer Resorptionsfähigkeit lebhaft, so noch zuletzt von 
Friese, Dönitz, empfohlen. — Da jedes Ferrochlorid sich mit Eiweisssubstanzen ver- 
bindet und letztere leicht mit dem Eisenpräparat gegeben werden können (z.B. Milch) 
oder schon im Magen sind, und da man überdem nicht weiss, ob das Eisen als Eisen- 
albuminat oder Eisenpepton resorbirt wird, so ist das ganze Präparat nur als eine 
Vertheuerung eines viel einfacheren Verfahrens zu betrachten.] 

Ferrum arseiiiriciim oxyriulatiim. A rseniksaures Eisenoxydul. 

| Wenig löslich in Wasser. — Hat nur wenig Eisen-, sondern hauptsächlich Arsenik- 
wirk im g.] 

Innerlich: zu 0,003-0,007 1-2 Mal täglich [gegen Lupus und Krebs 
von Carniichacl , gegen Psoriasis und acute Hautkrankheiten von Bictt u. a. em- 
p fohlen.] 

!(• 724-725. 



Ferrum bromatum. 311 



Aeusserlich: in Salben [0,1-0.4 auf 10,0 Fett]. 

Ferrum bromatum. Eisenbromid. Brom-Eisen. [Zerfliesslich an 
der Luft. — 1,0 etwa 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0,25 in wässeriger oder spirituöser Lösung. 
[In neuester Zeit von Gillcpsic sehr gerühmt, nicht nur gegen Chlorose und Dysme- 
norrhoe, sondern auch gegen chronische Diarrhoe, Fluor albus, Gonorrhoe, Diphtherie, 
Bronchitis chronica und senilis u. a. — Derselbe wendet das Mittel auch äusser- 
lich an: zum Aufpinseln bei Erysipelas, zur Inhalation bei Bronchitis.] 

726. Bf 

Ferri bromati 0,3 
Aq. dest. 60,0 
Syr. Aurant. Cort. 30,0. 
MDS. 1 Esslöffel Morgens, 2-3 Abends. [Bei häufigen Erectionen und Pollutionen 
anämischer, namentlich zu Krämpfen geneigter Gonorrhoiker.] v. Sigmund. 

*Fcrrum carhoniciim saccliaratuin. Sugar carbonate of iron. 
Protocarbonate de fer sucre. Zuckerhaltiges Eerrocarbonat. Ge- 
zuckertes kohlensaures Eisenoxydul. [10,0 10 Pf.] Ein grünlich graues 
Pulver, in 100 Th. 10 Th. Eisen enthaltend. 

Innerlich: zu 0,2-0,6 mehrmals täglich, in Pulvern, Pastillen, 
Trochiscen etc. 

Dieseses Präparat ist dem älteren, besonders in Frankreich ge- 
bräuchlichen, Massa Pilularum Valleti [vergl. Pilul. Ferri carbon.], bei 
welchem die Oxydation des Eisenoxyduls durch Honig vermieden wird, 
nachgebildet. 

727-728. Ifc 

Ferr. carb. sacchar. 

Natr. bicarb. ana 5,0. 
Div. in part. aeq. No. 8. 



S. No. 1. 



Div. in part. aeq. No. 8. 
S. No. 2. 

Ein Pulver No. 1. wird in Wasser 
aufgelöst, ein Pulver No. 2. zugesetzt 
und während des Aufbrausens ausge- 
trunken. 

Pulvis aerophorus martiatus 

Frankii. 



Acid. tartar. 5,0 
Elaeosacchar. Citri 2,5. 

Ferrum chloratum s. muriatum oxydulatum. Chloretum Ferri. 
Muriate of iron. Protochlorure de fer. Eisenchlorür. Salzsaures 
Eisenoxydlll. [An der Luft zerfliesslich, in Wasser und Weingeist leicht, in 
Aether nicht löslich. — 10.0 10 Pf.] Cave: Gerbsäure, Salzbildcr, Blei- und 
Silbersalze. 

Innerlich: zu 0,1-0,3 mehrmals täglich, nur in wässeriger oder 
alkoholischer Lösung [wie solche als Liq. Ferri chlor, und Tinctura Ferri chlorati 
gebräuchlich ist]. 

Aeusserlich: als Gurgelwasscr [8,0 auf 200,0 Wasser mit 30.0 Mel 
rosat. bei phagedänischen syphilitischen Rachengeschwüren : Fischer]. 

729. \k 

Ferri chlorati 3,0 

solve in 
Aq. dest. 25,0. 
MDS. 3 mal täglich 30- CO Tropfen, [ßoi torpiden Scrophcln.] 

Hufeland. 

Ferrum chloratum solutum s. Liquor Ferri chlor. 

Ferrum citricuiii oxyriatum. Citras ferri oxydati. Citrate of iron. 

ly 726-729. -» 



312 



Forruin citricum ammoniatum. 



Citrate de fcr. Citroncnsaures Eisenoxyd. [Löslich in Wasser, schwer 
in Alkohol. 1,0 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,6 in Pulvern, Pillen, Pastillen und 
Syrup. 



730-731. fy 

Ferri citr. oxydat. 0,2 

Natr. bicarbon. 

Sacch. alb. ana 1,0. 
M. f. pulvis. Dispens, tal. dos. No. 12. 
S. No. 1. 



D. 



R 



Acid. .citr. 0,8. 
F. pulvis. Dispens, tal. dos. No. 12. 
D. S. No. 2. 
Morgens und Abends 1 Pulver No. 1. 
in Wasser aufzulösen, 1 Pulver No. 2. 
hinzuzufügen und die Flüssigkeit während 
des Aufbrausens zu trinken. 



733. 



Iy 



F 



Ferri citr. oxydat. 
Acidi citr. ana 10,0 
Ol. Citri 1,0 
Sacchar. 200,0 
Aq. q. s. 
trochisci pondere 0,5. 
Mehrere Male täglich 5-6 Pastillen. 

Bouchardat. 



734. Bf 

Ferri citr. oxyd. 2,5 

Aq. dest. 

Syr. simpl. ana 50,0. 
MDS. 3stdl. 1 Theelöffel voll. 



735. fy 

Ferri citr. oxyd. 0,5 

Aq. carbon. 200,0. 
D. Aqua chalybaeata e ferro citrico. 



732. I* 

Ferri citr. oxyd. 5,0 
Mellis 1,0 

Pulv. Flor. Malvae q. s. 
ut f. 1. a. pil. 100. Consp. Lycop. D. S. 
Täglich 1-10 Stück zu nehmen. 

Bouchardat. 

Ferrum citricum ammoniatum. Ferrum citricum c. Ammonio 
citrico. Ferro- Ammonia citrica. Ammoniacum ferrico-citricum. Ammonio- 
citrate of iron. Citrate de fer ammoniacal. Citronensaures Eisen- 
oxyd-Ammonium. [Leicht löslich. — 1,0 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-1,0 in Pulvern, Pillen, Trochiscen oder 
Solutionen. [Das Mittel ist in einer der letzten italienischen Cholera-Epidemien 
als Universalmittel gebraucht worden (Gugliclmi, Ruspiiii)!] 

737. J^ 



73«. fy 

Ferri citr. ammoniat. 1,0 
Sacch. 22,0 

Elaeos. Garyophyllae etVanillae 2,0. 
M. f. pulv. D. S. Eisenzucker. \-\ Thee- 
löffel mehrere Male täglich. 

Beral. 



Ferri citr. ammoniat. 
Sem. Cacao ab Oleo liberat. 
Sacch. alb. ana 5,0 
Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
ut f. pil. No. 100. Consp. Sacch. D. S. 
3 mal täglich 2-10 Pillen zu nehmen. 

Ferrum citricum cum Magnesia. Wie das vorige. 
Ferrum citricum cum Chiiiino citrico. 

In Weill gelöst [Vinum ferratum chinicum, von lU'ral in der Reconvalescenz 
nach Intermittens empfohlen. 500,0 dieses Weines enthalten 9,0 Ferr. citric. und 2,0 
Chin. citricum]. 

Ferrum citricum effervescens. Aufbrausendes citronensaures Eisen- 
oxyd [10,0 20 Pf.] und Ferrum citricuiii cum Magnesia citrica effer- 
vescens. Aufbrausende citronensaure Eisenmagnesia. [Ersteres besteht 

aus Ferr. citr. ammon., Acid. citr., Sacchar. und Natr. bicarbon. und enthält 4 pCt. 
Elisen, letzteres aus Ferr. citr., Natr. tartar., Natr. bicarb., Acid, citr., Magnes. car- 
bon. f. 1. a. granula und enthält 1 pCt. Eisen. ThcelölFelwciso in Zuclverwasser. 
Angenehme Eisenpräparate.] 

Ferrum evaiiatmih Ferrum hydruo-eyanicum. Ferrum borussicum 

MT ft 780-737. 



Ferrum jodatum. 



313 



s. zooticum. Fcrrocyanidc of iron. Cyanurc double de fer hydrate. 
Blausaures Eisenoxydul-Oxyd. Eisencyanür-Cyanid. [Nicht lös- 
lich. — 10,0 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,6 mehrmals täglich in Pulvern oder Pillen. 

Ferrum hydricum s. Ferrum oxydatum fuscum. 

Ferrum hydricuitt in Aqua s. Liquor Ferri oxydati hydrati. 

*Fcrriim jodatum. Ferrum hydrojodicum oxydulatum. Jodaretum 
Ferri. Jodide of iron. Jodare de fer. Eisenjodür. Jodeisen. [In 
Wasser löslich. 82 Th. Jod entsprechen 100 Th. Eisenjodür. Leicht zersetzbar. Stets 
zur Dispensation frisch zu bereiten. — 10 etwa 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0,3 in Pillen, Pulvern oder Solutionen. — 
[Lambert-Seron empfiehlt die Darreichung des Ferrum jodatum in Glycerin. — Haupt- 
sächlich benutzt in Krankheitszuständen, in denen man neben der alterirenden, anti- 
dyskrasi sehen Wirkung des Jod die stärkende des Eisens erzielen will, also bei Com- 
binationen von Scrophulosis oder Syphilis mit Chlorose, Anämie, allgemeiner Atonie, 
Amenorrhoe, Blennorrhoe u. s. w.] 

Aeusserlich: zu Bädern [50.0-60,0 pro balneo], Salben [1,0-2,0 
auf 10,0 Fett]. 

Zweckmässiger als dieses Präparat, weil durch den Zusatz des Zuckers 
die Zersetzung behindert wird, ist das folgende Präparat. 



738. Bf 


Sacch. Lact, ana 1,2 


Ferri jodat. 


Rad. Alth. pulv. 2,0. 


pulverat. ana 2,0 


M. f. pil. 40. Obduc. Sol. Bals. Tolut. 


Mcllis depur. q. s. 


aether. D. [Jede Pille enthält das aus 


ut f. pil. 20. Obducant. Saccharo. D. S. 


0,015 Eisen resultirende Jodeisen.] 


Morgens und Abends 1 Pille. 


Julius Clarus*). 


[Bei Galactorrhoe.] 






Gueneau de Mussy. 


740. Bf 




Ferri pulv. 2,0 




TS9. Fy 


Jodi 4,0 


Ferri pulv. 0,6 


Sacch. pulv. 3,5 


Jodi puri 1,0 


Rad. Liquir. pulv. 7,0 


Aq. dest. guttas nonnullas 


Aq. dest. 2,5. 


tere in mortar. ferreo 


M. f. pil. No. 100. D. S. 1-2 Pillen 


ad de 


mehrere Male täglich. 


Sacch. all). 


Pilulae Ferri jodidi Ph. Brit. 



Ferrum jodatum saccharatuiu. Gezuckertes Eisenjodür. 

[5 Th. enthalten 'l Th. Jodeisen. — In 7 Th. Wasser löslich. — 1,0 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,25-1,5 in Pulvern, Pillen, Pastillen, Lösun- 
gen [gegen seeundäre Syphilis mit Anämie: Ricorri ; gegen Lungenphthisis: I)u- 
pasqiiier; Milzhypert.ophie: Schönlein; gegen cerebrale und spinale Lähmungen und 
Morbus Brigthii: Romberg]. 



*) Aehnlich ist die Formel für üie in Frankreich vielfach gebrauchten Blanrard- 
schen Pillen: 40,0 Jod, 20,0 Ferr. limat. und 60,0 Aq. dest. werden in einem (ilas- 
ballon so lange geschüttelt, bis die Mischung eine grünliche Farbe angenommen hat, 
dann in 50,0 Mel dep. hineinfiltrirt und auf 100,0 abgedampft; mittelst Pulv. Rad. 
Liquir. wird eine Pillenmasse hergestellt, aus der 10ÜU Pillen geformt werden. Der 
LJeberzug dieser Pillen geschieht mit einer concentrirten Lösung von Mastix und Toi u- 
Balsam in Aether. Jede Pille enthält 0,00 Jodeisen. — Perrons lässt Jod, pulverisirtes 
Bisen und Honig ana 1,0 mit einander verreiben, dann Pulv. Rad. Liquir. 2,0 zusetzen 
und in 25 Pillen theilen, von denen jede 0,05 .lodeisen enthält. Vgl. Lebert's Jod- 
eisen-Syrup unter Kalium jodatum. 

\[- 73S-740. *W® 



114 



Ferrum jodicum oxydatum. 



741. 



M. f. 

S. 



R 

Ferr. jodat. sacchar. 

Sacch. alb. ana 0,5. 
puls. Dispens, tal. dos. No. 15. D. 
3 mal täglich 1 Pulver zu nehmen. 



742. 



R 



ut f. 



Ferr. jodati sacchar. 

Sacch. lact. ana 5,0. 

Mucilag. Gummi Arab. 

pil. No. 100. Consp. 
Liquir. D. S. 3 mal täglich 
nehmen. 



q. s. 

Pulv. Rad. 
5 Pillen zu 



743. Iy 

Extr. Conti 

Ferri jodati sacchar. ana 0,6 
Succ. Liquir. dep. q. s. 
ut f. pil. 30. Consp. Lycop. D. S. Täglich 
3-6 Pillen. [Bei beginnendem Krebs.] 

Thompson. 



744. ty 

Ferri jodati sacchar. 5,0 

solve in 
Aq. dest. 100,0. 
3stdl. 1 Theelöffel voll. 



Ferrum jodicum oxydatum. 



D. S 
Jodsaures 



Eisenoxyd. [Enthält 



51 pCt. Jod und 11 pCt. Eisen. — Soll ein haltbares Präparat sein.] 

Innerlich: zu 0,15-0,3, am besten in Pillenform, von Moor, 
UPDowcll u. a., namentlich gegen Scrophulose, empfohlen. 

*Ferrum lacticum. Ferrum oxydulat. lacticum. Lactate of iron. 
Lactate de fer. Ferrolactat. Milchsaures Eisenoxydul. [Grünlich weisse, 
aus kleinen nadeiförmigen Krystallen bestehende Krusten oder krystallinisches Pulver, 
in 38,2 Thl. kaltem Wasser, kaum in Weingeist löslich. — 10,0 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,75, in Pulvern, Pillen, Pastillen [zu 0,06. 
— Eines der mildesten und der Verdauung zugänglichsten Eisenpräparate, welches 
namentlich bei Chlorose in Gebrauch gezogen zu werden verdient]. 



745. fy 

Ferr. lact. 
Elaeosacch. Calami 
Sacch. albi ana 3,0. 
M. f. pulv. Div. in 10 part. aeq. D. in 
chart. cerat. S. Morgens und xibends 
1 Pulver. 



747. Iy 

Ferr. lact. 2,0 
Extr. Aloes 

Rad. Rhei pulv. ana 4,0. 
M. f. pil. No. 100. Consp. Lycop. D. S. 
Früh und Abends 3 Pillen zu nehmen. 
[Bei Chloro tischen mit trägem Stuhlgang.] 
Stuhlfördernde Stahlpillen. 

H. E. Richter. 



746. Iy 748. Iy 

Ferr. lact. Ferr. lact 10,0 

Succ. Liquir. dep. ana 0,0 Vini Gentian. 600,0. 

. pil. 100. Consp. Cinnam. D.S. 3 mal D. S. Morgens 1 Weinglas. [Bei scrophu- 
täglinh 2-5 Stück. löser Drüsenvereitcrung. 

Jobert (de Lamballe). 

Ferrum oxydatum dialysatum. Ein lösliches Eisenoxydpräparat, 
welches von Wagcncr in Pesth in den Arzneischatz eingeführt worden ist. 
[Die vorige Auflage dieses Werkes gab ein sehr complicirtes Verfahren zur Bereitung 
des Ferrum oxyd. dialysat. an, welches auf der Darstellung von Ferroxid (Eisenoxyd- 
bydrat) aus Ferrichlorid (Eisenchlorid) und Ammoniak und darauf folgender Dialyse 
desselben besteht. Mit l l / 3 Thln. Zucker gemengt, giebt es einen zweiprocentigen 
Kisenoxydsaccharat-Syrup, der vollkommen klar ist und sich zur Anwendung 
onders eignen soll. — Es ist nicht ersichtlich, welche Vortheile dieses Präparat, 
welches viele Schwierigkeiten und Complicationen der Darstellung darbietet, vor dem 
einfachen Ferrum oxydatum saoeharaturo solubile, mit dem es höchst wahrscheinlich 
in der Bauptsaohe identisch ist, halien soll. Hierzu kommt, dass die characteristische 
Eigenschaft desselben gerade die ist, nicht durch den Dialysator zu gehen, seine Re- 
sorption im Magen also höchst zweifelhaft ist. Wahrscheinlich wird es vorher in das 
Chloiid und Lactat (event.) verwandelt.] 

gr H' 741-748. 



Ferrum oxydatum fuscum. 



315 



Innerlich-, zu 2-5 Tropfen mehrere Male täglich als Tonicum, zu 
10-20 Tropfen \ 2 -2 stündlich als Adstringens [Dysenterie, Choleradiarrhoe, 
Blutungen u. s. w.]. 

Aeusserlich: unverdünnt als Stypticum bei Blutungen, nament- 
lich Epistaxis und Metrorrhagie; zu Waschungen [mit 1-2 Theilen Wasser 
verdünnt] bei profus eiternden Geschwüren und Wunden, Prolapsus ani 
u. s. w. , endlich zu Injectionen bei Gonorrhoe [mit 7 2 -l Wasser ver- 
dünnt]: Wagener. 

Ferrum oxydatum fuscum. Ferrum hydricum. Ferrum oxyda- 
tum hydratum. Hydras ferricus. Crocus martis aperitivus. Browu-red. 
Peroxyde of iron. Peroxyde de fer brun. Eisenoxydhydrat. Braunes 
Eisenoxyd. [Unlöslich in Wasser leicht löslich in verdünnten Mineralsäuren. — 
10 15 Pf] 

Innerlich: zu 0,2-1,0 mehrmals täglich, in Pulvern, Pillen oder 
Pastillen. 

Aeusserlich: als Streupulver [bei Krebsgeschwüren]. 

M. f. pil. No. 300. S. Täglich 2-4 Pillen* 
[Rothbackenpillen. Pillen der Sumpf- 
bewohner.] Hager. 



1,0 



749. ty 

Perri oxydat. fusc 
Chinini sulf. 0,05. 
M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 12. S. 
2 stdl. 1 Pulver. [Bei Neuralgien mit 
intermittirendera Character.] 



750. Bf 

Perr. oxydat. fusc. 8,0 
Morph, acet. 0,06 
Pulv. aromat. 4,0. 
M. f. pulv. Div. in 10 part. aeq. D. S. 
3 stdl. 1 Pulver. [Bei Gesichtsschmerz.] 

Fuchs. 



751. Bf 

Ferri hydric. 

„ sesquichlor. 
Cinchonin. hydrochlor. 
Extr. Gentian. ana 10,0 
Aq. dest. 3,0 
Sacch. alb. 

Rad. Altheae ana 5,0 
Rad. Gentian. 7,0-8,0. 



752. 



U' 



Ferri oxydat. fusc. 
Extr. Chin. fusc. ana 5,0 
Mucil. Gummi Arab. q. s. 
F. pil. 100. Consp. Cinnam. D. S. 
täglich 5 Stück. [Bei Chlorose.] 



3 mal 



753. 



D.S. 



Adip. suill. 

Sebi ovill. ana 30,0 

coque cum 
Ferr. oxyd. fusc. 5,0 
ut f. massa nigra 
cui adde 
Terebinth. laricin. 5,0 
Ol. Bergamott. 
Argillae ana 2,5. 

Zum Verbinden offener Frostschäden. 
Wahler'sche Frostsalbe 
(von der Bayerischen Regierung 
als Arcanum angekauft). 



Oxyd, ferricum. 



Crocus Martis ad- 
Rothes Eisen- 



Ferrum oxydatum rubrum. 

stringens. Red oxyde of iron. Oxyde rouge de fer. 
Oxyd. [Unlöslich. — 1,0 5 Pf.] 

Innerlich: wie das vorige. 

In der früheren Ph. Austr. war das Ferrum oxydatum nativum 
rubrum, Lapis haematitis, Blutstein, officinell. Dasselbe wird nur 
äusserlich als blutstillendes Mittel verwendet. 

*fVrrum oxydatum saccharatuiti solubile* . Eisenzucker, lös- 
liches Eisenoxydsaccharat. Rostfarbenes Pulver einer Verbindung von 
Eisenoxyd and Zucker, welches so dargestellt wird, dass dieselbe 3 pCl. 
metallischen Eisens entspricht. [Löslich in 5 Th. Wasser. Schwärzt nicht die 
die Zähne bei seiner Anwendung. — 10,0 10 Pf.] 

Bf 740-753. 



31 G Ferrum oxydatuni nigrum. 



Innerlich: zu 0.5-3,0 imd mehr [theelöfTelweise bei Arsenikvergiftung], 
in Pulvern [pure], Pillen, Pastillen [0,06], in Lösung, Syrup [vergl. 
Syrupus Ferri oxydati soluhilis. Mit Malzextract verbunden, ähnlich wie Extraktum 
Malti ferratum. Auch in Bonbons als „Eisenliqueur-Bonbons" fabricirt. Eine ganz 
unzweclanässige Form.] 

Das Präparat ist besonders von Lebcrt als Tonicum sehr empfohlen, 
sowohl für Kinder als Erwachsene, desgleichen von Jcaimcl. Nach B. Köhler 
findet es eine ausgezeichnete Verwendung gegen Arsenikvergiftung; der- 
selbe giebt es in gehäuften Theelöffeln pro dosi, Anfangs viertelstündlich, 
später seltener; die Darreichung von Eiweiss und Salzen ist dabei zu 
vermeiden. * . 

754. ty 

Ferri oxydati sacch. solub. 10,0 

solve in 
Aq. dest. 50,0 
Syr. Croci 25,0. 
D. S. 3stdl. 1 Theelöffel. 

Ferrum oxydulatum nigrum. Ferrum oxydato-oxydulatum Ph. Austr. 

Aethiops martialis. Scale of Iron. Eisenoxydul-Oxyd. Schwarzes 
Eisenoxydul. [1,0 etwa 10 Pf] 

Innerlich: zu 0,1-0,6 mehrmals täglich, in Pulvern oder Pillen. 



756. IV 

Ferri oxydul. nigri 

Extr. Ferri pomati ana 5,0 

Rad. Calami pulv. q. s. 

F. pil. 50. Consp. Pulv. Rad. Calami. 
D. S. 3 mal täglich 2-5 Stück. 



755. ty 

Ferri oxydul. nigri 
Rad. Colombo ana 3,0 
Elaeosacch. Cinnam. 6,0. 
M. f. pulv. Div. in 10 part. acq. D. in 
chart. cer. S. Täglich 3 Pulver. [Bei 
Chlorose, Amenorrhoe.] Brera. 

Ferrum peptoiiatum SlCCUm. Pepton-Eisen. [Eine Verbindung von 
Pepton 1 mit Liq. ferri oxyd. dialysat. 99, bei gelinder Wärme zum Syrup eingeengt, 
auf Glastafeln aufgestrichen und bei 30 — 40° ausgetrocknet. 100 Th. enthalten 
80 pCt. Eisen und 20 pCt. Pepton. Zu 0,1-0,2 pro dos. — Jedenfalls ein rationelleres 
Präparat als Ferr. albuminat., obgleich seine grössere Resorbtionsfähigkeit vor anderen 
Eisenverbindungen auch noch zweifelhaft ist, und das hinsichtlich des Eisenalbumi- 
nats Gesagte auch hier gilt. — 1,0 10 Pf.] 

Ferrum phosphoricum. Ferrum phosphoricum oxydulatum. Phos- 
phas ferrosus. Ferrum phosphoricum oxydato-oxydulatum. Protophos- 
phate of iron. Phosphate ferroso-ferrique. Phosphorsaurcs Eisen- 
nw du 1. [Unlöslich. — 10,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,5 mehrmals täglich, in Pulvern, Pillen, 
Pastillen [besonders bei Rachitis, in der Reconvalescenz nach schweren Krank- 
heiten, Scliwächezuständen der Kinder empfohlen.] 

lYrrimi phosphoricum oiydatum. Phosphas ferricus. Phosphor- 
saures Eisenoxyd. In der Ph. Austr. und im früheren Cod. med. Ilamb. 
officinell. [In Wasser anlöslich. — 10,0 etwa 20 Pf.] 

I d n e il ich: wie das vorige. 

A.eusserlich: [in wässeriger Phosphorsäure gelöst, als Liq. .Schobclti] 
gegen CariÖse Zähne und Zahnschmerzen [Charpie, mit diesem Liquor befeuchtet, 
;mf die leidenden Zähne gebracht], in Salben [1-5 auf 10 Fett — bei Krebs]. 

Ferrum phosphoricum oxydatum cum Nntro citrico. Natrium- 

Ic 764-756. 



Ferrum pulveratum. 317 



ferricitriphosphat. Phosphorsaures Eisenoxyd mit citronensaurem Natron. 
[Von Itlartensou als leicht lösliches und in seinen Lösungen haltbares Präparat em- 
pfohlen. Blassgrüne glänzende Lamellen, leicht löslich in Wasser, von salzigem aber 
nicht styptischen Geschmack. Enthält 14 pCt. Eisen.] Besonders zu subcutanen 
Injectionen und für die Kinderpraxis empfohlen. 
Ferrum pomatum s. Extractum Ferri pomati. 

*F©rruoi pulvoratuiii. Limatura Ferri s. Martis alcoholisata s. 
praeparata. Alcohol Martis. Iron filings. Limaille de fer preparee ou 
porphyrisee. Gepulvertes Eisen Eisenpulver. Eisenfeile. j[10.0 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-1,0 mehrmals täglich, in Pulvern [mit aromati- 
schen Zusätzen — der Zusatz von Absorbentien, wie Magn. carbon., Conch. praep. 
u. s. w. scheint, obgleich sehr gebräuchlich, doch insofern unzweckmässig, als er das 
Lösungsmittel für das Eisen bindet und somit dessen Wirksamkeit beschränkt], 
Pillen, Latwergen [in denen es sich aber in kurzer Zeit oxydirt], Trochisci 
[zu 0,12 vorräthig] und zur Bereitung von Eisenwein. 



757. Bf 

Ferr. pulv. 

Pulv. Rad. Calami 

Pulv. Cort. Cinnam. Cass. ana 5,0. 
M. f. pulv. Div. in 15 part. aeq. MDS. 
3 mal täglich 1 Pulver. 



758. Bf 

Ferri pulv. 

Cort. Cinnam. ana 0,1-0,2 
Sacch. alb. 0,6. 
M. f. pulv. d. tal. dos. No. 10. S. Vor 
jeder Mahlzeit 1 Pulver. [Bei Chlo- 
rose.] 

Teissier. 



759. ty 

Ferri pulv. 0,06 
Cort. Cinnam. Cass. 0,12 
Magn. carb. 0,3 
Sacch. alb. 1,2. 
M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 6. D. S. 
Früh und Abends ein halbes Pulver. 
[Bei Rachitis, Atrophie.] 

Pulvis antatrophicus Ph. paup. 



760. Bf 

Ferri pulv. 4,0 

Pulv. Cort. Cinnam. Cass. 2,0 

Extr. Card, bened. q. s. 
F. pil. No. 60. Consp. Cass. D. S. 3 mal 
täglich 3-4 Stück. Oesterlen. 



Ferrum pyropliosphoricum oxydulatum. Pyrophosphas ferricus. 
Pyrophosphate of iron. Pyrophosphate de fer. Pyrophosphorsaures 
oder brenzphosphorsaures Eisenoxyd. [Weisses, unlösliches, luftbestän- 
diges Pulver. — 10,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,3-0,6 mehrmals täglich, in Pulver, Pillen 
oder in kohlensaurem Wasser gelöst [Soltmaiiifs Aqua Ferri pyrophos- 
phorici = 0,0G in 200,0 Wasser. — Von Saquct sind Pates alimentaires au 
pyrophosphate de fer dargestellt und von Dccaisiic gerühmt worden. Dieselben 
können unter der Form der Suppe Mittags genommen werden und sollen durch Ab- 
wesenheit des styptischen Geschmacks und der stopfenden Wirkung sich auszeichnen. 
Jedes Stück soll 0,15 Eisen enthalten]. 

Ferrum pyronhosulioricuiii cum Aiiimoiiio citrico. [Eine Auf- 
lösung von 84 Natr. pyrophosphoric. wird mit einer Auflösung von 84 Liq. Ferri 
sesquichlorat. gemischt. Der entstehende Niederschlag gut ausgewaschen und in eine 
Lösung von 26 Citronensäure. welche vorher mit Liq. Amnion, caust. bis zu schwach 
alkalischer Reaction gesättigt ist, eingetragen. Nachdem der Niederschlag sich hierin 
aufgelöst hat. wird die Flüssigkeit zur Syrupsd icke abgedampft und dann auf Ilachen 
Platten ausgebreitet, vorsichtig ausgetrocknet. Es enthält 18pCt. metallischen Eisens. 
Gelblich grüne glänzende, in Wasser vollständig lösliche Schüppchen, welche schwach 
nach Eisen schmecken. — 1,0 5 Pf.] 

fy 757-760. ^mü 



»iS Ferrum reductum. 



Innerlich: zu 0,1-0,5, in Pulvern, Pillen, Lösung. [In neuerer 
Zeit vielfach angewendet, namentlich von Gricsingcr als leicht verdauliches und er- 
träglich schmeckendes Eisenpräparat gern gegeben.] Vergl. auch Natrum pvro- 
phosphoricum ferratum. Dieses und das vorhergehende Präparat sind 
nichts anderes als phosphorsaures Eisen und wie dieses als obsolet zu 
betrachten. Das phosphorsaure Eisen wird nämlich durch Fällen von 
Ferr. sulfur. mit vorher geglühtem phosphorsauren Natron (daher pyro- 
phosphoricum) dargestellt, wobei sich einfach phosphorsaures Eisen bildet. 

761. fy 

Ferri pyrophosphor. c. Ammonio citr. 2,5 

solve in 
Aq. dest. 100,0 
Syr. Aurant. Flor. 20,0. 
MDS. 2-3 mal täglich 1 Esslöffel. Griesinger. 

*Ferruni rednctum. Ferrum Hydrogenio reductum. Reduced iron. 
Fer reduit par l'hydrogene. Reducirtes Eisen. [Ein im höchsten Grade 
fein zertheiltes Pulver, welches durch Reducirung des rothen Eisenoxyds mittelst eines 
Wasserstoffgasstromes in der Rothglühhitze erhalten wird; glanzlos, leicht, von schie- 
fergrauer Farbe. — 10 : 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0,2 mehrmals täglich, in Pulvern, Pillen 
oder am besten in Pastillen. [Dieses von Quevciiue zuerst in die Praxis ein- 
geführte Eisenpräparat darf als das der Verdauung am leichtesten zugängliche und 
darum als sehr zweckmässig bezeichnet werden.] Ein vortreffliches Präparat 
ist die gleichfalls von (lucvciinc vorgeschlagene Verbindung von Ferrum 
reduct. mit Chocolade [5.0 ad 1000.0], die sogenannte Eisen chocolade, 
die in Tafelform gebracht und wie andere Chocolade infundirt wird, etwa 
40,0 zu einer Tasse, welche somit 0,2 Ferrum reductum enthält. — Eine 
ganz besondere Empfehlung verdienen, zumal für die Kinder- und Frauen- 
praxis, die Eisenchocoladepastillen, welche in den Apotheken [0,06 
Ferr. reduct. zu einem Trochiscus] vorräthig sind. Auch Eisen-Dragees 
werden von (lucvciine empfohlen: aus Ferrum reduct. 100,0 und Saechari 
900,0 werden 2000 Dragees bereitet, von denen jede demnach 0,05 Eisen 
enthält. 






■ 



7G3. ly. 

Ferri reduct. 2,5 

Sem. Cacao ab Oleo liberat. 

Sacchar. ana 5,0 

Mucil. Gummi Arab. q. s. 
ut f. pil. No. 100. Consp. Sacch. D. S. 
3 mal tätlich 2-5 Pillen. 



762. fy 

Ferri reduct. 0,1 

Cort. Chin. pulv. 
t t 'p t . t Jr-*o Elaeosacch. Menth, pip. ana 0,5. 

IL f. pulvis. Dispens, tal. dos. No. 20. 
l't 5//,«!.7w. D g Morgens und Abends 1 Pulver zu 

Sf*<u. nehmen. 

*F«rriiin scsquicliloratiim. Ferrum sesquichloratum crystallisatum. 
Ferrum chloratum oxydatum. Scsquichloridc of iron. Perchlorurc de 
fer crystalli.se. Eisenchlorid. Eisensesquichlorid. [Gelbe krystallinische 
trockene, an der Luft sehr leicht zerfliessliche Masse. — 10,0 10 Pf. Von Ilcchamp be- 
sonders bei Hämorrhagie und Diarrhoe empfohlen. Das Präparat kommt jedoch selten 
als solches zur Anwendung. Es zieht das Wasser sehr stark an, deshalb für Pulver 
ganz unbrauchbar. Selbst Pillen, zu deren Darstellung man sich dieses Präparates 
bedienen wollte, wären vor dem Zerfliessen kaum zu schützen, und für die flüssigen 
Formen bedient man sich selbstverständlich mit grösserem Vortheil des Liq. Ferr. 
[uichlorati (s. diesen). Das Mittel wird auch zur Bereitung des Spiritus Ferr. 
sesquichloratl aethereus Mi. Austr. benutzt, und besteht etwa zu einem Drittel aus 

Bf 761-768. 



Ferrum sulfuricum. 



319 



metallischem Eisen. Aeusserlich: von Beciiamp als Haemostaticum empfohlen, 
soll blutstillend wirken, ohne zu ätzen.] 

Ferrum sesquicliloratnm solutum s. Liquor Ferri sesquichlorati. 
Ferrum sesquijodatuin so In tum s. Liq. Ferri sesquijodati. 

Ferrum sulfuratum. Schwefeleisen. [100,0 etwa 30 Pf.] 
Innerlich: zu 0,05-0,2 in Pillen [gegen Hautkrankheiten von IBictt 
und Cazctiavc verordnet. — Ein widriges und erfolgloses Mittel. — Nicht in Abkür- 
zung zu verschreiben, sonst Verwechselung mit Ferr. sulfuricum!]. 

Das friscli aus Eisensalzen mit Schwefelalkalien gefällte Schwefel- 
eisenhydrat wurde von Miallie gegen Metallvergiftungen [Sublimat-, Kupfer- 
vergiftung] vorgeschlagen. 

*Ferrum sulfuricum. Ferrum sulfuricum purum. Ferrum sulfuri- 
cum Ph. Austr. Ferrum sulfuricum oxydulatum. Ferrum sulfuricum cry- 
stallisatum. Yitriolum Martis purum. Sulfas ferrosus cum Aqua purus. Sul- 
phas of iron. Vitriol de fer. Ferrosulfat. Schwefelsaures Eisenoxydul. 
Reiner Eisenvitriol. [Ein krystallinisches, an trockner Luft verwitterndes Pulver, 
welches sich in 2-8 Th. Wasser mit grünlich blauer Farbe löst. — 10,0 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0,5 mehrmals täglich, in Pulvern, Pillen, 
Pastillen [zu 0.06] und Solutionen. 

Aeusserlich: zu Injectionen [0,5-2.5 auf 100,0 bei Blennorrhöen der 
Urethra, Vagina u. s. w.; stärkere Lösungen bis zu 1 auf 5-10 als Stypticum bei 
passiven Blutungen], zu Bädern [Eisenvitriol 30,0-60 und Kali carbon. e einer, 
etwa 120,0: Döbcreincr] , Salben [1 zu 10-30 Fett], Linimenten [fein ge- 
pulvert und mit Ol. Lini verrieben. Diese Mischung wird als wirksamstes Mittel 
gegen die durch Cyankalium bedingten Geschwüre und als Prophylacticum gegen 
dieselben bei Vergoldern gerühmt: van der Vfeydc], Augen wässern [Bähungen: 
0,05-0.2 auf 25,0; Tropfwässern: doppelt so stark], Augenpulvern [0.5-1,0 
auf 10 Zucker], Streupulvern [mit Alaun, Kohle, Myrrhe u. s. w. bei Blu- 
tungen, atonischen Geschwüren u. s. w.]. [Vergl. noch Ferrum sulfuricum crudum, 
das zu manchem äusserlichen Gebrauche genügt.] 



764. ty 

Ferr. sulfuric. 0,1 

Elaeosacch. Calami 0,5 
M. f. pulv. D. tal. dos. No. 10. D. in chart. 
cerat. S. Morgens und Abends 1 Pulver. 



7G5. fy 

Ferr. sulfuric. 
Santonini ana 0,05 
Sacch. alb. 0,5. 
M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 12. D. in 
chart. cerat. S. 8 mal täglich 1 Pulver. 
[Bei Helminthiasis.] 

TC.C». ]y 

Ferr. sulfuric. 0,25 
Rhiz. Zingiber. 0,5-1,0. 
P. pulv. D. tal. dos. No. 10. S. Morgens 
und Abends l Pulver. [Bei Amenorrhoe, 

Chlorose.] 

707. fy 

Ferr. sulfuric. 

Natr. bicarbon. ana 0,0G 

Sacch. alb. 0,4. 



M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 6. D. S. 
Täglich 2-3 mal 1 Pulver in einem Glase 
Zuckerwasser. Buchner. 



.5,0 



7G8. fy 

Ferr. sulfuric. 
Kai. carb. pur. ana 
Tragacanth. q. s. 
ut f. pil. 100. Consp. Pulv. Cort. Cinnam. 
D. S. 3 mal täglich 3, später 4-5 Pillen. 
[Bei Chlorose.] 

Biaud'sche Pillen, 
von F. v. Niemeyer modificirt. 



769. fy 

Ferr. sulfuric. 
Natr. bicarb. 
Extr. Gent, ana 4,0. 
M. f. 1. a. pil. 60. Consp. Cass. Cinnam. 
D. S. Täglich, allmälig steigend, 3-4 
l'illrii. | |>ci Chlorose.] Lebert. 

l y 764-769 



Ferrum sulfuricum crudum. 



770. ty 

Ferr. sulfuric. 

Kino ana 6,0 

Tereb. laricin. 8,0 

Pulv. Rad. Liquir. q. s. 
ut f. pil. 100. Consp. Cinnam. D. S. 3 mal 
Stück. [Gegen Nachtripper.] 



täglich 4 



771. ly. 

Ferr. sulfuric. 4,0 
Extr. Myrrhae 
Galbani ana 12,0 
Extr. Aurant. Cort. q. s. 
F. pil. 120/ Consp. Cinnam. D.S. 3 stdl. 
6 Stück und mehr. 
[„Rothe Backen-Pillen" bei Chlorose.] 

Kämpf. 

772. I* 

Ferr. sulfuric. 1,25 
Kalii carbon. pur. 1,5 

solve in 
Aq. Menth, crisp. 250,0 

adde 
Myrrh. pulv. 4,0 

antea cum 
Sacch. 15,0 contrit. 
MDS. Umgeschüttelt, 4 mal tägl. 1-2 Ess- 
löffel. 

[In dieser Mixtur bildet sich kohlen- 
saures Eisenoxydul.] 

Mixtura antihectica Griff ithii 
s. Mixtura ferri comp. Cod. med. Hamb. 

*Fcrruiii sulfuricum crudum 

vitriol. Vitriol vert, Couperose vert 
Grüner Vitriol 



773. Bf 

Ferr. sulfuric. 1,5 
Kalii jodati 2,0 

solve in 
Aq. Cinnamom. 25,0 

ultra et adde 
Syr. Sacch. 150,0 
Morph, acet. 0,1. 
MDS. 2 -3 mal täglich 1 Esslöffel. [Bei 
chronischer Lungen-Phthisis.] Lebert. 

774. Iy 

Ferr. sulfuric. 0,5 
Acid. oxalici 0,25 
Aq. dest. 150,0 
Sacch. alb. 30,0. 
MDS. Esslöffelweise in der Apyrexie zu 
verbrauchen. [Bei Intermittens.] 
Gamberini's Mixtura oxalico-martialis 



775. 



MDS. 
776. 



Ferr. sulfuric. 5,0 
Aq. dest. 200,0 
Tinct. Opii 2,5. 
Zur Einspritzung. 



[Bei ßlu- 



Ferr. sulfuric. 
Aluminis 
Kino ana 5,0 
Gummi Arab. 10,0. 
M. f. pulv. D. S. Streupulver, 
tungen.] 

s. venale. Vitriolum Martis. Green 
Eisenvitriol. Roher Eisenvitriol. 
[Eine für hygienische Zwecke in neuerer Zeit mit vielem Erfolge 
versuchte Anwendung dieses Mittels ist die zur Desinfection von Fäcalmassen, Latrinen 
u. s. w. 1 Pfund Eisenvitriol, in ungefähr 3 Pfund Wasser gelöst, reicht nach Pcttcii- 
kofer aus, um etwa 5-10 Kubikfuss Latrinen-Inhalt zu desinficiren. Die Lösung wird 
mehrere Stunden vor der Entleerung in die Latrine gegossen, so dass der Unrath von 
der Eisenlösung bedeckt ist. Das sog. Eau de Javelle besteht wesentlich aus Eisen- 
vitriol. — 100,0 gross, pulv. 20 Pf.] 

Ferrum sulfuricum oxydatum amiiioiiiatuiii. Schwefelsaures 
Eisenoxyd-Ammonium. Ammoniakalischer Eisenalaun. [Bei uns nicht 
in Gebrauch, ausser als Reagens.] 

•Ferrum sulfuricum siecum. Ferrum sulfuricum calcinatum. Ent- 
wässertes Ferrosulfat. Entwässertes schwefelsaures Eisenoxydul. 
[Das Ferrosulfat bei gelinder Wärme von Krystallisationswasser befreit 
— Ein CO ns tanter es und concentrirteres Präparat als das vorige ] 

Innerlich: zu 0,03-0,2 und mehr, mehrmals täglich, 

Pillen. [Vergl. Pilul. aloeticae ferratae.] 

Zuckerwasscr. [Ersatzmittel für eisen- 
haltiges Mineralwasser. | 

778. 



— 10,0 10 Pf. 
in Pulvern 



und 

777. 



Ferri sulf. sicc 
Natr. bicarbon. 
•'•h. 2,0. 
M. t. pulv. D. tal. dos. 
lieh 3 mal 1 Pulver 



0,1 
0,3 



No. 10. S. Täg- 
in einem Glase 



Ferri sulf. sicc. 0,05 
Pulv. aerophor. 1,0. 
M.f.pulv. I). tal.dos.No. 12. 



Wir das vorige. 



Py 770-778. 



Ferrum tannicum. 



321 



Ferrum tniuiiciim. Tannate of iron. Fer taanique. Gerbsaures 
Eisen. [10 20 Pf.] Ein für die Tintenfabrikation mehr als für die 
Therapie passendes Präparat. 

Ferrum tartnricillll. Tartarated iron. Fer tartrique. Weinstein- 
saures Eisenoxyd. Innerlich und äusserlich empfohlen; ohne besondere 
Vorzüge. Etwa wie Ferrum citricum. [Jamloiirs empfiehlt weinsteinsaures 
Eisenoxyd in Verbindung mit anderen Salzen in Lösung nach folgender Vorschrift: 
Natrii carbonici 1,5 solve in Aquae 280.0, adde Ferri sulfurici pur. 2.19; liquore 
supernatante defuso, praeeipilatum injice in lagenam firmam quae Acid. tartar. 1.1 
in Aquae frig. 240,0 soluta continet; adde Natrii carbon. 1,46; leniter solve, ut aci- 
dum carbonicum in liquore maneat, et adde Syrupi simpl. 35 ; ; Elaeosacch. Citr. 4.0. 
— EsslöiTelweise zu nehmen ] 

Ferrum valeriauicum. Valerianate of iron. Valerianate de fer. 
Baldriansaures Eisen. [Nicht löslich. — 1,0 etwa 15 Pf.] 

Ein insofern unzweckmässiges Präparat, als die flüchtige Baldrian- 
säure zum grossen Theile beim Trocknen des Präparates von der schwa- 
chen Basis entweicht. Das Mittel ist theuer, ohne irgend welche thera- 
peutischen Vortheile zu gewahren. 

Flores Acaciae. Schlehenblüthen. [Von Prunus spinosa. — 10,0 
conc. etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu Species [Infusum von 5,0-10,0 auf 1000]. 

Flores Althacae. Marshmallow- Flowers. Menrs de Guimauve. 
Eibischblüthen. [Von Alth. officinalis. — Schleimig. — 10,0 conc. etwa 
10 Pf] 

Innerlich: zu Species [Decoct von 5,0-10,0 auf 100 0]. 

*Flores Aniicac. Arnicablüthen. Wohlverleihblüthen. [Von Arnica 

montana. Scharfer ExtractivstofT (Arnicin?), ätherisches Oel, Gerbsäure. — 10,0 
conc. und gross, pulv. 10 Pf., subt. pulv. 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-1,0 in Pulvern, Pillen, Infusum [2,0-10 
auf 100.0. zweistündlich 1 Esslöflfcl], in dividirten Species. 

Aeusserlich: als Niesepulver, infundirt zu Klystieren und 
Foraenten [5.0-20,0 auf 100,0], in Cataplasmen. 



779. 



I* 



Flor. Arnicae 2,5 
Camph. trit. 0,5 
Ammon. chlorat. 10,0 
Sacch. alb. 30,0. 
M. f. pulv. D, in vitro. S. 3-4 mal täg- 
lich 1 Esslöffel. 
[Kxpectorans und Emmenagogum.] 

Berends. 



780. fy 

Pulv. Flor. Arnicae 

„ Rad. Valerian. 
Aisae foet. 

Bxtr. Pulsat. ana 3,0. 
AI. f. pil. No. 100. Consp. Cinn. 
3 mal täglich 5 Stück. 



D. S. 



781. fy 

Inf. Flor. Arnicae (e 7,5) 150,0 
Liq. Ammonii anis. 2,5 
Syr. Aurant. Cort. 15,0. 
MDS. Stdl. 1 Esslöffel. [Gegen Bronchitis 
capillaris bei stockendem Auswurf und 
drohenden Hirnerscheinungen, auch bei 
Oedema pulmonum] Oppolzer. 



ad 



782. Ey 

Flor. Arnicae '20,0 

inf. Aq. ferv. q. s. 
Colat. 150,0 

post refrigerat. hat cum 
Camph. trit. 1,0 
Mncil. Gummi Mim. 25,0. 
Kinnlsio. I). S. 2 stdl. 1 Esslöffel. 

Hörn. 



Ewald und Simon, ArzneiveTordnungslehre. 10. Aufl, 



21 
ty 779-7*2. 



322 Flores Aurantii. 



783. Bf 

Inf. Flor. Arnicae 200,0 

Aceti aromatici f>0,0. 
D. S. Zum Umschlag. [Bei Contusionen.] 

Flores Aurantii s. Naphae. Orange Flowers. Fleurs d'Orange. 
[Von Citrus Aurantium und amara. — Aetherisclies Oel. — 10,0 conc. 20 Pf.] 
Innerlich: im Aufguss [zu 5,0-15,0 auf 100,0] und in Species. 

Flores Bellidis. Gänseblümchen. [Von Bellis perennis. — 10,0 conc. 
etwa 10 Pf.] Obsolet. 

Flores BorragilÜS. Borretschblüthen. [Von Borrago officinalis. — 
10,0 conc. etwa 15 Pf] Obsolet. 

Flores calcartripae. Fl. consolidae regalis. Ritterspornblüthen. 

[Von Delphinium consolida.] 

Innerlich: zum Decoct [5,0-10,0 auf 100,0 — als Volksmittel bei Husten]. 

Flores Calendulae. Ringelblumen. Todtenblumen. [Von Ca- 
lendula officinalis. — 10.0 conc. etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,5 mehrmals täglich, in Pulvern oder im Auf- 
guss [5,0-15.0 auf 100,0]. 

Als schön gefärbter Zusatz zu Räucherspecies. [Eine aus den frischen 
Blüthen durch Einwirkung der Sonne, wahrscheinlich als Zersetzungsprodukt hervor- 
gerufene klebrige Flüssigkeit, Liquor Calendulae (Schneider), soll ein vortreff- 
liches Blutstillungsmittel sein.] 

Flores Carthailli. Saflor. [Von Carthamus tinetorius. — 100 conc. 
etwa 15 Pf.] 

Vorzugsweise [der Farbe wegen] als Zusatz zu Räucherspecies. 

Flores Cassiae. Zi mm t blüthen. [Blüthenboden von verschiedenen 
Cinnamom-Arten. — 1,0 etwa 5 Pf., subt. pulv. 10 Pf.] 

Wie Cort. Cassiae Cinnamomi, und diesem wegen des feineren 
Geschmackes vorzuziehen, wo der theuere Preis kein Hinderniss ist. 

*Florcs CliaillOlllillae. Anthemidis Flores Ph. Brit. Common Cha- 
momile. Fleurs de Chamomille. Kamillen. Gemeine Kamillen. [Von 
Matricaria Chamomilla. — Aetherisches Oel und bitterer ExtractivstolT. — 100,0 
GO Pf.. 10 conc. und gross, pulv. 10 Pf., subt. pulv. 15 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-5,0 mehrmals täglich, in Pulvern [unzweckmässig], 
im Aufguss [5 0-15,0 auf 100,0], zu Species. 

Aeusserlich: als Streupulver, zu Kräuterkissen, Kataplas- 
men; das Infusum zu Gurgclwässern, Klysticren, Injectionen, 
Inhalationen, Bähungen, Augen wässern, allgemeinen und örtlichen 
Bädern [1-2 Pfund zum allgemeinen, 50,0- 150,0 zum Fussbade], allgemeinen 
and örtlichen Dampfbädern. 



785. Bf 

Liq. Plumbi subacet. 20,0 
Inf. Flor. Chamomill. 200,0 
Tinct. Opii simpl. 5,0. 

MDS. Verbandwasser. 



784. Bf 

Inf. Flor. Chamom. (e 25,0) 150,0 
Vitclli ovi unius 
\ ac foct. 5,0. 
M. f. \<-%v artia emulsio. D. S. Zum 
Kiystier. 

Flores fl liauiomillao ltomanae. Chamomile. Chamomille ro- 
niaine. Römische Kamillen. [Von Antliemis nobilis. — Aetherisclies Oel. 
— 10,0 conc. 10 IT.] 

Bf 783-785. 



Flores Cinae. 



323 



Innerlich: im Aufguss [5,0-15.0 auf 100.0], zu Specics. 
Aeusserlich: zu trockenen und feuchten Umschlägen, im In- 
fus um zu Bähungen. 

*FIores Cinae« Semen Cynae Halepense vel Levanticum s. Santo- 
nici, s. Contra. Flores Artemisiae Vahlianae Ph. Korr. Semences contre 
les vers, Semencine. Wurmsamen. Zittwerblüthen. Zittwersamen. [Die 
noch geschlossenen Blüthen von Artemisia maritima. — Enthält ätherisches Oel, 
Weichharz und Santonin. — 10,0 5 Pf., subt. pulv. 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0-5,0 mehrmals täglich, in Confection [un- 
zweckmässig], in Pulver, Latwerge, im Infus um [5,0-20 auf 100,0], in 
Chocolade, in Honigkuchen-Teig und anderen mehr oder weniger 
künstlichen Formen, deren aber keine den üblen Geschmack und Geruch 
zu verdecken im Stande ist. In den meisten Fällen giebt man jetzt 
statt des Zittwersamens das viel leichter und angenehmer zu nehmende 
Santonin [vergl. dieses]. 

Aeusserlich: in Klystieren [Infusum von 10,0-20,0 auf 100,0]. 



78G. fy 

Flor. Cinae 

Rad. Valerian. ana 1,0 
Hydrarg. chlorat. mit. 0,06 
Sacch. alb. 2,0. 
M. f. pulv. Divide in part. aeq. No. 4. 
D. S. An einem Tage zu verbrauchen. 
[Gegen Spulwürmer und Wurmkolik.] 

Bouohut. 



Syr. commun. 25,0. 
M. f. electuarium. D. S. Auf 3 mal zu 
nehmen. 
[Diese Form dürfte am allerersten im 
Stande sein, den Widerwillen der Kinder 
zu überwinden, da diese den braunen 
Syrup mehr als jeden anderen, dem Ge- 
schmacke Erwachsener zusagenden, zu 
lieben pflegen.] 



789. ly 

Flor. Cinae 10,0 
Fol. Senn. 5,0 

infunde 
Aq. ferv. q. s. 
ad Col. 100,0 
in qua solve 
Mannae 10,0. 
D. S. Halbstündlich 1 Kinderlöffel voll. 



787. ly 
Flor. Cinae 

Helminthochorti ana 0,75 
Sacch. albi 1,0. 

M. f. pulv. Divide in part. aeq. No. 4. 
D. S. Täglich 2 Pulver. In Frucht- 
Conserven zu nehmen. Bouchut. 

788. Bf 
. Flor. Cinae 5,0 

Tub. Jalap. 1,0 

Flores Convallariae majalis s. Lilii convallii. May-flowers, May- 
lily. Fleurs de perce-ncige. Maiblum